Wie Bill Gates und Edward Snowden zusammen Corona erfanden

Zu manchen Menschen würde ich gerne Aufsehen. Ich weiß was sie erlebt haben. Welche Situationen sie durchleben mussten. Welchen Gefahren sie sich mutig ausgesetzt haben. Und ich denke mir: Ihrem Lebensstil nach müssen diese Menschen eine ungeheure Lebensweisheit angehäuft haben. Sie müssen Dinge am eigenen Körper erlernt haben, vor denen mir schaudert. Wie kann man nicht daran gewachsen sein? Ich komme mir im direkten Vergleich dazu nicht klein oder dumm vor. Mein Credo lautet: Niemand ist etwas Besonderes. Doch jeder hat besondere Dinge gesehen, bedacht und getan. Einige mehr. Andere weniger. Doch jeder ist nur ein Mensch der menschliche Dinge tut, erlebt und verarbeitet. Man kann als Mensch die eigene Art hassen oder verehren. Es spielt keine Rolle. „Übermenschen“ im Sinne von Friedrich Nietzsche. Menschen also, die sich über den normalen Durchschnittsmenschen hinaus entwickelt haben, habe ich nie getroffen. Nicht einmal von ihnen gehört. Bill Gates ist ebenso ein normaler Mensch wie ich. Der Döner-Verkäufer von nebenan. Eine Jugendliebe. Oder ein Arzt. Menschen können nur menschlich handeln und menschlichen Erfahrungen machen. Und wenn ein Mensch etwas entwickelt, erfindet oder entdeckt, wird es (nicht automatisch doch über die Zeit) ein Geschenk an die Menschheit selbst. Im Guten wie im Schlechten. Es gibt ihn nicht. DEN Menschen. Nur DIE Menschheit. Schwarmintelligenz. Alles was ein Mensch erleben kann, kann von anderen Menschen nachgemacht werden – wenn das Wissen nicht verschwindet und von anderen Menschen adaptiert wird.

Natürlich meinte ich zu Beginn dieses Schriftstücks nicht irgendeinen Menschen. Ich meinte eine bestimmte Person. Eine Freundin von mir ist eine Weltreisende. Eine Globetrotterin. Sie war auf fast allen Kontinenten. Hat die höchsten Berge erklommen. Die schönsten Seen gesehen. Die faszinierendsten Tempel. Die Ekelerregendsten Städte. Sie hat die finanziell armen Leute in Afrika lieben gelernt. Doch Menschen aller Couleur getroffen. Sie kommt nur noch zu Besuchen nach Deutschland zurück. Darauf freue ich mich das ganze Jahr. Als guten, netten, offenen Menschen habe ich sie kennen und lieben gelernt. Und wie gesagt. Wenn man von jemanden erwartet etwas zu lernen, dann von Leuten, deren Augen alles gesehen haben müssen, was der Planet so hergibt. „Reisen bildet“, sagt man. Und ja. Darin liegt eine Wahrheit. Machen viele Reisen deswegen klug?

Im Moment ist die besagte Person in Deutschland. Sie ist in Deutschland gefangen wie wir alle. Im Gegensatz zu uns will sie nur fort, um nie wieder zu kommen.  Und plötzlich stehen da diese kruden Theorien im Raum. „Bill Gates hat Corona erfunden.“ Und wieso? Das hätte etwas mit einer Weltverschwörung zu tun. Die Afrikaner sollen ausgelöscht werden. Und warum? Weil man den Afrikanern ihr Land wegnehmen will! Und ich denke mir nur, wenn Europäern den Afrikanern etwas wegnehmen wollen, dann gibt es klügere Methoden als sich selbst mit einem Virus zu infizieren. Okay. Man trennt sich. Hat unterschiedliche Meinungen. Der eine lächelt über den anderen. Jeder von beiden Parteien hält sich für den Hüter der „Wahrheit“. Das sind die Zeiten in denen wir leben. Irgendwie hat das dann in Ordnung zu sein. Da sind wir wieder beim „Aushalten von Freundschaften“.

Letzte Woche kam dann das Video. Viele Leute kennen „das Video“. Das Video von Ken Jebsen von KenFM in dem behauptet wird, dass Bill Gates Corona erfunden hat, um uns alle zu überwachen. Bekam ich natürlich von derselben, immer noch hochgeschätzten Person. Und ich nur: „Ach je…“ Ken Jebsen. Will ich gar nicht ansehen. Bill Gates hat also Corona erfunden damit wir uns Mircochips unter die Haut implantieren lassen müssen. Das würde uns dann als „Corona-Vorsorge“ eingeredet. Dieses unglaublich saudämliche Video wurde Millionenfach geteilt. Und langsam mache ich mir wirklich Sorgen darum, wie dumm die Menschen langsam werden. Ganz ehrlich. Die Menschen hinterfragen nichts mehr. Dialektischen Denken ist ihnen total fremd. Es gibt nur noch „entweder/oder“. Der Rest sind gefühlte Realitäten. Das mit Bill Gates ist in so vielen Punkten unlogisch, dass es weh tut.

