Hans Söllner und Böhse Onkelz – Verschwörungstheoretiker in Zeiten der Krise

Es ist ganz gut in diesen Tag die Schriftstellerei als Hobby zu haben. Jeden freien Tag schreibe ich an meinem neuen Buch „Stereotyp“. Einmal in der Woche versuche ich einen passablen Blog-Eintrag zu schreiben. Das Wichtigste ist dabei, Spaß am Schreiben zu haben. Diesen einmal-in-der-Woche-Gedanken hatte ich schon vor Corona. In Corona-Zeiten ist es nur schwer, sich nicht aufzuregen und den Spaß wirklich zu finden. Es geht uns doch allen gleich. Wir haben verlernt Langeweile auszuhalten und scrollen viel zu viel durch das Handy. Und. Posten und teilen komisches Zeug.

Viele Jahre hatte ich absichtlich Facebook-Freunde, mit denen ich nicht die gleiche Meinung teile. Anfangs waren das mehr entfernte Bekannte, mit denen man nicht viel zu tun hat. Facebook-Freunde. Keine echten Freunde halt. Mit der „Flüchtlingskrise“ bemerkten viele von uns, dass sie (auch gerade über die „sozialen“ Medien) auch nicht die Meinung von guten, echten Freunden teilen. Das muss man aushalten. Das ist Freundschaft. Und das musste ich lernen. Nicht aushalten muss aber nicht, wenn die irgendeinen Quatsch posten. Dazu kann man sich äußern. Öffentlich und privat. Auch das ist Freundschaft, die die anderen aushalten müssen. Zurzeit jedoch kicke ich viele Freunde raus oder schalte sie auf stumm. Manchmal ist es einfach zu dumm oder anstrengend. Wie gesagt. Meinung darf und sollte jeder haben. Ich muss mir das aber nicht geben, wenn es zu abdreht ist.

Hans Söllner war so etwas wie der Held meiner Jugend. Ein Mann, der sich was traut. Ebenso wie die Böhsen Onkelz. Ebenfalls „die Band, die sich traut Dinge auszusprechen, worüber andere nur schweigen“. Als Jugendlicher hat mich das sehr beeindruckt und geprägt. Ich bin tatsächlich jemand geworden, der offen seine Meinung äußert und sich deswegen einige Türen verbaut und Freunde verloren hat. Deswegen werde ich nicht gleich als Held gefeiert wie die Onkelz und der Söllner (kennt man den außerhalb Bayerns überhaupt noch?). ich bin einfach nur ein Typ. Irgendein Kerl. Ich lebe mit meinem Image. Verdiene aber nicht daran, wie die Onkelz, die sich dem absolut verlogenen Ausverkauf hingegeben haben (siehe Band reunion. Verarsche der eigenen Fans). Oder Hans Söllner. Mit dem es das Finanzielle nicht annähernd so gut gemeint hat. Da gibt es interessante Dokus und Youtube Videos. Schaut mal rein, wenn ihr wie ich Jahrzehntelang den Söllner aus den Augen verloren habt.

Der Söllner lebte immer von seinem Image, nicht anders zu können. Und ich glaub ihm das sogar. In vielen Dingen der Meinungsfreiheit war er ein Vorreiter. Er bestand darauf seine Meinung vertreten zu dürfen und hat sich selbst damit finanziell ruiniert. Davor kann man jetzt Respekt haben oder ihn auslachen. Das steht jedem frei. Dieser Aspekt ist auch nicht das Thema meines Textes. Und ich will vorweg gleich sagen, dass ich dem Mann nichts Böses will. Wie gesagt. Er glaubt sicherlich zu denken, er könne nicht anders. Genauso wie er sich Jahrzehnte lang für das Kiffen eingesetzt hat, bevor es en Vogue war. Ich mag weder Kiffer noch kiffen an sich (dann nehmt doch gleich LSD wenn ihr was LERNEN wollt), er hat das aber durchgezogen mit all dem Gegenwind, den es in einem Freistaat wie Bayern geben musste. Wie gesagt. Dafür kann man Respekt haben oder ihn beschimpfen. Er selbst sagt, er habe inzwischen mit dem Kiffen aufgehört: Mir doch egal ob der kifft oder nicht.

Auf Hans Söllner bin ich durch Facebook wieder aufmerksam geworden. Ist schon ein paar Jahre her. Dort wurden seine Statements geteilt und ich war nicht wenig überrascht, als er sich als Impfgegner präsentierte. Ich finde das tatsächlich ziemlich lächerlich. Denn auch wenn Impfen natürlich gefährlich sein kann (kein Medikament wirkt bei allen Menschen gleich), haben uns die Impfungen an sich ziemlich den Arsch gerettet. In Zeiten von Corona hört man auch überraschend wenig von den Impfgegnern. Hm. Genauso wie sich die öffentliche Meinung zu Dietmar Hopp recht schnell geändert hat… Und ich denke mir halt, okay, das ist nicht besonders helle Herr Söllner. Er hat dann genauso argumentiert, wie er immer argumentiert: Man solle nachdenken und sich nichts vorschreiben lassen. Darüber musste ich leise schmunzeln. Hier geht es ja nicht darum eine faschistische Rassentrennung abzuschaffen oder gleiche Bezahlung für alle Geschlechter. Ne. Es geht um Impfungen. Es ist mir nie in den Kopf gegangen, warum das ein Streitthema geworden ist.

