Harry G – die Harry die Ehre-Tour 2017

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Harry G? Was ist das denn für ein blöder Künstlername? Markus Stoll – der Name, der auf Harrys Ausweis steht – wurde eigentlich in Regensburg geboren, baut aber seine ganze Kunstfigur auf dem Umstand auf, dass Harry G aus München kommt und dort lebt. Googelt man ihn wird er gerne als Grantler beschrieben, also als jemanden, der eher mies drauf ist und sich über die bestehenden Lebensverhältnis beschwert – auf humorvolle Art. Mit spitzbübischer, teilweise frecher Chuzpe haut der Harry gerade die Themen raus, die nicht gerade besonders anecken und bei der jeder mit kann.  Jeder. Wenigstens war das letztens so. Hier bei uns in Bayern. Als er in meinem Landkreis-Dorf auftrat. Verprellt hat der Harry da niemanden, auch wenn er ein wenig gemein war zu den Leuten im Publikum und sich gastronomische wie kulturelle Minderheiten aussuchte über die er seine Späßchen machte.

Über Veganer, Radfahrer, Tinder, die Mama die nicht mit dem Smartphone klar kommt oder das unerträgliche, jedoch scheinbar dazugehörende Thema Mann/Frau wurde sich auf der Bühne ausgelassen; und selbst verfreilich über den Unterschied von uns Bayern zum Rest der Welt. Da konnte wirklich jeder im Saal mit – und schon sind wir wieder bei dem Thema angekommen, dass mich in letzter Zeit ein wenig verfolgt: Dem kleinsten gemeinsamen Nenner der Dinge. Humor für Nutella und Weißwurst-Liebhaber. Angegriffen musste sich wirklich keiner vorkommen. Dafür ist der Harry zu schlau, seine Bosheiten zu nett. Und – um die ewige Redewendung von Harry G zu verwenden – ICH SACH A MAL SO: Der Harry G ist wie der Freund den jeder hat, der die ehrlichsten und damit verletzensten Dinge in einer kleinen Runden offen zu dir sagen darf, worauf deine Freunde über dich, aber auch MIT dir Lachen. Ein wenig möchte man ihm dafür aufs Maul hauen. Aber irgendwie kann man ihm nicht böse sein.

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Den Harry kenne ich erst seit ein paar Monaten. Ich habe nach dem neuen „Blitz“-Club in München auf Youtube gesucht und wurde dann aus Mangel an Suchergebnissen auf ein Video von ihm aufmerksam, in dem er sich über die Müncher Clubszene lustig macht. Und das war es auch. Lustig. Besonders wenn man im gleichen Jahrgang wie er ist und einen ähnlichen Blick auf die Clubs hat – nur Berlin finde ich im Gegensatz zu ihm im direkten Vergleich eher langweilig, weil die Leute nur noch in die Mega-Clubs reinkommen wollen und drinnen dann vor lauter (hier O-Ton Boris Becker aus der AOL-Werbung) „Ich bin drin. Gibt´s ja gar nicht…“ Das Feiern vergessen.

Die Meisten seiner anderen Videos sind eher so na ja… Aber auch nicht ganz scheiße.

Wie halt so die Witze auf Facebook sind. Die Plattform, die ihn erst bekannt gemacht hat.

So war dann auch sein Abendprogramm. Die Witze sind eigentlich gar nicht so gut. Wenn man ehrlich ist. Seine schelmische, schnelle Art die Dinger rauszuhauen, macht da aber viel wett. Und ICH SAG MAL SO: Ein paar Pointen waren richtig gut. Aber das Publikum auch sehr willig. Man kommt ja ins Kabarett/Comedy-Programm um zu Lachen, weswegen man da viel mitnimmt, worüber man sonst die Augen verdreht. Weil da eben doch diese besondere Kabarett-Stimmung aufkommt.

 

Auf dem Nachhause-Weg meinten meine Freundin und ich, dass wir so ein Programm sicher auch schreiben könnten. Es aber niemals so präsentiert bekommen würden. Ob man dafür dann gleich 30 Euro verlangen muss: Fraglich.

