Contact Festival 2017 – Rückblick und Festival-Kritik

20171202_195408

Dieses Jahr gab es gar keine Club-Nacht für mich. Da muss man doch was machen. Aber Nacht und so? Geht das denn nicht auch ein klein wenig anders? Schließlich bin ich 37. In dem Alter wird man beim Ecstasy kaufen schon von seinem jugendlichen Dealern gesiezt. Also warum nicht auf das verhasste Contact-Festival, bei dem ich vor ein paar Jahren einmal war. Damals gab es ein paar ordentliche Defizite in der Organisation. Es war aber auch nicht alles schlecht. Wenn es damals wie gestern nur nicht so kalt gewesen wäre… Dezember bleibt halt leider auch Dezember.

Es ist kein Geheimnis, dass ich von dem Echelon-Veranstalter nicht viel halte. Miese Preispolitik. Abzock-System „Getränkemarken“, welches man dieses mal „Token“ genannt hat, nur das Prinzip bliebt das gleiche. Außerdem konnte man die Becher nicht überall zurückgeben (nur gegen neu gefüllt austauschen) und die übrigen Marken  auch nicht da zurückgeben wo man sie gekauft hatte – sondern irgendwo ganz woanders. Die Token waren auch nicht beschriftet wie viel der einzelne Wert war (Klasse Idee halbe Tokens mit drauf zu machen, die an der einen Bar als volle akzeptiert wurden, woanders nicht) und man hatte im Prinzip überhaupt keinen wirklichen Überblick was man noch für Möglichkeiten hatte und wann man neue holen musste. Klar kam ich/wir schon gut angetrunken an. Doch sollte ein System auch für die Berauschten Sinn machen: Denn wir sind eure Kunden.

Die Schließfächer anstelle einer normalen Garderobe empfand ich als eine gute Idee. Der Raum war schön beheizt und man konnte immer ran wenn man wollte. Nur. 8 Euro für ein Schließfach? Da passten auch nicht „locker“ drei Jacken rein, wie man noch auf Facebook getönt hatte. Es ist Winter verdammt! Da passte gerade mal eine Winterjacke rein, und ein Pulli! Zu den 8 Euro kamen auch noch 5 Euro Schlüsselpfand. Dieser Pfand war das Einzige was Sinn machte…

Ne. Dass dieser Veranstalter uns tief in die Taschen greifen würde war zu erwarten.

20171202_162101

Die Idee mit den kostenfreien Decken zum über die Schultern legen fand ich gut. Hätten ein paar mehr sein können. Und. Was sagt es über ein Festival aus, bei dem man Decken braucht um nicht zu erfrieren? So oft sind wir dann auch nicht zwischen den Hallen gependelt. Im Kesselhaus drüben waren wir einmal. Und in diesem neu gebauten (schönen Glaskasten) auch. Optisch waren die Aufbauten okay bis hübsch. Leicht spacig. Es gab endlich auch einen kleinen Chillout-Bereich. Zum Hinsitzen. Das war angenehm. Und so manch einer nutzte die Sitzgelegenheiten. Um unter den Decken. Verschmitzt lächelnd. Drogen zu nehmen.

Über die Anlage im Zenith-Bereich wurde schon so viel gelästert: Zu Recht.

20171202_193156

Aber ich war ja mit Freunden da. Um Freunde-Sachen zu machen. Das funktionierte sehr gut und wir hatten Spaß an uns. Ganz besonders auf der Hinfahrt. Im Laufe des Tages flaute das ab. Der ganze Alkohol und … Machten es anstrengend. Derselbe Level ist selten zu halten. Schön aber das gleiche Niveau überhaupt mal gehabt zu haben. Jeder hat so seine Wünsche an die Nacht. Jeder seine Erwartungshaltung. Die Schnittpunkte verwischen manchmal und man muss sich mit weniger zufrieden geben.

Wir waren ja auch schon mittags aufgebrochen um gegen 15 Uhr 30 Rodhad zu hören. Der war mir aber zu dröhnend bassig. Nichts wofür man jetzt unbedingt früh anreisen musste. Hat man den gehypten Mann von vor zwei Jahren auch mal gehört. War ordentlich. Nicht mehr.

