Kleine Männer nerven.

(Das ist mal wieder ein fabelhafter Einstieg um sich sofort beliebt zu machen…). Natürlich nicht Alle und Jeder. Das ist Unsinn. Ich mache hier jetzt nur ein wenig auf Randale. Bevor. Ich ins Detail gehe. Und zwar…. Jetzt.

Ich selbst bin um die 1 Meter 90 (eher ein wenig mehr, glaube ich) und es bedeutet mir überhaupt nichts „so groß“ zu sein. Klar, auf Konzerten und Massenveranstaltungen hat man den Überblick – und viele schlecht gelaunte Leute hinter sich, denen man im Weg steht. Keiner sucht sich aus groß zu sein, wie auch keiner sich dafür entscheidet klein zu sein. Und ich selbst nahm meine eigentlich überdurchschnittliche Größe erst dann wahr, als ich Probleme mit dem Rücken bekam (glaubt mir, die Welt ist mehr für kleinere Leute gemacht… Ich sage nur Abspülen und Bügeln). Vorher waren einfach die meisten Leute kleiner, ganz unbewusst. Das war halt so.

Ich habe auch kein Problem mit kleinen Menschen, da mir ebenso wie meine Größe, mir ihre total egal ist. Menschen sind so wie sie sind. Und ein Körper kann schön oder hässlich sein, ganz egal wie groß er ist, denn jeder Mensch kann Charme ausstrahlen, besonders wenn er mit der Schublade spielt, in die ihn Gott gesteckt hat.
Jeder Mensch kann schön sein, auf seine Art.

Das ist nicht der Punkt.

 

Der Punkt ist, dass sich viele Leute für „zu kurz geraten“ halten. Dafür muss man sie gar nicht so behandeln, sie fühlen sich einfach so. Ich will nicht außeracht lassen, dass diese Leute bestimmt in der Jugend gehänselt wurden, denn in der Jugend wird fast jeder für irgendwas gehänselt (und da hilft es auch nicht nur größer oder stärker als der Rest zu sein, nicht einmal „Schönheit“ schützt davor). Und diese kleinen Männer, die das Gefühl haben, dass ihnen in irgendeiner Form ein gewisses „Mehr“ zusteht, die nerven einfach total. Besonders. Wenn man als Gegenüber sie ein oder gleich zwei Köpfe überragt. Denn dann projizieren sie ihre Kleinness auf den Großen. Es geht gar nicht darum wie groß man an sich ist, sondern wirklich nur darum, wie klein sich der andere vorkommt.

Das ist wirklich ziemlich anstrengend und mit den Jahren checkt man sehr schnell was das Problem mit dem Gegenüber ist: Der hat ein Problem mit dir – will etwas beweisen – und dir ist der vollkommen egal. Nicht weil er so klein ist (haha), nein, es gibt einfach kein Problem, ebenso wie es kein Überlegenheitsgefühl gibt… Denn in Wahrheit hat er kein Problem mit mir, der hat ein Problem mit sich selbst.

Und wenn man auch noch wie ich (das hat mit den Jahren abgenommen und heute gebe ich mich eher schüchtern) oft das Gefühl hat verbal auftrumpfen zu müssen, macht man sich gleich noch beliebter, da man den Kleinen ihre schärfste Waffe stumpf redet: Das Wort.

 

Das ist die eine Sache.

 

Aus Gründen deren Sinnhaftigkeit sich mir selbst entziehen, lese ich gerne die Kommentar-Spalten unter Artikeln. SPIEGEL ONLINE, Filmstarts, bei FM4, Youtube was weiß ich wo. Und jeder weiß, dass man, wenn man diese Absonderungen dort liest, in Wahrheit nur einen Hass auf die ganze Menschheit bekommt. Was da für ein Scheiß produziert wird!… Und wie selten man etwas liest, was einen weiterbringt, wie selten so ein Kommentar eine Bereicherung zum Thema darstellt. Nun, ich lese das trotzdem und kommentiere dann aus Prinzip nicht.  Weil ich mich eh nur aufregen würde. Dialoge sind in diesem Kontext nicht möglich, und wenn dann nur sehr, sehr selten.

