Mein Boykott der Fußball-WM 2018, Teil 2

Großmaulig und vollmundig habe ich vor über einem Jahr angekündigt, die Fußball-WM 2018 in Russland zu boykottieren. Es gibt ja auch mehr als genug Gründe dafür. Sei es die korrupte FIFA, als auch Russland selbst, der Austragungsort, der sicherlich auch durch die Medien in den letzten Monaten zum „Reich des Bösen“ stilisiert wurde; wenn man aber völkerrechtswidrig in ein anderes Land einfällt (auch wenn es Teil eines ehemaligen gemeinsamen Großreiches ist), Staatsdoping betreibt (was die Russen selbst zugegeben haben) und Schwule, Lesben wie Transgender verklopft (auch wenn die Ukrainer da auch kein Vorbild sind), braucht man sich für mein Gefühl auch nicht wundern, wenn einen keiner leiden kann. Themen wie Attentate auf Menschen im Ausland lasse ich jetzt mal dahin gestellt. Schließlich bin ich kein Geheimdienstler. Und wenn der nur von sich selbst ergriffene Bundesjogi kritiklos Land und Leute in Russland lobt, wenn er auch noch in der Bild-Zeitung Kanzlerin Merkel dazu ermutigt sich der Putinschen Propaganda-Show anzuschließen, haben Leute wie ich auch keinen Bock mehr auf den DFB. Alle nur Marionetten der Macht und des Geldes.

Zermürbt werden meine Boykottabsichten nur von meinen Freunden: Wie jetzt? Im Sommer keine Fußball-WM? Aber das machen wir doch immer zusammen! Fußball schauen! Du bist doch mein Buddy!

Und das stimmt ja auch. Das man das gerne macht. Weit weg von den bescheuerten Fan-Meilen, wo die Superproleten, die keine Ahnung von Fußball, aber vom Saufen haben, sich zusammenrotten um IHRE Mannschaft zu feiern – aber Özil und Gündogan nach ihrem Erdogan-Auftritt bitte gleich abschieben… Davon abgesehen dass ich Özil und Gündogan selbst für undankbare Deppen halte, die dem Projekt „Integration“ in Deutschland einen Bärendienst erwiesen haben, mag ich natürlich auch dieses vereinende Gefühl von Fußball-Weltmeisterschaften. Wenn ganze Länder im Aufruhr sind und jeder sich mit seinem Nachbar auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen kann. Wobei. Das stößt mich auch schon wieder ab… Mir ist es egal ob ihr Fan von Borussia Dortmund seid (wie ich es bin), oder den verhassten Bayern oder den Schalkern zujubelt: Liga-Fans sind für mich echte Fußball-Fans. Denn sie sehen sich die ganze Zeit die Spiele ihrer Mannschaften an. Nicht nur wenn es gerade „in“ ist. Auch. Wenn der Kommerz beim Vereinsfussball natürlich nicht weniger (wenn nicht sogar mehr) ist und die gleichen Superhelden aktiv sind, die auch während der WM ihr Geld in Steueroasen verstecken. Zugegeben: Da ist auch viel Doppelmoral vom meiner Seite aus mit dabei. Trotzdem kann und konnte ich den „Schland!“-schreienden, Bierverschüttenden, grabschenden rotköpfigen Vollidioten im Deutschland-Dress noch nie viel abgewinnen… Wenn jeder Fußball-Fan als der Vertreter seines Landes gesehen werden würde, könnte man von Deutschland als einem tatsächlich sehr würdelosem Land sprechen… Es muss doch nicht immer alles gleich so doof und besoffen sein.

Zurück zum Thema: Ja. Ich würde die WM wirklich gerne ansehen. Mit meinen Freunden. Und zusammen diese Hochs und Tiefs erleben, die man früher auch im Kino haben konnte, bevor es von Comic-Verlagen gemanagt wurde. Es ist halt leichter so einen Boykott durchzuziehen, wenn man den Sport eh nicht mag. Wenn doch, dann wird es anstrengend.

Advertisements

Boykott der FIFA-Fußball-WM und des Konföderationen-Pokal in Russland

Ich komme aus einer bayrischen Kleinstadt. Das betone ich um meinen Background zu verdeutlichen. Hier, in diesem Kaff kenne ich keinen einzige/n Homosexuelle/n, deswegen habe ich nur Berührungspunkte mit dieser Bevölkerungsgruppe, wenn ich in die Großstadt fahre. Für mich ist es immer noch ein merkwürdiger Anblick wenn ein gleichgeschlechtliches Pärchen sich in der Öffentlichkeit küsst. Genauso merkwürdig ist es für mich, eine Frau in der Öffentlichkeit beim Stillen zu sehen. Na ja. Ich gehe auch nicht viel in Restaurants…

