Alt-J, live in der Olympia-Halle München, es war der 19.01.2018

 

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Alt-J sind irgendwie die berühmteste Band – die keiner kennt. Berühmt deswegen, da ich mit meiner Freundin noch nie auf so einem großen Einzelkonzert war (also zusammen, alleine waren unsere Hallen- und Stadion-Konzerte von diversen Bands größer). „Kennt keiner“ weil das die gängige Reaktion von allen auf unsere Ankündigung war, zu Alt-J zu gehen; wer? Ich kam durch die SPEX auf sie. Damals stieg ich beim zweiten Album mit ein und das war irgendwie ganz cool – als ich dann das erste hörte war ich richtig umgeblasen. Denn das ist richtig gut. Ein wenig gewöhnungsbedürftig ist die Stimme von Joe Newman schon (ja, der klingt WIRKLICH so), doch gerade deswegen ist für mich der Schritt von Radiohead zu Alt-J kein großer. Vom Kunst-Faktor her zählen beide Bands zu den ganz Großen.

Es ist spezielle Musik für verträumte Nerds. Und kleine Mädchen wie ich feststellen musste, denn davon gab es auf dem Konzert mehr als genug. Das habe ich schon lange nicht mehr so geballt  erlebt. So ein Aufkommen an Bauchfreien Shirts und aggressivem Gewusele. Diesem aggressiven Vordrängeln war es dann auch zu verdanken, dass wir uns nach der Vorband entschieden den guten Stehplatz aufzugeben (vorderes Fünftel der Halle) und uns auf die Tribüne zu setzen. Ich bin etwa 2 Meter groß. Eine Konzertbühne kann ich aus fast jeder Menschen-Menge an fast jeder Position sehen. Meine Freundin ist einen Meter 60 groß. Da hat man dann halt ein Problem.

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Wir hielten die Vorband noch durch, die mir aber auch schon brutal auf die Nerven ging. Wisst ihr, es ist doch so:

Im Laufe der letzten Jahrzehnte war ich auf vielen Konzerten und habe damit sehr viele schlechte Vorbands gehört. Das Ding mit diesen Bands ist, dass sie eigentlich niemand hören will: Ihre Namen stehen nicht einmal auf den Tickets. Also wartet man geduldig darauf, bis der Stiefel heruntergespielt wurde und es endlich zum Hauptact kommt, für den man gutes Geld bezahlt hat. Vorbands sind scheiße und langweilig. Außer. Außer sie nutzen das Warm-Up-Programm als Chance und versuchen das Publikum zu überzeugen. Da hat mir die Vorband der Gorillaz gut gefallen. Die sind gleich mal raus da und haben wenigstens versucht die Leute zu packen. Die „Marika Hackman“-Band vor Alt-J war leider nur langweiliges Gejammer, dass zwar ein paar gute Gitarren-Einlagen zu bieten hatte, sowie mit ihrem Flair gut ins Roadhouse von „Twin Peaks“ gepasst hätten, hier aber nur total langweilten. Mann, Mann, Mann. Was habe ich Lebenszeit mit schlechten Vorbands verprasst? Du stehst eingezwängt in der Dunkelheit vor der Bühne. Kannst nicht auf die Toilette oder ein Bier holen (da du deine Leute eh nicht mehr findest) und unterhalten kann man sich auf dem Geräusch-Level natürlich auch nicht. Wenn der einzige Gedanke hinter einer Vorband ist, die Stimmung so in den Keller zu fahren, damit man sich noch mehr auf die Hauptband freut, sollte man es doch bitteschön ganz bleiben lassen. Funktioniert bei den Einstürzenden Neubauten ja auch.

 

Die kleinen, arroganten, verzogenen Mädchen drängten sich nach der Vorband wie Ratten, die das sinkende Schiff auf jeden Fall verlassen wollten, bösartig und egoistisch nach vorne. Ist echt ne Frechheit. Junge Frauen können im Rudel die größten Arschlöcher sein. Ohne Rück- und Einsicht auf ihr soziales Umfeld. Monster voller Energie, die nur an sich denken. Traurig. Vermisste ich die Bildungsoffensive des letzten Jahrzehnts, die die Regierungen „weg rationalisiert“ haben. Rational ist daran gar nichts mehr.

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Alt-J ist ein gutes Sitzkonzert. Und es war. In all den Jahren. Mein allererstes Sitzkonzert. Der Blick auf die Bühne war nicht ideal. Doch Alt-J ist jetzt nicht die Band wo es viel zu sehen gibt. Die drei Jungs standen wie die Tiere eingepfercht in ihren Light-Show-Käfigen und interagierten nur zwei oder drei Mal mit dem Publikum, dass megagebannt die Songs von der Bühne starrte. Mitgeklatscht wurde nur zwei Mal (was ich ironischer weise in meinem Youtube-Video festgehalten habe). Brav gejubelt dagegen schon. Ich war bisher zwei Mal im Münchner Olympia-Stadion. Bei Depeche Mode und den Böhsen Onkelz – und da ging es richtig ab. Okay. Bei Depeche Mode nicht. Gestern  wurde hauptsächlich der Platz verteidigt und angestrengt geguckt. Witzig war dagegen zu sehen, wie auf den Rängen, zwischen den Sitzreihen, mehr Leute tanzten, als unten im Stehbereich.

Akustisch und musikalisch war das Konzert eine Offenbarung. Alt-J klangen nicht nur super und sahen dank dem Licht klasse aus. Sie spielten so gut wie alle ihre Hits, von „Tessellate“ über „Matilda“ zu „Hunger of the pine“, weiter von „Left hand free“ bis zu „3WW“ und Schlussendlich „Breezeblocks“. Irgendwie kann man zu dem Genuschel von Alt-J entweder kein Lied mitsingen, oder jedes. Das macht Spaß wenn man sich nicht so ernst nimmt und war – wie gesagt – musikalisch echt der Hammer.

