Das große Land der kleinen Leute

So wie Lars von Trier Filme über die USA gemacht hat, ohne sie je besucht zu haben, ist auch meine Meinung nur eine von vielen, die von außen sich selbst in ein Thema hinein psychologisieren, ohne einen realen Bezug oder Verantwortung zu dem Thema „Vereinigte Staaten“ zu haben. Zwar betrifft die Wahl  des US-Präsidenten jeden Menschen auf diesem Planten (mehr oder weniger), Mitspracherecht haben wir aber keines, deswegen bringt es auch nicht besonders viel sich darüber aufzuregen.

Verstehen würde ich das Ganze nur schon Recht gerne.

 

Unsere Medien haben eine eindeutige Wahlempfehlung in die Berichterstattung gemischt – und okay, ja, die Äußerungen Trumps im Wahlkampf konnten aufgeklärte Menschen wie uns nur Hillary als Siegerin annehmen lassen. Falsch gedacht. Es sind halt doch nicht diejenigen, die im TV oder in den großen Online-Medien das Wort leiten, die für ihr Land sprechen. Das ist jeder einzelne Bürger selbst. Und da ist die Stimme eines aufgeklärten Menschen ebenso viel wert wie die jedes anderen Idioten, von denen es meistens eher mehr gibt. Da kann man jetzt sagen: „So ist Demokratie.“ Oder andererseits: „Demokratie funktioniert einfach nicht.“ Demokratie funktioniert halt nur dann, wenn man es mit einem mehr oder weniger gebildeten Volk zu tun hat, dass zudem auch noch Politikinteressiert ist.

Es gibt dabei genug Gründe für viele Menschen, Politikverdrossen zu sein, ganz egal ob in Amerika oder sonst wo. Das ist auch der Grund, weshalb mich nach der ersten Überraschung der Wahlausgang gar nicht so kalt erwischt hat. Mit dem Brexit war und ist es doch das Gleiche: Es sind die vielen, vielen Verlierer der Globalisierung, die sich eine starke Regionalmacht mit heimeligen Konservativen Werten  zurückwünschen und wählen. Durch die Globalisierung ist die Welt viel zu schnell zusammen gewachsen – nur leider nicht richtig. Das macht den Menschen Angst, weswegen sie genau diese Leute wählen, die ihnen versprechen dass sie „Alles so machen wie früher“.

Den versprochenen „Change“ gab es unter Obama so gut wie gar nicht (die Gründe dafür, also die Blockaden im Kongress usw. lassen wir mal außen vor) weswegen verschwindend wenige schwarze Amerikaner und Hispanios zur Wahl gegangen sind, dafür umso mehr weiße, alte Männer, die, ebenso wie in England, wahlentscheidend waren. Diesen Politikverdruss muss sich auch Obama ankreiden. Trump steht genau dafür, was Clinton nicht ist, ein Außenseiter, der nicht im verkrusteten politischen System Amerikas feststeckt, das hat Wähler mobilisiert, denn sie wollen keine Leute, die über sie hinweg regieren, sie wollen auch keine schwierigen Lösungen für komplizierte Themen: Sie wollen einfache Lösungen – für komplizierte Themen.

 

Ich glaube auch, dass Protestwähler (wie in vielen Wahlen der jüngeren Vergangenheit) eine große Rolle gespielt haben. Wähler, die nicht vollkommen mit der Meinung des Kandidaten XY konform gehen, doch aber so gewählt haben, um „denen da oben eins auszuwischen“. Ich mutmaße, der Protestwähler ist eine der wichtigsten Wählergruppen überhaupt. Zwar denkt man sich bei ihm: „Wie blöd kann man sein? Irgendetwas wählen was einem selbst schadet, nur damit er es DENEN DA OBEN mal zeigt…“ Aber a) fühlt sich der Protestwähler von denen da oben ohnehin im Stich gelassen (siehe Globalisierungsverlierer) und b) glaubt der Protestwähler auch den Umfragen. Es ist (noch mal) wie mit dem Brexit. Damals wollten auch viele aus Protest ihre Stimme abgeben, kannten die Umfragen und die Prognosen und waren dann vom Ergebnis überrascht: Denn sie dachten nicht, dass ihre Stimme am Ende Wahlentscheidend sein würde und sie das bekommen würden, was sie wählten.

Heute wurde oft in den Medien verlautet, dass viele, die bei den Umfragen angaben nicht für Trump stimmen zu wollen, sich in Wahrheit dafür schämten, doch für ihn stimmen… Ich weiß ja nicht… Klingt mir nicht sehr schlüssig. Vielleicht sind es doch eher die Umfragen selbst und der Glauben in sie, die die Wahl beeinflussen. Also weg mit ihnen. Wozu braucht man ein mathematisches Urteil basierend auf Schätzungen vor einer Wahl? Reicht denn nicht die Wahl selbst?

 

Vielleicht sind die Gründe aber auch viel banaler: Eine Großzahl der Amerikaner sind einfach ungebildet und glauben jeden Unsinn, den man ihnen erzählt (oder verspricht). Bei dem Bildungssystem das die dort haben, wäre es nicht einmal ein Wunder. „Weltoffen“ und „aufgeschlossen“ wären jetzt nicht gerade die Begriffe, die mir zu Amerika einfallen. Und vielleicht sind die Amerikaner selbst doch mehr wie die Amerikaner, die (da schließt sich der Kreis) Lars von Trier aus den Filmen kennt, dieses Weltbild, dass dort verkörpert wird, welches ihm vollkommen ausreichte, um über die Psyche der Amerikaner zu philosophieren: Sie stehen nun einmal auf diese Geschichten von Männern, die mit wenig anfingen, sich hochgearbeitet haben, um schließlich, auch und gerade wegen ihrer fehlenden Etikette und Intelligenz, ganz oben zu stehen. Die, die es allen gezeigt haben! Wir würden wahrscheinlich nicht sagen, dass diese Leute die richtigen TYPEN sind um ein Volk zu lenken. Dort ist es anders.