Es war ein netter Abend in der Provinz. Schee wars. Am Ende gingen die dicken Wohlstandsfrauen und ihre Hemdsärmligen Männer zufrieden nachhause. Stimmung: Der Harry ist doch ein Pfundskerl. Plus einem überhaupt nicht hinterfragen „Mia san mia“. Nur I will halt id so sein wie ihr…

Für meinen Geschmack kann der Herr Stoll irgendwann auch mal ein ernstes Thema aufgreifen und für was stehen, was nicht scheißegal, aber dafür amüsant ist.

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Josef Hader GANZ privat – „Wilde Maus“

 

Josef Hader ist eh toll. Jeder mag ihn und das was er macht. Filme, Kabarett, Drehbücher – Wurscht: Guter Mann.

Bereits zum zweiten Mal in meinem Leben stellte der wichtigste, beste, klügste und lustigste aller jetzt lebenden Österreicher einen Film in Augsburg vor. Das letzte Mal war es „Das ewige Leben“. Dieses Mal war es „Wilde Maus“, der Film, bei dem Hader nicht nur die Hauptrolle spielt, denn hier hat er auch das Drehbuch geschrieben und erstmalig Regie geführt.

Die Leute vom Kino-Dreieck hatten unsere Karten verplant, deswegen waren wir bei der falschen Aufführung im kleineren Kino mit schlechten Plätzen, bei den beiden fast synchron laufenden Vorstellungen. Wir, die „Thalia“-Leute, mussten nach der Vorstellung runter ins „Mephisto“, wo dann der Josef Rede und Antwort stehen sollte.

„Wilde Maus“ ist ein unterhaltsamer Film über die Sprachlosigkeit in Beziehungen, dessen Rahmenprogramm der Rachefeldzug eines gescheiterten Journalisten gegen seinen Ex-Chef bildet.

Ich hatte bis nach der ersten Stunde viel gelacht und mit dem Toiletten-Gang gewartet. Dann schien mir der Moment gekommen. Also schnell rausraus und loslos auf Toilette, nur nichts verpassen. Ich dann also rein zu den Pissoirs und da stand dann Josef Hader, der schon voll dabei war. Es war strange, denn ich konnte sein Gesicht gar nicht sehen, wusste aber doch dass er es war. Und sich so richtig danebenstellen und Pimmel-Bruder mäßig zu ihm  rüber schauen wollte ich dann auch noch. Denn. Welche Momente könnten denn privater sein als diese? Dass ist schon eine unangebrachte, ungerechtfertigte Penetrantheit, wenn man nicht einmal beim Pinkeln seine Ruhe hat… Ich schaue ja schon beim Vorbeifahren immer schon demonstrativ NICHT bei Autounfällen nach, was da passiert ist, da ich diese Starrer so abartig blöd finde, wie könnte ich jetzt den armen Mann da beim Pinkeln begaffen? Und trotzdem war ich alleine mit Josef Hader auf einer Toilette. Blöde Situation irgendwie. Gerade weil ich dieses Promi-Ding gar nicht mag, dieses automatische Klassendenken, was sich da im Kopf abspielt, eben weil man am Ende doch hinschauen, irgendwas tun will, da man den Kerl und das was er macht gut findet und auf irgendeine Art mit dem in Kontakt treten will. Eine unwürdige Situation. Nicht nur auf einer Toilette. Denn man stellt den Promi über sich…

Als ich dann wieder alles eingepackt hatte, hatte der Künstler seinerseits seine Hände fertig gewaschen; ja, Josef Hader wäscht seine Hände nach dem Pinkeln, ein Vorbild in allen Lebenslagen. Der sah mich dann so an und sagte leise und schüchtern: „Hallo…“ Und ich gleichzeitig: „Guter Film“, „Wilde Maus“, ihr wisst schon, den ich gerade drinnen im Kino mit meinen Freunden ansah. Ein Kompliment kann ja schnell eine Reaktion provozieren. Falsch gedacht. Und dann war er schon wieder weg.

Für ihn eine Szene zum Vergessen, für mich etwas besonderes. Ganz schlimm: Ich werde jetzt ewig erzählen dass ich JOSEF HADER beim Pinkeln getroffen habe; das sagt einiges über mich aus. Viel mehr aber auch, wie der Mensch so funktioniert. Denn der hat mich – natürlich – sofort vergessen als er zur Türe raus war, während ich total geflasht war. Und dabei ging es natürlich um die natürlichste und privateste Sache der Welt. Sich die Hand geben wäre da eh nicht angebracht gewesen.