Mit Corona habe ich es verstanden. Denn auch jetzt plädiert Hans Söllner auf Facebook dafür, sich nicht an Verbote zu Halten und Rauszugehen. Verstehe ich nicht. Der Söllner ist wie ich Bayer. Noch dürfen wir draußen spaziergehen. Oder verstehe ich da was falsch? Dann fabuliert er davon, dass Leute die keine Angst haben, anderen Angst machen. Ich sag es zum 1000sten Mal: Meine Frau ist Arzt. Die arbeitet in diesen Wochen quasi an der Front. Für uns alle. Und wusstest ihr, dass in Italien schon 60 Ärzte und 2000 Leute in der Pflege an Corona gestorben sind? Meine Frau hatte die Zahlen und das wären dann in etwa ein Viertel aller Corona-Toten in Italien. Klar machen wir uns Sorgen. Aber Angst? Die Menschen haben weniger Angst, als der Musiker sich das vorstellt oder uns attestiert. Man kann auch Angst mit Vernunft verwechseln. Der Herr Söllner hat immer vor den gleichen Dingen Angst. Dass DIE DA OBEN mit uns machen was sie wollen. Aha. Ich glaube nur, kein Politiker in Deutschland will eine Ausgangssperre. Weil die sind eh mehr oder weniger von der Wirtschaft gekauft (siehe Wählerstimmen). Das schadet den Politikern nur. Und Söder dann mit Orban vergleichen Herr Söllner. Geh bitte. Warum nicht gleich mit Hitler?

Das Söllner-Problem ist die Söllner-Methode: Die da oben haben Unrecht. Der kleine Mann hat Recht. Und das ist Quatsch, wenn man sieht was „der kleine Mann“ so wählt und denkt. Pauschalisierungen helfen da halt nicht. Ich bin auch kein Freund von Markus Söder. Der hat sich auch nie dafür beworben, man of the year zu werden. Dennoch halte ich sein Vorgehen für richtig. Es gibt sogar Vergleichsbeispiele. Siehe China und Singapur. Das sind natürlich keine gewählten Demokratien. Das sind Diktaturen. Aber ihr Vorgehen hat funktioniert. Wahrscheinlich auch deswegen, weil es dort keine Defätisten gibt, die in Krisenzeiten gegen das Allgemeinwohl schießen. Ich habe auch erst ein Video gesehen von diesem KenFM-Typen. Der hat sich original ein Gitter vor die Kamera gestellt und gesagt, man dafür nichts mehr sagen. MAN DARF ALLES SAGEN! Man oder frau dürfen halt auch darauf antworten. Es ist vollkommen richtig Politiker eines Landes kritisch zu betrachten, die eine Notstandsgesetzgebung in Kraft treten lassen. Es sollte jedoch auch hinterfragt werden, ob das sinnvoll ist. Und ja. Der Mainstream kann durchaus im Recht sein. Mainstream macht nicht zwangsläufig alles falsch. Man muss differenzieren können. Es geht nämlich nicht nur um die Corona-Toten selbst. Es geht auch darum, wie viele Menschen sterben müssen, weil es Corona gibt. Nicht verstanden? Schon jetzt, wo unser medizinischen System noch nicht zusammengebrochen ist, sterben Menschen WEGEN Corona. Nicht AN Corona (das aber auch). Wichtige Operation werden schon jetzt nicht mehr gemacht. Da wird dann gesagt okay. Der Mann/die Frau ist über 80, da machen wir die Operation nicht mehr, da wir Kapazitäten freihalten müssen. Ich hab das aus erster Hand. Schon jetzt wird selektiert. Und wenn das große Sterben erst einmal losgeht (wir hoffen alle, das es nicht geschieht), werden nicht mehr nur die Leute an Corona sterben, es sterben auch die, die nicht behandelt werden können, da wegen Corona die Kapazitäten erschöpft sind. Es geht schon lange nicht mehr wer direkt an Corona stirbt. Noch mal: Es sterben Leute wegen Corona, obwohl sie es gar nicht haben.