Nun, wir werden sehen was geschieht. 2 Amtszeiten Bush haben wir auch überstanden.

 

Sicher ist auf jeden Fall, dass dieses Votum eine rote Karte für den Freihandel und die Freizügigkeit der Völker ist, eine rote Karte für liberales Denken und ein Zugeständnis ist, ein Zugeständnis zur Angst. Und bei dieser Melange fällt es mir schwer den Respekt gegenüber diesem Volk zu behalten. Auch, wenn (wie ich es heute bei MOBY gelesen habe) mehr Leute für Clinton gestimmt haben, die aber durch das Wahlsystem der Wahlmänner nicht zum Tragen gekommen sind. Es ist aber auch eine rote Karte gegenüber dem gebildeten Establishments, jene Leute, die arrogant und überheblich den Leuten erzählt haben, was sie zu denken haben; nicht dass das Establishment UNRECHT hätte in dem was es sagt, es geht nur darum, WIE es etwas sagt und wie die feinen Herren vom Flatscreen aus die Leute überheblich als dumm und klein abstempeln; dadurch werden kleine Menschen nur noch kleiner. Und wütender.

 

Keine Ahnung. Ich bin kein US-Amerikaner. Nur ein kleiner Handwerker aus Bayern. Aber nach dieser Wahl ist mir klar geworden, dass viel mehr in die Bildung investiert werden muss, damit die Deppen weniger werden. Und gerade in den USA ist es so, dass dort in vielen Gegenden die Bildung privatisiert wurde, dort wird ein Geschäft mit minderer Qualität aus ihr gemacht, was den Zugang zu Wissen mehr als nur erschwert hat. Was keine Ausrede ist. Denn wer wissen will, der kann sich in den meisten Ecken der Welt selber weiterbilden. Man müsste nur wollen.

 

Ich weiß nicht. Irgendwas muss man an so einem Tag wie heute schreiben… Irgendwas muss man einfach zu sagen haben. Auch wenn es vielleicht darum geht, gar nicht Konkretes sagen zu können.

 

Oben habe ich es schon einmal gesagt: Dass die einzelnen Länder der Welt nach der großen Globalisierung sich wieder auf ihre eigenen Werte berufen wollen, wundert mich nicht. Es wäre auch ein Wunder gewesen, wenn sich diese Vision von freiem Handel, Liberalität und Humanität einfach so durchgesetzt hätte, denn dafür produziert der freie Handel viel zu viele Verlierer (das Geld wandert halt weiterhin zu den Mächtigen) und liberales, humanitäres Denken macht vielen Menschen Angst. Ob das ganze Projekt jetzt gleich als gescheitert angesehen werden muss, oder ob es ein Projekt über die Jahrzehnte, ja vielleicht sogar Jahrhundert ist, das bleibt abzuwarten. Es war klar dass es Rückschläge geben würde. Und Politik wird weder in einer Nacht entschieden, noch an einem Tag gemacht. Das ist doch das Geile am Menschsein: Es bleibt stetig spannend. Welche Entscheidungen in ein paar Tagen wieder irgendwo anders auf der Welt Menschenleben kosten.

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Smartphones im Hallenbad

„Hilflos“ ist man dann recht schnell. Dazu reicht schon ein Smartphone, wohin keines gehört. Schon fühlt man sich überrumpel, übervorteilt, entblößt. Daran habe ich gar nicht gedacht, an diese Möglichkeit ob, und dass… Nicht einmal als wir vorhin das Schwimmbad betraten und da dieser Comic hing, der von der Frau, in dem sie einmal in einer Burka, einmal im Bikini und einmal in Straßenkleidung abgebildet ist, mit dem Zusatz auf Englisch, Arabisch und Deutsch, dass Frauen in jedem Aufzug zu respektieren seien. Und da ist dann dennoch auf einmal dieses Handy in der wechselnden Hand dieser 4 Typen, Jungs für mich, so Typen um 20, die sich selbst als super cool und sympathisch empfinden, im Wasser herum tollend, hinein hechtend, lachend, „angekommene Flüchtlinge“, die mit ihren Blicken, Gesten und Bewegungen die Räumlichkeit so sehr dominieren, das die restliche Hallenbad-Besucher sich dazu bewegt fühlen, einen großen Bogen um sie zu schwimmen, obwohl es nur ein standardisiertes Schwimmbecken ist, 5 Schwimmbahnen breit.

Als Mann denke ich mir anfangs nicht viel dabei, außer dass, was ein Mann immer schnell und oft denkt, nämlich das es mir lieber wäre wenn diese „Jungs“ nicht da wären, besonders auch deshalb, weil ich selbst einmal in dem pubertären Alter war, in dem sie mir erscheinen, auch wenn ich nie Flüchtling war, nie, nicht einmal ansatzweise, und wie stark ich mich ebenfalls in ihrem Alter fühlte, und wie blöd mir das heute vorkommt, wie pubertär, wie unausgewachsen. Das Smartphone nehme ich nicht wahr, meine Freundin macht mich darauf aufmerksam.

 

Es ist ziemlich brutal wie so ein Smartphone am falschen Ort das Gleichgewicht zwischen der Menschen verschieben kann, besonders, da diese Telefone heute WASSERDICHT sind und man auch noch unter Wasser damit Fotos machen kann, was sich hier im künstlichen gechlorten Indoor-Wasser anbietet. Mir ist unwohl in der Situation. Fühle mich schwach und unmännlich, da ich nichts unternehme, auch wenn im Prinzip nichts passiert, gegen das ich aktiv eingreifen könnte. Ich lasse meine Freundin neben mir schwimmen, ich zwischen ihr und den Typen, damit da ein gewisser Abstand zu den Kerlen und dem Ding ist, dass Fotos macht.

