Deichkind in Augsburg, Schwabenhalle, es war der 18.02.2020. Erfahrungsbericht

Ironischerweise waren Deichkind zu jenen Zeiten als sie berühmt und irgendwie auch legendär wurden, überhaupt nicht so meins. Diese geravete Bierseligkeit fand ich blöd. Ich selbst war Anfang, Mitte der Nuller Jahre, als die Pyramidenköpfe die Bühnen eroberten, eher der vergeistigte Feier-Typ und schob vom Kopf her Deichkind in die Ecke, in der später die Atzen unterwegs waren: Laut und prollig. Mit den Jahren entwickelten sich Deichkind immer mehr und mehr zur Kopf-Band und wurden so für mich interessant. Auf der Bühne live erlebt habe ich sie trotzdem gerade zu ihrer Anfangszeit. Deichkind spielten auf so vielen Festivals VOR den Bands die ich hören wollte, dass Deichkind für mein Befinden zur nervigen Vorband verkamen. Hüpfburg und riesige Fahnen hin oder her. Man darf ja nicht vergessen, dass der Electroclash in dieser Zeit mega abging und Deichkind von ihrem Gestus her nichts Außergewöhnliches waren. Boys Noize, Bloody Beetroots, die Ed Banger Posse oder die Soulwax/2manyDJs Ecke ließen die Menschen auf den Tanzen reihenweise eskalieren. Und doch waren Deichkind halt die einzigen, die das mit einer gewissen Deutschen Attitüde machten – und über ihre Slogans gibt es (selbst wenn man die Band nicht mag) nicht wirklich zwei Meinungen. Ich bin mit den Jahren kein Deichkind-Fan geworden. Ihre neuen Texte und ihre frisch zelebrierte Attitüde finde ich dennoch ganz cool. Zudem sind Deichkind auf eine gewisse Art die letzten Übriggebliebenen der lauten und krawalligen Nuller-Jahre. Klar. Ed Banger usw. gibt es auch heute noch. Nur bis auf wenige Ausnahmen wie zB. Justice bringt die Musik niemanden mehr zum eskalieren. Deichkind sind dieser Erwartungshaltung treu geblieben, doch sie haben sich in eine gute Richtung weiterentwickelt. Und doch holen sie ihre alten Fans noch ordentlich ab. Und scheißdrauf. Wenn Deichkind schon einmal nach Auxburg kommen, dann geht man halt hin. Wer seid ihr nur, wenn ihr nur zu Lieblingsbands geht?

Vor dem Konzert sah man sich die Konzertbesucher an und kam sich vor wie auf dem Treffen der ansonsten anonymen Raveoholikern; man konnte an der Aufmachung und den Gesichtern sehen, dass das ehemalige Dosenbierstechen gegen Kinder und zumindest Eigentumswohnungen eintauscht wurde. Heute aber, da wollten es die Mittvierziger noch einmal wissen. Junge Leute waren auch am Start, nur nicht sehr viele. Ich war noch nie in der Schwabenhalle und ich fand die Location für eine Konzerthalle mega. Aus dem einfachen Grund, dass das Konzert dort nicht in die Länge gezogen wurde, sondern in die Breite. Viel zu oft stand ich schon in Konzerthallen ala „Zenith“, die wie ein Schlauchlevel viel zu weit weg von der Bühne gestaltet sind. Hier lehnten wir locker. Am ersten Wellenbrecher an der Seite und es war immer noch nah genug. Ja. Lehnten. Es war immerhin ein Dienstag: Wir waren schon müde als wir ankamen.

Im Vorprogramm wurden (und das kannte ich bisher nicht) Musikvideos gespielt. Nicht nur Musik. Was der Stimmung wirklich zuträglich war. Man konnte was ansehen, anstatt nur plump die Zeit abzusitzen, bis es endlich losging. Und. Es gab keine Vorband. Beste Entscheidung ever. Ich weiß schon. Vorbands brauchen eine Bühne um sich präsentieren und bekannt zu werden, blah blah blah. Stimmt ja nicht. Die 80ger sind lange vorbei und wenn ich eine Band „entdecken“ will gibt es mit Youtube und Spotyfy bessere Plattformen, als ne Stunde lang der Band, für die der Kunde Geld ausgegeben hat im Weg zu stehen. Vorbands will doch keiner mehr hören. Deswegen Videos. Tolle Sache. Von 90ger, 80ger Jahre Hip-Hop (die Spaß-Sparte), über Bonaparte, Nirvana, bis hin zum echt lustigen  Video von Salvatore Ganacci – ich hab alles gefeiert.

Dann gings los. Werner Herzog sprach das Intro; ach, Werner Herzog. Ich liebe seine Sprechstimme über alles. Und. Wüsste dabei keinen einzigen Menschen, bei dem ich die Sprechstimme so feiere. Singstimme ja eh. Sprechstimme? Fällt mir sonst keiner ein. Es folgte ein Megalanges Intro-Video, in dem der Schauspieler Lars Eidinger splitterfasernackt quasi als Pinsel blau gemacht und über den Boden gezogen wurde. Das Bühnenbild der Show entsprach dann dieser Video-Installation. Deichkind quasi als lebendige Gemälde. Und so blieb dann auch die erste Stunde des Konzerts, äußerst kunstvoll. Es ging zwar mit „Keine Party“ los und dann mit „Richtig gutes Zeug“ weiter. Jedoch inszenierte die Band ihre gesamte Bühnenshow eine Stunde lang komplett an ihren Fans vorbei. Erst war ich irritiert. Dann habe ich es geliebt. SO konsequent muss man sein, wenn man Neues schaffen will. Eine Stunde lang quasi kaum Hits. Nur neues Material. Um dann in der zweiten Hälfte des Konzerts (noch einmal anderthalb Stunden oben drauf), Deichkind mäßig alles abzureißen. Trotzdem. Dennoch. Diese erste Stunde, die man wirklich als Dadaismus bezeichnen kann, verstörte die alten Deichkind Fans. Sie waren für Abriss gekommen und bekamen erst einmal eine strange Choreographie, die mich in ihren schwachen Momenten an eine Bildschirmschoner-Performance erinnerte. Was sollte das? Warum macht man das? Warum tut man seinen eigenen Fans so was an? Na. Weil man nicht stehen bleiben will. Da wird sich weiterentwickelt und Mensch. So eine Performance lernt man jetzt auch nicht von heute auf Morgen auswendig und Schrittgerecht. Für meine Frau tat es mir etwas leid. SIE wollte Abriss. Den kannte ich ja schon – und – es war klar: Der würde noch kommen.

