Patrice Bäumel – The Hatchet

Der Patrice. Der macht einen duften Sound

 

Ich habe gerade Urlaub und hab mir einen DJ-Controller gekauft. Leider ist mein lieber alter, kleiner Rechner zu schwach. Kann gerade einmal versuchen 2 Lieder zu mixen, dann schnauft der Lüfter. Anfänger-Tipp (denn ich bin da totaler Anfänger): Die Bäumel-Sachen sind gut zum Mixen lernen. Gerade wenn man wenig Zeit hat.

Junge Leute und Techno im „Terminal 7“ in Paris – ein Erlebnisbericht

Eine Reise ins Ausland kann einem den Glauben an die Menschen zurückgeben. Sicherlich, das sind große Töne. Für ein paar Tage fühlte es sich trotzdem danach an. Ich wollte nie nach Frankreich. Meine Freundin dagegen schwärmte davon. Und als ich das Interview im Spiegel zur großen Macron-Grundsatzrede zu Europa gelassen hatte, dachte ich mir: Okay. Dieses Frankreich von Macron würde ich gerne sehen.

Manchmal bekommt man das wonach man sich sehnt.

Unser erster Eindruck von „Macrons Frankreich“ war der Bahn-Streik. Fährt unser Zug? Fährt er nicht? Und falls doch, wie lange würden wir von Stuttgart tatsächlich brauchen? Das Einzige was wir schließlich von der ganzen Sache mitbekamen, war eine Flasche Wasser, die uns die streikenden Bahner nach der Ankunft in Paris schenkten. Wegen den Unannehmlichkeiten. Welche Unannehmlichkeiten?

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Macron sprach in dem Interview auch und viel davon, dass es gerade die jungen Menschen gewesen wären, die ihn gewählt hätten und sie seien es, die sich ein starkes Europa mit einer großen Zukunft wünschten. „Geschwätz“ dachte ich. Typisches Politiker Blahblah. Umso überraschter war ich, Tausende junge Franzosen im ersten Bezirk zu sehen, die friedlich und außerordentlich gesittet vor dem Louvre auf den Grünflächen saßen und quatschten. Nicht nur dort. Überall am Uferverlauf der Seine saßen junge Leute wie Perlenschnüre aufgereiht und zeigten friedliche Präsenz. Das beeindruckte mich mehr, viel mehr als die schwer bewaffneten Soldaten, die durch die Innenstadt patroulierten und ebenfalls Präsenz demonstrierten. Frankreich ist immer noch im Ausnahmezustand. Na und? Die jungen Leute zeigten, dass sie keine Angst haben.

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Am letzten Tag ging es dann in das „Terminal 7“. Ein In-Club am Rande des ersten Bezirks. Google Navi wollte uns durch das Messegelände schicken, doch das war geschlossen. Weswegen wir durch die warme Pariser Nacht irrten. Dann trafen wir wieder junge Leute. Ja. Sie würden auch den Club suchen. Hier sei mal wohl nicht richtig. Ob wir mit ihnen mitfahren wollten? Ihr Auto stehe dort drüben. Man verständigte sich in diesem Wust aus Französisch und Englisch, der alle Vorbehalte aufhob und das Lachen wie Interpunktion benutzte. Gern fuhren wir mit. Wir hätten den Eingang zum Terminal 7 ohne sie nie gefunden. Es lag oben an der Straße. Ein Eingang ohne Schild. Da waren nur ein paar unscheinbare Metallgitter und Security-Leute. Neben einem gigantischen Billboard. Hier verloren wir kurz unsere neuen Freunde. Folgten dann aber hinab über die Autozufahrt, die extra für die Clubfahrt gesperrt wurde – wahnsinnig schön urban war das, ich liebe das ja, diese Annexionen, die das Nachtleben manchmal vornimmt – dem Strom der Menschen. Rings herum um das Gebäude, hinauf, hinauf, über die Dächer von Paris. Ah. Da. Dort. Der beleuchtete Eiffelturm. Den konnten wir auch durch das Panorama-Fenster des Clubs sehen. Das Terminal 7 ist nicht der schönste Club der Welt. Doch mit Panorama-Fenster ist ja jede Klitsche geil. Siehe Berghain.

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Das Tollste hier drin war: Die Franzosen tanzten. Es war gerade einmal 10 Uhr abends. Ame war der Erste  von der Innervision-Posse den wir in dieser Nacht hörten – und er war richtig stark. Endlich konnten wir einmal wieder MIT den Leuten tanzen, nicht GEGEN sie. Denn ganz anders als im verhassten Berlin, wo man sich für zu cool zum verschwitzten Tanzen hält und sich eigentlich nur darüber freut, HINEIN GEKOMMEN ZU SEIN, lachten und tanzten die Franzosen, als gäbe es keinen Morgen. Die Getränkepreise waren auch so. 10 Euro für ein Bier. Für Paris normal. Also gib mir doch bitte gleich einen Cocktail, junge Dame. Ich. War einer der wenigen die überhaupt noch mit Bargeld bezahlten. Ganz anders als bei uns.