Aber immer alles in Frage stellen. Immer alles anzweifeln. Das ist das Lebensmodel von Hans Söllner. Die Masse ist dumm. Man selbst Im Recht. Das typischen Bild eines Verschwörungstheoretischen Kiffers. Ein alter weißer Mann. Der Recht haben will. Und wichtig sein will. Hier geht es schon lange nicht mehr um „Aufstehen“. Auch nicht um Vernunft. Mein Blog heißt ja „Strategien gegen Vernunft“, da ich mal ein Buch geschrieben habe mit der Forderung, man möge doch bitte die gängige Vernunft in Frage stellen, um zu einer besseren, neuen Vernunft zu gelangen. Heute liest sich so ein Wunsch wie ein ad absurdum. Die neue Vernunft scheint nämlich nur der eigene Egoismus zu sein, da keiner der alten weißen Männer bereit ist, seine Position zu hinterfragen oder zu ändern. Seien es die Obrigkeitshassenden Kiffer. Oder die Friday for future beschimpfenden Leute, die alle, die den Planeten retten wollen, als Wahnsinnige und Naivlinge darstellen. Die neue Vernunft scheinen Fake News zu sein, die sich an allem orientieren was Gefühl ist. Nur nicht an Wissenschaft und Zahlen (da hat der Benecke neulich ganz schon Eindruck hinterlassen).

Die Geister die ich rief. Alter frustrierter weißer Mann. Du bist zu dem geworden, was du am meisten hasst.

In dem Zusammenhang kann mir gerne mal jemand sagen, was die verlogenen Böhsen Onkelz (die Bands die immer so ehrlich war haha) jetzt über ihre „Medien-Schelten“ sagen. Ist ihre in Teilen natürlich auch verständlich Kritik zu den Medien, diese nur lächerlich oft auf jedem Album aggressiv wiederholt haben, inzwischen dazu übergegangen, dass auf ihren Konzerten „Lügenpresse!“ gebrüllt wird? Schreibt so was doch mal in die Kommentare Leute. Würde mich interessieren…

Und weißt du was. Hans. Ich gehe jetzt spazieren. Weil ich das darf. Genauso wie du. Nur hab ich wirklich keine Angst, im Gegensatz zu dir. Und dann. Dann bleibe ich im Haus. Weil ich mir Sorgen um andere Menschen mache. Weil ich das will.

Ich sehe was, was du nicht siehst

Die Frage ist durchaus, was einen mit den Menschen noch verbindet, mit denen man sich umgibt; viel wichtiger ist die Frage, was man in Zukunft noch für gemeinsame Ideen vertritt – eine Frage, die sich irgendwie verbietet, zu sehr sind wir gefangen in der Kontinuität der Gegenwärtigkeit.

 

Das „Früher“ erscheint einem irgendwie einfacher, selbst wenn man ihm ein gewisses Gewicht zugesteht, denn „Früher“ ist vergangen, ist überlebt, ist durchgestanden und so sieht man dieses „Früher“, selbst wenn man subjektiv an sein Existenzminimum gedrängt worden war (sei es finanziell, geistig, moralisch usw. usf.), als einen Berg den man überqueren musste, um jetzt stark und erfahren sein zu können; früher sind für mich die 90ger, die Nuller Jahre, Jahre der Unschuld und ich kann nicht sagen, ob das vornehmlich mit meinem Alter und der damaligen Politiklosigkeit zusammenhängt, sprich: meiner Jugend, oder ob die Zeit damals nicht wirklich leichter war, wenigstens im direkten Umgang. Die Leute waren sich näher und ferner zu gleich. Es wusste nicht jeder fast alles über den anderen, wie es inzwischen ist, in unserer sozialen Überwachungswelt, und es war auch nicht wichtig unbedingt eine Meinung zu bestimmten Themen zu haben, ohne dafür gleich als „oberflächlich“ oder gar „ignorant“ abgestempelt zu werden. Die Menschen lebten zusammen nebeneinander her und man war weniger vom Export, weniger von der ganzen Welt und ihren Problem abhängig, betroffen und eingeengt. Dabei waren wir auch damals gut genährt, in all dem Reichtum den wir schon damals hatten, der sich nur nicht wie Überfluss anfühlte.

Wir wussten weniger – und hatten mehr davon.

 

Heute geht es dann gleich nach 5 Minuten um „Haltungen“ um Positionierungen, die uns von überall her aufgedrängt werden. Wir müssen von allem „Ahnung“ haben, damit wir auch den pointierten Witz oder das mehr oder weniger unterschwellige Geschimpfe unseres Gegenübers sofort verstehen, denn „2016“ bedeutet ja mehr als in den meisten Jahren, sich in bestimmten Schützengräben der Sprache zu bewegen. Bomben werden dauernd platzen gelassen. Sei es auch nur zwischen den Zeilen. Der Krieg scheint dauernd präsent zu sein, wie ein Film im Hintergrund abzulaufen, auch wenn man sich nur über Kleinigkeiten, richtige Nichtigkeiten unterhält. Irgendetwas trägt immer zu den Planspielen der geistigen Feldherren bei.