Die einzigartigen Pyramiden-Hüte wurden ebenso aufgefahren, wie das Bierfass, mit welchem die Band, die keine Instrumente spielte , Flagge schwenkend durch das Publikum kurvten. Da war da noch die Stalin-Orgel, die T-Shirts schoss. Viel „Yippie Yeah und Remmidemmi“, ganz am Ende. So viel waren sie ihren Fans schon schuldig. Doch in Wahrheit waren es zwei Konzerte die man bekam. Sie performten einmal für die Kunst. Und einmal für das Publikum. Und ich fand es toll. „Arbeit nervt“, „Leider geil“, „Illegale Fans“, „Bon voyage“. Es fehlt ja keiner der Hits. Meiner Frau (die wie ich kein Deichkind-Fan ist) fehlte nur noch „Disco Pogo“. Na ja. Kann ja mal passieren… Zu denen gehen wir auf jeden Fall wieder. Wir haben uns dann noch eine große Flagge für den Vorgarten geholt. In schwulen Regenbogen-Farben „Yippie Yippie Yeah“. Wenn schon. Dann ordentlich. Nach 15 Jahren, da bin ich Fan geworden. Schwitzend und grinsend fuhren wir nachhause. Genug Party für einen Dienstag.

„Bilderbuch“ in Augsburg, es war der 7.4.2018

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Sind Bilderbuch eigentlich eine „coole Band“? Irgendwie ist das eine gute Frage. Sie nehmen sich halt nicht ernst in ihrer affektierten Ernsthaftigkeit. Nichts ist wichtig, alles ist ein Spaß. Alles was Spaß macht, ist irgendwie auch wichtig, so gesellschaftlich gesehen. Alles ein guter Schmäh, oder? Wie das Leben ein guter Witz ist. Auf eigene oder die Kosten anderer, wer weiß das schon? Spaß soll es machen. Dann schaun wir weiter.

So oder so fällt irgendwann in jedem Gespräch über die Burschen aus Österreich der alles wieder gut machende, größte wie kleinste gemeinsame Nenner auf den man sich einigen kann: Einfach „sympathisch“.

Sie spielten dann so 20 Minuten, ne Halbe Stunde vor Ende ihr bekanntestes Lied. „Maschin“. Wirklich super und toll. Das Publikum voll dabei. Und ich dachte mir so, dass man auch nicht schlecht selbstbewusst sein muss, um seinen Smasher so früh vor Konzertende zu geben. „Augsburg“ war voll am Start und die Band hätte zu diesem Zeitpunkt auf der Bühne eh fast machen können was sie wollte und die Leute hätten sie trotzdem gefeiert. Mein Bewusstsein haben sie nach „Maschin“ trotzdem verloren. Seit ich meinen Roman gekürzt habe, kommt mir alles zu lange vor. Kürzer. Kompakter. Schneller. Straight to the point. Bitte schön. Weniger Blahblah. Doch Konzertbesucher wollen das. Immer mehr und mehr von „ihrer Band“. Am geilsten gleich noch mal 2 Stunden hintendran hängen. Mehr fürs Geld. Wir sind ja in Schwaben. Und wie meine Freundin da mit unseren neuen Freundinnen aus Regenburg herumtanzte (mit der Mutter, die ihre entsetzte 17 Jährige Tochter zuhause zurückließ und ohne  sie zum Konzert fuhr, wo sie die ganze Zeit nur lachte: Ich bin total betrunken! Redet einfach nicht mehr mit mir wenn ich euch nerve! Haha!“), schien das auch nicht wenig Spaß zu machen. Ich mag die Bilderbuchler ja. Wahrscheinlich lag es an mir. Denn im Gegensatz zu dem Entertainer Maurice auf der Bühne muss ich nicht jeden Abend gut drauf sein. Ich stand da mit 37 Jännern auf meinem vielleicht 300sten (400sten?) Konzert und sehnte mich am falschen Ende der Raumes, viel zu nah an der Bühne und mega weit weg von der Bar, nach einem Jacky-Cola und einer Zigarette. Moscow Mule. Auf jeden Fall irgendwas gegen zu viel Nüchternheit. Frinks! Ja. Ich wollte heute mehr Trinken  als Konzert. Das Konzert mehr als Beiwerk zum guten Schluck. Hätte ich aber beim 300sten Konzert besser wissen sollen, dass das nicht funktioniert, wenn Bilderbuch am Start sind. Denn dann ausverkauft. Denn dann Laden brechend voll.

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War ein gutes Konzert. Alles gespielt was man hören will. Und später mit Moscow Mule und Kippe im Maul (gleichzeitig selbstverständlich) kam ich mir ein wenig doof war. Dass ich vorher so unentspannt war. Muss doch nicht alles gleichzeitig sein.

Beste Frage einer Freundin heute Morgen: „Und? Wie war es gestern auf der Lesung?“ Original genialer  Bilderbuch-Witz.

Ein Video habe ich auch gemacht:

Alt-J, live in der Olympia-Halle München, es war der 19.01.2018

 

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Alt-J sind irgendwie die berühmteste Band – die keiner kennt. Berühmt deswegen, da ich mit meiner Freundin noch nie auf so einem großen Einzelkonzert war (also zusammen, alleine waren unsere Hallen- und Stadion-Konzerte von diversen Bands größer). „Kennt keiner“ weil das die gängige Reaktion von allen auf unsere Ankündigung war, zu Alt-J zu gehen; wer? Ich kam durch die SPEX auf sie. Damals stieg ich beim zweiten Album mit ein und das war irgendwie ganz cool – als ich dann das erste hörte war ich richtig umgeblasen. Denn das ist richtig gut. Ein wenig gewöhnungsbedürftig ist die Stimme von Joe Newman schon (ja, der klingt WIRKLICH so), doch gerade deswegen ist für mich der Schritt von Radiohead zu Alt-J kein großer. Vom Kunst-Faktor her zählen beide Bands zu den ganz Großen.

Es ist spezielle Musik für verträumte Nerds. Und kleine Mädchen wie ich feststellen musste, denn davon gab es auf dem Konzert mehr als genug. Das habe ich schon lange nicht mehr so geballt  erlebt. So ein Aufkommen an Bauchfreien Shirts und aggressivem Gewusele. Diesem aggressiven Vordrängeln war es dann auch zu verdanken, dass wir uns nach der Vorband entschieden den guten Stehplatz aufzugeben (vorderes Fünftel der Halle) und uns auf die Tribüne zu setzen. Ich bin etwa 2 Meter groß. Eine Konzertbühne kann ich aus fast jeder Menschen-Menge an fast jeder Position sehen. Meine Freundin ist einen Meter 60 groß. Da hat man dann halt ein Problem.

