Boys Noize – Mayday (Snowden O.S.T.) (Official Video)

Weder das beste Lied, noch die neueste Message. Lust auf den Film macht das Video dabei schon. Der Irrsinn ist, dass man all das weiß und es einem dennoch egal ist…

Hauptsache. Wir tun betroffen. Wir Idioten.

Advertisements

Freunde mit Jawbone Fitness Tracker

Das ist die Zeit in der wir leben. Nun gut. Eher manche von uns. Sie arbeiten nicht mehr, lassen es ihr Geld für sich tun oder lösen für ihren Verdienst virtuelle Probleme am Computer. Da ist keine Bewegung drin, das ist Stillstand, wenn auch kein geistiger. Nur der Krieger im Menschen verlangt mehr. Der will Bewegung. Nein, der braucht sie sogar. Früher hat dann einfach der Körper gezwickt oder zu viel geschwabbelt und der Mensch wusste: Jetzt muss wieder mal etwas unternommen werden, damit man nicht total zum Wohlstandsopfer wird. Aber dieses Denken ist ein Fehler. Wenn du glaubst durch den Blick in den Spiegel oder an dir herab könntest du Aufklärungsarbeit am eigenen Körper leisten, bist du blind für die nackte Wahrheit; Wahrheit hat ja schon immer Mathematik bedeutet.

 

Los ging es mit der Waage. Klassisches Teil, stellst dich drauf und die pendelte dir dann aus, wie sehr du den Planeten belastest. Aber das reichte nicht. „Körperfett“ musste gewogen werden und das wurde es auch. Und heute. Wo wir auf dem besten Weg dazu sind ein Hybrid aus Technologie und menschlichen Gewebe zu werden, ist das Smartphone der erste Schritt dazu wie eine Enzyklopädie in Buchform der Vorgänger von Wikipedia und dem gesamten Internetzl ist und war; der „Cyborg“ ist die Erfüllung eines gar nicht mal so alten Menschheitstraums, der bald wahr wird („Ghost in the Shell“ lässt grüßen). Weg also mit der Angst vor Neuerungen. Außerdem ist es doch SOOO gesund.

 

Ich war dann also gestern beim berühmten guten Freund und Bekannten, die diese nun auch nicht mehr neuen, jetzt aber extrem populären Fitness-Armbänder haben (oder hat das Armband sie?).

Das Armband ist das Verbindungsstück zwischen Mensch und Smartphone-App, die dir sagt, wie du im medizinischen Vergleich zum globalen Durchschnittsmensch Max Mustermann so abschneidest. Wobei. Jeder ist sein eigener Max Mustermann, denn die App erfasst so gut wie: Alles. Wenn du es denn richtig eintippst:

Körpergröße, Gewicht: Eh klar. Für das was man den ganzen Tag über isst gibt es eine Tabelle aus der du das entsprechende Futter-Utensil auswählen und in Kalorien in die App eingeben kannst. Die zählt dass dann und sagt dir, was du dir noch erlauben darfst – oder auch nicht. Natürlich zählt die App deine Schritte. Die Höhenmeter die du zurück gelegt hast. Deine Herzfrequenz. Wie viel „workout“ du dir heute hast angedeihen lassen. Und was weiß ich noch alles. Das menschliche Gehirn kann den eigenen Körper auch gar nicht beurteilen: Wer kann schon seinen eigenen Augen trauen? Es geht nicht darum wie DU dich siehst, sondern wie du in den Augen der anderen aussiehst. Und weil man das am Verlässlichsten mit Zahlen belegen kann, orientiert man sich daran. Das Versprechen geht dann so, dass wenn alle Werte im grünen Bereich sind und ein hübscher und damit besserer Mensch bist.

So wurde – ich war selbst überrascht – aus der Mathematik die Lehre über die Fitness und die Gesundheit.

 

Ich war da ziemlich baff wie überaus erwachsene Männer Ende dreißig Anfang 40 sich gegenseitig vorrechneten und damit angaben, was sie heute gelaufen und NICHT gegessen hatten. Man kann ja – natürlich – innerhalb des App-Verbundes gegeneinander antreten: Wer war heute der Fitteste? Wer hat gewonnen. (So bekommt man Männer immer rum: Mit dem Contest)

Dabei wusste ich gar nicht ob ich Lachen oder Weinen sollte. Denn die Nazis hätte an der Erfindung sicherlich die blanke Freude gehabt. „He is coming! Der Einheitsmensch.“ Und was wird eines Tages mit denen geschehen, die nicht die App über sich wachen lassen? „Ka-Tsching!“ macht es da bei den Krankenkassen, die haben auch gleich Dollar-Zeichen in den Augen.

Völlig normale, nette Leute aus meinem Bekanntenkreis wiegen sich jetzt also vor meinen Augen (unter der Aufsicht des anderen, der die Daten vom Kumpel eh auf sein Handy geschickt bekommt), bevor sie sich ihr extraterrestrisch großes „Big Kahuna Sandwich“ mit fast 2000 Kalorien in sich hinein scheiben DÜRFEN. Denn die App sagt, es ist okay.

Die App gönnt sich ja sonst nichts.

Da wird dann auch noch live nach dem Essen der Blutdruck mittels Messgerät gemessen und über (wörtlich) zu große Herz des anderen schwadroniert, über Herz-Fett und worauf man alles achten müsse; und ich stand mit meiner Flasche billig Tequila da und wollte mich Samstagabend doch nur ordentlich betrinken („Boah… Alkohol hat doch so viele tote Kalorien!“).

 

Das Smartphone ist schuld. Es ist einfach zu cool. Oder welchen Grund gibt es sonst damit Männer mit denen ich früher noch die Körper von Scarlett Johanson   oder Eva Green verglichen hätte, oder gleich das Gras mit irgend nem anderen Weed oder die unterschiedlichen Speeds oder was weiß ich… Anstatt über unseren Salz/Fett-Anteil im Blut zu  streiten, wer mehr gelaufen ist und warum man doch (obwohl man der GEWINNER dieser Frage war) weniger Kalorien verbrannt hat – wie zur Hölle geht denn das?

Weshalb also sonst sollten Kerle so auf ihr computergestütztes Selbsterlebnis achten, wenn nicht wegen des allglatten Designs der Phones und der Apps? Wohlwissend, dass man vor ein  paar Jahren die Mädels noch für ihren „Weight Watchers“-Wahn verlacht hätte, Kalorien zählen, nein danke. Doch jetzt hat man ja das Smartphone. Und plötzlich macht das ALLES so viel Sinn!

So ist das halt.

Die einen jagen die Pokemon. Die anderen Kalorien.

Und ganz andere wollen einfach Ruhe haben, da sie nicht nur ihr Geld für sich selbst arbeiten lassen oder virtuelle Probleme lösen: Die gehen halt WIRKLICH arbeiten.