Diese andauernde Sprachliche Tortur verändert unsere Sicht aufeinander. Während wir früher unsere politische Meinung oft nur im stillen Kämmerchen mit uns selbst oder in der Wahlkabine abgeschottet (GEHEIM!) mit dem Staat ausmachten, werden wir nun von überall beschossen und befeuert – und ausgefragt („Das musst du doch zugeben, oder?“). Die Intelligenzia muss heute „links“ grollen, die Ängstlichen „rechts“ und zwischendrin sind die Agenten der einzig wahren Matrix, des Internets, dass die Leute die verschiedensten, aufgebrachten Halbwahrheit abschießen lässt, über die man dann kaum mehr diskutieren kann. Wir sprechen zwar darüber, wir hören uns nur nicht mehr, wie Brieffreunde in fremden Ländern, die zwar ein gemeinsames Gespräch führen, nur in verschiedenen Wirklichkeiten leben und dazu noch in einer für beide Parteien nicht Muttersprachlichen Konsenssprache führe, so dass das der zeitverzögerte Papieraustausch an der gewollten Wirklichkeit vorbeispricht.

 

Ich finde das belastend, diese Gespräche. Nicht weil ich am Ende nicht mehr einfach nur „Recht haben“ kann (und wie die meisten Leute habe ich gerne „Recht“), nein, es geht darum, dass ständig so getan werden muss, als müsste jemand am Ende jemand Recht gehabt haben; nach so einem Gespräch gibt sich kaum einer mehr respektvoll die Hände und sprich von einem „schönen Abend“. „Idiot“, „Naiv“ oder „Weltfremd“ wird man geheißen, bestenfalls.

 

Diese ständige Penetranz dieser Schützengrabengespräche bei denen es um jeden Zentimeter geht, führt zur Ausgangsfrage zurück: Was verbindet uns noch miteinander, sei es als Freunde, sei es als Gesellschaft? Ist dieser ständige Haltungsdrang nicht viel zu zersetzend, um ihn auf Dauer aushalten zu können?

 

Die „Gemäßigten“ erscheinen mir nach und nach als die einzig echten Intellektuellen, nicht weil sie Teil einer schweigenden Masse sind (was jedoch auch der Fall sein kann), sondern da sie verstehen, dass die Wahrheit nicht nur Gegen- oder Pro-Asyl, nicht nur Religion oder keine, nicht für oder gegen den Staat und auch kein Wirtschaftsmodell ist, gar nicht sein kann. Alles ist Alles. Alles hat seine Richtigkeit, seine Wertigkeit und seinen Sinn. Man muss also leider jedes Mal neu abschätzen. Nur treibt unsere diese Räson nicht voran, sie ist die ständig getriebene der Extremen. Und ich glaube, das wird noch schlimmer, bevor es besser wird.

 

Diese Welt in der wir leben, ist auf einer Droge. Und diese Droge heißt „Information“. Die Dosis, die wir uns tagtäglich davon verabreichen, ist viel zu hoch, als dass unser Geist sie richtig verarbeiten, dass wir irgendeinen momentanen Nutzen daraus ziehen könnten. Früher oder später werden wir einen Filter, einen Regulator brauchen, wie es früher die sogenannten „Leitmedien“ waren, die großen Print-Medien, die „Tagesschau“, die „Heute“-Nachrichten. Doch solange wir nicht soweit sind, leben wir in einem Wust der Wirrniss, der sich zwischen uns stellt und unsere Kommunikation miteinander entartet, wie einst zum Turme zu Babel. Und die größten Dummköpfe sind jene, die in einer fremden Sprache auf eine fremde Kultur einbrüllen, sie selbst wären im Recht.

 

Das ist das Besondere unserer Zeit: Wir brauchen Informationen und die richtige Bildung um sie begreifen zu können – weder zu viel, noch zu wenig. Denn zu viele Informationen machen den Gebildeten ebenso dumm, wie zu wenig.

Es hilft also nicht nur unzählige Informationen zu horten, man muss sie auch verarbeiten können, und dafür braucht es Zeit und Gewissenhaftigkeit. Wir müssen uns alle mehr Zeit geben um Informationen zu verstehen und sie auszulegen. Um Investitionen in die Zukunft betreiben zu können. Um echte Meinungen zu bekommen, nicht nur Reaktionen auf Umstände…

Der ganze Planet muss entschleunigt werden, nicht nur jeder für sich. Nein. Alle. Insgesamt. Aber wir fangen natürlich wie immer klein an.

Und jetzt muss ich diese Geschichte nur noch denen verkaufen, die ich für im Unrecht halte. Jene die glauben, dass Halloween eine Satansmesse ist… Obwohl, hatten solche Leute nicht schon genug Zeit? Sind 30 Jahre nicht Zeit genug? Und was mache ich mit denen?

