Stehplatz in Augsburg

Freunde muss man haben. Es geht zwar auch ohne, gut aber, wenn man sie hat. Gerade wenn man sehr unterschiedlich ist und sich trotzdem mag. Sehr entgegen kommt es da, wenn man sich erst „im Alter“ kennen lernt und einem die Unterschiede in Ansichten und Hobby als Charaktereigenschaft gewahr werden, während es bei alten Kinder- und Jugendfreunden ein wenig komplizierter ist, denn entweder  verändern die Freunde sich gar nicht, weshalb man sie als totalst langweilig empfindet, oder aber sie verändern sich so sehr, dass man irgendwie enttäuscht ist und kann mit ihnen nichts mehr anfangen. Nicht auserzählte, neue Freunde haben also oft einen gewissen Bonus was die eigene Toleranz angeht. Wenigstens bei mir.

Eine meiner neueren Freunde (Freundin) ist ein großer Fan des Fc Augsburg. An dieser Stelle darf gerne gelacht werden. Und ich finde Fans von Mannschaft die so gut wie immer gegen den Abstieg spielen, auch irgendwie lächerlich, halte sie aber auch für bewundernswert: Es gehört schon einiges dazu jedes Wochenende in ein Stadion zu gehe, wo die Mannschaft regelmäßig verprügelt wird. „Erfolgsfan“ wird man leicht und kann es dann auch ebenso bleiben. Fan einer Bananen-Mannschaft muss man erst mal werden und bleiben können.

Dabei bin ich keiner dieser eingefleischten Traditionalisten. Obwohl es genau darum in dem Freitagsspiel an diesem Wochenende ging: „RB Leipzig“ gegen den „FC Augsburg“ ist ein Spiel eines großen durch Geld gepushten Newcomers gegen einen traditionell „kleinen Verein“, was in Fußballsprache bedeutet, dass der FC A nur einen sehr kleines Budget zu Verfügung hat. Solche „kleinen Vereine“ sehen sich durch die Leipzigs und Hoffenheims schwer unter Druck gesetzt vor, da diese einen Esel besitzen der goldene… Ihr wisst schon. Ich wusste also im Vorfeld das eine aufgeheizte Stimmung in der WWK Arena sein würde. Dazu ist meine Freundin Jahreskarten-Besitzer weswegen sie mir einen guten und billigen Stehplatz an ihrer Seite besorgen konnte. Bisher. Bin ich im Stadion immer nur gesessen.

 

„Sitzen“/“Stehen“ gibt es da einen großen Unterschied? Den gibt es.

 

„Vor dem Spiel ist an der schwarzen Kiste“. Macht man so in Augsburg wenn man 25 Plus ist. Das ist so eine Art Winter-Biergarten, wo man draußen in der Kälte aber sehr gesellig zusammen sitzt und vortrinkt. Nehmen wir es den Augsburgern nicht übel. Bei ihrer Mannschaft muss man vortrinken. Das ist aber richtig schön gemacht an der schwarzen Kiste, Haltestelle Haunstetterstraße. Es ist nicht nur „gemütlich“ oder „urig“, es hat auch ein gewisses Niveau, Schankwagen und Toiletten-Container hin oder her. Das war mir fast schon zu cool für Augsburg. Schön das es hier auch solche Ecken gibt.

Hier waren dann auch. Die Menschen.

Mit großem „Hallo“ kannten sich hier jeder, ich natürlich keinen. Zum Glück wurde eine gewisse Form von Geselligkeit vorausgesetzt, auch wenn mein Gesicht selbst dafür nicht steht. Alle nett und freundlich an der Kiste, keine Berührungsängste, auch wenn ich als BVBler nicht einmal zum Fan-Team gehöre. Dass man mich jetzt nicht gleich verprügelt war mir auch klar, die warme Herzlichkeit die ich erleben durfte war dennoch was Schönes und sollte den ganzen Abend erhalten bleiben.

Da bekam man zum Fußball-Abend die Europa-League-Geschichten der Fans zu hören, die dem FC A das letzte Jahr hinterher gereist waren. Teilweise ein wenig arrogant vorgetragen, was ich aber mit einem amüsierten Zwinkern quittieren konnte; ich selbst kenne es ja zur Genüge, dass wenn man von einer Sache absolut überzeugt ist, Themenfremde Menschen erst einmal belächelt und sie trotzdem beeindrucken will. Insgesamt ein sehr geerdeter Haufen den man da traf.