Die Kerle kauern sich immer wieder als halbrundes Grüppchen am Beckenrand zusammen, wie eine Wasserballmannschaft ohne die lächerlichen Badekappen, sehen sich Fotos an, die sie scheinbar voneinander gemacht haben, als sie in der Wasser sprangen; die vielleicht aber auch unter Wasser aufgenommen wurden, und Frauenkörper zeigen, wer weiß das schon?

Vom Herz her bin ich kurz davor einfach rüber zu schwimmen und mich hinter sie zu stellen, damit ich auch in das Wasserdichte Display, des Multifunktionsgeräts sehen könnte. Wären dann da ein Foto von meiner Freundin, über oder unter Wasser: Aber dann!

Tatsächlich ist es aber so, dass ich keinen von ihnen dabei ertappt hätte, wie sie das Handy als Spanner-Werkzeug eingesetzt haben. Der Rest ist Kopfkino.

 

Meine Freundin sagt, es mache ihr nichts aus. In der Großstadt im Hallenbad war ihr das, wenn sie mit ihrer Mutter unterwegs war, auch schon untergekommen, viel extremer und penetranter. Diese Erklärung. Macht es für mich natürlich nicht besser. Wie jeder Mann in dieser Situation denke ich mir nur, dass  es die Situation nur irgendwie schlimmer macht, wenn sie sagen muss: Es macht mir nichts aus. Da will Mann gleich zuschlagen. Dazwischen gehen. Wie man es früher gemacht hätte. Als man so alt war wie diese Typis.

Sie sagt zu mir: „Du regst dich mehr darüber auf, als ich.“

Das mag stimmen. Und wer kennt schon die Wahrheit? Und hätte ich nicht als Jugendlicher (nicht mehr in dem Alter dieser Kerle, eher ein halbes Dutzend Jahre vorher) auch mit dem Gedanken gespielt, was Ähnliches zu machen? Aber das waren nur Gedanken.

 

Als die Jungs weg sind schwimmen alle Besucher wieder schön ihre Bahnen. Es ist nichts passiert. Und es ist irgendwie doch sehr viel passiert. Entspannung sieht man in den Gesichtern der Frauen, von denen mir nur die vom Schwimmen roten Köpfe sichtbar sind, die an mir vorbeitreiben.

 

Am Hallenbad-Eingang sehe ich mir die „Benimm-Regeln“ an, suche nach einem Absatz, in dem etwas über „Smartphones“ steht. Da ist nichts. Von „Respekt“ gegenüber Frauen kann ich lesen. Ich finde dabei, dass es der Respekt gebiert, kein Handy mit ins Schwimmbecken zu nehmen. Und fühle mich dadurch auf der richtigen Seite der Medaille. Beim Hinausgehen sehe ich in den Glaskasten des Bademeisters, der auch nur in sein Smartphone starrt.

Die Stimme aus dem Erstaufnahmelager

Ich habe noch nie einen Facebook-Eintrag in einem anderen sozialen Netzwerk geteilt, der hier ist wert. 

Er stammt von Raphaele Lindemann

Liebe Leute,

nach nun fast vier Wochen im Erstaufnahmelager, finde ich endlich mal die Zeit ein paar Zeilen zur wirklichen Situation vor Ort zu schreiben und diese in Absprache mit der Camp-Leitung hier zu veröffentlichen.
In der aufgeheizten Stimmung zwischen allen politischen Lagern können ein paar Fakten aus erster Hand nicht schaden. Ich habe mir vorgenommen, diesen Bericht möglichst neutral zu verfassen. Das ist mir allerdings aufgrund der erschütternden Realität nicht gelungen und am Ende ist doch die Polemik und meine eigene Meinung mit mir durchgegangen…aber das wird man ja wohl noch sagen dürfen…

Ich bin zur Zeit als Arzt für die medizinische Erstversorgung der neu in Deutschland ankommenden Flüchtlinge zuständig. Diese findet nahezu vor jedem weiteren Schritt statt. Also vor der Registrierung (inkl. Fingerabdrücke und Foto!), der Versorgung mit gespendeter (Marken-)Kleidung, der Möglichkeit sich zu duschen, etwas zu essen oder der Verteilung auf das restliche Bundesgebiet etc. Das heißt im Klartext, dass man hier einen Eindruck in Reinform über die tatsächliche Situation der ankommenden Flüchtlinge erhält.

Dieser Eindruck ist pur und absolut ungefiltert. Ich kann Euch versichern, dass es absolut unmöglich ist, z.B. einen Fuß mit Erfrierungen zu versorgen, der über 500km in kaputten Schuhen, mit nassen Strümpfen durch den Winter marschiert ist und dabei durch eine „naive rosarote Gutmenschbrille“ zu schauen. Oder einen 4 Wochen alten Säugling in feuchter Kleidung mit Lungenentzündung zu behandeln, der zusammen mit einem Einjährigen und einer Vierjährigen, ganz alleine von der Mutter über das Mittelmeer, über Griechenland bis hier her geschafft wurde und sich dann den Vorwurf der Weltfremdheit anzuhören. Das hier ist die Welt! Und das hier ist sehr real und nirgends „rosarot“! Der Vater der 3 Kinder kam übrigens in Syrien ums Leben.