 

Abenteuer-Urlaub in Israel?

Noch eine Woche Arbeit, dann beginnt unser Urlaub in Tel Aviv. Israel ist eine merkwürdige Entscheidung für einen Urlaub; nein, ist es nicht.

Seit ich mich erinnern kann hat mir das Fernsehen eingeredet, dass Israel das gefährlichste Land der Welt sei. Unzählige Minuten Nachrichten-Spots und Bilder von Tod, Mord und Trauer. Das seit Jahrzehnten umkämpfteste Gebiet der Welt, mit keinem Ende in Sicht. Wenigstens suggerieren das die Bilder. „Der Nachrichtensprecher macht ein ehrliches Gesicht.“ Und gleichermaßen – wie immer – ist das ganze Unsinn. Tel Aviv hat den sichersten Flughafen der Welt, ist Touristengebiet und die Stadt ist, auch wenn der Strand dort nicht gerade schön sein soll, ein erreichbares Sommerfeeling-Urlaubsziel. Auf Tel Aviv hatte ich wegen Guy Gerber Lust. Dem mehr oder weniger Weltbekannten DJ aus Tel Aviv. Ich folge ihm bei Facebook. Und die Bilder von dort, von den Partys, dem Meer und den fröhlichen Leuten interessierten mich.

Dort wird auch nicht seltener gestorben als irgendwo anders. Der Tod kommt und geht. Das ist aber überall so. Kein Grund um sich Sorgen zu machen. Ying/Yang-Philosophie. Wir lassen uns von dem bisschen Terror doch nicht unterkriegen! Und sterben muss man sowieso. Es geht doch darum, wie du gelebt hast, ihr Hasen.

Ich weiß, das ist pathetisch. Das liegt vermutlich auch daran, dass ich viel Ahnung vom guten Leben habe (keine Anführungszeichen) und so gut wie gar keine vom Tod. Dabei stimmt es doch auch: Man darf nicht nur in Angst leben. Angst vor dem Chef, der Zukunft, dem Ableben… Was weiß ich…

Letztes Jahr waren wir in Kiew. Auch das hatte einen gewissen Touch von Abenteuer-Tourismus. In ein Land zu reisen, in dem ein „eingefrorener“ Krieg ist. Wobei es einfach nur schöne Tage in der Ukraine waren. Kiew ist eine tolle Stadt, auf seine Art. Mit Tel Aviv wird es ebenso sein, nur, wir Kiew wohl um ein vielfaches billiger zu bereisen gewesen sein…

Wenn du einen Job machst, der dir nicht mehr viele geistige Freiheiten lässt (was man in meinem Blog  herauslesen kann, den Verfall der geistigen Möglichkeiten – da war ich selbt unter Drogen noch flexibler), sollte man woanders eine gewisse Form von Freiheit mit gleichzeitiger Gefahr suchen, auch, wenn dieses Abenteuer vor allem nur eines ist: Es ist Einbildung. Das Leben geschieht nur in unseren Köpfen. Also bilden wir uns mal kräftig ein, verrückt und Abenteuerlustig zu sein – was ich schon lange nicht mehr bin 😉

Die Arbeit ein Martyrium. Der Urlaub ein Abenteuer.

Ich will eine Ablenkung durch einen realen Kulturschock, keinen Müßiggang mit Massagen und anschließender Cocktail-Verkostung.

Nach Jerusalem werden wir wohl auch mal vorbei sehen. Das ist dann doch ein Unterscheid zu Tel Aviv. Mal sehen wie das so wird. Die Wiege der Religionen besuchen. Die Orte sehen, an denen mein Chef (Achtung Simpsons-Witz) Jemus gelebt haben soll.

Dabei bin ich kein erfahrener Tourist. Das Gewusel auf Arabisch anmutenden Märkten wird mich in den Wahnsinn treiben (selbstironisches Lachen hier). Auch Hitze finde ich furchtbar… Also ja, ich stelle mir das schon ziemlich geil vor dort drüben und drunten. In Israel. Wo nichts so ist wie ich es kenne und mag. Wo sonst kann man besser Urlaub von seiner eigenen Langeweile machen, von diesem Ich, das sich nur noch um seinen eigenen Lebenserhalt dreht, dass (Vorsicht Kant) nur noch seinem eigenem Bauche hörig ist?

Ihr wisst ja was Shia LeBeouf sagen würde

😉

Die dunkelsten Männerphantasien

Was hast du getan?

Man soll nicht in der Vergangenheit leben. Immer nach vorne schauen. Nicht zurück. In alten Wunden stochern hilft nicht. Wem nützt es schon in weißen, äußerlich verheilten Stellen auf der Haut herum zu bohren? Der Zugang ist verschlossen. Die ehedem freiliegenden Nerven haben sich regeneriert. Das Ereignis ist nur noch Erinnerung. Und als es geschah, fühlte es sich gar nicht so schlimm an. Taten werden erst durch ihre Konsequenzen wichtig.

