Absolution – 21 – Die Anarchie in Gedanken

8.

Als Paul am nächsten Tag in seinen von Schweiß durchnässten Bettlaken erwachte, stand diese eine Frage vor ihm, total wie der brennende Busch aus der Bibel, imposant wie dieser Monolith aus „2001“: „Warum hast du sie nicht vergewaltigt?“ Paul. Fragte sich selbst nicht wie und wann er eingeschlafen war. Genauso wenig wie er wissen wollte, wann er den PC ausgeschaltet hatte und in sein Bett ging. Diese banale Vergangenheit voller Ursachen und Wirkungen war ihm unwichtig. Obwohl er sich normalerweise in diesen Nächten an das huschige Prozedere des Ortswechsels wenigstens schemenhaft erinnern konnte… Im gewohnten Regelfall war die größte Verwunderung nach dem Erwachen, dass er überhaupt eingeschlafen war. Denn die wichtigste und schlimmste Nebenwirkung seiner Lieblingsdroge war die ewige Schlaflosigkeit. Wie viele Tage hatte er in seinem Leben damit verbracht, sich selbst in den Schlaf zu treiben? Es müssen Wochen echter Lebenszeit gewesen sein, in denen er versucht hatte sich und die Droge zu überlisten, bis er langsam zu fallen begann und sein Bewusstsein endlich verstummte. Gestern. Vorhin. War er einfach so eingeschlafen. Und das nicht einmal durch den erlösenden sexuellen Höhepunkt, der als einziger die Fähigkeit besaß seine inneren Lichter wie ein Magier auszuknipsen. Es war „einfach so“ passiert.

Paul wendete sein feuchtes Kissen, das sich unter dem Bettbezug durch seine nächtlichen Aktionen schon längst karamellgelb verfärbt hatte, und starrte in die von seinem Kopf aufgewühlte Dunkelheit seines Schlafzimmers. „Wieso habe ich sie mir nicht… GENOMMEN?“ Hätte er es getan, wäre es kein Verbrechen gewesen. Nur eine Phantasie. Nichts weiter. Und an Phantasien war nichts Schlechtes. Die Gedanken sind frei. Ebenso, wie die Geilheit. Es wäre weiß Gott nicht das erste Mal gewesen, dass er sich eine Frau in seinen Träumen NAHM. Und in diesem Träumen hatte es ihnen später immer gefallen. Mehr oder weniger. Dafür hat man ja auch Phantasien. Um das ausleben zu können, was einem die Wirklichkeit nicht nur verwehrt; da es in Wirklichkeit nicht nur moralisch falsch, sondern gar ein Verbrechen ist. Paul war nie ein  Verbrecher. Nur ein Süchtiger. Was zählt schon ein Verbrechen in Gedanken, dass man nie ausführt? Von dem man sich nicht einmal träumen lassen würde, es in die tatsächliche Tat umzusetzen? Genau. Gar nichts. Natürlich durfte man nie mit irgendjemanden darüber sprechen. Nein. Das durfte man nicht. Man konnte ja auch zu niemand sagen, dass man manchmal gerne seinen Chef oder seine Frau töten könnte. Das sind nur Emotionen. Neandertaler-Regungen. Die nichts mit der zivilisierten Welt, die wir kennen, lieben und achten, zu tun hat. In unseren gesellschaftlichen Umgängen miteinander sind wir an das Gesetzbuch gebunden. An Konventionen. Die das Zusammenleben ermöglichen. Diese Errungenschaft macht uns zu gleichen Teilen frei, als auch unfrei. Sie schützt uns vor Übergriffen und verschiebt die Freiheit der Anarchie in unsere Träume. Und warum zum Himmel besaß er dann in seinem Traum von gestern Abend nicht die Wut sich diese Frau zu nehmen? Er hatte getötet für sie. Sein bester Freund war dafür gestorben. Sie war der Preis dafür. Sie war der Mittelpunkt des Schwarzen Loches seiner Phantasien. Sie war die Singularität, um die sich all seine sexuellen Wünsche drehten. Wer war sie? Und wie konnte sie sich seiner mentalen Gier entwinden?

Wäre sein Traum wie ein Konzert seiner Lieblingsband von dem er phantasierte, dann hatte er sich vorgestellt wie es ist am Morgen aufzuwachen, in die Arbeit zu gehen, dort alle möglichen Dingen zu tun erledigen, um sich danach  weiterhin vorzustellen wie es ist danach nachhause zu kommen, zu duschen, in sein Auto zu steigen, zu parken, vor dem Konzert Freunde zu treffen, sich anzustellen, Bier zu holen, um dann Schlussendlich das Konzert gar nicht zu besuchen. Die ganze Vorstellung machte keinen Sinn. Wie ein Flugzeug das nicht fliegen kann. Wie ein Fußballspiel ohne Ball. Das war im Prinzip nicht dramatisch. Nur unlogisch. Und Paul schob es auf die Drogen, die ihn wohl verwirrt hatten. Vielleicht war er auch zu lange wach geblieben. Da kann so etwas schon einmal passieren. Auch. Wenn es noch nie passiert war… Irgendetwas Unbekanntes schien in ihm zu sein. Etwas. Was ihm im Weg stand. Dass er nicht erklären konnte… Eine unbekannte Kraft hatte ihn von seinem imaginierten Lustgewinn abgehalten.

