Josephine Baker

Das wird dann wohl mein letztes T-Shirt in meiner Feminismus-Reihe werden (nach Sasha Grey und den Femen), die fabelhafte und einzigartige Josephine Baker

Einer der ersten und vielleicht unwahrscheinlichsten Pop-Stars überhaupt, die ich, im Gegensatz zu Thomas Meineke, in ihrer Wirkung und ihrer Pop-Historischen-Rolle sehr kritisch sehe (im Hinblick auf den durch sie forcierten Hedonismus der Gesellschaft, den ich nicht in jeder Form einfach nur mit „Freiheit“ gleichsetzen kann und will); über sie als Mensch ist aber jedes Urteil erhaben.

Was bleibt, ist Bewunderung über ihr Leben. 

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Ich wäre gerne schwul.

So ein Statement ist natürlich eine Provokation. Dabei will ich weder an homosexuellen Handlungen teilhaben, noch will ich mich von meiner Art her so geben; dass muss man dazu sagen, denn der Wunsch schwul sein zu wollen ist heutzutage ebenso eine anrüchige Aussage, wie in den 60ger Jahre in den USA zu meinen, man wäre gerne Kommunist. Natürlich schlägt mir jetzt für so ein Statement kein blanker Hass entgegen (wir sind doch so super tolerant aufgeklärt), doch für mich als Mann ist es natürlich ein Gebot diese Aussage sofort zu entkräften und zu relativieren. Nicht dass man mich WIRKLICH für schwul hält… Das wäre ja furchtbar, oder?…
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Als schreibender und kreativer Mensch denke ich mich hin und wieder in andere Rollen hinein. Das empfinde ich als durchweg normal, denn wer sich auf nichts einlässt, der kann nichts entdecken und auch nichts erleben.
Heute saß ich in luftiger Höhe auf einem Stahlträger (wie in dem berühmten Arbeiterbild, nur nicht ganz so hoch), ging meiner Arbeit nach und hörte dabei wieder einmal das Hörbuch „Flugbegleiter“ von Thomas Meineke.

In diesem (Hör)Buch geht es um einen heterosexuellen Mann, der im Frauenkontext lebt und arbeitet, androgyne Züge besitzt und auch ausführlich über die Homosexualität in seinem (Arbeits)Alltag und im Pop-Bereich (ganz Meineke) philosophiert, und das in eindeutiger Sprache und passenden Jargon. Für mich hat es immer einen besonderen Touch in meinem eindeutig heterosexuell geprägten Arbeitsleben dieses Hörbuch zu hören (oder auch andere von Meineke wie „Lookalikes“), da die Worte an sich schon eine Provokation auf den hier sehr „männlichen“ Arbeitsalltag sind. Das finde ich witzig, da ich das Ganze überhaupt nicht verklemmt sehe. Wobei ich die Anderen durchaus manchmal als sehr homophob empfinde.

Da sitze ich also sehr männlich herum, arbeite, und höre mir dieses Hörbuch an. Und ich denke nach, über meine Identität. Über die Identität der Männer an sich. Ich bin ein Mann. Ich war ein Mann. Ich werde immer Mann bleiben. Irgendwie fühlt sich der Gedanken langweilig an.
Ich hab in der Richtung nie viel ausprobiert (in der frühen Jugend einmal) und ich hatte auch nie das Gefühl etwas verpasst zu haben. Männer sind für mich nicht anziehend und total unerotisch. Aber, wie gesagt, aus schreibender Sicht (und ich sage absichtlich nicht aus „schriftstellerischer“) ist das für mich – ich kann es nicht erklären – durchaus interessant.
Vielleicht liegt es daran, dass ich in meinem Leben nie eine Metamorphose durchgemacht habe. Ich war immer das was ich bin. Natürlich gab es die Jugend und die LSD-Zeit (die zeitlich sehr nahe beieinander lagen), in der ich mich sehr klar definiert und erforscht habe, aber eines war immer klar: Frauen ziehen mich an. Keine Männer. Ich musste also nie meine Sexualität definieren oder suchen. Meine Identität war schon immer für mich klar. Und wie ich da jetzt so saß und grübelte, kam es mir schon verdammt fad vor, ein Mann zu sein.
Das Geschlecht wird gern mit der Identität verglichen und ich hatte nie eine Identitätssuche… Warum finde ich diesen Gedanken auf mich projiziert so deprimierend? Und warum (viel interessanter) haben andere Männer so sehr Angst davor diesen Gedanken zu haben oder danach zu forschen?

