Das übersteigerte Bewusstsein der Menschen

Beim Frühstück im Urlaub mit Ei im Mund kann man sich die wunderbarsten Fragen stellen. Schön, wenn man zu viel Zeit hat. Ein Zustand, den ich mir selbst selten zugestehe. Dumm wie ich bin. Gerade poppte die Frage in mir auf, weshalb der Mensch beim Sex Lust empfindet. Würde der Mensch keine Lust beim Sex empfinden, hätten wir sehr viele Probleme auf dem Planeten weniger. Es gäbe nicht nur weniger Kriege auf dem Planeten (spontan muss ich da an die alten Griechen denken: Paris, der mit Helena durchbrennt – zum Thema Liebe kommen wir später – worauf das Resultat Krieg ist) auch die Pubertät wäre viel leichter zu ertragen usw. usf.

Die Lust wurde in vergangenen Zeiten oft als „viehisch“ bezeichnet, was für mein Befinden totaler Unsinn ist. Sexuell erfüllt sieht ein Fisch beim Laichen nicht aus. Zugvögel pimpern auch nicht unkontrolliert voller Lust in der Gegend herum, sie warten viel mehr auf die richtigen Umstände um eine Nachkommenschaft zu gründen. Und auch bei den Säugetieren wird nicht jeden Tag gevögelt bis zum geht nicht mehr. Die Tiere ficken eigentlich mit viel mehr Vernunft als wir Menschen, unsere Art, die mindestens ein Jahrzehnt im Leben extrem, wenn nicht gar ein ganzes Leben lang auf Sex fixiert ist. Ich hab auch nie davon gehört (wie immer kann ich gerne darüber berichtigt werden), dass sich Affen oder Löwen stundenlang zum Kuscheln und tagelangen Ficken irgendwo verstecken würden. Klar. Der Affe verhält sich ähnlich wie der Mensch (oder war es umgekehrt?), jedoch bei weitem nicht so extrem.

Zusammengefasst: Extremer Sex und Perversionen (gibt es die heute überhaupt noch in unserer hyperliberalen Gesellschaft?) sind typisch menschliche Eigenschaften. Niemand lebt und empfindet seine Lust so sehr wie wir.

Bei unserer Gattung wird gerne mit der Vernunft argumentiert. Wir Menschen sind die Vernunftgesteuerten, die ein Bewusstsein über ihr Tun besitzen. Was richtig ist. Bewusstsein ist genau dass, was uns vom Tier unterscheidet. Aber macht uns das per se vernünftiger? Es ist ein alter Hut wenn ich jetzt mit der Zerstörung unseres Lebensraumes komme (was ich an dieser Stelle leider muss), so wie all den unvernünftigen Entscheidungen, die ein Mensch im Laufe seines Lebens trifft, sei es nun Selbstzerstörung (Rauchen, Trinken, Drogen, usw.) oder Selbstvernachlässigung (falsche Ernährung, falsche Entscheidungen usw.). Zwar können wir auch Flugzeuge und Smartphones bauen. Aber der Mensch ist nicht von seinen Grundzügen aus vernünftig. Er ist vernünftig genug um durch den Alltag zu kommen und viel zu alt zu werden. Dabei kann er aber auch gleichzeitig höchst unvernünftig agieren. Eben. Weil der Mensch bei „Bewusstsein“ ist (was auch immer das bedeuten soll). Der Mensch ist sich nämlich nicht nur dessen bewusst, dass er tot ist wenn er von einem Auto überfahren wird. Er ist sich auch dessen bewusst, wie viel Spaß es macht schnell Auto zu fahren oder viel Sex mit vielen verschiedenen Partnern zu haben; zwei Punkte, die gute Beispiele dafür sind, wie der Mensch sich selbst schadet und seine Art zerstört. Der Mensch hat ein übersteigertes Bewusstsein entwickelt, dass ihm bestimmte Dinge wichtiger erscheinen, als im Einklang mit sich und seinem Planeten zu leben. Dabei ist noch kein einziger Mensch außerhalb des Planeten gestorben (höchstens vlt noch in dessen Atmosphäre). Das ist von einem vernünftigen Standpunkt ausgesehen gelebter Wahnsinn. Ebenso ist der Humanismus den ich vertrete, gelebter Wahnsinn. Es gibt nun einmal viel zu viele Menschen, die nicht mehr im Einklang mit der Natur leben – eigentlich fast alle. Wäre es da nicht vernünftiger Milliarden von ihnen zu vernichten um die Menschheit an sich zu retten? Wäre es nicht am Klügsten vor allem alle „erste Welt-Menschen“ auszurotten, da wir maßgeblich an der Vernichtung unseres Lebensraumes beteiligt sind? Sind wir denn nicht die eigentlichen Wilden, die ihr Leben wie wild und ohne Rücksicht auf Verluste führen? Gehören denn nicht gerade die Deutschen ausgerottet? (Hier: gewollte Provokation).

