Tocotronic in der Kantine Augsburg, es war der 16.07.2016

Tocotronic ist die Band mit Haltung. Am Eindeutigsten ist da das berühmte Beispiel mit ihrem „Echo“-Gewinn für „die beste deutsche junge Nachwuchsband“, den die Tocos damals mit der Begründung abgelehnt haben, dass sie weder stolz darauf seien deutsch, noch darauf jung zu sein. Das sitzt natürlich in einer Welt des Ausverkaufs, in der Musik verkauft wie Waschmittel, wenn die Leute überhaupt noch bereit sind dafür Geld zu zahlen (eine Schande wie ich finde).

Diese Echo-Geschichte ist nun auch schon Jahrzehnte alt, exemplarisch bleibt sie dennoch für eine Band, die als sehr verkopft, fast schon als überintellektualisiert gilt und mit ihrem klaren Statement „pro Asyl“ zu sein, sich zwangsläufig in einer Ecke stellt, vor der andere Bands Angst haben zu laden, da sie nicht in jeden Fall verkaufsfördernd ist. Vielleicht ist Tocotronic auch die Band, die sich nie selbst verkauft hat.

Groß wurde die Kombo ohnehin mit Liedertexten und –namen, die man auch schon mal gerne als Parolen ausgeben könnte, wie das (auch immer wieder zitierte) „Ich will Teil einer Jugendbewegung sein“.

Tocotronic waren für mich immer die, die ich gerne als Lieblingsband gehabt hätte, die aber immer ein wenig zu sperrig daher kamen; gut so. Geschenkt gibt es hier gar nichts. Leider empfand ich auch ihre Festival-Shows als ein wenig zu sperrig, auf denen ich sie 3 Mal gehört habe (Southside, Berlin Festival, Melt!) und sie mich nie wirklich überzeugten. Tolle Musiker, keine Frage, aber so richtig überragend, na ja, das wäre auf diesen Massenveranstaltungen halt doch immer die anderen Bands, die ohne Haltung, dafür mit großer Fake-Attitüde. Trotzdem wollte ich zu ihrem Gig in der Kantine in Augsburg. Einfach weil ich Bock darauf hatte. Und zu meiner Überraschung wurde es ein richtig gutes Konzert.

 

Tocotronic mit ihrer verkopften Haltung plus Indie-Musik haben natürlich auch solche Fans, und gerade auf den Festivals war da nicht großes „Juhu!“, nein, da war stoisches Herumstehen angesagt und vielleicht (wenn es ganz wild wurde) noch ein dezentes Abnicken der Wahrheiten angesagt. Gestern dagegen entartete der Gig – Überraschung! – zu einem richtigen Rockkonzert, mit allem was dazugehört. Das vollen Programm mit Schweiß, Mitgrölen, Schreien und sogar einer kleinen süßen Pogo-Runde, auch wenn man als ehemaliger Onkelz-Fan mit 35 Jahren sich dabei eher wie beim „betreuten Eskalieren“ fühlte; Spaß hat es dennoch gemacht.

 

Frontmann Dirk von Lowtzow schrie, schwitzte und trieb seine  Band nach vorne, das es eine Freude war, obwohl natürlich recht abgewichste Routiniers dort oben standen. Nicht Festival-Shows muss man bei den Tocos machen, nein, kleine Club-Konzerte. Da machen sie immer noch den Laden gut platt. Überraschend wurden kaum Lieder vom neuen Album gespielt. Es war mehr eine Best-Of-Liste mit Stücken wie „Samstag ist Selbstmord“, „Freiburg“, „Let there be rock“ und von mir sehr geliebte Hammerbretter wie „Mach es nicht selbst“, „Hier leben, nein danke“, sogar mein Toco-Erweckungslied „This boy is Tocotronic“, aber auch neuere Singles wie „Auf dem Pfad der Dämmerung“.

Die Band hat auch sehr ausufernde Songs (z.B. „Gift“), die man vielleicht nicht gleich „Pink Flyod“ig nennen kennen, die mehr in den Zugaben zum Tragen kamen. Drei Mal kamen sie auf die Bühne und nach „Hey freaks“ war nun wirklich Schluss.

Ein wirklich starker, rockiger Auftritt – hätte ich nie erwartet. Das hat richtig Spaß gemacht. Was ich später natürlich dem zweiten Gitarristen Rick Mc Phail reindrücken musste – auch das sie sonst nicht so gut waren 😉

 

Dann war die Band rund um Dirk auch schon wieder weg… Habe ich eigentlich erwähnt das Dirk von Lowtzow der einzige Mann wäre, mit dem ich mir einmal ein Abenteuer hätte vorstellen könnte? 😀

 

 

 

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Veranstaltungskalender für das bayrische Umland

Hier ein permanent Tipp: So schnell wie möglich weg vom Land und ab in die Stadt. Schluss mit Volksmusik, Dorf-Festen und damit jeglicher Form von „langhaariger Musik“ ala „Mission Rock´n Roll“ bei der nur alte, langweilige Greise auf der Bühne stehen (die von mir aus auch tolle Musiker sind, nur eben so was von vorgestern, dass sogar Papa sich dafür schämt), die die Musik ihrer Jugend spielen.

Nein.

Geht dahin, wo EURE Musik läuft.

Junge Leute, fahrt auch regelmäßig in die Stadt und nehmt lieber den Clash der Kulturen auf euch, als in der Großstadt zu versauern oder auf dem Land zu verwesen. Immer schön in Bewegung bleiben, besonders in der geistigen. Wie wäre es denn mit Tocotronic am Samstag? 😉