Absolution – 11- Auch Junkies haben Familie

Paul mochte seine Familie. Selbst wenn er nicht wusste ob das Wort „Liebe“ für die Beziehung zutreffend war. Sie waren vertraute Fremde. Gute alte Freunde. Ehemalige WG-Partner, denen man keine Wünsche abschlägt. Auf deren Nöte man hört und reagiert. Aber Liebe? Das große Drama darüber, das Pauls Mutter die Familie verlassen hatte, zerstörte die Familie und schweißte sie zu gleichen Teilen auch nur fester zusammen. In ein merkwürdiges Gebilde von Einzelgängern, die sich alle paar Monate um einen Restaurant-Tisch versammelten und so taten, als wüssten sie private Dinge übereinander. So wie es in einer Kleinstadt der Fall sein sollte.

Eine Kleinstadt war auch nicht anders als eine Großstadt. Für einige Dinge gab es andere Worte, wenn auch für einzelne Ausdrücke kein Synonym, die Tatsache bieben jedoch dieselben: Menschen leben zusammen und jede Menschengruppe erfüllt ein gewisses Klischee. Was in der Stadt der „Nerd“ war, ist auf dem Land der „Klugscheißer“ oder „Besserwisser“ (oder banaler ausgedrückt: „Der ist komisch“), „Proleten“ wurden in der Kleinstadt/Dorf „Bauern“ genannt, usw. usf.

Ebenso wie man in der Stadt nur in gewissen Situationen mit „Nerds“ und „Proleten“ zu tun haben musste, musste man sich auf dem Land nicht den ganzen Tag mit „Bauern“ auseinandersetzen. Jeder ging seiner Wege.  Baute sich seinen eigenen Mikrokosmos aus Beziehungen auf. Außer. Außer deine Schwester war mit so einem „Bauern“ zusammen und drückte dir diese Weltsicht damit bei jeder Familienfeier auf die Augen. So wie es bei Paul der Fall war.

Hans war kein Landwirt und doch würde ihn jeder als einen „Bauern“ bezeichnen. Es war nicht das was er beruflich machte und es ging auch nicht darum, dass er wirklich des Öfteren  einen Traktor fuhr. Es ging um eine gewisse Geisteshaltung. Paul mochte das Wort „konservativ“ nicht mehr, denn es stand für alles und ebenso für nichts. Doch durch seine bloße Verwendung entstand ein gewisses Bild in den Köpfen der Leute, gerade wenn man über Landmenschen sprach. Dabei konnte ein Intellektueller ebenso konservativ sein wie ein Dosenbierstechender Fußball-Hooligan. Hans war in dem Bezug konservativ, dass er ein klares, sexistisches Frauen- und Familienbild vertrat und typisch bayrisch dachte, dass am eigenen Wesen die Welt genesen sollte; wenn doch nur jeder so wäre wie er. Kein Wunder dass Paul ihn verabscheute. Und es war ebenso kein Wunder, dass Hans Paul für eine Schwuchtel hielt.

„Liberal“ und „Liberace“ hatten für Hans den gleichen Wortstamm.

 

Bei jedem Familientreffen blitze und krachte es zwischen den Beiden, ohne dass sie die Worte und erst recht nicht die Stimme gegeneinander erhoben. Es war ein eindeutiges Nebeneinanderher-Reden. Ohne Anbiedern. Manchmal. An Pauls guten Tagen.

An den schlechten, wenn Paul die ganze Nacht auf seinem Drogen-Film durch onaniert hatte, hielt er einfach seinen Mund und ließ den Macho gewähren – und somit gewinnen. Es war schon schwer genug für Paul überhaupt die Augen aufzuhalten und nicht in perverser Absicht auf die noch nicht ausgereiften, immensen Möpse seiner 16 Jährigen Nichte zu glotzen (was er zwar nicht wollte, denn er fand sie – da ganz gesund im Geiste – überhaupt nicht anziehend, schließlich war sie seine Nichte verdammt noch mal, leider aber konnte er die Blicke auch nicht unterdrücken). Da brauchte er sich nicht auch noch mit dem Hinterwäldler auseinandersetzen, der glaubte dass alle nach seiner Pfeife tanzen müssten.