Massen-Fan-Veranstaltungen haben ja immer etwas besonders für mich. Sei es bei den Nerd-Veranstaltungen meiner Freundin (Stichwort: Hochbegabt) oder die christliche Sekte die ich auch zwei Mal besucht habe. Egal ob es um Religion, Sport oder sonst etwas geht: Es gibt immer diesen einen bestimmten Menschenschlag, der zwar aus sehr unterschiedlichen Individuen besteht, es aber immer diese gemeinsame Sache gibt, diesen kleinsten gemeinsamen Nenner. Offen feindlich wurde ich nirgendwo aufgenommen. Warum auch? Schließlich nimmt man an der Sache der Anderen Teil und zeigt Interesse. Das Lustige an solchen Ausflügen ist wirklich das unterbewusste Gerede der Menschen, wie sie über ihre Leidenschaft sprechen, ohne sich dessen bewusst zu sein. Denn egal ob es um „Gott“ oder „die schönste Nebensächlichkeit der Welt“ geht, alle sprechen aus dem Herzen heraus und das ist so ein nacktes und offenes zur Schau stellen der eigenen Herzlichkeit, dass man gar nicht weiß ob man darüber Lachen oder Weinen kann oder sollte.

So ging es  dann auch weiter. In der Straßenbahn. Vor dem Stadion. Darin.

Diese Steh-Atmo mit Schlacht- und Fan-Hymnen kenne ich ja schon längst aus meinen „Böhse Onkelz“-Zeiten, deren Fans sehr nahe am Fußball-Fan gebaut sind. Und ich habe das durchaus (auch wenn es nie ganz meine Welt war und es jetzt auch sicherlich nicht mehr wird) immer sehr genossen. Dieses rohe, in sich abgeschlossene „Wir-gegen-Die“. Auch wenn es halt immer sehr prollig rüberkommt (der Prolet ist nun einmal der „kleinste gemeinsame Nenner“ auch wenn dort nicht alle Proleten sind, ach was, das ist die Minderheiten). Den Gewalt-Fußball-Depp, den Hool suchte ich am Freitag erst gar nicht und es wäre bis auf ein paar Ausnahmeerscheinungen auch gar nicht möglich gewesen. Hier steht und schreit der Mittelstand, der sich in diesem Moment gar keine Zeit für Selbstreflektionen hat. Denn es geht gar nicht darum was du sonst machst, sondern wen du hier, heute und das nächste Wochenende vertreten willst.

 

Vor dem Spiel die Fan-Choreografie gegen Red Bull und ihren Mainstream-Fußball. Hier zeigten die Fans Haltung, wobei dem Einzelnen gar nicht klar war, wogegen:

„Wieso sollen wir jetzt schwarze Pappen hochhalten? Ist das gegen Leipzig oder gegen Red Bull?“

„Ja gegen Beides!“

„Ich will aber nicht bei so einer Gewalt-Scheiße mitmachen! Weiß jemand was da am Ende für ein Bild daraus wird?“

„Wahrscheinlich ein Sarg.“

„Witzbold.“

„Ne, Ne. Das wird nur zur Hintergrund-Untermalung benötigt. Wissenschaftliche Studien haben erwiesen, dass man mit schwarzem Hintergrund die Message besser sehen kann.“

„Aber ich will nichts GEGEN Leipzig unterstützen. Nur gegen Red Bull. Die Leipziger können doch nichts dafür…“

„Jetzt halt einfach die verdammte Pappe hoch.“

Und das machte man dann auch. Kritiklos und doch mit analytischen Hintergedanken.

Das Spiel war dann richtig gut. Okay, die zweite Hälfte der ersten Halbzeit war ein wüstes Getreten und Geschupse auf dem Platz. Ansonsten war es schön anzusehen. Ein 2 zu 2. Hat für Alle was. Und es war richtig „Musik“ im Stadion. Was ich von den blöden Sitzplätzen gar nicht kannte. Aber. Vom Spiel und seinen Nuancen bekommt man auf der Stehplatz-Tribüne überhaupt nichts mit. Ganz egal wie sehr da gehasst und geschrien wird: Aus der Perspektive siehst du eh keine knappen Entscheidungen. Dafür bekommst du aber mal ordentlich stimmungsvoll nach einem Tor einen jubelnden Plastikbecher voll Bier auf die Rübe. Man kann halt nicht Alles haben.

