Verschwörungswahrheiten

„Und weißt du ein WISSENSCHAFTLER. Der vom CERN. Schweiz! Wo sie Atome aufeinanderprallen lassen! Wo die Kleinsten nicht Teilbaren Teilchen entstehen! Strings! Der hat so ein Teilchen unters Mikroskop gelegt und da hat der dann ZAHLENREIHEN gesehen! Einsen und Nullen! Denn daraus besteht die Welt! Das ist wie in der Matrix. Oder WELT AM DRAHT! Das ist nämlich genau der Code aus den 60ger Jahren als man die erste Computer-Simulation, die WELT-Simulation gestartet hat! Denn eigentlich sind wir ALLE nur eine Computer-Simulation! Wir sind nicht echt. Nur Nullen und Einsen!“

„Also am Cern arbeiten tausende Wissenschaftler. Und sind die kleinsten Teilchen keine Quarks? Und zerfallen die nicht fast sofort nachdem sie entstehen? Das ist doch Quatsch… Da hätte man doch was von gehört…“

„Weil wir alle BELOGEN werden! Und! Und! Und! Im Ozean haben sie in der Tiefe was gefunden! Ganz tief unten! Perfekte Dreiecksformationen die da schon seit 160-TAUSEND-Jahre liegen! Das können die ja bestimmen, so von oben! Mit der Technik! Und keiner weiß was darüber! Weil die!“

„Also wenn da was wäre, dann würden doch sämtliche Regierungen….“

„Und in Wahrheit sind wir IN DER MITTE EINES SCHWARZEN LOCHS! Alle Berechnungen stimmen! Deswegen ist auch das Licht so weit entfernt! Das ergibt doch alles SINN!“

„Also weißt du…“
„Und die Pyramiden die sie in Jugoslawien gefunden haben! Die vergrabenen Pyramiden! Dass sind Antennen in den Weltraum, und, und, und, man ist dort vor sämtlicher Kosmischer Strahlung abgeschirmt!“

„Also echt jetzt… Entweder sind wir eine Computer-Simulation, ODER es gibt ein Raumschiff auf dem Meeresgrund ODER wir sind in der Mitte eines Schwarzen Lochs. Alles gleichzeitig ist eher unwahrscheinlich.“

„Du lässt dich nur belügen!“

„Und selbst wenn irgendwas davon wahr ist, ist es auch egal.“

„Ja bist du denn verrückt! Die belügen uns!“

„Es ist vollkommen egal.“

„Und warum?“

„Weil es an deinem oder meinem Leben überhaupt nichts ändert. Es hat keinen Einfluss auf uns. Deswegen muss ich morgen trotzdem arbeiten gehen und deswegen liebe ich trotzdem meine Freundin. Die Wahrheit ist einfach egal. Im Leben geht es um direkte Tatsachen. Nicht um Ruinen der Vergangenheit.“

„Du bist doch total verrückt.“

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Erdbeben ändern nichts

 

Heute war bei Spiegel ONLINE Schlagzeile, dass die durch das Erdbeben zerstörte Region in Italien mit 50 Millionen Euro wieder aufgebaut werden soll. Das konnte ich gar nicht begreifen, diesen Wahnsinn. Da sind noch nicht einmal alle Toten geborgen und schon sagt der Mensch: „Das wird schon wieder“, knallt Millionen raus und baut genau da wieder hin, wo die Natur absolut eindeutig und überzeugend dem Mensch seine klitzekleine Endlichkeit aufgezeigt hat. „Erdbebensicher“ nennt sich das dann was „Mensch“ da vorhat. Nun gut. Ganz Tokio wurde auf einer fault line errichtet und man hat dort schon einigermaßen sichere Architektur errichtet, die bestimmte Erschütterungen aushalten kann (was sie ständig beweist, schließlich bebt es dort häufig) – bei einem großen Beben hilft das nicht viel.

Weshalb muss der Mensch also genau wieder dorthin, wo er weiß dass er irgendwann ins Unglück stürzen muss?

Von „Wahrscheinlichkeitsrechnung“ will ich jetzt gar nichts hören. Denn die Wahrscheinlichkeit dass genau dort etwas passiert ist nach einem großen Beben geringer als vorher, nur, sie ist immer noch gegeben, jetzt sogar bewiesenermaßen und faktisch. So eine Region wieder bewohnbar aufzubauen ist wie eine Wette auf die Zukunft; eine Wette auf das Leben deiner Kinder und Enkelkinder: Was juckt mich das Elend in 100 Jahren? Wenn es passiert heißt man seine Ignoranz dann einfach eine „Katastrophe“.

Okay. Diesen Trend fährt jeder von uns. Wasser in Plastikflaschen statt Mehrwegglas und das am Besten noch aus Frankreich. Tiefer brauche ich da in die Materie gar nicht einsteigen, denn jeder weiß worauf ich hinaus will: Juckt nur keinen.

