„WWE“ Wrestling live in München, es war der 20.05.2018

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Als wir noch kleine Jungs waren, liebten wir die WWF, die Wrestling-Show aus den USA. Es war die Zeit des Brad „the hitman“ Hart, Hulk Hogan, dem Undertaker oder wie die ganzen Figuren auch so hießen. Als Kind sind diese Heldengeschichten natürlich toll. Große Männer, fast schon Superhelden, die sich „auf die Fresse“ geben. Wie groß die Versuchung ist auf solchen Heldenbildern hängen zu bleiben, sieht man an der Entwicklung des Massentauglichen Kinos der Gegenwart. Das Marvel-Kino, dessen Produkte ständig Einspielrekorde brechen, zeigt an was passiert, wenn Kinder nicht erwachsen werden wollen. Wir, die Konsumenten, bleiben die ewigen Kinder und träumen uns Fantasy-Welten zusammen. In diesen Traumwelten, in denen nie jemand verletzt wird, höchstens durch ungeplante Unfälle,  gibt es den ständigen Kampf zwischen gut und böse, der uns die Tristesse unseres eigenen Lebens vergessen macht. Einerseits würde ich es gern kaputt schreiben, diese Flucht in eine andere Welt, andererseits ist das nur natürlich, wenn man mit der Komplexität der Gegenwart nicht klar kommt und sich deswegen in eine geordnete Welt flüchtet, die übersichtlich und gleichzeitig spannend ist.

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Selbstverständlich ist Wrestling totaler Quatsch. Männer und Frauen schlagen aufeinander ein, ohne sich tatsächlich zu treffen oder auch nur den kleinsten blauen Fleck davon zu tragen. Doch selbst wenn man das weiß, kriecht einem hin und wieder ein „Boah“ aus dem Mund wenn man sieht, wie die Athleten durch geworfen und aus dem Ring fliegen. Das IST spektakulär. Und es ist auf eine bestimmte Art auch ECHT. Was man da sieht ist große Körperkunst. Aber halt ohne Brutalität. Das ist ebenso absurd wie faszinierend.

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Jeder der „Kämpfer“ hat seine eigene Geschichte. Jeder hat seinen Charakter, seine Hintergrundgeschichte, seine Gesten, die das Publikum sowohl mitreißen, oder auch abstoßen soll. Seien es die erhobenen Zeigefinger eines Daniel Bryan, zu dem das Publikum bei jeder Bewegung „Yes“ ruft oder das Zerreißen seines T-Shirts durch den Bulgaren Rusev, der sich, um das Münchner Publikum zu provozieren, vor und im Kampf ein Trikot von Real Madrid anzog, um die Bayern zu verspotten (da erst kürzlich Real Madrid den FC Bayern aus der Fußball Champions League schoß). Jeder ist ein Teil des Balletts der Körper. Das ist Show, das ist Theater, das ist Unterhaltung. Ich glaube, amerikanischer geht es nicht mehr. Na und?

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Den größten Star den das Wrestling,  ich glaube sogar das WWE, hervorgebracht hat, ist Dwayne „the rock“ Johnson. Dieser Musterknabe ist ein gutes Beispiel dafür, wie die „Kämpfer“ heutzutage aussehen. Durchtrainiert, aber charismatisch. Ebenso die Frauen, die wie die besseren Pornostars auftreten. Es ist nicht schmuddelig und plump, spielt aber Aufgrund der zur Schau getragenen Nacktheit mit diesen Begriffen. Und natürlich ist das Acting der Schauspieler oftmals einfach nur schauderhaft schlecht. Gerade im Ring, wenn man so getan wird als würde man Schmerzen empfinden. Oder als würde der Badboy nicht damit klar kommen, dass das Publikum einen nicht mag. Ja. Das ist alles Bullshit. Und jeder muss sich selbst dafür entscheiden, ob er das mag oder nicht. Seichte Unterhaltung, für schwere Leben.

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Wir haben für die Ringkarten je 120 Euro ausgegeben. In der vorletzten Reihe. Das ist nicht nur ein stolzer Preis. Das ist einfach überteuert. Und dumm. Schließlich kannten wir keinen einziger „Kämpfer“ und haben uns das nie wieder im Fernsehen angesehen. Wir waren mehr damit beschäftigt Cocktails in uns hinein zu schütten und Wetten darauf abzuschließen, wer wohl den nächsten Kampf gewinnt, als uns auf die Show wirklich einlassen zu können. Für viele andere Besucher dagegen war das Event ein Highlight. Und wir taten gut daran den anderen die Show nicht kaputt zu reden. Ist es denn nicht genauso lächerlich, wenn Millionen Leute bei einer Fußball-WM ihren Teams zu jubeln? Ist doch alles nur ein Spiel. Ist doch alles nur Show. Nach einem Wrestling- wie Fußballmatch ist nichts geklärt oder bereinigt. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Es geht nur darum, wie du dazu stehst. Ich werde nicht mehr zur WWE gehen. Mir war der Ring zu niedrig und ich konnte von meinem Platz aus die Show am Boden des Ringes nicht sehen (das war wie im Augsburger Eishockey-Stadion, wo man eine lange Zeit als Zuschauer nicht überall das Eis sehen konnte). Und auch ansonsten war es eher so na ja. Aber was solls? Ist halt nicht meins. Nun. Dann ist es vielleicht eures. Das ist doch auch okay. Und diesen einen Kick von AJ Stiles gegen Nakamura will ich dann doch niemanden vorenthalten, denn von unserem Platz aus war es der einzige Treffer, der wirklich ins Ziel ging.

Das ist wie bei der Formel Eins. Wenn Idioten nur für die Unfällen hingehen.

Der größte Wermutstropfen war für uns lächerlicherweise, dass wir nicht mehr diese großen Jubelschaumstofffinger kaufen konnten. Diese riesigen Hände, die man sich über die eigene Hand stülpt. Den. Hätte das Kind in uns doch gerne gehabt.

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Team Bohnen gegen Neo Magazin Royale

Der Nils moderiert das ganz locker weg 😉

Die beiden Formate, die mir z.Z. am Besten gefallen, in einem.

Nur die Bohnen selbst sind schon furchtbar aufgeregt 😉