Paul zuckte in seinem Bett liegend mit seinen Schultern. Auf Drogen kann man halt auch sehr gut perplex sein.

Fünfundzwanzig Minuten später schellte sein Wecker. Kurzzeitig hatte er noch versucht an Katha zu denken. Doch in seinem Kopf hatte sich nur immer wieder das Bild der Pornodarstellerin „Lexi Belle“ geschlichen, als sie noch jung war. Die auf eine weltfremde Art Katha ähnlich sah. Paul konnte sich nicht mehr auf „die Echte“ konzentrieren. Aber das war jetzt auch schon egal.

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Absolution – 18 – Stimmen im Wald

Es klang wie Geisterstimmen. Ein Hallen. Vielleicht sogar ein Nachhallen. Aus einer unbestimmten Entfernung. Jedoch aus einer eindeutigen Richtung. Die Freunde sehen sich an. Dann ziehen sie zeitgleich ihre Speere aus den toten Jungtieren. Paul musste seinen Fuß auf das Mädchen stellen, um den Speer aus den Rippen zu lösen. Es ist nicht unproblematisch frisch erlegte Beute zurückzulassen. Das Fleisch muss bevor es verdirbt in das Dorf zurückgebracht und verarbeitet werden. Vor allem sollte die Beute vor anderen Tieren geschützt werden. Das wissen die Beiden natürlich. Es spielt nur in diesem Augenblick keine Rolle. Diese Stimmen, sie klingen nicht bedrohlich. Eher einladend. Fröhlich. Fast glaubt Paul ein Kichern herauszuhören. Doch das kann nicht sein. Nicht in diesem Teil des Dschungels. Keiner ihres Clans würde sich hier aufhalten. An den Grenzen ihres Gebietes. Ansonsten dürfte niemand hier sein. Hier. Gibt es nichts zu Lachen. Vielleicht, waren es doch Geister? Stimmen aus dem Jenseits… Sie markieren die Stelle mit ihrer Beute – das Muttertier war zu groß um es in einen möglichen Kampf mitzunehmen – und gehen vorsichtig  in gebeugter Haltung voran. Paul und Paco teilen den gleichen Verdacht, von woher die Stimmen zu ihren Ohren wandern. Hier in der Nähe musste der kleine Wasserfall sein. Ein guter Ort um zu fischen oder andere Tiere zu erlegen, wenn sie zum Wassertrinken diesen Ort besuchen mussten. Jedoch zu abgelegen für das Dorf der Ma-Fag, wie sie ihren Stamm nannten. Waren das Wassergeister? Innerlich lachte Paul auf. Wassergeister… Wäre das nicht wunderbar?

Ein paar hundert Meter weiter spähten sie durch das Dickicht. Nein. Das sind keine Wassergeister. Eindeutig nicht. Das sind Weiber. Junge, pralle Weiber. Die sich am Wasserfall waschen und – wie es oft bei den Weibern der Fall ist – nicht auf ihre Sicherheit bedacht sind. Wieder sehen  Paco und Paul sich an. Sie kennen diese Frauen und Mädchen nicht. Solche Frauen. Blonde weiße Frauen. Haben sie noch nie im Leben gesehen. Ihr goldenes Haar glänzte in der Sonne und ihre Körper sind von einer Üppigkeit, die aller Frauen fremd sind, die Paco und Paul je gesehen haben.   Dabei spielt es an sich keine Rolle, dass sie die Frauen nicht kennen. JEDER Fremde ist ihnen fremd. Die zwei Jungs kennen ohnehin nur die Frauen aus dem Dorf. Andere. Hatten sie noch nie im Leben gesehen.

Ihr Leben war ihr Stamm. Die Ma-Fag. Ihr Territorium, der Dschungel. Okay. Doch mehr hatten sie von dieser Welt noch nicht gesehen. Höchstens die dürren Krieger aus anderen Dörfern. Nur sehen die aus wie Paco und Paul. Dünne Jäger mit starken Muskeln und von der Sonne verbrannter Haut. Solche schwedischen Model-Girls sind ihnen absolut fremd.

Der  echte Paul. In der realen Welt. Lächelte schief. Er wusste genau wie die Geschichte weitergehen würde. Er hatte diese Geschichte schon tausendmal erlebt.

