Soulwax live @ Intro 25 Jahre, Köln

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Rückspiegel: „25 Jahre Intro-Party“ mit Soulwax und Wanda im E-Werk; Vitalic im Gebäude 9, in Köln

Das war es dann mit Köln. Zurück komme ich erst wieder zu „Justice“ im Oktober. Und so ein Wochenende mit der „25 Jahre Intro Party“ und dem Gig von „Vitalic“, das sollte für so einen Kerl Mitte 30 schon mal genug sein. War es auch, nicht aber wegen den von mir so sehr verehrten Soulwax, die auf der Intro-Party getrommelt haben.

Schon das neue Album „from DeeWee“ ist ein ziemlicher Reinfall gewesen. Es hat es dann auch nicht besser gemacht, dass dieser Schlagzeug-Porno eine Woche vor dem Auftritt in Köln erschien. Denn auch wenn es später im E-Werk sicherlich beeindruckend war die drei Schlagzeuger mit ihren drei Schlagzeugen auf der einen Bühne zu bewundern, sind „Soulwax“ in Wahrheit doch dafür bekannt, sehr wandlungsfähig und poppig kickend zu sein; als Beispiel dafür muss man den Soundtrack zum Film „Belgica“ nennen, zu dem die Brüder verschiedene fiktive Bands erfunden haben die wiederum einen unterschiedlichen und eignen Stil versprühten. Das war geil. Das war kreativ. Dagegen nimmt sich diese Trommelei im Kubik mit dem selbstverständlich gewollten sowie inszenierten Minimalismus ziemlich fad aus. Ja. Da sind ein paar eindeutige Schlenker und Pop-Anleihen eingeflochten, das reicht nur nicht wenn man die verdammten „Soulwax“ ist.

So wurden auf dem Konzert auch fast nur ihre alten Lieder abgefeiert, „Another Excuse“, „E-Talking“, „NY Excuse“; die mussten als Entschuldigung herhalten. Auf DVD sieht das bestimmt toll aus. Gutes Aussehen befriedigt nur keinen Tänzer.

„Soulwax“ war die letzte Band in Köln, vorher spielten „Wanda“ Songs von Nirvana. Leider war bis auf „Lithium“ kein einziger Hit dabei. Stand davor zwar schon in der „Intro“, doch wer liest die überhaupt und seit 25 Jahren? Ich hab doch ein Spex-Abo… Wanda performten eigentlich nicht schlecht, konnte man ehrlich lassen und sich gut geben, nur ein paar Hits mehr hätten einfach gut getan. Die meisten Besucher waren eh wegen Wanda gekommen. Warum die jetzt sooo toll und der Shit sind muss man nicht verstehen, schließlich gibt es viel sympathischere Österreicher. Aber ein netter Auftritt.

DAVOR dankten die „Intro“-Wichtigen ihren Freunden und Besuchern und das war schon nett anzusehen, diese Betriebsfeier-Atmosphäre, die immer genau dann am Peinlichsten ist, wenn man das Geheimnis ausspricht: Wir arbeiten zusammen…

ZWISCHENDRIN die DeeWee DJs, vom Soulwax-Label. Nett. Jung. Frisch. Die Zukunft – mit Bier im Gesicht.

HIERVOR standen „Meute“ in der Menge und machten auf ihre LaBrassBanda-Art gute Laune. Die gute Seite der Blass-Musik ist immer sehr catchy. „Die Leute“ wollen das.

Und GANZ zu Beginn spielten „Drangsal“ ihren Hit, danach noch ein stranges Cover von Metallicas „Master of Puppets“.

WÄHRENDDESSEN brach für mich eine Welt zusammen, da ich erfuhr, dass es für nicht Mitarbeiter keinen Schnaps im E-Werk in Köln zu kaufen gab. Die eigenen Suchtmechanismen traten hier nackt, karg und brutal zutage… Überhaupt war zu viel los auf der Party und die Vorfreude war zu groß gewesen. „Intro“ war kein Reinfall gewesen. Nur kein Grund um bis nach Köln zu fahren.

 

Am nächsten Tag standen wir Ruhrgebietlerischen Bayern schön blöd auf der anderen Straßenseite unseres Apartments. „Gebäude 9“ erwies sich zwar als herrlich abgeschruppter Laden im Post-Punk-Stil, aber auch als ein Raum mit nicht einmal 20 Quadratmetern, dafür mit DJ. Hatten wir gedacht. Wir dachten wirklich es gäbe nur die Bar und die Kleinkunstbühne. Bis wir lachend bemerkten, dass es nur ein Vorraum war.

