Absolution 39 – Echte Männer trinken 15 Weizen

Noch einen Tag später lag Paul mehr tot als lebendig im Pausenraum seiner Arbeit. Den ersten Tag nach dem „Feiern“ empfand Paul erfahrungsgemäß als gar nicht so schlimm. Die Drogen wirkten noch ein wenig nach und wenn sich einmal die Konsuminduzierte Verstörtheit gelegt hatte, fühlte sich Paul für einige Stunden geradezu entspannt. Er bewegte sich dann in seiner Selbstwahrnehmungsblase wie in dem Auge eines Orkans, in welchem er ausgeglichen und konzentriert Beobachtungen feststellen konnte, bis… Bis am späten Nachmittag ihm unabwendbar die große Erschöpfung die Füße wegzog und ihn unsagbar schlapp und müde machte. Am zweiten Tag danach hatte er für gewöhnlich 10 bis 12 Stunden Schlaf eingefahren, was leider nur dazu führte, dass er sich platter fühlte als am Vortag. Da weder sein Körper noch sein Verstand sich im Klaren darüber waren, ob er nun wach war oder nicht, war Paul so gut wie jeden Dienstag immer ziemlich durch mit der Welt. Selbst der raue Verzehr von Kaffee machte ihn nicht mehr fit, sondern nur im Gegenteil nur noch wirrer. So lag er also auch diesmal in seiner Pausenzeit mit dem Kopf auf dem Tisch wie erschlagen da und döste vor sich hin. An Schlaf war nicht zu denken. Die Augen zu schließen fühlte sich dennoch erholsam an. Wenn nur nicht das ständig Gerede seiner Arbeitskollegen wäre.

Junger Kollege: „Oh… Ich war gestern soooo dermaßen voll… Bis um halb 4 Uhr früh ist erst gegangen…“
Alter Kollege: „Du bist ja heftig unterwegs!“

Junger Kollege: „15 Weizen habe ich getrunken!“

Alter Kollege: „15 Weizen!“

Junger Kollege: „Und dann haben wir mit dem Schnaps angefangen! Wir hatten ja auch was zu Feiern! Im Clubhaus haben wir einen Dildo an die Wand geschraubt! Vorne nen Dübel rein! Hinten nen Dübel! SOOO groß ist das Teil!“

Alter Kollege: „Hahaha, ihr seid ja verrückt!“

Paul innerlich: Stöhn…

Junger Kollege: „Da haben wir dann n Licht außen rum gemacht und zu jeder vollen Stunde fängt der zu blinken an!“

Alter Kollege: „Das ist ja geil! Auf IDEEN kommt ihr! Ich trink ja kaum mehr was… Der Paul eigentlich auch nicht mehr… Sagt er…“
Paul stellte sich weiterhin schlafend.

Alter Kollege: „Apropos Dildo! Hier! Der neue Porno-Kalender ist übrigens.“

Paul hörte Finger, die sich durch Papier blättern.

Junger Kollege: „Der ist ja SUUUUPER. Was ist denn das? Ah. Von Aichen. Der Gabelstabler-Firma. (Kurze Pause) Boah!!! Schau dir mal DIE an! Die hat ja größere Titten als ihr KOPF!“

Alter Kollege: „Die würde ich auch ordentlich ran nehmen wenn die mir über den Weg käme!“

Beide lachend: Muaahahahahaha!!!!

Paul war durchaus klar, dass vor ein paar Wochen seine Hauptbeschäftigung darin bestand, sich Nächte lang zu Pornografie selbst zu befriedigen, dennoch, widerten ihn seine Kollegen unglaublich an… Was waren das nur für Menschen? Hatten die denn gar kein Niveau? Sollten sie privat machen was sie wollten. Mussten sie deswegen aber so einen Scheiß herauslabern? Erstens konnte sich Paul nicht vorstellen, dass der kleine Maier 15 Weizen von gestern Abend auf heute Morgen getrunken hatte (vom darauffolgenden Schnaps ganz zu schweigen), zweitens war es ihm vollkommen fremd mit seiner eigenen Trinkleistung anzugeben. Wie alt waren sie denn? 17? Drittens beeindruckte es einen Drogenuser wie ihn herzlich wenig, viel Trinken zu können. Um sich von den Amphetaminen „herunter zu trinken“ (d.h. um die Wirkung des Speeds zu überdecken und bestenfalls dadurch schlafen zu können) gab es Nächte, an denen er eine Flasche Wodka in zwei Zügen geleert hatte – nur um immer noch sehr drauf und überhaupt nicht betrunken oder müde zu sein… Und es ist ja eine Sache eine Frau geil zu finden, man muss dann aber auch nicht so eine Grütze rauslabern als würde man sich in einer Fußballer-Umkleidekabine befinden. Oder in der Kommentarspalte unter einem You-Porn-Video. Verdammte Bauernproleten…  Was sollte das den vortäuschen? Männlichkeit?