 

Absolution – 17 – Die Jagd

Ihre Augen und Ohren sind Messerklingen. Sie wissen: Im Dschungel ist man nie nur Jäger oder Gejagter. In der Natur ist man immer Beides zu gleichen Teilen. Dein Jagdgebiet ist auch immer das Jagdgebiet einer anderen Art. Denn selbst wenn du nicht der natürliche Feind eines Tieres bist, können die Umstände dich zur Bedrohung werden lassen, auf die reagiert werden muss. Tiere in Freiheit sind immer auf der Hut. Sie leben kein entspanntes Leben wie eingesperrte Tiere, deren Gefangenschaft von vielen Menschen als „Entartung“ verteufelt wird. Dieser Gedankengang hat seine Berechtigung. Doch im Umkehrschluss muss verstanden werden, dass „freie“ Tiere im ständigen Stress des Überlebenskampfes gefangen sind. Die Sicherheiten die gefangene Wildtiere buchstäblich zu Tode langweilen, kennen sie nicht. Jeder. Moment. Könnte ihr letzter sein. Ebenso für Paco und Paul. Ihnen ist bewusst dass man seine Augen nicht nur auf sein Ziel richten darf. Es ist wie beim Segeln: Eine Hand für das Boot – und eine Hand für dich.

Vor einigen Minuten hatten sie eine kleine Familie von Dschungelschweinen entdeckt. „Pekaris“ oder „Nabelschweine“ wie sie auch bezeichnet werden. Pauls Unterbewusstsein hatte keine Ahnung, woher er diese Tiere kannte. Dennoch gab es keine Debatte darüber, dass Paco und er wussten, dass diese Tiere nicht nur außerordentlich wohlschmeckend waren, nein, die Beiden waren auch auf das Fell der Pekaris scharf, dass sie zu einem wunderschönen Leder verarbeiten konnten. Aber noch. Hatten sie die Beute nicht erlegt. In Gegenden wie diesen war es besonders schwer Tiere wie diese zu erlegen. Denn die Nabelschweine die in solchen Gegenden leben, die so unwegsam und unübersichtlich waren, neigten zu einer gesunden Form der Nervosität. Fast alles konnte hier zu ihrem Schicksal werden.

 

Paco ist ein Jäger von Weltformat. Er wusste aus welcher Windrichtung man sich solchen Fluchttieren nähert, wie sie im Falle eines unbedachten Geräusches der Jäger reagieren würden. Wie man die Eigenarten solcher Tiere am Geeignetsten gegen sie ausspielen konnte. Zu jeder Jagd gehört Glück. Pacos Fähigkeiten minimierten den Bedarf dieser Ressource auf ein Mindestmaß. Seine Bewegungen sind so formvollendet, dass sie kaum zu erkennen sind, sei es in seiner Geschwindigkeit, sei es in seiner Finesse. Zu oft hatte er Tiere verscheucht, um nicht zu wissen, wann man sich nicht bewegen darf. Zu oft war ihm die Beute entkommen, um nicht gelernt zu haben, wann er schnell sein musste.

Paul fühlt sich mit ihm auf Augenmaß. Hier. In ihrer natürlichen Umgebung  waren die beiden Jungen eine tödliche Symbiose. Sie waren nicht wie die europäischen Jungs in ihrem Alter. Ihr Körper kannte kein Fett. Ihr Blut keinen raffinierten Zucker. Videospiele wären in dieser Welt nicht weniger als Hexenwerk.  Diese Jagdmomente waren ihr „fun“. Dies hier. War ihre Feirerei. Und ein Tier zu erlegen war ihr Ecstasy.

Die Mutter der Nabelschweine hat sie noch nicht bemerkt. Jedoch war sie unruhig. Sie weiß in ihrer Seele, dass Gefahr im Anmarsch ist. So wie sie ein aufziehendes Unwetter spüren kann. Langsam. Noch langsamer als langsam. Nähern sich die befreundeten Jäger dem Muttertier und ihren drei Jungen. Ihre Füße gleiten durch den feuchten Dschungelboden. Immun gegen die Bisse der Insekten um sie herum. Ihre Arme mit den erhobenen Speeren kennen keine Schwäche. Ein wenig. Nur noch ein paar Meter. Dann würden die beiden Freunde als Helden in ihr Dorf zurückkehren. Pekaris gelten zwar nicht als die ehrenvollste Beute die ein tapferer Jäger erlegen konnte, doch ihr wohlschmeckendes Fleisch  würde über jeden Zweifel erhaben sein. Nur noch ein paar Minuten. Ein paar kleine Meter… Der Stoß ihrer Speere musste nur stark genug sein. Es war fast unmöglich mit einem Wurf ein Tier so sehr zu verletzten, dass es an Ort und Stelle verenden würde. Doch ein starker Stoß an die richtige Stelle, konnte ihnen die mühsame Verfolgung ersparen. Es gelang. Als das Muttertier erlegt ist, ist es ein leichtes die zwei sehr jungen Tiere zu erbeuten; ein Jungtier verloren sie aus den Augen und es war nicht mehr zu finden. Die beiden Jungs sind zufrieden. Sie brauchen keine vielen Worte. Ihr lachender Blick ist genug der Feier. Da hebt Paco seine Hand: Da ist noch etwas. Da ist noch ein Geräusch.