Der gute alte „Vitalic“ war einen Raum weiter, die familiäre Atmosphäre jedoch blieb, besonders und gerade wenn sich der Vorhang zum Backstage kurz lüftete und man den ollen Vitalic in roten Boxershorts sah wie er in seine Stage-Hose schlüpfte. Das passte zu der ranzig schönen Location. Dorthin würde ich gerne öfters gehen. Glamourös unaufgeräumt dort. Eine Hommage an meine eigene Jugend.

Der Vitalic-Abend war eindeutig der Bessere. Alle Leute mega am Tanzen, Schwitzen und Jubeln, ohne Druck und ohne Hippster-Faktor wie den Tag davor, wo man im Pop-Magazin-Stil ein wenig die Attitüde vertrat etwas verstanden zu haben und deshalb ein Teil von etwas zu sein. Nein. Doch. Auch hier im Gebäude 9 war mehr ein älteres Semester vertreten, dass die Liebe zur Musik hier anspülte, kein Sehen und gesehen werden. Es war einfach schön verschwitzt. Und wunderbar genussvoll taten mir die Beine weh – dann tanzte ich weiter.

Unser Freund aus Frankreich spielte in seinem Solo-Live-Set an den Maschinen alle seine Hits, eingebettet in eine finstere, darke Techno-Attitüde; „You prefer cocaine“, „Poney EP“, „La rock“, die  Hits meiner Jugend, wie auch seine neueren und neuen Lieder „Poison Lips“, „waiting for the stars“, „Stamina“ usw. usf.  Sehr rudimentär, klassisch. Lichter-Spots mit Nebelmaschine. Ohne Startum.

 

Davor, danach und währenddessen haben wir uns geliebt.

Soulwax und Simian Mobile Disco im Puerto Giesing, der 20.8.2010

Da hängt man dann in der Luft. Eine Sekunde lang. Und die Zeit bleibt stehen. Für einen Moment. Friert der Augenblick Filmszenenhaft ein. Neben mir haben sich drei um die Schultern gefasst, springen zusammen herum und hängen, die Münder zu einem gemeinsamen Textbejahungswort verzerrt, mit mir so in der Luft rum. Alle, die ganzen Tanzflächenleute, die Barbestellungsleute, die Jungs und Mädels auf der so genannten Toilette, die Mitnickerleute, die Schaulustigen, formen in diesem kurzen einigen Moment die Lippenbewegung des Sängers nach, kollektiv, wie eingeübt; was das für ein Wort es in diesem Moment war, weiß ich nicht – es war so viele, in diesem kurzen Zeitraum. Irgendwie lacht man dabei, während dem Singen, das aber natürlich nur aus dem Herzen heraus.
Vor und hinter mir hüpfen und krakelen, ebenfalls im Moment vereist, zwei meiner verstreuten Freunde, die Arme in die Luft gereckt. Die sehe ich gar nicht wirklich in diesem schweißigen Gewühl der Menschenmasse, sondern nehme sie wahr, wie man Gedanken wahrnimmt, die unterbewusst unser Handeln steuern. Man merkt einfach dass es gut ist, das die da sind. Das sie einen erden, auch wenn man in der Luft hängt, und man gern mit ihnen hier ist. Hier, im ehemaligen Hertie-Kaufhaus in München. Hier, in diesem Moment. Hier, bei Soulwax.
Dann kippt der Moment um. Das tun sie immer. Da Zeit nun einmal nicht stehen bleibt. Ganz gleich wie sehr man das auch möchte.
Schon beginnt mein Körper zu sinken, und die Erdanziehungskraft wieder Besitz von mir zu nehmen. War doch schön gerade. War doch toll so. Jetzt bloß nicht klammern. Auch mal loslassen. Außerdem: In einer Sekunde hängst du eh wieder in der Luft, bei dieser Hüpferei hier. Schön.