 

Alter Kollege: „Früher habe ich auch gesoffen und die jungen Mädler bestiegen wie einen Fünftausender! Das kannst du mir aber glauben! 2 Mädler am gleichen Tag waren da keine Seltenheit!“

Junger Kollege: „Das kenne ich!!!!  Wenn ich einmal LOSLEGE, ABER DANN!“
Worauf sich Paul dachte: Jetzt reicht der Schwachsinn aber.

Abrupt hob er den Kopf vom Tisch und legte die Fakten auf den Tisch. Er zeigte auf den jungen Arbeitskollegen und blaffte ihn an: „Du bist Scheiße, Mann!“ Paul richtete seinen Finger auf den älteren Kollegen: „Und du warst schon IMMER Scheiße! Hört ihr euch überhaupt zu?“

Alter Kollege: „Was hast du denn?“

Junger Kollege: „Ja! Was stimmt denn mit dir nicht?!“

Paul stand auf und ging einfach wieder an die Arbeit. Wie konnte man in so einer Umgebung NICHT Drogensüchtig sein? Hatte er überhaupt jemals eine andere Chance gehabt?

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Absolution 35 – Komplexe als Chance

Dank Paul sieht Banyardi die Frauen heute mit anderen Augen. Seine Verunsicherung ist einer großen Neugierde gewichen. Paul bemerkt umgehend, wie auf sein Erscheinen hin sich alle Frauen bis auf Ylva in den hinteren Teil des Geheges zurückziehen. Ylva dagegen, die eindeutig von der Frauengruppe als Anführerin auserkoren wurde, schreitet von hinten nach vorne, gegen den Strom der Weiber, ganz nah an die Bambusstäbe heran. Banyardi lächelt: „Wie geht es euch heute?“

Die Frage zaubert Ylva kurzzeitig ein Runzeln auf die Stirn. Nur eine Sekunde lang. Dann sind sie wieder verschwunden.

„Uns… Geht es gut. Danke“, antwortet sie mit fester Stimme und neugierigem Blick. Ylvas äußeres Erscheinungsbild schafft es auch Paul zu beeindrucken. Sie ist mehr als nur schön. Der Fettsack würde sagen: „Die ist eine Zehn von zehn Punkten. Hammerfrau. Ne Alte zum tot umfallen. Die kann dir das Herz rausreißen, darauf herumtrampeln und du küsst immer noch den Boden auf den sie spuckt.“ Und damit hätte er Recht. Kein Wunder dass sich Banyardi von ihrem Auftreten beeindrucken ließ. Ylva wäre in Pauls Welt eine Göttin auf Instagram. In Banyardis Welt die erste Frau, für den ein Wilder versucht sich ein Gedicht zu erdenken um ihre Schönheit zu preisen. Ylva. Eine geborene Schönheit, die durch Make-Up nur entstellt wäre. Dabei ein ständig fester und kluger Blick. Nichts an ihrer Art ließ auf ein hilfloses Dummchen schließen, dass sich hinter anderen verstecken müsste. Sie versucht auch gar nicht es zu verbergen, für wen sie sich hält. Nicht einmal, dass sie weiß wie Männer sie ansehen. Und dass diese geilen Augen, den Männer über ihren Körper wandern lassen, kein Nachteil oder Entwürdigung für sie darstellt. Sollen sich die dummen Typen doch nachts einen auf sie herunterholen und sich vorstellen, was „sie mit der alles anstellen würden“. Denn das wird niemals passieren. Denn sie ist es, die entscheidet. Sie sucht sich aus, wer wann die Hosen herunterlässt. Und zu welchem Zeitpunkt einer von beiden auf die Knie sinkt. Rohe Männer wie Banyardi mochte das noch mehr aufreizen, diese Macht, die Ylva ausstrahlte. Für Paul jedoch. Für ihn muss eine Frau nicht die Allerschönste von allen sein, um umwerfend und damit ein wenig Angsteinflößend zu sein. Für Paul sind ALLE Frauen gleich beeindruckend, ganz egal ob sie ein Modell ist oder das Mädchen von nebenan. Doch hat er gelernt mit dieser Angst umzugehen. Im Überspielen von Komplexen ist Paul ein Meister.

„Habt ihr gut geschlafen?“ Banyardi lächelt bei der Frage.

Ylva sieht ihn unverwandt an. „Ja… Äh… Das haben wir…“

„Und du? Hast du auch gut geschlafen?“ Banyardi behält das Lächeln bei.

„Ja… Danke… Ist mit dir heute alles… Geht es dir gut? Du wirkst so…“

„Mir geht es PRÄCHTIG!“ Lacht Banyardi. Paul spürt dabei, dass er sich nicht zu sehr einmischen darf um Banyardi und Ylva nicht vollkommen durcheinander zu bringen. Ylva sieht ihn unverwandt an. Ihr Gesicht zeugt von einer größeren Überrumpelung, als bei ihrem letzten Treffen. Die Farce, die Masiyo und er sich ausgedacht hatten, hat weniger Eindruck auf sie gemacht, als Banyardis jetziger Auftritt.