Fantastisch unsere Ignoranz.

 

Wir sind so im Großen, wie wir im Kleinen sind.

 

Eine Freundin, fast geschieden und nicht mehr ganz frisch getrennt, bekommt ihr Leben nicht mehr auf die Reihe, nachdem sie sich nach der Trennung genau das zurückholt, was ihr Jahrelang gefehlt hat, obwohl sie ihrer eigenen Aussage nach zuhause mit ihrem Mann schon zu viel davon hatte. Sie holt sich die Männererlebnisse, „die Liebe“, die ihr immer fehlte. Und macht nur Mist, rennt mit ihren Liebhabern und Kindern von einem Desaster in das Nächste, auf der Suche nach genau dem, was sie sowohl verloren, als auch geopfert hat: Die familiäre Sicherheit, die sie vorher hatte. Und ich bin gewillt zu sagen: Dann lass es doch einfach. Lass alles bleiben und such dir (mit Kindern, die kann man nicht wegdiskutieren) neue Perspektiven, neue Träume und neue Aufgaben. Und nicht wieder genau die gleichen Probleme, die sie als Lösungen empfindet: Männer. Sie stürzt sich in kurzfristige Liebschaften bis vom Erdbeben der Realität alles platt gemacht wird und sie selbst dazu sagen muss: „Ja furchtbar! Habe ich aber vorher gewusst…“ Und macht genauso weiter. Stur der Wahrscheinlichkeitsrechnung ihres Herzens folgend.

 

Wir Leute halten so viel auf unsere Vernunft, negieren sie aber bei jeder Gelegenheit. Es liegt darin, dass wir in der Vergangenheit Perioden der Sicherheit erlebt haben und zu diesen zurückwollen. Die Erfahrung hat uns gelehrt das es sicherer ist in der Heimat zu bleiben, egal ob sie räumlich oder emotional ist, und selbst wenn uns vor Augen geführt wird, dass dem nicht der Fall ist, halten wir daran fest. Wir „kennen“ nichts anders, obwohl wir wie uns darüber im Klaren sind, dass es vieles anderes gibt in dieser riesigen Welt dort draußen.

 

„Heimatverbunden“ nannte das heute Morgen ein Arbeitskollege und ich kann nicht verstehen was daran gut sein soll, wenn man gerade seine Kinder begraben hat oder einen Teil deiner Seele. Die Heimat und was du dafür hältst, die bringt dich um. Sie ist kein Allheilmittel. Aber wir haben Angst vor der Fremde, mehr sogar, als vor dem Tod oder vor dem Unglück, solange die Gefahr keine andauernd gegenwärtig ist (sonst wären unsere Nachbarn ja auch keine Flüchtlinge). Hier hat „Heimatverbundenheit“ wohl mehr mit „Gottvertrauen“ zu tun als sich manch einer eingestehen würde. Und die Erinnerung ist die Heimat, die wir niemals verlassen können.

Früher war eben doch alles besser. Und wird es immer bleiben.

 

Springteufel

Was würdest du tun, wenn dein Leben als einziger Witz wahrgenommen werden würde? Was würdest du machen, wenn jeder über dich lacht? In dein Gesicht, nicht einmal hinter deinem Rücken? Wie würdest du reagieren wenn du die Last deines Versagens nicht mehr ertragen könntest?

 

Seine Lösung war, der zu werden, den die Leute sehen wollten. Er lachte einfach mit, ist doch ohnehin alles ein riesiger Scherz. Das ganze Leben. Und wenn man lange genug über sich selbst und die eigene Unfähigkeit gelacht haben würde, hören die Leute bestimmt auch damit auf. Schließlich wird jeder Witz einmal alt… Glaubte er. Dabei hatte er die Grausamkeit der Menschen unterschätzt. Denn nichts fühlt sich für jemanden, der sich selbst in verschiedenen Situationen erniedrigt fühlt (im Job, in der Schule, auf dem Sportplatz, im Bett), verlockender und vergnüglicher an, als den zu treten, der unter einem steht.

Ein Clown ist ein Clown ist ein Clown. Und wenn jemand für uns einmal eine Rolle spielt, dann lassen wir ihn dort nicht mehr heraus. Er wird zu „Jack in the box“.

 

Aus Andi wurde so ein Clown. Das hatte auch viel damit zu tun, dass er nicht so wie die anderen Arbeitssklaven sein wollte. Andi wollte die ewige Party. Immer auf Speed oder LSD wollte er sein, was bedeutet, immer anders als andere Menschen zu denken, zu fühlen und zu handeln, diese Leute, die nur hin und wieder Drogen nehmen – oder gar nicht. Immer dicht zu sein eckt auf Dauer zwangsläufig an, denn wir leben in einer paranoid nüchternen Welt; „paranoid nüchtern“ deswegen, da die „normalen“ Menschen anderen Menschen ihren Rausch verzeihen, wenn er nur hin und wieder eintritt. Doch wer  aus diesem Rahmen des Arbeits- und Ruhetags Rhythmus heraus fällt,  ist für uns schon ein Freak. Jemand. Der sein Leben nicht mehr unter Kontrolle hat. Und was macht man mit so einem Kerl? Wie nennt man den? Wie viel Respekt haben wir für solche Menschen?