Diese Menschen kommen in einem absolut desolaten und erbarmungswürdigen Zustand hier an. Sicher wird es manchen erstaunen, dass es sich nicht zu 90% um junge, gesunde Männer handelt. Das hat das Wanken der Nachzugsreglung erfolgreich zum Schlechteren gewendet. Ich sehe pro Schicht etwa 300-500 Flüchtlinge. Mindestens 40% davon sind KINDER! Es gibt Familien, es gibt Alte und ja – es gibt auch junge Männer. Warum auch nicht? Allen gemein ist, dass sie absolut entkräftet und fertig sind. Ich habe bisher nie so viel Elend und Verzweiflung auf einem Haufen gesehen.
Neulich haben wir zum Beispiel eine Frau versorgt, deren Beine komplett verbrannt waren. Keine Ahnung wie sie es überhaupt bis zu uns geschafft hat. Wir haben allein eine halbe Stunde gebraucht, um die festgeklebten, schmutzigen und stinkenden Verbände von den vereiterten Wunden zu lösen. Da war aber kein Klagen und da war keine Anspruchshaltung. Diese Frau hat Dankbarkeit ausgestrahlt, weil sie endlich in Sicherheit ist und sich jemand um sie kümmert. Selbstverständlich ist sie nur ein Beispiel. Und selbstverständlich lassen sich mit Sicherheit auch Arschlöcher unter den Flüchtenden finden – wovon wir selbstverständlich schon genug unter den Eingeborenen haben.

Übrigens haben die Flüchtenden natürlich ihre Smartphones dabei. „Die“ haben vorher nicht in der Steinzeit gelebt und sind aus irgendwelchen Buschhütten und Höhlen gekrochen. Und vielen ist es zunächst wichtiger ihre Handys aufzuladen, als etwas zu Essen zu bekommen. Und dreimal dürft ihr raten warum? Was habe ich als erstes gemacht, als ich, bequem mit meinem Auto, trotz Glatteis, sicher im 500 km von zu Hause entfernten Camp angekommen bin?
Dass sie ein Lebenszeichen an die Lieben schicken zu wollen, wird diesen Menschen allerdings regelhaft zum Vorwurf gemacht und als Beleg für die fehlende Hilfsbedürftigkeit gesehen. Mit Verlaub – das ist weltfremd und obendrein arschig! Als würde es eine Pflicht geben, sich vor einer Flucht in Lumpen zu hüllen und bloß alle Wertgegenstände zurück zu lassen – inklusive der einzigen Möglichkeit zur Kontaktaufnahme zu den Angehörigen in Form eines Telefons.

In der aktuellen Situation müssen wir uns verdeutlichen, welchen Selbstanspruch wir an unsere Kultur haben. Natürlich könnten wir die Grenzen dicht machen und so tun als wäre Merkel an allem Elend dieser Welt schuld. Aber glaubt denn wirklich irgendwer damit wäre das Problem gelöst? Ich höre hier im Lager durchgehend weinende Kinder. Und ich weiß, dass sie dann halt vor unseren Grenzen weinen würden. Würden wir damit unsere Zivilisation retten? Nur weil wir es dann nicht mehr sehen und im Fernsehen einfach bequem umschalten können? Es zeugt schon von einer bemerkenswerten Moralvorstellung, wenn man auf fb das Elend eines gequälten Hundes anprangert und gleichzeitig sehenden Auges all diese Menschen vor unseren Grenzen krepieren lassen will – und wenn es nur durch Unterlassung ist. Ob das ein schützenswertes Abendland ist?

Natürlich müssen Lösungen vor Ort gefunden werden. Und natürlich können wir nicht die ganze Welt aufnehmen. Aber löst man einen Konflikt auf der Welt indem man gegen Flüchtlinge wettert und dumpf der Kanzlerin Verrat am Volk vorwirft? Sieht so die Rettung der Welt aus? Wo bleiben die wirklich konstruktiven Vorschläge und Initiativen der ach so besorgten Bürger?

Durch ihr „wir schaffen das“ hatte ich zum ersten Mal so was wie Respekt und Anerkennung für die Kanzlerin übrig. Weil sie ohne mit der Wimper zu zucken ihre politische Karriere riskiert hat, um eben jene Menschen nicht vor unseren Grenzen krepieren zu lassen und sie die enorme Herausforderung angenommen hat anstatt ihr übliches Teflonspiel des Aussitzens zu treiben. Und nie hat jemand behauptet, dass es eine leichte Herausforderung wäre. Und sind wir doch mal ehrlich: Wer von all den Hetzern ist denn WIRKLICH so arm, dass er befürchten muss durch die Flüchtlinge plötzlich weniger vom deutschen Wohlstandskuchen abzubekommen? Ist bisher WIRKLICH jemand deshalb ärmer geworden? Ist WIRKLICH jemand deshalb aus seiner Wohnung geflogen? Ist WIRKLICH jemand von einem bösen Asylanten aufgegessen worden? Und damit meine ich nicht denjenigen, der einen kennt, dessen Großcousine einen Nachbarn hat blabla.
Und Nein! Ich möchte nicht „so was“ wie in Köln gutheißen und bin sehr wohl für Sicherheit und Ordnung und eine härtere Bestrafung bei Gewaltdelikten jeglicher Couleur. Übrigens war ich schon bekennender Feminist als der Großteil der jetzigen „Frauenrechtler“ noch fröhlich Tittensprüche gemacht haben.
Was sich für Deutschland in erster Linie durch den Flüchtlingsstrom geändert hat, ist die Tatsache, dass wir zum ersten Mal eins zu eins mitbekommen, was in den armen Ländern dieser Welt absolut üblich ist: Wir nehmen Flüchtlinge im großen Maßstab auf und beweisen dadurch Nächstenliebe, Hilfsbereitschaft und sind bereit wenigstens einen kleinen Teil der Zeche zu zahlen, die die westliche Welt mit ihrer Außen- und Wirtschaftspolitik arrogant hat anschreiben lassen.
Damit sage ich ausdrücklich nicht, dass ruhig jeder hier her kommen soll und machen kann was er will. Natürlich fordere ich Integrationswille und Verfassungstreue ein – aber auch und vor allem von meinen eigenen Landsleuten! Schließlich hätten die schon seit ihrer Geburt die Chance gehabt humanistische Werte zu lernen. Und nicht selten profitieren sie schon viel länger als die Flüchtlinge von unserem Sozialstaat…