Das sind die andere kleinen Männer, die „Gernegroß“ der Internet-Zeitalters die im echten Leben nichts zu melden haben und sich jetzt bei irgendeinem Thema (Filme – am Schlimmsten – Sport, Videospiele, Politik, Musik, usw. usf.) vorkommen als hätten sie die Wahrheit für sich gepachtet und das virtuelle Gegenüber hat eh keinen Plan und wird PLATT gemacht. Und diese Kleingeistigkeit macht mich rasend. Denn man merkt schon an der Gesprächsführung selbst, dass es nicht darum geht was der andere sagt, sondern die eigene ÜBERRAGENDE Tollhaftigkeit muss vorgeführt werden. Und auch wenn man sich nicht hundertprozentig sicher sein kann, dass diese Kommentare immer nur von Männern kommen, liest und hört man es oft heraus.

Weshalb sind wir Typen so? Warum halten wir uns ALLE für verkannte Spezialisten, Genies und  Experten?

Nicht dass es keine Frauen geben würde, die in demselben Topf stecken würden…

 

Wieso glaubt jeder Trottel mit ein wenig Halbbildung (natürlich auch ich), dass er die Weisheit gefressen hätte? Das nervt doch.

Auch wenn ich mich aus der Geschichte nicht herauslasse, empfehle ich jedem Schwätzer der sich für besonders klug hält, einen Blog zu führen bei dem er seine Gedanken mit Argumenten versehen muss. Mit VIELEN Worten, nicht nur mit One-Linern. Das macht den Menschen nicht sofort besonders clever, und ich schließe nur von mir auf andere, mich aber hat es bereichert meine Positionen verteidigen und begründen zu müssen. Denn auch wenn wir nicht „alle Fässer ohne Boden sind um all unsere Warums und Gründe zu kennen“, so wird man durch die erzeugte Aufmerksamkeit gezwungen, didaktisch zu denken. Und aus dem kleinen Idioten (der in jedem von uns steckt) WÄCHST nach und nach etwas hervor, mit dem man sich normal unterhalten kann. Der zuhört. Und überlegt ob er im Recht ist. Auch. Wenn man den kleinen Mann nie ganz aus seiner Birne heraus bekommt. Und hey. Das ist auch gut so.

 

Es gibt keine großen oder kleinen Menschen mehr. Du bist das, was du aus dir machst.

Ich weiß. Solche Weisheiten sind auch sehr platt, doch gerade an so einem Tag, an dem die Meldung um die Welt geht, dass ein ganz, ganz großer der Pop-Musik gestorben ist, sollte man sich darüber klar sein, dass David Bowie nicht nur ein fabelhafter Musiker war, er war auch ein Trendsetter dessen „Verwandlungen“ wichtig für unsere Gesellschaft waren, wichtig dafür, wie man die Spinnerrein des anderen, des Fremden, des Gegenübers, deutet und interpretiert. Aber. Auch David Bowie war kein größerer Mensch als du oder ich. Er war ein toller, genialer Musiker. Ein sogenannter Star. Doch er war nicht wichtiger als du oder ich. Er war einfach nur ein Mensch, der fehlen wird. Mit Gefühlen, Sorgen, der gelacht und geweint, seine Familie und Freunde geliebt hat. Und am Ende ist er leider so gestorben, wie die meisten von uns: Vom Krebs zerfressen. Die Krankheit macht keinen Unterschied, ob ein Mensch berühmt ist. „Groß“ oder „klein“.

 

Und das Thema MINDERWERTIGKEITSKOMPLEX ist auch die beste Erklärung, die ich zum Thema Köln gelesen habe. Bitte hier weiterklicken 

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