Bad Mum

In der Nacht ist sie mit ihren „alten“ Freundinnen unterwegs. Sie kennen sich seit bald 30 Jahren. Fast ihr ganzes Leben lang. Eigentlich waren sie Alle nie „Wooo!-Girls“ gewesen, doch das Herauskommen aus der Kindergärtlichen, Grundschulischen Tristesse machte sie dazu. Endlich konnten sie all das Fahren lassen, was sie sonst immer zu Räson brachte: „Wooo! Keine Kinder!“ Die Sekt-Gläser klirren aneinander: „Heute ist Kinderfrei! Woooo!“

Ständige, fürsorgliche  Liebe und ein gutes Vorbild-Sein ist anstrengend. Da braucht es hin und wieder… Sie weiß schon vorher, dass sie um spätestens 11 Uhr müden sein würde, da geht es den anderen ihrer Weiber aber auch nicht anders.

 

Früher – in einer Zeit bevor die Zahlen erfunden wurden und es demnach unmöglich ist, zurück zu rechnen, wie JUNG sie damals waren und wie viel Zeit vergangen ist – hatten sie doch auch die Nächte und Tage durchgemacht. Jedes Wochenende woanders. Frankfurt. München. Nürnberg. Würzburg. Manchmal auch Berlin. Kein Problem. Und waren sie heute denn nicht dass, was man heute eine MILF nannte? War das denn nicht ein Kompliment? Über 30 zu sein und immer noch potentiell erregend? Eine Hot-Mum? 30 ist heute doch kein Alter mehr. Auch, wenn sie das vor 10 Jahren selbst noch ganz anders sahen… Nein. Es liegt nicht an der Selbstwahrnehmung, und dass sie „nicht erwachsen werden“ wollten – dieses Prädikat haben die Kindsköpfigen Männer für sich gepachtet – DIE ZEITEN haben sich einfach verändert. So ist das doch. Und nicht anders. Wer hätte sich früher auch noch einen schwulen Außenminister und eine KanzlerIN vorstellen können? Und in dieser neuen Zeit, sind sie nicht mehr alt. Niemand ist mehr zu alt, wenn er sich nicht so fühlt. Oder man ist vielleicht über 40. Das sieht dann natürlich wieder ganz anders aus… Und die jungen Leute. Nun. Die sind halt einfach jünger, so wie sie schon seit 10 Jahren jünger waren.  Wen interessiert es? Und selber war man doch eigentlich blöd, dass man die alten Leute auf den Party immer schief ansah. Unreif war das. Und dumm.

 

Auf Sekt folgt Sekt. Folgt Bier. Folgt Wein-Schorle. Folgt ein Joint. Das war noch nie ein Problem. Heute natürlich auch nicht. Ist doch wie früher.

 

Nein, sie will nicht zu viel auf einmal. Und man muss das doch  verstehen: Auf was man die letzten Jahre, fast schon ein Jahrzehnt lang, verzichten musste! Immer Kind hier. Kind da. Und vorher die Schwangerschaft. Umzug. Vernunft. Erziehung. Jobwechsel. Teilzeit. Halbe Stelle – und die Kinder. Heute ist nun endlich heute. Und heute ist Kinderfrei; bei aller Liebe: „Woo!“

 

Sie tanzen sie, lachen, sie stoßen an. Bis ihr schlecht wird – das ist ja noch nie passiert. Wo kommt der denn jetzt her, der Helikopter im Kopf? Und alles dreht sich, dreht sich, dreht sich. „Ich weiß gar nicht woher das kommt“, murmelt sie noch zu ihren besten Freundinnen hin – und dann kotzt sie sich die Seele aus dem Leib. Lange. Laut. Und permanent. Nach einiger Zeit hat auch keine der besten Freundinnen mehr Lust ihre Haare zu halten oder sie aufzumuntern. Sie ist halt doch keine 20 mehr. Vielleicht fehlt es doch ein wenig an Training…

 

Währenddessen stehen die Freundinnen rauchend an der Seite und zucken mit den Schultern, tauschen Blicke und Wörter darüber, dass es doch wirklich ein jemand nervig ist, dass ihr das JEDES Mal passieren muss… Wenigstens einmal könnte sie sich doch vielleicht nicht übernehmen.

 

Inzwischen bricht und bricht sie weiter. All die Zeit hinfort die ihr durch die Kinder „verloren“ ging. All die Zeit, in der sie mehr Mutter als Frau war. Und sie bereut es inständig dass sie es heute wieder einmal ersucht hatte, keine Mutter von zwei „Kids“ zu sein, sondern eine Frau. Ihr war so unglaublich schlecht. Bitte lieber Gott…. Sie würde auch für immer eine gute Mutter bleiben… Wenn das nur endlich aufhört…

 

Tel Aviv, Strand- und Party-Stadt, ein Erlebnisbericht

Schon vor Jahren wurde ich durch Guy Gerber im positiven Sinn auf Israel aufmerksam. Obwohl. Dass der gute Mann ein Israeli ist, wurde mir erst einige Jahre später klar, als ich seine Produktionen längst lieben gelernt hatte. So ist das mit elektronischer Musik: Von Desinteressierten mag sie als kalt und Gesichtslos interpretiert werden. Kann man so sehen. Man kann es aber auch so begreifen, dass bei dieser Form von Musik jegliche Stände und Kategorisierungen aufgehoben werden. Zwar klingt elektronische Musik in Vietnam anders als in Lateinamerika oder in Italien, doch die Konturen und Umrisse in den Spielarten verschwimmen und gehen ineinander auf, egal ob der Beat nun schnell ist, für sich hin tröpfelt oder die Synths lauter oder leiser sind. Es braucht keine Texte, keine poltische Message und erst recht keine Hautfarbe um elektronische Tanzmusik zu verstehen. Du musst nicht glauben zu wissen was cool/hip, angesagt  oder Gangsta ist. Du lässt es einfach laufen. „Gesichtslose“ Musik hat mehr Vorteile  als der Sound vieler Idole, die entweder irgendwann sterben müssen oder lebendig verfallen und währenddessen zu einer Karikatur ihrer selbst werden.

