Hans Söllner und Böhse Onkelz – Verschwörungstheoretiker in Zeiten der Krise

Es ist ganz gut in diesen Tag die Schriftstellerei als Hobby zu haben. Jeden freien Tag schreibe ich an meinem neuen Buch „Stereotyp“. Einmal in der Woche versuche ich einen passablen Blog-Eintrag zu schreiben. Das Wichtigste ist dabei, Spaß am Schreiben zu haben. Diesen einmal-in-der-Woche-Gedanken hatte ich schon vor Corona. In Corona-Zeiten ist es nur schwer, sich nicht aufzuregen und den Spaß wirklich zu finden. Es geht uns doch allen gleich. Wir haben verlernt Langeweile auszuhalten und scrollen viel zu viel durch das Handy. Und. Posten und teilen komisches Zeug.

Viele Jahre hatte ich absichtlich Facebook-Freunde, mit denen ich nicht die gleiche Meinung teile. Anfangs waren das mehr entfernte Bekannte, mit denen man nicht viel zu tun hat. Facebook-Freunde. Keine echten Freunde halt. Mit der „Flüchtlingskrise“ bemerkten viele von uns, dass sie (auch gerade über die „sozialen“ Medien) auch nicht die Meinung von guten, echten Freunden teilen. Das muss man aushalten. Das ist Freundschaft. Und das musste ich lernen. Nicht aushalten muss aber nicht, wenn die irgendeinen Quatsch posten. Dazu kann man sich äußern. Öffentlich und privat. Auch das ist Freundschaft, die die anderen aushalten müssen. Zurzeit jedoch kicke ich viele Freunde raus oder schalte sie auf stumm. Manchmal ist es einfach zu dumm oder anstrengend. Wie gesagt. Meinung darf und sollte jeder haben. Ich muss mir das aber nicht geben, wenn es zu abdreht ist.

Hans Söllner war so etwas wie der Held meiner Jugend. Ein Mann, der sich was traut. Ebenso wie die Böhsen Onkelz. Ebenfalls „die Band, die sich traut Dinge auszusprechen, worüber andere nur schweigen“. Als Jugendlicher hat mich das sehr beeindruckt und geprägt. Ich bin tatsächlich jemand geworden, der offen seine Meinung äußert und sich deswegen einige Türen verbaut und Freunde verloren hat. Deswegen werde ich nicht gleich als Held gefeiert wie die Onkelz und der Söllner (kennt man den außerhalb Bayerns überhaupt noch?). ich bin einfach nur ein Typ. Irgendein Kerl. Ich lebe mit meinem Image. Verdiene aber nicht daran, wie die Onkelz, die sich dem absolut verlogenen Ausverkauf hingegeben haben (siehe Band reunion. Verarsche der eigenen Fans). Oder Hans Söllner. Mit dem es das Finanzielle nicht annähernd so gut gemeint hat. Da gibt es interessante Dokus und Youtube Videos. Schaut mal rein, wenn ihr wie ich Jahrzehntelang den Söllner aus den Augen verloren habt.

Der Söllner lebte immer von seinem Image, nicht anders zu können. Und ich glaub ihm das sogar. In vielen Dingen der Meinungsfreiheit war er ein Vorreiter. Er bestand darauf seine Meinung vertreten zu dürfen und hat sich selbst damit finanziell ruiniert. Davor kann man jetzt Respekt haben oder ihn auslachen. Das steht jedem frei. Dieser Aspekt ist auch nicht das Thema meines Textes. Und ich will vorweg gleich sagen, dass ich dem Mann nichts Böses will. Wie gesagt. Er glaubt sicherlich zu denken, er könne nicht anders. Genauso wie er sich Jahrzehnte lang für das Kiffen eingesetzt hat, bevor es en Vogue war. Ich mag weder Kiffer noch kiffen an sich (dann nehmt doch gleich LSD wenn ihr was LERNEN wollt), er hat das aber durchgezogen mit all dem Gegenwind, den es in einem Freistaat wie Bayern geben musste. Wie gesagt. Dafür kann man Respekt haben oder ihn beschimpfen. Er selbst sagt, er habe inzwischen mit dem Kiffen aufgehört: Mir doch egal ob der kifft oder nicht.