Ja. Bill Gates hat vor Jahren einen „Ted Talk“ gemacht, in dem er vor den Gefahren einer weltweiten Pandemie warnt. Und ja. Bill Gates hat einmal von „Chips“ gesprochen im Zusammenhang mit der Bekämpfung der Pandemie. Es ist nur leider ein anderer Zusammenhang. Es hat nichts mit Chips unter der Haut (es geht nicht um RFID-Chips oder so was) zu tun. Bill Gates will uns nämlich gar nicht überwachen. Denn wenn er es wollte, könnte er es jederzeit. Jederzeit. Wir benutzen ALLE Technologie von Mircosoft. Und wenn ihr jetzt vor einem Produkt eines anderen Herstellers sitzt, dann ist dies dennoch die gleiche Welt wie Mircosoft. Es ist digitale Technologie. Wir brauchen keine CHIPS UNTER DER HAUT um überwacht zu werden. Habt ihr Edward Snowden 2012 nicht zugehört? Die amerikanische Regierung und wahrscheinlich JEGLICHE Regierung der Welt kann dich komplett durchleuchten. Sie kann jede deiner Nachrichten lesen. Sie kann jedes deiner Gespräche mithören. Kann durch jede deiner Kameras blicken – und du bekommst davon nichts mit. Snowden hat die Wahrheit ausgesprochen. Und was ist passiert? Die Leute haben sich weiter bereitwillig irgendwelche „Siris“ und „Alexas“ in ihr Haus gestellt und sagen bereitwillig „Hallo Google“ in ihr Handy, wenn sie per Sprachbefehl irgendetwas suchen wollen. Wohlwissend, dass diese Technologie dazu gemacht wird, um uns abzuhören. Nicht nur wenn wir „Hallo Google“ sagen: Immer. Es gibt kein Privatleben mehr. Und nicht nur das: Es wird auch alles gespeichert. Snowden hat es bewiesen. Und das Leben hat ihm Recht gegeben: Der arme Hund sitzt seit 8 Jahren in Russland fest! Seit 8 Jahren kann er Moskau nicht verlassen, weil er die Wahrheit gesagt hat! Und niemand hat sich dafür interessiert. Ne. Wir wollen lieber auf Facebook, Whatsapp und Instagram abhängen. Das ist mir wichtiger als Privatsphäre. Macht halt Spaß! Aber jetzt! In Zeiten der Krise verurteilen Menschen, mit und über die Technologie, die es ohne Bill Gates gar nicht geben würde, dass Bill Gates uns Chips einpflanzen lassen will, um uns abzuhören. Wahrlich ich sage euch: Edward Snowden hat sicherlich in seinem russischen Exil zu Lachen und Weinen begonnen, als er von diesem Bullshit gehört hat. Da bist du 8 Jahre von allem weggesperrt was dir heilig und lieb ist. Und dann kommen diese Dummköpfe mit einer viel lächerlichen Theorie um die Ecke, die seit über 10 Jahren Realität ist. Da hätte er auch weiter für die amerikanischen Geheimdienste arbeiten können…

Bill Gates ist mir jetzt nicht gerade sympathisch. Er ist der reichste Mensch der Welt (je nach Ranking und nach welchem Jahr man geht). Da schaut jeder gleich drei Mal kritisch hin, wenn der einfach so aus Menschenfreude Milliarden für gute Zwecke spendet. Kann ich verstehen. Aber er hat ganz praktisch vor all dem gewarnt. Und ich sage euch eines. Wenn der Mensch, der maßgeblich die Technologie erfunden hat, die unser Lebensmittelpunkt geworden ist, uns hinters Licht führen will, dann schafft er das! Er ist der Herr der Technik! UND! Er ist der reichste Mensch der Welt! Er hat größere Macht als viele Staaten! Glaubt ihr wirklich, der stellt sich hin, nachdem er das böse Virus und seine Machenschaften geplant hat, und ERZÄHLT dann auch noch davon und stellt das ins Internet, BEVOR er es umgesetzt hat? Wenn der wollen würde, könnte er vielleicht all das machen, was man ihm unterstellt. Das mag stimmen. Aber wir würden es nie erfahren. Denn. Wenn dieser kluge und unfassbar reiche Mann so etwas planen würde, würde er sicherlich nicht sagen: „Hallo, mein Name ist Bill Gates und ich warne euch vor einer weltweiten Pandemie“ (was die Verschwörungspsychos behaupten). Nein. Er würde irgendeinen anderen Trottel damit beauftragen. Warum? Weil er auch eine der berühmtesten Menschen auf dem Globus ist. Wieso sich also die Finger schmutzig machen. Aber die Menschen glauben das. Wirklich. Es infiziert die Menschen schneller als Corona. Warum?

