Mein Junggesellenabschied mit Dixon in München und im Barfly Augsburg

Es war nicht zu erwarten, dass ich an meinem Junggesellenabschied mit Bauchladen oder Tutu durch deutsche Innenstädte oder ICEs ziehen würde. Scheiße nein. Warum seine Würde abgeben, wenn man heiratet? Ich wendete mich einfach an den meiner Freunde mit dem meisten Vorstellungsvermögen. Und ja, ich meine Geld. Zudem ist er mein ältester Freund, der nicht damit aufhören kann, mich seinen „besten“ zu nennen. Was kann da schon schief gehen?

Freund: „Ich kenn da ne voll geile Prostituierte über meinen Dealer, die für uns strippen kann!“

Ich: „Na ja. Ist ja sonst nicht soooo meins. Aber was soll´s? Ist ja nicht ein Tag wieder andere auch.“

Freund: „Okay. Koks und Stripperin!“

Eine Woche später.

Freund: „Ja das mit der Stripperin wird wohl besser nichts. Da hat meine Frau was dagegen!“

Ich: „Ähm. Okay…“

Freund: „Aber ich pack uns zwei Tussen in die Limo, die ein wenig ihre Ocken zeigen.“

Ich: „Okay… Warum nicht?“

Freund: „Cool.“

Eine Woche später.

Freund: „Jaaa… Das mit den Tittenweibern geht auch nicht… Hat meine Frau auch was dagegen…“

Ich: „Aha.“
Freund: „Muss ja nicht sein…“

Noch eine Woche später.

Freund: „Du, der Dave ist krank. Da sind wir eh nur 4 Leute, brauchen wir keine Limo! Ich fahr zum Bahnhof! Cool easy!“

Ich: „Wie? Dave ist krank? Das ist aber schade. Scheiß auf die Limo. Aber meine Freunde hätte ich gerne dabei gehabt…“

Ein Tag später.

Freund: „Wohin willst du denn zum Essen gehen?“

Ich: „Ach. Nichts großartiges. Murphys Law. Da bekommt man was zu Essen und zu Trinken.“

Freund: „Ja locker! Da muss ich keinen Tisch reservieren.“

Ich: „Ja… Ähm… Momentchen mal. Ich würde es schon ganz gut finden, wenn da ein Tische reserviert wäre…“
Freund: „Aha…“

Da wurde es mir dann langsam zu bunt. Ich wusste, dass Dixon in einer kleinen Open-Air-Bar im Münchner Olympiapark auflegen würde. Und schlug dass dann vor. Mein Freund: „Klar. Organisier dass doch mal. Ach. Und Koks gibt’s gerade keins. Willst du nicht lieber Pep?“

Ich: „Ich wollte eigentlich dieses Mal gerade kein Pep… Das ist immer so anstrengend. Und du weißt doch, dass ich ein Problem damit hatte… Aber wenn´s sein muss.“
Freund: „Dann kommst du vorher bei mir vorbei. Wir ziehen was und dann fahr ich zum Bahnhof.“

Ich: „Ich finde es eigentlich nicht so cool wenn du druff fährst.“

Freund: „Ach… Den Bullen fahr ich einfach davon…“

Eine Stunde später.

Ich: „Du. Ich hab darüber nachgedacht. Also bevor du uns druff in der Gegend herum fährst, fährt lieber meine VERLOBTE. Denn die will auch jemand haben der nicht vor der Hochzeit verunglückt!“

Freund: „Cool. Sie soll fahren.“

Und schon zu diesem Zeitpunkt war ich Bock sauer. Ich kaufte noch ein paar Dosen Mischgetränke und dann ging es los. Ich holte meinen anderen Freund ab (der auch noch Ärger wegen einer anderen Geschichte genau an diesem Tag hatte), brachte dessen Kinder noch zu gemeinsamen Freunden. Raste dann zu meinem „besten Freund“ wo wir noch schnell Pep zogen und meine VERLOBTE uns dann zum Bahnhof brachte, wo mein dritter Freund dazustieß. Ich kaufte alle Tickets für alle und dann fuhren wir los. Im Zug nach München. Yeah. Junggesellenabschied. Die Stimmung war verhalten. Wir tranken noch Alk und zogen noch etwas. Alle gut drauf. Bis auf meinen besten Freund, der schon einen Tag länger wach war und kein Wort sprach. Gar keins. Er war nur körperlich da. Schwitzte. Während die anderen sich um Schadensbegrenzung bemühten. Und ich dachte mir: Scheiß drauf. Das lass ich mir nicht kaputt machen.

Ich manövrierte unsere beschwipsten Ärsche vom HBF zum Olympiapark. Suchte die Location. Und dann ging es los. Wir wippten uns in den Sound ein. Und mein bester Freund stand an der Seite so als wäre er nicht da. Er starrte uns nur hohl an. Und A, der Typ, den wir am Bahnhof getroffen haben, sagte lachend zu mir: „Normal habe ich kein Mitleid mit dir. Aber heute tust du mir echt leid.“ Und so lächerlich es klingt: Diese Feststellung tat in diesem Augenblick unglaublich weh. Eine Nanosekunde lang hatte ich echte Tränen in den Augen. Ich hatte alles organisiert. Meine verdammte Verlobte hatte uns sogar zum Bahnhof gefahren. Zudem regnete es jetzt wie aus Kübeln in der spärlich überdachten Open-Air-Location am Olympiasee. Im Saluti da Capri.

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Der Alkohol und Dixon halfen. Und Zigaretten. Sehr viele Zigaretten. Wir drei anderen tauten langsam richtig auf. Mein bester Freund nicht wirklich. Auch wenn er versuchte guten Willen zu zeigen und ein paar Runden springen ließ. Wir anderen tanzten da so herum und machten das Beste draus. Und dann war es auch gut. Scheiß die Wand an. Wir waren hier. Es war mein verfickter Junggesellenabschied. Den hat man auch nur einmal im Leben. Der Dixon war für seine Verhältnisse auch ziemlich gut. Die letzte halbe Stunde tanzte ich sogar wirklich richtig; nicht dieses Pseudotanzen, wie man es manchmal abspult, sondern ganz versunken in die Musik. Deswegen mache ich das ja seit bald 20 Jahren.