 

Auch Guy Gerber produziert diesen „gesichtslosen“ Sound, nur als KALT kann man ihn beim besten Willen nicht kategorisieren.

Ich folge ihm seit ein paar Jahren auf Facebook (was ich bei nicht gerade vielen DJs mache) und mich beeindruckten die Fotos die er aus seiner Heimat Tel Aviv postete. Und wie wenig diese Bilder mit meinen Assoziationen von Israel zusammen passten.

Tel Aviv ist der Sommer/Sonne/Strand- und Party-Bereich des Landes und tritt sehr westlich orientiert auf. Fast schon zu westlich. Ich hatte mir die halbe Millionen Einwohnerstadt – sorry – arabischer, basarischer vorgestellt, auch wenn es in Richtung Jaffa, der Altstadt von Tel Aviv, solche Ecken gibt, die jedoch touristischer Natur sind.

Wäre man blind für die Gesichter der Menschen dort, die selbstverständlich jüdisch anmuten, könnte man sich in einer westlichen Großstadt wähnen. Ein wenig berlinerig sieht Tel Aviv aus, oder wie Hamburg oder Köln, in ihren gechillten Ecken.

Die Skyline der Stadt ist weltbekannt, in der Menge mit den  spacigen Wolkenkratzer ziemlich futuristisch und kann, wenigstens als Postkartenmotiv mit seinen Hotels die direkt an das Meer gebaut sind, mit Rio konkurrieren. Der Strand ist wunderschön, sauber,  und das Wasser außerordentlich klar. Und auch das Klima im Oktober ist super angenehm. Und ich bin keiner, der auf Hitze steht. Dort aber ist diese Mittelmeerische Hitze, die sich nicht aufdrängt, eher einschmeichelt. Mit 30 Grad.

Am Positivsten am Strand empfand ich überraschenderweise die Menschen. Die Israelis sind tolle Strand-Menschen, da sie nicht wie Proleten auftreten; kein Gegröle, keine fetten Anlagen, kein übermäßiger Alkohol-Konsum. Die nervigsten, lautesten Menschen dort waren die Ausländer. Selbst die Kinder der Israelis sind besser und ruhiger erzogen, als die Meisten die ich kenne. Und so was feiert jeder Urlauber (und ich im Speziellen) mit einem gechillten Lächeln auf der Strandliege leise sehr ab.

Von Freitagabend (Sonnenuntergang) bis Samstagabend (Sonnenuntergang) ist Shabbat, also Feiertag und in dieser Zeit sind die Strände gefüllt,  während nach dem Abtauchen der Sonne Party gemacht wird.

 

Wir haben sehr viele junge Leute in Tel Aviv gesehen. Und am Strand auch außerordentlich hübsche Frauen (die hübscheste Frau hatte ich ja eh mitgebracht 😉 ). Kein Wunder also dass die Stadt ein sehr aktives Nachtleben besitzt. Ob Tel Aviv aber „eine der besten Partystädte der Welt ist“ wie man dort vollmundig behauptet, wage ich zu bezweifeln. Man muss aber auch dazu sagen, dass mir Sommer, Sonne, Strand und Kultur wichtiger waren, als die Nächte durchzumachen, schließlich habe ich ein sehr, sehr hartes Arbeitsjahr hinter mir, da war mir Erholung wichtiger als die Nächte durchzutanzen. Zwar hatte ich mir den angesagten Techno-Club „The block“ im Internet ausgespäht, und „Roman Flügel“ aus Deutschland wäre dort auch als Identifikationsfigur am Start gewesen, wir einigten uns dann doch auf die Touristischere Variante, wir buchten den „pub crawl“.

Beim „pub crawl“ wird man von einem Guide durch 4 oder 5 Locations in Tel Aviv gelotst, bekommt dort je einen Shot umsonst, freien Eintritt und muss nicht in der Warteschlange stehen.

Ja, ja. Das haben wir uns jetzt auch gedacht: Das kann voll furchtbar werden. Wurde es nur nicht.

Erstens hätten wir die Bars/Clubs alleine niemals gefunden. Die Eingänge sehen aus wie Hinterhof-Zugänge, oft ohne einem Namensschild darüber. Tel Aviv ist da sehr erfinderisch und verwinkelt. Dagegen haben Berliner Clubs Eingangsschilder wie das „Titty Twister“ in „from dusk till dawn“.

Zweitens handelte es sich bei den Läden wirklich um angesagte Locations, was man nicht nur daran spürte dass die Orte immer so gut gefüllt waren, dass man sich zur Bar durchkämpfen musste, nein, als wir rauskamen standen im Schnitt 30 bis 40 Leute an, die nicht mehr hinein durften.

Drittens bekamen wir für die 20 Dollar Tour-Gebühr ein Bier und die  4- 5  Shots frei. Das ist wichtig. Denn Alkohol ist Sau teuer in Israel. In den Clubs zahlten wir zwischen 6 und 8 Euro für ein 0,33 Liter Bier (und ja, das Bier dort kann man wenigstens trinken), da kommt dann noch 10 Prozent Trinkgeld dazu. Ein Vollrausch ist also eher nicht drin, außer man gönnt sich was und deswegen fand ich es im Nachhinein gut lieber einmal und damit richtig wegzugehen.