Auf Hans Söllner bin ich durch Facebook wieder aufmerksam geworden. Ist schon ein paar Jahre her. Dort wurden seine Statements geteilt und ich war nicht wenig überrascht, als er sich als Impfgegner präsentierte. Ich finde das tatsächlich ziemlich lächerlich. Denn auch wenn Impfen natürlich gefährlich sein kann (kein Medikament wirkt bei allen Menschen gleich), haben uns die Impfungen an sich ziemlich den Arsch gerettet. In Zeiten von Corona hört man auch überraschend wenig von den Impfgegnern. Hm. Genauso wie sich die öffentliche Meinung zu Dietmar Hopp recht schnell geändert hat… Und ich denke mir halt, okay, das ist nicht besonders helle Herr Söllner. Er hat dann genauso argumentiert, wie er immer argumentiert: Man solle nachdenken und sich nichts vorschreiben lassen. Darüber musste ich leise schmunzeln. Hier geht es ja nicht darum eine faschistische Rassentrennung abzuschaffen oder gleiche Bezahlung für alle Geschlechter. Ne. Es geht um Impfungen. Es ist mir nie in den Kopf gegangen, warum das ein Streitthema geworden ist.

Mit Corona habe ich es verstanden. Denn auch jetzt plädiert Hans Söllner auf Facebook dafür, sich nicht an Verbote zu Halten und Rauszugehen. Verstehe ich nicht. Der Söllner ist wie ich Bayer. Noch dürfen wir draußen spaziergehen. Oder verstehe ich da was falsch? Dann fabuliert er davon, dass Leute die keine Angst haben, anderen Angst machen. Ich sag es zum 1000sten Mal: Meine Frau ist Arzt. Die arbeitet in diesen Wochen quasi an der Front. Für uns alle. Und wusstest ihr, dass in Italien schon 60 Ärzte und 2000 Leute in der Pflege an Corona gestorben sind? Meine Frau hatte die Zahlen und das wären dann in etwa ein Viertel aller Corona-Toten in Italien. Klar machen wir uns Sorgen. Aber Angst? Die Menschen haben weniger Angst, als der Musiker sich das vorstellt oder uns attestiert. Man kann auch Angst mit Vernunft verwechseln. Der Herr Söllner hat immer vor den gleichen Dingen Angst. Dass DIE DA OBEN mit uns machen was sie wollen. Aha. Ich glaube nur, kein Politiker in Deutschland will eine Ausgangssperre. Weil die sind eh mehr oder weniger von der Wirtschaft gekauft (siehe Wählerstimmen). Das schadet den Politikern nur. Und Söder dann mit Orban vergleichen Herr Söllner. Geh bitte. Warum nicht gleich mit Hitler?

Das Söllner-Problem ist die Söllner-Methode: Die da oben haben Unrecht. Der kleine Mann hat Recht. Und das ist Quatsch, wenn man sieht was „der kleine Mann“ so wählt und denkt. Pauschalisierungen helfen da halt nicht. Ich bin auch kein Freund von Markus Söder. Der hat sich auch nie dafür beworben, man of the year zu werden. Dennoch halte ich sein Vorgehen für richtig. Es gibt sogar Vergleichsbeispiele. Siehe China und Singapur. Das sind natürlich keine gewählten Demokratien. Das sind Diktaturen. Aber ihr Vorgehen hat funktioniert. Wahrscheinlich auch deswegen, weil es dort keine Defätisten gibt, die in Krisenzeiten gegen das Allgemeinwohl schießen. Ich habe auch erst ein Video gesehen von diesem KenFM-Typen. Der hat sich original ein Gitter vor die Kamera gestellt und gesagt, man dafür nichts mehr sagen. MAN DARF ALLES SAGEN! Man oder frau dürfen halt auch darauf antworten. Es ist vollkommen richtig Politiker eines Landes kritisch zu betrachten, die eine Notstandsgesetzgebung in Kraft treten lassen. Es sollte jedoch auch hinterfragt werden, ob das sinnvoll ist. Und ja. Der Mainstream kann durchaus im Recht sein. Mainstream macht nicht zwangsläufig alles falsch. Man muss differenzieren können. Es geht nämlich nicht nur um die Corona-Toten selbst. Es geht auch darum, wie viele Menschen sterben müssen, weil es Corona gibt. Nicht verstanden? Schon jetzt, wo unser medizinischen System noch nicht zusammengebrochen ist, sterben Menschen WEGEN Corona. Nicht AN Corona (das aber auch). Wichtige Operation werden schon jetzt nicht mehr gemacht. Da wird dann gesagt okay. Der Mann/die Frau ist über 80, da machen wir die Operation nicht mehr, da wir Kapazitäten freihalten müssen. Ich hab das aus erster Hand. Schon jetzt wird selektiert. Und wenn das große Sterben erst einmal losgeht (wir hoffen alle, das es nicht geschieht), werden nicht mehr nur die Leute an Corona sterben, es sterben auch die, die nicht behandelt werden können, da wegen Corona die Kapazitäten erschöpft sind. Es geht schon lange nicht mehr wer direkt an Corona stirbt. Noch mal: Es sterben Leute wegen Corona, obwohl sie es gar nicht haben.

