Terror-TV

Am vergangenen Abend war Terror-TV angesagt. Wir hatten uns um die Flimmerkiste versammelt, in Gruppen, wie früher zu den besten Zeiten von „Wetten dass?…“ Oder noch ein wenig früher zu „epochalen Ereignissen“ wie der Mondlandung. Oder ein wenig dümmer. Wie ein Boxkampf von Muhammed Ali.

Die großen Gesellschaftlichen Echtzeitereignisse die wirklich fesseln sind nicht mehr Sportevents, denn von denen bekommt man dank Public-Viewing und Biergrölender Bierseeligkeit nicht wirklich etwas mit, nein, es sind die Echt-Zeit-Terrorevents, wie damals bei der letzten Love Parade, wo man auch in Echtzeit im Stream zusehen konnte, bei denen man sich erschrocken an wackelige Bilder klammert, um zu verstehen, was da los ist. Und nur noch verwirrter ist als zuvor.

Mein Gastgeber gestern wollte das auf N 24 sehen, eine ganz furchtbare Wahl, ständig wurde nur Panik gemacht, eine Mutmaßung musste schlimmer als die vorherige sein und unablässig wurden vom Sender Schüssen im Hintergrund abgespielt, auch wenn gar kein Video mit Schüssen gezeigt wurde. Ganz furchtbar schlimm und reißerisch das Ganze.

Neben mir eine schwangere Freundin aus München, die gerade zufällig bei uns war; das machte die Stimmung irgendwie gedrückter: In so eine Welt willst du ein Kind bekommen?

Nachrichten wurden verschickt: „Geht es dir gut?“ „Ja. Alles klar.“

Obwohl gar nichts klar war.

Außer. Dass die Bilder aus dem Fernsehen viel zu dramatisch, viel zu drastisch waren. Das musste Angst machen – und ich bin vor ein paar Tagen genau deswegen dafür eingetreten, nicht mehr Bilder von Täter und Opfern – außer es hilft den Ermittlungen – so unverblümt zu zeigen. Das Terror-TV hält uns in seinem Schwitzkasten gefangen, nur so hat dieses Medium noch die Ultimative Relevanz, die es vor dem Internet hatte.

Ja, es sollte nichts VERHEIMLICHT werden. Das verlangt ja auch keiner. Aber der Terror ist eine Krankheit, die sich ohne Schranken über Bildschirme verbreitet. Muss man sich denn so hartnäckig anstecken lassen wollen, wenn man ein paar Infos will? Geht es denn nicht ne Nummer humaner?

 

Auch das Internet zeigte sich mal wieder von seiner zersetzenden Seite. 95 Prozent der Informationen waren Desinformationen, Verwirrungen, Mutmaßungen, die einen Tag später kaum etwas mit der Wahrheit zu hatten. Hysterie Allerorts. Und wir zogen uns jede ach so noch kleine Information wie Junkies rein.

Was hat das mit uns zu tun?

Was mit der Zukunft?

Was mit der Gesellschaft?

Der Familienvater machte sehr schnell seine eindeutige Meinung klar. Und in solchen Minuten der Unklarheit ist es schwer ihm und seiner ablehnenden, rassistischen Meinung zu widersprechen. Wenn man immer wieder das Video von einem Kerl im roten Tshirt sieht, der von dem Schützen davonläuft und später mit Decke überm Kopf totgeschossen dalag. (Und ich fragte mich, was die Angehörigen dieses Menschen jetzt wohl denken müssen. Wie grausam menschenverachtend diese Unterhaltungsindustrie ist, die immer wieder und wieder und wieder diese Geschichte dieser misslungen Flucht erzählt).

 

Hätte man den Amoklauf verhindert, hätte man den Axt-Mörder nicht, wie es natürlich die BILD-Zeitung gemacht hat, zum Rockstar hoch gejazzt? Hätte dann vielleicht nicht das letzte Vorbild für den Wahnsinn gefehlt und hätte der Mörder dann nicht angefangen um sich zu schießen? Ist denn nicht gerade der Journalismus wortwörtlich die 4te GEWALT?