Viertens wird man von der Touri-Leitung gleich mit der Gruppe bekannt gemacht und hat weniger Berührungsängste. Zwar verabschiedete sich der sympathische Erfinder der Tour recht schnell wieder, und die angehende Schauspielerin die die Tour dann übernahm, war dann doch um ein vielfaches weniger motiviert als ihr Chef, aber wir lernten sehr unterhaltsame und motivierte Leute kennen, die aus den unterschiedlichsten Ländern kamen (Brasilien, 2 mal USA, 2 mal Italien, einmal Finnland und Deutschland – und wir) um ein wenig Spaß zu haben.

Da war es dann auch ganz gut dass sich unsere Tour-Leiterin nicht allzu sehr für uns interessierte 😉 Wir mussten uns also gegenseitig die Zeit versüßen und das klappte dann für mein Gefühl sehr gut, auch wenn die Oberflächlichkeit der Beziehungen zueinander selbstverständlich im Vordergrund stand. Scheißdrauf. Ich hätte nie gedacht das ich mit Italienern so viel Spaß haben könnte 😀

 

Hier trafen dann natürlich zwei Weltbilder aufeinander: Hostel versus Hotel. Wir wollten eher Ruhe und Entspannung und keine nervige Hostel-Situation, was die Hostel-Leute in unserer Gruppe gar nicht verstanden; so lernt man doch keine Leute kennen! Ja eben doch. Nur auf eine andere Art. Und in unserem Hotel wurden wir im Gegenzug schief angesehen, als wir die Sauf-Tour buchten, so ist das halt mit den Weltbildern.

Es war. Auf jeden Fall. Ein gelungener Abend.

 

Wir waren in 4 Bars/Clubs.

Wir trafen uns im „Sputnik“, das ein wenig berlinerig sein wollte. Verschlunge Räumchen mit schön draußen, locker gechillt. Angenehme elektronische Musik. Kennt man aus Köln oder Hamburg, in deren guten Momenten. Nur nicht abgefuckt genug um sich mit Berlin vergleichen zu lassen, was der Tour-Veranstalter gar nicht so recht glauben mochte: Wie, hier ist es nicht schäbig genug?

Weiter ging es in eine Hip-Hop-Bar (das „Jimmy, who?“) mit Club-Atmosphäre. Hier wirkte der Alkohol schon und die Verbrüderung war im Gange. Ein wenig Galgenhumor dabei, die Italiner: „Ah, the german guys! You´ve never expected to pay 8 euro for one beer, he?“ Die Schauspielerin sah lieber ins Handy und so blödelten wir alle zusammen mit dem Willen zum Wahnsinn auf der Tanze herum. Wir hörten und tanzten in der gleichen Nacht dreimal zu J Lo. Ich glaube das sagt viel über den Musikgeschmack in Tel Aviv aus.

Auch die nächste Bar, das „Radio“ war HipHop. Riesiger Tresen. Shots im „private room“ in den wir durften (in dem NICHTS war, sehr private). Dann zur letzten Adresse.

Das „Lima“. Das kam sehr Pop-prollig herüber (Hallo J Lo) und mir reichte es dann langsam mit der Tour, obwohl mit dem „Breakfast“ noch ein Techno-Club auf uns gewartet hätte. 2 Uhr nachts  sollte genügen (alter Mann der ich bin…). Wir wollten am Tag danach nicht zu sehr kaputt sein. Dieser für mich namenlose Kommerz-Laden entpuppte sich dann noch als Schwulen- und Lesben-Treffpunkt in dem meine Freundin die Props bekam, die eine schöne Frau dort bekommen sollte. Das gab  der Location auch noch eine gewisse Wendung.

Klar bin ich jetzt kein Party-Insider was Tel Aviv angeht wenn man gerade mal 5 Stunden dort im Nachtleben verbringt, 4 Türen hin oder her, für einen Einblick hat es aber gereicht und deswegen würde ich die Tour weiter empfehlen.

Das ich dort keine elektronische Musik miterlebt habe ist im Hinblick auf meine Israel Sozialisierung durch Guy Gerber ein wenig schade, ich habe nur schon mehr als die meisten Menschen zu den verschiedensten Stile dieser Musik gefeiert, über fast 2 Jahrzehnte hinweg, in ganz Deutschland und auch woanders, und glaube da jetzt nicht mehr viel zu verpassen. Berlin finde ich ja auch schon sehr langweilig was das angeht…

Die Israelis sind mir jetzt auch nicht gerade als spektakuläre Tänzer aufgefallen (bei den Schwulen ging es wie zu erwarten am Meisten ab, was sowohl das Abgehen als auch das Auftreten anging), motiviert waren sie aber. Wer weiß, vielleicht sind sie dort Partymäßig so weit, wie sie sich jetzt fühlen. Es ist eine sehr junge Stadt und man muss verstehen, dass dort wo wir gefeiert haben vor einigen Jahrzehnten nicht nur Sprichwörtlich Wüste war. Gebt denen noch ein wenig Zeit.

 

Es war also eine gute Mischung aus Kultur-Urlaub, Strand und Party. Tel Aviv hat alles zu bieten, was man sich wünscht. Okay. Außer vielleicht eine U-Bahn, das wäre dann schon noch ein wenig geiler, mit. Wären nicht die enormen Probleme die dieses Land hat, wäre der Party- und Urlaubstourismus sicherlich viel, viel höher. Uns hat das ja auch ein wenig abgeschreckt. So bleibt Israel ein Land das von allem etwas zu bieten hat und aus dem man im Kopf und im Herzen sehr viel mitnimmt, ob man das nun muss, soll hat jeder selbst entscheiden.

 

Man darf halt nicht in Angst leben und sich immer und ständig die Geschichte vom Terror und Tod erzählen lassen, harte Kontrollen am Flughafen oder am Einkaufszentrum hin oder her. Das ist die Crux und die Antwort auf meine Ausgangsfrage (siehe letzter Text), was uns Israel zum Thema Alltäglichen Terror zu sagen hat. Ob die Deutschen so sein könnte, ich weiß nicht.