Das Problem mit dem menschlichen Bewusstsein ist halt leider, dass sich unser Bewusstsein nur auf die Gegenwart bezieht. Wir können nur agieren, wie wir jetzt agieren. Natürlich können wir uns Dinge vornehmen, scheitern aber meistens doch ziemlich schnell an der Feststellung, dass es anders oft sehr viel leichter ist. Nämlich in dem wir bewusst auf die Zukunft scheißen. Jetzt geht es mir doch bewusst gut, was sollte mich die Zukunft interessieren? Oder was juckt es mich was woanders auf dem Planeten geschieht? Bewusstsein ist immer mit Ort und Gegenwart verbunden. Und ja, wir können lernen dieses Bewusstsein an einer höhere Vernunft anzukoppeln, um so unseren Lebensstil zu ändern (ähnlich wie wir uns die Regeln des Straßenverkehrs als göttliche Gebote eingeprägt haben), nur leider geht vorher alles den Bach runter, bevor wir unser Bewusstsein maßgeblich der veränderten Lebenslage angepasst haben. Das Umlernen dauert einfach zu lange.

Unser Bewusstsein ist also eine unfertige Sache. Ebenso wie unsere Vernunft. Und wir bilden uns so viel darauf ein. Dabei müssen wir nur einen scharfen Traummann/frau sehen, um unser ganzes Leben in Frage zu stellen. Oder nur ein Kind auf die Welt bringen. Um sämtliche Liebe die wir haben auf das Kind zu fokussieren – um ab diesem Zeit in den meisten Fällen alle andere Menschen als Untermenschen und weniger wichtig zu erachten.

Liebe ist nicht nur unsere Antriebsfeder. Liebe tötet uns.

Da ist ja auch das Geile: Wir Menschen sind bipolare Wahnsinnige, die auch noch stolz darauf sind und uns für sehr vernünftig halten. Selbst wenn die Lust unser Leben bestimmt. Nicht immer. Oft aber in den entscheidenden Momenten. 

Wir brauchen. Eine neue Form von Vernunft.

Dafür stehe ich hier mit meinem Namen.

Verschwörungswahrheiten

„Und weißt du ein WISSENSCHAFTLER. Der vom CERN. Schweiz! Wo sie Atome aufeinanderprallen lassen! Wo die Kleinsten nicht Teilbaren Teilchen entstehen! Strings! Der hat so ein Teilchen unters Mikroskop gelegt und da hat der dann ZAHLENREIHEN gesehen! Einsen und Nullen! Denn daraus besteht die Welt! Das ist wie in der Matrix. Oder WELT AM DRAHT! Das ist nämlich genau der Code aus den 60ger Jahren als man die erste Computer-Simulation, die WELT-Simulation gestartet hat! Denn eigentlich sind wir ALLE nur eine Computer-Simulation! Wir sind nicht echt. Nur Nullen und Einsen!“

„Also am Cern arbeiten tausende Wissenschaftler. Und sind die kleinsten Teilchen keine Quarks? Und zerfallen die nicht fast sofort nachdem sie entstehen? Das ist doch Quatsch… Da hätte man doch was von gehört…“

„Weil wir alle BELOGEN werden! Und! Und! Und! Im Ozean haben sie in der Tiefe was gefunden! Ganz tief unten! Perfekte Dreiecksformationen die da schon seit 160-TAUSEND-Jahre liegen! Das können die ja bestimmen, so von oben! Mit der Technik! Und keiner weiß was darüber! Weil die!“

„Also wenn da was wäre, dann würden doch sämtliche Regierungen….“

„Und in Wahrheit sind wir IN DER MITTE EINES SCHWARZEN LOCHS! Alle Berechnungen stimmen! Deswegen ist auch das Licht so weit entfernt! Das ergibt doch alles SINN!“