 

Am Schlimmsten waren für Andi nicht die Beleidigungen, das „Nicht-Ernst-Nehmen“ seiner Weltsicht oder das Gelächter. Viel furchtbarer waren diese ständigen Belehrungen, wie man dies und das zu machen hätte, diese arroganten Sprüche von angepassten Spießern, die, seien wir ehrlich, selbst gerade so über die Runden kamen in einer Welt voller Regeln und Gesetze, die sie auch nicht gänzlich verstanden und vor allem nicht zu ihrem Vorteil nutzen konnten und dennoch vehement so taten, als würden sie ihre Leben so-viel-besser auf die Reihe bekommen als er; dabei wollte der Andi nicht nur nicht so sein wie sie, er konnte es auch nicht. Er kam aus seiner eigenen Philosophie nicht mehr heraus, denn wenn du einmal in deiner eigenen Welt gefangen bist, kannst du dich ohne Hilfe daraus nicht befreien, wie eine Fliege in einem umgedrehten Glas, die nicht begreifen kann, was nicht stimmt, weshalb sie da nicht mehr heraus kommt.

Gutzureden hilft da nichts.

Die Fliege im Glas ist dabei ebenso wenig dumm wie Andi es anfangs war, denn ein Mangel an Verständnis ist kein Mangel an Intelligenz, da sowohl die Fliege als auch Andi Fähigkeiten und Möglichkeiten die Welt zu entschlüsseln besitzen, die all uns Spießern für immer verborgen bleiben. Uns. Steht unsere Vernunft im Weg.

 

Eines Tages entschied sich Andi – aus Hilflosigkeit- dann doch für die Dummheit. Er war ja auch nicht so „klug“ wie all die anderen und wenn er es doch war, wollten sie es ohnehin nicht sehen. Wieso nicht einfach die Rolle spielen, die der große Unbekannte für ihn vorgesehen hat? Und schnell begriff er, was für Vorteile es hat wenn niemand großes von dir erwartet: Du kannst so tief fallen wie du willst. Andi entdeckte dadurch, die Freiheit Alles tun zu können was er wollte. Es erwartet ja auch niemand was anderes von dir. Denn „erst wenn wir alles verloren haben, haben wir die Freiheit alles zu tun“.

 

Diese Freiheit aber, ist ein Gefängnis. Dummheit ist ein Gefängnis.

Und die einzige Hilfe die er von seinem Umfeld bekam, war Gelächter über seine Situation. Ja. Er hatte schon lange keine Freundin mehr gehabt. Ja. Er hatte seinen Job verloren. Ja. Er wohnte wieder bei seinen Eltern. Ja. Die Arbeitsagentur und die Zeitarbeitsfirma hatten ihn über den Tisch gezogen. Ja. Er musste in den Knast wegen NICHTS, da er es auch nicht besser wusste und konnte um sich herauszureden. Ja. Er hatte nie Geld. Ja. Er hatte schon lange keinen Führerschein mehr. Und ja: Er hatte eindeutig ein Drogenproblem, welches er nur lachend als das Nonplusultra der Philosophien darstellte. Und ja. Andi ist 35 Jahre alt.

 

Das Alles nagte an ihn. Auch wenn er es nicht sagte. Vielleicht kannte er dafür inzwischen gar keine Worte mehr. Seine Räusche wurden nur noch extremer. Niemand verstand mehr sein Gelalle, denn betrunken sein geht immer und in seinen Alkoholräuschen entblößte sich seine wahre Lebenssituation. Man hätte zuhören können. Man hätte helfen können. Aber man gab eh nichts mehr auf diesen Freak der ehrlich glaubte, dass „Freak“ kein Schimpfwort, im Gegenteil eine Auszeichnung sei.

Diese Woche war es dann soweit, und dieser kleine Artikel hier reichte als Auslöser:

 

„Hängetrauma!“ lachte sein Arbeitskollege als er den Beitrag las und zeigte auf Andi. „Das kann man auch gut zu dir sagen! Du Nicht-Ficker! Hängetrauma mit abgestorbenen Schwanz!“

Es war Zufall, dass Andi das Messer in der Hand hatte. Doch schließlich war gerade Brotzeit. Und es war einfach ein Witz zu viel.

Keiner hätte es Andi zugetraut. Er war ein wenig dumm. Okay. Aber gewalttätig?

Die Kurbel war überdreht worden. Der Clown hatte die Kiste verlassen.