Ein Ding ist dort das große Zusammengehörigkeitsgefühl und das haben wir in Deutschland nicht. Vielleicht noch nicht. Die Kulturen sind in Israel auch nicht so durchmischt wie bei uns. Es liegt nun einmal auf der Hand, dass man dort vermehrt auf gewissen Menschen (Juden) trifft und das schafft eine andere Aura, als in unserem Land, dass sich lange nicht einmal moralisch darauf einigen konnte, ob wir hier ein Einwanderungsland sind oder nicht. Ob wir weltoffen sein wollen oder nicht. Dagegen haben wir hier zum Glück keinen gemeinsamen Feind, der uns vernichten will… Die Situation lässt sich nicht eins zu eins umlegen. Lehren muss und sollte man allerdings ziehen. Denn ganz gleich wie man zu Israel steht: Einen Lernwert hat diese Gesellschaft dort. Sogar einen ziemlich großen.

 

 

 

Frühschoppen mit DJ Hell

Seltsam, diese Nervosität zuvor… Ich hatte lange keine Drogen genommen und  das letzte Mal war so „na ja“, dieses Mal machte sich also eine gewisse Aufregung breit. KANN ich das denn noch? Komme ich darauf KLAR? Mache ich mich zum VOLLHONK? Komische Überlegungen die man sich da  macht. Typisch: Viel zu kontrolliert. Es soll doch um ENTSPANNUNG gehen! Ja oh Herr, das ist der SINN der Sache.  Am Ende lagen ich/wir sehr, sehr endzerstört und damit super entspannt in der Ecke des MMA (Mixed Munich Arts) in München, ließen die Nacht geschehen – was hätten wir auch sonst machen sollen?

 

Mit alten, nicht einmal so besonders guten Bekannten von FRÜHER war ich unterwegs gewesen und am Ende war man dann doch – dazu hätte es gar keine Drogen gebraucht – als gute Freunde auseinander gegangen. Schön. Manchmal, wenn man glaubt das die Drogen besonders wichtig sind, braucht es sie gar nicht. Ich bin eigentlich und überhaupt schon länger kein großer Freund mehr von Ecstasy, denn zu groß ist dann am Ende immer die Ekstase und zu begierig das Hirn nach dem absoluten Abfeiern der Synapsen: Zuviel ist nicht genug. MehrMehrMehr.

Wir sahen dass es gut war, auch wenn wir schon gar nichts mehr erkennen konnten. Süß wie mir mein Freund die Kippe anzündete und sie mir dann fast schon in den Mund schob. Ich. Sah das Ende der Zigarette ohnehin nicht mehr. Selber Anzünden: Unmöglich.

Ja. Nein. Bei uns war alles gut. Wir lachten viel, freuten uns aneinander und waren glücklich. Und manche Dinge muss man zweimal sagen: Dazu hätte es diesen Absturz gar nicht gebraucht. Denn wenn man Menschen nicht mag und keinen Respekt voreinander hat, da helfen auch die besten Drogen nichts. Aber wenn man sich mag, freut man sich desto mehr aneinander. .

 

Die Musik war scheiße. Und wer das sagt und eigentlich gerne zu Techno weggeht UND auch noch XTC gefuttert hat, der fand die Musik wirklich scheiße. Wenn nicht einmal mehr die Drogen helfen. Viel zu früh sind wir leicht beschwipst aus der Registratur raus und die zwei Haltestellen ins MMA gefahren, wo wir mit unseren Online-Tickets beim Personal auf Verwunderung stießen; wie jetzt, die haben für heute Online-Tickets verkauft? Ist uns neu… Wir haben nicht einmal das Lesegerät da…

Aha.

 

Unten waren wir dann verwundert. Hä? Die große Halle hat zu und wir müssen im kleinen Club feiern? Das ist doch Betrug am Kunden! Wo stand denn das? Wieso wurde das nicht vorher ausgeschildert, ausgeschrieben oder zumindest ausgesprochen? Da wollte ich meinen neuen Freunden diese große Feierhalle zeigen, was blieb war diese kleine Bar – Frechheit. Nicht weil der „Club“ im MMA hässlich gewesen wäre, nein, sondern weil dort drüben, als 2 oder drei Stunden später die Bude voll war, überhaupt kein Platz zum Tanzen war – hätten wir es denn noch gekonnt. Warum hat man das nicht in den Halle gemacht, den Club dagegen zugelassen? Klar wäre die große, hohe Halle bei den  Besuchern nicht voll geworden, na und? Ich habe doch lieber Platz zum Tanzen als eine proppevolle Bude voller notgedrungener, ja, dazu erniedrigte Herumsteher, die WOLLEN, aber nicht können. Ich scheiße auf eure Verkaufsprinzip der vollen Location! Ich will lieber halb leere Läden, wo ich das machen kann wozu Techno einmal (Hoppla) ERDACHT wurde: DANCEdanceDANCE.

Wobei. Ja. Die Drogen so wunderbar stark waren, dass das ab einem gewissen Moment kaum mehr möglich schien. Schon gar nicht bei dem Sound. Viel zu durcheinander wurde da aufgelegt, kein Groove kam auf, keine Lust und schon gar nicht die Möglichkeit zwei Platten hintereinander  durch zu tanzen. Was folgte war der klassischen Triathlon der Nacht: Draußen Rauchen, unten Tanzen, hinten Sitzen. Immer wieder und wieder: Rauchen/Tanzen/Sitzen – repeat. Und: Kein Helmut, kein DJ Hell in Sicht.