 

Auch dieses Mal hangelte sich das Kuchenverdauende, stockende Gespräch in der Familie, bestehend aus Pauls Vater, dessen neuer Frau, der erwähnte und beschriebene Hans, die Schwester Pauls und ihre Tochter, Pauls Nichte, welche überhaupt nichts zu keinem Thema sagte, von Thema zu Thema, bis man, über die verschlungenen und kuriosen Wege Zeitlöcher der Stille mit Sprache zu stopfen, zum Thema „Bundeswehr“ gekommen war. Paul war ja damals noch dort gewesen. Hatte seinem Land „gedient“, wofür Hans nur ein verächtliches Schnauben übrig hatte. Auch der Vater war nicht dort gewesen, fügte aber gleich hinzu dass er damit alles richtig gemacht hätte, Paul mit harter Hand dorthin zu leiten, da der sonst ja nichts auf die Reihe bekam. Darüber. War Paul. Verwundert. Wie der Vater ihm so in den Rücken fallen konnte. Gerade vor der ganzen Familie. Und vor Hans; idiotischer weise schien Paul doch vor Hans gut dastehen zu wollen. Manchmal will man die am Stärksten beeindrucken, die man am Meisten verabscheut.

 

Sie wäre ja gerne Polizistin geworden, erklärte Pauls Schwester, doch MUTTER hatte sie überredet erst eine vernünftige Ausbildung zu machen, deshalb war sie Arzthelferin in einer kleinen Praxis geworden. Nebenher hatte sie alle Prüfungen und Bescheinigungen  erledigt, um zur Polizei zu gehen, es fehlte nur noch die Sportprüfung, die an drei verschiedenen Tagen abgenommen werden musste. Und weil sie keine Möglichkeit sah frei zu bekommen und sie auch nicht ihrem Chef sagen konnte, weshalb sie freihaben wollte (da sie die Angst umtrieb, wenn sie bei der Prüfung versagen würde, würde ihr Arzt sie auch nicht mehr übernehmen, da er nun wusste, dass sie eigentlich weg wollte), ging sie nicht hin und vertat somit ihre Chance Polizistin zu werden. Ihren großen Lebenstraum.

Wie blöd man nur sein kann, war Hansens Kommentar. „Da hätte ich doch einfach KRANK gemacht!“

„Ich habe NIE krank gemacht! Ich arbeite seit 25 Jahren und war NIE krank!“

„Typisch Frau. Das ist doch bescheuert! Sich so eine Chance entgegen zu lassen! Typisch hysterisches Huhn!“

„Das verstehe ich jetzt aber auch nicht“, schlug Pauls und ihr Vater in die gleiche Kerbe, „Du warst doch früher beim Sport bei mir! Ich kannte doch die Polizisten hier in der Gegend! Ich hätte dir doch eine Bescheinigung ausschreiben lassen können! Hättest du doch was gesagt!“

„Ich war damals 20. Sport habe ich bei dir bis 14 gemacht – was hätte das BRINGEN sollen!“

Hans, ganz besoffen an sich selbst, auch wenn er nur Kaffee trank: „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt! Da sieht mal deine Tochter was passiert, wenn man nichts wagt!“

„Da verstehe ich dich wirklich nicht“, blaffte der Vater noch hinterher. „Da hätte ich doch eine Lösung für dich gefunden.“

„Das war beim Bundesgrenzschutz in Kaufbeuren! Das ist hundert Kilometer entfernt! Als wären sie zu dir in die Sportschule gekommen!“

„Ja der Ronnie…“

„Ach hör mir auf mit dem Ronnie… Und dann habe ich ja SIE bekommen und dann war es eh vorbei mit meinem Traum…“

Und Paul saß einfach nur besiegt da und konnte nicht fassen wie man auf einem aufgegebenen Lebenstraum so herum trampeln konnte, sagte aber nichts. Auch weil er irritiert war, wie seine Schwester noch ihrer Tochter eine verbale Ohrfeige mitgab, nur um den Druck von sich selbst zu nehmen. Wer wusste schon, wie oft das geschah… Paul verstand zu keinem Moment, warum seine Schwester mit so einem Idioten wie Hans zusammen war, der sie nur herunterputzte. Und er verstand auch nicht, wie sein Vater sich so aufspielen konnte, nachdem er die Kindheit Pauls und seiner Schwester lieber damit verbrachte in Gläser, als in die Wünschen und Bedürfnisse seiner Kinder zu schauen. Er war doch nie dagewesen. Wie konnte er sich jetzt darüber wundern, dass ihn keiner um Hilfe fragen wollte?