Ebenso wie bei Reinier Zonneveld. Drüben. Im Kesselhaus. Da war die Stimmung viel komprimierter, geballter. Hier hatte die Crowd auch schon zu der frühen Tageszeit Bock. Die Hände waren schon oben und… Na ja. Mehr ist von einer Crowd 2017 nicht zu erwarten. Also Hände oben, ein wenig Geschrei: Gute Sache.

20171202_170927

Kölsch wollte ich unbedingt hören. „Opa“ ist ein Mörderbrett und wurde nach einer Stunde von dem Mann mit Hut auch herausgehauen. Dass der Act aus Dänemark (nein, nicht aus Köln) mehr ist als ein One-Hit-Wonder bewies das darum herum aufgebaute Set. Ich fand es sehr tanzbar und es machte mir sehr viel Spaß. Es war mit das beste Set an diesem Tag. Ich war frisch und unverbraucht. Es war Zeit den Schuh fliegen zu lassen. Neben dem alten Rein/Raus-Spielchen: Rauchen und Token kaufen.

Weil meine Leute ein wenig lädiert und ich eh schon im Reiseleiter-Modus war, schob ich sie im Laufe des Tages von Bühne zu Bühne. Das ging ganz gut, weil noch nicht sooo viel los war. Ein wenig nervig war das Aufgepasse auf seine Leute zwar schon. Gehört aber halt dazu wo Gläser gekreuzt werden.

20171202_183719

Wir (na ja, vielleicht mehr ich) tanzten und hörten (eher die anderen) bei Uros Umek zu. Den Umek hatte ich auf meinem letzten Contact gerne gehört und auch diesmal enttäuscht er mich nicht. Sein Sound war schon immer treibender und flippiger als der normale Techno-Kram. Nicht ganz so kühl, nicht ganz so bolzig, schön 4 to the Floor mit einer leichten Prise musikalischer Gewürzmischung. Nicht das beste Set des Slowenen. War aber okay.

Süß war das back to back Set von Adam Beyer und Ida Engberg neben an. Das Schweden-Pärchen. Das war natürlich schön Bass und Rhythmus orientiert. Ein wenig holzig, ein wenig doof: Wunderbar 😀 Nicht der höchste Schwierigkeitsgrad für den Körper. Genau richtig schön zum Grinsen und Mitbouncen.

20171202_205753

Leider werden die Leute die auf Techno-Veranstaltungen gehen immer fauler. Man darf die gar nicht auf der Tanzfläche beobachten. Das ist eine Entwicklung die ich schon seit Jahren kopfschüttelnd kommentiere. Gestern waren die Leute aber schon extrem faul. Vielleicht. Liegt es aber auch an den Drogen. Die werden immer stärker, immer konzentrierter. So dass man gar nicht mehr die Energie hat wie ein Irrer zu dancen. Schade. Denn gerade so was musste man beim Set von Klaudia Gawlas machen. Sonst macht die Frau doch gar keinen Sinn!

Es macht immer Spaß mit ihr. Mit ihrer harten Form von Techno. Die Art von Techno, die mich vor 18, 19 Jahren zu der Musik brachte. Trotzdem (und gerade deswegen): Nach all den Jahren empfinde ich den Sound als ein wenig öde. Das kenne ich schon in- und auswendig und habe ich gerade in den Nuller Jahren viel besser gehört. Überhaupt und sowieso hat mich das musikalische Programm des Contacts daran erinnert, wie sehr ich mit dieser Art von Musik durch bin. Ja, ich liebe den ganzen Scheiß. Ja, we never stop living this way. Trotzdem muss man doch auch nicht beim immer gleichen Geknüppel stehen bleiben. Es gibt so viele verschiedene Formen von Techno (ich verwende den Begriff immer noch wie jemand aus dem Jahre 2000), von elektronischer Musik, dass ich mich mehr nach Abwechslung sehne. Die auf dem Contact nicht gegeben war. Klar ist es auch geil ein straightes Techno-Event im Jahre 2017 zu haben (es gibt ja immer noch genug davon, zum Beispiel die Time Warp in Mannheim), ich find´s dann halt ein wenig fad. Deswegen war´s das auch für uns und diese Party.

Hat Spaß gemacht. Nur mehr im Nachhinein als wirklich in der Zeit als wir da waren.

 

Advertisements