Während die Dixon-Crew und sein Publikum weiter ins „Blitz“ zogen (wo die gleichen Djs weiter auflegen würden), hatten wir vor wieder nach Augsburg zurück zu fahren. Ins Barfly. Der Pächter ist ein alter Bekannter von uns. Und ich so zu meinem besten Freund: „Du hast schon die Gästelisten-Plätze für uns klar gemacht?“ Er so: „Ja für dich und mich.“ „Und die anderen Beiden?“ „Ja ne….“ Ich also Handy raus und dem alten Bekannten geschrieben. Der super nett und freundlich: „Kein Problem. Ich entschuldige mich jetzt schon für die Musik.“ Da musste ich schmunzeln.

Wir also wieder zum HBF, ich als Reiseleiter. Kennt sich ansonsten sonst keiner aus mit den Öffis. Am HBF dann knapp der Zug nach Augsburg verpasst. Der best friend: „Nehmen wir ein Taxi. Ich zahl.“ Eigentlich ne gute Idee. Bis wir eine Stunde oder anderthalb verloren, weil wir im Stau standen. Die Stauumfahrung des Navis funktionierte nicht. Und irgendwann war ich mit den Nerven fix und fertig. Es hatte GAR NICHTS funktoniert. Nichts. Ich war wirkich fertig als wir gegen eins oder halb 2 im Barfly ankamen, dass nur noch bis 4 auf haben würde: Ich bestellte krasse Jägermeister-Runden. Und der eine – von wem kann wohl die Rede sein? – der bis zur Taxi-Fahrt von München nach Augsburg nach München kaum das Maul aufbekommen hatte, faselte Unsinn oder redete lieber mit Türstehern – oder war gar nicht aufzufinden. Es war mir inzwischen egal. Mir war alles egal. Ich ließ es mir einfach nicht nehmen. Da war auch die volle Ladung „Backstreet Boys“ und „Britney Spears“ egal. Wir drei brachten das anständig zu Ende. Und im Taxi zurück ins Kuhkaff ging das wirre Gerede meines besten Freundes weiter. Ich war natürlich auch nicht mehr nüchtern und ließ es gut sein.

Ein paar Schlaflose Stunden später schrieb ich meinem „besten Freund“ eine Nachricht, wie enttäuscht ich von allem war. Dass ich alles selbst planen musste. Und der ruft mich an: Und gibt mir die Schuld. Schließlich hätte ICH den langweiligen DJ ausgesucht! Er hätte ja gar nicht nach München gewollt! Außerdem hätte ich so krasse Nasen Pep aufgelegt! Er wäre einfach nicht klar gekommen darauf. Ich sei der Krasse! Außerdem habe er den Masterplan in der Hinterhand gehabt! Ich hab ihn nur durchkreuzt. ER hätte eine Agentur in der Hinterhand gehabt!

Ich so: Als du nicht einmal einen Tisch im Murphys Law reservieren konntest, habe ich mir einfach Sorgen gemacht. Das war immerhin drei Tage vor dem Junggesellenabschied. Den Dixon hatte ich damals in Paris nicht gehört. Zugegeben. Warum auch nicht? Ist doch mein Tag. Da kann ich doch den DJ hören, den ich hören will! Und welche Agentur stellt innerhalb von drei Tagen einen Junggesellenabschied auf die Beine, wo man Nachts sicherlich noch ins Barfly gehen würde, was er fest eingeplant hatte? Und ich habe ihm keine einzig Line gelegt. Die zuhause hatte er sich selbst gemacht, auch die im Zug. Zwar hatte ich das Pep ausgebreitet ja, aber ich hatte auch die Verpackung viel zu weit aufgerissen und war deswegen damit beschäftigt, das überall herum pudernde Pep in einer Tempoverpackung zu retten, als er sich seine Line machte und zog. Ich machte mir meine erst danach… Es war einfach alles gelogen.

Und er. Ein unfähiger Trottel.

Das ist dabei nicht einmal überraschend, wenn man seinen ständigen Lebenswandel kennt. Wenn man aber die ganze Zeit als „bester Freund“ tituliert wird. Hätte man sich ein wenig mehr erwartet. Einfach. Irgendwas. 

Ikarus-Festival 2018 in Memmingen – Erlebnis- und Erfahrungsbericht/Kritik

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Bevor das Ikarus-Festivel überhaupt zum ersten Mal abgehalten wurde, schrieb ich einen Verriss darüber. Der Grund für diese Bodenlose Unfairness war mein Besuch auf dem Schwester-Festival „Echelon“, welches bei meinem damaligen Besuch so unglaublich scheiße organisiert war, dass mir jede Unfairness erlaubt war. Da das Ikarus quasi vor meiner Haustüre liegt, bin ich nun entgegen meiner Überzeugung doch mal hingefahren – und bin sehr positiv überrascht. Im Vorfeld hatte ich viel Schlechtes über das Techno-Festival gelesen. Kritische Facebook-Kommentare werden vom Veranstalter gerne mal gelöscht. Und der Kunde sollte dort nicht gerade „König“ sein. Zeit sich selbst ein Bild zu machen.

Gleich vorweg: Das Festival war gut organisiert. Es gab viel mehr Toiletten als in dem Horror-Jahr als ich auf dem „Echelon“ war. Genug zu Essen und zu Trinken. Die Leute an der Bar waren wirklich schnell und freundlich. Auch die Orgas waren okay. Wobei man selbstverständlich immer und überall auf einen Arsch treffen kann. Insgesamt aber war mein Eindruck sehr positiv. Klar. Die Preise waren teilweise schon gesalzen, aber auch nicht exorbitant hoch. 5 Euro fürs Parken z.B. ist doch okay.

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Nervig für die Leute in den Zeltlagern war sicherlich der Umstand, dass der Parkplatz ein gutes Stück vom Campingplatz entfernt liegt. Es ist aber nicht dramatisch. Z.B. ist es nicht im Entferntesten so mühselig sein Zeug vom Auto zum Zelt zu tragen, als Beispielsweise auf dem Southside. Wir haben nicht gecampt, deswegen kann ich dazu nicht mehr sagen.

Wir Tagestickler hatten das Problem, dass wir, nachdem wir das Festival-Gelände einmal betreten hatten, nicht mehr zum Auto zurück konnten. Ist schon ne Frechheit. Bei 56 Euro für einen Tag sollte das schon drin sein. So mussten wir alle Jacken gleich mitschleppen. Denn es war Gewitter angesagt worden – dazu aber später mehr.

Polizei habe ich ehrlich gesagt kaum gesehen. Es war nicht so wie bei der Nature One oder auf dem Sonne-Mond-Sterne-Festival, bei denen es teilweise schon recht ruppige und ausufernde Kontrollen gab. Hier habe ich gar niemand kontrollieren sehen. Ich verlinke hier mal den Polizei-Bericht von 2017 dazu. Im Vorjahr gab es schließlich 290 Straftaten mit 280 Drogendelikten. Irgendwer muss da also kontrolliert haben. Wir wurden nur zwei Mal vom Veranstalter kontrolliert. Was sicherlich auch der Grund war, weshalb man auf dem Campingplatz mehr bekam als auf dem Festival selbst.