„Sollen wir ein wenig spazieren gehen?“

„Wie? Spazierengehen? Ich bin doch eure Gefangene?“
„Und? Wo solltest du denn alleine hinlaufen? In den Dschungel? Keine gute Idee… Ich will mehr über dich erfahren. Über dich… (da muss der Paul in Banyardi doch ein wenig schlucken, wie er ihren Körper mit seinen Augen streift: „Geile Alte…“) und natürlich über dein Volk. Scheinbar sitzen wir doch alle im gleichen Boot.“

„Ihr… Kennt Boote?…“

„Ähm, ich hol dich da jetzt mal heraus.“

„Und die Wachen?“

Banyardi wirft einen abfälligen Blick auf die zwei Kerle, die eingedöst vor ihrer Aufgabe liegen. Kurz muss Paul an das Grab von Jesus Christus denken.

„Die haben nichts zu sagen“, zwinkert er ihr zu und öffnet das Tor.

Absolution 34 – Feminismus im Dschungel

Trotz allem entwickelte sich zwischen Ylva und Banyardi ein kurzes Gespräch, nach dem sich Banyardi befähigt fühlte den Plan umzusetzen. Merkwürdig: Sie machte ihm Mut machte seinen Plan durch zu ziehen. Da war etwas in ihrer Art, in ihrer Bereitschaft das Gespräch mit ihm zu suchen. Vielleicht lag es daran, dass Banyardi und Masiyo die Ersten waren, die ihr und den Frauen Möglichkeit gaben, selbst zu handeln, für sich selbst zu sprechen und nicht nur Spielball der übermächtigen Männer zu sein.  Ylva bat um mehr Wasser, ausgewogenere Nahrung und machte sogar Vorschläge zur Optimierung der Toiletten-Situation, ohne den Verdacht aufkommen zu lassen, sie und ihre Mitinsassinnen könnten durch ihre Ideen Möglichkeiten zur Flucht erhalten. Es handelte sich allesamt um realistische Vorschläge, die Banyardi gerne annahm und teils selbst auf Rat von Masiyo vorgebracht hätte, um das Vertrauen der Gefangenen zu erschleichen.

Ylva selbst glich keiner der Frauen, die Banyardi in seinem Leben kennen gelernt hatte. Sie schien nicht nur hübsch und durch ihre blütenweiße Haut exotisch zu sein. Zudem strahlte sie eine Form von Bildung und Weisheit aus, die dem Dschungelkrieger fremd sein musste. Im ersten Augenblick stieß ihn ihr selbstbewusstes Verhalten ab. Denn für wen hielt sich dieses Weib schon? Wozu sind Frauen denn gut, außer den Tätigkeiten nachzugehen, die auch ein verkrüppelter und Jagduntauglicher Krieger ausführen könnte? Wäre da nicht dieses Funkeln in ihren Augen. Dieser matte Glanz, der dem Krieger unterbewusst Ehrfurcht einflößte. Banyardi hatte in seinem ganzen Leben das Dorf nur verlassen, um im Wald zu jagen und dort einige Tage, selten auch ein paar Wochen, zu überleben. Instinktiv spürte er, dass Ylva mehr gesehen und erlebt hatte, als er sich vorstellen konnte. Ihre selbstbewusste Aura schien nicht die einer alten erfahrenen Frau zu sein, die sie augenscheinlich auch nicht war; für Banyardi waren alte Frauen die einzigen, die weise und nicht wie Hühner handelten. Frauen bekamen in der Welt der Ma-Fag keine besondere Form von Aufmerksamkeit, schon gar nicht so etwas wie „Bildung“. Es bliebt für Banyardi einfach unmöglich, Ylva in eine ihm bekannte Schublade zu stecken, im Gegensatz zu ihrem einladenden, erotischen Äußeren. Sie nicht auf ihre großen Brüste und ihr bezauberndes Gesicht zu reduzieren, erwies sich für den wilden Krieger als wahre Mammutaufgabe. Denn es war die einzig logische Reaktion, die sich einem Mann wie Banyardi aufdrängte. Der Wilde sah sich so einer doppelten Herausforderung gegenüber, in dem er sich nicht einfach die Frau nehmen konnte, die ihn so sehr erregte (obwohl er ihr Volk im Kampf besiegt hatte und es nach dem Gesetz sein Recht gewesen wäre) und er auch noch versuchen musste, auf irgendeine Art ein Vertrauter dieser fremden Lebensform zu werden, deren Riten und Gebräuche er nicht kannte – und für die er sich als echten Mann auch gar nicht interessierte. Dazu kam das Problem, in dieser Situation sein Gesicht nicht zu verlieren, denn plötzlich, in der direkten Auseinandersetzung mit Ylva, wog das Urteil der faulen Ma-Fag-Krieger vor dem Bambusgehege sehr viel für den tapferen Krieger. Banyardi wollte vor ihnen nicht als Schwächling oder Gespött dastehen, der sich zu „weibisch“ verhielt. Kurz: Es war eine wirklich vertrackte Situation für ihn, die er – so wie es seine Art als Mann war – tapfer zu beherrschen suchte.