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Draußen fanden wir dann auch unsere neuen Freunde wieder. Denen man gefälschte, weil bereits entwertete Tickets verkauft hatte. Bei einer Zigarette wurde über Techno schwadroniert; im „Concrete“ sei es viel geiler. Dorthin gehen die hippen Pariser. Während die Mädels sich umarmten, lachten und Facebook-Freundschaft bestätigten. Zeit für das Gruppenbild. Dann alle wieder rein auf die Tanze. Lachen, schwitzen und abgehen. Freundlich. Nett. Schön. Und als i-Tüpfelchen noch die Frage, ob wir Teile wollen würden? Ich: Ich würde ja gerne, aber… Und so hatten wir von den wildfremden Leuten jede Aufmerksamkeit bekommen, die man als Fremder so gerne hat: Sie haben uns mit ihrem Auto mitgenommen, haben uns Zigaretten geben, Kontakt-Daten ausgetauscht und gleich auch noch Drogen angeboten – das geschah innerhalb von 2 Stunden.

Später legte dann noch Dixon auf. Genau. Der Dixon. Bekannt von den resident advisor Wahlen.

Es war also eine sehr geile Nacht. Und ja. Wenn man das Geld hat. Und die Lust. Und das Herz am richtigen Fleck. Dem kann ich Paris nur empfehlen.

Contact Festival 2017 – Rückblick und Festival-Kritik

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Dieses Jahr gab es gar keine Club-Nacht für mich. Da muss man doch was machen. Aber Nacht und so? Geht das denn nicht auch ein klein wenig anders? Schließlich bin ich 37. In dem Alter wird man beim Ecstasy kaufen schon von seinem jugendlichen Dealern gesiezt. Also warum nicht auf das verhasste Contact-Festival, bei dem ich vor ein paar Jahren einmal war. Damals gab es ein paar ordentliche Defizite in der Organisation. Es war aber auch nicht alles schlecht. Wenn es damals wie gestern nur nicht so kalt gewesen wäre… Dezember bleibt halt leider auch Dezember.

Es ist kein Geheimnis, dass ich von dem Echelon-Veranstalter nicht viel halte. Miese Preispolitik. Abzock-System „Getränkemarken“, welches man dieses mal „Token“ genannt hat, nur das Prinzip bliebt das gleiche. Außerdem konnte man die Becher nicht überall zurückgeben (nur gegen neu gefüllt austauschen) und die übrigen Marken  auch nicht da zurückgeben wo man sie gekauft hatte – sondern irgendwo ganz woanders. Die Token waren auch nicht beschriftet wie viel der einzelne Wert war (Klasse Idee halbe Tokens mit drauf zu machen, die an der einen Bar als volle akzeptiert wurden, woanders nicht) und man hatte im Prinzip überhaupt keinen wirklichen Überblick was man noch für Möglichkeiten hatte und wann man neue holen musste. Klar kam ich/wir schon gut angetrunken an. Doch sollte ein System auch für die Berauschten Sinn machen: Denn wir sind eure Kunden.

Die Schließfächer anstelle einer normalen Garderobe empfand ich als eine gute Idee. Der Raum war schön beheizt und man konnte immer ran wenn man wollte. Nur. 8 Euro für ein Schließfach? Da passten auch nicht „locker“ drei Jacken rein, wie man noch auf Facebook getönt hatte. Es ist Winter verdammt! Da passte gerade mal eine Winterjacke rein, und ein Pulli! Zu den 8 Euro kamen auch noch 5 Euro Schlüsselpfand. Dieser Pfand war das Einzige was Sinn machte…

Ne. Dass dieser Veranstalter uns tief in die Taschen greifen würde war zu erwarten.

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Die Idee mit den kostenfreien Decken zum über die Schultern legen fand ich gut. Hätten ein paar mehr sein können. Und. Was sagt es über ein Festival aus, bei dem man Decken braucht um nicht zu erfrieren? So oft sind wir dann auch nicht zwischen den Hallen gependelt. Im Kesselhaus drüben waren wir einmal. Und in diesem neu gebauten (schönen Glaskasten) auch. Optisch waren die Aufbauten okay bis hübsch. Leicht spacig. Es gab endlich auch einen kleinen Chillout-Bereich. Zum Hinsitzen. Das war angenehm. Und so manch einer nutzte die Sitzgelegenheiten. Um unter den Decken. Verschmitzt lächelnd. Drogen zu nehmen.