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Woody Allen und Guardiola

In den Simpsons sagt Ned Flanders einmal, dass er die Filme von Woody Allen möge, nur nicht den hektischen Typen der das jedes Mal mitspielt.

 

Nach gestern könnte man das Gleiche über den FC Bayern und Pep Guardiola in den letzten Jahren sagen: Man mochte die Spielweise des FC Bayern, nur nicht den dauerpräsenten, hektischen Typen der da an der Seitenlinien herum sprang 😉

 

Ich bin aber nicht die nationale Presse, die nach einem schlechten und verlorenem Spiel der Bayern gleich die Hände über den Kopf zusammen schlägt. Für eine Krise gehört mehr als ein verlorenes Spiel – oder drei Unentschieden in Folge wie bei Real Madrid. Schon schlimm was man sich von den Medien für einen Blödsinn anhören muss, wenn man nur Fussball schauen will.

Freunde mit Jawbone Fitness Tracker

Das ist die Zeit in der wir leben. Nun gut. Eher manche von uns. Sie arbeiten nicht mehr, lassen es ihr Geld für sich tun oder lösen für ihren Verdienst virtuelle Probleme am Computer. Da ist keine Bewegung drin, das ist Stillstand, wenn auch kein geistiger. Nur der Krieger im Menschen verlangt mehr. Der will Bewegung. Nein, der braucht sie sogar. Früher hat dann einfach der Körper gezwickt oder zu viel geschwabbelt und der Mensch wusste: Jetzt muss wieder mal etwas unternommen werden, damit man nicht total zum Wohlstandsopfer wird. Aber dieses Denken ist ein Fehler. Wenn du glaubst durch den Blick in den Spiegel oder an dir herab könntest du Aufklärungsarbeit am eigenen Körper leisten, bist du blind für die nackte Wahrheit; Wahrheit hat ja schon immer Mathematik bedeutet.

 

Los ging es mit der Waage. Klassisches Teil, stellst dich drauf und die pendelte dir dann aus, wie sehr du den Planeten belastest. Aber das reichte nicht. „Körperfett“ musste gewogen werden und das wurde es auch. Und heute. Wo wir auf dem besten Weg dazu sind ein Hybrid aus Technologie und menschlichen Gewebe zu werden, ist das Smartphone der erste Schritt dazu wie eine Enzyklopädie in Buchform der Vorgänger von Wikipedia und dem gesamten Internetzl ist und war; der „Cyborg“ ist die Erfüllung eines gar nicht mal so alten Menschheitstraums, der bald wahr wird („Ghost in the Shell“ lässt grüßen). Weg also mit der Angst vor Neuerungen. Außerdem ist es doch SOOO gesund.

 

Ich war dann also gestern beim berühmten guten Freund und Bekannten, die diese nun auch nicht mehr neuen, jetzt aber extrem populären Fitness-Armbänder haben (oder hat das Armband sie?).

Das Armband ist das Verbindungsstück zwischen Mensch und Smartphone-App, die dir sagt, wie du im medizinischen Vergleich zum globalen Durchschnittsmensch Max Mustermann so abschneidest. Wobei. Jeder ist sein eigener Max Mustermann, denn die App erfasst so gut wie: Alles. Wenn du es denn richtig eintippst:

Körpergröße, Gewicht: Eh klar. Für das was man den ganzen Tag über isst gibt es eine Tabelle aus der du das entsprechende Futter-Utensil auswählen und in Kalorien in die App eingeben kannst. Die zählt dass dann und sagt dir, was du dir noch erlauben darfst – oder auch nicht. Natürlich zählt die App deine Schritte. Die Höhenmeter die du zurück gelegt hast. Deine Herzfrequenz. Wie viel „workout“ du dir heute hast angedeihen lassen. Und was weiß ich noch alles. Das menschliche Gehirn kann den eigenen Körper auch gar nicht beurteilen: Wer kann schon seinen eigenen Augen trauen? Es geht nicht darum wie DU dich siehst, sondern wie du in den Augen der anderen aussiehst. Und weil man das am Verlässlichsten mit Zahlen belegen kann, orientiert man sich daran. Das Versprechen geht dann so, dass wenn alle Werte im grünen Bereich sind und ein hübscher und damit besserer Mensch bist.