Hier komme ich also her. Bin liberal und ganz egal was ich behaupte und wie ich mich gebe, eher konservativ. Natürlich kenne ich ein paar Homosexuelle Leute, denke aber an niemand konkreten, dessen Rechte ich unterstützen will wenn ich sage, dass Menschen diejenigen lieben sollen, die sie lieben müssen und wollen. Ich finde das einfach richtig. Und ich gebe zu (und mache mich damit auch ein wenig zum Kleinstadttrottel –  na und?) dass mich offen homosexuelle Menschen in meiner direkten Umgebung erst einmal irritieren würden; doch das würde nur meinen Kopf irritieren, nicht mein Herz. Und der Kopf ist ein Erfahrungsbiest. Der braucht nur Gewohnheiten. Das Herz dagegen muss von Natur aus verstehen was richtig und was falsch ist.  Das sollten auch die Russen wissen. Auch wenn sie in einer anderen Kultur leben als wir hier in Europa. Meiner Meinung nach gibt es für den Hass den sie schwulen und lesbischen Menschen (und Transgender) entgegen bringen, keine Rechtfertigung. Seit 2013 wird dort Homosexualität sogar mit Pädophilie gleichgesetzt, weshalb jede öffentliche Zurschaustellung von Homosexualität verboten ist, da die Gefahr besteht dass sich Kinder beeinflusst fühlen und deswegen zu Schwulen gemacht werden – aha.

 

Weiterhin ist es mein Standpunkt, dass „die Russen“ aus den von ihnen völkerrechtswidrig besetzten Gebieten in der Ukraine abziehen müssen, um damit den dort von ihnen verursachten Krieg zu beenden. Dass ich mich mit diesem Thema auseinandersetze und diese Haltung vertrete, hat persönliche Gründe. Dazu stehe ich. Dennoch folgt es der gleichen Logik, die der Toleranz gegen über LGBT-Menschen folgt: Es fühlt sich einfach richtig an. Die Ukraine ist ein selbstständiger Staat, in der eine fremde Besatzungsmacht – egal ob sie sich als „Großer Bruder“ fühlt oder nicht – nichts verloren hat. Und wer damit argumentiert, dass doch viele Menschen im ukrainischen Grenzgebiet zu Russland leben und Russland näherstehen als der Regierung in Kiew, dem kann ich nur erwidern, dass es sicherlich viele Menschen in Ost-Deutschland gab die den Russen nahestanden, dass dies aber keine Rechtfertigung dafür ist, dass Russland Ost-Deutschland besetzt. Der Vergleich ist anschaulich. Hinkt natürlich ein wenig – denn die Ukraine ist nicht Ost-Deutschland. Der Grundgedanke von selbstbestimmten freien Ländern ist jedoch der Gleiche.

 

Schon vor ein paar Wochen fragte mich meine Freundin, ob ich es nach all meiner Maulhelderei überhaupt hinbekommen würde, die anstehende Fußball-Weltmeisterschaft in Russland zu boykottieren. Das machte mich nachdenklich. Ehrlich gesagt kann ich mich nicht einmal daran erinnern, ob ich die Olympischen Spiele in Sotschi gesehen habe. Bestimmt habe ich irgendwas davon im TV nebenher laufen lassen. Daran sieht man aber, dass ein Boykott der Olympischen Spiele in Sotschi für mich viel zu leicht gewesen wäre, denn dann könnte man gleich behaupten dass jedes Desinteresse einem Boykott gleichkommt. Fußball dagegen, mag ich.  Nicht gerade diesen Nationalfußball, den Jogi-Ball, für den sich die Massen interessieren. Mein Verein ist der BVB und die Liga finde ich spannend. Dennoch sitzt man halt doch gerne im Sommer zu Turnier-Zeiten mit Freunden zusammen und hat dieses Kollektiverlebnis, welches es ansonsten kaum mehr gibt in unserer freien Gesellschaft: Wann sitzt man schon noch mit Freunden zusammen und erbost oder erfreut sich über das gemeinschaftliche Gleiche? Das macht Spaß. Zusammen unterhält man sich halt doch am Besten. Und sich zusammen zu Freuen ist am Schönsten. Wann freut man sich denn noch zusammen?

 

Die letzten Absätze habe ich vor ein paar Tagen geschrieben und schon bin ich nicht mehr so sehr überzeugt von meiner Idee die WM zu boykottieren – aus purer Bequemlichkeit. Aber wenn man für eine Meinung steht, dann muss es auch „wehtun“ sie umzusetzen. Jetzt schauen wir mal was für eine Form von Schwätzer ich bin. Oder auch nicht. Los geht es in einer Woche mit dem Confederations-Cup. Der ist nicht nur für Russland ein Probelauf.