Und wie immer. Wollte Paul nur noch heim zu seiner idealen Realität. Zu seinen Vorstellungen von Katha und Sarah. Die er unbedingt auch wieder im echten Leben sehen musste.  Auch seinen Chris und seinen Fettsack vermisste er.

 

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Absolution – 10 – Freunde mit Vermögen

4.

Bevor er für gewöhnlich mit der S-Bahn die Trabantenstadt in Richtung Lebensmittelpunkt, in die Clubs der Großstadt aufbrach, zeigte er sein Gesicht gerne im „Bosporus“, bei seinem alten Freund, den er nur Kumpelhaft „Fettsack“ nannte. Der Fettsack war alles andere als das, trotz seines breiten Rückens und der stattlichen Erscheinung, die er sich in seiner frühen Jugend antrainiert hatte und welche fantastischer weise niemals ganz verloren gegangen war. Den Namen hatte er deswegen spendiert bekommen, da er im bekifften Zustand der faulste Mensch auf Erden zu sein schien und sich auch sonst nicht gerade um Arbeit schlug.

 

Von seinem Vater hatte er einen florierenden Metzgerei-Betrieb übernommen, den er wegen seiner Geschäftstüchtigen Weitsicht sofort umbaute und optimierte: Er schloss alle 5 Filialen seines Geschäfts und setzte dagegen auf die von ihm so betitelte „Online-Wurst.“ Die „Online-Wurst“ war das, was schon der Name sagte, eine übers Internet versandte spezielle Wurst (in besonderen Frischhalte-Boxen), die so gut war, dass die Leute sie ihm schon in den Filialen aus den Händen gerissen hatten. Und da „die bayrische Wurst die beste Wurst der Welt“ war, wie der Fettsack nicht müde wurde zu betonen, versendete er nun diese Wurst in ganz Europa herum – und sie machte ihn reicher als es der Krimskrams an der Wursttheke jemals hätte machen können.

Auf die Frage, weshalb er überhaupt die Filialen geschlossen hatte – schließlich hätte er auch dort weiter Wurst verkaufen können – gab er immer nur genervt als Antwort: „Ich kann dieses Gelaber nicht mehr hören.“ Er imitierte dann immer eine alte Frauenstimme und sagte: „Darfs a bissle mehr sein?“ Da schüttelte ihn es gleich vor Grausen. Diese furchtbare Kundennähe. Dieses Kriecherische. Diese scheinbare Abhängigkeit, obwohl es für ihn eher so war, dass die Leute seine Qualität mehr brauchten als er sie. Ja. Nein. Das falsche, aufdringliche Sprüchlein wollte er nie wieder in seinem Leben hören. Und weil er ein lustiger Typ und das genau sein Humor war, stand als Werbespruch auf seinen Spezialwurst-Behältern genau dieser Werbeslogan: „Darfs a bissle mehr sein?“, der jedoch von niemanden mehr so ausgesprochen werden durfte; es war nur noch von DEM Slogan die Rede.

So war der Fettsack.

 

Doch der Fettsack war noch mehr. Davon abgesehen, dass er nicht nur den „natürlichen“ Drogen in keinster Weise abgeneigt war, war er auch noch Pauls bester Freund. Die Zwei kannten sich schon von Kindheitstagen, Kindergartengeschichten. Die besten Freundschaften waren für Paul nie jene mit den Leuten gewesen, die er tagtäglich traf, sondern diejenigen, die die Jahre überdauerten. Mit dem Fettsack war es auch noch 2 Monaten an denen sie sich „Feivel, der Mauswanderer“ mäßig permanent knapp in der Kleinstadt verpassten immer noch bei nächsten Treffen so, als hätten sie sich gerade erst am Tag davor gesehen – und die Nacht zusammen durchgemacht. Dass sind Freundschaften, die den Unterschied ausmachen. Sich permanent zu sehen ist bei den meisten Menschen nicht förderlich für eine gute Beziehung, was eine Erkenntnis ist, die sich jeder selbst schwer erarbeiten muss.

