Merkel muss weg – Teil 2 und die drei Dolchstosslegenden.

So dala. Jetzt geht es wieder gut. Migräne vorbei. Wo waren wir? Ach genau. Nachdem Merkel weg gemobbt wurde, kommen die Ausländer weg. Und dann die „falschen Religionen“. Die psychisch Kranken. Und wer sonst halt irgendwie anders ist. Damit Deutschland wieder rein ist. Denn viele Leute leiden schwer an der Unreinheit des Volkes. Wirklich.

Gerade ist bei mir in der Arbeit ein Computer-Techniker, den ich eigentlich schon seit vielen Jahre kenne. Von seiner Einstellung wusste ich jedoch nichst. Vor einer knappen Woche war die deutsche Nationalmannschaft auf dem Cover unseres örtlichen Käseblatts und der Techniker (nennen wir ihn „Stecker“) begann daraufhin darüber zu schimpfen, dass in unserem Nationalteam ja gar keine Deutschen seien. Die sind doch alle viel zu dunkel. Und ich so: „Na ja. Wenn die hier geboren wurden und nen deutschen Pass haben…“ „Unsinn! Das sind doch keine Deutschen!“ Und ich so: „Aha.“

Der erzählte mir dann gleich von dem Reservisten-Treffen von dem er gerade käme. Da sind noch aufrechte Leute. Ob ich denn beim Bund war? Tatsächlich habe ich meinem Land gedient. Bin da jetzt aber nicht sonderlich stolz drauf. Wir haben da auch nichts gemacht oder gelernt was mich jetzt zu Über- oder auch nur zum besseren Menschen erheben würde. Eher im Gegenteil. Das sagte ich dann auch so, sinngemäß Arthuer Schopenhauer zitierend, der dieses tolle Statement abgeliefert hat, dass derjenige (Schopenhauer hat das natürlich mir viel mehr Schnörkel und Blumen am Wegesrand gesagt), der nicht stolz auf sich selbst sein kann, stolz auf sein Land ist. Mit der Religion sei es ähnlich, meinte ich. Um den alten Wehrdienstverehrer etwas zu beschwichtigen. Man kann ja Leute die auf die 60 zugehen bei dem Thema nicht mehr einfangen. Die leben in ihrem eigenen Wahn. Dass donnerte er mir dann auch so rüber, dass man auf Deutschland und die Bundeswehr SEHR WOHL stolz sein könne. Sogar noch auf die Wehrmacht, damals im Krieg. Ihr kennt die Geschichte, diesen verdrehten Irrsinn:

Im zweiten Weltkrieg gab es ja die Nazis. UND die Wehrmacht. Die Nazis waren die ganz, ganz Bösen (nun gut, das stimmt auch) und die guten Soldaten dagegen war die deutsche Wehrmacht. Die tapferen Wehrmachtskrieger, die unter höchsten moralischen Konflikten dass tun mussten, was die bösen Nazis ihnen aufzwangen. Denn eigentlich wollten sie gar nicht kämpfen. Wehrmacht-Soldaten haben niemals irgendwelche Kriegsverbrechen begangen. Haben niemals Frauen vergewaltigt. Sinnlos Zivilisten getötet und auch keine Juden umgebracht. Die haben nur den Feind besiegt… Diese Mär von der guten Wehrmacht ist so was wie die zweite Dolchstoßlegende (wenn auch keine echte). Der ersten Dolchstoßlegende folgend, hätten die tapferen deutschen Soldaten den ersten Weltkrieg eigentlich gewinnen können. Wären sie nicht von der eigenen Heimat durch Defätismus verraten worden – quasi Dolchstoß von hinten aus den eigenen Reihen. Im gleichen trüben Wasser fischen auch diejenigen, die nach dem zweiten Weltkrieg behaupten, dass die Wehrmacht-Soldaten nur gut waren. Während die Nazis für alles verantwortlich sind. Es ist zwar bewiesen, dass auch die Wehrmacht ihren Teil dazu beitrug (siehe Partisanen-Kämpfe), dass sogar polnische Kollaborateure an Massenerschießungen und Lynch-Aktionen beteiligt waren, aber irgendwie muss man ja (wenn man es denn unbedingt will) auf deutsche Soldaten im zweiten Weltkrieg stolz sein. Die waren nicht so wie die Nazis und die Polaken. Und so geht das dann in den Köpfen weiter.

Bis hin zur Dolchstoßlegende Teil 3. Die Geschichte, die sich nicht nur um den Verrat an den deutschen Soldaten dreht, sondern gleich um die Deutschen als Ganzes: Angela Merkel will das Volk austauschen!

Sie will die Deutschen vernichten! Die Volksverräterin! Sie hasst die Deutschen die sie gewählt haben so sehr, dass sie sie mir Arabern ersetzt! Weil! Ja warum eigentlich?

Na ja wenigstens ist Merkel schuld wenn Ausländer hier Verbrechen begehen! DIE hat sie reingelassen! Dass ist wie wenn ein Freund von mir einen Freund zu mir nachhause mitbringt. Worauf der Freund vom Freund dann meine Schwester tötet. Dass ist dann auch meine Schuld! Ganz sicher sogar. Oder?