Die Polizeizahlen von wegen 30000 Besucher haben mich über die Größe des Festivals getäuscht, da werden nämlich scheinbar an jedem Tag je 15000 Leute zusammen addiert. Ganz egal ob es die GLEICHEN Leute sind wie am Vortag. Ich bin mir sicher: 30000 Leute waren nicht annähernd  anwesend. Wir hatten viel Platz zum Tanzen und das Festival war an diesem Freitag zu keinem Zeitpunkt überfüllt.

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Die Mainstage hatten sie ganz nett aus Holz gezimmert und die Anlage machte einen guten Sound, an dem es nichts zu beanstanden gab. Wir waren ziemlich früh dran und tanzten da bereits schon um 16 Uhr herum. Und es machte Spaß. Was gibt es denn Schöneres als mit Freunden schönes zu erleben? Nur Sex ist besser. George Townston legte auch passabel auf.

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Im großen Zelt war es mega heiß und deswegen blieben wir dem erst einmal fern. Bis die Durchsage kam: Unwetterwarnung. Geht alle ins Zelt oder in EURE Zelte. Oder in die Bunker. Zum Einen hat mich die Durchsage an sich gefreut. Bei viel zu vielen Open-Air-Veranstaltungen stand ich schon im im unvermittelten  Regenrauscher, weil ich viel zu Betrunken war um in den Himmel zu schauen. Zum Anderen habe hat die spätere „Räumung“ des Geländes den Veranstalter auch an seine Grenzen gebracht. Während an der Mainstage der Sound ausgemacht wurde, gingen wir ins große Zelt – wo es dann wieder hieß, wir sollten doch in die Hangars/Bunker gehen. Weil so ein Zirkuszelt halt doch nicht so sicher ist. Auch wenn die Hangars bis dahin teilweise noch nicht einmal Musik hatten. Wir also in die Hangars (oh Verzeihung, in die Shelter), wo die Laune jetzt nicht so geil war. Auch. Wenn das Publikum im Hade-Shelter mit selbst gemachter Trommelei versuchte Tanzstimmug zu verbreiten. Währenddessen stürzten die Wassermassen aus den Wolken. Zum Glück ohne umgestürzte Bäume oder weggerissene Zelte. Sicherheit geht halt vor und fürs Wetter kann keiner was. Ich war ja schon einmal auf dem Berlin Festival, das in dem Jahr der Loveparade-Katastrophe aus Sicherheitsgründen abgebrochen werden musste – auch wenn 2010 der Organisator schuld war, nicht das Wetter.

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Quizfrage: Wenn wir mit unseren Tagestickets noch nicht auf dem Festival-Gelände gewesen wären, was wäre passiert? Aufs Gelände ließen sie keinen mehr. Alle die Anstanden wurden in ihre Zelte geschickt. Aber hallo: Wir hatten keine Zelte!! Und ins Auto zurück konnten wir ja auch nicht. Dann wäre unsere Karte verfallen. Also im Regen stehen bleiben?

So kleine Kratzer in der Organisation sind bei jeder Party meistens gut fürs Gemüt. Das Jetzt-Erst-Recht-Gefühl setzt ein. Und so war es dann auch. Wir tanzten und feierten: Jetzt erst Recht!

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Den Soundtrack dazu lieferte  im Zelt Magit Cacoon. Während draußen Dominik Eulberg die Mainstage rockte. Was? Dieser Kerl der den „Buchdrucker“ und „die Rotbauchunken vom Tegernsee“ releast hat? Guter Mann. Nur. Ein wenig langweilig… Nicht heute. Der Dominik war super. Also echt jetzt. Es ging ordentlich nach vorne und einem Moment vergaß man sogar das Selfie-Schießen mit den hübschen Freundinnen. Und als der Dominik „la rock“ von Vitalic und gleich im Anschluss einen Remix von „When I rock“ von Electrochemie LK raus haute, war es um uns alte Säcke natürlich geschehen.

Halt mal kurz meinen Becher.“ „Klar…. Warum?“ „UUUUaaaaaaaahhhh (Rumspring)“ „Alles klar.“ (Trinkt aus dem Becher und nickt mit)

Zum Dominik und zu Aka Aka i  Anschluss haben wir wirklich sehr, sehr viel getanzt. Wie überhaupt den ganzen Tag über. Damit waren wir nicht alleine. Die aufgedonnerten Instagram-Kinder waren auch gut mit dabei. Selbst wenn es natürlich nicht so wild und entfesselt herging als wir jung… Hauptsache ihr habt Spaß.

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Nach Aka Aka ging es raus. Denn zum Essen gab es im Gelände nichts. Was ein wenig blöd war als das Gelände „geräumt“ war. Denn es gab nichts zu Futtern für uns. Wir chillten dann da ein wenig herum um wieder rein zu gehen zu „Tale of us“. Vielleicht wären wir auch länger am Chillen gewesen. Es regnete nur immer wieder. Und unsere halbnackten Freundinnen brauchten unsere Regenjacken… Mann ist halt doch zu nett. „Tale of us“ waren so na ja. Hat mich jetzt nicht umgehen. Die Kälte treibt einen an. Dann ging es noch aufs Riesenrad (die hatten echt ein verdammtes Riesenrad und Kettenkarussell – zwei Dinge die mir als erstes einfallen wenn ich an Techno denke) und als es dann wieder stärker zu regnen begann und wir uns ins Zelt quetschten, wurde eine kurze Umfrage gemacht: Bleiben oder gehen? Wir waren vor 10 Stunden aus dem Haus, im Zelt war kein Platz mehr zum Tanzen – aber, wir hatten Solomun und Nina Kraviz noch nicht gehört. Wir sind dann trotzdem heim gefahren. Verurteilt uns nicht. Aber uns war nass und kalt und gehen schließlich auf die 40 zu. Lass mer mal gut sein.

Fazit: Gutes Festival mit guten Freunden. Das ist das Wichtigste. Viel gelacht. Und sehr viel Geld ausgeben. Für meine Freunde nur das Beste.