Aber immer alles in Frage stellen. Immer alles anzweifeln. Das ist das Lebensmodel von Hans Söllner. Die Masse ist dumm. Man selbst Im Recht. Das typischen Bild eines Verschwörungstheoretischen Kiffers. Ein alter weißer Mann. Der Recht haben will. Und wichtig sein will. Hier geht es schon lange nicht mehr um „Aufstehen“. Auch nicht um Vernunft. Mein Blog heißt ja „Strategien gegen Vernunft“, da ich mal ein Buch geschrieben habe mit der Forderung, man möge doch bitte die gängige Vernunft in Frage stellen, um zu einer besseren, neuen Vernunft zu gelangen. Heute liest sich so ein Wunsch wie ein ad absurdum. Die neue Vernunft scheint nämlich nur der eigene Egoismus zu sein, da keiner der alten weißen Männer bereit ist, seine Position zu hinterfragen oder zu ändern. Seien es die Obrigkeitshassenden Kiffer. Oder die Friday for future beschimpfenden Leute, die alle, die den Planeten retten wollen, als Wahnsinnige und Naivlinge darstellen. Die neue Vernunft scheinen Fake News zu sein, die sich an allem orientieren was Gefühl ist. Nur nicht an Wissenschaft und Zahlen (da hat der Benecke neulich ganz schon Eindruck hinterlassen).

Die Geister die ich rief. Alter frustrierter weißer Mann. Du bist zu dem geworden, was du am meisten hasst.

In dem Zusammenhang kann mir gerne mal jemand sagen, was die verlogenen Böhsen Onkelz (die Bands die immer so ehrlich war haha) jetzt über ihre „Medien-Schelten“ sagen. Ist ihre in Teilen natürlich auch verständlich Kritik zu den Medien, diese nur lächerlich oft auf jedem Album aggressiv wiederholt haben, inzwischen dazu übergegangen, dass auf ihren Konzerten „Lügenpresse!“ gebrüllt wird? Schreibt so was doch mal in die Kommentare Leute. Würde mich interessieren…

Und weißt du was. Hans. Ich gehe jetzt spazieren. Weil ich das darf. Genauso wie du. Nur hab ich wirklich keine Angst, im Gegensatz zu dir. Und dann. Dann bleibe ich im Haus. Weil ich mir Sorgen um andere Menschen mache. Weil ich das will.

Arzt und Arbeiter in Zeiten von Corona

Meine Frau ist Arzt. Sie arbeitet in einem kleinen Krankenhaus, in dem der Corona-Hype noch nicht so sehr abgeht. Dh die Vorbereitungen laufen, die Covid-Kranken lassen zum Glück noch auf sich warten.

Am Wochenende hat meine Frau Doktor in der Nacht eine Patientin aufgenommen. Ganz ohne Corona-Symptome. Irgendwas mit Demenz. Keine Ahnung weswegen genau die alte Frau da war. Sie hat wegen der Demenz meine Frau Doktor aber auch geschlagen. Ja. So etwas kommt häufiger vor. Demente schlagen um sich. Und nicht nur die. So etwas vergisst man als gesunder Mensch ganz gerne. Dass das Leben keine sterile Arztserie ist. Auf jeden Fall hatte die verwirrte Prügeldame keine Corona-Symptome, weswegen meine Frau nicht in vollem Corona-Defence-Anzug angetreten ist. Blöd das sich jetzt herausgestellt hat, dass die demente Dame zu ihrer anderen Erkrankung auch Corona hat. Und meine Frau wie gesagt nicht geschützt war. Jetzt folgt also das übliche Prozedere. Abstrich wurde schon genommen – und meine Frau darf weiterarbeiten. Genau. Richtig gelesen. Zum Glück haben weder sie noch ich Symptome.

Ich hab davon in der Arbeit über den Messenger erfahren – und war deswegen sauer auf meinen Arbeitgeber, dass wir nicht einmal 10 Minuten zuvor die Köpfe zusammengesteckt haben. Social distancing. Schon klar. Das sah in den letzten 2 Wochen so aus, dass wir in unserem Betrieb wegen den nichtigsten Gründen nicht nur weniger als 1,5 Meter getrennt zusammenstanden. Nein. Schulter an Schulter MUSSTE gearbeitet werden. Klar. Wir stellen Getränke her und die Leute sollen auch in Zukunft noch saufen. Trotzdem wurde bei uns einen Scheiß darauf gegeben, wenn ich (oder sonst wer) sagte, bleibt doch ein wenig auseinander. Bayern. Einig. Abstandhalten? Ja von wegen. Die blöden Handwerker. Die blöden UNVERZICHTBAREN Handwerker. Tun so, als wäre nichts. Ich weiß nicht wie es bei euch aussieht. Doch bei uns in der Stadt sind überall Baustellen. An jeder zweiten Ecke werden Straßen aufgerissen und Glasfaserkabel verlegt – wozu? Diese Glasfaserkabel hat es die letzten 2000 Jahre nicht gebraucht. Jetzt aber. Ganz wichtig. Müssen sie verlegt werden. Es ist doch tatsächlich kein Wunder, dass ein totalitäres Regime wie China Corona unter Kontrolle gebracht hat, während bei uns nur halbherziger Scheiß veranstaltet wird. Ja, ja. Die Wirtschaft ist wichtig usw. usf. Wenn die aber so wichtig ist. Dann macht mal einen ordentlichen Shutdown und lasst die Menschen keine Arbeit machen, die „übrig geblieben“ ist. So wird gar nichts eingedämmt.