 

Absolution – 9 – Auf Amphetaminen arbeiten gehen

Schon der Weg in die Arbeit war in diesem Zustand die Hölle. „Lieber Gott lass mich gut ankommen“, sagte er sich jedes Mal im Geiste, wiederholte es wie ein Mantra, obwohl sein Verhältnis zu Gott alles andere als geklärt war. Unter der Dusche konnte man sich noch einreden „normal“ zu sein. Das es „gar nicht so wild“ sei. Hinter dem Lenkrad eines Autos gibt es nichts mehr zu verbergen. Hier wurde ihm ein um das andere mal sofort klar, wie drauf er eigentlich noch war. Und dann fuhr er los. „Hauptsache ankommen“. „Nur keinen Unfall bauen“. „Gleich bin ich da“. So sollte es sein: Paul kam ohne sich oder jemand anderen verletzt zu haben sicher in der Arbeit an. Parkte seinen Wagen. Zerkratze nicht mal den Lack eines anderen Autos. Vielleicht. War diese ungesühnte Narrenfreiheit sogar das Heftigste für Paul. Dass er immer wieder und wieder damit durchkam. Bis zu diesem Punkt. In der Arbeit angekommen dachte er sich nach jeder Drogennacht: „Normal verhalten“. Doch wie verhält man sich eigentlich normal? Was redet man denn so normalerweise? Wer ist man denn, wenn man nüchtern ist? Wie sieht einen das Umfeld im Gegensatz dazu, wie man sich selbst einschätzt? Am besten. Gar nichts sagen. Auf den Boden sehen und ansonsten seine Arbeit machen. Unter dem Radar bleiben. Das wird schon. Und möglichst viel Flüssigkeit in sich hineinschütten um den Wasserhaushalt wieder auszugleichen. Bloß keinen Kaffee trinken! Der Extra-Kick-Kaffee würde ihn nach der durchgemachten Nacht, in der er Kalorien verbrannt hatte wie ein Hochleistungssportler, komplett wahnsinnig machen. Das Koffein würde ihn nur noch wirrer machen als er ohnehin schon war. Sein Herz schlug ihm so schon unaufhörlich bis zum Hals. Irgendwie kam er so jedes Mal durch den Tag. Machte seinen Kram. Mucksmäuschenstill. Blieb unter dem Radar. Benahm sich „normal“ und fand darin Erleichterung. Wie gut er seine Prallheit verbarg. Bis irgendein Arbeitskollege angewidert raunte, wie beschissen Paul schon wieder aussah; einfach Überhören, einfach gar nicht darauf eingehen. Und damit kam Paul durch. Seit Jahren. Er musste nur kommen und scheinen Scheiß gebacken bekommen. Der Rest interessierte niemanden… Bis auf einmal. Dieses eine Mal brachte der Stress, den er sich selbst machte, dazu, dass er hyperventilierte. Paul klappte damals zusammen. Spürte seine Arme und Beine nicht mehr. Ihm wurde schwindlig. Kippte um. Ein Arbeitskollege brachte ihn zum Arzt. Der sah Paul mitleidig an. Ob er unter Stress stehe. Ob er vielleicht Ärger mit der Freundin hätte. Paul, total auf Amphetamine, nickte nur wie ein Idiot: „Ja, ja. Ärger mit der Freundin“. Obwohl er gar keine hatte. Dabei lachte er sich ins Fäustchen über die Blödheit des Arztes. Der einen eindeutig Megadruffen und irren Typen wie ihn nicht all das identifizieren konnte, was er war. Ein toller Arzt. Und dieser Arzt ist selbstverständlich auch heute noch Pauls Hausarzt. Nachdem der ihn krankgeschrieben hatte fuhr Paul nachhause, machte das nächste Briefchen Speed auf, und lachte darüber wie dumm alle anderen Menschen seien.