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Wir hielten die Vorband noch durch, die mir aber auch schon brutal auf die Nerven ging. Wisst ihr, es ist doch so:

Im Laufe der letzten Jahrzehnte war ich auf vielen Konzerten und habe damit sehr viele schlechte Vorbands gehört. Das Ding mit diesen Bands ist, dass sie eigentlich niemand hören will: Ihre Namen stehen nicht einmal auf den Tickets. Also wartet man geduldig darauf, bis der Stiefel heruntergespielt wurde und es endlich zum Hauptact kommt, für den man gutes Geld bezahlt hat. Vorbands sind scheiße und langweilig. Außer. Außer sie nutzen das Warm-Up-Programm als Chance und versuchen das Publikum zu überzeugen. Da hat mir die Vorband der Gorillaz gut gefallen. Die sind gleich mal raus da und haben wenigstens versucht die Leute zu packen. Die „Marika Hackman“-Band vor Alt-J war leider nur langweiliges Gejammer, dass zwar ein paar gute Gitarren-Einlagen zu bieten hatte, sowie mit ihrem Flair gut ins Roadhouse von „Twin Peaks“ gepasst hätten, hier aber nur total langweilten. Mann, Mann, Mann. Was habe ich Lebenszeit mit schlechten Vorbands verprasst? Du stehst eingezwängt in der Dunkelheit vor der Bühne. Kannst nicht auf die Toilette oder ein Bier holen (da du deine Leute eh nicht mehr findest) und unterhalten kann man sich auf dem Geräusch-Level natürlich auch nicht. Wenn der einzige Gedanke hinter einer Vorband ist, die Stimmung so in den Keller zu fahren, damit man sich noch mehr auf die Hauptband freut, sollte man es doch bitteschön ganz bleiben lassen. Funktioniert bei den Einstürzenden Neubauten ja auch.

 

Die kleinen, arroganten, verzogenen Mädchen drängten sich nach der Vorband wie Ratten, die das sinkende Schiff auf jeden Fall verlassen wollten, bösartig und egoistisch nach vorne. Ist echt ne Frechheit. Junge Frauen können im Rudel die größten Arschlöcher sein. Ohne Rück- und Einsicht auf ihr soziales Umfeld. Monster voller Energie, die nur an sich denken. Traurig. Vermisste ich die Bildungsoffensive des letzten Jahrzehnts, die die Regierungen „weg rationalisiert“ haben. Rational ist daran gar nichts mehr.

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Alt-J ist ein gutes Sitzkonzert. Und es war. In all den Jahren. Mein allererstes Sitzkonzert. Der Blick auf die Bühne war nicht ideal. Doch Alt-J ist jetzt nicht die Band wo es viel zu sehen gibt. Die drei Jungs standen wie die Tiere eingepfercht in ihren Light-Show-Käfigen und interagierten nur zwei oder drei Mal mit dem Publikum, dass megagebannt die Songs von der Bühne starrte. Mitgeklatscht wurde nur zwei Mal (was ich ironischer weise in meinem Youtube-Video festgehalten habe). Brav gejubelt dagegen schon. Ich war bisher zwei Mal im Münchner Olympia-Stadion. Bei Depeche Mode und den Böhsen Onkelz – und da ging es richtig ab. Okay. Bei Depeche Mode nicht. Gestern  wurde hauptsächlich der Platz verteidigt und angestrengt geguckt. Witzig war dagegen zu sehen, wie auf den Rängen, zwischen den Sitzreihen, mehr Leute tanzten, als unten im Stehbereich.

Akustisch und musikalisch war das Konzert eine Offenbarung. Alt-J klangen nicht nur super und sahen dank dem Licht klasse aus. Sie spielten so gut wie alle ihre Hits, von „Tessellate“ über „Matilda“ zu „Hunger of the pine“, weiter von „Left hand free“ bis zu „3WW“ und Schlussendlich „Breezeblocks“. Irgendwie kann man zu dem Genuschel von Alt-J entweder kein Lied mitsingen, oder jedes. Das macht Spaß wenn man sich nicht so ernst nimmt und war – wie gesagt – musikalisch echt der Hammer.

Ich hopste grölend auf meinem Klappstuhl umher, meine Freundin tanzte neben mir und alles war gut. Zu Alt-J würde ich echt wieder gehen. Auch wenn mich nach dem Konzert die Motivation beschlich beim nächsten Mal ein Brechstange mitzunehmen und die arme Band aus ihren Käfigen zu befreien, damit sie ein wenig Freiraum in ihrer perfekten und glatten Inszenierung bekommen.

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Eine Kleinigkeit noch:

Wir waren wie immer zu früh dran und gingen im „Restaurant Coubertin“ essen. Das ist direkt neben der Olympia-Halle. Erwähnenswert daran ist, dass es dort einen direkten Einlass in die Konzerthalle gibt. Man geht da einfach den Flur entlang und kann von dort aus einchecken. Super praktisch und viel geiler als draußen im Schneeregen zu stehen 😉

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Gorillaz live – die Humanz-Welt-Tour in München, es war der 11.11.2017

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Als das erste Gorillaz-Album erschien war mir das ganze Projekt zu affig (haha). Der neue Albarn-Sound war seiner Zeit sehr neu und hip, was selbst ich in meiner damaligen spätjugendlichen Lebensphase anerkannte. Die Band erschuf damals mit ihrem Stil-Mix etwas einmaliges, etwas Neues. Nur. Fleming war damals so auf Techno, das so eine Kommerz-Pop-Band bei ihm nicht wirklich punkten konnte. Und dann wurde da auch noch gerappt: Ging gar nicht. Gestern, 16 Lebensjahre nach dem Erscheinen des nach der Band selbst betitelten ersten Albums, sah die Sache anders aus. Gorillaz? Sollte man sich mal anhören. Ganz schlecht sind die ja nicht. Wenn auch, okay, immer noch zu poppig. Aber Mister Damon Albarn auf der Bühne hat man nicht alle Tage. Und nicht zuletzt: Meine Freundin ist großer Gorillaz-Fan.

 

Ins Münchner Zenith fahre ich nicht nur gefühlt alle paar Monate. Die Besonderheit gestern war, dass wir  fast pünktlich zur Öffnung der Halle dort waren, um 18:30 Uhr. Trotzdem war da schon eine extrem lange Menschen/Fan-Schlange vor dem Eingang. „Das wird nichts mehr“, meinte ich betreten zu meiner Freundin und meinte damit, dass wir zu spät ankamen um noch einen Stempel zu bekommen um noch vor dem ersten Wellenbrecher direkt vor der Bühne stehen zu können, wo die Sicht auf die Bühne am besten ist. Im klammen München regnete es stark zu dem eisigen Wind, der wütend und bitter unsere Schirme auf links toste. Schlamm vom aufgewühlten Schotterpark-Platz des Zenith-Geländes klebte an unseren eiligen Schuhen. Doch. Oh Wunder. Wir ergatterten einen der erhofften limitierten Plätze vor der Bühne. Ab zum Merchandise-Stand.