Inkonsequent auf dem Haufen stehen. Mehr passiert nicht.

Der Corona-Virus hat Fridays for Future zerstört?

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In dieser Welt lebe ich. So etwas sehe ich ständig in verschiedenen Whatsapp-Verläufen – und schlimmeres. Und natürlich denke ich mir, was läuft falsch mit diesen Leuten? Meinungsfreiheit, klar. Denk darf jeder was er will. Nur was soll dieser kleine Hass? Dieser ganze Wir-hassen-Greta-Blödsinn, da sich die Männer (meistens sind sie es) in ihrem Lebensmodell bedroht fühlen. Dabei kenne ich diese Leute, die so etwas „teilen“ sogar… Diesen kleinen Hass. Ich finde ja, dass der Hass auf Whatsapp, in all diesen „Patrioten-Gruppen“ viel schlimmer ist als auf Facebook: Denn es ist nicht öffentlich. Man ist nur unter Gleichgesinnten und kommt dann immer weiter und tiefer in diese Abwärtsspirale des Hasses. Angefeuert von der Blödheit, der Krasseste zu sein (ich weiß wovon ich rede, den gleichen Quatsch kann man mir bei anderen Themen nämlich auch vorwerfen. Erkenne dich selbst). Dabei denke ich mir nur, wie man gegen die Umwelt sein kann. Wie kann man saubere Luft und die Zukunft seiner Kinder so hassen?

Wie gesagt. Da gibt es viel schlimmere Bilder (ich musste für diesen Blog-Eintrag auch noch eine exakte Kopie von diesem blöden Bild erstellen, doch wofür kann ich „paint“?). Es musste trotzdem genau diese lächerliche Todesanzeige sein, denn es hat mich auf einen Gedanken gebracht. Denn nicht nur das ich mit dieser Meinung auf diesem Meme nicht  d’accord gehe. Es ist auch so totaler Unsinn. Denn. Der Corona-Virus hat die „Fridays for Future“-Bewegung nicht getötet. Im Gegenteil. Corona hat es geschafft die Ziele von Fridays for Future umzusetzen. Die Meisten von uns kennen die Satellitenbilder von Italien und China vor Corona. Die Luft ist besser geworden. Corona ist der Katalysator, um die Wirtschaft zu stoppen. „Dank“ Corona gibt es kaum mehr Inlands- und Auslandsflüge. Es wird viel weniger CO2 ausgestoßen. Die Grenzen sind so gut wie dicht. Es gibt keinen Tourismus mehr. Und die Leute kaufen inzwischen fast zwangsläufig mehr „regional“. Diese Todesanzeige ist totaler Schwachsinn. Der totale Hass. Der nichts versteht. Die Menschen mögen die Leidtragenden sein (und das ist schlimm). Doch die Natur ist der Gewinner. Biologen haben so ein Szenario schon lange vorhergesagt. Wir sind nicht die erste Art vor Lebewesen, die sich für die Herrscher der Welt hält und dann auf radikale Art von der Natur in ihre Schranken verwiesen wird. Ich gehe jetzt natürlich nicht so weit zu behaupten, dass es gut ist, dass es den Corona-Virus gibt. Nein. Doch wenn man die Auswirkungen dieses tödlichen Virus auf das globale Wirtschaftssystem und auf den Planeten betrachtet, könnte man fast meinen Greta hat den Virus erfunden, um ihre Zukunft zu retten. Es passt perfekt.

Greta gewinnt.

Das bedingungslose Grundeinkommen gegen die Corona-Krise?