Es stimmt nun einmal: Unsere Gesellschaft (Mode, Musik, Design usw. usf.) wird und wurde in hohen Maße von den Homosexuellen geprägt. Deswegen sehe ich sie nicht als die besseren Männer an, aber ich spreche ihnen (unbewusst, ja unterbewusst) einen kreativen Touch zu, dem den normalen Mann natürlich nicht abgeht (das wäre Unsinn), aber hier (bei uns) auf eine viel plumpere Art daherkommt. Es geht ja immer auch um Attitüde, gerade in der heutigen Zeit.

Ich komme nun einmal aus dem Dance-Aspekt und es ist (das kann man nicht verleugnen) eine Bewegung, die ihren Ursprung im Homosexuellen Bereich hat. In Amerika ist das sogar immer noch so. Wir sind Kinder einer homosexuellen Kultur, was das angeht. Deswegen habe ich Respekt vor den Vätern der Bewegung, auch wenn ich nicht so bin wie sie, auch nicht so sein will, aber von meiner Art zu Feiern her bin ich natürlich von dieser Kultur beeinflusst worden, denn ich feiere eben NICHT wie meine Vorväter – was natürlich auch etwas mit Pop an sich zu tun hat. Doch dieser Disco/Dance-Pop ist eindeutig homosexuell geprägt. Und die Gesellschaft hat das nicht nur angenommen, sondern übernommen. Auch die Technik- und Designverliebtheit unserer Zeit (z.B. Apple). Und das ist nicht nur „gut so“, das ist Normalität. Und das is gut so.

Möglich das die Angst der Heteros auch etwas mit dem drohenden Identitätsverlust zu tun hat; sie mussten nie suchen oder sich zur Wehr setzen, weswegen sie sich angegriffen vorkommen, wenn eine „andere Lebensform“ auf sie trifft, denn sie mussten sich nie anpassen, Konzessionen oder Kompromisse machen, weswegen sie sich oft wie 5 Jährige in Abwehrhaltung benehmen und sich bedroht fühlen. Manchmal könnte man meinen als gäbe es eine Grenzlinie zwischen Homos und Heteros und dass manche Heteros in Angst davor leben, von den Homos auf die anderen Seite geschuppst zu werden, worauf sie dann sofort schwul werden würden – sie würden also „schwul gemacht“; was für eine surreale und bescheuerte Vorstellung. Allein die Reflexion über die Möglichkeit der eigenen, potentiellen Homosexualität gilt als Sakrileg. Wieso? Kann man denn nicht einfach sagen: Ich habe darüber nachgedacht, und es wäre nichts für mich?

Ich werde in meinem Leben keine Metamorphose mehr durchleben. Ich bin ein Mann und werde immer ein Mann bleiben. Würde ich meine Identität wirklich verändern wollen, wäre es meine einzige Möglichkeit, schwul zu werden. Nur das würde meine Identität verändern. Ich kann keine Frau mehr werden. Kein Tier. Kein Fels. Kein Gott. Als Mann bleibt mir nur diese eine, einzige Möglichkeit. Und vielleicht verstehen deswegen Männer diese Möglichkeit als Bedrohung.
Selbstverständlich werde ich als Mann reifen. Werde altern, vielleicht heiraten, Kinder bekommen. Aber ich werde immer ich bleiben. Immer ein Kerl – mit allen Vorteilen, Klischees und dem Korsett dieses Daseins. Und wenn ich so darüber nachdenke – nur heute, nur an diesem Tag – stelle ich es mir als verdammt langweilig vor, immer der Gleiche zu bleiben. Immer derselbe Kerl. Der kann von mir aus auch mal auf dem höchsten Berg der Welt stehen. Oder zu Korallen tauchen. Der kann (wie gesagt) auch Kinder haben. Oder mehrere Frauen gleichzeitig. In verschiedenen Ländern. Aber dieser Kerl wird immer der gleiche Kerl sein. Und deswegen wäre ich gerne schwul. Nur ein bisschen. Damit ich die Welt etwas anders sehen, nein erleben könnte. Der Welt wäre deswegen nicht größer, aber Facettenreicher.