Absolution – 7 – Der Pfad der Dämmerung

Den richtigen Zustand der phantasiert/realen Euphorie zu erreichen war zu seinem Lebensziel geworden. Alles andere war nur Beiwerk. Und konnte er nun, so wie es jetzt geschah, in sich selbst und in seiner Traumwelt onanierend wegdämmern, war ihm so, als würde sich seine Persönlichkeit auflösen. Er war nicht der verschwitzte Typ der sich Stundenlang vor dem Rechner seinen Schwanz rieb und massierte bis dieser blutig und an den Seiten merkwürdig geschwollen war (wie ein Gesicht, dem man einen gezielten Schlag versetzt hatte); Paul war gar nicht da. Paul war weg. Paul war fort. Sein Körper war nur eine Hülle. Ein Gefäß in dass er zurückkehren musste: Irgendwann. Nein. Der echte Paul war weg. Der echte Paul erzählte sich Geschichten. In diesen erotischen, eindeutigen Geschichten ging es nicht nur darum mit Frauen den Akt zu vollziehen. Es ging um Alles. Um das Ganze darum herum. Er sah nicht nur die Göttin und die Lust. Das hatte ihm schnell nicht mehr ausgereicht. Nein. Um die Lust zu erleben, musste ein ganzes Universum erfunden werden. Eine Parallelwirklichkeit. In der er ein Szenario entwarf, aus dem die Lust entspringen konnte. Sein chemisch verbesserter, übereuphorisierter Verstand schrieb den Frauen Biografien auf die Seele, Charaktereigenschaften, Wünsche, Ängste und Nöte, warum sie in diese Situation gekommen war, was sie wollten, was nicht und was sie zusammen erlebten. Der Sex war immer nur Sex. Und es wäre gelogen gewesen wenn dieser Sex nicht wichtig wäre. Er war tatsächlich der Dreh- und Angelpunkt des ganzen Geschehens. Viel wichtiger erschien ihm aber die erfundene Person hinter seinem Begehren. Eine Person. Eine Frau. Die er nach seinen eigenen Wünschen erschaffen konnte. Paul merkte es nicht einmal, dass er sich zwar nach Sex und Zuneigung sehnte. Es ihm aber die größte Lust verschaffte, Gott zu spielen. Die größte Befriedigung war es. Allmächtig zu sein. Nicht nur irgendein kleines Rädchen im Getriebe einer Welt die ihn nicht brauchte um sich selbst zu erhalten.

 

Er sah gar nicht mehr nicht auf den Bildschirm. Seine Augen waren lächerlich lustvoll zur Wohnungsdecke verdreht. Während er von einer Katha träumte, von der er mehr wusste, als von der echten Katha selbst. Er begehrte einen Körper, der perfekter war, als der es von Katha jemals sein konnte. Und doch. War er der ihre. Er verzehrte sich nach ihrem Schamgefühl, welches er tiefer und intensiver spüren konnte, als es jemals möglich gewesen wäre, wenn er wirklich mit ihr in einem Bett gelegen hätte. Paul schrieb ihr seine Gedanken auf ihre Seele. Und konnte so ihre eigenen lesen. Es war das ultimative Verständnis zwischen Mann und Frau. Da waren keine Grenzen mehr. Sie verbanden sich zu einem Wesen. Einem Wesen voller Perfektion. Unter dem Kick einer Drogen, die sein Herz fliegen ließ… Er war nicht mehr der kleine Junge der von seiner Mutter verlassen wurde… Er war…

 

Nichts erschreckte ihn schlimmer als wenn er in solchen Momenten aus seinen Träumen gerissen wurde. Er toste auf und sein Herz blieb drei Sekunden stehen. Paul. War unfähig zu atmen. Er stand in seinem Sessel. Dabei hatte nur sein Handy einen Nachricht empfangen. Erschüttert sah er sich um. Das Video auf dem Bildschirm lief Tonlos weiter. Da standen noch die zwei Flaschen Wasser. So gut wie unberührt. Daneben eine Packung Taschentücher. Irgendwo dahinter. War sein Handy. Das vibriert hatte. Warum auch immer. Irgendwer. Von der Außenwelt hatte sich eingemischt. Paul wischte sich mit seiner Hand über sein verschwitztes Gesicht. Lehnte sich wieder in den von seinem Schweiß durchnässten Sessel zurück. Einen Moment lang konnte er seinen eigenen Gestank riechen. Er zwang sich einen Schluck Wasser zu nehmen. Und sah dann auf sein Handy. Sein Blickfeld war verschwommen. Er konnte die Buchstaben kaum entziffern.

Absolution – 6 – Wunscherfüllung Internet-Pornografie

3.

Nachdem sie den Club verlassen hatten. Nachdem sie den Feierstrich des Münchner „Kunstpark“, eine Partyzone, im Osten der bayrischen Hauptstadt, verlassen hatten. Nachdem sie die U-Bahn zum Hauptbahnhof und von dort den Regionalzug bis 2 Stationen nach Augsburg genommen hatten. Nachdem sie auf dem Weg von München über Augsburg noch ein paar Lines nachgelegt hatten. Nachdem sie sich am Bahnhof unspektakulär mit ein paar Umarmungen getrennt hatten; die anderen machten noch Afterhour, nur Paul sagte, er würde nicht mitkommen. Nachdem Paul durch den Regen zu seiner Wohnung gelaufen war, die 2 Gramm Speed in seiner Faust wie Frodo den Ring umklammernd, zog er dort angekommen sofort die Vorhänge zu, und  machte Paul seinen PC an. Er schob  flink seinen Sessel vor den Rechner. Stellte schnell zwei Flaschen Wasser daneben. Warf im Gehen eine Packung Tempo-Taschentücher auf den PC-Tisch. Und riss dann endlich, endlich, endlich, sein Speed, das von ihnen so genannte „Pep“ auf, so dass es wie eine wunderschöne Miniaturlawine auf seinen Glastisch fiel.