„Also weißt du…“
„Und die Pyramiden die sie in Jugoslawien gefunden haben! Die vergrabenen Pyramiden! Dass sind Antennen in den Weltraum, und, und, und, man ist dort vor sämtlicher Kosmischer Strahlung abgeschirmt!“

„Also echt jetzt… Entweder sind wir eine Computer-Simulation, ODER es gibt ein Raumschiff auf dem Meeresgrund ODER wir sind in der Mitte eines Schwarzen Lochs. Alles gleichzeitig ist eher unwahrscheinlich.“

„Du lässt dich nur belügen!“

„Und selbst wenn irgendwas davon wahr ist, ist es auch egal.“

„Ja bist du denn verrückt! Die belügen uns!“

„Es ist vollkommen egal.“

„Und warum?“

„Weil es an deinem oder meinem Leben überhaupt nichts ändert. Es hat keinen Einfluss auf uns. Deswegen muss ich morgen trotzdem arbeiten gehen und deswegen liebe ich trotzdem meine Freundin. Die Wahrheit ist einfach egal. Im Leben geht es um direkte Tatsachen. Nicht um Ruinen der Vergangenheit.“

„Du bist doch total verrückt.“

Erdbeben ändern nichts

 

Heute war bei Spiegel ONLINE Schlagzeile, dass die durch das Erdbeben zerstörte Region in Italien mit 50 Millionen Euro wieder aufgebaut werden soll. Das konnte ich gar nicht begreifen, diesen Wahnsinn. Da sind noch nicht einmal alle Toten geborgen und schon sagt der Mensch: „Das wird schon wieder“, knallt Millionen raus und baut genau da wieder hin, wo die Natur absolut eindeutig und überzeugend dem Mensch seine klitzekleine Endlichkeit aufgezeigt hat. „Erdbebensicher“ nennt sich das dann was „Mensch“ da vorhat. Nun gut. Ganz Tokio wurde auf einer fault line errichtet und man hat dort schon einigermaßen sichere Architektur errichtet, die bestimmte Erschütterungen aushalten kann (was sie ständig beweist, schließlich bebt es dort häufig) – bei einem großen Beben hilft das nicht viel.

Weshalb muss der Mensch also genau wieder dorthin, wo er weiß dass er irgendwann ins Unglück stürzen muss?

Von „Wahrscheinlichkeitsrechnung“ will ich jetzt gar nichts hören. Denn die Wahrscheinlichkeit dass genau dort etwas passiert ist nach einem großen Beben geringer als vorher, nur, sie ist immer noch gegeben, jetzt sogar bewiesenermaßen und faktisch. So eine Region wieder bewohnbar aufzubauen ist wie eine Wette auf die Zukunft; eine Wette auf das Leben deiner Kinder und Enkelkinder: Was juckt mich das Elend in 100 Jahren? Wenn es passiert heißt man seine Ignoranz dann einfach eine „Katastrophe“.

Okay. Diesen Trend fährt jeder von uns. Wasser in Plastikflaschen statt Mehrwegglas und das am Besten noch aus Frankreich. Tiefer brauche ich da in die Materie gar nicht einsteigen, denn jeder weiß worauf ich hinaus will: Juckt nur keinen.

Fantastisch unsere Ignoranz.

 

Wir sind so im Großen, wie wir im Kleinen sind.

 

Eine Freundin, fast geschieden und nicht mehr ganz frisch getrennt, bekommt ihr Leben nicht mehr auf die Reihe, nachdem sie sich nach der Trennung genau das zurückholt, was ihr Jahrelang gefehlt hat, obwohl sie ihrer eigenen Aussage nach zuhause mit ihrem Mann schon zu viel davon hatte. Sie holt sich die Männererlebnisse, „die Liebe“, die ihr immer fehlte. Und macht nur Mist, rennt mit ihren Liebhabern und Kindern von einem Desaster in das Nächste, auf der Suche nach genau dem, was sie sowohl verloren, als auch geopfert hat: Die familiäre Sicherheit, die sie vorher hatte. Und ich bin gewillt zu sagen: Dann lass es doch einfach. Lass alles bleiben und such dir (mit Kindern, die kann man nicht wegdiskutieren) neue Perspektiven, neue Träume und neue Aufgaben. Und nicht wieder genau die gleichen Probleme, die sie als Lösungen empfindet: Männer. Sie stürzt sich in kurzfristige Liebschaften bis vom Erdbeben der Realität alles platt gemacht wird und sie selbst dazu sagen muss: „Ja furchtbar! Habe ich aber vorher gewusst…“ Und macht genauso weiter. Stur der Wahrscheinlichkeitsrechnung ihres Herzens folgend.