Ich bin noch nie auf das Merch in einem Blog-Eintrag eingegangen, da ich aber bei Justice in Köln kein Shirt in meiner Größe bekommen habe und z.B. bei „the kills“ die Qualität der Shirts derart billig war, dass selbst die Sklaven-Kinder aus den Sweatshops in Kambodscha empört die Augen verdreht hätten, will ich auch mal erklären dass die Gorillaz-Produkte von erstklassiger Quanti- und Qualität waren. Zumindest vor dem Waschen…

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Vorband war Little Simz. Klarer Fall von überhaupt-nicht-meine-Musik. Das interessierte die Kleine die aussieht wie die von „Chewing gum“ gleich mal überhaupt nicht und walzte mit ihren Hip-Hop-Tunes nicht nur mich platt und zerrte dadurch meine Arme nach oben. Selten habe ich eine Vorband erlebt die a) so gut beim Publikum ankam und die b) sich so viel Mühe gab um die faule Crowd – die einen Haufen Geld dafür ausgegeben hat, um eine ganz andere Band zu hören – von ihrer Musik zu überzeugen. Und das machte richtig Fun. Es wurde am eigenen Körper gezeigt, dass es auch geil sein kann ein Publikum an die Hand zu nehmen.

Punkt 20 Uhr Little Simz. Punkt 21 Uhr: Gorillaz.

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Die Gorillaz kommen gerade von einer Tour durch Amerika nach Europa. Da muss sich fast die Frage stellen, ob die Band überhaupt noch richtig Bock hat auf Tour-Alltag und Live-Dates. Manche Bands spulen die Konzerte einfach nur noch ab. Die Gorillaz (zum Glück) nicht. Die hatten richtig Bock.

Es ging von der ersten Minute an richtig ab. Jetzt fragt mich nur nicht wie die Lieder im einzelnen hießen, aber es war wurde den ganzen Abend viele Sachen von der neuen, eigentlich gar nicht so umwerfenden Platte, gespielt. Doch es bewahrheitete sich wieder einmal, dass in Live-Situationen der Sound ganz anders klingt – und rockt. Bereits nach einer halben Stunde war ich total nass geschwitzt und feierte Songs ab, die ich entweder gar nicht kannte oder nur kaum; und Lieder wie „Andromeda“, die auf Platte eher melancholisch klingen, wurden zu Party-Bestien aufgeblasen. Von „We´ve got the power“  und der wahnsinnig geil live gesungenen Disco-Nummer „Strobelite“ ganz zu schweigen.

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Ich hatte mir zuvor natürlich mal ein Live-Konzert der Band angesehen und die fand ich eigentlich eher so: „Na ja“… Aber Titeln die auf Youtube eher die Luft ausgingen wie „Sex Murder Party“ waren in dem in Echt-Moment ein Hands-Up-Muss, bei dem plötzlich einer der zahlreichen Gastsänger sich in der Menge euphorisch an dir vorbei sangen.

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Auf der Bühne waren ständig 10 Leute am Arbeiten, was man hörte und fühlte. Aber man hörte und sah auch, wie viel Spaß dieser Haufen da oben hatte. Die feierten permanent sich und das Publikum ab und waren genau dass, was man von so einer Band erwarten kann: Euphorische Profis. Fast alle der Gastsänger waren am Start und so war es kein Wehrmutstropfen, wenn einmal ein Sänger nur über die Videoleinwand eingespielt wurde. Profis bei der Arbeit zuzusehen macht richtig Spaß, wenn es ihnen Spaß macht.

Ich hatte einmal so eine Situation auf dem Southside-Festival, damals, bei den Foo Fighters. Er schüttete wie aus Kübeln und die Menge feierte die Band richtig ab. Die spulten professionell ihr Programm ab: Blieben aber menschlich kalt und distanziert. Gestern sah man nur einen bis über beide Ohren grinsenden Damon Albarn der nach ein paar Songs schon komplett durchgeschwitzt war und die Menge weiter nach vorne sang und schrie.

Hier. An dieser Stelle. Kann man auch mal das Münchner Publikum loben: Oft seid ihr ein bisschen lame. Gestern aber. Brüder und Schwestern. Habt ihr einen guten Feierjob erledigt.

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Die Bands mit den unzähligen Hits spielten überraschend wenige davon. „Stylo“, „Feel good Inc“, „Clint Eastwood“. Burner wie „Dare“ oder „Dirty Harry“ fehlten leider im Programm, das mit 1,5 Stunden auch nicht überragend lang war. Mir reichte es nach dem Set aber auch. Ich hatte anderthalb Stunden mehr Spaß gehabt als bei manchen Konzerten die 2 Stunden dauern, wo 30 Minuten überflüssig waren. Tatsächlich war ich nicht auf wenigen Konzerten und dieser Gorillaz-Gig war einer der besten Live-Auftritte die ich jemals erleben durfte. Gerne mehr. Gerne mal wieder.  Und dann bitte mehr von Zebra Katz 😀

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Justice in Köln, die „Woman“-Welt-Tournee, es war der 21.10.2017

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„Kööööln! Ihr seid Scheiße!“ brüllt der Prolet von hinten in die Menge. Von den 50 Leuten in Rufnähe drehen sich 10 um und sehen mich an. Ja. Richtig gesehen. Das war ich. Ich grinse sie an. Und weil ich fast 2 Meter groß und im Moment ziemlich verschwitzt bin, drehen sie sich einfach nur mit einem Schulterzucken um. „Köln“ war aber auch wirklich scheiße. Justice waren geil.

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Sie sei auch enttäuscht von der Menge gewesen, versuchte meine Freundin später zu relativieren, aber es sei nun einmal so, dass die Leute heute weniger Tanzen und nur noch die Arme heben. Den kollektiven Durchdrehwahn gäbe es heute doch kaum mehr. Auch. Wenn wir Beide das gerade gemacht hatten. Es geht ja, wenn man will und sich nicht von den Langweilern runterziehen lässt. Das Kölner Publikum kifft halt lieber, trinkt viel zu kleine Biere (die man dann ständig neu holen muss – sehr klug) und sieht sich lieber ein Konzert konzentriert an, als es abzufeiern. Die ideale Zielgruppe für VR (virtuelle Realität) : Sich bloß nicht schmutzig machen oder richtig aktiv werden. Mir. Taten die Leute leid. So wie wir ihnen wohl leid taten. Wie wir da schrien, lachten, grölten, applaudierten. Dazu mussten wir uns erst einmal ein Plätzchen finden in dem zwar nicht ausverkauften, doch sehr vollen Palladium.