Über die Anlage im Zenith-Bereich wurde schon so viel gelästert: Zu Recht.

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Aber ich war ja mit Freunden da. Um Freunde-Sachen zu machen. Das funktionierte sehr gut und wir hatten Spaß an uns. Ganz besonders auf der Hinfahrt. Im Laufe des Tages flaute das ab. Der ganze Alkohol und … Machten es anstrengend. Derselbe Level ist selten zu halten. Schön aber das gleiche Niveau überhaupt mal gehabt zu haben. Jeder hat so seine Wünsche an die Nacht. Jeder seine Erwartungshaltung. Die Schnittpunkte verwischen manchmal und man muss sich mit weniger zufrieden geben.

Wir waren ja auch schon mittags aufgebrochen um gegen 15 Uhr 30 Rodhad zu hören. Der war mir aber zu dröhnend bassig. Nichts wofür man jetzt unbedingt früh anreisen musste. Hat man den gehypten Mann von vor zwei Jahren auch mal gehört. War ordentlich. Nicht mehr.

Ebenso wie bei Reinier Zonneveld. Drüben. Im Kesselhaus. Da war die Stimmung viel komprimierter, geballter. Hier hatte die Crowd auch schon zu der frühen Tageszeit Bock. Die Hände waren schon oben und… Na ja. Mehr ist von einer Crowd 2017 nicht zu erwarten. Also Hände oben, ein wenig Geschrei: Gute Sache.

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Kölsch wollte ich unbedingt hören. „Opa“ ist ein Mörderbrett und wurde nach einer Stunde von dem Mann mit Hut auch herausgehauen. Dass der Act aus Dänemark (nein, nicht aus Köln) mehr ist als ein One-Hit-Wonder bewies das darum herum aufgebaute Set. Ich fand es sehr tanzbar und es machte mir sehr viel Spaß. Es war mit das beste Set an diesem Tag. Ich war frisch und unverbraucht. Es war Zeit den Schuh fliegen zu lassen. Neben dem alten Rein/Raus-Spielchen: Rauchen und Token kaufen.

Weil meine Leute ein wenig lädiert und ich eh schon im Reiseleiter-Modus war, schob ich sie im Laufe des Tages von Bühne zu Bühne. Das ging ganz gut, weil noch nicht sooo viel los war. Ein wenig nervig war das Aufgepasse auf seine Leute zwar schon. Gehört aber halt dazu wo Gläser gekreuzt werden.

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Wir (na ja, vielleicht mehr ich) tanzten und hörten (eher die anderen) bei Uros Umek zu. Den Umek hatte ich auf meinem letzten Contact gerne gehört und auch diesmal enttäuscht er mich nicht. Sein Sound war schon immer treibender und flippiger als der normale Techno-Kram. Nicht ganz so kühl, nicht ganz so bolzig, schön 4 to the Floor mit einer leichten Prise musikalischer Gewürzmischung. Nicht das beste Set des Slowenen. War aber okay.

Süß war das back to back Set von Adam Beyer und Ida Engberg neben an. Das Schweden-Pärchen. Das war natürlich schön Bass und Rhythmus orientiert. Ein wenig holzig, ein wenig doof: Wunderbar 😀 Nicht der höchste Schwierigkeitsgrad für den Körper. Genau richtig schön zum Grinsen und Mitbouncen.

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Leider werden die Leute die auf Techno-Veranstaltungen gehen immer fauler. Man darf die gar nicht auf der Tanzfläche beobachten. Das ist eine Entwicklung die ich schon seit Jahren kopfschüttelnd kommentiere. Gestern waren die Leute aber schon extrem faul. Vielleicht. Liegt es aber auch an den Drogen. Die werden immer stärker, immer konzentrierter. So dass man gar nicht mehr die Energie hat wie ein Irrer zu dancen. Schade. Denn gerade so was musste man beim Set von Klaudia Gawlas machen. Sonst macht die Frau doch gar keinen Sinn!

Es macht immer Spaß mit ihr. Mit ihrer harten Form von Techno. Die Art von Techno, die mich vor 18, 19 Jahren zu der Musik brachte. Trotzdem (und gerade deswegen): Nach all den Jahren empfinde ich den Sound als ein wenig öde. Das kenne ich schon in- und auswendig und habe ich gerade in den Nuller Jahren viel besser gehört. Überhaupt und sowieso hat mich das musikalische Programm des Contacts daran erinnert, wie sehr ich mit dieser Art von Musik durch bin. Ja, ich liebe den ganzen Scheiß. Ja, we never stop living this way. Trotzdem muss man doch auch nicht beim immer gleichen Geknüppel stehen bleiben. Es gibt so viele verschiedene Formen von Techno (ich verwende den Begriff immer noch wie jemand aus dem Jahre 2000), von elektronischer Musik, dass ich mich mehr nach Abwechslung sehne. Die auf dem Contact nicht gegeben war. Klar ist es auch geil ein straightes Techno-Event im Jahre 2017 zu haben (es gibt ja immer noch genug davon, zum Beispiel die Time Warp in Mannheim), ich find´s dann halt ein wenig fad. Deswegen war´s das auch für uns und diese Party.