Zu seinem Glück gab sich Ylva diplomatisch und in keinster Weise trotzig. Möglich, dass die heißfeuchte Dschungelluft und die Tristesse des Gefängnisses sie längst gebrochen hatten. Oder, wie der stolzer Krieger Banyardi annahm, war sie sich trotz allem darüber klar, dass er der Mann und Sieger in ihrer Beziehung war. Und sie nur eine Frau.

 

Jetzt. Bei seinem zweiten Besuch. Muss sich Paul bei dem Anblick der in der Nachmittagsschwüle dämmernden Wachen wundern, dass die eingesperrten Frauen sich nicht schon längst aus ihrer weitläufigen Bambuszelle befreit hatten. Das Gehege in welchem die Frauen sich befinden, ist überaus weitläufig und von der einen Seite auf der die zwei Ma-Fag-Krieger liegen, schwer einsehbar. Es müsste den jungen Mi-Cock-Damen ein Leichtes sein, unbemerkt daraus zu entkommen. Schließlich handelt es sich bei dem Gefängnis um ein altes Ziegengehege, dass erst im Nachhinein und notdürftig zu einem „geschlossenen“ Bereich umgewandelt wurde; mit ein wenig Phantasie oder auch nur mit vereinter, grober Kraft könnten sie ohne weiteres diesem schmutzigen Gehege entkommen. Nur. Wohin sollten sie auch fliehen? Im Dschungel wartet der sichere Tod auf sie. Zweifellos muss ein Mensch im Wald aufgewachsen sein, um dort überleben zu können. Selbst wenn man die ganzen giftigen Pflanzen und mörderischen Tiere außeracht lassen könnte, würde ein unerfahrener Mensch dort bald verdurstet sein. Durch diesen Umstand, ist das Gefängnis in welchem sich die Frauen befinden, nur ein Symbol für die tödlichen Gefahren, die außerhalb der Stäbe auf sie lauern. Die Zyniker unter den Ma-Fag würden sagen, dass der Käfig zum Schutze der hilflosen Frauen errichtet wurde – und zu nichts anderem.

Auch wenn niemand gerne seiner persönlichen Freiheit beraubt ist, schien die Situation im Käfig recht gut zu sein. Das angesprochene Wasser ist gebracht worden und die hygienischen Zustände beurteilt Paul als den Umständen angemessen. Auf den ersten Blick wirken die etwa 2 Dutzend Frauen und Mädchen auf Paul überraschend ausgeruht, geradezu erholt. Einige von ihnen Lachen und scherzen sogar so lange, bis sie Banyardi/Paul erblicken, worauf sie schnell verstummen und ihre Blicke auf den Boden werfen. Banyardis Auftritt macht Eindruck. Der halbnackte Krieger schreitet mit geschwellter Brust auf seine Gefangenen zu.

 

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Frauen sind wie Autos – Text-Versuch

Der andere war ein kleiner Mann mit kurzen blondierten Haaren. Ein Undercut-Typ, dessen Frau in seinem linken Arm (in seiner Rechten die Zigarette) eine Südländische Färbung auf der Haut trug.  Sie lachte viel und zeigte dabei sehr weiße Zähne mit Innenlippen-Piercing-Ring. Der andere kleine Mann sprach mit einem eher größeren und machte Scherze, die die anderen um sie herum ihre Zigaretten vergessen ließen. „Weißt du“, sprach er zu seiner Südländerin. „Du bist wie ein Ferrari. Wie ein geiler Porsche. Mit dem man in der Gegend herumfährt, um von anderen gesehen, um bewundert zu werden. Du bist der Sportwagen, mit dem man in die Berge oder ans Meer fährt um dort Selfies mit dem geilen Gerät zu machen. Dass die Insta-Bitches vor Neid erblassen lässt. Du bist der Megaschlitten, mit dem jeder Mann auf sein Klassentreffen fahren würde, um von den anderen bewundert zu werden.“

Ihr Lachen ließ das Piercing über den Zähnen im Wiederschein der nächtlichen Neonreklamen der Nachtclubs aufblitzen. Sie als Sportwagen: Das konnte sie sich gut vorstellen.

„Meine anderen Frauen“, dabei zwinkerte er seinen Freunden zu, die verstohlen und geil auf den Sportwagen blickten. „Die sind eher so was wie VW-Käfer. Wie Twingos. Oder so´n Opel-Adam. Die sind nichts Besonderes. So Autos, mit denen man Erledigungen macht. Also zum Einkaufen fährt. So Supermarkt-Gefährte.  Gut genug für Arztbesucht. Friseur-Besuche… Passabel als Zweitwagen. Obwohl Mache von ihnen sind zugegeben wie modische Geschäftswagen. Neue Modelle. Jahreswagen. Junge Dinger. Okay. Aber mit Geschäftswagen geben nur Idioten an. Das sind Nutzfahrzeuge, die man gerne wieder hergibt und gegen den nächsten eintauscht. Die gehören einem nicht.“

Auf diesen Text hin lachte seine Kleine noch mehr, wenn auch böser. Sie versuchte ihn in die Seite zu boxen, was der Undercut verscheuchte wie den Angriff einer Stubenfliege.