Advertisements

Merkel muss weg

Was bedeutet dieser Slogan „Merkel muss weg“? Dumme Frage. Er steht als Synonym für „Ausländer raus“. Denn welches Problem haben manche Leute mit unserer Bundeskanzlerin (die fast gar nicht mehr so genannt wird außer: Merkel. Was so klingt, als wäre die Frau ein Gegenstand)? Dass sie die Energiewende verbockt hat? Dass sie die Automobil-Industrie nicht im Griff hat die uns belügt und vergiftet? Dass die Industrie an sich sie schon längst in der Tasche hat wegen dem Todschlagargument gegen jeglichen Politik, genannt „Arbeitsplätze“? Dass sie Trump nicht in den Griff bekommt? Ne. Es geht einzig und alleine um die Asylanten-Frage.

Selbstverständlich hat Frau Doktor Merkel bei dem Thema weiß Gott nicht alles richtig gemacht. Aber auch nicht alles falsch. Denn für mein Befinden war es durchaus richtig und menschlich zu einem bestimmten Zeitpunkt die Grenzen zu öffnen. Danach hätte sie ihre Politik konsequent umsetzen müssen und nicht mal in die eine und dann in die andere Richtung rudern dürfen.

Angela Merkel und ihre Regierungsparteien sind inzwischen Getriebene der AFD, deren einziges Motto ohnehin nur ist: Merkel muss weg. Also Ausländer raus. Und davon lassen sich alle Parteien treiben, weil sie einfach kein Mittel finden gegen den Fremdenhass und die Angst der „kleinen Leute“ gegen Überfremdung. Argumente ziehen da schon lange nicht mehr. Und selbst Erfolgsmeldung bei der Integration werden von ihren Gegnern sarkastisch weg gelächelt. Das Merkelsche „Wir schaffen das“ wird nur mit Hohn übergossen. Selbst wenn wir dabei sind es zu schaffen. Jede Meldung über Verbrechen von Ausländern (am Besten von Asylanten) wird mehr gefeiert als verurteilt. Es gilt als Bestätigung für den eigenen Fremdenhass, der durch die Verbrechen legitimiert wird. Selbstverständlich ist es schlimm und verachtenswert wenn Frauen und Kinder vergewaltigt werden. Dem kann man nichts entgegensetzen. Denn als Normaldenker und -fühlender kann man sich ja schlecht hinstellen wenn Deutsche junge Mädchen und Frauen vergewaltigten und dann sagen: „Siehste mal. In der Statistik sind die Deutschen natürlich führend. Denn viel mehr Deutsche misshandeln und töten Frauen in Deutschland. Viel, viel mehr.“ Der moralisch Überlegene kann so nicht argumentieren. Er kann den Einzelfall nicht nehmen und auf das große Ganze ummünzen. Denn ein einzelnes Verbrechen ist nicht Aussagekräftig für eine Menschengruppe. Und die Frage ob der Asylant das gleiche Verbrechen auch in seiner Heimat verübt hätte, spielt keine Rolle. Denn das Opfer im Ausland wird nicht wie das deutsche Opfer als Mensch gesehen. Was Ausländern Ausländern antun, dient in der AFD-Welt nur dazu, DEN Ausländer an sich zu verurteilen.

Was ist also wenn „Merkel weg wäre“? Die Bundeskanzlerin und ihr Handeln sind soweit nach rechts gerutscht, dass sich im Prinzip nicht mehr viel ändern würde. Nur im Detail. Host Seehofer hin oder her. Nein. Der wichtigste Punkt bei einer Absetzung der Bundeskanzlerin wäre, dass die AFD gewonnen hätte. Und was kommt danach? Ganz einfach. Die Merkel-Kollaboratuere müssen weg. D.h. Alle die jetzt regieren und die Merkelsche Politik mittragen. Und dann kommen die Ausländer weg. Ganz egal ob sie hier geboren wurden oder nicht. Denn der Ausländer ist eine Hautfarbe und eine Religion. Ahnenforschung wird wieder sehr populär werden.

 

Den Text setze ich irgendwann mal fort. Leide sehr unter Migräne…

Junge Leute und Techno im „Terminal 7“ in Paris – ein Erlebnisbericht

Eine Reise ins Ausland kann einem den Glauben an die Menschen zurückgeben. Sicherlich, das sind große Töne. Für ein paar Tage fühlte es sich trotzdem danach an. Ich wollte nie nach Frankreich. Meine Freundin dagegen schwärmte davon. Und als ich das Interview im Spiegel zur großen Macron-Grundsatzrede zu Europa gelassen hatte, dachte ich mir: Okay. Dieses Frankreich von Macron würde ich gerne sehen.

Manchmal bekommt man das wonach man sich sehnt.

Unser erster Eindruck von „Macrons Frankreich“ war der Bahn-Streik. Fährt unser Zug? Fährt er nicht? Und falls doch, wie lange würden wir von Stuttgart tatsächlich brauchen? Das Einzige was wir schließlich von der ganzen Sache mitbekamen, war eine Flasche Wasser, die uns die streikenden Bahner nach der Ankunft in Paris schenkten. Wegen den Unannehmlichkeiten. Welche Unannehmlichkeiten?