Ich gebe dem Zeitgeist die Schuld. Den Menschen in den europäischen Ländern geht es einfach zu gut. Den persönlichen Egoismus kann man halt nur 6 Wochen zurückstellen. Dann war es das leider. Aber warum dann Bill Gates? A) Die Leute brauchen einfache Lösungen und B) die Disneyfizierung der Gesellschaft. Hä? Denkt ihr euch jetzt. Aber es ist doch wahr. Durch diesen ganzen Marvel, Star Wars und vor allem James Bond Schwachsinn denken „die Leute“ immer, es muss einen verrückten, allmächtigen Mastermind hinter allem geben. Wem die „Jüdische Weltverschwörung“ zu krass ist, der sucht sich eben in bester Bond-Manier den „reichsten Mann der Welt“ aus. Ein Superschurke wie er im Buche steht. Vorneherum der Wohltäter. In Wahrheit jedoch der Vernichter der Menschheit. Weil? Äh… Ja weil… Weil er noch mehr der reichste Mensch der Welt werden will… Oder so.

Ich sage euch eins. Wenn Bill Gates das Ausmaß der Hass-Hysterie mitbekommt, denkt er sich sicherlich: „Warum habe ich der WHO so viel Geld geschenkt? Ich hätte es lieber in Bildung investieren sollen.“

So bekomme ich also das Ken Jebsen Video von einer Person geschickt, von der ich erwartet hätte, dass sie eine der klügsten Menschen ist, mit denen ich mich umgebe… Soweit gereist. So viel gesehen. So ein bewundernswertes Leben mit so vielen Erfahrungen – Und dann sowas. Ich konnte nur noch die Hände über den Kopf zusammenschlagen. Der Chemtrails-Ken… Ihr müsst euch nur mal alte Videos von euren Verschwörungsfuzzis ansehen. Dann wisst ihr Bescheid. Die springen auf jeden Zug auf. Und vergessen ihr Geschwätz von heute und gestern verdammt schnell. Und lieber Ken: Wenn du die Wahrheit sagen würdest, wärst du in der gleichen Position wie der arme Ed Snowden. Du darfst aber weiter deine Lügen verbreiten und dir die Taschen vollstopfen mit der Dummheit deiner Gläubigen.

Eine Woche vor dem ersten Bill Gates Gespräch mit meiner Weltreisenden Bekannten lag ich mit einem Glas Whiskey auf dem Sofa. Ich schrieb mit ihr und wollte sie ein wenig dissen. Ich bin ein Provokateur. Ein furchtbar anstrengender Freund. Ein Arschloch manchmal, der für einen guten Witz über Leichen geht. Und aus einer Laune heraus schrieb ich ihr (ohne Zusammenhang), ob sie vielleicht 2014 mit ihrer geistigen Entwicklung stehen geblieben sei. Klar. Viel unterwegs gewesen auf dem Planeten. Doch wichtige gesellschaftliche Zusammenhänge und Zeitgeist-Wissen? Davon bekäme sie doch in der Armut Afrikas nichts mit. Dort gibt es zwar bestimmt lebenslustige und tolle Menschen. Doch sie sind in ihrer Einfachheit doch mehr mit sich selbst beschäftigt und wissen nichts von großen globalen Zusammenhängen. Ich weiß, dass war Arschlochmäßig. Doch ich kam mir witzig dabei vor. Es wäre ihr gutes Recht gewesen, mich für so eine Ansage zum Teufel zu jagen. Das macht man nicht. Nicht einmal unter Freunden. Zu behaupten, man sei durch seinen Lebensstil ein wenig dämlich Nach dem Ken Jebsen Video jedoch und „wie Recht“ der Mann doch hätte. Bin ich ehrlich enttäuscht. Intellektuell. Und vor allem menschlich.