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Persönlich habe ich eine besondere Beziehung zu dem alten Luftwaffenstützpunkt in Memmingen, auf dessen Gelände, zum Teil sogar in alten Flugzeug-Hangars, das Ikarus-Festival abgehalten wurde. Denn. Ich habe zu meiner Bundeswehrzeit dort gedient. 15 Jahre später auf das Gelände zurück zu kommen um, ganz im Gegenteil zur ursprünglichen Planung des Areals, dort friedlich mit Gleichgesinnten zu tanzen, ist doch mit die schönste Form vom Umnutzung militärischen Materials.

 

Wenn euch mein Beitrag zum Ikarus-Festival gefallen hat, empfehle ich euch meinen Roman „Verlorene Jungs“. In dem erzähle ich am Beispiel eines verrückt/normalen Wochenendes von meinem durchgeknallten Techno- und Drogenleben. Klickt entweder hier bei Amazon oder hier Bookrix rein, von wo aus ihr auf weitere eBook-Shops Zugriff bekommt.

Viel Spaß damit!

Bad Mum

In der Nacht ist sie mit ihren „alten“ Freundinnen unterwegs. Sie kennen sich seit bald 30 Jahren. Fast ihr ganzes Leben lang. Eigentlich waren sie Alle nie „Wooo!-Girls“ gewesen, doch das Herauskommen aus der Kindergärtlichen, Grundschulischen Tristesse machte sie dazu. Endlich konnten sie all das Fahren lassen, was sie sonst immer zu Räson brachte: „Wooo! Keine Kinder!“ Die Sekt-Gläser klirren aneinander: „Heute ist Kinderfrei! Woooo!“

Ständige, fürsorgliche  Liebe und ein gutes Vorbild-Sein ist anstrengend. Da braucht es hin und wieder… Sie weiß schon vorher, dass sie um spätestens 11 Uhr müden sein würde, da geht es den anderen ihrer Weiber aber auch nicht anders.

 

Früher – in einer Zeit bevor die Zahlen erfunden wurden und es demnach unmöglich ist, zurück zu rechnen, wie JUNG sie damals waren und wie viel Zeit vergangen ist – hatten sie doch auch die Nächte und Tage durchgemacht. Jedes Wochenende woanders. Frankfurt. München. Nürnberg. Würzburg. Manchmal auch Berlin. Kein Problem. Und waren sie heute denn nicht dass, was man heute eine MILF nannte? War das denn nicht ein Kompliment? Über 30 zu sein und immer noch potentiell erregend? Eine Hot-Mum? 30 ist heute doch kein Alter mehr. Auch, wenn sie das vor 10 Jahren selbst noch ganz anders sahen… Nein. Es liegt nicht an der Selbstwahrnehmung, und dass sie „nicht erwachsen werden“ wollten – dieses Prädikat haben die Kindsköpfigen Männer für sich gepachtet – DIE ZEITEN haben sich einfach verändert. So ist das doch. Und nicht anders. Wer hätte sich früher auch noch einen schwulen Außenminister und eine KanzlerIN vorstellen können? Und in dieser neuen Zeit, sind sie nicht mehr alt. Niemand ist mehr zu alt, wenn er sich nicht so fühlt. Oder man ist vielleicht über 40. Das sieht dann natürlich wieder ganz anders aus… Und die jungen Leute. Nun. Die sind halt einfach jünger, so wie sie schon seit 10 Jahren jünger waren.  Wen interessiert es? Und selber war man doch eigentlich blöd, dass man die alten Leute auf den Party immer schief ansah. Unreif war das. Und dumm.

 

Auf Sekt folgt Sekt. Folgt Bier. Folgt Wein-Schorle. Folgt ein Joint. Das war noch nie ein Problem. Heute natürlich auch nicht. Ist doch wie früher.

 

Nein, sie will nicht zu viel auf einmal. Und man muss das doch  verstehen: Auf was man die letzten Jahre, fast schon ein Jahrzehnt lang, verzichten musste! Immer Kind hier. Kind da. Und vorher die Schwangerschaft. Umzug. Vernunft. Erziehung. Jobwechsel. Teilzeit. Halbe Stelle – und die Kinder. Heute ist nun endlich heute. Und heute ist Kinderfrei; bei aller Liebe: „Woo!“

 

Sie tanzen sie, lachen, sie stoßen an. Bis ihr schlecht wird – das ist ja noch nie passiert. Wo kommt der denn jetzt her, der Helikopter im Kopf? Und alles dreht sich, dreht sich, dreht sich. „Ich weiß gar nicht woher das kommt“, murmelt sie noch zu ihren besten Freundinnen hin – und dann kotzt sie sich die Seele aus dem Leib. Lange. Laut. Und permanent. Nach einiger Zeit hat auch keine der besten Freundinnen mehr Lust ihre Haare zu halten oder sie aufzumuntern. Sie ist halt doch keine 20 mehr. Vielleicht fehlt es doch ein wenig an Training…

 

Währenddessen stehen die Freundinnen rauchend an der Seite und zucken mit den Schultern, tauschen Blicke und Wörter darüber, dass es doch wirklich ein jemand nervig ist, dass ihr das JEDES Mal passieren muss… Wenigstens einmal könnte sie sich doch vielleicht nicht übernehmen.

 

Inzwischen bricht und bricht sie weiter. All die Zeit hinfort die ihr durch die Kinder „verloren“ ging. All die Zeit, in der sie mehr Mutter als Frau war. Und sie bereut es inständig dass sie es heute wieder einmal ersucht hatte, keine Mutter von zwei „Kids“ zu sein, sondern eine Frau. Ihr war so unglaublich schlecht. Bitte lieber Gott…. Sie würde auch für immer eine gute Mutter bleiben… Wenn das nur endlich aufhört…

 

Tel Aviv, Strand- und Party-Stadt, ein Erlebnisbericht

Schon vor Jahren wurde ich durch Guy Gerber im positiven Sinn auf Israel aufmerksam. Obwohl. Dass der gute Mann ein Israeli ist, wurde mir erst einige Jahre später klar, als ich seine Produktionen längst lieben gelernt hatte. So ist das mit elektronischer Musik: Von Desinteressierten mag sie als kalt und Gesichtslos interpretiert werden. Kann man so sehen. Man kann es aber auch so begreifen, dass bei dieser Form von Musik jegliche Stände und Kategorisierungen aufgehoben werden. Zwar klingt elektronische Musik in Vietnam anders als in Lateinamerika oder in Italien, doch die Konturen und Umrisse in den Spielarten verschwimmen und gehen ineinander auf, egal ob der Beat nun schnell ist, für sich hin tröpfelt oder die Synths lauter oder leiser sind. Es braucht keine Texte, keine poltische Message und erst recht keine Hautfarbe um elektronische Tanzmusik zu verstehen. Du musst nicht glauben zu wissen was cool/hip, angesagt  oder Gangsta ist. Du lässt es einfach laufen. „Gesichtslose“ Musik hat mehr Vorteile  als der Sound vieler Idole, die entweder irgendwann sterben müssen oder lebendig verfallen und währenddessen zu einer Karikatur ihrer selbst werden.