20180418_201440

Macron sprach in dem Interview auch und viel davon, dass es gerade die jungen Menschen gewesen wären, die ihn gewählt hätten und sie seien es, die sich ein starkes Europa mit einer großen Zukunft wünschten. „Geschwätz“ dachte ich. Typisches Politiker Blahblah. Umso überraschter war ich, Tausende junge Franzosen im ersten Bezirk zu sehen, die friedlich und außerordentlich gesittet vor dem Louvre auf den Grünflächen saßen und quatschten. Nicht nur dort. Überall am Uferverlauf der Seine saßen junge Leute wie Perlenschnüre aufgereiht und zeigten friedliche Präsenz. Das beeindruckte mich mehr, viel mehr als die schwer bewaffneten Soldaten, die durch die Innenstadt patroulierten und ebenfalls Präsenz demonstrierten. Frankreich ist immer noch im Ausnahmezustand. Na und? Die jungen Leute zeigten, dass sie keine Angst haben.

20180418_192847

Am letzten Tag ging es dann in das „Terminal 7“. Ein In-Club am Rande des ersten Bezirks. Google Navi wollte uns durch das Messegelände schicken, doch das war geschlossen. Weswegen wir durch die warme Pariser Nacht irrten. Dann trafen wir wieder junge Leute. Ja. Sie würden auch den Club suchen. Hier sei mal wohl nicht richtig. Ob wir mit ihnen mitfahren wollten? Ihr Auto stehe dort drüben. Man verständigte sich in diesem Wust aus Französisch und Englisch, der alle Vorbehalte aufhob und das Lachen wie Interpunktion benutzte. Gern fuhren wir mit. Wir hätten den Eingang zum Terminal 7 ohne sie nie gefunden. Es lag oben an der Straße. Ein Eingang ohne Schild. Da waren nur ein paar unscheinbare Metallgitter und Security-Leute. Neben einem gigantischen Billboard. Hier verloren wir kurz unsere neuen Freunde. Folgten dann aber hinab über die Autozufahrt, die extra für die Clubfahrt gesperrt wurde – wahnsinnig schön urban war das, ich liebe das ja, diese Annexionen, die das Nachtleben manchmal vornimmt – dem Strom der Menschen. Rings herum um das Gebäude, hinauf, hinauf, über die Dächer von Paris. Ah. Da. Dort. Der beleuchtete Eiffelturm. Den konnten wir auch durch das Panorama-Fenster des Clubs sehen. Das Terminal 7 ist nicht der schönste Club der Welt. Doch mit Panorama-Fenster ist ja jede Klitsche geil. Siehe Berghain.

20180421_223351

Das Tollste hier drin war: Die Franzosen tanzten. Es war gerade einmal 10 Uhr abends. Ame war der Erste  von der Innervision-Posse den wir in dieser Nacht hörten – und er war richtig stark. Endlich konnten wir einmal wieder MIT den Leuten tanzen, nicht GEGEN sie. Denn ganz anders als im verhassten Berlin, wo man sich für zu cool zum verschwitzten Tanzen hält und sich eigentlich nur darüber freut, HINEIN GEKOMMEN ZU SEIN, lachten und tanzten die Franzosen, als gäbe es keinen Morgen. Die Getränkepreise waren auch so. 10 Euro für ein Bier. Für Paris normal. Also gib mir doch bitte gleich einen Cocktail, junge Dame. Ich. War einer der wenigen die überhaupt noch mit Bargeld bezahlten. Ganz anders als bei uns.

20180421_224054

Draußen fanden wir dann auch unsere neuen Freunde wieder. Denen man gefälschte, weil bereits entwertete Tickets verkauft hatte. Bei einer Zigarette wurde über Techno schwadroniert; im „Concrete“ sei es viel geiler. Dorthin gehen die hippen Pariser. Während die Mädels sich umarmten, lachten und Facebook-Freundschaft bestätigten. Zeit für das Gruppenbild. Dann alle wieder rein auf die Tanze. Lachen, schwitzen und abgehen. Freundlich. Nett. Schön. Und als i-Tüpfelchen noch die Frage, ob wir Teile wollen würden? Ich: Ich würde ja gerne, aber… Und so hatten wir von den wildfremden Leuten jede Aufmerksamkeit bekommen, die man als Fremder so gerne hat: Sie haben uns mit ihrem Auto mitgenommen, haben uns Zigaretten geben, Kontakt-Daten ausgetauscht und gleich auch noch Drogen angeboten – das geschah innerhalb von 2 Stunden.

Später legte dann noch Dixon auf. Genau. Der Dixon. Bekannt von den resident advisor Wahlen.

Es war also eine sehr geile Nacht. Und ja. Wenn man das Geld hat. Und die Lust. Und das Herz am richtigen Fleck. Dem kann ich Paris nur empfehlen.