Ausnahmesituationen bringen meistens komische Nebeneffekte mit sich. Das ganze Land ringt direkt oder indirekt mit den Auswirkungen der Corona-Krise (endlich mal macht das Wort „Krise“ einen Sinn, da diese Krise im Gegensatz zur Flüchtlingskrise aller Berechnung nach enden wird), viele Menschen können ihrer Arbeit nicht nachgehen und bangen um ihre Existenz. Eine Großzahl meiner Freunde und Familienangehörigen müssen via Kurzarbeit ihr Geld verdienen, was natürlich eine unschöne Sache ist. Denn die Rücklagen sind knapp – wenn überhaupt vorhanden. Ich und meine Frau arbeiten in Systemrelevanten Jobs. Von Kurzarbeit spricht bei meinem Job noch keiner. Könnte jedoch auch kommen. Ich muss also arbeiten, bin jedoch als Bayer wie jeder andere am Wochenende in unserem Haus eingesperrt. Ja. Wir wohnen in einem Haus. Das ist schon angenehm. Hin und wieder gehen wir spazieren, was sich in diesen Zeiten wie ein Ausflug in den Gefängnishof anfühlt. Und natürlich wird viel durch das Handy gescrollt. Facebook. Instagram. Ihr wisst schon. Dabei stieß ich auf einen Artikel, den eine Bekannte geteilt hat. Er ist von Change.org und (ich weiß jetzt nicht wie man es bezeichnet) als Titelbild des Eintrags/Links steht dort ein rot durchgestrichenes „Hilfskredite“. Darunter: „Grundeinkommen für 6 Monate“. Und obwohl jeder Mensch Petitionen starten und unterstützen kann wie er will, finde ich das nicht gut.

Denn. Es gibt ja nicht nur Hilfskredite. Es gibt auch Soforthilfen (wenigstens hier im bayerischen Freistaat), die nicht zurückgezahlt werden müssen (bis 30000 Euro – ist ja auch nicht wenig). Den Begriff „Hilfskredite“ kann man schnell googeln und herausfinden was dahintersteckt. Es gibt verschiedene Programme, die mittelständischen und anderen Unternehmen helfen sollen, durch die Krise zu kommen. Und ja. Manches Geld muss man zurückzahlen. Anderes nicht. Über die Fairness und Unfairness solcher Programme kann man lange debattieren. Die einen fühlen sich ungerecht behandelt, Kredite für eine Krise aufzunehmen, für die sich nichts können. Während wieder andere sich darüber echauffieren, dass überhaupt Staatliches Geld an Unternehmer und Firmen verschenkt wird (auch dieses Geld kommt ja auch irgendwoher und wird jetzt nicht schnell gedruckt).

Klar. Ich bin jetzt kein totaler Idiot. Die Wirtschaft muss stabilisiert werden. Den Menschen geholfen. Ich will ja auch nicht, dass die Menschen reihenweise arbeitslos werden. Deswegen finde ich diese Mischung aus Soforthilfe und Krediten gar nicht so verkehrt. Denn wer weiß schon genau wie es dem Betrieb vor der Krise ging? Seien wir man nicht naiv. Gerade in Krisenzeiten stopfen sich unmoralische Menschen die Taschen voll.

Diesen Aufruf von Change.org hat eine Bekannte von mir geteilt, die Künstlerin ist. Also so richtig Kunst studiert hat. Ausstellt. Und davon sicherlich mehr schlecht als recht lebt. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. So nahe sind wir uns jetzt nicht. Sie ist aber – um diese Debatte im Keim zu ersticken – eine nette Person und ich hab Sympathien für sie und ihr Schaffen. Dennoch schmeckt mir das nicht, wenn Leute, die schon Hilfen bekommen (können), dann für ein 6 Monatiges Grundeinkommen trommeln.