Der ganze Weg zurück aus München war für Paul eine nicht  enden wollende Tortur aus Zurückhaltung gewesen. Eine bloße Anmaßung, eine Bestrafung durch den Prozess des Reisens, der ihn von diesem Moment hier ferngehalten hatte. Während sein Herz. Seine Seele. Und besonders sein Schwanz nichts anderes wollten als hierher zu kommen. Hierher. In die Einsamkeit: In die Freiheit. Da es unmöglich war die Reise zu beschleunigen, beschleunigte er nun umso mehr den Prozess des Drogennehmens, während er gleichzeitig die Rahmenbedingungen für das schuf, was er sich die letzten Stunden, die vergangenen Tage so sehr herbeigesehnt hatte. Was nun folgte war das abschließende Abtauchen in eine viel höhere und ehrliche Form des Rausches, als man sie unter Menschen mit ihren privaten Ansichten und den damit automatisch einhergehenden Urteilen erleben kann. Dies hier. War sein privater Kick.  Der niemanden etwas anging.

Das Pep bröselte noch ein wenig aus seiner Nase, als er sich auf den Sessel  warf und seine Unterhose auszog. Normalerweise achtete er auf jeden einzelnen Krümel den er konsumierte. Jetzt. Wo es endlich los ging. War es ihm egal geworden. Er wollte nur so schnell wie möglich SEINEN Film schieben. In sich selbst Abtauchen. Bei sich selbst ankommen. Die rechte Hand öffnete den Internet-Browser. Die linke lag auf seinem schlaffen Schwanz. Seine Augen, panisch weit aufgerissen, klebten auf der einzigen Lichtquelle im Raum. Seinem Bildschirm. Auf dem ihm Seiten angezeigt wurden, deren Bezeichnung mit dem Wort „porn“ begannen. Er klickte sich euphorisch durch einen bestimmten, vor wem auch immer versteckten, Ordner in seiner „Lesezeichen“-Leiste um das Traum-Programm im PC wie in sich selbst hochzufahren. In bestimmter Weise musste sich der Geist nun mit dem Internet verbinden. Die Phantasie-Welt der Porno-Industrie musste sich mit der Gefühlswelt von Paul verbinden. In der es Vorlieben und Wünsche gab. Sehnsüchte und bare Geilheiten. Bei der schier unzähligen Auswahl von Videos und Bildern musste Paul nun gerade die finden, die er benötigte um sich selbst von der Welt zu entkoppeln. Das richtige Video. Mit der richtigen Frau. Im richtigen Setting. Mit der exakt richtigen Laufzeit. Alles musste perfekt sein. Denn Träume machen keine Konzessionen. Und es würde nur Leute wundern die Paul Fleming nicht wirklich kannten oder verstanden, dass er sich Videos von Frauen ansah, die seinen Freundinnen Sarah und Katha auf eine gewisse Art sehr ähnlich sahen. Dies. Waren die privatesten Momente im Leben von Paul Fleming.

Plump betrachtet war es ein krasser und klarer Fall von der Sucht nach Internet-Pornografie und Drogen, ein Mischkonsum-Verhalten, welches noch von keiner wissenschaftlichen Richtung jemals erforscht wurde. Eine Grau-Zone, über die niemand gerne spricht, da das Bild eines erwachsenen Mannes auf Drogen der sich vor dem PC stundenlang seinen Schwanz wichst nicht gerade die Form von Wahrnehmung ist, die der arme kleine Wichser von sich auch noch in die Welt transportieren will. Doch wie es ist mit den Wahrheiten so ist, ist sie, wie ihre kleine Schwester, das Klischee“ weiterverbreitet als Mann und Frau sich zugestehen wollen. „Wer seinen Trieb verleugnet, verleugnet sich selbst“, heißt es, nur ist der Triebhafte der Coole und Angesehene, der seine Neigung im realen Leben Taten folgen lässt, ausschließlich in seinem Kopf; wo aber ist der Unterschied? Wo ist die Grenze zwischen realem Verhalten und imaginiertem, wenn es nur um eine einzige Sache geht, nämlich der Triebabfuhr?

Ja Paul war sich sicher: Wer seinen Trieb verleugnet, verleugnet sich selbst. Und das war genau dass, was er tat.

 

Dieses wiederholte Verhalten zog einige Probleme nach sich, Erklärungsnöte, denn das Problem wenn man Freunde hat die einen mögen und leider so gut wie nie schlafen, ist ihre Sorge um einen oder wenigstens eine virtuelle Dauerpräsenz, wenn sie denn nicht ganz auf dem eigenen Sofa verschraubt erscheinen und man sie, ganz gleich wie geil einen die Drogen in den letzten Stunden schon gemacht haben, nicht aus dem eigenen Haus bekommt um sie endlich loszuwerden. Und Amphetamine machen relativ schnell geil.

Jetzt mussten also Ausrede her oder Tabula Rasa Entscheidung, um zu seinem einsamen Frieden vor dem PC zurückkehren zu können; „zurückkehren“ deswegen, da die Stunden vor dem PC, die an ihm abperlten wie Sekunden, ihm nach und nach als die wahre Lebensessenz erschienen. Bald fühlten sich sein zombiehaftes Verhalten und seine Flucht in sexuelle Träume an als die „bessere“ Art von Leben, eine Art von Leben, in dem es kein NEIN gab, und selbst wenn, dann war es ein inszeniertes Nein, welches er als großer Regisseur leicht in ein JA umdrehen konnte.