Das große Land der kleinen Leute

So wie Lars von Trier Filme über die USA gemacht hat, ohne sie je besucht zu haben, ist auch meine Meinung nur eine von vielen, die von außen sich selbst in ein Thema hinein psychologisieren, ohne einen realen Bezug oder Verantwortung zu dem Thema „Vereinigte Staaten“ zu haben. Zwar betrifft die Wahl  des US-Präsidenten jeden Menschen auf diesem Planten (mehr oder weniger), Mitspracherecht haben wir aber keines, deswegen bringt es auch nicht besonders viel sich darüber aufzuregen.

Verstehen würde ich das Ganze nur schon Recht gerne.

 

Unsere Medien haben eine eindeutige Wahlempfehlung in die Berichterstattung gemischt – und okay, ja, die Äußerungen Trumps im Wahlkampf konnten aufgeklärte Menschen wie uns nur Hillary als Siegerin annehmen lassen. Falsch gedacht. Es sind halt doch nicht diejenigen, die im TV oder in den großen Online-Medien das Wort leiten, die für ihr Land sprechen. Das ist jeder einzelne Bürger selbst. Und da ist die Stimme eines aufgeklärten Menschen ebenso viel wert wie die jedes anderen Idioten, von denen es meistens eher mehr gibt. Da kann man jetzt sagen: „So ist Demokratie.“ Oder andererseits: „Demokratie funktioniert einfach nicht.“ Demokratie funktioniert halt nur dann, wenn man es mit einem mehr oder weniger gebildeten Volk zu tun hat, dass zudem auch noch Politikinteressiert ist.

Es gibt dabei genug Gründe für viele Menschen, Politikverdrossen zu sein, ganz egal ob in Amerika oder sonst wo. Das ist auch der Grund, weshalb mich nach der ersten Überraschung der Wahlausgang gar nicht so kalt erwischt hat. Mit dem Brexit war und ist es doch das Gleiche: Es sind die vielen, vielen Verlierer der Globalisierung, die sich eine starke Regionalmacht mit heimeligen Konservativen Werten  zurückwünschen und wählen. Durch die Globalisierung ist die Welt viel zu schnell zusammen gewachsen – nur leider nicht richtig. Das macht den Menschen Angst, weswegen sie genau diese Leute wählen, die ihnen versprechen dass sie „Alles so machen wie früher“.

Den versprochenen „Change“ gab es unter Obama so gut wie gar nicht (die Gründe dafür, also die Blockaden im Kongress usw. lassen wir mal außen vor) weswegen verschwindend wenige schwarze Amerikaner und Hispanios zur Wahl gegangen sind, dafür umso mehr weiße, alte Männer, die, ebenso wie in England, wahlentscheidend waren. Diesen Politikverdruss muss sich auch Obama ankreiden. Trump steht genau dafür, was Clinton nicht ist, ein Außenseiter, der nicht im verkrusteten politischen System Amerikas feststeckt, das hat Wähler mobilisiert, denn sie wollen keine Leute, die über sie hinweg regieren, sie wollen auch keine schwierigen Lösungen für komplizierte Themen: Sie wollen einfache Lösungen – für komplizierte Themen.

 

Ich glaube auch, dass Protestwähler (wie in vielen Wahlen der jüngeren Vergangenheit) eine große Rolle gespielt haben. Wähler, die nicht vollkommen mit der Meinung des Kandidaten XY konform gehen, doch aber so gewählt haben, um „denen da oben eins auszuwischen“. Ich mutmaße, der Protestwähler ist eine der wichtigsten Wählergruppen überhaupt. Zwar denkt man sich bei ihm: „Wie blöd kann man sein? Irgendetwas wählen was einem selbst schadet, nur damit er es DENEN DA OBEN mal zeigt…“ Aber a) fühlt sich der Protestwähler von denen da oben ohnehin im Stich gelassen (siehe Globalisierungsverlierer) und b) glaubt der Protestwähler auch den Umfragen. Es ist (noch mal) wie mit dem Brexit. Damals wollten auch viele aus Protest ihre Stimme abgeben, kannten die Umfragen und die Prognosen und waren dann vom Ergebnis überrascht: Denn sie dachten nicht, dass ihre Stimme am Ende Wahlentscheidend sein würde und sie das bekommen würden, was sie wählten.

Heute wurde oft in den Medien verlautet, dass viele, die bei den Umfragen angaben nicht für Trump stimmen zu wollen, sich in Wahrheit dafür schämten, doch für ihn stimmen… Ich weiß ja nicht… Klingt mir nicht sehr schlüssig. Vielleicht sind es doch eher die Umfragen selbst und der Glauben in sie, die die Wahl beeinflussen. Also weg mit ihnen. Wozu braucht man ein mathematisches Urteil basierend auf Schätzungen vor einer Wahl? Reicht denn nicht die Wahl selbst?