Klar muss sich auch „der Islam“ bewegen, möglicherweise eine Reformation durchlaufen, um unseren Lebensstil und die Regeln unseres Zusammenlebens bedingungslos in unserem Land zu akzeptieren. Aber sowas passiert doch nicht indem man alle Flüchtlinge nach Möglichkeit in Ghettos sperrt und die Türen zur gesellschaftlichen Teilhabe tunlichst geschlossen hält. Ein Blick in die Pariser Vororte sollte eigentlich ausreichen um zu erkennen wohin das dann führt. Und ja – dann werden all die Hetzer recht behalten.
Natürlich ist es verlogen, die radikalen Formen des Islam zu tadeln und zu bekämpfen, während man gleichzeitig z.B. mit den Saudis fröhlich Geschäfte macht ohne irgend eine Form des politischen Drucks aufzubauen. Ist ja nicht so, dass es nicht saudisches Geld wäre, welches weltweit Hassprediger mit extremsten Auslegungen des Islam finanziert.
Unabhängig von der moralischen Verpflichtung Menschen in Not zu helfen, verstehe ich einfach nicht, warum die große Chance dieser Flüchtlingswelle nicht erkannt wird. Noch vor wenigen Monaten war die größte Gefahr für unser christliches Abendland das Fortpflanzungsverhalten der Deutschen. In 30 Jahren ist unser Sozialstaat und unser Rentensystem am Ende. Deutschland überaltert. 2060 wird jeder dritte Deutsche über 65 Jahre alt sein. Jeder Zweite ist dann mindestens 51. Aktuell haben wir 49 Millionen Erwerbstätige im Alter zwischen 20 und 64. Im Jahr 2060 werden es nach aktueller Entwicklung nur noch 34 Millionen sein. Diese 34 Millionen müssen dann nicht nur unsere Rente zahlen, sie müssen auch unser gesamtes Gemeinwesen am Laufen halten, dafür sorgen, dass wir satt sind und es warm haben und uns im Zweifel auch den Hintern abwischen und uns das Erbrochene aus dem Gesicht waschen. Außerdem müssen sie natürlich weiterhin innovativ und produktiv sein, damit die Wirtschaftsmacht Deutschland auf dem Parkett des internationalen Markts nicht in der Bedeutungslosigkeit verschwindet und sich unsere Kinder und Enkel den Luxus der Altenbetreuung überhaupt leisten können, bei immer mehr zu stopfenden Greisenmäulern.
Wer glaubt, er könne dem Dilemma 2060 durch früheres Versterben entgehen muss leider enttäuscht werden: Schon 2035 werden wir fast 8 Millionen Menschen weniger im Erwerbsalter haben. Ich möchte an dieser Stelle daran erinnern, dass wir schon heute – also mit 8 Millionen Erwerbstätigen mehr – über knappe Rentenkassen und ein späteres Renteneintrittsalter diskutieren müssen und man ohne private Vorsorge real von Altersarmut bedroht ist.
Und genau jetzt hat ein weltweiter Exodus begonnen, der ohne jedes Anwerben den wichtigsten Zukunftsrohstoff überhaupt zu hunderttausenden in unser Land schwemmt: Menschen im erwerbs- und zeugungsfähigen Alter.
Natürlich bin ich kein Depp und ich weiß genau, dass wir es hier nicht mit einer Schwemme an Fachkräften zu tun haben (wobei es unter den Flüchtenden sehr wohl auch Fachkräfte gibt. Ich habe schon so einige im Lager getroffen.) und es riesige kulturelle Unterschiede gibt (die sich übrigens auch immer mehr in unserem eigenen Volk kristallisieren). Deshalb schrieb ich auch ROHstoff.
Jetzt können wir folgendes tun: Entweder wir kasernieren und isolieren die Neuankömmlinge, zeigen ihnen die kalte Schulter, fördern die Ghettobildung und versuchen sie schnell wieder abzuschieben und weg zu jagen, oder aber wir fangen an in etwas größeren zeitlichen Dimensionen zu denken.

Fast jeder von uns hatte doch in der Grundschule irgend ein asiatisches Kind sitzen – oder? Diese Kinder waren die ersten in Deutschland geborenen Nachkommen der mit offenen Armen importierten asiatischen Krankenschwestern im großen Pflegenotstand der 60er und 70er Jahre. Enorm viele dieser Kinder sind heute staatstragende DEUTSCHE: Politiker, Richter und Anwälte, Pfleger, Ingenieure, Geschäftsleute, Lehrer und Professoren und auch einige meiner ärztlichen Kollegen gehören dazu.
Das war funktionierende Integration durch frühe Förderung und Bildung. Investition in die Zukunft. Und genau diesen Schritt jetzt zu wiederholen wäre doch eine riesen Chance um diesen Rohstoff – die Kinder der jetzigen Zuwanderer – zu nutzen. Wenn wir uns das leisten wollen. Oder geht es am Ende etwa doch nur um Neid und eine reine Blutlinie?
Für den Neid möchte ich dann nochmal an den erquicklichen Sachverhalt erinnern, dass 62 Personen so viel besitzen wie die Hälfte der Erdbevölkerung. Ich warte noch immer auf den Aufschrei der Empörung und den Futterneid diesbezüglich, den man ja regelhaft gegen die ärmsten der Armen kultiviert.