Ich hopste grölend auf meinem Klappstuhl umher, meine Freundin tanzte neben mir und alles war gut. Zu Alt-J würde ich echt wieder gehen. Auch wenn mich nach dem Konzert die Motivation beschlich beim nächsten Mal ein Brechstange mitzunehmen und die arme Band aus ihren Käfigen zu befreien, damit sie ein wenig Freiraum in ihrer perfekten und glatten Inszenierung bekommen.

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Eine Kleinigkeit noch:

Wir waren wie immer zu früh dran und gingen im „Restaurant Coubertin“ essen. Das ist direkt neben der Olympia-Halle. Erwähnenswert daran ist, dass es dort einen direkten Einlass in die Konzerthalle gibt. Man geht da einfach den Flur entlang und kann von dort aus einchecken. Super praktisch und viel geiler als draußen im Schneeregen zu stehen 😉

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Harry G – die Harry die Ehre-Tour 2017

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Harry G? Was ist das denn für ein blöder Künstlername? Markus Stoll – der Name, der auf Harrys Ausweis steht – wurde eigentlich in Regensburg geboren, baut aber seine ganze Kunstfigur auf dem Umstand auf, dass Harry G aus München kommt und dort lebt. Googelt man ihn wird er gerne als Grantler beschrieben, also als jemanden, der eher mies drauf ist und sich über die bestehenden Lebensverhältnis beschwert – auf humorvolle Art. Mit spitzbübischer, teilweise frecher Chuzpe haut der Harry gerade die Themen raus, die nicht gerade besonders anecken und bei der jeder mit kann.  Jeder. Wenigstens war das letztens so. Hier bei uns in Bayern. Als er in meinem Landkreis-Dorf auftrat. Verprellt hat der Harry da niemanden, auch wenn er ein wenig gemein war zu den Leuten im Publikum und sich gastronomische wie kulturelle Minderheiten aussuchte über die er seine Späßchen machte.

Über Veganer, Radfahrer, Tinder, die Mama die nicht mit dem Smartphone klar kommt oder das unerträgliche, jedoch scheinbar dazugehörende Thema Mann/Frau wurde sich auf der Bühne ausgelassen; und selbst verfreilich über den Unterschied von uns Bayern zum Rest der Welt. Da konnte wirklich jeder im Saal mit – und schon sind wir wieder bei dem Thema angekommen, dass mich in letzter Zeit ein wenig verfolgt: Dem kleinsten gemeinsamen Nenner der Dinge. Humor für Nutella und Weißwurst-Liebhaber. Angegriffen musste sich wirklich keiner vorkommen. Dafür ist der Harry zu schlau, seine Bosheiten zu nett. Und – um die ewige Redewendung von Harry G zu verwenden – ICH SACH A MAL SO: Der Harry G ist wie der Freund den jeder hat, der die ehrlichsten und damit verletzensten Dinge in einer kleinen Runden offen zu dir sagen darf, worauf deine Freunde über dich, aber auch MIT dir Lachen. Ein wenig möchte man ihm dafür aufs Maul hauen. Aber irgendwie kann man ihm nicht böse sein.

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Den Harry kenne ich erst seit ein paar Monaten. Ich habe nach dem neuen „Blitz“-Club in München auf Youtube gesucht und wurde dann aus Mangel an Suchergebnissen auf ein Video von ihm aufmerksam, in dem er sich über die Müncher Clubszene lustig macht. Und das war es auch. Lustig. Besonders wenn man im gleichen Jahrgang wie er ist und einen ähnlichen Blick auf die Clubs hat – nur Berlin finde ich im Gegensatz zu ihm im direkten Vergleich eher langweilig, weil die Leute nur noch in die Mega-Clubs reinkommen wollen und drinnen dann vor lauter (hier O-Ton Boris Becker aus der AOL-Werbung) „Ich bin drin. Gibt´s ja gar nicht…“ Das Feiern vergessen.

Die Meisten seiner anderen Videos sind eher so na ja… Aber auch nicht ganz scheiße.

Wie halt so die Witze auf Facebook sind. Die Plattform, die ihn erst bekannt gemacht hat.

So war dann auch sein Abendprogramm. Die Witze sind eigentlich gar nicht so gut. Wenn man ehrlich ist. Seine schelmische, schnelle Art die Dinger rauszuhauen, macht da aber viel wett. Und ICH SAG MAL SO: Ein paar Pointen waren richtig gut. Aber das Publikum auch sehr willig. Man kommt ja ins Kabarett/Comedy-Programm um zu Lachen, weswegen man da viel mitnimmt, worüber man sonst die Augen verdreht. Weil da eben doch diese besondere Kabarett-Stimmung aufkommt.

 

Auf dem Nachhause-Weg meinten meine Freundin und ich, dass wir so ein Programm sicher auch schreiben könnten. Es aber niemals so präsentiert bekommen würden. Ob man dafür dann gleich 30 Euro verlangen muss: Fraglich.

Es war ein netter Abend in der Provinz. Schee wars. Am Ende gingen die dicken Wohlstandsfrauen und ihre Hemdsärmligen Männer zufrieden nachhause. Stimmung: Der Harry ist doch ein Pfundskerl. Plus einem überhaupt nicht hinterfragen „Mia san mia“. Nur I will halt id so sein wie ihr…

Für meinen Geschmack kann der Herr Stoll irgendwann auch mal ein ernstes Thema aufgreifen und für was stehen, was nicht scheißegal, aber dafür amüsant ist.