 

Vielleicht sind die Gründe aber auch viel banaler: Eine Großzahl der Amerikaner sind einfach ungebildet und glauben jeden Unsinn, den man ihnen erzählt (oder verspricht). Bei dem Bildungssystem das die dort haben, wäre es nicht einmal ein Wunder. „Weltoffen“ und „aufgeschlossen“ wären jetzt nicht gerade die Begriffe, die mir zu Amerika einfallen. Und vielleicht sind die Amerikaner selbst doch mehr wie die Amerikaner, die (da schließt sich der Kreis) Lars von Trier aus den Filmen kennt, dieses Weltbild, dass dort verkörpert wird, welches ihm vollkommen ausreichte, um über die Psyche der Amerikaner zu philosophieren: Sie stehen nun einmal auf diese Geschichten von Männern, die mit wenig anfingen, sich hochgearbeitet haben, um schließlich, auch und gerade wegen ihrer fehlenden Etikette und Intelligenz, ganz oben zu stehen. Die, die es allen gezeigt haben! Wir würden wahrscheinlich nicht sagen, dass diese Leute die richtigen TYPEN sind um ein Volk zu lenken. Dort ist es anders.

Nun, wir werden sehen was geschieht. 2 Amtszeiten Bush haben wir auch überstanden.

 

Sicher ist auf jeden Fall, dass dieses Votum eine rote Karte für den Freihandel und die Freizügigkeit der Völker ist, eine rote Karte für liberales Denken und ein Zugeständnis ist, ein Zugeständnis zur Angst. Und bei dieser Melange fällt es mir schwer den Respekt gegenüber diesem Volk zu behalten. Auch, wenn (wie ich es heute bei MOBY gelesen habe) mehr Leute für Clinton gestimmt haben, die aber durch das Wahlsystem der Wahlmänner nicht zum Tragen gekommen sind. Es ist aber auch eine rote Karte gegenüber dem gebildeten Establishments, jene Leute, die arrogant und überheblich den Leuten erzählt haben, was sie zu denken haben; nicht dass das Establishment UNRECHT hätte in dem was es sagt, es geht nur darum, WIE es etwas sagt und wie die feinen Herren vom Flatscreen aus die Leute überheblich als dumm und klein abstempeln; dadurch werden kleine Menschen nur noch kleiner. Und wütender.

 

Keine Ahnung. Ich bin kein US-Amerikaner. Nur ein kleiner Handwerker aus Bayern. Aber nach dieser Wahl ist mir klar geworden, dass viel mehr in die Bildung investiert werden muss, damit die Deppen weniger werden. Und gerade in den USA ist es so, dass dort in vielen Gegenden die Bildung privatisiert wurde, dort wird ein Geschäft mit minderer Qualität aus ihr gemacht, was den Zugang zu Wissen mehr als nur erschwert hat. Was keine Ausrede ist. Denn wer wissen will, der kann sich in den meisten Ecken der Welt selber weiterbilden. Man müsste nur wollen.

 

Ich weiß nicht. Irgendwas muss man an so einem Tag wie heute schreiben… Irgendwas muss man einfach zu sagen haben. Auch wenn es vielleicht darum geht, gar nicht Konkretes sagen zu können.

 

Oben habe ich es schon einmal gesagt: Dass die einzelnen Länder der Welt nach der großen Globalisierung sich wieder auf ihre eigenen Werte berufen wollen, wundert mich nicht. Es wäre auch ein Wunder gewesen, wenn sich diese Vision von freiem Handel, Liberalität und Humanität einfach so durchgesetzt hätte, denn dafür produziert der freie Handel viel zu viele Verlierer (das Geld wandert halt weiterhin zu den Mächtigen) und liberales, humanitäres Denken macht vielen Menschen Angst. Ob das ganze Projekt jetzt gleich als gescheitert angesehen werden muss, oder ob es ein Projekt über die Jahrzehnte, ja vielleicht sogar Jahrhundert ist, das bleibt abzuwarten. Es war klar dass es Rückschläge geben würde. Und Politik wird weder in einer Nacht entschieden, noch an einem Tag gemacht. Das ist doch das Geile am Menschsein: Es bleibt stetig spannend. Welche Entscheidungen in ein paar Tagen wieder irgendwo anders auf der Welt Menschenleben kosten.

Ich sehe was, was du nicht siehst

Die Frage ist durchaus, was einen mit den Menschen noch verbindet, mit denen man sich umgibt; viel wichtiger ist die Frage, was man in Zukunft noch für gemeinsame Ideen vertritt – eine Frage, die sich irgendwie verbietet, zu sehr sind wir gefangen in der Kontinuität der Gegenwärtigkeit.

 

Das „Früher“ erscheint einem irgendwie einfacher, selbst wenn man ihm ein gewisses Gewicht zugesteht, denn „Früher“ ist vergangen, ist überlebt, ist durchgestanden und so sieht man dieses „Früher“, selbst wenn man subjektiv an sein Existenzminimum gedrängt worden war (sei es finanziell, geistig, moralisch usw. usf.), als einen Berg den man überqueren musste, um jetzt stark und erfahren sein zu können; früher sind für mich die 90ger, die Nuller Jahre, Jahre der Unschuld und ich kann nicht sagen, ob das vornehmlich mit meinem Alter und der damaligen Politiklosigkeit zusammenhängt, sprich: meiner Jugend, oder ob die Zeit damals nicht wirklich leichter war, wenigstens im direkten Umgang. Die Leute waren sich näher und ferner zu gleich. Es wusste nicht jeder fast alles über den anderen, wie es inzwischen ist, in unserer sozialen Überwachungswelt, und es war auch nicht wichtig unbedingt eine Meinung zu bestimmten Themen zu haben, ohne dafür gleich als „oberflächlich“ oder gar „ignorant“ abgestempelt zu werden. Die Menschen lebten zusammen nebeneinander her und man war weniger vom Export, weniger von der ganzen Welt und ihren Problem abhängig, betroffen und eingeengt. Dabei waren wir auch damals gut genährt, in all dem Reichtum den wir schon damals hatten, der sich nur nicht wie Überfluss anfühlte.