 

Wir Leute halten so viel auf unsere Vernunft, negieren sie aber bei jeder Gelegenheit. Es liegt darin, dass wir in der Vergangenheit Perioden der Sicherheit erlebt haben und zu diesen zurückwollen. Die Erfahrung hat uns gelehrt das es sicherer ist in der Heimat zu bleiben, egal ob sie räumlich oder emotional ist, und selbst wenn uns vor Augen geführt wird, dass dem nicht der Fall ist, halten wir daran fest. Wir „kennen“ nichts anders, obwohl wir wie uns darüber im Klaren sind, dass es vieles anderes gibt in dieser riesigen Welt dort draußen.

 

„Heimatverbunden“ nannte das heute Morgen ein Arbeitskollege und ich kann nicht verstehen was daran gut sein soll, wenn man gerade seine Kinder begraben hat oder einen Teil deiner Seele. Die Heimat und was du dafür hältst, die bringt dich um. Sie ist kein Allheilmittel. Aber wir haben Angst vor der Fremde, mehr sogar, als vor dem Tod oder vor dem Unglück, solange die Gefahr keine andauernd gegenwärtig ist (sonst wären unsere Nachbarn ja auch keine Flüchtlinge). Hier hat „Heimatverbundenheit“ wohl mehr mit „Gottvertrauen“ zu tun als sich manch einer eingestehen würde. Und die Erinnerung ist die Heimat, die wir niemals verlassen können.

Früher war eben doch alles besser. Und wird es immer bleiben.

 

Springteufel

Was würdest du tun, wenn dein Leben als einziger Witz wahrgenommen werden würde? Was würdest du machen, wenn jeder über dich lacht? In dein Gesicht, nicht einmal hinter deinem Rücken? Wie würdest du reagieren wenn du die Last deines Versagens nicht mehr ertragen könntest?

 

Seine Lösung war, der zu werden, den die Leute sehen wollten. Er lachte einfach mit, ist doch ohnehin alles ein riesiger Scherz. Das ganze Leben. Und wenn man lange genug über sich selbst und die eigene Unfähigkeit gelacht haben würde, hören die Leute bestimmt auch damit auf. Schließlich wird jeder Witz einmal alt… Glaubte er. Dabei hatte er die Grausamkeit der Menschen unterschätzt. Denn nichts fühlt sich für jemanden, der sich selbst in verschiedenen Situationen erniedrigt fühlt (im Job, in der Schule, auf dem Sportplatz, im Bett), verlockender und vergnüglicher an, als den zu treten, der unter einem steht.

Ein Clown ist ein Clown ist ein Clown. Und wenn jemand für uns einmal eine Rolle spielt, dann lassen wir ihn dort nicht mehr heraus. Er wird zu „Jack in the box“.

 

Aus Andi wurde so ein Clown. Das hatte auch viel damit zu tun, dass er nicht so wie die anderen Arbeitssklaven sein wollte. Andi wollte die ewige Party. Immer auf Speed oder LSD wollte er sein, was bedeutet, immer anders als andere Menschen zu denken, zu fühlen und zu handeln, diese Leute, die nur hin und wieder Drogen nehmen – oder gar nicht. Immer dicht zu sein eckt auf Dauer zwangsläufig an, denn wir leben in einer paranoid nüchternen Welt; „paranoid nüchtern“ deswegen, da die „normalen“ Menschen anderen Menschen ihren Rausch verzeihen, wenn er nur hin und wieder eintritt. Doch wer  aus diesem Rahmen des Arbeits- und Ruhetags Rhythmus heraus fällt,  ist für uns schon ein Freak. Jemand. Der sein Leben nicht mehr unter Kontrolle hat. Und was macht man mit so einem Kerl? Wie nennt man den? Wie viel Respekt haben wir für solche Menschen?