Vielleicht noch ein kleiner „Gimmick“ zum Abschluss:
Letzte Nacht hatten wir unter vielen, vielen anderen Einzelschicksalen eine junge Schwangere im Lager, die keine Kindsbewegungen mehr gespürt hat. Sie sorgte sich, dass durch das lange Treiben im Mittelmeer – nachdem der Schleuserkutter gekentert war – nun auch ihr letztes Kind gestorben sei. Ihre zwei anderen Kinder sind bereits auf der Flucht im Meer ertrunken weil sie keine Kraft mehr hatte….So eine Sozialschmarotzerin aber auch!

Menschen leiden und sterben. Jetzt. Und wir können das verhindern. Wir schaffen das „wink“-Emoticon

P.S.: Ich habe nirgendwo das Wort „Nazi“ benutzt. Wer sich trotzdem als ein solcher hingestellt fühlen möchte – bitte sehr: Du Nazi!

Die neuesten Attentate auf die Freiheit

Ich glaube nicht dass ich etwas unglaublich Wichtiges oder gar Neues zu den Geschehnissen gestern in Paris beitragen kann. Und dennoch ist es wichtig in diesen Zeiten seine Meinung zu sagen, auch wenn man nicht derjenige ist, der die Debatte auf ein neues Level heben kann.

Das Spiel habe ich gestern live im Fernsehen mit verfolgt, sowie die betroffene Berichterstattung zu den Anschlägen von dem ziemlich hilflosen Sportreporter Matthias Opdenhövel und einem am Boden zerstörten Mehmet Scholl. Heute habe ich viel auf Facebook zu dem Thema gelesen, Phoenix gesehen und nach all dem ist mir klar, dass ich nichts mehr sagen kann, was nicht schon ein anderer vor mir gesagt hat – und ich finde gerade das bemerkenswert, dass die meisten von uns ziemlich gleich ticken, wir solche Taten (egal wo auf der Welt) verurteilen und echte Pazifisten sind, was bedeutet dass wir nie eine Waffe in die Hand nehmen würden um unsere Ansichten durchzusetzen, wobei wir sicherlich auch in der komfortablen Lage sind, dies nicht tun zu müssen. Dennoch: Fast jeder in unserer Gesellschaft lehnt die Gewalt ab und ich finde, dass das ein gutes Zeichen von uns ist, ganz egal wie das von Außen auch wahrgenommen wird.

„Die großen Terroranschläge“ und Katastrophen seit dem 11.09.2001 nehme ich wie die meisten Leute immer auf dieselbe Art und Weise wahr, nämlich vor dem Fernseher oder dem PC (egal in welchen Ausführungen, Hosentaschenpassend oder nicht), gebannt, scrollend und zappend. Leider ist da auch schon eine gewisse Abstumpfung und Gewohnheit mit dazugekommen. Denn es handeln sich im Prinzip immer um die gleichen, überflüssigen Bilder von grundlos traumatisierten Menschen und Politiker mit ernstem Blick; grundlos deswegen, weil diese Anschläge den Attentätern nichts gebracht haben, außer dass die Gesellschaft immer mehr zusammensteht, wie es bisher der Fall war.

Auf der anderen Seite habe ich mehr Sorge vor dem was jetzt kommen wird, als dass ich über diese Mordtat betroffen wäre, vor allem ob nun wieder die „Sicherheitsvorkehrungen verstärkt werden“ und  wie wird die Gesellschaft reagieren, gerade in diesen Zeiten in denen wir viele Flüchtlinge aufnehmen? Denn. Ich kann sehr gut verstehen wer jetzt Angst davor hat sich den Terror ins eigene Haus zu holen. Dazu habe ich diesen Banner auf Facebook gesehen, der das Dilemma gut zusammenfasst:

(Die Rechte für das Bild liegen nicht bei mir. Sie sind aber auf ihm abgedruckt)

Die Vernunft wird in dieser Debatte nicht immer die Oberhand behalten und es liegt an uns die Debatte richtig zu führen (und ja, ich bin mir der Ironie bewusst, dass ich hier „gegenvernunft“ heiße, das bedeutet jedoch nicht unvernünftig oder dumm zu handeln/zudenken, nein, es bedeutet gegen die Vernunft, die man nicht mehr hinterfragt und der man blind folgt).

Die größte Anzahl von Todesopfern sind in der Nacht bei dem Konzert der amerikanischen Band „Eagles of death metal“ zu beklagen, die meiner Einschätzung nach einfach als Symbol für Amerika (da es sich um eine amerikanische Rockband handelt) und deren Lebensstil herhalten mussten; sollte es dabei tiefere Zusammenhänge geben, bin ich gespannt.

Es ist sicherlich nicht das erste Mal das ein Rockkonzert in einer Halle oder ein DJ-Gig in einem Club von fanatischen Mordkommandos angegriffen wurden, und viele Todesopfer und Schwerstverwundete zu beklagen sind, wenn auch ansonsten nicht direkt im Herzen Europas.

Die Band selbst kannte ich gestern noch gar nicht, obwohl sie schon auf mindestens einem Festival spielten, dass ich besucht habe (das war damals das Southside im Jahre 2012). Im Zuge der Vorgänge habe ich heute einmal dort hinein gehört und fand die Band gar nicht mal so übel, was somit folgerichtig für mich und mein Umfeld bedeutet würde, das ich/wir dort auch einmal hingehen könnten oder würden. Nicht gleich nach Paris. Aber wenn sie einmal in München oder in Bochum/Köln gespielt hätten, wäre ein Besuch im Bereich des Möglichen gewesen. Die Band an sich wird jetzt nichts für die Tat können, ich will nur darauf hinaus, dass diese Ereignisse ein direkter Anschlag auf meinen Lebensstil sind. Es ist nicht einfach nur ein willkürliches Attentat auf einen Zug oder einen Bus in dem die Mörder möglichst viele Todesopfer erreichen wollten: In diesem Fall geht es eindeutig um unseren westlichen, freiheitlichen Lebensstil.