Wir wussten weniger – und hatten mehr davon.

 

Heute geht es dann gleich nach 5 Minuten um „Haltungen“ um Positionierungen, die uns von überall her aufgedrängt werden. Wir müssen von allem „Ahnung“ haben, damit wir auch den pointierten Witz oder das mehr oder weniger unterschwellige Geschimpfe unseres Gegenübers sofort verstehen, denn „2016“ bedeutet ja mehr als in den meisten Jahren, sich in bestimmten Schützengräben der Sprache zu bewegen. Bomben werden dauernd platzen gelassen. Sei es auch nur zwischen den Zeilen. Der Krieg scheint dauernd präsent zu sein, wie ein Film im Hintergrund abzulaufen, auch wenn man sich nur über Kleinigkeiten, richtige Nichtigkeiten unterhält. Irgendetwas trägt immer zu den Planspielen der geistigen Feldherren bei.

Diese andauernde Sprachliche Tortur verändert unsere Sicht aufeinander. Während wir früher unsere politische Meinung oft nur im stillen Kämmerchen mit uns selbst oder in der Wahlkabine abgeschottet (GEHEIM!) mit dem Staat ausmachten, werden wir nun von überall beschossen und befeuert – und ausgefragt („Das musst du doch zugeben, oder?“). Die Intelligenzia muss heute „links“ grollen, die Ängstlichen „rechts“ und zwischendrin sind die Agenten der einzig wahren Matrix, des Internets, dass die Leute die verschiedensten, aufgebrachten Halbwahrheit abschießen lässt, über die man dann kaum mehr diskutieren kann. Wir sprechen zwar darüber, wir hören uns nur nicht mehr, wie Brieffreunde in fremden Ländern, die zwar ein gemeinsames Gespräch führen, nur in verschiedenen Wirklichkeiten leben und dazu noch in einer für beide Parteien nicht Muttersprachlichen Konsenssprache führe, so dass das der zeitverzögerte Papieraustausch an der gewollten Wirklichkeit vorbeispricht.

 

Ich finde das belastend, diese Gespräche. Nicht weil ich am Ende nicht mehr einfach nur „Recht haben“ kann (und wie die meisten Leute habe ich gerne „Recht“), nein, es geht darum, dass ständig so getan werden muss, als müsste jemand am Ende jemand Recht gehabt haben; nach so einem Gespräch gibt sich kaum einer mehr respektvoll die Hände und sprich von einem „schönen Abend“. „Idiot“, „Naiv“ oder „Weltfremd“ wird man geheißen, bestenfalls.

 

Diese ständige Penetranz dieser Schützengrabengespräche bei denen es um jeden Zentimeter geht, führt zur Ausgangsfrage zurück: Was verbindet uns noch miteinander, sei es als Freunde, sei es als Gesellschaft? Ist dieser ständige Haltungsdrang nicht viel zu zersetzend, um ihn auf Dauer aushalten zu können?

 

Die „Gemäßigten“ erscheinen mir nach und nach als die einzig echten Intellektuellen, nicht weil sie Teil einer schweigenden Masse sind (was jedoch auch der Fall sein kann), sondern da sie verstehen, dass die Wahrheit nicht nur Gegen- oder Pro-Asyl, nicht nur Religion oder keine, nicht für oder gegen den Staat und auch kein Wirtschaftsmodell ist, gar nicht sein kann. Alles ist Alles. Alles hat seine Richtigkeit, seine Wertigkeit und seinen Sinn. Man muss also leider jedes Mal neu abschätzen. Nur treibt unsere diese Räson nicht voran, sie ist die ständig getriebene der Extremen. Und ich glaube, das wird noch schlimmer, bevor es besser wird.

 

Diese Welt in der wir leben, ist auf einer Droge. Und diese Droge heißt „Information“. Die Dosis, die wir uns tagtäglich davon verabreichen, ist viel zu hoch, als dass unser Geist sie richtig verarbeiten, dass wir irgendeinen momentanen Nutzen daraus ziehen könnten. Früher oder später werden wir einen Filter, einen Regulator brauchen, wie es früher die sogenannten „Leitmedien“ waren, die großen Print-Medien, die „Tagesschau“, die „Heute“-Nachrichten. Doch solange wir nicht soweit sind, leben wir in einem Wust der Wirrniss, der sich zwischen uns stellt und unsere Kommunikation miteinander entartet, wie einst zum Turme zu Babel. Und die größten Dummköpfe sind jene, die in einer fremden Sprache auf eine fremde Kultur einbrüllen, sie selbst wären im Recht.