Wie war denn nun die Performance von Justice? Wie zu erwarten, sehr gut. Ich hatte mich auch ein wenig selbst gespoilert. Hatte schon ein wenig den Auftritt der Franzosen auf dem Glastonbury-Festival auf Youtube gestreamt, der aber nicht das gesamte Tour-Live-Set beinhaltet. „Alten“ Fans fehlt auf den beiden letzten Alben die liebgewonnene Ed-Banger Härte und doch weiß es das Duo bei seinen Live-Auftritten die Melodien und die Poppigkeit ihrer neuen Platten mit den Krawall-Hymnen ihrer Anfangszeit in Einklang zu bringen. Es kann also jeder zufrieden damit sein was da geboten wurde: Die Tänzer, die Gaffer, die Mitklatscher und Musikliebhaber. Die Bühnen-Show ist mit den Jahren größer und immer blinkender geworden. Quadrate, Sterne und Lichtsäule müssen das kompensieren, was früher durch die Soundgewalten unanschaulich rausgebrettert wurde. Das. Ist wohl ein Zeichen der Zeit.

Ich war ja auch auf der letzten Tour (die zum ersten Album kenne ich nur von der DVD) und ich muss sagen dass mir diese Tour besser gefällt. Sie ist runder und mehr bei sich selbst angekommen. Das zweite, schwache Album wurde fast folgerichtig komplett ausgeklammert. Bis auf „Audio, Video, Disco“ und „Civilization“. „New Lands“ hat mir dann aber doch gefehlt.

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Das Aufwärm-Programm war von Breakbot himfelf. Sehr Disco natürlich. Und wir so eingepfercht in der Menschenmenge. Schmoften da so herum. Lachten. Mit unseren neu kennen gelernten Portionsfreunden aus Gelsenkirchen. Nette Leute.  Mit viel zu kleinen Bierchen stießen wir an.

Eine Stunde später schrie und sang ich mir die Seele aus dem Leib. Einfach, weil es sein musste. Es muss manchmal auch so sein, dass es egal sein muss was der vor oder hinter dir über dich denkt.

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Justice wechselten bei den Zugaben auch noch kurz das Setting. Stellten sich hinter die Menge. Um wieder nach vorne zurück zu laufen. „Randy“ wurde gespielt. Und „stop“. Dazu noch eine kurze Erinnerung an den Anfang des Auftritts, der mit „safe and sound“ und „do the dance“ startete und ebenso damit endete.

Ein guter Abend. Ohne Überraschungen. So muss das. Aber ich bleibe dabei: Schämt euch Köln. Da habt ihr einen Tag zuvor in der „live music hall“ noch viel besser ausgesehen.

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Und so sieht das als Video von woanders aus:

 

Die „Sportfreunde Stiller“ im Roxy in Ulm, es war der 29.04.2017

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Jetzt auch noch die „Sportis“? Ja. Inzwischen gehe ich überall hin. Hauptsache. Es macht Spaß. Ein (bezahlter) Besuch bei den Sportis ähnelt meinem einstmaligen Konzert-Besuch bei Scooter: Das ist so weit weg von mir selbst, dass man es einfach mal gemacht haben muss. Also kaufte ich mir im Vorfeld die 6 Lieder von ihnen die mir schon immer irgendwie (heimlich) gefallen haben und hörte sie hoch und runter. Dabei stellte ich fest, dass ich diese Lieder wirklich mag. Ja. Viel zu poppig und softrockig für meinen gängigen Geschmack, na und? Man kann ja nicht immer den gleichen Mist hören. Und bei „Geschenk“ geht mir einfach das Herz auf, egal wie kitschig das Lied auch ist.

Mit den Wochen freute ich mich richtig auf den Auftritt und ganz besonders darauf, die Texte mitsingen zu können, denn seien wir mal ehrlich, wann kann man schon noch catchy deutsche Texte aus sich heraus singen?

Wie es dann oft so ist hatte ich am Tag des Geschehens gar nicht übermäßig Bock. Schon mittags in Ulm angereist und dort viel herumgerannt, viel zu viel gut gegessen und dann auch noch vorgetrunken – ich bin ja keine 35 mehr…

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Grob geschätzt passen so 2000 Leute in das „Roxy“, was natürlich sehr kuschelig ist – und anstrengend. Ich war jetzt schon auf hunderten Konzerten und ich musste gestern feststellen, dass man bei den Sportis genauso schlecht durch die Menge von Punkt A zu Punkt B laufen kann, wie bei den Einstürzenden Neubauten; bei den Neubauten wird extrem viel gestarrt und jeder Quadratmeter verteidigt, bei den Sportis haben dass die meist weiblichen Fans ebenso gehandelt. Komischer coincidence bei gerade diesen nicht sehr ähnlichen Bands.

Der Platz muss also „verteidigt“ werden und da steht mal also Stunden vor Anpfiff  dumpf in der Menge und langweilt sich. Merkwürdig ist: Ich bin summa summarum bestimmt schon Wochenlang vor Bühnen herumgestanden und habe auf Band-Auftritte gewartet. Jedoch vergisst man diese Zeit im Nachhinein immer wieder komplett und stellt sich eine Woche später wieder total gelangweilt und doch motiviert für das nächste happening an.  Zum Glück bin ich ein Trinker.

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Die Vorband der „Sportfreunde Stiller“ waren die „Kytes“. Austauschbarer Softrock auf einem angenehmen Niveau. Eine dieser idealen Vorbands die im Prinzip alles richtig machen. Nur kam ich mit der Art des Sängers nicht ganz klar, der mir ein wenig zu selbstbesoffen und bayrisch überheblich rüberkam – auch wenn er gut singen konnte. Aber. Das war mein Problem. Die machten dass ganz gut und waren mit dem Herzen dabei, was an den wenigsten Konzertbesucher vorbei ging. Außer vielleicht an Empathielosen Monstern wie mir.

Die Sportis kamen dann um 5 nach 9 auf die Bühne. Wir standen auf der „Peter“-Seite und dann ging es mit einer der beiden neuen Singles los (die andere kam eh danach), dazu wurde noch die heute du gerade vom FC Bayern eingetütete deutsche Meisterschaft gefeiert. Wenigstens von den Sportis. Dass da nicht jeder mit ihnen „Juhu!“ rufen muss ist klar und auch okay, und daran sieht man dass die Band zwar gefallen will, hier aber auch klare Kante zeigt. Mir gefällt so etwas. Auch wenn ich den FC Bayern scheiße finde.

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Gepackt hat es mich dann erst bei „New York, Rio, Rosenheimer“, einen meiner 6 Songs die ich hören wollte und die ich auch alle 6 präsentiert bekam. Das hat richtig Spaß gemacht und für „meine“ Songs haben sich die 40 Steine schon gelohnt.