Die Argumentation ist klar: Wenn ich sicher 6 Monate Geld bekomme, kann ich mit diesem Geld planen und Projekte starten. Es ist nur ein Grundeinkommen. Keine Millionen. Und jetzt kommt es darauf an, wie man zum Grundeinkommen an sich steht. Wisst ihr. Als ich 17, 18, oder von mir aus 20 Jahre alt war, wäre ich durchaus für ein Grundeinkommen gewesen. Klar. In diesem Alter ist man sehr empfänglich für diese Idee. Man kann seine Träume leben und verwirklichen. Automatisch FAUL muss man nicht sein, als Grundeinkommen-Empfänger. Das ist ein Vorurteil. Ich bin aber keine 20 mehr. Ich werde in diesem Jahr 40. Die Hälfte meines Lebens habe ich einen Job gemacht, den ich nicht besonders mag. Auf der einen Seite kann man jetzt sagen: „Selber schuld du Idiot“. Während ich auf der anderen Seite betonen will und muss, dass nicht jeder seinen Traumjob machen kann. Es gibt nun einmal Jobs, die einfach gemacht werden müssen, wie wir gerade in diesen Tagen vorgeführt bekommen. Das sind oft undankbare Jobs mit mieser Bezahlung. Schlechten Arbeitszeiten. Oder körperlich so zermürbend, dass wir keine guten alten Frauen/Männer abgeben werden. Doch die Jobs müssen gemacht werden. Und wir brauchen Geld. Sei es nun als Bäcker, Getränkehersteller, LKW-Fahrer, Kassierer oder Pflegekraft (und ja, jeden dieser Jobs kann natürlich auch eine Frau machen). Das sind Jobs, wo man sich nicht einfach mal so eine Auszeit nehmen kann, um dann Bedingungsloses Grundeinkommen zu erhalten, da du im Normalfall wieder schwer in deinen Beruf einsteigen kannst. Jobs gibt es nicht ohne Ende. Du kannst dir bei solchen Karrieren nicht einfach Auszeiten nehmen. Besonders nicht, wenn man wie ich auf dem Land lebt. Wenn du raus bist, bist du raus. Nicht zwangsläufig. Nicht für immer. Doch die Gefahr ist da. Also. Ein Bedingungsloses Grundeinkommen würde diesen Teil der Gesellschaft. Diesem UNVERZICHTBAREN Teil der Gesellschaft. Nicht viel bringen. Wir können nicht einfach so Auszeiten nehmen und Projekte starten. Nein, wir sind es, die euch in Krisen-Zeiten eure Nahrung herstellen, bringen usw. usf. Jetzt in diesem Zeitgeist der aktuellen Tage mag man brav „Danke, danke“ zu uns sagen und Lieder von Balkonen trällern. Doch im Normalfall bekommen wir Arbeitssklaven nicht einmal ein Lächeln von „euch“ (wer immer „Ihr“ auch seid). Also. Tut mir leid. Ich muss jetzt in den Tenor einstimmen, der gerade durch die Online-Plattformen wandert: Bezahlt doch lieber einmal die Systemrelevanten Leute richtig, anstatt darüber zu fabulieren Menschen fürs Nichtstun zu entlohnen.

Das ist jetzt kein Diss gegen die Kunst. Ich bin selbst künstlerisch tätig (auch wenn ich davon nicht lebe) besuche viele Veranstaltungen und gehe gerne ins Museum. Kunst muss unterstützt werden. Doch es geht ja nicht um eine bessere Unterstützung der Kultur und Kunst in diesem Land, sondern um ein Grundeinkommen für jene, die sonst etwas machen wollen, außer an der Kasse zu stehen.

Tut mir leid.

In diesen Zeiten nach einem BEDINGUNGSLOSEN Grundeinkommen zu trommeln, empfinde ich denen gegenüber unsolidarisch, die euch dieses Grundeinkommen ermöglichen könnten. Und. Die davon nichts haben werden. Wir. Die Systemrelevanten Trottel. Ja. Ich verdiene gut, hab einen sicheren Job. Und werde im Alter trotzdem ein halber Krüppel sein: Ich arbeite körperlich schwer. Deswegen sind mir natürlich bessere (also fairere) Renten und eine bessere Bezahlung für z.B. Altenpflegekräfte wichtiger als ein Grundeinkommen für angehende DJs und Bildermaler, die sich selbstverwirklichen wollen und auf die Hilfe des Allgemeinwohls hoffen. Denn sollte der große Rubel bei Frau Künstler und Herren DJ einmal rollen, wird dann ja leider auch nichts an die Gesellschaft zurückgegeben. Es war ja ein bedingungsloses Grundeinkommen. Kein Hilfskredit.

Seid solidarisch in Zeiten der Krise?

„Seid solidarisch in Zeiten der Krise.“ Gute Idee. Nur. Wieso überhaupt nur in diesen besonderen Corona-Tagen?

Die ersten, die um Solidarität baten, waren die Clubs- und Konzertveranstalter. Diese armen Unternehmen, die von der Hand im Mund leben müssen. Auf einmal. Und natürlich, freilich. Jemand wie ich, der seit zwei Jahrzehnten die Club-, Konzert- und Party-Kultur liebt, ist da sofort mit dem Herzen und dem Geldbeutel dabei. Für die Szene, die man liebt. Wobei… Ein fader Beigeschmack bleibt. Über die Jahre habe ich den einen und anderen Veranstalter, Club-Pächter und Kulturschaffenden kennengelernt. Verallgemeinerungen sind schwierig, dennoch hat sich für mich (ich, ich, ich persönlich) nach einem eher unschönen Lernprozess das Gefühl und die Meinung herauskristallisiert, dass sich nicht wenige dieser Veranstalter für etwas Besseres halten. Nicht Alle und Jeder. Natürlich nicht. Insgesamt herrschte dennoch oft der Tenor vor, dass normale Arbeitsleute wie ich nicht ganz so toll seien. Schließlich sei ich nur angestellt. Nicht mein eigener Herr. Und als Lohnsklave in meiner an ihnen gemessenen Uncoolness eh nicht der Hellste. Sie dagegen würden wissen wie der Hase läuft. Besonders die süßen kleinen Häschen, die ich nur in meiner Phantasie vernaschen könnte. Oder Abitur nicht los! Du verstehn?! Ich bin Hoch- und Club-Kultur – und du nix! ICH LASS DIE PUPPEN TANZEN! VON DEINEM GELD! UND DU KANNST FROH SEIN WENN ICH DICH IN MEINEN LADEN LASSE!!! (Grüße an M. Dich meine ich nicht).