So wurde – ich war selbst überrascht – aus der Mathematik die Lehre über die Fitness und die Gesundheit.

 

Ich war da ziemlich baff wie überaus erwachsene Männer Ende dreißig Anfang 40 sich gegenseitig vorrechneten und damit angaben, was sie heute gelaufen und NICHT gegessen hatten. Man kann ja – natürlich – innerhalb des App-Verbundes gegeneinander antreten: Wer war heute der Fitteste? Wer hat gewonnen. (So bekommt man Männer immer rum: Mit dem Contest)

Dabei wusste ich gar nicht ob ich Lachen oder Weinen sollte. Denn die Nazis hätte an der Erfindung sicherlich die blanke Freude gehabt. „He is coming! Der Einheitsmensch.“ Und was wird eines Tages mit denen geschehen, die nicht die App über sich wachen lassen? „Ka-Tsching!“ macht es da bei den Krankenkassen, die haben auch gleich Dollar-Zeichen in den Augen.

Völlig normale, nette Leute aus meinem Bekanntenkreis wiegen sich jetzt also vor meinen Augen (unter der Aufsicht des anderen, der die Daten vom Kumpel eh auf sein Handy geschickt bekommt), bevor sie sich ihr extraterrestrisch großes „Big Kahuna Sandwich“ mit fast 2000 Kalorien in sich hinein scheiben DÜRFEN. Denn die App sagt, es ist okay.

Die App gönnt sich ja sonst nichts.

Da wird dann auch noch live nach dem Essen der Blutdruck mittels Messgerät gemessen und über (wörtlich) zu große Herz des anderen schwadroniert, über Herz-Fett und worauf man alles achten müsse; und ich stand mit meiner Flasche billig Tequila da und wollte mich Samstagabend doch nur ordentlich betrinken („Boah… Alkohol hat doch so viele tote Kalorien!“).

 

Das Smartphone ist schuld. Es ist einfach zu cool. Oder welchen Grund gibt es sonst damit Männer mit denen ich früher noch die Körper von Scarlett Johanson   oder Eva Green verglichen hätte, oder gleich das Gras mit irgend nem anderen Weed oder die unterschiedlichen Speeds oder was weiß ich… Anstatt über unseren Salz/Fett-Anteil im Blut zu  streiten, wer mehr gelaufen ist und warum man doch (obwohl man der GEWINNER dieser Frage war) weniger Kalorien verbrannt hat – wie zur Hölle geht denn das?

Weshalb also sonst sollten Kerle so auf ihr computergestütztes Selbsterlebnis achten, wenn nicht wegen des allglatten Designs der Phones und der Apps? Wohlwissend, dass man vor ein  paar Jahren die Mädels noch für ihren „Weight Watchers“-Wahn verlacht hätte, Kalorien zählen, nein danke. Doch jetzt hat man ja das Smartphone. Und plötzlich macht das ALLES so viel Sinn!

So ist das halt.

Die einen jagen die Pokemon. Die anderen Kalorien.

Und ganz andere wollen einfach Ruhe haben, da sie nicht nur ihr Geld für sich selbst arbeiten lassen oder virtuelle Probleme lösen: Die gehen halt WIRKLICH arbeiten.

Aus den olympischen Schlagzeilen

Von Zeit.de:
„OLYMPISCHE SPIELE

Ehemals gedopte Russen dürfen in Rio starten

Gedopte Athleten, die ihre Sperre verbüßt haben, sollen nicht erneut bestraft werden. Der Internationale Sportgerichthof gibt Einsprüchen russischer Sportler statt.“

 

So steht es geschrieben, so wird es sein.