„Manchmal BRAUCHT man halt einen Mini-Van. Einen Sprinter. Sie sind praktisch und haben ihre Vorteile. Alle Weiber haben ETWAS zu bieten. Wie jeder Gebrauchsgegenstand einen SINN erfüllt.  Aber das ist nichts (und dabei zog er sie wieder fester an sich heran) im Gegensatz zu einem Bugatti wie dir. Dich zeigt man seinen besten und ältesten Freunden. Seiner Familie. Mit dir gebe ich an. Durch dich werde ich gefeiert. Ich wüsste also nicht worüber du dich beschweren könntest. Schließlich behandele ich dich wie etwas ganz Außergewöhnliches. Dich pflege ich wie meinen Augenapfel. Du bist das Deluxe-Modell.“

Seine Freunde johlten begeistert. Ihr Freund traute sich etwas. Und sie. Kannte ihren Platz.

Kopfschüttelnd drehte Paul sich weg.

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Es spielt eine Rolle, von wem wir sexuell belästigt werden

Die schlimm dümmsten Beiträge zu einem Thema, welches gesellschaftlich kontrovers diskutiert wird, haben diesen Ton, von wegen: „Ich will nichts beschönigen, aber…“ Dennoch wird mein kleiner Text genau in jene Sparte rutschen. Dabei will ich gar nichts falsch machen – was die schlimmsten Kommentare zu einem Thema überhaupt sind. Wir sind hier aber bei „Strategien gegen Vernunft“, da muss man auch einmal im Halbjahr auf gängige weise unvernünftig sein.

„Sexuelle Belästigung“ ist das Thema 2017. Es ist eine große und ebenso wichtige Debatte, die da geführt wird. Diese Debatte läuft nun auch schon so lange, dass ich gar nicht mehr darauf eingehen will, wie und durch was sie in Gang gesetzt wurde. Das ist bekannt. Die Frage die mich und alle Männer und Frauen damit am Meisten beschäftigt ist (oder sie sollte es sein) was mein Part in diesem Spiel ist, also wie habe ich mich verhalten? Was habe ich getan? Was nicht? Und wenn dann, was habe ich daraus gelernt?

Ich war nie ein Heiliger, dachte jedoch, mich bei dem Thema auf die Seite „der guten Männer“ stellen zu können. Frauen habe ich immer respektiert und habe sie seit jeher als gleichwertig zu Männern gesehen. Sie waren für mich nie Freiwild, auch wenn ich sie natürlich objektifiziert habe. Ich glaube, dass es in Gedanken auch gar nicht möglich ist, dass nicht zu tun. Gerade in der Jugend, wenn die Hormone der Verstand nahezu überwältigen. Die Frage ist dann nur, was man herauslässt. Wie man damit umgeht. Es ist ja und sollte nie ein Verbrechen sein, wenn man durch einen Mitmenschen geil wird. Das gehört zum Menschsein dazu. Gedanken, Wünsche und Triebe sind frei. Und auch jetzt fallen mir sofort einige Frauen ein, deren Körper und Aussehen nicht anders als in meine geistige Kategorie „Gerät“ passen. Das hatte bei mir nur immer auch mit einer gewissen Form von Anbetung zu tun, als in dem Wunsch Frauen zu erniedrigen, d.h. auf mein Niveau herunterzuholen. Etwas, was die Machtmenschen mit Minderwertigkeitskomplex in Hollywood und sonst wo getan haben. Ja. Ich glaube dass die falsche Ausübung von Macht so gut wie immer mit einem Minderwertigkeitskomplex zu tun haben, von dem keiner von uns frei ist. Wir kommen nicht als fertige Menschen auf die Welt sondern machen uns zu denen, die wir sind; in diesem Zusammenhang vermeide ich die Formulierung: „Wir werden zu etwas gemacht.“ Das mit den äußeren Einflüssen die uns formen ist natürlich richtig. Hier will ich aber diese Ausrede nicht gelten lassen. Denn selbst wenn wir von außen beeinflusst und geformt werden, liegt es doch an uns was wir daraus machen. „Ich konnte nicht anders“ ist beim Charakter keine Ausrede. Denn wenn wir dachten wir konnten nicht anders, liegt es auch daran, dass wir den leichteren Weg in unserer Entwicklung gewählt haben. Man muss nicht alternativlos ein Verbrecher oder Drogensüchtiger werden, nur weil man in solchen Kreisen aufgewachsen ist. Jeder hat die Wahl. Doch ganz gleich was diese Wahl am Ende mit uns gemacht hat, ist in uns dieser kleine Punkt, dieser kleine oder große Haufen an Erfahrungen, an Komplexen, die unser späteres Verhalten in Machtpositionen erklärt. Es ist keine Rechtfertigung zu sagen, dass weil wir in der Jugend ausgelacht oder nicht gefickt wurden, wir im späteren Leben genau deswegen Frauen erniedrigt oder misshandelt haben. Oder Männer. Es ist keine Rechtfertigung. Aber eine Erklärung. Menschen sind nie von Grund auf Böse. Sie haben Gründe für das was sie tun. Auch wenn im seltensten Fall die Gründe schlimmer sind als das folgende Resultat daraus. Ich glaube diese Gründe, diese Komplexe, häufen sich über die Jahre, über die Jahrzehnte an, werden immer größer und größer, da wir sie nie verarbeiten wollen, da es zu peinlich ist, darüber zu sprechen, und irgendwann ist der Berg aus der Wut der Jugend oder der Kindheit groß genug, um ein ihm angemessenes Verbrechen zu begehen. Und wie es so ist mit Verbrechen für die man nicht bestraft oder belangt wird (das ist ja schon so als Kind wenn man zum ersten Mal lügt), handelt man wieder so. Okay. Das ist jetzt mal wieder ganz schöne Küchenpsychologie. So aber. Erkläre ich es mir. Ich, der gar keine Ahnung davon hat in einer Machtposition  anderen Menschen gegenüber zu sein.