„Wilde Maus“ ist ein guter Film. Einer der wie zu erwarten Spaß macht, der aber auch Schwächen besitzt. Die Wandlung des Charakters zum Negativen, Depressiven ist in seiner Totalität und Rücksichtslosigkeit nicht ganz nachzuvollziehen, dabei gibt es aber auch ein paar offensichtliche Logiklöcher und Drehbuch-Kniffe:

SPOILER dass er seiner Frau nicht sagt, dass er gekündigt wurde ist zwar wichtig für die Story, es IST sogar die Story, bleibt jedoch total unlogisch. So verhalten sich die Leute nur in Filmen und Büchern SPOILER ENDE.

Trotzdem ein empfohlen sehenswerter Film mit tollen Schauspielern, der ein angenehmes Rundumpaket abliefert (Spaß, Tiefgang und nicht überzogene Arthousigkeit), der jedoch auch auf der Metaebene gut funktioniert, man denke an die ständigen im Hintergrund ablaufenden Radio-Nachrichten über Tod, Terror und Krieg, die die Stimmung des Protagonisten wiederspiegeln. Da wurde viel ins Detail hingearbeitet.

 

Wir saßen dann später im „Mephisto“ wirklich in der ersten Reihe und hörten uns das Werbeprogramm Haders an, dass er auf die Fragen des Publikums abspulte, dass von sehr gefälligen Lachen und Klatschen begleitet wurde; es muss auch wirklich immens anstrengend wenn einen ALLE gut finden und bei jedem schiefen Scherz begeistert Lachen, einen Anstarren und man nicht einmal auf der Toilette seine Ruhe hat.

 

 

 

Ich schlafe wenn ich tot bin

So heißt auch die Gleichnamige Dokumentation über Steve Aoki. Den fand ich früher ziemlich cool, damals, als er  „Warp“ mit „the bloody beetroots“ gemacht hat und die damals frische Elelctro-Szene richtig kickte. Heute ist er ein Welt-Star. Nicht mehr als Electro-DJ, nein, heute legt er EDM auf, im Übermenschen-, Überlebensgroßen Guetta-Stil, eine Version und Ausgeburt der elektronischen Musik, die ich durch und durch ablehne.

EDM ist der blanke Ausverkauf der Werte, die die elektronische Musik einmal hatte. „Underground“ oder eine „Aussage“ gibt es dort nicht, soll es dort aber auch nicht geben. Es geht nur noch um den Spaß für Alle, der im Prinzip natürlich eine schöne Utopie ist,  doch dieses ultimative, multikulturelle Vergnügen ist und bleibt der möglichst kleinste gemeinsame Nenner, der sich nicht und niemals in einer Avantgarde manifestiert, es richtet sich immer an genau das gleiche Publikum, dass sich auf den selben Nenner  einigen kann: Die hohle Masse der oberflächlichen und durch sexualisierten Ja-Sagern.

Die elektronische Musik hat ein amüsantes Problem mit der Zeit-Verortung. Denn elektronische Musik spielt sich so gut wie nur in der Gegenwart ab. Selbstverständlich gibt es den Werdegang für die Geschichtsbücher (Detroit, Chicago, Manchester, Berlin usw. usf.) doch das hat nichts mit der Totalität der Wahrheit zu tun, wie diese Musik (egal welcher Spielart) in den Clubs oder auf den Festivals erlebt wird: Dort geht es immer um die Gegenwart. Nur um dass, was gerade geschieht. Es geht nur um die Musik, die gerade jetzt aus den Boxen hämmert (oder trällert) und es spielt keine Rolle ob es zuerst Disco, dann House, dann Acid, dann Techno, dann Drum & Bass, Dubstep, Electro, EDM oder im Jetzt abgekommen Deep House gab: An jedem Punkt dieser Evolutionsgeraden geht es nur um das Jetzt; wer man wo ist und mit wem. Gestern ist schon wieder old school.

Wenn ich mich jetzt also hinstelle und sage, dass ich das was Steve Aoki aus dem einstmals frischen Electro mitgemacht habe einmal derbe abgefeiert habe, würde ein ähnlicher Hohlkopf wie ich, der sich im Jahre 2016 verortet, sagen, dass der Aoki doch wohl EDM macht und immer gemacht hätte und ich die Schnauze halten soll wenn ich keinen Plan habe…  Das klingt wie ein Scherz, so tickt „DIE“ Szene aber. Sie ist absolut Zeit- und Argumentationsresistent Das ist sehr lustig. Wohl aber auch sehr anstrengend.