 

Irgendwann lief die „Online-Wurst“ so gut, dass sich der Fettsack begann zu langweilen – und bei jemand der diesen Spitznamen weg hat, hat das etwas zu bedeuten. Er ging eigentlich nur noch abends zum Geldzählen an den PC um die Umsätze zu checken. In äußerst seltensten Fällen sah man ihn sogar in seinem Hauptgeschäft, wo ihn die von ihm nach der Daily-Soap betitelten „GZSZ“-Probleme seiner Angestellten nur noch nervten und langweilten. Und so selbstironisch, verquer und strange der Fettsack nun einmal war, kaufte er sich eine Döner-Bude am Kleinstadt-Rand und machte dort einen Mini-Dance-Club auf, wo er sich als Gastronom theoretisch noch mehr „GZSZ“-Probleme ins Haus geholt hätte, wenn, ja wenn der Mini-Club nicht einen indirekt proportional großen Türsteher vor der Glasfassade gehabt hätte.

In den „Bosporus“ wie er den Laden nannte – er hatte einfach die Schilder der Dönerbude vor dem Eingang hängen lassen, bis auf jene, die einen türkischen Mann mit großen Messer, Fleischspieß und imposanten Schnauzbart zeigten – passten ohnehin gerade einmal 20 Leute. Es war ja nicht mehr als eine Dönerbude, ganz in weiß. Bis auf die Decke fast durchgängig gekachelt.

Wo früher die Schalen mit Salat und Sauce standen, war jetzt ein kleines aber feines (und vor allem teures) DJ-Pult gestellt worden, daneben wiederrum ein ebenfalls kleiner Bereich für die Bar. Ein bisschen Technikschnickschnack hier und da und schon war der „Club“ fertig. Zum Drogennehmen musste man das Hinterzimmer verwenden, denn das „Bosporus“ war im Prinzip einfach nur ein von drei Seiten absolut und ohne Einschränkung einsehbarer Glaskasten. Jeder der vorbeilief hatte das Gefühl von „totaler Transparenz“ und nicht wenige Besucher bekamen ein Gefühl der Beobachtung von Passanten. Das Besondere aber war André. André der Türsteher. Der Mann, der den Unterschied ausmacht. Schließlich entscheidet der Türsteher wer IN oder OUT ist. Und es war gerade der Reiz des Bosporus, dass man sich von drinnen den draußen Abgewiesenen als glücklichen Menschen präsentieren konnte. Es war etwas Besonderes in den „Bosporus“ gehen zu dürfen. Und es war ein außergewöhnlicher Spass des Fettsacks große DJs (von Oliver Koletzki bis zu der Marke eine Richie Hawtins) zu buchen, um drinnen mit gerade mal 30 Leute zu feiern, auch wenn die gar keinen Platz mehr zum Tanzen hatten auf den paar Quadratmetern.

 

Paul könnte gar nicht mehr sagen, wie oft und wie lange er in dem Gebäude verbracht hatte, nicht nur unten in der alten Dönerbude, auch oben in der als Junggesellenwohnung eingerichteten Behausung seines besten Freundes, der eigentlich verheiratet war.

Die Ehe. Das war schon immer so eine Sache in der Kleinstadt. Da war es auch ganz egal wie viel Geld der Fettsack verdiente: Die Ehe wurde wie eine Schablone über dich und dein Auftreten gelegt. Die Kleinstadt maß nach ihren eigenen, unausgesprochenen Regeln. „Je kleiner die Stadt, desto größer die Regeln“, war so eine Faustregel die sich Paul und Fettsack aufdrängten, wenn sie ihr Leben von außen betrachteten. Vom Blickpunkt „der Anderen“ aus. Paul, der nichtsnutzige Single. Sein Freund Fettsack, der seine Ehe nicht so führen wollte wie andere es taten. Nicht dass der Fettsack seine Frau und sein Kind nicht lieben würde. So eine Behauptung war pure Verletzung und sollte nach deutschem Recht zur Anzeige gebracht werden können. Der Fettsack ging nur anders damit um als die Kleinstadt sich das vorstellte. Dabei waren der Fettsack und seine Ansichten zu groß für die Kleinstadt, so viel zu groß und zu fett sogar, dass er mit der Kleinstadt zu einem merkwürdig symbiotischen Klumpen verwachsen war, der nicht mit und ohne aneinander konnte.