 

Das ist das Besondere unserer Zeit: Wir brauchen Informationen und die richtige Bildung um sie begreifen zu können – weder zu viel, noch zu wenig. Denn zu viele Informationen machen den Gebildeten ebenso dumm, wie zu wenig.

Es hilft also nicht nur unzählige Informationen zu horten, man muss sie auch verarbeiten können, und dafür braucht es Zeit und Gewissenhaftigkeit. Wir müssen uns alle mehr Zeit geben um Informationen zu verstehen und sie auszulegen. Um Investitionen in die Zukunft betreiben zu können. Um echte Meinungen zu bekommen, nicht nur Reaktionen auf Umstände…

Der ganze Planet muss entschleunigt werden, nicht nur jeder für sich. Nein. Alle. Insgesamt. Aber wir fangen natürlich wie immer klein an.

Und jetzt muss ich diese Geschichte nur noch denen verkaufen, die ich für im Unrecht halte. Jene die glauben, dass Halloween eine Satansmesse ist… Obwohl, hatten solche Leute nicht schon genug Zeit? Sind 30 Jahre nicht Zeit genug? Und was mache ich mit denen?

 

Putsch und Pokemon

Am vergangenen Nachmittag spazierte ich mit meiner Freundin durch unsere kleine Stadt, wir waren auf der Suche nach Pokemon. Ein schöner Sommer-Nachmittag. Das war einen Tag nach  dem Mordanschlag in Nizza und Stunden bevor es in Istanbul zu einem Putsch gegen die Regierung kam, ebenfalls mit vielen Toten. Beides wird Terrorismus genannt – und wir sammeln Pokemon.

Von der Geschichte in Istanbul habe ich heute morgen erfahren, als ich aus dem Bett schlüpfte und auf die Toilette ging, ein Freund hatte mir es bei Whatsapp geschrieben. Natürlich war nicht mehr daran zu denken wieder ins Bett zu gehen und schlafen. Istanbul geht uns alle an. Besonders, weil ein Bekannter von mir dort Urlaub macht. Außerdem liegt der Bosporus gefühlt direkt vor meiner Haustüre, so eng ist Europa inzwischen zusammengerückt.

Nizza… War eine große Tragödie. An Tragödien in Frankreich, deren ein terroristischer Auslöser nachgesagt wird, hat man sich schnell gewöhnt. Ja wirklich. Zwar ist die Anteilnahme groß, die Franzosen sind im Moment wirklich arme Schweine, Istanbul jedoch ist neuer, aufregender, spannender. Tut mir leid, so ist da nun einmal. Wenn der Stressspiegel der Bevölkerung durch „Eilmeldungen“ der 5ten Macht ständig hochgehalten wird. „Spiegel“, „Bild“, „Zeit“ und all die anderen „Onlines“ machen den ganzen Tag nichts anderes.

Es hört ja auch gar nicht mehr aus. Seit der Ukraine scheint ständig etwas zu sein. Syrien. Terrorismus. Anschläge auf der ganzen Welt. Tote. Demonstrationen, dafür oder dagegen, so auch bei dem Putschversuch gestern. Unvermittelt schaut man fast schon aus dem Fenster, ob das Nachbarhaus nicht schon in Flammen steht, oder ob nebenan auch wirklich „black lives matters“. Es macht einen wahnsinnig dieses ständige Bombardement mit Schreckens- und Panikmeldungen. Wie soll man, nein, wie DARF man da noch ruhig schlafen? Es geht uns doch ALLE etwas an! Sicher? Schließlich war ich gestern nur Pokemon jagen…

 

Sogar hier in der Kleinstadt trafen wir kleine Grüppchen von jungen Leuten und die gerne als Junggebliebenen Genannten. Die einen sind voll dabei, die anderen grinsen ironisch, schamhaft berührt über so viel Unsinn „virtuelle Monster jagen“, aber es macht Spaß und deswegen sind sie trotzdem dabei. Was spricht dagegen Spaß zu haben?

Öffnet man Facebook sieht man sofort tausend Gründe, weshalb es fast schon eine Sünde ist in diesen Zeiten zu lachen. Freunde teilen Videos „pro Russland“, da sie gegen die USA sind, oder umgekehrt. Der Informationskrieg ist im vollen Gange  und irgendwie musst du dabei sein, irgendeine Haltung MUSST du an den Tag legen, sonst bist du draußen, sonst bist du nicht in der Gegenwart angekommen, sonst bist du ein Niemand, der sich Fremdbestimmen lässt. Dein Leben ist doch nur der Spielball der Mächtigen! Willst du das zulassen? Schließlich ist die Frage „ob wir einen neuen kalten Krieg wollen oder nicht“ an Lächerlichkeit kaum zu überbieten: Wir stecken schon lange mittendrin.

Und du gehst PO-KE-MON JAGEN!??

