Der Mensch ist die größte Naturkatastrophe aller Zeiten

Im Jahr 2020 trifft sich eine Gruppe von Jugendlichen in einem Waldstück im Osten Deutschlands. Manche von ihnen sind mit den Bus gekommen, ein paar mit dem Zug, doch  so gut wie Alle wurden von ihren Eltern zu dem Fernreisemittel ihrer Wahl gebracht; einige wenige wurden direkt von ihren Müttern und Väter am Treffpunkt abgesetzt. Von diesem Treffpunkt aus sind sie lachend einen Kiesweg entlang marschiert, der sie in einen wunderschönen Mischwald führt. Die Stimmung ist ausgelassen und heiter, keiner der Teilnehmer der Gruppe wird außen vorgelassen, man fängt sich Stimmungsmäßig gegenseitig auf, treibt sich an, obwohl man sich nur von einem sozialen Netzwerk kennt (nein, nicht Facebook – das gibt es 2020 nicht mehr). Wer sie sieht könnte meinen, sie kenne sich schon ihr ganzes Leben.

Das Waldstück in welches sie wollen, gehört Hendricks Vater, der vermögender Studienrat ist und diesen Wald von seinem Vater geschenkt bekommen hat. Die meisten der Eltern der Kinder sind aus der mittleren Oberschicht, Bildungsbürger, auch wenn einige von ihnen nicht in Deutschland geboren sind, sondern mit der Flüchtlingswelle von vor ein paar Jahren hierher kamen; die Eltern haben ihr Glück gemacht und die Kinder einen guten und schnelle Anschluss gefunden.

Ein Lagerfeuer wird geplant und Holz aus der Umgebung herangeschleppt. Die ganze Zeit über wird viel gelacht, auf kleine und große Bildschirme gezeigt, sich gegenseitig fotografiert und in sozialen Netzwerken geteilt. Die Stimmung ist so ausgelassen wie sie nur sein kann, wie es ohne Alkohol und Drogen überhaupt möglich ist, nicht einmal sexuelle Interferenzen stören das lustige Beisammensein.

Als der Mond sich langsam den Steilhang empor pirscht, packen die zwanzig bis 30 Jugendliche, die keine Frauen und Männer, jedoch auch keine Mädchen und Jungen mehr sind, ihre Wahlgegenstände aus.

Eine Vielzahl der Jugendlichen haben sich – wie sie es im Internet gegoogelt haben (ja, Google gibt es noch) – einen dicken, biologisch einwandfreien Hanfstrick besorgt. Einige haben Messer, andere Tabletten, nur Verena hat eine Pistole dabei, von der sie nur nicht weiß, ob sie sie auch wirklich benutzen kann; ob nicht jemand aus der Gruppe ihr helfen könne, wenn sie sich nur anschießt? Könnte ihr jemand dann in den Kopf schießen damit sie nicht leiden müsse?

„Ja klar! Kein Problem!“ Die Gruppe ist voll und ganz auf ihrer Seite. Schließlich treffen sie sich hier um das Leiden zu erleichtern. Der strebsame Issam sichert ihr zu ihr ins Gesicht zu schießen, sollte es Probleme geben, auch wenn er es nicht gerade als besonders ökologisch empfindet, Stahl zu verwenden. Er bietet auch gerne einen Strick an. Verena strahlt über das ganze Gesicht und dankt ihm.

Um Punkt 12 ist es dann soweit. Die ersten tapferen Jungen und zwei Mädchen klettern unter dem johlenden Applaus der übrigen Gruppe auf die große Kastanie hinauf, die die ganze Zeit über die lustige Gesellschaft mit ihren wunderschönen Ästen beherbergt hat. Und schon im nächsten Moment –  Schwupdiwup – baumeln die Jugendlichen erstickend und röchelnd an den Ästen, wo sie (Ironie, Ironie) durch das Unterbrechen ihres Blutkreislaufs teilweise ihre ersten, doch in jeder Hinsicht stärksten Orgasmen erfahren. Dann hängen sie dort wie tote Fische.

Die Gruppe unten gesteht es sich nicht zu erschrocken zu wirken (auch wenn sie es in Wahrheit natürlich sind) und singen gemeinsam an der Gitarre ein Lied über kleine Tiere, dass sie aus dem Kindergarten kennen. Um ein Uhr sind die nächsten dran, sie schneiden sich die Pulsadern auf, bis ihr Blut sich mehrere Meter weit spritzend in die Sommernacht  verliert. Sie kippen einfach nur bibbernd, blas und ängstlich um.

„BAMM!“ Erschrocken fahren die 4 Übrigen herum. Dabei hat sich Verena nur in den Kopf geschossen. Alles ist gut gegangen. Worauf Issam sich seinen Strick nimmt.

Die drei Übrigen haben ihre biologischen Gifte schon lange genommen und warten, während der Morgen dämmert, darauf, dass die Wirkung einsetzt.

Am Morgen ist keiner mehr am Leben.

Seit dem Jahr 2019 gibt es eine Jugendbewegung, die sich klar gegen die „Errungenschaften der Menschheit“ stellt und dagegen protestiert. In ihrer Sicht der Dinge ist der Mensch das schlimmste Virus auf Erden. Nichts ist grausamer und uneinsichtiger als der Mensch. Und der Mensch kann nicht auf normalen Wegen von seinen Eigenarten geheilt werden. Die einzige Möglichkeit wirklich etwas zu unternehmen, um all die kleinen süßen Affen, Pandas und Eisbären zu retten, ist die letzten Konsequenz, die einzig wesentliche Korrektur: Der Mensch muss sich selbst dezimieren um das Leben auf Erden zu retten. Ihr Tod ist der ultimative Beitrag zur Erhaltung der Schönheit der Natur und zur Rettung der Artenvielfalt.

Die Zeit des Redens, der nachhaltigen Ernährung, das Ablehnen tierischer Produkte und der lächerlichen Facebook-Bilder mit erhobenem Zeigefinger sind vorbei:

Jetzt werden Konsequenzen gezogen!