 

Und ich. Als Normalverbraucher. Und auf eine gewissen Art auch ehemaliger Doping-Sünder. Finde, dass doch gerade Leute die schon einmal wegen Dopings überführt wurden, bewiesenermaßen Betrüger sind, waren und bleiben, ganz egal ob sie es jetzt nicht mehr tun: Sie haben es getan. Hier geht es ja nicht darum mal die falschen Schmerztabletten oder die falsche tropische Frucht gegessen zu haben, weswegen versehentlicher weise ein Dopingprobe positiv ausschlug, da man nicht wusste dass das auf der Liste der verbotenen Substanzen steht. Ne. Es geht darum vorsätzlich betrogen zu haben. Das ist kein Ausrutschen. Oder Stolpern. Kein „Hopsala“… Das ist wie beim Fremdgehen: Vorsatz. Auch beim Sex ist es nämlich genauso wenig der Fall das zwei Partner nackt stolpern und dann – wie es schon zigmal vorkam – der eine Partner in den anderen gefallen wäre und die dadurch entstandene sexuelle Handlung ein blödes Unglück plus peinlich für alle Beteiligten wäre: Es war Vorsatz. Und. Man hat das von Anfang bis zum Ende gewollt. Irgendwie.

Meiner Opinion nach sollte so eine Sperre überhaupt niemals aufgehoben werden, da man sich im Sport genauso verhalten hat, was gegen den solchen an sich spricht: Man war unsportlich. Was hat also ein Sportler in der Unsportlichkeit verloren? (dazu gehören auch „Schwalben“ beim Fußball um sich einen Vorteil zu verschaffen, das Thema lassen wir hier nur mal außer 8).

Denn wenn nun in Rio ehrliche, nicht übermenschlich beschleunigte Athleten gegen gedopte Superrussen verlieren, denen man nur gerade halt ihre Betrug nicht nachweisen kann (Doping wirkt nach, liebe Freunde), bleibt für all jene, die sich betrügen und bescheißen lassen nur der Olympische Gedanke an sich: „Dabei sein ist ALLES.“

Das ist doch der blanke Hohn.

Es ist das nachgewiesene russische Staatsdoping welches den Sport kaputt macht. Es ist die Tatsache, dass man davor die Augen verschließt: Olympia, du bist scheiße.

Die verschiedenen Gesichter der deutschen Weltmeister

Und wenn schon? Wen interessiert es denn nun wirklich ob die Weltmeisterschaft 2006 gekauft wurde? Korruption ist ein Weltweites Problem und Deutschland war  sicherlich nicht so viele Jahre Exportweltmeister, ohne dass dazu die eine oder andere Mark „spendiert“ wurde.

Korruption ist ne blöde und schlimme Sache, die für viel Ungerechtigkeit auf der Welt sorgt, das ist keine Debatte wert, die Verwunderung darüber das es wohl gesehen ist,  teile ich nur nicht.

Ich habe mich einmal vor vielen Jahren über den Wandel des Kleidungsstils hier im Blog echauffiert (siehe damals die fetten Kerle in ihren „Wir sind Opel“-Shirts, kontra die dürren Arbeitslosen im Anzug! während der Weltwirtschaftskrise), jetzt ist mir, im Zusammenhang mit der gegenwärtigen Beckenbauer-Affäre und den dazu gezeigten Bildern, aufgefallen, wie sehr sich die Art des Feierns der deutschen Nationalmannschaften beim WM-Pokal- Gewinn verändert hat:

1954  

1974

1990

2014

Wenn man den Links folgt sieht man nicht nur 11 Männer die sich freuen. Bei genauerer Betrachtung ist zu sehen, wie die Freude immer erst kindischer, dann viehischer, würdeloser wird.

Heute schreien sich die „Herren“ weg wie die Tiere, während – siehe Beckenbauer 1974 – Jahrzehnte vorher noch, ich würde aus heutiger Sicht sagen, mit verhaltener und doch sichtlicher Freude der Pokal emporgereckt wird (1954 sogar gar nicht, da wurde noch der TRAINER gefeiert, nicht die eigene Leistung…). Heute reißen alle Dämme.

Frage: Wie sieht das beim nächsten WM-Gewinn aus? Reißen sich die Männer dann gleich wie die Tiere die Trikots vom Leib? Pinkeln sie sich dann Jahrzehnte später auch gleich noch ins Gesicht? Klar: Übertreibung. Die Frage bleibt offen: Was wird uns, wenn man diese Entwicklung ernst nimmt und sie auf die gesamte Gesellschaft auslegt, für die diese Fußball-Millionäre eine Metapher bedeuten?