 

Auch Guy Gerber produziert diesen „gesichtslosen“ Sound, nur als KALT kann man ihn beim besten Willen nicht kategorisieren.

Ich folge ihm seit ein paar Jahren auf Facebook (was ich bei nicht gerade vielen DJs mache) und mich beeindruckten die Fotos die er aus seiner Heimat Tel Aviv postete. Und wie wenig diese Bilder mit meinen Assoziationen von Israel zusammen passten.

Tel Aviv ist der Sommer/Sonne/Strand- und Party-Bereich des Landes und tritt sehr westlich orientiert auf. Fast schon zu westlich. Ich hatte mir die halbe Millionen Einwohnerstadt – sorry – arabischer, basarischer vorgestellt, auch wenn es in Richtung Jaffa, der Altstadt von Tel Aviv, solche Ecken gibt, die jedoch touristischer Natur sind.

Wäre man blind für die Gesichter der Menschen dort, die selbstverständlich jüdisch anmuten, könnte man sich in einer westlichen Großstadt wähnen. Ein wenig berlinerig sieht Tel Aviv aus, oder wie Hamburg oder Köln, in ihren gechillten Ecken.

Die Skyline der Stadt ist weltbekannt, in der Menge mit den  spacigen Wolkenkratzer ziemlich futuristisch und kann, wenigstens als Postkartenmotiv mit seinen Hotels die direkt an das Meer gebaut sind, mit Rio konkurrieren. Der Strand ist wunderschön, sauber,  und das Wasser außerordentlich klar. Und auch das Klima im Oktober ist super angenehm. Und ich bin keiner, der auf Hitze steht. Dort aber ist diese Mittelmeerische Hitze, die sich nicht aufdrängt, eher einschmeichelt. Mit 30 Grad.

Am Positivsten am Strand empfand ich überraschenderweise die Menschen. Die Israelis sind tolle Strand-Menschen, da sie nicht wie Proleten auftreten; kein Gegröle, keine fetten Anlagen, kein übermäßiger Alkohol-Konsum. Die nervigsten, lautesten Menschen dort waren die Ausländer. Selbst die Kinder der Israelis sind besser und ruhiger erzogen, als die Meisten die ich kenne. Und so was feiert jeder Urlauber (und ich im Speziellen) mit einem gechillten Lächeln auf der Strandliege leise sehr ab.

Von Freitagabend (Sonnenuntergang) bis Samstagabend (Sonnenuntergang) ist Shabbat, also Feiertag und in dieser Zeit sind die Strände gefüllt,  während nach dem Abtauchen der Sonne Party gemacht wird.

 

Wir haben sehr viele junge Leute in Tel Aviv gesehen. Und am Strand auch außerordentlich hübsche Frauen (die hübscheste Frau hatte ich ja eh mitgebracht 😉 ). Kein Wunder also dass die Stadt ein sehr aktives Nachtleben besitzt. Ob Tel Aviv aber „eine der besten Partystädte der Welt ist“ wie man dort vollmundig behauptet, wage ich zu bezweifeln. Man muss aber auch dazu sagen, dass mir Sommer, Sonne, Strand und Kultur wichtiger waren, als die Nächte durchzumachen, schließlich habe ich ein sehr, sehr hartes Arbeitsjahr hinter mir, da war mir Erholung wichtiger als die Nächte durchzutanzen. Zwar hatte ich mir den angesagten Techno-Club „The block“ im Internet ausgespäht, und „Roman Flügel“ aus Deutschland wäre dort auch als Identifikationsfigur am Start gewesen, wir einigten uns dann doch auf die Touristischere Variante, wir buchten den „pub crawl“.

Beim „pub crawl“ wird man von einem Guide durch 4 oder 5 Locations in Tel Aviv gelotst, bekommt dort je einen Shot umsonst, freien Eintritt und muss nicht in der Warteschlange stehen.

Ja, ja. Das haben wir uns jetzt auch gedacht: Das kann voll furchtbar werden. Wurde es nur nicht.

Erstens hätten wir die Bars/Clubs alleine niemals gefunden. Die Eingänge sehen aus wie Hinterhof-Zugänge, oft ohne einem Namensschild darüber. Tel Aviv ist da sehr erfinderisch und verwinkelt. Dagegen haben Berliner Clubs Eingangsschilder wie das „Titty Twister“ in „from dusk till dawn“.

Zweitens handelte es sich bei den Läden wirklich um angesagte Locations, was man nicht nur daran spürte dass die Orte immer so gut gefüllt waren, dass man sich zur Bar durchkämpfen musste, nein, als wir rauskamen standen im Schnitt 30 bis 40 Leute an, die nicht mehr hinein durften.

Drittens bekamen wir für die 20 Dollar Tour-Gebühr ein Bier und die  4- 5  Shots frei. Das ist wichtig. Denn Alkohol ist Sau teuer in Israel. In den Clubs zahlten wir zwischen 6 und 8 Euro für ein 0,33 Liter Bier (und ja, das Bier dort kann man wenigstens trinken), da kommt dann noch 10 Prozent Trinkgeld dazu. Ein Vollrausch ist also eher nicht drin, außer man gönnt sich was und deswegen fand ich es im Nachhinein gut lieber einmal und damit richtig wegzugehen.

Viertens wird man von der Touri-Leitung gleich mit der Gruppe bekannt gemacht und hat weniger Berührungsängste. Zwar verabschiedete sich der sympathische Erfinder der Tour recht schnell wieder, und die angehende Schauspielerin die die Tour dann übernahm, war dann doch um ein vielfaches weniger motiviert als ihr Chef, aber wir lernten sehr unterhaltsame und motivierte Leute kennen, die aus den unterschiedlichsten Ländern kamen (Brasilien, 2 mal USA, 2 mal Italien, einmal Finnland und Deutschland – und wir) um ein wenig Spaß zu haben.