Soulwax waren es auch dann, die in ihrem kurzen, gerade einmal dreiviertel Stunde gehenden Gig, den Abend retteten. Zwar hätte ich mir mehr erwartet von ihnen (mal wieder waren meine Erwartungen Übermenschen groß), aber insgesamt konnte ich überhaupt nicht meckern. Tat ich dann natürlich trotzdem und lachte einen Kollegen an 😉 dass ich nun endlich wüsste, wo die ganzen Schwulen zum Pogen hingen 🙂
Soulwax ist die Rockband des Electro, und so wurden sie auch abgefeiert. Gut und derbe, aber nicht ganz so wahnsinnig, wie ich mir Lustvoll die Händereibenden vorher vorgestellt hatte. Dennoch gibt es nicht einmal den Hauch eines Wehmutsmoments, deswegen kann man, egal wer und wann einen danach fragt, wissend grinsend antworten:
Soulwax war geil…
Punkt.

Ansonsten hat mir sehr wenig gefallen. Die Umnutzung eines alten Hertiekaufhauses als Konzerthalle ist auf dem Papier eine schöne und coole Sache, erwies sich aber in der harten Realität des Daseins als Schnapsidee. Ich habe mit den Jahren einige legendäre und kultige Schweißschlachten mitgemacht, aber ich kann es gar nicht leiden, wenn ich schon schwitzen muss, nur weil ich da stehe. VOR dem Konzert.
NACHDEM Konzert konnte ich mein Tshirt auswringen (als ich mir einen neuen Stempel holen musste, fragte die Stempeltussi, wo zum Teufel ich denn herkäme. Ich: „Von unten“. Sie: „Da ist es wohl heiߓ…)
Die Toiletten waren unterstes Niveau, eine Frechheit, der Gestank dort nicht zum Aushalten. Ich mag es ja ein wenig asslig, aber das war einfach nur eklig. Und ich komme vom Land 😉

Soulwax spielten viel zu kurz, und ein paar Stücke von ihrem neuen Album – das ist nicht verwunderlich (sonst würde nie etwas Neues entstehen, wenn man nur die alte geile Scheiße raushaut), aber da die neuen (mit teilweise nervigen Voicecoder einlagen) Stücke nicht immer rockten (manche gingen ab wie sonst was – das Album wird, äh… Besorgt 😉 ) und der Gig eben so kurz war, war das schon ein kleiner Wermutstropfen.
Dennoch war der Soulwaxige Sound besser als Alles was davor und danach kam.

Simian Mobile Disco war einfach schlecht. Sie spielten einen total austauschbaren, technoiden Sound (und hey: Ich höre seit 10 Jahren gern Techno…), der in die Minimalrichtung ging. Die Partybesucher hauten dann auch ziemlich schnell nach Soulwax ab, und Simian taten nichts, um sie zu halten – auf der Soulwax-DVD meint James Murphy (LCD Soundsystem), dass er sich nicht vorstellen könnte nach einem Rockkonzert für die Masse als DJ aufzulegen (was Soulwax oft unter dem Namen 2manyDJs oft machen – und die Menge noch mal zum Kochen bringen), damit es ihr gefällt: So geht es auf jeden Fall nicht.
Klar strömten Alle erstmal aus dem Kellergeschoss ins Freie um Luft zu schnappen, dennoch hätte man den Stil von der wilden Partymusik nicht so krass brechen müssen. Nein, brechen dürfen. Simian spielten im Laufe des Sets, also der popligen (hm, aber wenn ich so darüber nachdenke, wäre es auch nicht besser gewesen, hätten sie länger gespielt…) 2 Stunden den Laden leer – und hörten schließlich mit Kraftwerks „Modell“ auf; dieses kultige nicht gerade Partylied war fast so etwas wie ein Statement. So was braucht man nicht um 3 Uhr Nachts.

Dennoch hatten wir natürlich Spaß, auch wenn wir teilweise schwächelten. Die eine Hälfte des Teams schlug nur Zeit tot (müde, aber gut gelaunt), während die Anderen mit Freund Alkohol und anderen Zusätzen noch den Moment feierten. Wir waren ein großes Freundschaftsteam ohne Einwechslungen, und alleine das reicht schon vollkommen aus. Da kann auch mal die Musik schlechter sein, weil man sich so gegenseitig auffängt.
Anders wäre es mir natürlich lieber gewesen – also guter Sound.

Dennoch eine sehr spaßige Nacht, die den Beweiß erbracht hat, dass eine kleine Dreiviertel Stunde ausreichen kann, um das Gefühl von Musikalischer Befriedigung zu erzeugen. Cool.