Ich finde es sehr bemerkenswert, wie der deutsche Mann sich über die Jahrzehnte selbst entfesselt hat. Es gibt sicherlich viele Leute die rundum und ohne Vorbehalt sagen würden, dass das eine gute Entwicklung sei; ich bin mir dabei nicht so sicher.

Wo ist die Würde? Wo ist die Größe?

Umgekehrt ist (und das habe ich schon oft festgestellt) es sogar noch erbärmlicher zu sehen, wenn Männer mit Körpern aus Stahl nach einem verlorenen Fußball-Spiel auf dem Boden liegen und weinen wie kleine Mädchen… Sie haben es sich doch so sehr gewünscht zu gewinnen…  

Was soll das? Was wird aus uns? Aus unseren Gefühlen? Wo hat das ein Ende? Wird das Verhalten des Pöbels einem das perfekte Ideal? Werden wir eines Tages zu vollendeten Kindern werden?

Das sind Anzeichen für unseren Ausverkauf an den Jugendwahn.

Alkohol ist die Lösung

Es ist ein guter Brauch jeder Augsburger Profimannschaft, zu verlieren wenn ich ihm Stadion bin. Keine Ahnung warum das so ist, denn trotz allem sind die Vereine auf dem Papier immer erstklassig. Gestern war die Ausnahme von der Regel. Die Augsburger Panther fegten die Hamburger Freezers mit 4 zu 1 vom Platz. Ihr erster Auswärtssieg.

Nicht das ich, nicht das wir, große Eishockey-Fans wären; wie so oft sollte es einfach mal wieder was „anderes“ sein.

Ansonsten denkt man gar nicht darüber nach, wie viele tausende, wie viel Millionen Menschen auf der ganzen Welt sich an Wochenenden oder in der Arbeitswoche,  ihren nicht Mainstream-Hobbys hingeben, sich in irgendwelchen Sport-Kathedralen einen hinter die Binde gießen, sich in Wäldern verkleidet mit Schwertimitaten verprügeln, zu für andere seltsamer Musik noch merkwürdiger zu bewegen, in „ihren“ Swinger-Club gehen oder nur mit den Kumpels von der Freiwilligen Feuerwehr abhängen; Menschen machen diese für anderen komischen Dinge die ganze Zeit und sehen darin, wenn nicht gleich ihren Lebensinhalt, ihren Ausgleich zum ganzen Wahn der Arbeits- und Familienwelt.

Da muss ich gleich an den Ulrich Seidl Film „Im Keller“ denken.

Wir haben nicht unser Ding. Sind nirgendswo hängen geblieben. Heute also: Eishockey.

Ich war vor ein paar Jahren schon einmal im Augsburger Panther Stadtion gewesen – dem Curt-Frenzel-Stadion – und hatte es zwar ein Dach, nur leider keine Wände. Und so eine Wintersportart ist gerade im Dezember sehr, sehr kalt, was auch ein Grund dafür sein kann, weshalb die Stimmung dort immer sehr gut war.

– Gegen die Kälte.

Im Jahr 2015 haben sogar die Augsburger ein schönes Stadion (mit Wänden), mit allem möglichen Schnickschnack. Das Spiel war gut. Die Leute okay. Auch wenn man sich selbst natürlich immer ziemlich fremd fühlt gegen die hierherkommenden Gewohnheitstäter und Ultras. Dazu gehören wir bei so Veranstaltungen nie, wie auch?

Und da sind wir jetzt beim Punkt der Geschichte angelangt.

Nüchtern kann ich solche Massenevents kaum ertragen.

Ich.

Bin dann auch schwer zu ertragen.

Nüchtern sein langweilt dann einfach. Natürlich habe ich in meinem Leben mehr als genug Drogen genommen aber das ist jetzt auch schon ne Weile her. Trotzdem muss ich, wie Millionen Deutsche und sicherlich Milliarden Menschen auf diesem Erdenrund, ein Bier in der Hand und eines in der Kehle haben um mich entspannen zu können. Und. Um in solchen Veranstaltungen aufgehen zu können.