Da war es dann auch ganz gut dass sich unsere Tour-Leiterin nicht allzu sehr für uns interessierte 😉 Wir mussten uns also gegenseitig die Zeit versüßen und das klappte dann für mein Gefühl sehr gut, auch wenn die Oberflächlichkeit der Beziehungen zueinander selbstverständlich im Vordergrund stand. Scheißdrauf. Ich hätte nie gedacht das ich mit Italienern so viel Spaß haben könnte 😀

 

Hier trafen dann natürlich zwei Weltbilder aufeinander: Hostel versus Hotel. Wir wollten eher Ruhe und Entspannung und keine nervige Hostel-Situation, was die Hostel-Leute in unserer Gruppe gar nicht verstanden; so lernt man doch keine Leute kennen! Ja eben doch. Nur auf eine andere Art. Und in unserem Hotel wurden wir im Gegenzug schief angesehen, als wir die Sauf-Tour buchten, so ist das halt mit den Weltbildern.

Es war. Auf jeden Fall. Ein gelungener Abend.

 

Wir waren in 4 Bars/Clubs.

Wir trafen uns im „Sputnik“, das ein wenig berlinerig sein wollte. Verschlunge Räumchen mit schön draußen, locker gechillt. Angenehme elektronische Musik. Kennt man aus Köln oder Hamburg, in deren guten Momenten. Nur nicht abgefuckt genug um sich mit Berlin vergleichen zu lassen, was der Tour-Veranstalter gar nicht so recht glauben mochte: Wie, hier ist es nicht schäbig genug?

Weiter ging es in eine Hip-Hop-Bar (das „Jimmy, who?“) mit Club-Atmosphäre. Hier wirkte der Alkohol schon und die Verbrüderung war im Gange. Ein wenig Galgenhumor dabei, die Italiner: „Ah, the german guys! You´ve never expected to pay 8 euro for one beer, he?“ Die Schauspielerin sah lieber ins Handy und so blödelten wir alle zusammen mit dem Willen zum Wahnsinn auf der Tanze herum. Wir hörten und tanzten in der gleichen Nacht dreimal zu J Lo. Ich glaube das sagt viel über den Musikgeschmack in Tel Aviv aus.

Auch die nächste Bar, das „Radio“ war HipHop. Riesiger Tresen. Shots im „private room“ in den wir durften (in dem NICHTS war, sehr private). Dann zur letzten Adresse.

Das „Lima“. Das kam sehr Pop-prollig herüber (Hallo J Lo) und mir reichte es dann langsam mit der Tour, obwohl mit dem „Breakfast“ noch ein Techno-Club auf uns gewartet hätte. 2 Uhr nachts  sollte genügen (alter Mann der ich bin…). Wir wollten am Tag danach nicht zu sehr kaputt sein. Dieser für mich namenlose Kommerz-Laden entpuppte sich dann noch als Schwulen- und Lesben-Treffpunkt in dem meine Freundin die Props bekam, die eine schöne Frau dort bekommen sollte. Das gab  der Location auch noch eine gewisse Wendung.

Klar bin ich jetzt kein Party-Insider was Tel Aviv angeht wenn man gerade mal 5 Stunden dort im Nachtleben verbringt, 4 Türen hin oder her, für einen Einblick hat es aber gereicht und deswegen würde ich die Tour weiter empfehlen.

Das ich dort keine elektronische Musik miterlebt habe ist im Hinblick auf meine Israel Sozialisierung durch Guy Gerber ein wenig schade, ich habe nur schon mehr als die meisten Menschen zu den verschiedensten Stile dieser Musik gefeiert, über fast 2 Jahrzehnte hinweg, in ganz Deutschland und auch woanders, und glaube da jetzt nicht mehr viel zu verpassen. Berlin finde ich ja auch schon sehr langweilig was das angeht…

Die Israelis sind mir jetzt auch nicht gerade als spektakuläre Tänzer aufgefallen (bei den Schwulen ging es wie zu erwarten am Meisten ab, was sowohl das Abgehen als auch das Auftreten anging), motiviert waren sie aber. Wer weiß, vielleicht sind sie dort Partymäßig so weit, wie sie sich jetzt fühlen. Es ist eine sehr junge Stadt und man muss verstehen, dass dort wo wir gefeiert haben vor einigen Jahrzehnten nicht nur Sprichwörtlich Wüste war. Gebt denen noch ein wenig Zeit.

 

Es war also eine gute Mischung aus Kultur-Urlaub, Strand und Party. Tel Aviv hat alles zu bieten, was man sich wünscht. Okay. Außer vielleicht eine U-Bahn, das wäre dann schon noch ein wenig geiler, mit. Wären nicht die enormen Probleme die dieses Land hat, wäre der Party- und Urlaubstourismus sicherlich viel, viel höher. Uns hat das ja auch ein wenig abgeschreckt. So bleibt Israel ein Land das von allem etwas zu bieten hat und aus dem man im Kopf und im Herzen sehr viel mitnimmt, ob man das nun muss, soll hat jeder selbst entscheiden.

 

Man darf halt nicht in Angst leben und sich immer und ständig die Geschichte vom Terror und Tod erzählen lassen, harte Kontrollen am Flughafen oder am Einkaufszentrum hin oder her. Das ist die Crux und die Antwort auf meine Ausgangsfrage (siehe letzter Text), was uns Israel zum Thema Alltäglichen Terror zu sagen hat. Ob die Deutschen so sein könnte, ich weiß nicht.

Ein Ding ist dort das große Zusammengehörigkeitsgefühl und das haben wir in Deutschland nicht. Vielleicht noch nicht. Die Kulturen sind in Israel auch nicht so durchmischt wie bei uns. Es liegt nun einmal auf der Hand, dass man dort vermehrt auf gewissen Menschen (Juden) trifft und das schafft eine andere Aura, als in unserem Land, dass sich lange nicht einmal moralisch darauf einigen konnte, ob wir hier ein Einwanderungsland sind oder nicht. Ob wir weltoffen sein wollen oder nicht. Dagegen haben wir hier zum Glück keinen gemeinsamen Feind, der uns vernichten will… Die Situation lässt sich nicht eins zu eins umlegen. Lehren muss und sollte man allerdings ziehen. Denn ganz gleich wie man zu Israel steht: Einen Lernwert hat diese Gesellschaft dort. Sogar einen ziemlich großen.

 

 

 

Frühschoppen mit DJ Hell

Seltsam, diese Nervosität zuvor… Ich hatte lange keine Drogen genommen und  das letzte Mal war so „na ja“, dieses Mal machte sich also eine gewisse Aufregung breit. KANN ich das denn noch? Komme ich darauf KLAR? Mache ich mich zum VOLLHONK? Komische Überlegungen die man sich da  macht. Typisch: Viel zu kontrolliert. Es soll doch um ENTSPANNUNG gehen! Ja oh Herr, das ist der SINN der Sache.  Am Ende lagen ich/wir sehr, sehr endzerstört und damit super entspannt in der Ecke des MMA (Mixed Munich Arts) in München, ließen die Nacht geschehen – was hätten wir auch sonst machen sollen?