Ich kann mich noch gut an die Stimmung nach dem 11.September erinnern  und wie wir das Wochenende danach trotzdem zu Sven Väth ins Heizkraftwerk gefahren sind und eine wirklich krasse und unvergessliche Party abfeierten. Und auch wenn ich jetzt nicht mehr 21 bin, so würde ich ein solches Party-Trotzverhalten als die richtige Reaktion auf das Massaker in Paris ansehen.

Man darf jetzt keine Angst bekommen und sich nicht dieses Weltbild der Unterdrückung und Angst aufdrängen lassen. Natürlich sind Konzerte und Partys oberflächliche Welt- und Kulturbilder, ebenso wie Mode, Musik und die Kunst an sich; nichts davon braucht man für das nackte Überleben. Aber es geht darum was wir mit diesen Begriffen verbinden, unseren freiheitlichen und vor allem toleranten Lebensstil, miteinander zu feiern, zu tanzen und zu lachen, auch wenn das nicht immer als Speerspitze des intelligenten Verhaltens herhalten kann und darf. Ich bin sicherlich der Letzte der den Hedonismus der Nacht unreflektiert über alles andere stellt, bin keiner der jeglichen Anstand und Würde an der Garderobe abgibt. Nichtsdestotrotz bleibt die Möglichkeit es zu tun, eine Basis unserer Gesellschaft. Das ist die Freiheit des Individuums sich ausleben zu können. Das ist die Freiheit der Kunst. Nicht zu vergessen die Gleichstellung der Frau und sexuell Andersorientierter.

Ich hoffe nicht dass diese verklemmten Mörder uns soweit bringen, dass wir Angst haben müssen auf Großveranstaltungen zu gehen, die dafür gedacht sind, uns Freude zu bereiten; ja, ich hoffe sie können uns nicht unsere Freude selbst nehmen. Leider leben wir in einer Welt, in der unsere Werte immer wieder auf die Probe gestellt werden und jetzt heißt es, solche Situationen auszuhalten. Und daran zu wachsen.

Von solchen Durchhalteparolen kann man heute bestimmt so einige im Netz finden, sei es darum. Wir sind keine Schweigende Masse. Und was ist richtiger, als wenn viele das Gleiche sagen?

Verdammte humanistische Gutmenschen!!

Er sagt:

„Es geht nicht darum wie viel wir essen, wie das Alles angebaut wird, was man den Bauern zahlt, den Lohnarbeitern, ob das Sklavenarbeiter oder Kinder sind. Es geht auch nicht darum wie wir unser Vieh behandeln, ob wir das Reihenweise abschlachten, ihm Antibiotika geben, es schlagen, Hormone hinein pumpen und die am Ende selbst mit fressen, oder weg werfen. Auch ob unser Getreide überdüngt wird, die Äpfel gespritzt oder irgendein Anti-Irgendwas-Mittel eingesetzt wird, dass den Boden verpestet und damit wieder uns… Es ist auch vollkommen egal ob wir unseren Müll trennen, keine Plastikflaschen mehr verwenden sondern Mehrweg-Produkte, ob wir unser Essen selbst anbauen.

Es ist egal. Denn dabei geht es nur darum einen Prozess aufzuschieben, der nicht aufzuhalten ist. Und jeder weiß es, wenn er nicht total verblödet ist.

Du kannst noch so viel Plastik aus den Meeren fischen, keine fossilen Brennstoffe mehr benutzen und gegen Tierhaltung sein. Du kannst sogar der Supervegetarier, der Superveganer werden, nichts mehr essen, was einen Schatten wirft: Es spielt einfach keine Rolle. Wirklich nicht.

Es ist nicht der Wohlstand der die Welt zugrunde richtet. Es ist der Humanismus. Die Mitmenschlichkeit. Denn wer jedem anderen auf dem Planeten zugesteht, dass dieser die gleichen Rechten und Vorzüge erhalten soll wie er selbst, mag ohne Zweifel ein guter, ein vorzüglicher Mensch, ja, ein Menschenfreund sein, diese globale Gleichberechtigung aller Wesen ist jedoch auch der Untergang der Menschheit wie wir sie kennen. Der Mensch wird nicht die Erde zerstören. Dafür ist er gar nicht stark und groß genug, denn das Leben wird – über die Jahrmillionen – wieder einen Weg finden zurückzukehren, dafür reichen, wenn Darwin Recht behält, das Überleben von Kleinstlebewesen. Doch der Mensch wird die Menschheit zerstören. Er wird sie vergiften, ertränken, und sich früher oder später gegenseitig auffressen, was er jetzt schon auf die eine oder andere Art macht. Das ist die Wahrheit. Und es mag der Menschheit ein paar Jahre bringen, wenn wir alle brav unseren Müll trennen. Und es wird sicherlich helfen, wenn wir eines Tages einen anderen Planeten urbar machen – dort aber werden wir nach demselben Prinzip verfahren:

Zuviel Population für zu wenig Raum. Das Pop-pen ist das Problem.

Und doch ist das Poppen genau das, was den Menschen ausmacht. Sein einziger Traum. Sex bis zum Umfallen und so viele Kinder wie man will.