Sorgen-Nazi

(Ja, ich weiß, den Titel hatte ich schon einmal…)

Von Wurst bekommt man Krebs. Auch von Pommes. Sogar Wasser kann Krebserregend sein, wenn du es aus Kunststoffflaschen trinkst. Deine Kleidung enthält Krebserregende Stoffe. Dein Jogi Löw Deodorant auch. Und von dem Feinstaub in den Straßen wollen wir mal gar nicht sprechen.

(Außer vielleicht ganz kurz: Wieso regt sich die ganze Welt nur darüber auf, dass VW über die Schadstoffwerte ihrer Autos gelogen hat und nicht über das wirkliche Problem, nämlich das ihre Autos mehr Schadstoffe ausstoßen und somit dich und mich, den ganz Planeten, krank machen? Alle sprechen von dem Schaden an Vertrauen gegenüber der deutschen (Auto)Industrie, von dem direkten Schaden den allen Nicht-VW-Kunden, Nicht-VW-Aktionären und Nicht-VW-Mitarbeiter angetan wird, spricht kein Mensch – das ist der wahre Skandal. Schließlich sprechen wir hier über den zu dem Zeitpunkt des Skandals größten Autobauer der Welt!)

Krebs. Darum geht es. Und verdammt noch mal, man kann es doch gar nicht mehr anders sagen: Das ganze Leben ist Krebserregend.

Krebs ist wirklich kein Thema mit dem wir uns gerne auseinandersetzen. An die eigene Sterblichkeit erinnert zu werden ist immer ein kleinwenig Scheiße. Auch wenn wir inzwischen wissen dass es im Prinzip sehr normal ist wenn sich Zellen irgendwann einmal nicht mehr so verhalten, wie es vom großen Unbekannten geplant war. Der Mensch an sich ist nicht dafür designt worden um 100 Jahre alt zu werden – trotzdem wird er es. Auch wenn sich die Menschen selbst nicht darüber im Klaren sind, weshalb dies geschieht. Um dem im Besonderen und doch für Alle nahezukommen, versucht die Menschheit mit ihrer sogenannten „Wissenschaft“ die Gefahrenquellen des Daseins theoretisch zu vermindern, wo wir bei der „guten“ Ernährung, dem Sport und der perfekten Umwelt wären.

Der Mensch hat sich selbst eine Umwelt geschaffen, die auf den ersten Blick sehr Menschenfreundlich ist, denn angenehmer als jetzt kann der Mensch höchsten in der Zukunft leben. Das Problem ist nur das Zuviel an Menschen, was aus dem Menschenfreundlichen Raum einen Menschenfeindlichen macht. Die Hölle sind mal wieder die anderen, und so verschmutzen wir uns gegenseitig. Das hat auch viel damit zu tun, dass die Menschen unterschiedlich darin sind, ihre im Prinzip gleichen Bedürfnisse zu genießen.

Der Mensch will zufrieden und glücklich sein. Das ist seine Geschichte und es geht in jedem Film, in jedem Buch und in der Politiksendung in Wahrheit einzig und allein darum. Dem persönlichen Glück. Von sonst wem.

Dieses persönliche Glück ist für viele Menschen unterschiedlich, auch wenn es sich unter Sammelbegriffe zusammenfassen lassen könnte: Der Partner. Die Kinder. Der Urlaub. Die Party. Das I-Phone. Der Feierabend. Sportliche Erfolge. Lob. Freiheit. Wobei es für manche Menschen auch ein ordentliches Glück sein kann, gequält zu werden. Es kann fast ALLES sein.

Jeder dieser Glückszustände ist wieder mit Gefahren verbunden. Ganz automatisch. Lebendig sein ist immer ein Risiko und jede Form von Glück beinhaltet auch eine gewisse Form von Sorglosigkeit. Wer gerne faulenzt wird zu dick, wie auch der, der gerne isst. Wer gerne taucht, der kann ertrinken; wer gerne schnell fährt, kann kollidieren; wer gerne liest, kann den Bezug zur Wirklichkeit verlieren (was oft schlimmer werden kann, als zu sterben); Schleckermäulchen wird ihr Zuckerkonsum zum Verhängnis; wer gerne Raucht, kann daran sterben; usw. usf. Ja, wir wussten es (wie mit dem Fleisch, den Pommes und dem Wasser aus der Kunststoffflaschen) schon vorher: ALLES kann dich umbringen.