Bald entspannen sich schon Erlöser-Phantasien in unseren Köpfen: „Wenn der Hell kommt wird alles besser! Der wird es schon richten! Der weiß ja wie es geht und was wir wollen!“ Er kam nur nicht. Nicht niemals. Nur sehr spät. Der Hell legt wohl nur noch auf, wenn es hell ist – sehr witzig ich weiß, haha.

Um 4 Uhr oder 4 Uhr 15 latschte der alte Mann an uns vorbei, zuckte kurz zusammen als ich ihn anblaffte: „Jetzt wird´s aber langsam mal Zeit!“ Und zog von dannen. So ab halb 5 ging es dann mit seinem Set los: Also bitte. Eine Veranstaltung „Eine Nacht mit DJ Hell“ zu nennen ist schon eine besondere Frechheit, wenn man die Decks erst dann entert, wo anderen Tags schon das „Morgenmagazin“ ausgestrahlt wird. Und. Welcher nüchterne Mensch will und kann bis halb 5 in der Früh warten, bis der DJ überhaupt mal ANFÄNGT! Was gar nicht so schlimm gewesen wäre, hätten die Jungs vorher die Chose nicht so dermaßen an die Wand gespielt: Das war mehr als ärgerlich.

Wie war er denn nun, der Morgenmagazins Helmut? Na ja. Ganz okay. Hat natürlich nichts neu erfunden, war aber ganz gut. Ich konnte da eh nicht mehr tanzen – Platz dazu war aber auch keiner mehr da.

Um halb 6 rum ging es dann raus. Wir redeten noch ein wenig der Nacht und den vergangenen Chancen hinterher, wie man es meistens macht. Ein kleines schade… Und ein großes HAT-SPAß-GEMACHT.

 

Tja. An uns alten Säcken hat und hätte es nicht gelegen. Gerne mal wieder zusammen. Nur nicht dort.

Sarah – die Partymaus (Absolution)

Sind Menschen so wie sie sind? Oder werden Menschen zu dem gemacht, was sie werden? Wer trägt Sorge für die Entwicklung eines Charakters? In welche Freiräume kann ein Mensch stoßen, wenn ihm nur bestimmte gewährt werden?

 

Sarah ist der mächtigste Mensch den ich kenne. Das war schon immer so gewesen. Sarah hat diese Macht, diese Aura, die die Welt um sie herum krümmt. Die sie in diesem ganz besonderen Licht darstellt. Sarah ist schön, wenn nicht fast perfekt. Sarah ist das Schönheitsideal. Nicht eines dieser Schönheitsideale, die sich im Laufe der Jahrzehnte ändern, so wie es sich von großen Brüsten und breiteren, „weiblicheren“ Hüften zu schlanker Taille, breiten Wangenknochen und Laufstegsehnigen Schultern entwickelt hat. Nein. Sarah würde immer als Schönheit betrachtet werden, vielleicht mal mehr oder weniger. Aber ihre Schönheit würde die Jahrhunderte überstehen, ganz egal wie der Feminismus abgehen würde: Ihre fantastische Äußerlichkeit würde sie immer objektifizieren.

Das war schon in ihrer Kindheit so gewesen, ihrer Jugend, sowie auch jetzt, wo sie eine Frau in der zweiten Hälfte der 20ger ist, nur ebenso verloren an das Märchen von Peter Pan, wie es die „verlorenen Jungs“ in der Geschichte waren. Sarah ist nicht Wendy. Denn Wendy hat Peter Pan nie geliebt…

Sarah wollte nie erwachsen werden. Und ihr unbedingter Wille Spaß zu haben, machte aus ihr eine sehnige, blonde Drogenschönheit, ohne Kinder, ohne festen Mann und obwohl sie einen hatte, doch nie zu jemanden mit festen Wohnsitz. Sarah ist wie ein Groupie der Rolling Stones: Seit einer Ewigkeit on Tour. Bis die Tour der Lebensinhalt wird.

 

Sie wollte immer nur Spaß haben, so wie wir alle das wollen, und was spräche dagegen? Nur wenn einem durch das Aussehen alle Türen offenstehen und man überall in dunklere und hellere Ecken vordringen kann, verändert das einen. Die Macht wird zu einer Natürlichkeit. Und plötzlich wird man von seiner Umgebung „leicht“ genannt. So werden Menschen schnell beurteilt, die leicht im Leben voran kommen. Die Dinge geschenkt bekommen weil sie etwas ausstrahlen. Weil sie etwas bekommen können, was für uns unerreichbar ist. Sie werden zu „leichten Frauen“, da es für uns so unfassbar schwer erscheint, das Gleiche zu bekommen. Und ganz egal ob das stimmt oder nicht, solche Behauptungen können zu Prophezeiungen werden, denen wir nicht entkommen können.  Nur fragt hinterher niemand, ob zuvor die Henne oder da Ei da war. Später, war Sarah immer so gewesen.

 

Getuschelt wurde schon früh. Das ist die Kehrseite der Schönheit. Sie nennt sich „Phantasie“. Denn wer so aussieht, bei dem stellen sich die Jungs und besonders die Mädchen, alles vor. Ihr Urteil ist ebenso klar, wie vernichtend es ist. Sarah war für ihr Umfeld immer wie eine Griechische Göttin: Makellos und doch menschlich.  Viel zu menschlich. Personifiziert. Besonders wenn man ein Mädchen ist, das gerne Lacht. Und mit den „bösen Jungs“ (die wie immer nur die ein wenig „älteren Jungs“ waren, sich aber ganz böse fühlten und gaben) mitgeht. Die Phantasie der anderen machte Sarah zu dem, was sie noch gar nicht war. Das fing klein an.

Sarah war die Erste, die Jungs auf den Mund küsste. Sie war die Erste, die mit Zunge küsste. Und selbstverständlich war sie die Erste, die ihn in den Mund nahm.