 

Mit alten, nicht einmal so besonders guten Bekannten von FRÜHER war ich unterwegs gewesen und am Ende war man dann doch – dazu hätte es gar keine Drogen gebraucht – als gute Freunde auseinander gegangen. Schön. Manchmal, wenn man glaubt das die Drogen besonders wichtig sind, braucht es sie gar nicht. Ich bin eigentlich und überhaupt schon länger kein großer Freund mehr von Ecstasy, denn zu groß ist dann am Ende immer die Ekstase und zu begierig das Hirn nach dem absoluten Abfeiern der Synapsen: Zuviel ist nicht genug. MehrMehrMehr.

Wir sahen dass es gut war, auch wenn wir schon gar nichts mehr erkennen konnten. Süß wie mir mein Freund die Kippe anzündete und sie mir dann fast schon in den Mund schob. Ich. Sah das Ende der Zigarette ohnehin nicht mehr. Selber Anzünden: Unmöglich.

Ja. Nein. Bei uns war alles gut. Wir lachten viel, freuten uns aneinander und waren glücklich. Und manche Dinge muss man zweimal sagen: Dazu hätte es diesen Absturz gar nicht gebraucht. Denn wenn man Menschen nicht mag und keinen Respekt voreinander hat, da helfen auch die besten Drogen nichts. Aber wenn man sich mag, freut man sich desto mehr aneinander. .

 

Die Musik war scheiße. Und wer das sagt und eigentlich gerne zu Techno weggeht UND auch noch XTC gefuttert hat, der fand die Musik wirklich scheiße. Wenn nicht einmal mehr die Drogen helfen. Viel zu früh sind wir leicht beschwipst aus der Registratur raus und die zwei Haltestellen ins MMA gefahren, wo wir mit unseren Online-Tickets beim Personal auf Verwunderung stießen; wie jetzt, die haben für heute Online-Tickets verkauft? Ist uns neu… Wir haben nicht einmal das Lesegerät da…

Aha.

 

Unten waren wir dann verwundert. Hä? Die große Halle hat zu und wir müssen im kleinen Club feiern? Das ist doch Betrug am Kunden! Wo stand denn das? Wieso wurde das nicht vorher ausgeschildert, ausgeschrieben oder zumindest ausgesprochen? Da wollte ich meinen neuen Freunden diese große Feierhalle zeigen, was blieb war diese kleine Bar – Frechheit. Nicht weil der „Club“ im MMA hässlich gewesen wäre, nein, sondern weil dort drüben, als 2 oder drei Stunden später die Bude voll war, überhaupt kein Platz zum Tanzen war – hätten wir es denn noch gekonnt. Warum hat man das nicht in den Halle gemacht, den Club dagegen zugelassen? Klar wäre die große, hohe Halle bei den  Besuchern nicht voll geworden, na und? Ich habe doch lieber Platz zum Tanzen als eine proppevolle Bude voller notgedrungener, ja, dazu erniedrigte Herumsteher, die WOLLEN, aber nicht können. Ich scheiße auf eure Verkaufsprinzip der vollen Location! Ich will lieber halb leere Läden, wo ich das machen kann wozu Techno einmal (Hoppla) ERDACHT wurde: DANCEdanceDANCE.

Wobei. Ja. Die Drogen so wunderbar stark waren, dass das ab einem gewissen Moment kaum mehr möglich schien. Schon gar nicht bei dem Sound. Viel zu durcheinander wurde da aufgelegt, kein Groove kam auf, keine Lust und schon gar nicht die Möglichkeit zwei Platten hintereinander  durch zu tanzen. Was folgte war der klassischen Triathlon der Nacht: Draußen Rauchen, unten Tanzen, hinten Sitzen. Immer wieder und wieder: Rauchen/Tanzen/Sitzen – repeat. Und: Kein Helmut, kein DJ Hell in Sicht.

Bald entspannen sich schon Erlöser-Phantasien in unseren Köpfen: „Wenn der Hell kommt wird alles besser! Der wird es schon richten! Der weiß ja wie es geht und was wir wollen!“ Er kam nur nicht. Nicht niemals. Nur sehr spät. Der Hell legt wohl nur noch auf, wenn es hell ist – sehr witzig ich weiß, haha.

Um 4 Uhr oder 4 Uhr 15 latschte der alte Mann an uns vorbei, zuckte kurz zusammen als ich ihn anblaffte: „Jetzt wird´s aber langsam mal Zeit!“ Und zog von dannen. So ab halb 5 ging es dann mit seinem Set los: Also bitte. Eine Veranstaltung „Eine Nacht mit DJ Hell“ zu nennen ist schon eine besondere Frechheit, wenn man die Decks erst dann entert, wo anderen Tags schon das „Morgenmagazin“ ausgestrahlt wird. Und. Welcher nüchterne Mensch will und kann bis halb 5 in der Früh warten, bis der DJ überhaupt mal ANFÄNGT! Was gar nicht so schlimm gewesen wäre, hätten die Jungs vorher die Chose nicht so dermaßen an die Wand gespielt: Das war mehr als ärgerlich.

Wie war er denn nun, der Morgenmagazins Helmut? Na ja. Ganz okay. Hat natürlich nichts neu erfunden, war aber ganz gut. Ich konnte da eh nicht mehr tanzen – Platz dazu war aber auch keiner mehr da.

Um halb 6 rum ging es dann raus. Wir redeten noch ein wenig der Nacht und den vergangenen Chancen hinterher, wie man es meistens macht. Ein kleines schade… Und ein großes HAT-SPAß-GEMACHT.

 

Tja. An uns alten Säcken hat und hätte es nicht gelegen. Gerne mal wieder zusammen. Nur nicht dort.

Sarah – die Partymaus (Absolution)

Sind Menschen so wie sie sind? Oder werden Menschen zu dem gemacht, was sie werden? Wer trägt Sorge für die Entwicklung eines Charakters? In welche Freiräume kann ein Mensch stoßen, wenn ihm nur bestimmte gewährt werden?

