Star Wars, oder: Es ist schwer, ein Gott zu sein

(Ich habe keine Rechte an diesem Bild, ich habe den Link dazu von hier)

 

Die ganze Welt ist im „Star Wars“-Fieber. Wirklich die ganze Welt? Ja genau, ich doch nicht… Dabei ist das mit Star Wars genau meine Geschichte: Als Knabe wurde ich von meinen Eltern vernachlässigt und der Video-Recorder übernahm meine Erziehung. Und als Junge mag man Star Wars, denn da ist nun wirklich alles drin was sich ein junger Spinner wünscht, die fremden Welten, Außerirdische, intergalaktische Kämpfe, eine packende, nicht wirklich komplizierte Story und sogar die Liebesgeschichte ist für einen Jüngling okay. Gute Sache also, auch wenn ich damals schon die Ewoks scheiße fand.

 

Jetzt bin ich 35 Jahre alt und kann den Hype rund um diesen Disney-Film bei meinen Altersgenossen überhaupt nicht verstehen. Es ist nicht so dass mich die letzte Trilogie so abgefuckt hat das ich keine Lust mehr auf das Ganze hätte (irgendwann sehe ich mir das schon an, alleine schon wegen John Boyega, der war überragend in „Attack the block“), ich halte diese „Filme-für-die-ganze-Familie“ einfach nur für Quatsch; es gibt keine Filme für die ganze Filme, denn das sind nüchtern betrachtet Schauspiele für Kinder und Jugendliche in die sich infantile Erwachsene hineinsetzen und glauben damit gut und auch ihres Alters gerecht unterhalten zu werden. Ich sage ja nicht einmal was dagegen bei einer Weltraumoper vernünftig abschalten zu können,  nur zu glauben dass das Altersgerecht für deinen Familienvater wäre, nun ja… Jeder aber wie er will.

 

Was man dennoch zugeben muss ist die Tatsache, was für ein Weltbild diese „Star Wars“-Filme vermitteln (deshalb auch das Bild oben): Es geht um Krieg und um „Gut“ gegen „Böse“. Es gibt eindeutige strahlende Helden und das böse, fremde, Fratzenähnliche, eine exakt definierte Andersartigkeit und die muss bekämpft und besiegt werden bis am Schluss die „good guys“ den Tag gerettet haben – klingt fast wie aus dem Republikanischen Wahlprogramm der USA, die die dunkle Seite klar mit Moslems besetzt haben.

(Ich habe keine Rechte an diesem Bild, der Link ist von hier)

Die Gegenseite ist einfach das Böse und WIR sind natürlich die Guten. Autsch. Das ist gefährlich und dämlich. Und ich weiß nicht ob es klug ist mit diesem Weltbild unsere Kinder groß zu ziehen, nicht nur die Jugendlichen. Nein. Wirklich die KINDER, denn diese Disney-Schmonzette orientiere sich an den Kindern, beeinflusst sie und macht aus später erwachsenen Leuten Persönlichkeiten, die ehrlich glauben das Marvel-Filme gehobene Unterhaltung darstellt (gegen die Comics habe ich nichts, da Comics jeder in seinem eigenem Ton liest und jeder Mensch seine eigenen Schlüsse zieht – Kino ist da schon wieder eine ganz andere Liga). Die Menschen wollen gar nicht mehr gefordert werden. Das ist die absolute Amerikanisierung der Unterhaltung. Amerika, das Land welches von sich selbst behauptet das Land der Freiheit zu sein – und die Sklaverei erfunden hat.

Terroristen und Feinde sind einfach nur das Böse, die nur niedere Beweggründe haben und Liebe zu Familien und Freunden existiert nicht – die „hohen Werte“ sind für uns reserviert.

 

Vorsicht.

 

Ich will nicht zu sehr ins Amerika-bashing abdriften, denn das Land ist eben nicht nur Disney, Marvel, Umweltverschmutzung und Herrenmenschendenken. Es ist auch das komplette Gegenteil und das macht die Geschichte in Wahrheit so schwierig aber interessant. Dennoch ist die Märchenstruktur der Leinwand-Produktionen der Gegenwart aus den USA auch nichts anderes als quasi Propaganda-Filme, die nicht zum Nachdenken, sondern nur zum Mitfühlen anregen; Mitgefühl mit den Helden, nicht mit den Opfer wohlgemerkt.

 

Meine Freundin und ich sahen uns gestern „Es ist nicht schwer, ein Gott zu sein“ an. Auch dabei handelt es sich um einen aktuellen Science-Fiction-Film, der unterschiedlicher zu Star Wars gar nicht sein könnte.

