Menschen sind gestorben für die 40 Stunden Woche.

„Schlief ich? Hatte ich geschlafen?“

 

Schon lange, schon viel zu lange bin ich nicht mehr zum Schreiben gekommen. Die Arbeit, dieser versuchte, Wochentägliche Selbstmord für Geld, hat mich daran gehindert. Jetzt habe ich gerade geschlafen gehabt. Hatte nämlich den „Not-Aus“ drücken müssen, nachdem der Körper nicht mehr konnte, da der Geist mich heute Nacht schon 2,5 Stunden vor Arbeitsbeginn wach geklingelt hatte. Wecksignal: Stress! Stress! Stress!

Und der Kopf so in einer Melange aus Halbschlaf, Wahn und Zielgerichtetheit überhaupt nicht mehr zumachen will.

 

Jetzt, nach der Schlaferei kaufte ich mir die neue „DJ Kicks“-Mix-CD von Moodymann und während sie gezogen wurde, hörte ich das oben eingebundene „Dance yourself clean“, geschrieben vom großen James Murphy, interpretiert von MS MR.

Wie ich da so sitze, beschädigt von dem sozialen Arbeitswahn den einen modernen Menschen die Festplatte von der Medulla Oblongata meißelt, und dem Vibe des Songs lausche, denke ich mir so, ganz Mitte dreißig und kaputt vom Erwachsenen-Leben: „Ja, ja. Sich selbst gesund schlafen…“ Vollkommen im Klaren darüber, dass es TANZEN heißt, nicht schlafen. Der Schlaf ist der Tanz der Nüchternen. Der Ausweg derer, die sich nicht mehr freitanzen können. Und eine kleine, gemeine, extrem dreckig fiese Traurigkeit überkommt mich.

Das Leben. Ein Tanz nach der  Melodie eines großen, kapitalistischen, weltumspannenden Gesamtorchesters, Sektion Deutschland. Untergruppe: Warsteiner. In der Kreisklasse hier, in der ich gerade lebe, bin ich selbst ein Stück des Sounds, der den ganzen Pop der Produktion am Laufen hält; viel zu klein um ein richtiges Geräusch zu sein, nur ein Hintergrundrauschen im großen Tamtam der Rhythmus-Sektion.

 

Meine Freundin hat gesagt: „Lass dich doch krankschreiben. Du musst nicht Alles selbst machen. Ist doch nicht dein Bier.“ Wahrheit. Aber sie versteht nicht diesen geheimen Schwur, diese ausgemachte Blödheit eines arbeitstätigen Mannes, dessen Unterbewusstes Tun für das Handeln des Kollektivs richtig und gut sein will, so wie der Jäger zu Beginn der Neuzeit, als wir noch in Höhlen lebten, sich mit seinen Arbeitskollegen daran machte das Mammut zu töten, um die Gesellschaf mit seinem Mitwirken zu ernähren, wohlwissend, dass er oder seine  Freunde bei diesem Wahn ein viel zu großes Tier zu Tode zu hetzen – bei seiner ARBEIT also – ums Leben kommen könnte. Nicht nur für dich und mich Schatz! Es geht um das große Ganze. Um das Team. In Wahrheit gehe ich doch für uns ALLE arbeiten/jagen, was auch immer. Denn die Selbstzerstörung ist ein Dienst an der Gesellschaft. Denn wenn sich jeder krankschreiben lassen würde wegen dem Stress, dann würde doch keiner mehr das Mammut  erlegen…

Oder irgend so ein Blödsinn den Mann sich einredet. Verdammt… Ich wollte doch  keine billigen Wortspiele mehr mit „Mann“ machen… Die deutsche Sprache  ist eh viel zu männlich geraten. Grüße an Thomas Meinecke von hier…

Auf jeden Fall hat das irgendwas mit „Ehre“, „Herdentrieb“ und einem vollkommen falsch verorteten Gefühl des Anstands zu tun, wenn man sich kaputt macht für den Lohn der Arbeit, der neben dem unsichtbaren Geld (wenn man es wenigstens noch in die Hände bekäme!) vor allem Hohn und Spott zu sein scheint. Denn merke dir, mein Freund: Niemand  wird jemals danke zu dir sagen. Außer er will etwas von dir – und das auch nur, wenn er gesellschaftlich auf dem gleichen Rang oder unter dir steht.

 

Ja. Tanzt euch selbst frei von der großen Melodie der Sklaventreiber. Nicht nur im Schlaf. Geht raus. Auf die Tanzflächen dieses Planeten.

Und lasst euch kräftig am Arsch lecken.

 

Und by-the-way und was ich schon lange einmal sagen wollte: Es sind Menschen gestorben für die 40 Stunden Woche. 

Das ist kein Spruch. Das ist die Wahrheit. Also lasst euch nicht ausnutzen.