 

Nicht dass Sarah selbst solche Geschichten über sich erzählte. Nein. Auf jeden Fall nicht zu Anfang. Aber was soll ein Kerl der mit so einer klassischen Schönheit intim wird, denn anderes erzählen? Der blöde Kerl muss die Schönheit auf sein Niveau herunterziehen. Er muss sie beschmutzen um in ihrem Licht nicht zu verglühen. So wurde geredet. Nach und nach. Mehr und mehr. Und irgendwann dachte sich unsere Sarah, dass wenn sie schon von keinem mehr als Heilige betrachtet wird, sie auch keine sein muss. Sie wollte Spaß haben, sich amüsieren und was sprach dagegen? War es denn wirklich so eine Bürde im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen? Sarah war nicht dumm. Kein Mensch ist wirklich dumm. Und nur ein anderes Weltbild als andere zu haben, macht dich nicht zu einer dummen Schlampe. Das sagen nur Leute, die neidisch sind, die sich einer komischen Moral unterwerfen, weil sie innerlich hässlicher sind als in ihrem durchschnittlichen Äußeren. Manche Leute wollen dich einfach nur mit Dreck bewerfen, um dich auf ihr Niveau herunterzuziehen.

 

Es ist  nicht leicht eine Schönheit unter den Gewöhnlichen zu sein. Es ist nicht leicht von jedem angestarrt und reduziert zu werden. Da spielt es auch keine Rolle ob man die Situation einfach als leicht und gegeben betrachtet, ob man über sie hinweg lächelt. Was einem auch wieder als gewisse „Begrenztheit“ ausgelegt wird. Schöne Menschen tun sich viel schwerer gemocht und als „authentisch“ betrachtet zu werden, als der Durchschnitt. Schönheit hat immer auch den Ruf der Falschheit. Und der Stumpfheit. Das mag sogar stimmen, nur liegt diese „Falschheit“ nicht in der DNA der Schönheit begraben. Die „Falschheit“ liegt darin, dass man das Richtige im Falschen ist. Die Perle im Durchschnitt. Und so wird eine Perle vom Pöbel gerne aus Unwissenheit und Verachtung als „Fälschung“ deklariert und deklassiert, ohne dass sie sich überhaupt die Mühe machen sie wirklich anzusehen. Es ist leicht darüber zu urteilen, was man niemals haben wird.

Deswegen mochte Sarah die Partydrogen. Nicht weil die Männer auf Drogen nicht weniger geil oder die Frauen auch nur ansatzweise weniger schnippisch und neidisch wären. Aber auf Drogen ist ab einem gewissen Punkt eh alles egal. Irgendwann kippt die Stimmung, alle fühlen sich gleich. Auf einer Situation unter Drogen, kann sich selbst eine Schönheit mit einem Normalo richtig normal unterhalten. Die Blödheits-Urteils-Schranke zwischen einander ist weg. Und du bist nur der, der du bist. Nicht einmal mehr Frau oder Mann. Es sind nur zwei Menschen die sich unterhalten. Die miteinander tanzen, rauchen, trinken… Es mag sein dass die Drogen Sarah nicht schöner machten, sie erlösten sie aber auch von ihrer Schönheit. Sie machte sie menschlich. Für sich und für andere. Wenigstens für eine gewisse Zeit.

Gottes Tod auf der Nature One

Als Gott starb war ich 20 Jahre alt. Ich stand mitten auf dem Camping-Platz der Nature One und war plötzlich frei.

Es gibt viele unzählige Festivals in Europa, viele davon sind in Deutschland. Und auch Techno-Festivals sind Meister aus Deutschlands. Die Nature ist dabei immer ein wenig besonders geblieben. Hier schlägt man nicht nur sein Zelt auf und 50 oder 100 Meter weiter steht ein noch viel größeres Zelt wo vlt jemand Musik laufen lässt. Nein. Auf der Nature One ist es so, dass der Nachbar (gefühlt: Jeder Nachbar) zuerst seine dicke fette Anlage aufbaut, und dann sein Zelt darum herum errichtet. Was bei der Mayday in Dortmund früher ihre Parkplatzpartys waren, auf welchen die Prolls ihre dicken Anlagen wie Kampfhunde aus ihren Kofferraum springen ließen, ist hier der ganze Camping-Platz. Überall donnert ein stumpfer und doch energetischer Beat umher. Ein Soundmatsch wie eine lebende Donnerwolke, die sich auf den Wiesen vor dem Festival niedergelassen hat.

Das Festival. Ist das Festival. Klar definiert, ausgetüftelt. High-End-Anlagen. Fluchtwege. Chill-Out. Mit allem drum und dran gut anzusehen und dabei eindeutig von der Optik sehr einzigartig auf der Welt. Nur schon oft kopiert. Und dabei sogar so gut, dass die Nature One irgendwie ein wenig altbacken herüberkommt. Die Leute mögen das. Es ist ihre Nature.

 

Und so stehe ich hier, ich alter Tor. Und bin so klug als. Wie. Zuvor.

15 Jahre ist es her dass Gott für mich starb. Auf diesem Acker. Irgendwo da drüben. Kein Plan. Schwer zu sagen. Es war irgendwie tiefer in der Gewitterwolke der Sounds. Das Ecstasy zerriss mich und ich setzt mich wieder zusammen. Ähnlich wie Doctor Manhatten. Nur ging es bei mir in Sekundenschnelle. Das Gefühl des Zerreißens war vielleicht auch das Bersten eines Knotens in mir und in Wirklichkeit hat es nicht wirklich mich zerrissen, sondern nur etwas in  mir. Es spielt gar keine Rolle: Hier war es gewesen.