Aus den olympischen Schlagzeilen

Von Zeit.de:
„OLYMPISCHE SPIELE

Ehemals gedopte Russen dürfen in Rio starten

Gedopte Athleten, die ihre Sperre verbüßt haben, sollen nicht erneut bestraft werden. Der Internationale Sportgerichthof gibt Einsprüchen russischer Sportler statt.“

 

So steht es geschrieben, so wird es sein.

 

Und ich. Als Normalverbraucher. Und auf eine gewissen Art auch ehemaliger Doping-Sünder. Finde, dass doch gerade Leute die schon einmal wegen Dopings überführt wurden, bewiesenermaßen Betrüger sind, waren und bleiben, ganz egal ob sie es jetzt nicht mehr tun: Sie haben es getan. Hier geht es ja nicht darum mal die falschen Schmerztabletten oder die falsche tropische Frucht gegessen zu haben, weswegen versehentlicher weise ein Dopingprobe positiv ausschlug, da man nicht wusste dass das auf der Liste der verbotenen Substanzen steht. Ne. Es geht darum vorsätzlich betrogen zu haben. Das ist kein Ausrutschen. Oder Stolpern. Kein „Hopsala“… Das ist wie beim Fremdgehen: Vorsatz. Auch beim Sex ist es nämlich genauso wenig der Fall das zwei Partner nackt stolpern und dann – wie es schon zigmal vorkam – der eine Partner in den anderen gefallen wäre und die dadurch entstandene sexuelle Handlung ein blödes Unglück plus peinlich für alle Beteiligten wäre: Es war Vorsatz. Und. Man hat das von Anfang bis zum Ende gewollt. Irgendwie.

Meiner Opinion nach sollte so eine Sperre überhaupt niemals aufgehoben werden, da man sich im Sport genauso verhalten hat, was gegen den solchen an sich spricht: Man war unsportlich. Was hat also ein Sportler in der Unsportlichkeit verloren? (dazu gehören auch „Schwalben“ beim Fußball um sich einen Vorteil zu verschaffen, das Thema lassen wir hier nur mal außer 8).

Denn wenn nun in Rio ehrliche, nicht übermenschlich beschleunigte Athleten gegen gedopte Superrussen verlieren, denen man nur gerade halt ihre Betrug nicht nachweisen kann (Doping wirkt nach, liebe Freunde), bleibt für all jene, die sich betrügen und bescheißen lassen nur der Olympische Gedanke an sich: „Dabei sein ist ALLES.“

Das ist doch der blanke Hohn.

Es ist das nachgewiesene russische Staatsdoping welches den Sport kaputt macht. Es ist die Tatsache, dass man davor die Augen verschließt: Olympia, du bist scheiße.

Offener Brief an Sigmar Gabriel

Offener Brief an SPD- Parteivorsitzenden und Vize-Kanzler Sigmar Gabriel zu seinen Äußerungen, Sanktionen gegen Russland zu „UMDENKEN“.

Sehr geehrter Herr Gabriel,

ich wende mich an Sie bezüglich Ihres Vorschlags, Sanktionen gegen Russland zu „überdenken“.

Mit den Sanktionen bestrafte die freie Welt Russland für den brutalen Bruch des Völkerrechtes in Sache Annexion der Krim sowie für die Anzettelung und massive Unterstützung – mit allen Mitteln – des Terrors in der Ostukraine .

Diese Sanktionen dürfen nicht aufgehoben werden, bis die russischen „Hybride-Soldaten“ und Söldner mit samt Waffen den Osten der Ukraine verlassen und die Grenzen des Landes – einschließlich Krim – unter die ukrainische Kontrolle wieder gestellt werden.

Mit Ihren Äußerungen verderben Sie den Ruf der ältesten und traditionsreichsten demokratischen Partei der Welt. Sie nehmen darüber hinaus den osteuropäischen Völkern die Hoffnung weg, auf ihrem dramatischen Weg zur Demokratie und Freiheit das Ziel zu erreichen. Mehr noch, Sie füttern dabei den russischen Imperialismus mit einem aggressiven Nährstoff, den ihn noch aggressiver und noch skrupelloser mache. Somit tappen Sie selbst dem Monster direkt in die Falle, die er momentan mit seinem „Friedensplan für Syrien“ für „Realpolitiker“ kaltblütig und geschickt vorbereitet hat.

Als Sozialdemokrat, Parteivorsitzender und Vize-Kanzler in der Regierung einer führenden Nation sollen Sie im Interesse der Europäischen Union und im Sinne der proklamierten politischen Linie der Bundesrepublik, aber nicht im Interesse der Kreml-Imperialisten als ihre Lobbyist agieren.

Vielen Dank für Ihr Verständnis und mit freundlichen Grüßen

Ukrop Chemnitz

Dmytro Remestvensky

Quelle

Da haben sie Recht.