 

Steve Aoki ist – und das wusste ich nicht – der Sohn von Rocky Aoki, welcher tatsächlich eine lebende Legende war, schließlich erfand er die Restaurant-Kette Benihana (die ihn zum Multimillionär machte) und war zudem auch noch ein weltbekannter Ringer, Wrestler und Speed-Boot-Fahrer (und dabei auch noch Rekordhalter). Steve wollte seinem Vater immer beweisen, dass er seiner würdig sei und versuchte mit aller Kraft und Wut immer erfolgreicher zu werden bei dem was er tat; hier wird die Geschichte interessant. Nicht diese Nico Rossberg Geschichte, die vom reichen Sohn eines überpräsenten Vaters handelt der einem (theoretisch) alle Last schon vor der Geburt von den Schultern genommen hat, im Bezug darauf, seinen Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten zu müssen. Ein Umstand, der die Nachgeborenen nicht gerade sympathisch wirken lässt. Normalen Leuten ist es verständlicherweise egal wie viele Komplexe so ein Kind eines Multimillionärs hat, schließlich ist es trotz derer immer in einer besseren Ausgangslage als die Meisten von uns (komm mal klar!). Nein, interessant ist das in Hinblick auf Steve Aokis künstlerische Entwicklung, denn wenn es nur um ein „Höher, schneller, weiter“ geht, dann kann seine Geschichte keine künstlerische, sie MUSS kommerzieller Natur sein. Es kann gar  nicht  dauerhaft um Inhalte oder einer Politik, eines Sozialismus des Tanzens gehen. Wichtiger sind die MASSE, die MENGE (sei es die Stückmenge der verkauften Lieder oder der Menge an Tickets die für einen Gig verkauft werden) und der damit verbundene RUHM. Das mit Qualität aufzuwiegen ist so gut wie unmöglich. Die Frage muss sogar erlaubt sein, ob es überhaupt einen Willen gab die Qualität von der künstlerischen Seite aus erreichen zu wollen.

 

Zwar halte ich von solchen Homestorys nicht viel, in dem Fall war sie doch ziemlich erhellend, denn hinter der Kunst (besser: der Künstlichkeit) die Menschen produzieren, stehen immer Geschichten. Und so wie sich Steve Aoki an das Kamerateam verkauft hat, bietet das sinnvolle Einblicke in das Leben eines Mannes, der von seinem Umfeld anders gesehen wurde, als er es in seinem Innersten war. Es taugt nun mal nicht jeder als Gallionsfigur einer Bewegung auch wenn die Leute einen gern dazu stilisieren. Da kann man jetzt sagen: „Macht korrumpiert“ doch es ist mehr als dass, denn wie entscheidet die Masse überhaupt richtig, wem sie diese Macht gibt? Kennt die Masse überhaupt die Menschen, die sie idealisiert und von denen sie großes erwartet? Können Menschen Erwartungen dadurch enttäuschen, einfach nur dadurch, dass sie nicht so sind wie wir sie gerne hätten?

 

Eine Tatsache bleibt es, dass die meisten die ein Genre einmal geprägt haben künstlerisch weiterziehen und sich neue Herausforderungen suchen, während andere, nachfolgende eine Strömung tot kapitalisieren. Und auch noch stolz darauf sind. Ironischer weise: Zu Recht.

Und der lustigste Fakt zum Schluss: Kein einziges Lied von Steve Aoki wird in der Dokumentation in den Vordergrund gestellt. Da ist einfach nichts.

Außer ihm selbst, einem scheinbar netten Kerl.

Meine Gedanken und Gebete sind mit ihnen…

Das Video ist natürlich nicht ganz fair, da die Leute nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Verbundenheit mit der Gesellschaft, mit dieser Art zu leben Ausdruck verleihen, ganz im Unrecht ist es auch nicht.

 

Zwar habe auch ich große Lust mich über die Ereignisse in Berlin auszulassen, ich warte jetzt aber mal die Pressekonferenz der Polizei ab, bevor ich mich äußere. Was für Informationen habe ich denn bisher?