 

Schon komisch wie man die Dinge im Nachhinein betrachtet, wenn man mehr über das Leben gelernt hat, wie es ist, ohne Gott zu leben. Wie es ist wenn man sich für nichts mehr rechtfertigen muss. Welche negativen Konsequenzen dieses Wissen mit sich bringt.

Zwei Jahrzehnte lang lebte ich in Schuld. 20 Jahre lang, hatte ich lernen müssen was es heißt ich zu sein, in dieser Welt der anderen. In diesem Universum der Regeln. Ich war gar kein richtiger Mensch gewesen. Vorher.

 

Das Lustige an solchen Erweckungserlebnissen ist manchmal, dass sie an Orten geschehen, die rein intellektuell nicht viel zu bieten zu haben. Verstehen wir uns richtig: Das sind gute Leute hier. Keine Crowd hat weniger Vorurteile  anderen Menschen gegenüber als die Technoleute. Denn elektronische Musik versteht jeder. Die Sprache oder Nationalität die der DJ da oben spricht und lebt, ist Nebensache. Techno verbindet die Kulturen, da es eine Wortlose Kunst ist. Ja. Aber seien wir mal ehrlich: Für eine Hochkultur gibt sich Techno schon sehr Proletenhaft. Die Meisten hier sehen so aus, als würden sie glauben die „Fast and the Furious“-Reihe wären gute Filme. Sie wirken so als würden sie den ganzen Tag nur RTL schauen, dabei kiffen und/oder Dosenbier trinken. Am Wochenende werden dann Steine zu Pulver gedrückt und die Pillen gedroppt. Sie sehen dich mich provokant hohlem Lächeln an, als hätten sie nur dann eine Uni von innen gesehen, wenn sie dort der Arbeit wegen einen Getränke-Automaten auffüllen. Sie scheinen sogar stolz darauf zu sein nicht zu wissen, wer denn gerade Bundespräsident ist.  Dagegen spricht nichts. Wozu auch? Was ändert es denn groß.  Aber als Ort für ein Erweckungserlebnis? Das ist der Witz mit den Drogen: Sie beschleunigen und bremsen deinen Geist gleichzeitig.

 

Und doch stirbt hier für viele der böse, böse Gott, der die Leute in ihre Schranken verweist. Manchmal ein Leben lang. Der Tu-Dies-Nicht-Tu-Das-Nicht-Gott, ganz gleich ob es in Wahrheit die Angst vor den Eltern ist, oder vor dem Chef oder vor der eigenen Freundin oder dem Freund, die sie insgeheim fürchten. Gegen die sie sich nicht wehren können. Hier, auf diesem heiligen Rasen des Lärms, sind sie frei von all dem Druck, von all den Schmerzen und Wunden, die die Welt ihnen zufügt. Dabei muss nichts Kluges herauskommen; wann hat die Freiheit schon einmal klug ausgesehen?  Bestimmt aber etwas sehr wahrhaftiges, was die jungen Grützköpfe erst viel später, vielleicht sogar erst Jahre später verstehen werden. Wenn überhaupt.

Festivals sind die Erholungsoasen der Leistungsindustrie geworden. Und der arbeitslose Prolet wirkt wie der Heiland, der sich dem Druck des Kapitalismus und der übertechnologisierten Welt erfolgreich und lachend entziehen kann. Wieso also nicht ein Wochenende im Jahr dieser Prolet sein? Und wenn dann schon, warum nicht gleich 5 Wochenenden im Jahr? Das Geld ist doch da. Genauso wie der Druck.

Steigt der Druck, braucht jeder Maschine immer mehr Ventile um ihn schonend ablassen zu können? Weshalb sollte es beim Menschen anders sein?

 

Ich nicke das ab. Während um mich herum sich die Jugendlichen befreien. Ihre Götter töten. Und neu geboren werden.

Nur.

Ist man einmal 15 Jahre älter als die anderen, sieht dieses Erweckungserlebnis nicht mehr ganz so ansprechend aus. Camping an sich begreift man schnell als Menschenunwürdig. Und wer will mit Mitte 30 noch auf einer Wiese in einem Stoffzelt schlafen, wenn nebenan Boxen stehen, die das 100 fache an Watt von dem haben, der gerade seine Platten auflegt? (aber Hauptsache Vinyl 😉 ). Mit Mitte 30 hätte man das alles doch lieber ein wenig gemütlicher. Weniger anstrengend. Nicht ganz so eng. Nicht ganz so voll – sei es das Areal als auch die Menschen in ihm. Orgasmen nimmt man ja auch nicht mehr so stark war, wie in der Jugend…

Und der alte, längst befreite Mann sehnt sich nach seinem Kanapee. Wundert sich darüber, weshalb lauter Jugendliche zu DJs feiern, die bald schon ihre Großväter seien könnten… Die Headliner bei der Nature sind genauso wenig eine Überraschung, wie die gewohnte Schokoladenform in einem Weihnachtskalender.

Oh Sven Väth. Oh Chris Liebing. Oh Adam Beyer. Oh Felix Kröcher. Oh Paul Van Dyk…

Oder verglichen mit dem Weihnachtskalender: Oh ein Horn. Oh ein Schlitten. Oh ein Krippe. Oh eine Schleife…

Aber jeder mag Schokolade. Und jeder der mal auf der Nature One war, geht gerne wieder zur Pydna.