Würde mich jemand fragen ob die „Sportfreunde Stiller“ eine sehr gute Band sind, könnte ich das gar nicht beantworten; und so geschah es dann auch. Sänger Peter fragte ziemlich am Ende in die Menge, ob denn alle Spaß hätten und ich machte mit meiner Hand die „Na ja“-Bewegung. Ich bin fast 2 Meter groß und stach da wohl aus der Menge der kleinen Mädchen ziemlich heraus, ob ich wollte oder nicht. Darauf meinte Peter, nachdem er den Mann neben mir abgefeiert hatte, dass der HERR daneben wohl nicht ganz überzeugt sei – also ich. Das stimmte aus folgendem Grund: Die Sportis haben tolle Lieder, bloß nur nicht genug davon. Zwischendurch kommen halt so austauschbare Rockblasen, die auch von der Vorband hätten sein können. Wenn man Fan ist  feiert man die Stücke selbstverständlich mit ab, als „Besucher“ (wie ich mich jetzt mal bezeichne) waren diese Stücke aber nur sehr mau und ich sehnte mich währenddessen nach einem alkoholischen Kaltgetränk. Aus Spaß sagte der Peter, jetzt fühle es sich von mir unter Druck gesetzt. Dabei war es genau anders herum.

Die Sportis sprechen zwar sehr locker mit dem Publikum (was sie häufiger und sehr sympathisch machen), ich halte aber ein Gespräch mit jemanden auf einer Bühne der 15 Mal lauter ist als du selbst für absolut sinnlos, da es immer von oben herab geschieht und es keine gleichgestellten Gesprächs-Parteien sind, weswegen man als In-der-Menge-Steher eh auf die eine oder andere Art den Kürzeren zieht (sehr analytisch ausgedrückt). Deswegen machte ich eine aufpeitschende Handbewegung und er sagte irgendwas davon, dass ich es wohl „härter“ wollte. Und im Prinzip stimmt das auch. Nur wollte ich es nicht „Sportfreunde Stiller hart“, sondern einfach nur härter und vor allem besser 😉

Der Witz ist, dass sie mit „Applaus, Applaus“ und „Ich roque“ genau das brachten was ich hören wollte. Nur sind diese Songs leider nur die Kirschen auf der Sahnetorte. Also ist meine Antwort darauf ob ich das bekommen habe was ich mir von dem Konzert erhofft habe und ob ich die Band für sehr gut halte ein klares „Jein“. Es war richtig und spaßig dorthin zu gehen. Aber nein. Noch mal brauche ich das leider nicht, obwohl ich manche Songs von ihnen abfeiere, vor mich hin singe und fast schon mechanisch dazu meine Freundin küssen muss.

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Die Zugaben schenkten wir uns, denn es wurde schon alles gespielt was wir hören wollten; wozu also noch Songs anhören die einem eh nicht gefallen? Und ein „54, 74, 90…“ mit Bayern München Konfetti-Regen (siehe Facebook) brauche ich nicht. Das Lied ist eines ihres Schlechtesten und wie die Ironie oft so spielt ist es ihr erfolgreichstes.

Sollte es mich mal wieder auf ein Festival verschlagen und da stehen irgendwo die Sportfreunde auf der Bühne herum, würde ich wieder hingehen. Ein Muss ist die Band leider nicht. Nicht einmal als Fc Bayern Fan würde ich behaupten. Ihre Daseinsberechtigung und ihren Platz in der deutschen Pop-Geschichte haben die drei Jungs allemal. Und ich hoffe dass sie noch lange weiter machen und guter Lieder schreiben. Sich aber auch weiterhin Kritik gefallen lassen 😉

„the xx“ live in München, es war der 24.02.2017

„The xx“ ist eine der wichtigsten Bands einer ganzen Generation. Nicht meiner Generation. Für die bin ich im Prinzip ein wenig zu alt und ich habe vor ein paar Jahren nur einmal bei ihnen hineingehört, weil sie so ultra angesagt waren. Das Konzept war damals ganz klar: Minimalistische Rock/Indie-Musik über die Liebe, die sich auf den Wechselgesang zwischen Mann und Frau stützt. Er (Simon) mit einer coolen, kalten Stimme (rauchig ohne rauchig zu sein) und sie (Romy), mit einer  reduzierten und doch umwerfend Stadion füllenden Stimme. Das erste Album: Welterfolg. Nach dem zweiten, dass fast schon zu sehr nach dem ersten klang, hätte man sie auch schon wieder in ihrer Schublade vergessen können. Wäre dann nicht das Solo-Album ihres Drummers/Keyboarders erschienen (Jamie), auf dem er mehr als geschickt, richtig bahnbrechend Musik sampelte und loopte, obwohl die gesamte elektronische Musik der letzten Jahren aus nichts anderem bestand: Jamie machte das auf seine Art einfach besser als andere, machte es zu einem ungewohnten und doch catchy Musikerlebnis. Nun also, beim dritten Album und bei der Tour dazu, haben sich diese musikalischen Ebenen vermischt und aus dem melancholischen, hingehauchten Indie-Trio ist eine Indie-Pop-Band geworden. Mit ganz viel Soul.

Da stand ich dann also, noch übelst erkältet, vollgestopft mit chemischen Hilfsmitteln. Hätte meine Freundin nicht Geburtstag gehabt, wäre ich vernünftigerweise lieber im Bett geblieben. Dann hätte ich aber auch was verpasst.

ERWARTET hatten wir eine Bühnen-Show, so wie „the xx“ auf Platte klingen. Lethargische Performance ohne große Gesten, ein Dahinblubbern der Melancholie. Und obwohl die Band natürlich ihre zu erwartenden Lieder spielte, klangen sie ganz anders.

Das hat zum einen mit dem Schall zu tun. Musik beschleunigt immer ein paar Umdrehungen, wenn man ihr live ausgesetzt wird. Die Boxen sind so etwas wie Brandbeschleuniger. Zum anderen will und wollte die Band auch poppiger klingen, weswegen die Beats sehr geschickt eingesetzt wurden und die Samples zu Überleitungen wurden; das war wirklich sehr geschickt gemacht; den „Jamie xx“, den muss man sich auch mal solo anhören. Und ganz wichtig: Romys Stimme klingt live einfach nur phantastisch. Ich würde jetzt gerne ein Video hier anhängen, doch der Live-Effekt geht in der Konserve leider absolut verloren. Am besten finde ich noch den Vergleich, wenn man seine eigene Stimme auf Tonband aufnimmt und sich sie dann anhört:  Es klingt ungewohnt, ein wenig metallisch. Und so ist es auch mit Romys Stimme auf Band, denn live und in echt ist sie einfach nur: Hammer. Und dass im Münchner Zenith, dass nicht gerade für seine besonders gute Klang-Akustik bekannt ist.

 

„The xx“ gelten als sehr schüchterne, introvertierte Band. Doch ich weiß nicht was dabei alles Show ist.  Schließlich treten sie bei ihrer Tour jeden Abend vor 6000 Leuten auf. Und kommen trotzdem noch total süß und eingeschüchtert rüber, richtig zum Knuddeln. Wobei es schon ein wenig seltsam ist wenn ein Mensch mit einer Hammerstimme die Menge umhaut und dann kaum ein Wort herausbringt, wenn es darum geht drei Sätze zu sagen… Sei es darum. Es war irgendwie ein sehr intimer Abend bei welchem man der Band ihr Image voll abkaufte.