 

Und selbst das ist eine Lüge. Sicherlich war auch ich schon in Machtpositionen Leuten gegenüber, habe es so aber nicht wahr genommen. Und ich weiß auch, dass ich mich nicht immer korrekt verhalten habe. Sei es Freunden gegenüber, die ich Alpha-Männer mäßig dominieren musste. Oder Frauen gegenüber, die ich nicht immer korrekt behandelt habe. Ich glaube nicht, dass ich ein TÄTER bin. Aber wahrscheinlich ist es auch so, dass ich selbst das gar nicht einschätzen kann. Keiner kann von sich selbst sagen, ob er Täter ist. Das müssen die anderen entscheiden. Ich selbst kann nur sagen, ob ich nicht doch einige Dinge im Leben hätte anders machen sollen.

Sex ist ein schwieriges Thema. Denn zuerst dreht sich alles um Sex. Und dann um Macht. Über diese beiden Themen kann man natürlich den Hauptbegriff LIEBE schreiben, doch die Liebe ist so ein heiliger, also ein schwammiger, Begriff, dass er alles und nichts aussagt…

Über mich selbst würde ich sagen, dass ich Fehler gemacht habe. Auch wissentlich. Ich daraus aber die richtigen Schlüsse gezogen habe. Ich war in meiner Schulzeit ja auch dass, was ich heute einen „Bully“ nennen würde. In meiner Jugend war ich schon ein ziemlicher Prolet und Alpha-Depp, der andere gemobbt hat. Das tut mir im Rückblick sehr leid. Aber ich musste das auch tun, um heute der zu werden, der ich bin. Das ist keine Entschuldigung. Doch es war leider ein Weg, den ich gehen musste. Wie gesagt. Niemand kommt fertig auf die Welt. Und wahrscheinlich ist dies die Erklärung dafür, warum wir Menschen keine Heiligen sind. Wir alle tragen die Narben der Vergangenheit an uns. Wir alle sind Täter und Opfer zu gleich. Auch und im besonderen in sexuellen Dingen. Daran müssen wir arbeiten. Und deswegen ist diese Debatte auch so wichtig.

Die eigentliche Sache, auf die ich mit dem ersten Absatz einleiten wollte, ist eine andere. Ich sah mir vorhin auf Bild (jaja) ein Textchen über die Prominenten aus Hollywood an, denen sexuelle Gewalt oder Übergriffe nachgesagt wurden. Und mir fiel auf, dass diese Machtmenschen entweder a) nicht gerade schön gewachsen waren, oder aber  b)  sie haben gleichgeschlechtliche Grenzen überschritten haben, also Homosexuelle Männer haben Heterosexuelle begrabscht. Auffällig ist doch – ohne das Thema bagatellisieren zu wollen – dass sich keine Frauen melden, die von den Brad Pitts dieser Welt sexuell belästigt wurden…

Absolution – 16 – Das erste Mal in der Traumwelt

6.

Dieses Mal war es anders. Während ansonsten die Frau im Mittelpunkt stand, das Lustobjekt und die heilige Maria in einem, die Eroberung, die Beute… Der Sinn von alldem… Dieses Mal fand er sich in einem Bambuswald wieder. Er wusste nichts über Bambus an sich. Nur, dass es keiner dieser freistehenden Bambusse aus japanisch/chinesischen Filmen war, sondern sehr engstehender, scheinbar undurchdringlicher Bambus, Dschungel wie er ihn  aus diesen Klaus Kinski/Werner Herzog-Filmen kannte, von denen er auch nur die Trailer oder Youtube-Kritiken kannte… Es war wie in diesem einem ganz besonderen Film aus seiner Kindheit, sein Vater hatte ihn auf VHS gehabt… SMARAGDWALD. So war der Titel gewesen. Auch wenn er sich nicht mehr daran erinnern konnte, dort sehr viel Bambus gesehen zu haben… Dieser Wald. Dieser Amazonasdschungel fühlte sich jedoch ebenso an, wie „der Smaragdwald“ im alten, schweren, großen Röhrenfernseher seiner Familie ausgesehen hatte. Nur war es NICHT der Smaragdwald in seiner Vision, und er war auch nicht dieser blonde, amerikanische Hauptdarsteller, der als Kind von Eingeborenen entführt wurde um in dieser pseudotypischen Geschichte als Teil des Stammes aufzuwachsen und sich dann gegen seinen wahren Vater aufzulehnen. Nein. Er war Teil dieses Stamms. Und er war es schon von Geburt an hier – er war immer hier gewesen. In einer Welt, fern ab jeder Zeitrechnung, versteckt, vor der so genannten industriellen Zivilisation. Wobei… Er konnte sich dumpf (sehr dumpf) daran erinnern, dass der Smaragdwald auf einer wahren Geschichte beruhte – was sogar NOCH besser für seine Vision war.