In diesem russischen Film (der auf einer Roman-Vorlage basiert) wird die Geschichte von ein paar Wissenschaftlern erzählt, die auf einen fremden Planeten geschickt werden. Die Gesellschaft auf diesem Planeten steckt im finsteren Mittelalter fest und die Wissenschaftler versuchen Inkognito die Geschicke der Bevölkerung zu lenken.

90 Prozent dieses „Monster von einem Film“ sind Fäkalien, Rotze, Dreck und Blut, eine wilde Handlungs- und Kamera-Führung, die dem Zuschauer wirklich verdammt viel abverlangt und ihn damit ungemein fesselt. Dieses Mittelalter ist das Finsterste was ich jemals gesehen habe und dem Zuschauer wird sehr schnell klar, weshalb die Lebenserwartungen damals bei gerade einmal 30 Jahren lag; und wenn man sich den Film in seiner Kompromisslosigkeit ansieht, empfindet man moderne Märchen wie „Herr der Ringe“ und „Game of thrones“ als ultrageleckt und lächerlich saubere Überinszenierungen für ein dumpfes Massenpublikum (okay, was sie auch sind). Nur. Wer „Es ist schwer, ein Gott zu sein“ gesehen hat, der kann über den „Walk-of-Shame“ von „Game of thrones“ nur milde Lächeln.

Die restlichen 10 Prozent sind pure Philosophie, die über den Kniff der Science-Fiction mit ins Boot geholt wird, denn der Titel des Filmes ist Programm: Wie erlebt und fühlt sich ein höheres Wesen in einer Welt, deren Geschöpfe immer wieder die gleichen Fehler begeht und einen Lebensstandart als normal ansieht, über den man als disziplinierter Mensch kaum das Übergeben unterdrücken kann?

 

Wir haben uns dann noch ein wenig die „Extras“ der DVD angesehen auf denen erklärt wird, dass „Es ist schwer, ein Gott zu sein“ als „soft Science Fiction“ beschrieben wird, da es sich hierbei in der Zukunftsvision mehr um die philosophischen und psychologischen Aspekte der Science-Fiction dreht, während im normalen Science-Fiction die wissenschaftlichen Komponenten im Fokus stehen (siehe z.B. „2001“).

 

Was ist dann „Star Wars“? Star Wars ist für mich Fantasy-Science-Fiction ist,  das es weder philosophisch noch wissenschaftlich etwas zu sagen hätte. Es geht um fantastische Welten und Romanzen und – dieses Urteil tut mir überhaupt nicht leid – dies ist für mich die niedrigste Form von Unterhaltung: Es ist fiktiver Tratsch. Er verlangt den Leuten nichts ab und gibt ihnen genau das was sie wollen, wie ein Fußballspiel bei dem man schon vorher weiß, wer am Ende gewonnen haben wird.  Es ist eine Sache sich so etwas anzusehen, eine andere, es so übertrieben zu feiern und wie eine quasi Religion zu zelebrieren. Ich verstehe nicht wie die Menschen ihr eigenes Leben so sehr hassen und sich dermaßen in eine Fantasiewelt retten wollen. Es hält fast schon als spirituelles Ereignis her. Wieso aber müssen spirituelle Ereignisse immer so platt und allgemeingültig sein? Nein. Doch. Diese Science-Fiction ist keine Science Fiction. Da sie ein überholtes Mittelalterliches Weltbild verbreitet, das keine Pluralität der Charaktere zulässt (auch wenn Skywalker zu Darth Vader wird, so ist in jeder Szene klar, dass es eine eindeutige Wandlung zum Bösen ist – der Mensch jedoch ist keine Medaille mit zwei Seiten, er ist viel mehr und doch viel weniger, denn er ist alles zugleich, gut und böse, Familienvater und Mörder von Vätern) und am Ende anachronistischer daher kommt – ganz gleich wie viele Aliens auftauchen und Raumschiffe explodieren – als ein Film über das finsterste Mittelalter aller Zeiten, der Science Fiction Elemente enthält. Es ist GZSZ im Weltraum. Und mit der Ankündigung Disneys noch viel mehr Star Wars Filme zu drehen, wird daraus endlich die „Daily Soap“, die sich die Leute erhoffen während sie sich in den Kinosessel setzen und insgeheim denken: „Bitte keine Überraschungen. Ich will MEIN Star Wars“…

Wieso wollt ihr nicht mehr?

 

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