„Für mittendrin statt nur dabei“ bedarf es für mich des Angeschickertseins. Keiner Volltrunkenheit, es genügt der berühmte gewisse Level.

Darüber denkt man mit Mitte dreißig gar nicht groß nach, wenn man vor einigen Jahren noch eine Flasche Wodka mit einem Gram Speed innerhalb einer Stunde plattmachen konnte. Alkohol gehört dazu. Er ist Lebensgefühl. Und früher war eh alles schlimmer, hefiger, totaler (ehemalige Drogensüchtige haben immer ihren eigene NSDAP-Mitgliedschaft und ihren persönlichen zweiten Weltkrieg hinter sich).

Meine Freundin hält mir natürlich immer vor, dass man auch ohne Alkohol Spaß haben kann. Da gebe ich ihr Recht. Nur warum sollte ich versuchen ohne Alkohol Spaß zu haben, wenn ich ihn garantiert MIT haben kann? Seien wir doch mal ehrlich: Jede Sportveranstaltung, egal im Stadion oder vor der Glotze, ist besser wenn man ein Bier, Wein oder was weiß ich in der Hand hat.

Alkohol hilft uns los zu lassen.

Ich weiß nicht in welcher Welt ihr lebt. In meiner Welt muss man schuften wie ein Irrer, um durch den Tag zu kommen. Und hin und wieder ein wenig Alkohol zum Entspannen zu trinken, ist für mich Normalität. Er hilft zu vergessen. Loszulassen. Und in dem Punkt kann ich auch jeden Kiffer verstehen, wenn er es einfach zum Entspannen. Braucht. Jeder klardenkende Kiffer oder Alkohol-Trinker sollte dabei auch die Einstellung haben, dass er froh wäre, den Alkohol NICHT zu brauchen. Es ist nur die Welt, die einen dazu treibt.

Das klingt nach einer Ausrede. IST eine Ausrede. Und doch auch die Wahrheit.

Selbstverständlich will ich nicht dauernd breit sein. Ich will nicht damit vor meinen Problemen davonrennen. In gewissen Situationen MUSS und will man auch nüchtern sein. Zum Beispiel würde ich nie hier auf Droge an dieser Tastatur sitzen, weil ich einfach nichts lesbares produzieren könnte. Auch kann ich nicht einmal nach einem Bier ein Buch lesen. Nein. Alkohol und Drogen machen NICHT Alles besser. Es hilft nur den Lebensdruck zu senken, gerade in Situationen wie gestern. Denn ich kann mich nicht sofort supernüchtern in ein Stadion stellen wie gestern, und mich dort nicht erst einmal deplatziert fühlen. Ich brauche mindestens zwei Bier, um meine eigenen Kritiker-Radar herunterzufahren um die Menschen um mich herum in ihrem Fetisch zu akzeptieren und um ein Teil von ihnen zu werden.

Nüchtern bin ich eher ein zurückhaltender Charakter, angeschickert nicht. Wahrscheinlich liegt mein Denk-, mein Emotionsfehler darin, dass man sich in jede Situation hinein fühlen muss, um daran Teil haben zu müssen. Wenn ich aber NICHT Teil habe, werde ich als ein unmöglicher Charakter beschrieben, der einem alles schlecht macht…

Das letzte Drittel des Eishockey-Spiels war das Beste. Die Fans gerieten außer Rand und Band. Die donnernden Gesänge wurden noch einmal unfassbar lauter, einnehmender… Aus der Menge auf den Rängen wurde eine kraftvolle Singularität, die wie ein Mann agierte. Keiner krakelte aus der Reihe.  Die Hände hoben sich nach dem Vorbild und Diktat des großen, unsichtbaren Choreographen, der überall seine Fäden zieht. Alle hüpften im Einklang umher. Frauen. Männer. Kinder. Alt und jung. Und auch wenn die Kinder nicht betrunken waren, so eiferten sie doch dem betrunkenen Vorbild ihrer Erziehungsberechtigten nach, denn im letzten Drittel eines Eishockey-Spiels (welches mit Unterbrechungen ziemlich lange dauern kann) sind die meisten Fans eh nicht mehr nüchtern. Wieso auch? Denn entweder haben sie gerade gewonnen, verloren… Oder Alles stellt sich als ein unglückliches Unentschieden heraus.