 

Die Luft war heiß und feucht. Er schwitzte. So wie er auf seinem Sofa in sein Leder schwitzte. Sein echter Körper war da, wie im Schatten seiner selbst war er noch zu spüren, ähnlich wie in den Erzählungen von Menschen, die eine Nah-Tod-Erfahrung erlebt hatten. Aber der reale Körper war nicht mehr wichtig. Er war abgelegt worden. Wie eine zweite Haut. Ein Kleidungsstück. Ein Mantel, den man an einer Garderobe für Geld der Obhut anderen überlässt.

Seine Vision konnte sich nicht entscheiden, ob es Tag oder Nacht in war. Es war dunkel und schummrig, während es gleichzeitig auch hell und erleuchtet zu sein schien. Und er war nicht alleine.

 

Vor ihm ging sein bester Freund, den er von Kindesbeinen an kannte. Sein Name war Paco. Und das war  die Größte und bemerkenswerteste Neuheit, die er jemals in einer seiner bisher immer sexuellen Visionen gehabt hatte: Er war nicht der einzige Mann dort. Bisher gab es dort Männer ohne Gesichter, ohne Biografie, schemenhafte Hüllen, die im Prinzip nur wortlose Doppelgänger und Willenserfüller seiner selbst waren, Kopien, die nicht fähig waren zu sprechen. Paco dagegen war keine Erweiterung seines Selbst. Paco war nicht nur ein Mensch. Er war sein bester Freund. Paco war sein Vorbild. Der Junge, der er selbst immer sein wollte. Das Vorbild, dass Paul im echten Leben nie gefunden hatte.

Es waren keine körperliche Unterschiede, die sie voneinander trennten. Das Leben am Amazonas hatte ihre Körper schlank und athletisch geschnitzt. Ihre Körper waren sehnig, jung und straff.  Raubkatzen gleich. Es war der Respekt den Paco auf ihn ausstrahlte (und er war sich sicher, dass es „Respekt“ war und kein „Neid“, da er in seinem Innersten wusste, dass sie den Begriff NEID hier nicht kannten und nicht verstehen könnten), einzig und alleine durch dessen unerschütterliche Souveränität. Durch das Gelingen all seiner Absichten. Paco war ein Anführer. Das Schicksal hatte  ihm das in die Wiege gelegt.

 

Auch wenn sie Wilde waren, sahen sie nicht so aus wie typische Amazonas-Wilde. Sie sahen schon ein wenig so aus wie Hollywood-Schauspieler, die Indios spielen, nicht wie Indios an sich. Deshalb hatten sie auch keine bemalten Gesichter oder seltsame Frisuren (ihre Haare waren geschoren, jedoch nicht auf eine wilde oder kämpferische Art). Sie fühlten sich an wie zwei normale Europäische Jungs um die 16 bis siebzehn Jahren. Der Jugend ist es gleich auf welchem Kontinent, in welcher Umgebung man sich aufhält. Junge Männer sind junge Männer. Die glauben, dass ihnen die Welt zu Füßen liegt.

Das Licht ändert sich nach und nach. Es wird dunkler. Sie bewerten den Umstand, dass die große Göttin Sonne schon so früh ihren Wagen über den Himmel fährt, kritisch. Ihre Speere sind lang und dünn. Spitz wie Reißzähne walisischer Fürsten. Sie wiegen nicht viel in ihren starken Händen. Ihre Körper sind gestählt vom ständigen Überlebenskampf. Sowohl Paco als auch er sind erfüllt von der stillen, warmen Euphorie frei und auf der Jagd zu sein. Würden sie den Vergleich kennen, könnten sie sich wie Götter fühlen. In dem Gefühl einer Unantastbarkeit, gepaart mit den fokussierten und zu ihrer zweiten Haut gewordenen Bewegungen der elementaren Stille ihrer Fortbewegungen, schleichen sie durch den Dschungel. Jäger und keine Gejagten. Männer. Und keine Insekten. In diesem Moment kennen sie weder Durst noch Hunger. Noch Hast oder Gier.