Es gibt keine gegenteilige Bezeichnung zum Kindersegen. „Kinder sind ja so toll“. „Sie sind unsere Zukunft.“ „Sie sind unser Glück.“ Es gab Zeiten, da stimmte das. Doch wie dankbar werden unsere Kinder sein, wenn wir immer mehr Kinder in die Welt setzen? Wenn wir nicht nur die virtuellen Privatsphäre abschaffen, sondern die reale gleich mit, in dem wir so viele Kinder zeugen, dass es nur noch einen begrenzten Lebensraum gibt? Und all diese mehr oder weniger glücklichen Nachfahren wollen selbst immer mehr Kinder bekommen, denn schließlich wollen sie selbst auch glücklich sein! Und wer kann ihnen dieses Glück auch vergällen, denn schließlich sind wir Humanisten und stehen ihnen dieses Glück, unser Glück, ihnen auch zu! Bis es irgendwann einmal nicht mehr geht. Es werden Kriege folgen. Seuchen. Mord und Totschlag. Das wird das „Finstere Mittelalter der Menschheit“. Und nicht der Kapitalismus und die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen wird daran Schuld tragen. Nein. „Schuld“ hat die Menschenliebe. Weil man jeden Deppen so sehr liebt, wie sich selbst – ganz egal ob DER einen liebt.

Das Kapital wie wir es kennen, nimmt keine Rücksicht auf den Menschen, außer denjenigen, der es besitzt. Der Kapitalist, der Reiche,  wird sich einen schönen Ort einrichten, in dem er gut leben kann. Und das ist richtig so. Er wird sich eine Blase schaffen, die er sich verdient hat. Alle anderen müssen draußen bleiben. Und das ist klug. Denn wenn man alle Heuschrecken gleichzeitig in das Paradies lässt, was wird dann geschehen? Oder anders gefragt: Was geschieht wenn man nur eine EINZIGE Heuschrecke hineinlässt? Werden dann mit der Zeit  nicht daraus zwei oder drei werden? Und wie geht die Geschichte weiter? Was wird aus den Sklaven von einst, mit denen wir Mitleid hatten? Seht nach Amerika. Seht nach Frankreich. Was aus all der „Nächstenliebe“ geworden ist…

Nächstenliebe muss man sich leisten können.

Denn der Nächste will das, was du hast. Nein. Er will es dir nicht wegnehmen. Der Nächste ist kein schlechter Kerl. Der Fremde ist nicht der Böse. Er will nur das GLEICHE haben wir du. Denn er denkt, er ist wie du. Und du behandelst ihn doch auch wie dich! Also wird er dir, nach und nach, das wegnehmen was du hast. Weil er so ist. Wie du. Du würdest doch genau das Gleiche wollen, wie du, oder? Du bist doch auch nicht schlechter. Siehst du, da haben wir es schon.

Wir brauchen Mauern um uns zu retten. Keine Brücken. Eine Brücke braucht man nur, um sich aus dem selbstverschuldeten Elend zu retten. Und ich kann nichts dafür, wenn irgendwo Krieg ist. Ich habe niemanden dazu gezwungen, Waffen zu kaufen oder auf wen zu schießen. Unsere Wirtschaft sagt nur: „Hier, das ist ein gutes Gewehr, bei seiner Handhabung wirst du keine Probleme bekommen.“ Seit wann ist Qualität ein Grund dafür, jemanden die Schuld zuzuschieben? Würden diese Leute nicht ihre eigenen Gewehre benutzen, wenn sie könnten? Natürlich würden sie das. Sie kaufen nicht unsere Waffen weil wir so nett sind, sondern weil sie gut schießen. Würde jemand anders sie herstellen, würden sie, sie dort kaufen. Ganz sicher.

Und welcher Flüchtling holt schon seine Familie nach? Ich bitte euch… Unsere Großeltern wissen wie man flüchtet. Mit nichts am Leib als dem nackten Überleben und die Kinder aufm Arm. Nachzug von Familien… Was sind denn das für Flüchtlinge? Und was ist das für ein lächerlicher Krieg? Unsere Gesellschaft wollen die unterwandern. Dass sind doch ALLE IS-Terroristen! Unsere Regierung verschweigt uns das nur! Und ich weiß aus sicherer Quelle – ein Freund von mir ist Polizist und war in München dabei – wie viel mehr Frauen da am Bahnhof vergewaltigt wurden; die dürfen nur nicht darüber sprechen. Weil die Regierung versucht die Leute ruhig zu halten, und die ficken unsere schönen jungen, weißen Frauen! Und denkt mal an die Schwulen! Wir holen uns den Henker ins eigene Land!

Nach und nach baut sich hier eine Parallelgesellschaft, mit Moscheen und Kopftuchmädchen auf und mit allem drum und dran…. Und stelle euch mal vor, WIR würden in der Türkei eine katholische Kirche hinstellen wollen! Hahaha! Hahahahahaha!“, lachte er, trank seine Binoade aus und ging auf die Straße mit seinem Plakat, auf dem stand: „Genug ist genug!“ Und brüllte: „Wir sind das Volk“

Meine Kollegin und ich sahen uns ein wenig ratlos an. Ich dann so: „Na ja. Mit dem Thema Überbevölkerung hat er wirklich recht gehabt.“

Sie: „Ja. Irgendwann wird es wohl viel zu viele Menschen geben. Wieso dann aber die Ausländer als erstes wegmüssen?“
„Das war doch schon immer so.“

„Verdammte humanistische Gutmenschen seid ihr!“ brüllte uns sein Kollege, der immer noch am Tisch saß, bisher aber nichts gesagt hatte.

Sie: „Wieso? Wir sagen doch, dass er Recht hat, dass viele Menschen weggehören, um den Rest zu retten. Ist es da nicht egal, welche Menschen weggehören?“

Und der Kollege brüllt nur: „Die ANDEREN gehören weg!“