 

Am Schlimmsten waren für Andi nicht die Beleidigungen, das „Nicht-Ernst-Nehmen“ seiner Weltsicht oder das Gelächter. Viel furchtbarer waren diese ständigen Belehrungen, wie man dies und das zu machen hätte, diese arroganten Sprüche von angepassten Spießern, die, seien wir ehrlich, selbst gerade so über die Runden kamen in einer Welt voller Regeln und Gesetze, die sie auch nicht gänzlich verstanden und vor allem nicht zu ihrem Vorteil nutzen konnten und dennoch vehement so taten, als würden sie ihre Leben so-viel-besser auf die Reihe bekommen als er; dabei wollte der Andi nicht nur nicht so sein wie sie, er konnte es auch nicht. Er kam aus seiner eigenen Philosophie nicht mehr heraus, denn wenn du einmal in deiner eigenen Welt gefangen bist, kannst du dich ohne Hilfe daraus nicht befreien, wie eine Fliege in einem umgedrehten Glas, die nicht begreifen kann, was nicht stimmt, weshalb sie da nicht mehr heraus kommt.

Gutzureden hilft da nichts.

Die Fliege im Glas ist dabei ebenso wenig dumm wie Andi es anfangs war, denn ein Mangel an Verständnis ist kein Mangel an Intelligenz, da sowohl die Fliege als auch Andi Fähigkeiten und Möglichkeiten die Welt zu entschlüsseln besitzen, die all uns Spießern für immer verborgen bleiben. Uns. Steht unsere Vernunft im Weg.

 

Eines Tages entschied sich Andi – aus Hilflosigkeit- dann doch für die Dummheit. Er war ja auch nicht so „klug“ wie all die anderen und wenn er es doch war, wollten sie es ohnehin nicht sehen. Wieso nicht einfach die Rolle spielen, die der große Unbekannte für ihn vorgesehen hat? Und schnell begriff er, was für Vorteile es hat wenn niemand großes von dir erwartet: Du kannst so tief fallen wie du willst. Andi entdeckte dadurch, die Freiheit Alles tun zu können was er wollte. Es erwartet ja auch niemand was anderes von dir. Denn „erst wenn wir alles verloren haben, haben wir die Freiheit alles zu tun“.

 

Diese Freiheit aber, ist ein Gefängnis. Dummheit ist ein Gefängnis.

Und die einzige Hilfe die er von seinem Umfeld bekam, war Gelächter über seine Situation. Ja. Er hatte schon lange keine Freundin mehr gehabt. Ja. Er hatte seinen Job verloren. Ja. Er wohnte wieder bei seinen Eltern. Ja. Die Arbeitsagentur und die Zeitarbeitsfirma hatten ihn über den Tisch gezogen. Ja. Er musste in den Knast wegen NICHTS, da er es auch nicht besser wusste und konnte um sich herauszureden. Ja. Er hatte nie Geld. Ja. Er hatte schon lange keinen Führerschein mehr. Und ja: Er hatte eindeutig ein Drogenproblem, welches er nur lachend als das Nonplusultra der Philosophien darstellte. Und ja. Andi ist 35 Jahre alt.

 

Das Alles nagte an ihn. Auch wenn er es nicht sagte. Vielleicht kannte er dafür inzwischen gar keine Worte mehr. Seine Räusche wurden nur noch extremer. Niemand verstand mehr sein Gelalle, denn betrunken sein geht immer und in seinen Alkoholräuschen entblößte sich seine wahre Lebenssituation. Man hätte zuhören können. Man hätte helfen können. Aber man gab eh nichts mehr auf diesen Freak der ehrlich glaubte, dass „Freak“ kein Schimpfwort, im Gegenteil eine Auszeichnung sei.

Diese Woche war es dann soweit, und dieser kleine Artikel hier reichte als Auslöser:

 

„Hängetrauma!“ lachte sein Arbeitskollege als er den Beitrag las und zeigte auf Andi. „Das kann man auch gut zu dir sagen! Du Nicht-Ficker! Hängetrauma mit abgestorbenen Schwanz!“

Es war Zufall, dass Andi das Messer in der Hand hatte. Doch schließlich war gerade Brotzeit. Und es war einfach ein Witz zu viel.

Keiner hätte es Andi zugetraut. Er war ein wenig dumm. Okay. Aber gewalttätig?

Die Kurbel war überdreht worden. Der Clown hatte die Kiste verlassen.