 

Bühnenshow technisch war ich beeindruckt. Zwar war es jetzt kein absolutes Big-Player-Aufgebot was die Lichtfraktion dort oben bot, doch der geschickte Einsatz der Spiegel und der Disco-mäßig drehenden Säulen machte schon ein angenehm geiles Top-of-the-pops-Erlebnis daraus, ohne kitschig oder zu gewollt zu erscheinen. Und gerade als der große Deckenspiegel herunterfuhr und man mal sehen konnte was Jamie oben alles für Maschinen und Drums stehen hatte, aus denen er seinen Sound heraus arbeitete – anders konnte man das konzentrierte Treiben dort oben nicht deuten – machte das einiges her.

Los ging es mit „Say something loving“ und danach kam sofort ihr größter Hit und Durchbruch: „Crystalised“. Bei der 90 Minütigen Show wurde fast das komplette neue Album gespielt, auch viele alte Sachen, wobei von denen einige unter den Tisch fielen (z.B. „heart skipped a beat“), was mich überhaupt nicht störte. Das Set war einfach so dermaßen rund und gut, das mir nichts fehlte… Damit hatte ich nicht gerechnet. Und dass die Band so mega nett und familiär auftrat… Da die verletzliche Romy, oben der Handwerker Jamie. Und auf der anderen Seite der Bühne Simon, der Ruderer, der mit seinem Bass versuchte das Selbstbewusstsein der Band aufzurühren.

Natürlich wurde auch das bekannteste Intro aller Zeiten gespielt:

Schluss war dann mit „Angels“, dass gerade eben nicht perfekt auf die Bühne gebracht wurde; ein kurzer, überhaupt gar nicht peinlicher, doch intimer Moment  des Verspielens, der zu einer kurzen Unterbrechung und einer lächelnden Improvisation führte, brachte Band und Publikum endgültig zusammen. Schön.

Gar nicht schön war dagegen die Vorband. Irgendein Frickler der elektronischen Musik, der da oben sehr gekonnt an seinen Geräten herum schraubte aber nur urlangweilige „Musik“ seinen Geräten entlockte, die vom Langeweilefaktor zu einigen SPEX-CDs gepasst hätte. Das vergessen wir ganz schnell…

 

Nicht so schnell vergessen werden wir den Auftritt der Band „the xx“. Am bezeichnenden ist wohl, dass wir uns am Tag danach Musik von der Band anhörten, was nach den meisten Konzerten für mich nicht möglich ist. Normal ist man zu gesättigt mit Musik. „the xx“ haben Hunger gemacht.

„The kills“ live in München, es war der 26.10.2016

Jedes Jahr um meinen Geburtstag herum gehen meine Freundin und ich zum Konzert einer Band, die wir entweder kaum oder gar nicht kennen. Bisher waren wir bei „Cäthe“, „The/Das“ und bei „Star Sailor“. Das waren sehr übersichtlich besuchte Konzerte, bei denen wir mehr herum blödelten als uns mit der Musik zu beschäftigen. Das macht sehr viel Vergnügen und ist einfach nicht so ernst und andächtig wie bei Konzerten von Bands, die man „verehrt“.

„The kills“ dagegen, sind eine Band aus der letzten Kategorie, die kannten und mochten wir schon vorher, was, in diesem Zusammenhang, eher problematisch ist, denn die verdammten „Kills“ sind nicht nur eine mehr oder weniger populäre Band: Die sind sogar richtig gut und werden auch so besucht.

Deswegen war auf dem Konzert schon von Beginn an viel zu viel los um in unsere Blödelkategorie zu fallen. Nun. Es gibt schlimmeres oder? Schließlich hat man eine Weltklasse Band auf der Bühne. Das ist doch auch was Tolles.

Mit dieser Motivation standen wir mitten in der Menge, eingeklemmt, und meiner eher kleineren Freundin wurde ziemlich schnell schlecht. Ärgerlich, kann aber passieren. So war das nur nicht geplant.

Wir verdrückten uns auf die Tribüne und sahen uns die Show von hinten, nicht aus der Menge heraus. Hier. Kann man aber wenigstens Tanzen. Und Atmen.

Und an alle Rollstuhlfahrenden Kollegen: Warum nutzt ihr nicht solche Tribünen um euch ein Konzert anzusehen? Mitten in der Menge stehend seid ihr einfach im Weg – klar: Ihr habt das gleiche Recht dort zu sein wie jeder andere Mensch auch, nur ist eine Konzertmenge fast wie ein eigenständiges Lebewesen, denn die Körper bewegen sich, wie Wasserpflanzen, wie Algen, die sich in der Strömung des Wassers fügen; oder wie in einem Verkehrsstau: Auch der Verkehr hat eine Erinnerung… Egal 😉 Sicher ist, dass wenn in einer Menschenmenge die wenig sieht und nur in eine Richtung schaut, ein befestigter, nicht leicht zu sehender Fremdkörper in der Mitte einer Menschenansammlung verborgen ist (können ja auch Taschen auf dem Boden oder sitzende Leute sein), dass zu Unfällen führen kann; drüber stolpern und fallen ist vorprogrammiert.  Also geht doch bitte auf die Tribüne, wenn schon mal eine vorhanden ist. Ihr seht ja auch was.

(Zum Foto: Verlegt mal eure Kabel besser)

Von der Tribüne aus konnte man ein sehr gutes Konzert einer guten Band verfolgen. Das war super, machte richtig Laune. Nur. Sah man leider auch, dass das Publikum in München ganz furchtbar lethargisch war. Da ging. Gar nichts.

Schon im Vorfeld musste man einfach wahrnehmen, wie hoch die Hipster-Dichte heute Abend war, was gar nicht so schlimm ist, nur sahen viele Stilo-Männer so aus, als würden sie den Look von Jamie Hince kopieren, seines Zeichen Gitarrist der Band (die Band besteht im Prinzip nur aus zwei Leuten, ihm und der Sängerin Alison Mosshart) und baldiger Ex-Mann von  Kate Moss, der weiß also wie man sich gut anzieht. Gut dastehen ist eine Sache, die die Münchner klasse beherrschten. Gut Stimmung machen aber überhaupt nicht, deswegen verleihe ich heute den Preis für das schlechteste Publikum 2016 an diese Lahmärsche in München: Ihr habt nichts getan und gerade deshalb habt ihr ihn verdient! Das goldene… Ähm nein, der Preis für das schlechteste Publikum geht an euch!

Von oben herab  konnten wir uns über diese Leute kaputt lachen, tanzend, mit Bier und Jägermeister in der Hand (zumindest ich). Da waren wir auch wieder bei meinen furchtbaren Geburtstagskonzerten. Das Publikum riss es in diese Richtung. Diese Heringe in der Dose.