Warum hast du es getan?

Wieso muss es eigentlich immer schwerer sein in der Gegenwart zu leben oder in die Zukunft zu blicken, als zurückzuschauen? Kann die Vergangenheit denn nicht endlich aufhören? Das ist der Grund, weshalb die Menschen jung bleiben oder es wieder werden wollen, denn „Jung sein“ heißt, nicht die Konsequenzen durchlebt zu haben.

 

Sie hatte es für Geld gemacht. Und ja, natürlich hätte man sein Geld auch anders verdienen können, nur wie? Dieses „du hättest auch was anderes machen können“ ist für außenstehende Dritte immer leicht daher gesagt. Über andere zu urteilen wenn man sie weder kennt noch versteht, ist mit das geläufigste und dümmste Merkmal der Menschen, denn die Leute wollen damit sagen: „Ich habe und hätte es anders gemacht.“  Dabei haben sie sich weder in der auslösenden Position befunden, haben nicht die gleiche Vergangenheit geteilt, noch besitzen sie die Fähigkeit, sich in andere Lebensformen hineinzuversetzen. Es gibt Situationen und Stationen in einem Lebensweg, in welchen dir alle anderen Türen verschlossen erscheinen und du dich zwangsläufig dafür entscheiden musst, das sogenannte „Falsche“ zu tun. Dein Gefühl dabei ist weder gut, noch machst du dir eine Hoffnung darauf, stolz auf das zu sein was gerade passiert. Hier. Ist die Vergangenheit ein Hoffnungsanker: Irgendwann endet jede Situation. Und mit den Konsequenzen kann man doch leben, oder? Die Tat liegt doch schon lange zurück.

 

Sie kann die Vergangenheit auch kleinreden.

Ein  Filmchen als Hauptrolle war es gewesen. Und wenn man sich durch die Umsonst-Portale im Internet klickert, sieht man es unzählige Frauen und Männer tun. In Wahrheit tun sie es die ganze Zeit. Immer und überall. Die natürlichste Sache der Welt. Und hier waren nun einmal ein oder zwei Kameras dabei. Das ist kein Big Deal. Das ist „business as usual“. Die Leute am Set waren nett, höflich, alle taten so, als wäre jeder mit jedem sympathisch und irgendwo stimmte das irgendwie. Es wurde viel Gelacht beim Dreh. Eine kleine Produktion von kleinen Leuten, für kleine Leute. Eine private Phantasie, semiprofessionell aufgezogen, eine Spinnerei und das Geld war gut und schnell verdient und selbst wenn sie ihre Würde ein wenig ablegte, kam sie sich direkt danach nicht ENTWÜRDIGT vor. Ach was. Die normalste und älteste Sache der Welt und wäre das Szenario nicht so gewesen wie es war, hätte sich auch kein Mensch daran erinnert. Wirklich. Niemand. Gar keiner… Es hätte einfach keine Rolle gespielt. Menschen beim Sex für Geld  zu filmen ist schon lange und zum Glück kein Politikum mehr.  Und weshalb muss jeder Trottel denn immer die Phantasien von anderen dermaßen überbewerten? Hat das denn nicht in Wahrheit damit zu tun, dass diese ach so moralischen Menschen, diese verklemmten Anstandsjuristen, diese „Das-musst-du-doch-genauso-sehen“-Typen, sich für ihre Phantasien schämen, oder nein! Ja! War es denn nicht so, dass sich diese LEUTE dafür schämten, GAR KEINE Phantasie zu haben?

 

Das Drehbuch… Sind wir doch einmal ehrlich: Wer interessierte sich denn bei dem Kram wirklich um das DREH-BUCH? Und am Ende wird geheiratet – oder was? Blödsinn… Es war für sie schon schwer genug die SACHEN überhaupt zu tun. Spielte der Rest dann überhaupt eine Rolle? Gut, dann war sie eben nicht professionell bei der Aufnahme gewesen und war sich nicht über die unmöglichen FOLGEN klar gewesen. Na und? War das denn in dem Fall nicht etwas Gutes kein Profi zu sein? Sie wollte es nur hinter sich bringen. Und die Stimmung am Set war gut gewesen… Und die Menschen freundlich…

Der Film zeigt nun einmal nicht die Wirklichkeit, nicht das was geschehen ist. Der Film entsteht eben erst im Schnitt. Wenn man das weiß, kann man keinem Schauspieler – und das war sie doch gewesen – einen Vorwurf machen.