 

Den einzig guten Kommentar gab wohl die unverblümte Sprache des Münchners ab, der auf den feigen kleinen Niemand, den Mörder einschrie:

 

Am Ende ist der beste Ernstfall eingetreten, nicht für die Toten, nicht für die Verletzten und auch nicht für die Traumatisierten. Doch es war keine Terrorgruppe. Sondern einfach nur ein verlorenes Schaf, ein Loser, der den, der ihn ihm Video beschimpft sogar noch: Siezt.

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Not So Pro-Life After All

Die Problematik gibt es in Deutschland nun vlt nicht eins zu eins, die Moral und der Punkt ziehen aber auch hier: Der Vergleich zwischen Abtreibung und Gewaltverbrechen in der Daily Show:

Ich mag Trevor Noah, den man einfach nicht mit Jon Stewart vergleichen kann. Stewart war einzigartig und hat im Gegensatz zu den „Heute-Show“-Floskeln eines Welke bei uns, die niemals über ein „Ihr seid doch doof!“, hinausgehen, ehrliche, einfache und vor allem moralisch rationale Rückschlüsse gezogen und Noah macht dort – wenn auch nicht auf diesem Niveau – weiter. Nur eben auf eine ganze andere Art. Und das finde ich super.

Stewart hatte sich bei aller Kultigkeit auch ein wenig selbst zu Ende erzählt. But the beat goes on.

True Detective Staffel 2

Wir sind gerade bei der Hälfte und ich kann nicht wirklich verstehen, warum die zweite Staffel der Serie dermaßen in Verruf geraten ist.

Zwar kann ich die Enttäuschung darüber nachfühlen, dass sie überhaupt nichts mit der ersten Staffel zu tun hat, dennoch ist sie bisher ein ganz eigenes Meisterwerk mit diesem unheimlich dunklen, fast schon miesen Charme.

Warum wollen die Leute immer genau das, was sie schon kennen? Und wieso bin ich da in vielen Dingen genauso?

Weil man unterhalten werden will und das geht am Besten mit gewohnten Figuren und Symbolen. Verstehe ich. Nur sollte man sich nicht die ganze Zeit nur unterhalten, man muss sich auch aus herausfordern lassen. Es muss ja auch nicht immer alles Spaß machen. Und erst recht nicht immer auf die gleiche Art.

Serien erzählen nämlich immer den gleichen Witz. Mal ist er länger, mal kürzer. Der Inhalt ist der Gleiche.

the big bang theory

ist die Geschichte eines neurotischen Arschlochs, der seine Freunde tyrannisiert. Das ist der ganze Gag der Serie, die im Prinzip jeder gerne sieht – obwohl niemand wirklich einen Sheldon Cooper als Freund haben will.

In Wahrheit wäre das eine ganz einsame Wurst, die alle Gründe dafür hat, keine Freunde zu haben.

Die Rolle leidet ohnehin an einer Art „Homer Simpson Syndrom“, denn so wie Homer mit den Jahren immer dümmer werden musste, musste Sheldon immer noch krasser als störrisches und asexuelles Kleinkind dargestellt werden.

Klar, das ist nur Unterhaltung, und das ist Unsinn so was über zu bewerten, doch ebenso wie Barney Stinson und Charlie Harper Vorbild-Figuren ihrer Zeit waren (Sex über Alles), so ist es jetzt Sheldon Cooper für die, die nicht erwachsen werden wollen (und ihre Infantilität versteckte Intelligenz nennen) und ein Walden Schmidt  ist der Prototyp des Hipster-Weichei-Mannes, dessen weicher, Moralin durchsetzter Kern ihn zum Spielball der Frauen macht… Alles Symbol-Figuren ihrer Zeit.

Da wünscht man sich fast schon ALF zurück…. Obwohl. Da gab es auch die Tanners, die so bieder waren, dass die auch symbolisch für ihre Zeit standen.

Sorry, ist mir gerade beim Essen vor dem Fernseher so aufgefallen. Hab heute wenige Zeit und dafür viel Arbeit gehabt… Da grübelt man schon mal über Käse nach 😉