Ich nahm früher gerne Drogen. Und die machen einen wirklich kaputt. Sie machen dich aber auch sehr frei, wenn auch nur für einen begrenzten Augenblick. Sie machen auch dumm, asozial, unglücklich und zerstören deinen Körper. Und sie machen dich dennoch eine Weile sehr glücklich. Ich kann mich eines Tages nicht darüber beschweren, wenn ich davon Bluthochdruck oder gleich Krebs bekomme. Auch wenn ich mich dann natürlich dennoch darüber beschweren WERDE. Aber es war meine Sache und ich habe immer gewusst und es auch häufig gesagt, dass ich eines Tages die Rechnung dafür begleichen muss. Wenn die Zeitgerade lange genug ist, hat man halt irgendwann einmal Pech gehabt.

Andere Leute fahren gerne in den Urlaub. Das macht sie glücklich. Sie wollen ebenfalls ihr Bewusstsein erweitern und die Welt sehen. Strände aus Sand oder Eis entlang gehen, die ich niemals sehen werde. Sie wollen auf Bergen stehen, an reißenden Wasserfällen. Ans Ende der Welt fliegen. Und fremde Kultur kennen lernen… Klingt doch viel romantischer als Drogen zu nehmen und dicht in der Ecke zu liegen, oder? Auch wenn wir tolerante Menschen sind die zugeben müssen, dass jeder sein eigenes Glück erfahren soll. Dennoch halten wir es für besser, wenn ein Mensch auf Reisen geht als sich z.B. mit MDMA niederzuballern. Obwohl die reisenden Leute mit dem Flugzeug abstürzen, am Sandstrand verdursten, in der Arktis erfrieren, von Bergen stürzen oder von fremden Kulturen getötet werden können. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit dafür nicht sehr hoch ist. Pech kann aber auch hier jeder haben.

Es ist wie mit dem Drogen: Jeder hat ein eigenes Karma.

Das Leben bringt uns um. So oder so. Und doch wollen wir anderen Menschen erzählen, was besser für sie ist. Wir wollen ihnen vorschreiben, was für ein Leben sie leben sollen – alleine aus egoistischen Gründen: Aus der Liebe zu ihnen heraus. Wir wollen, das dem geliebten Menschen kein Unheil geschieht, damit wir länger mit ihm zusammen sein können. Dabei sagt uns unsere Vernunft, dass wir dem anderen nicht vorschreiben können, wie er glücklich zu sein hat. Dennoch wollen wir ihn darin beeinflussen.

Für uns selbst aber blenden wir die Gefahrenquellen einfach aus. Für uns ist eine Reise ein Abenteuer, keine Gefahr. Der Drogenkonsum ein großer Spaß und kein selbstzerstörerischer Irrsinn. Da wir unterschiedlichen Formen wählen, glücklich zu werden.

Auf den Gedanken kam ich durch das Lottmann-Buch „Endlich Kokain“. Das Ich vorbehaltlos empfehlen kann.

In dem Buch geht es um einen dicken, jedoch gar nicht so alten Mann, dem die Ärzte aufgrund seiner Fettleibigkeit prognostiziert haben, dass es bald sterben könnte, und in ein paar Jahren sicher sterben wird. Der Mann (Stephan Braum)  wurde von seiner Frau verlassen und war bisher nicht sehr glücklich in seinem bürgerlichen Leben, bis er schließlich den Rat bekam, Kokain zu nehmen, um dadurch abzunehmen. Fortan konsumiert  Braum und steigt bei seinem Versuch abzunehmen immer tiefer ab in einen Drogensumpf, der ihm aber – oh ha – all die Wünsche erfüllt, die er sich früher nicht erfüllen konnte. Plötzlich hat er Sex mit jungen hübschen Frauen (auch wenn sie alle verrückt sind) und Freunde (auch wenn alle Drogensüchtig sind oder es waren) und findet genau die Lebensfreude, die er bisher vermisst hat. Der Kniff ist (ich bin noch nicht durch mit dem Buch) durchaus der, dass Braum zwar eine totale Wesensveränderung durchlebt und ein Opfer seines Konsums wird, er aber durch das Kokain genau das bekommt, wovon er immer geträumt hat.

Braum ist dabei selbstverständlich ein Sonderfall, denn er hat wirklich nichts zu verlieren, da er ein Todgesagter ist und nichts mehr zu bedauern hat. Das eigentlich Verwunderliche ist die Tatsache, dass er nicht stirbt. Alles andere ist ein Bonus.

Ich bin gespannt wie das Buch ausgeht. Wobei ich hoffe, dass es am Ende keines dieser typischen „Am-Ende-bereue-ich-Alles“-Bücher wird.

Denn Sterben müssen wir am Ende sowieso. Und wir sollten uns nicht von irgendwelchen Sorgen-Nazis einreden lassen, wovor wir uns zu fürchten haben, um länger zu leben. Länger, aber nicht glücklicher.