Nur. Mit Mitte 30 brauchen die meisten auch keinen Weihnachtskalender mehr. Und glauben dafür plötzlich wieder an Gott…

Treffen mit der Ex

Alle ein bis zwei Jahre treffe ich meine Ex-Freundin, immer auf dem gleichen Geburtstagsfest. Wir haben nur noch diese eine unwahrscheinliche Freundin, die uns zusammenbringt. „Unwahrscheinlich“ deswegen, da es niemals absehbar war, dass wir uns gerade wegen dieser fröhlichen Person wiedersehen würden, die relativ spät mit ihrer freundlichen Art in unser Leben getreten ist. Die Zukunft ist nicht vorhersehbar, auch nicht planbar, auch wenn die sogenannte Ratio in uns uns glauben machen will, es sei so (die Ratio  muss an sich selbst glauben um zu funktionieren, was lustiger weise ein großer Selbstbetrug ist, jedoch auch der Grund für all unsere Handlungen, die irrationale Totalität in unserem lächerlichen Streben nach planbarer Rationalität, nach der wir unsere Zukunft ausrichten).

Ja.

Nein.

Damals, als ich noch mit meiner „Ex“ zusammen war, hätte ich nie gedacht, dass wir uns auf solchen Partys, die im Stuhlkreis auf 20 Quadratmetern Fläche, so absolut ignorieren würden. Hin und wieder nur ein kleiner entlarvender Blick, so wie man – auch wenn man fest davon überzeugt ist es nicht zu tun – einen kurzen Augenblick dann doch auf der Autobahn zum bereits geschehenen Unfall hinüber blickt, obwohl man sich selbst noch eine Sekunde vorher eingeredet hat, nicht einer von „diesen Gaffern“ zu sein. In diesen kurzen, Sekundenschalen Blicken rüber zur Ex, sieht man dann den Unfall der man einmal war, diese Massenkarambolage auf Zeit, in der Schritt für Schritt, Tag für Tag und ja, auch Kuss für Kuss, Alles das schlimmste, jedoch auch logischste Ende nahm. Und als dann das Elend der Beziehung, dieses viel zu lange Aneinanderklammern endlich beendet war, wurde es schmutzig und böse, noch schmutziger, als es ohnehin schon war. In all der Jahren der Krankheit und Fehler – auf beiden Seiten.

Einfach hat sie mir es am Ende gemacht, da sie schon mit ihrem neuen Freund zusammen war, als sie noch „meine Freundin“ hieß, was ich erst sehr viel später entschlüsselte. Es wollte mir wohl keiner meiner Freunde sagen, ebenso wie ich die gleichen Freunde jahrelang anflehte und anherrschte, ihr nichts über meine Drogenkrankheit zu erzählen. Da zeigte sich, dass man sich gegenseitig verdient hatte.

 

„Liebe ist kälter als der Tod“, so hat Rainer Werner Fassbinder seinen ersten Langfilm genannt. Und wenn man dann diesen fremden, früher ach so vertrauten Menschen einen betrunkenen Abend lang trifft und dermaßen gewollt übersieht, kann man ihm nur Recht geben. Da ist nichts mehr da. Und das ist so unglaublich schade, so Lars-von-Trier-Film-traurig. Nicht weil ich irgendwas zurückhaben wollen würde. Nein. Überhaupt gar nicht. Nur deswegen, weil ja nie immer alles nur schlimm gewesen ist, ganz im Gegenteil. Man wollte halt immer doch was Besonderes sein. Sei es in der Beziehung und wie man im Nachhinein damit umgeht. In diesen Punkten bin ich und war ich immer schon sehr naiv. Und am Ende sind wir, all den Schwüren und Versprechungen zum Trotz, das Ex-Paar auf Partys geworden, das den schlechtesten und schwersten Umgang miteinander pflegt. Das hätte nicht so kommen sollen. Wahrscheinlich aber so kommen müssen.

Zerstörte Liebe ist wie ein kalter Fleck im Herz. Er schmerzt nicht. Er stört nicht. Er fühlt sich nur sehr fremd und leblos an.

 

Dabei hilft es natürlich wenn man in solchen Situationen seine neue, und natürlich aus der Situation heraus, auf alle Fälle BESSERE Liebe dabei hat, mit der man scherzt lacht, sich freut, liebt, lebt und fühlt, ohne aber auch nur eine Sekunde lang darüber nachzudenken, wo auch das einmal enden könnte. Das ist die andere Liebe. Die LiebeLiebe. Die unsere Welt in den Angeln hält.

Ich sah den damals neuen Freund meiner Ex neben ihr. Sie sind immer noch zusammen. Und weil dieser „neue Freund“ auch einmal ein sehr guter, und ich dachte auch lieber, Freund von mir gewesen war, tut es mir leid was aus ihm geworden. Wo ist all seine Lebenslust hin? Und weil ich natürlich ein Idiot bin gebe ich einfach der Ex die Schuld an seinem Verhalten, habe Mitleid mit ihm, weil ich plötzlich so viel von mir in ihm sehe… Aber in Wahrheit habe ich keine Ahnung von den Beiden und kann mir einreden was ich will, nur um mich selbst besser zu fühlen. Ich weiß ja wie dumm es ist einen Abend in dem man jemand sieht auf ein ganzes Leben hinauf zu rechnen. Ebenso dämlich ist es eine Beziehung nur nach den Aussagen eines Partners zu beurteilen – da gehört immer noch ein wenig mehr dazu.

 

Über diese ganze Szene hätte ich so wahrscheinlich niemals nachgedacht, hätte ich nicht gerade einfach ein wenig tippen wollen… Das Gestern belastet mich nicht. Im Gegenteil. Es waren zwei schöne Geburtstagspartys auf denen ich war, die unterschiedlicher nicht hätten sein können, mit Menschengruppen, die auf den ersten Blick sehr unterschiedlich sind, in Wahrheit aber nur das wollen, was jeder will: Geliebt zu werden.

Und ich genieße es unermesslich in einer guten, funktionierenden Beziehung zu sein, in der man der sein darf, der man ist, und der man auch sein muss, um Liebe zu geben und zu erhalten.

 

Danke für Gestern also. Alles Gute zum Geburtstag meinen beiden Geburtstagskindern.