 

Und der Markt verlangt nun einmal nach neuen Dingen. Und diese Produktion war bei Gott nicht die einzige, die nach dem Fall Natascha Kampusch mit den Vorstellungen der Männer spielte, was all diese Jahre in diesem Kellergefängnis wohl geschehen ist. Gewalt in sexuellen Filmen ist ohnehin ein wichtiges Thema und darüber gehört viel mehr gesprochen, als über sie und ihre Rolle. Es macht eh keinen Sinn die ganze Schuld bei ihr und ihrer fiktiven Figur abzuladen. Sie hatte es nur der Geldes wegen gemacht und ja VERDAMMT, heute würde sie das auch nicht mehr machen, nur damals… Da…  Da hatte sie keine andere Hoffnung. Hatte nichts gelernt. Nichts gehabt. Niemanden… Was hätte sie denn machen sollen? Nein, nun wirklich! Was hätte sie denn machen sollen?

 

Ab da war sie immer die Frau geblieben, die auf den Kampusch-Zug aufgesprungen ist. Die die Situation, die Qualen der armen Frau ausgenutzt hatte. Sie wurde zu der, die sich daran bereichert hatte. Aber wie bitteschön sieht denn diese BEREICHERUNG aus? War es denn in Wahrheit denn nicht so, dass diese Geschichte, diese Geschichte von dem entführten und entkommenen Mädchen und die Geschichte von ihr, der jungen Frau der keine andere Möglichkeit blieb und das nachzustellen hatte, was sich der Regisseur und der Drehbuchautor ausdachten, dass das doch eigentlich die gleiche Geschichte ist, die immer gleiche Geschichte davon, dass Frauen von Männern unterdrückt werden damit diese, und alle Männer die davon hören, ihre Phantasien ausleben können und damit Frauen entwürdigen und unterdrücken?… Wer hat denn eine Wahl? Wer hat denn ein gutes Elternhaus? Wer wird geliebt? Und wer geht denn nicht unter aller Augen verloren? Und warum muss das immer wieder und wieder so sein? Und wieso tut niemand etwas dagegen? Weshalb bezahlen die Leute sogar Geld dafür? Bis sie dich auf Youporn gar nicht mehr wahrnehmen zwischen all den Leibern und Grimassen, zwischen all den Karikaturen ihrer selbst. Mit Stolz hat das gar nichts zu tun… Wer nicht in dieser Situation ist, weiß gar nicht was Stolz und Würde ist. Wie kann man nur über sie urteilen, nachdem sie das durchgemacht hat?

 

Der Sturm hat sich gelegt. Die Medien mit ihrer scheinheiligen Moral sind woanders hingezogen. Neues Drama. Neues Leid. Neue, unverbrauchte Gesichter. Und objektiv betrachtet war ihre Woche Ruhm im Rückspiegel der unendlich gigantischen Medienmaschinerie keine große Sache. Nicht einmal eine Randnotiz. Für eine Frau auf sich alleine gestellt, kam es einer Exekution gleich. Dieses Signum geht nie wieder weg.

Du bist was du getan hast. Und in einer Welt in der nichts mehr vergessen wird, bist du gut beraten, so zu sein wie alle anderen auch. Die auf andere zeigen. Und selbst niemand sind.

Keine Aufmerksamkeit für Mörder

Hätte ich die Macht, würde ich die Berichterstattung über Terrorismus grundlegend ändern. Ich würde, ganz im Gegenzug zur Blöd-Zeitung

 

es verbieten Gesichter von Terroristen abzubilden. Auch nicht die konkreten Opferzahlen. Ganz einfach um potentiellen Nachahmern kein Seelen-Futter zu geben, so dass sie keinen hasserfüllten Bodycount übertreffen wollen, damit sich nicht jeder Depp denken kann „Ach ja, was für ein Milchbubi, doch der hat auch 4 Leute mit in den Tod gerissen, dann werde ich das wohl auch schaffen.“

 

Die Berichterstattung erzeugt erst Opfer und Märtyrer, je nach Blickwinkel. Denn wen keiner kennt, den fürchtet auch keiner.

 

Keine Ahnung wie es euch geht. Ich brauche keine Homestorys über Loser die andere Menschen aus der Sicherheit ihres Lebens oder gleich ganz in den Tod gerissen haben. Zwar will ich verstehen warum diese Menschen taten was sie glaubten tun zu müssen, aufgeilen am Horror des Versagertums will ich mich aber nicht. Und wann sagt die Berichterstattung denn einmal nicht, dass nicht der Einzelne schuld war, sondern wir? Das große Ganze? Es ist doch immer das Gleiche.

Keine Fotos von Mördern mehr und schon sieht der Mann neben dir, der vielleicht eine ähnliche Herkunft hat wie der Feigling, der glaubte etwas Besseres zu sein, auch gar nicht mehr so furchteinflößend aus. Keine Opferzahlen und kein Überbieten mehr an Tod. Weniger Drama Baby.