Häufig  hielt er einfach seine Freunde aus bis in die Morgenstunden um sie dann hochkant rauszuwerfen. Er sei – Haha – müde. Das klappte zwar manchmal ganz gut, doch nie ohne Nachdruck, da die Freunde die wie Blutegel in seiner Wohnung hingen, noch bei ihren Eltern wohnten und nicht mit Druffi-Augen nachhause gehen wollten. Somit musste vor der endlich erwarteten Meditation vor dem PC erst einmal gestritten werden. Und das war eklig und anstrengend. Besonders, da er im Prinzip eine ehrliche Haut war und es nicht mochte seine Freunde anzulügen.

Die weitausbessere Möglichkeit war es, sich die Drogen schon im Vorfeld zu beschaffen um sich dann nach der Arbeit am Wochenende einzuschließen und vor der ganzen Welt zu verleugnen.

„Ja ich bin krank.“

„Mir geht es nicht gut.“

„Kopfweh.“

„Magendarm“

„Müde“.

„Keine Lust.“

„Ein anderes Mal.“

„Familientag.“

Oder es gab gar keine Antwort.

 

Das Problem mit Methode Nummer 2 war nur, dass er schon so tief dem Sog seines Mischkonsums und seine Sehnsucht auf Erlösung in seinen Träumen verfallen war, dass es nur schwer möglich war bis Arbeitsende am Freitagnachmittag mit dem Konsum zu warten. Und unter der Woche Drogen zu nehmen barg nicht nur das Problem eine ganze Nacht vor der Arbeit nicht geschlafen zu haben, sondern in seinem speziellen Fall auch das Desaster, sich die ganze Nacht wie irr wundonaniert zu haben, was zudem einer Sportlichen Leistung gleichkam, wie eine Etappe der Tour de France zurückzulegen – und danach Arbeiten zu gehen. Davon war er heute noch weit entfernt. Noch hatte er mehr als genug Zeit. Dafür brauchte er nicht auf die Uhr zu sehen. Denn noch schien die Sonne auf seine Festung der Einsamkeit. Drogen- und Pornografie-Süchtige bemessen ihr Leben nicht nach Minuten und Stunden. Sie fühlen nur noch die Tageszeiten.

 

Noch war es nicht so weit. Noch sahen die Pornodarstellerinnen nicht einmal ganz so aus wie die Frauen die Paul wirklich begehrte. Ähnlichkeiten waren durchaus vorhanden. Aber noch waren sie nicht mehr als plumpe Schlampen die vor der Kamera ihre Würde ablegten. Dagegen konnte etwas unternommen werden. Sportlich sprang er auf und legte sich eine weitere Line, einen echten grobkörnigen Prügel aus Speed, und saugte sie wild entschlossen in seinen Riechkolben hinein. Zuviel ist ja selten genug. Schließlich war er sich darüber im Klaren, dass er der Katha seiner Träume, der wahren Katha, die echter war als die Frau die er vor ein paar Stunden umarmt hatte, nur noch ein paar Milligramm entfernt war. Denn wer einmal auf Drogen zu träumen begonnen hat versteht: Der Rausch ist die bessere Realität. Ist der klarere Traum. In der Hyperrealität des Traumes ist alles geordnet, richtig und unerschöpflich. Dies war der Olymp. In der er ein Gott unter Göttinnen war. Dies war der Harem seiner Seele. Der durch kein falsches Wort, durch keine falsche Geste, durch keine Laune von irgendwem zerstört werden konnte. Dies. War die Perfektion in Gedanken. Die sich echter anfühlte als die Wirklichkeit. Denn wenn man einmal begriffen hat, dass sich das ganze Leben nur im Kopf abspielt, weshalb sollte man sich dann noch mit einer unzureichenden, unbefriedigten Wirklichkeit zufrieden geben? Einer Wirklichkeit, in der man nur einer unter vielen ist? In der man Regeln und Konventionen einhalten muss um ein Abbild davon zu bekommen, was man sich eigentlich erträumt? Die objektive Wirklichkeit war immer ein Fehlerhaftes Zugeständnis an die anderen. Dies hier. War die reine Lust. Das hier. War alles was er wirklich wollte. Dies. War Paul Fleming.