 

Ja, ich werde auch heute wieder ein paar von den Viechern catchen, wenn auch nicht alle. Ich halte das sogar für ziemlich vernünftig, anstatt in Angst darüber zu leben, was in der Türkei, in Frankreich, in den USA, in der Ukraine, in Syrien oder bei uns passiert oder geschehen könnte. Denn ich sehe es nicht ein mein Leben dadurch einengen zu lassen. Ich beteilige mich nicht an der Panik dieser für mich virtuellen Kriege, die, das ja auch sind. Trotz der Toten. Trotz dem Leid. Trotz den Verwundeten und Krüppeln. Wusstet ihr dass es in der Türkei seit 1960 schon vier Putsch-Versuche gab? Hat euch das früher interessiert, als die Türkei noch weit weg war und uns nun eingeredet wird, die Türkei ist 10 Kilometer entfernt? Und ist euch klar, dass es  in Deutschland (trotz all dem Nachrichten-Terror, der einen suggeriert dass man immer und überall von einem Terroristen getötet werden könnte) wahrscheinlicher ist von einem Blitz erschlagen zu werden als Opfer einer Terroristen Attacke? Und ist euch nicht klar dass es vollkommen scheißegal ist ob ihr kleinen Niemande pro Putin oder pro Obama seid oder (was ich am vernünftigsten halte) alle beide Staatenlenker als Mörder verurteilt, solange ihr nur vorgefertigte Info-Krieg-Videos einer Großmacht teilt und ihr somit nur die Meinung von anderen wiedergebt und selbst dann, wenn diese Meinung zu der euren geworden ist, nichts verändert, nichts unternommen habt und weder klüger oder besser seid als jeder andere, dem Politik am Arsch vorbeigeht?

 

Vor ein, zwei Jahren habe ich in meinem damaligen Blog noch mehr „Haltung“ gefordert, heute sieht man überall Entartungen dieses Wunsches, so als ob „Haltung“ im Inneren oder auf Faecbook etwas ändern würde, denn tatsächlich nimmt man diese „Haltung“ nur in virtuellen Räumen an, und wird Teil von virtuellen Informationskriegen, wird Soldat von irgendeinem Blödsinn, für oder gegen etwas ist im Prinzip egal. Hauptsache man ist dabei. Hauptsache man kann mitreden und sich klüger oder besser informiert fühlen als das Gegenüber; die Frage ob dies überhaupt noch möglich ist wird gar nicht mehr gestellt. Überall sieht man geteilte Bilder deren Urheber ich nicht kenne, keine eigenen Gedanken. Überall sind Feinde, allgegenwärtig scheint der Tod.

 

Ich finde virtuelle Pokemon draußen auf einer echten Straße zu suchen vernünftiger, als sich echte Angst und Panik durch virtuelle Wahrheiten aus dem Internet ins Gehirn herunterzuladen. Denn die Welt mag zwar durch die Globalisierung näher zusammengerutscht sein, ja. Doch eines ist sie nicht: Die Welt wird nicht kleiner geworden. Lasst euch das nicht einreden. Wir haben ja nicht ohne Grund über die Phrase gelacht, dass „unsere Freiheit jetzt am Hindukusch verteidigt wird“. Denn neben dem Lachen war die beste Frage die damaligen Unwissenheit die mit „Am was?“ ausgedrückt wurde.

 

Das soll natürlich nicht bedeuten, dass ich jetzt zu einer kollektiven Ignoranz aufrufen will. Bleibt informiert! Doch nur von echten Informationen, nicht von Wortfetzen, sei es von einem Zusammengeschnittenen Video wo euch ein Typ den ihr niemals vorher gesehen habt und über den ihr nichts wisst,  genau das sagt, was in euer Weltbild passt und ihr es deshalb als „Wahrheit“ erachtet, oder auch nicht vom freundlichen „Tagesschau“- oder „Heute“-Sprecher, der liebe Onkel, dem man ja vertrauen kann, weil er euch tagtäglich die Welt erklärt, mit einer Realität passend zur Eigenheimfinanzierung.

Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es angenehm ist sich nur die Informationen herauszusuchen die einem gefallen, die einem die eigene Denke bestätigen und die dir ein gutes Gefühl geben – gerade auch, wenn sie einem eine schlechte Weltsicht vermitteln (denn man hat es ja als fast schon einziger schon lange kommen sehen). Aber es reicht einfach nicht sich nach dem Mund reden zu lassen und dem anderen darüber gar nicht mehr zuzuhören. Ja. Das ist anstrengend. Gerade in einer Welt in der so viele falsche Informationen so schnell abrufbar sind. Ja. Das ist kompliziert. Und nein. Ich weiß auch nicht alles besser: Doch ich habe wenigstens gelernt nicht zu jedem Thema sofort meine unnütze Meinung abzugeben. Lasst euch einfach Zeit für eure Haltung und werft die dann vielleicht auch mal öffentlich über den Haufen wenn ihr merkt, dass ihr vielleicht doch falsch liegt. Ich weiß. Das ist peinlich. Nur ist es besser als sich immer tiefer in irgendwelchen Unsinn zu verfangen, nur weil man einmal auf der Schiene ist.

Ich werde ja auch nicht ewig Pokemon sammeln. Das wäre genauso peinlich.