Absolution – 15 – Frauen sind die besseren Menschen

Paul stieg nur immer weiter in die unerschlossenen Stollen seiner Seele hinab.

Umso öfter er sich Frauen ansah um sich zu erregen, desto mehr er sie ehrfürchtig betrachtete wie Göttinnen, wie Fleisch gewordene Engel, je mehr er sie verehrte, idealisierte, je mehr er sich ihnen, ihren Blicken, ihren Körpern,  hingab und sie durch die Augen der Photographen und Designern wahrnahm, die sie einkleideten, schmückten, verzierten und in ein goldenes Licht setzt, ja, selbst  die kalten mathematische Computer-Technologie wurde eingesetzt um aus den Frauen ein höheres, besseres Wesen zu machen, bei dem es schon reichte, es nur ansehen zu können um in wahnhafte Verzückung zu verfallen. Diese Frauen auf dem Bildschirm, diese Supermodels und die Amateure der Schönheit, welche er niemals traf, niemals im echten Leben sah, verhexten ihn. Sie wiesen ihm seinen Platz zu. Und dieser Platz hieß „Schüchternheit“. Er ergab sich sofort und bei jeder Gelegenheit ihrer Aura, ihrem Bann und wurde dadurch immer mehr und mehr zu ihrem Sklaven… Einem Schoßtier, welches sich für sie auch im Dreck gesuhlt hätte. Mehr noch. Er hätte sich für sie geschlagen um sie vor anderen zu verteidigen, hätte sich ihre Gunst zum Narren gemacht, hätte versucht sie mit Kunst und Scherzen zu beeindrucken, hätte erwägt sie zu beschenken, sie mit Geld zu überhäufen, ihnen Alles zu geben, nur um in ihrer Nähe zu sein. Ihre Abwesenheit hieß ihm, auch in bester Männergesellschaft, Einsamkeit. Oh wie sehr er die Frauen verehrte… Und wenn die Zeitgerade des Entzugs an Zuneigung nur lange genug war, stieg selbst die Abstoßsenste von ihnen zu einer passablen „Möglichkeit“ auf. Er dachte den ganzen Tag und die ganze Nacht an sie: Frauen, Frauen, Frauen… So wahnsinnig machten sie ihn. Und manchmal, wenn er sich mit Eau de Toilette von Yves Saint Laurent einsprühte und die Vouge  durchblätterte, hatte er das Gefühl sich ihnen ein wenig zu näher. Ihnen näher zu sein. Als die ganzen Kerle, mit ihrer plumpen und dummen Art. Wenn er nur ein wenig mehr wie SIE sein könnte, würde er vielleicht auch ein besserer Mensch sein. Könnte Zugang zu ihrer Welt bekommen… Könnte ihr Freund werden. In ihrer Nähe sein. Sie ewig anbeten. Leben. In ihrem Licht der Grazie.

 

Hin und wieder erwachte er aus seinen Träumen und fragte sich, was wohl mit ihm wäre, wenn er sich nicht die ganze Zeit über Frauen den Kopf zerbrechen würde? Was denn wäre, wenn er sich lieber Männer ansehen würde? Nicht aus sexuellen Gründen. Sondern wegen einer ganz anderen Form von Idealisierung.

Denn stimmt es denn nicht, dass wir uns zwar männlich fühlen wenn wir hübsche Frauen sehen, doch bei jedem Anblick oder dem Versuch dem Objekt unserer Begierde nahe zu sein nicht immer so werden, wie das Objekt unserer Anbetung? Warum hatte er keine Männlichen Vorbilder? Und warum… Hat kein Mann mehr ein wirkliches Vorbild? Wo ist der Hemmingway der Gegenwart den man wegen seiner ungeschliffenen Männlichkeit verehren könnte? Wer ist denn noch ein „richtiger Kerl“, im positiven Sinn? Wo ist der Mann, der sich über Männlichkeit definiert, die sich wiederrum NICHT über den sexuellen Akt und dessen Häufigkeit berechnet? Denn was sind sexuell erfolgreiche Männer, wenn sie immer mehr aussehen wie aufgedonnerte Transvestiten? Und was symbolisieren die stärksten Muskel-Ottos, wenn sie keine Bildung besitzen? Nein. Ja. Er verehrte Frauen, die mehr darstellten als nur ein hübsches Gesicht und ein toller Körper. Er betete sie als Gesamtkunstwerk an. Nicht weil sie Schminktrullas waren, die einfach nur gutaussahen und die einen abstoßen, sobald sie den Mund öffnen…

Werde ich also weiblicher weil ich Frauen idealisiere?

Kann ich deswegen keine Helden nennen?

In einer Welt der Bilder verehren wird das, was uns überall vorgespielt wird, etwas, dass wir Sehen, etwas, dass wir kaufen können. Doch Tiefe und Menschlichkeit kann man uns nicht mit einem Bild vorspielen. Höchstens vorgaukeln. Ein Bild ist nicht genug. Ein Film nur eine Episode. Und auch ein Text zu wenig. Er musste seine Träume ordnen. Um Helden zu finden und Göttinnen zu schaffen.