Absolution – 1 – Mit Freunden beim Feiern

„Was ist los mit dir?! Träumst du?!“ Katha streifte ihre Haare hinter ihr linkes Ohr zurück. Lachte ihn dabei an. Das Sekunden genau programmiert Licht der Scheinwerfer huschte über sie hinweg und erleuchtete ihr von innen heraus strahlendes Gesicht. Er huscht über ihre großen lachenden Augen. Ihren wunderbaren Mund mit den fröhlich entblößten Zähnen. Dann war das Licht fort. Nur das Lachen blieb. Ein Lachen. So einnehmend und wunderschön, dass es kein Licht benötigt um vorhanden zu sein. Paul strahlte zurück. Das Scheinwerferlicht war nun mit ihm. Einen Augenblick lang fühlten sie sich wie zwei große schöne Sonnen, die ihr Feuer ineinander reflektierten. Unvermittelt nahm irgendwer den anderen in die Arme. Es spielte auch gar keine Rolle, wer die erste Bewegung machte. Denn bei solchen Umarmungen gibt es keinen Auslöser. Nur das Gefühl einen Menschen den man mag in seinen warm verschwitzen Armen zu halten. Der Techno-Sound hämmerte über sie hinweg.

Sie trennten sich voneinander und tanzten ein wenig wild zu dem Techno-Beat. Wie man es seit jeher so macht. Miteinander. Und jeder für sich alleine. Bis einen weiteren Augenblick später, die anderen Freunde von irgendwoher absolut plötzlich zu ihnen kamen und sich mit ihnen freuten. Und tanzten. Es war einer dieser Momente, in dem sich die gesamte sichtbare Welt daran erfreute, vorhanden zu sein. Selbst der falsche Nebel freute sich. Ebenso wie die von warmen Schweiß nassen Fließen an den Wänden. Aus den Maschinen klackerte dazu stakkato mäßiges Geklacker. Während der Beat und der Bass ihren Körpern automatische Bewegungen vorgaben. Überall war Rhythmus. Eine heitere Diktatur. Alles was geschah, musste so geschehen. Geschah ohne Kraftaufwendung. Ohne Plan. Ohne Wiederstand. Ein unbeteiligter Beobachter, ein Vernunft- und Tagmensch, mochte die Szene in dem finster verrauchten, stinkenden Techno-Club als hart, kalt und rau, gar „Lebensfeindlich“  missverstehen, was nur daran liegen könnte, dass er das Glück in den Menschen nicht verstand. Dieses Treiben hier war alles andere als kalt und rau. Es war alles andere als lebensfeindlich. Es war das pure Glück. Ein Himmelreich. Unter der Erde. In einem alten Industriekeller. Den wahrhaftig. Die Gebrüder Grimm hatten gelogen. Und Kinder haben keine Ahnung von den Märchenlandschaften der Erwachsenen.

Dann schrie irgendwo wer. Und plötzlich schrien alle mit. Im programmierten Licht. Im inszenierten Nebel. Im Geschepper der Maschinen. Ein Gefühl wie im Garten Eden.

Irgendwer von den Freunden hatte Wasser dabei; es wird herumgereicht. Alle freuen sich. Ja geil jetzt! Wasser! Bis die Flasche leer war. Kein Wunder dass es am Ende nicht der schöne Miguel war der den letzten Schluck aus der Flasche nahm und dann ein wenig überrumpelt in seiner Dichtheit damit herum stand. Es war Chris. Der kleine deplatzierte Chris. Der schon immer nie ganz zu einer Gruppe gehört hatte und durch seine Erlebnisse und Erfahrungen einen viel reflektierten Charakter mit sich herumtrug als der gutaussehende Miguel. Miguel, der Südländer. Der Student. Ein Sammelsurium an Charme und Bildung, die sich profaner weise nie bis in seine Seele erstreckte. Natürlich war es Chris der ein klein wenig überfordert mit der leeren Glasflasche dastand. Im Nebel umher blickte. Bis er schließlich ein paar Meter entfernt einen Stehtisch erspähte und die Flasche dort hintrug. Währenddessen hatte sich Miguel längst zwischen die Frauen geschlichen und je eine mit einem Arm umfasst. Natürlich hatte er den letzten Schluck für Chris „übrig gelassen“. Zum Wassertragen war er zu wichtig. Auch wenn er das selbst gar nicht mehr wahr nahm. Chris kam zurück und stellte sich an die Seite.

In dem Kreis den sie nun bildeten gab es kein wirkliches Gespräch. Auch wenn ein paar Fetzen durch den brülllauten Sound hin und her gerufen wurden. Sie lachten sich nur an. Glücklich. Verstehend. Dicht. Es war jetzt genau der richtige Zeitpunkt nachdem sie zusammen und jeder für sich das Ecstasy genommen hatten, dass Chris in einer fast einstündigen Suche im Club aufgestellt hatte. Wahrscheinlich war dies auch der richtigste und genauste Zeitpunkt ihrer gemeinsamen Freundschaft, wie sie druff so im Halbkreis dastanden. Wie das Auge eines Orkans. IM Auge eines Orkans. Der aus ihrem eigenem Glück und  dem aufgewühlten Darumherum bestand. Tosend und still zugleich. Sicherlich würde sich ihre Freundschaft nie wieder so klar und intensiv anfühlen wie in diesem ehrlichen Moment auf Droge. Nichts könnte jetzt. In diesem Augenblick  der klarsten Wahrheit. Ihren Kreis durchbrechen.

Und dann war es auch schon wieder vorbei.