Paul und der Fettsack würden immer Freunde bleiben. Da war sich Paul sicher. Manche Dinge sind in Stein gemeißelt.

An diesem Wochenende war Fettsacks Geburtstag. Was schenkt man jemanden der schon alles hat? Genau, eine kleine, persönliche, etwas verrückte Verschrobenheit. Für seinen Freund Fettsack, der nun doch nicht in den Knast musste, obwohl bei ihm eine Hausdurchsuchung der eine einmonatige Observation vom Haus gegenüber voran gegangen war, bei welcher eben nicht von der Staatsanwaltschaft das zu erwartende K. in großen Mengen gefunden wurde, sondern nur 13 Gramm Marihuana und die Staatsgewalt die Sache am Ende gegen eine Zahlung von 1000 Euro einstellte (sein Anwalt zu ihm: „Seien sie froh das sie reich sind. Sonst würden sie nicht so gut davon kommen.“), musste es was besonderes sein. Denn schließlich war er ein Kerl der einen Monat nach der Hausdurchsuchung auf die Anweisung seines Anwalts, nicht mehr mit dem Auto zu fahren wenn er „was gemacht“ hätte, antwortete: „Ich bin schon seit 4 Wochen kein Auto mehr gefahren.“

 

Ja. Etwas besonders. Also bestellte Paul im Internet Scheckkarten, auf die er den Aufdruck den „Ich-Komme-Aus-Dem-Gefängnis-Frei“-Spruch von der berühmten Monopoly-Karte drucken ließ. Dass der Fettsack die Karten dazu nutzen würde um sich fette Lines zu legen, war eh klar – und schon war aus der ganzen Geschichte ein doppeldeutiger Witz geworden. Und beim Teilen mit Freunden wurde aus der Karte eine richtige „Gesellschaftskarte“.

 

Der Fettsack lachte viel über das Geschenk und war glücklich. Noch glücklicher war er selbstverständlich darüber, dass die Sache „fallengelassen“ wurde. Sein Freund Fettsack gab Paul die dicken Lines aus und das Kokain machte ihre Kehlen, Nasen und Gehirne taub. Irgendwann war ihre Konversation wie Tennis in Zeitlupe. Der Eine sagte: „Boah…“ Dann kam lange gar nichts. Und „plopp“: Gab der andere ein „Heftig“ zurück. Und dann ging es wieder von vorne los, plopp: „Boah…“. Da lagen sie nun. 35 Jahre alt. Zusammen im Ehebett des Fettsacks. Hatten sich mal wieder total selbst außer Gefecht gesetzt. Konnten sich nur zum Rauchen und zum Ziehen aufraffen.

Erinnernd an den abgewendeten Gerichtsprozess klatschte Paul  ihm mehr mit einer fallengelassenen, als mit einer schlagenden Hand, gefühlt auch noch in Zeitlupe, auf dessen dicken Bauch und sagt, in dieser Melange aus Zerstörtheit und irgendwie so was wie Freude: „Jetzt hast du echt gewonnen…“
Und er… Eine Weile später. Plopp. „Ja Mann. Ich habe gewonnen.“ Da lagen sie. Die Gewinner. Zerstört wie die letzten Loser. Freuten sich darüber. Irgendwie. In ihrem Emotionslosen Glück. Diese befreundeten Häufchen Elend. Oben in der Junggesellenwohnung. Während unten Fettsacks Geburtstagsparty richtig abging, seine Frau und seine Freunde die Arme in Höhe warfen und der Bass gedroppt wurde. Surreale, atemlose Momente. Bis Paul schon wieder den Drang verspürte nachhause zu gehen und den Rechner hochzufahren. Das hatte nichts mit dem Fettsack zu tun und der Freundschaftlichen Liebe die er ihm gegenüber fühlte. Nur mit Paul selbst. Aber das war nicht möglich. Morgen war Familientag.

Kleinstadt

Tja. In der Stadt sieht man überall „coole“ gangsta tags oder Graffitis.

Bei uns auf dem Land geht man ein wenig straighter und sagen wir… einfacher an die Geschichte heran 🙂

Bei uns schreibt man  – die Metaebene übergehend – „Wir sind cool“ an freie Flächen.

So sind wir halt, nicht gerade kreativ, doch irgendwie lustig und dabei niedlich 😀

Und ja, NIEMAND ist cool der sich selbst als solches bezeichnet…