Die Norweger haben es doch mit ihrer Berichterstattung über Anders Breivik vorgemacht.

 

Ausdrücke wie „Katastrophe“ oder „Massaker“ drücken Angst aus – und Schwäche. Beides wird gegen uns ausgelegt.

Fight Club im Fussball-Stadion

„Ist ein Fußballturnier, ist dem Pöbel alles egal.“

„Wer sagt denn das?“

„Na die Medien.“
„Hm. Stimmt ja jetzt auch nicht. Man sollte nicht vergessen, dass die Medien nur noch über Fußball berichten… Es wird einem normalen Menschen fast schon erschwert an normale Infos zu kommen.“

„Vor ein paar Jahren haben die im Bundestag in der Zeit unbeliebte Gesetze durchgedrückt. Hat ja keiner gemerkt.“

„Welche UNBELIEBTEN Gesetze denn?“

„Ja keine Ahnung.“

„Mhm…“
„Auf jeden Fall wird so getan, als hätten wir nur noch Fußball im Kopf während so ner EM.“
„Weil wir der Pöbel sind?“

„Na ja… Vielleicht sind wir schon eher das Pack.“

„Immerhin sind wir in der Gewerkschaft.“

„Pack ist dann auch ein wenig übertrieben. Und als Bildungsferne Schicht würde ich nur die Jungs in der Nachtschicht bezeichnen.“

„Sehr witzig.“

„Aber es ist doch eh Quatsch. Als würden wir uns ansonsten nur über die Flüchtlingskrise, Griechenland oder unsere Renten unterhalten. Der Normalo ist ein Depp. Der redet da kaum drüber. EM hin oder her. Soma gibt es immer…“

„Soma… Weißt du, das Wort „Flüchtlingskrise ist furchtbar. Weißt du warum?“

„Tja…“

„Krisen enden.“

„Genauso wie Kriege… Das hast du aus the wire, stimmts? Krieg gegen die Drogen…“

„Jo.“

„Vielleicht geht es auch darum, dass wir bei so einer WM unsere Leute rumlaufen sehen. Fussballer sind doch in Wahrheit auch eher Pöbel, so denken doch die Anderen. Die Gebildeten.“

„Die Anderen… Hm…“

„Ja du weißt doch. Gut aussehen dürfen Fußballer. Am Besten sind sie noch lustig. Mehr wird denen aber auch nicht zugestanden. Die sind doch für DIE ANDEREN auch nur ein Haufen Hauptschüler. Und das ist noch milde ausgedrückt. So wie wir. Ein Fußball-Spieler ist quasi das Idealbild, der König und zugleich  Prototyp der Proleten. Muskulös. Gut aussehend. Eher selten in ner Bibliothek anzutreffen.“

„Ein Fußballer muss ja nicht klug sein.“
„Kann er aber! Und das wird von den Anderen gerne absichtlich übersehen.“

„Dann noch der richtige Abschaum. Das totale Pack. Die Nazi-Schläger.“

„Die Hooligans… Hm. Weißt du was mich wundert? Du und ich, wir würden niemals Karten für so ein Spiel bekommen. Die Schläger schaffen das aber cool easy. Wo bekommen die die Tickets eigentlich her?“

„Hooligans müssen nicht im Stadion sein um Prügeln zu können.“
„Manche aber schon. Meine Theorie ist ja, dass das gar nicht das Pack ist, dass da zum Schlagen auf die Straße geht.“

„Die mit den Reichsfahnen sind kein Abschaum?…“

„Ich sag nicht das sie kein Abschaum sind, ich sage nur, dass das keine Hartzer oder Geringverdiener sein müssen; woher sollen die eigentlich das Geld für so ne Karte haben?“
„Das unterstellt man recht schnell.“

„Ja. Die Medien suggerieren das nur. Weil. Alle gleich sind. Die Zuschlagen. Zuschlagen ist gleich dumm.“

„Und das stimmt nicht?“

„Ein Bekannter von nem Freund von mir ist Manager bei BMW und der macht bei so was gerne mit. Dafür nimmt der sich extra Urlaub.“

„So ein Filial-Leiter?“
„Ne. So richtig Manager. Der geht gerne zu solchen Kloppereien. So richtig aufs Maul. Der findet das gut. Das reinigt die Seele: Irgend nem Fußball-Ausländer aufs Maul zu hauen.“
„Und das Hotel zahlt bestimmt auch noch die Firma.“

„Würde mich nicht wundern.“

„Schon eine krasse Vorstellung. Manager die normale Fußball-Fans zusammenschlagen.“

„Eigentlich passt das doch voll ins Klischee-Bild.“

„Ist das nicht etwas zu… Fight Club?…“

„Ja und? Glaubst du die Leute gehen nur aus den RICHTIGEN Gründen in den Fight Club? Glaubst du so eine Selbsterlösung ist per se etwas Gutes?“