 

Sarah ist der mächtigste Mensch den ich kenne. Das war schon immer so gewesen. Sarah hat diese Macht, diese Aura, die die Welt um sie herum krümmt. Die sie in diesem ganz besonderen Licht darstellt. Sarah ist schön, wenn nicht fast perfekt. Sarah ist das Schönheitsideal. Nicht eines dieser Schönheitsideale, die sich im Laufe der Jahrzehnte ändern, so wie es sich von großen Brüsten und breiteren, „weiblicheren“ Hüften zu schlanker Taille, breiten Wangenknochen und Laufstegsehnigen Schultern entwickelt hat. Nein. Sarah würde immer als Schönheit betrachtet werden, vielleicht mal mehr oder weniger. Aber ihre Schönheit würde die Jahrhunderte überstehen, ganz egal wie der Feminismus abgehen würde: Ihre fantastische Äußerlichkeit würde sie immer objektifizieren.

Das war schon in ihrer Kindheit so gewesen, ihrer Jugend, sowie auch jetzt, wo sie eine Frau in der zweiten Hälfte der 20ger ist, nur ebenso verloren an das Märchen von Peter Pan, wie es die „verlorenen Jungs“ in der Geschichte waren. Sarah ist nicht Wendy. Denn Wendy hat Peter Pan nie geliebt…

Sarah wollte nie erwachsen werden. Und ihr unbedingter Wille Spaß zu haben, machte aus ihr eine sehnige, blonde Drogenschönheit, ohne Kinder, ohne festen Mann und obwohl sie einen hatte, doch nie zu jemanden mit festen Wohnsitz. Sarah ist wie ein Groupie der Rolling Stones: Seit einer Ewigkeit on Tour. Bis die Tour der Lebensinhalt wird.

 

Sie wollte immer nur Spaß haben, so wie wir alle das wollen, und was spräche dagegen? Nur wenn einem durch das Aussehen alle Türen offenstehen und man überall in dunklere und hellere Ecken vordringen kann, verändert das einen. Die Macht wird zu einer Natürlichkeit. Und plötzlich wird man von seiner Umgebung „leicht“ genannt. So werden Menschen schnell beurteilt, die leicht im Leben voran kommen. Die Dinge geschenkt bekommen weil sie etwas ausstrahlen. Weil sie etwas bekommen können, was für uns unerreichbar ist. Sie werden zu „leichten Frauen“, da es für uns so unfassbar schwer erscheint, das Gleiche zu bekommen. Und ganz egal ob das stimmt oder nicht, solche Behauptungen können zu Prophezeiungen werden, denen wir nicht entkommen können.  Nur fragt hinterher niemand, ob zuvor die Henne oder da Ei da war. Später, war Sarah immer so gewesen.

 

Getuschelt wurde schon früh. Das ist die Kehrseite der Schönheit. Sie nennt sich „Phantasie“. Denn wer so aussieht, bei dem stellen sich die Jungs und besonders die Mädchen, alles vor. Ihr Urteil ist ebenso klar, wie vernichtend es ist. Sarah war für ihr Umfeld immer wie eine Griechische Göttin: Makellos und doch menschlich.  Viel zu menschlich. Personifiziert. Besonders wenn man ein Mädchen ist, das gerne Lacht. Und mit den „bösen Jungs“ (die wie immer nur die ein wenig „älteren Jungs“ waren, sich aber ganz böse fühlten und gaben) mitgeht. Die Phantasie der anderen machte Sarah zu dem, was sie noch gar nicht war. Das fing klein an.

Sarah war die Erste, die Jungs auf den Mund küsste. Sie war die Erste, die mit Zunge küsste. Und selbstverständlich war sie die Erste, die ihn in den Mund nahm.

 

Nicht dass Sarah selbst solche Geschichten über sich erzählte. Nein. Auf jeden Fall nicht zu Anfang. Aber was soll ein Kerl der mit so einer klassischen Schönheit intim wird, denn anderes erzählen? Der blöde Kerl muss die Schönheit auf sein Niveau herunterziehen. Er muss sie beschmutzen um in ihrem Licht nicht zu verglühen. So wurde geredet. Nach und nach. Mehr und mehr. Und irgendwann dachte sich unsere Sarah, dass wenn sie schon von keinem mehr als Heilige betrachtet wird, sie auch keine sein muss. Sie wollte Spaß haben, sich amüsieren und was sprach dagegen? War es denn wirklich so eine Bürde im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen? Sarah war nicht dumm. Kein Mensch ist wirklich dumm. Und nur ein anderes Weltbild als andere zu haben, macht dich nicht zu einer dummen Schlampe. Das sagen nur Leute, die neidisch sind, die sich einer komischen Moral unterwerfen, weil sie innerlich hässlicher sind als in ihrem durchschnittlichen Äußeren. Manche Leute wollen dich einfach nur mit Dreck bewerfen, um dich auf ihr Niveau herunterzuziehen.

 

Es ist  nicht leicht eine Schönheit unter den Gewöhnlichen zu sein. Es ist nicht leicht von jedem angestarrt und reduziert zu werden. Da spielt es auch keine Rolle ob man die Situation einfach als leicht und gegeben betrachtet, ob man über sie hinweg lächelt. Was einem auch wieder als gewisse „Begrenztheit“ ausgelegt wird. Schöne Menschen tun sich viel schwerer gemocht und als „authentisch“ betrachtet zu werden, als der Durchschnitt. Schönheit hat immer auch den Ruf der Falschheit. Und der Stumpfheit. Das mag sogar stimmen, nur liegt diese „Falschheit“ nicht in der DNA der Schönheit begraben. Die „Falschheit“ liegt darin, dass man das Richtige im Falschen ist. Die Perle im Durchschnitt. Und so wird eine Perle vom Pöbel gerne aus Unwissenheit und Verachtung als „Fälschung“ deklariert und deklassiert, ohne dass sie sich überhaupt die Mühe machen sie wirklich anzusehen. Es ist leicht darüber zu urteilen, was man niemals haben wird.

Deswegen mochte Sarah die Partydrogen. Nicht weil die Männer auf Drogen nicht weniger geil oder die Frauen auch nur ansatzweise weniger schnippisch und neidisch wären. Aber auf Drogen ist ab einem gewissen Punkt eh alles egal. Irgendwann kippt die Stimmung, alle fühlen sich gleich. Auf einer Situation unter Drogen, kann sich selbst eine Schönheit mit einem Normalo richtig normal unterhalten. Die Blödheits-Urteils-Schranke zwischen einander ist weg. Und du bist nur der, der du bist. Nicht einmal mehr Frau oder Mann. Es sind nur zwei Menschen die sich unterhalten. Die miteinander tanzen, rauchen, trinken… Es mag sein dass die Drogen Sarah nicht schöner machten, sie erlösten sie aber auch von ihrer Schönheit. Sie machte sie menschlich. Für sich und für andere. Wenigstens für eine gewisse Zeit.