Und die „Kills“ selbst?

Die waren ehrlich gesagt richtig super. Alison Mosshart kann richtig singen, genauso wie auf Platte, und live krachte die Gitarre von Jamie Hince viel mehr rein – ein echt schweineguter Gitarrist. Am Besten gefielen mir „Future starts slow“ und „Sibirian Nights“, obwohl ich das vorher gar nicht sooo toll fand. Am Meisten freute ich mich über „U.R.A. Fever“, das erste Lied was ich von ihnen kennen lernen durfte. Da war sogar mal auf ner Spex-CD ein gutes Lied drauf 😉

 

Für uns war es – auch wenn der Start ein wenig holprig war – ein gelungener Abend. Geile Musik, viel Platz, auch wenn man dieses Mal nicht so nah an der Band war, dass man sie anfassen konnte. Na und? Ich verstehe einfach nicht wie die Leute sich zu cool dafür finden, um auf einem Konzert mehr zu machen als mit dem Kopf zu nicken und nebenher auf Facebook zu verlinken, was man gerade für eine Megacoole Band hört (was die „Kills“ sind) und wie geil man selbst ist, die zu kennen und auch noch hier zu sein…

 

Sei es drum. Tolle Band. Tolle Musik. Viel Spaß. Und wie immer bei dieser alljährlichen Konzertreihe bei mir: Zu viel Alkohol. Ich habe später noch besoffen den Roadies geholfen ihr Zeug zu verladen. Nun ja… Räusper.. 😉

Bin gespannt wo  und bei welcher Band wir nächstes Jahr aufschlagen. In Dortmund, Essen, Bochum und München waren wir jetzt ja schon an diesem komischen Jahrestag…

 

(Und: Die Vorband war „Georgia“. Die war auch gut. Was man von Vorbands selten behaupten kann. Hat ganz schön viel Power diese Frau)

Das stehlende Pferd?

Nach dem Kabarett war vor dem Konzert. Und was macht man zwischen Kabarett und Konzert? Eben, man geht essen. Beim Essen im Abraxas ging irgendwie alles schief. Wir bekamen die falschen Getränke, keine Salate und als der dann nachgereicht wurde auch kein dazugehöriges Baguette, was nervte. Nur meine drei Jägermeister klappten verdammt gut.

Mieser Service. Dabei hatte natürlich ich das Restaurant vorgeschlagen. Ich beschwerte mich und dann bekamen wir das genaue Gegenteil: Die Verantwortliche fiel aus allen Wolken, als sie von dem Drama hörte, dass wir kein Baguette bekommen hatten! Vor Entsetzen berührte sie mich gleich am Ellenbogen und sah mich so entgeistert an, wie mich die Leute nicht mehr angesehen hatten, seit der Zeit als publik wurde, dass meine Mutter gestorben war: „Sie haben kein Baguette bekommen?…“ Als wollte sie sagen: „Woran ist sie denn gestorben?“

Aus dem schlechten Service wurde ein extrem guter. Viele Entschuldigungen ihrerseits und  dazu eine köstliche Nachspeise, von der wir natürlich wissen wollten, was das denn nun auf dem Teller sei? Der Kellner: „Na da fragt ihr mich jetzt was…“
Kurz: Unsere Stimmung war überraschend gut als wir in den Vorführraum des Abraxas schlichen.

 

Das Konzert hatte schon begonnen. Eigentlich sollte dort irgendwer anderer spielen, der Gig wurde aber krankheitsbedingt abgesagt. Dafür traten Rainer Gruber & the stealing horse auf. Das Ersatzkonzert war für umsonst und wir dachten uns: Umsonst ist gut; war es nur nicht. Es war mit das schlimmste Konzert auf dem wir je waren.

Es lag nicht einmal an der Musik, auch wenn dieses Folk/Blues-Zeug nur in bestimmten Stimmungslagen was für mich ist. Die Band war gar nicht so schlecht und Rainer Gruber schien als einziger von ihnen ein etwas routinierter Unterhalter zu sein, der mit seiner Erfahrung  und ein wenig Unterstützung den Gig auch allein hätte stemmen können. Das war nicht so schlimm. Mir gefielen sogar die E-Gitarren-Solos von dem Kerl, der aussah wie das Tier von der Muppet-Show; wann hört man in unserer Indie-Musik verseuchten Zeit noch ein brauchbares Gitarren-Soli? Eben.

Trotzdem schien die Band insgesamt einen herben Bad-Day zu haben.

 

Der Bassist zog ein Gesicht, als hätte ihn kurz vor dem Gig seine gesamte Familie verlassen (und seine Haare ihn gleich mit) was er augenscheinlich gerade jetzt in diesem Moment realisierte  und innerlich verarbeitete. Ebenso die Unterstützungssängerin war total apathisch und schien sich weit weg zu träumen, weg, weg, nur nicht hier… Auch die Damen am Keyboard und am Streichgerät waren irgendwie peinlich berührt, fahrig, nicht ganz konzentriert. Immerhin der Kerl am Schlagzeug versuchte mit dem Anführer dieses deprimierten Haufens – Rainer Gruber – ein wenig Spaß zu haben. Ein wenig. Hilfloses Lächeln. Nur das Tier war eine Bank. So ein Kerl, mit dem man beim Opel-Treffen fast eine Schlägerei anfängt und schließlich doch noch im Guten auseinander geht. Der war unerschütterlich.

Trotzdem.

Im Grunde konnte man dabei zusehen wie sich ein Haufen Musiker ordentlich schämte. Was war geschehen?

 

Gute Frage. Meine Vermutung ist, dass das Abraxas in Augsburg keine Konzert-, sondern eine Theaterbühne hat. Bei dieser Bühne sitzen die Zuschauer nicht davor, sie sitzen wie bei einem Miniatur-Stadion-Konzert in einem U dreiviertel rund herum – und die Band wie auf dem Präsentierteller. Verstecken: Unmöglich. Das ist meine Theorie.

Wer aber weiß was diesen armen Leuten wirklich widerfahren ist? Gar ein Szenario aus einem Horrorfilm? Wer wurde entführt und wen erpresst man damit, dieses Konzert zu geben? Kam es im Vorfeld zu peinlichen sexuellen Spannungen? Das GZ-SZ-Prinzip? Kannte sich die Band vlt überhaupt gar nicht (schließlich sind in dem Youtube-Video ganz andere Leute zu sehen?) und waren da nur Zufallsleute auf der Bühne? Waren Wetten verloren worden? Wir werden es wohl nie erfahren, weshalb alle so betreten auf den Boden starten, bis auf Rainer Gruber… Der Mann, den sie auch „stehlendes Pferd“ nannten…

 

Moment mal… Hieß so nicht der BÖSE in „Stirb langsam?“ 😀