Gute Soldaten

Die Männer meiner Generation scheinen gute Soldaten auf den Schlachtfeldern der Ehe zu sein. Denn immer wieder höre ich Geschichten darüber, wie sie sich auch unter schwierigsten Umständen zu der Ehe mit ihren Frauen bekennen. „Getrennt“ wird sich meistens von weiblicher Seite aus. Das soll nicht heißen, dass es im Umkehrschluss die bösen Frauen sind, die die guten deutschen Ehen kaputt machen und ihren Egoismus durchziehen. Zum Unglück Zweier gehören meistens mehr als die beteiligten zwei Personen. Dennoch und trotzdem höre ich von vielen verlassenen männlichen Freunden, Bekannten und Familienmitgliedern, dass sie, obwohl sie betrogen und/oder verlassen wurden, weiter zu ihrer Frau stehen, deshalb der Ausdruck der „guten Soldaten“; in guten wie in schlechten Zeiten, bereit Verletzungen zu verzeihen und weiter einer höheren Sache zu dienen.

Wenn man sich diese angeknacksten, manchmal sogar gebrochenen Persönlichkeiten ansieht, fällt es mir schwer eine Lanze für den Feminismus zu brechen und den „starken Frauen“ weiter zu applaudieren, nur, was ist eine „starke Frau“? Ist ihre Selbstbestimmung der einzige Grad-Messer ihrer „Stärke“?

Als überzeugter Humanist finde ich, dass starke selbstbestimmte Frauen menschlich bleiben sollten in ihrem Umgang mit ihrem Umfeld, denn wie man mit seinem Ex-Partner umgeht, ganz gleich ob man eine Frau oder ein Mann ist, ist das wahre Abbild eines Charakters. Wie wir mit Menschen umgehen, die wir nicht mehr lieben doch einmal geliebt haben, zeigt an, was für Menschen wir wirklich sind. „Starke Frauen“ haben für mich eine faire, rücksichtsvolle Haltung. „Starke Männer“ ebenso. Respekt kann man nicht nur einfordern. Man muss ihn auch geben. Denn sich auf Gedeih und Verderb durchsetzen zu wollen, ist  auch ein Zeichen von Schwäche.

Manche Beziehungen müssen enden. Und Verletzungen wird es immer geben.

Viele der Männer die verlassen wurden, lassen sich gehen. In Folge dessen werden sie von ihrem Umfeld als „Weicheier“ bezeichnet. Ich weiß gar nicht warum man immer stark und dominant sein muss. Sei es als Mann oder Frau. Lieber doch ein ehrlicher Mensch in seinen Gefühlen und angreifbar, als ein Arschloch.

Dann immer dieses Ding mit der „Selbstverwirklichung“. Kann denn Selbstverwirklichung nicht auch bedeuten seinen Partner zu lieben? Reicht das denn nicht? Und wieso wird diese Liebe dann als Unterwerfung und Schwäche gedeutet? Nur, weil sie ein anderer ausnutzen kann? Das ist doch keine Schwäche. Das ist Hingabe. Und zur Hingabe gehört mehr Mut als nur an sich selbst zu Denken und dies dann als Stärke zu begreifen. „Mut“ und „Schwäche“ tauschen ebenso oft die Seiten der Wahrnehmung, wie die Begriffe „Glück“ und „Unglück“.

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