Als es dann hieß, erst Großveranstaltungen über 1000 Personen, und dann ein paar Tage später, Bars und Clubs müssten wegen der Krise generell schließen, sagte meine Frau: „Klar, die unwichtigen Sachen machen zuerst dicht.“ Bei meinen Freunden natürlich: Aufschrei. Absolut WICHITG sei das Ganze. LEBENS-NOT-WICHTIG!!! Und wir so mit einem Achselzucken: Ja ne… Eigentlich nicht… Salz in der Suppe. Okay. Aber Lebensnotwichtig… Sind doch wieder einfache Arbeitsleute wie wir. Die euer Essenmachen. Es liefern. Es euch verkaufen. Wegen denen ihr Strom habt. Wasser. Und so Typen wie meine Frau. Im Medizinischen Bereich.

Das klingt jetzt ein wenig spöttisch. Ganz so gemeint ist es jedoch nicht. Dennoch. Wo ist die Solidarität im Nicht-Krisen-Fall? Wo ist das Mitgefühl, das Verständnis und die Nachsicht im Alltag? Das wird jetzt kein Mutter-Theresa-Text, von wegen: „Lasst uns doch auch in Zukunft bessere Menschen sein!“ Denn die Normalität ist (wahrscheinlich) nur ein halbes Jahr entfernt. Die Kanäle in Venedig werden wieder verseucht vom Tourismus sein. Die Luftverschmutzung über China mit den Händen zu greifen. Ich glaube nicht wirklich an einen großen Lerneffekt „der Menschheit“. So wünschenswert es auch wäre. Und. Sind wir mal ehrlich. Nicht wenige von uns normalen Leuten hat es sehr gewundert, dass die Industrie in Europa zum Wohl der Menschen zurückgedreht wird. Denn bisher war Geld wichtiger als ein paar tausend Tote, von denen wir in Deutschland zum Glück noch weit entfernt sind. Versteht mich nicht falsch. Es ist toll, gut und wichtig, dass Wohl der eigenen Bürger über industrielle Interessen zu stellen. Nur sollte auch an jedem anderen Tag so sein. Nicht nur mit einer Pandemie vor Augen. Also hier mal ein kleines thumps-up für unsere Politiker. Ja. Nein. Doch. Vielleicht ist das hier doch so ein kleiner, verkappter Mutter-Theresa-Text. Vielleicht wünsche ich mir tatsächlich ein wenig mehr hineinfühlen in andere Menschen. Und mehr Rücksicht. Mehr Solidarität Leuten gegenüber, die in einer ähnlichen, nur nicht in der gleichen Lebensrealität leben wie man selbst. Und ja. Auch ich bin nicht Mutter Theresa. Trotzdem. Den arbeitenden Leuten kann man doch auch einmal Respekt entgegenbringen. Danke sagen. Was Ordentliches bezahlen. Und vergesst „die Pflege“ nicht.

Zertifiziert geht die Welt zugrunde. Oder: Die Deutschen – auf ewig Nazis?

Okay, krasser Titel. Vielleicht ein wenig überspitzt. Dabei will ich auf ein etwas anderes Thema hinaus, als der eine oder die andere vermuten. Es ist allseits bekannt, dass die Deutschen (wir Deutschen) nicht die größten Völkermörder aller Zeiten sind. Mao und Stalin hatten viel mehr Menschenleben auf dem Gewissen als Hitler (hier geht es um die reinen Zahlen an Ermordeten). Dennoch sind die Nazis als die größten Völkermörder aller Zeiten in die Geschichte eingegangen. Diese Annahme fußt darauf, WIE unsere Vorfahren gemordet haben: Kalt und industriell. Jeder kennt die abscheulichen Bilder aus den Konzentrationslagern. Berge von ausgehungerten, zu Tode gequälten Menschen. So einen Wahnsinn an korrekt geplanten und durchgeführten Massenmord haben die Deutschen exklusiv.