Hat Spaß gemacht. Nur mehr im Nachhinein als wirklich in der Zeit als wir da waren.

 

Der, der ich heute bin

Ich komme aus der Dusche. Trockne mich mehr oder minder gut ab. Gehe in mein Schlafzimmer. Setze mich auf mein Bett. Gefühlt ist das Bad meine letzte Bastion gegen die Schreckensherrschaft des „Entertainment“. Gefühlt habe ich nur hier mein Handy nicht in der Hand. Den Rechner oder den Fernseher nicht am Laufen. Die Play Station am Stöhnen. Im Bad. Da hat man alle Hände und Köpfe voll zu tun. Da ist Ruhe. Von „Jamaika“. Von Wolfenstein. Von Netflix. Vom Alk. Vom Konsumrausch. Ja. Die Duscherei mit ihren Instandhaltungsmaßnahmen nervt gewaltig.

Vor meinem Bett ist DER Schrank. Der einzige Schrank in unserer Wohnung, der diesen Namen verdient. Ich ziehe ihm eine Schublade aus seinen Eingeweiden. Blicke in das Wirrwarr seines Inneren, das aus unsortierten Socken besteht. Es sieht aus wie eine echte Bauchgrube. Meine Hände suchen zwei „Gleiche“. Der Kopf sieht zu. Und wie die Hände ihre Finger tief in Wolle und Kunststofffasern  stecken, glaube ich einen Stempel auf der Innenseite meines rechten Handgelenks zu erspähen. Zweiter Blick: Da ist kein Stempel. Woher auch? Ich bin doch gar nicht aus gewesen. Ein Lächeln stiehlt sich auf meine Lippen. Ja. Ich war die letzten Tage immer „an“.

„Stempel“ bedeutet für mich Nachtleben. Ausgehen. Die große Feirerei. Und da sitze ich nun. Nachdem ich mir den Schmutz der Arbeit abgewaschen habe. Denke an Früher.

Als „Früher“ noch „Jetzt“ war, dachte ich an die Zukunft, so wie es in dem wundervollen Manga „Planetes“ abgebildet ist, an eine bestimmte Szene:

Ein Arbeiter. Der Mann oder Vater einer der Hauptfiguren. Repariert ein Windrad. Eine richtige Windkraftanlage. Dutzende Meter über dem Boden. Im nächsten Paneel sieht der Leser eine dunkle Rückblende, in welchem derselbe Arbeiter, sichtlich jünger, auf einem Punk-Konzert wie ein Irrer zur Sache geht. Totaler Abgehnismus. Zerbrochene Flaschen. Stahlketten als Schmuck. Stage diving. Krach.  Die totale Zerstörung. Nah am Tod. Nah am Leben. Er war der Frontsänger. Rock´n Roll.

Auf der nächsten Seite liegt der Held altersweise an ein Windrad gelehnt. Er raucht und ist mit sich selbst zufrieden. Dem Leser wird klar, dass dieser Mann zwei Leben gelebt hat, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Aber auch. Dass der gezeichnete Mann mit seiner Vergangenheit im Reinen ist.

Daran muss ich denken, während ich dem nicht vorhandenen Stempel hinterher lächle. An die Partys. An den Rausch. An die Freunde. An den Wahnsinn. An die damalige Normalität um die Jahrtausendwende – und das Jahrzehnt danach. Diese ständige Ausnahmesituation in die ich mich damals hinein manövriert hatte. Eine Situation die sowohl lächerlich als auch lebensgefährlich war. Eine einstmals alternativlose Lebensphase.

Ich finde eine passende Socke zu der ersten, die ich in der Hand halte. Mein Ying zu meinem Yang.  Nicke. Und bin einen Moment lang genau der, den ich mir damals erträumt habe. Ein Kerl. Mit seiner Vergangenheit. Aber auch mit einer neuen Zufriedenheit. Aus dem Gefühl von damals, als ich den Manga zum ersten Mal las, ist meine Wahrheit geworden. Mein altes Ich wäre zufrieden mit mir.

Ich schließe die Schublade. Ziehe die Socken an. Dann gehe ich rüber zu meiner Freundin, ohne auch nur einen Moment weiter an die Szene zu denken.

Planetes - Manga