Schlagen wir den Bogen zurück zur Überschrift. Ich mache ja gerne extreme Vergleiche. Und wenn man sieht wie Deutschen nach der Nazi-Zeit die Industrialisierung vorangetrieben haben. Mit extremer Genauigkeit. Detailversessenheit. Korrekt bis auf den letzten Millimeter ihrer Auto- und sonstigen Produktion. Engagiert auch das kleinste Problem mit deutscher Ver- und Besessenheit zu lösen und zu optimieren. Nun. Da drängt sich mir die Frage auf, ob die Deutschen mit ihrer überzogenen Art industriell und penibel zu arbeiten, nicht genau da weitergemacht haben, wo die Nazis aufgehört haben. Denn die Industrialisierung wird aus der heutigen Perspektive nicht nur als die Bahnbrechende Idee angesehen, die uns alle reich gemacht hat. Sie gilt auch als das Werkzeug, welches die Existenz der Menschen auf diesen Planeten gefährdet. Doktor Mark Benecke zufolge lässt sich der Klimawandel nicht mehr aufhalten und das Schicksal der Menschheit so wie wir sie kennen ist auf kurz oder lange besiegelt. Und wer hätte den Klimawandel stärker befeuert als die tüchtige Leistung aus deutschen Industrie-Schloten? Wenn wir in der Arbeit gute Dinge (Werkzeuge, Produktreste oder das Produkt selbst – in meinem Fall „Bier“) unter dem Deckmantel, dass wir ein Zertifizierter Betrieb sind und Vorgaben erfüllen müssen, einfach wegschmeißen oder sonst irgendwie vernichten, obwohl sie noch „gut“ sind, sage ich gerne meinen Slogan: „Zertifiziert geht die Welt zugrunde.“ Und das stimmt.

Ich bin mir sicher, dass die Deutschen noch ein paar Tage vor ihrer Auslöschung darauf bestehen werden, alles KORREKT zu machen. Bis auf die Zahl nach dem Komma. So sind wir nun einmal. Besonders ich. Wir machen die meisten Dinge exakt wie ein Nazi. Und. Um den Deckel auf meine These zu machen. Vielleicht werden unsere Nachfahren eines Tages auf die Generation meiner Väter zurückblicken. Die Vater-Generation. Also die Nachgeborenen des Krieges. Die auf eine andere Art, unbewusst, doch mit überdeutscher Präzession genau dort weitergemacht haben, wo die Nazis aufgehört haben: Mit ihren Taten auf industrielle Weise so viele Menschen wie möglichen zu töten. Nicht mit Absicht. Doch mit deutscher Genauigkeit. Wenn es darum geht Vorgaben zu erfüllen machen die Deutschen Millionenüberstunden. Die Schlote müssen für uns immer qualmen. Egal ob es Leichen sind, die wir in unseren Öfen verbrennen. Oder ob der Rauch das Klima erwärmt und wir alle Menschen für unseren Wohlstand opfern. Korrekt muss es nur sein. Bis auf die zweite Stelle nach dem Komma. Ich weiß, gewagte These. Na und?

Helmut Schmidt, der Passivmörder

(Das Plakat habe ich vor drei Jahren in Köln fotografiert)

In der Arbeit höre ich oft diesen Satz: „Helmut Schmidt hat auch geraucht wie ein Loch und wurde 96 Jahre alt.“ Für das Rauchen war der Mann bekannter als für seine Politik. Er rauchte immer so, als wäre es das Schönste und Geilste im Leben. Wo er wollte. Genüsslich. Von niemanden ergriffen, außer von sich selbst. Wobei sich mir immer die Frage aufdrängte, ob der Herr Ex-Kanzler Schmidt mit seinem demonstrativen Rauchen durch seine Schlechte-Vorbild-Funktion mehr Leute getötet hat, als er bei der Erstürmung der „Landshut“ retten ließ? Denn auch wenn der Schmidt mit seiner Raucherei fast 100 Jahre alt wurde. Sind möglicherweise (wer weiß es?) 1000de Leute durch seine Raucherei zum Weiterrauchen animiert worden. Klar. Am Ende entscheidet jeder selbst ob er raucht oder nicht (ich habe dieses Jahr noch keine einzige Zigarette geraucht). Dennoch. Kann man durch eine falsche Vorbildfunktion mehr Schaden anrichten, als dass man es im Leben wieder gut machen kann. Oder nehmen wir Stallone in Rambo. Stallone hat (soweit wir wissen) nie einen Menschen abseits der Leinwand getötet. Aber wie viele Soldaten haben ihren Helden Rambo nachgespielt und Leute niedergeschossen und sich wie er gefühlt?

Das könnt ihr jetzt lächerlich finden. Jedoch. Wenn auch nur ein Soldat wegen Rambo getötet hat. Und wenn nur ein Mensch sich wegen Schmidt zu Tode geraucht hat. Was sagt das dann über unsere Helden aus?