Wenn die Tiere aufhören zu sprechen

Was machen Kindern wenn sie spielen? Sie trainieren es erwachsen zu sein. Zwar macht ihnen ihr Spiel Spaß und es unterhält sie, doch sie loten auch die Realität aus. Noch können Tiere sprechen. Noch können Menschen fliegen. Noch sind Männer stärker als Frauen. Aber nach und nach drängt sich immer mehr der erlebte Alltag, immer mehr Wirklichkeit in ihr Spiel. Die Traumwelt wird realistisch.

Sind die Kinder dann alt genug, hören sie auf zu spielen. Auch ihr Umfeld sagt: Jetzt ist Schluss mit der Spielerei. Dafür bist du zu alt. Jetzt kommt der Ernst des Lebens. Genug trainiert also. Schluss mit den Träumen. Und setz das um was du gelernt hast: Ein Mensch der Gegenwart zu sein. Und das bedeutet  nur noch Spiele zu spielen, die unterhalten, die aber jegliche Form von Traum verbieten. Träume lernen nicht fliegen. Im Gegenteil.

Wir müssen aufhören die Kindheit und die Jugend zu idealisieren.

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Der Krüppel seiner eigenen Kindheit

Richtig ist: Die Vermeidungsmechanismen, welche wir anwenden um Dinge zu verhindern, vor denen wir uns schämen, sind oft auffälliger und peinlicher als der Umstand, vor dessen Entblößung wir uns fürchten.  Es liegt nur an unserer subjektive Wertung und Gewichtung darüber, was uns wichtiger ist zu verbergen. Vielleicht aber auch ausschließlich. An dem Geheimnis welches wir über unser Geheimnis machen.

 

Denn jeder schämt sich vor einer gewissen Situation, die er glaubt nicht meistern zu können, und auch wenn man sich mit den Jahren Floskeln, reaktionäres Gehabe und anderes Handwerkszeug für diese Situationen aneignet, greift dieses nicht immer. Ich glaube. In jedem Menschen steckt eine ungewisse Angst, eine schwer zu definierende Abneigung/Hilflosigkeit vor bestimmten Situationen, deren Verortung im Unterbewusstsein zu suchen ist und deren Entstehen tatsächlich (das ich so was einmal sagen würde…) in der Kindheit verborgen liegt.

Wahrscheinlich. Ist jeder der Krüppel seiner eigenen Kindheit.

Würden wir nur weniger Energie in die Vermeidung von unangenehmen Situationen stecken, sie anerkennen, offen ausleben, wären wir vermutlich glücklicher. Dumm nur, dass wir in der Kindheit dazu getrimmt werden einmal PERFEKTE Menschen zu werden. Tu dies nicht! Tu das nicht! Ein Wahnsinn! Denn mir ist nur peinlich, was mir meine eigene nicht Perfektheit radikal und ohne wenn und aber vor Augen führt. Obwohl ich ganz genau weiß, dass man nicht perfekt sein kann. Das man immer ein wenig irrt. Das man immer wieder falsch handelt.

Das ist keine Angst vor dem Versagen an sich (das wäre einmal ein unsagbar anstrengendes Leben), nein, es geht um diese paar wenigen Situationen aus unserer Kindheit, die sich auf der Netzhaut unserer Seele eingebrannt haben. Jeder hat das. Nur bei jedem handelt es sich um eine andere, wenn vielleicht doch auch ähnliche Situation (z.B. Angst vor Tieren, Kontrollverlust über Körperfunktionen, laute Geräusche, Furcht vor fremden Menschen, dunkle Straßen, die Interaktion mit dem anderen Geschlecht usw. usf.)

Die Ironie des Menschseins an sich ist, dass jeder seinen dunklen Fleck im Bewusstsein mit sich herumträgt und für solche Situationen NACHSICHT von der Umwelt mit sich erwünscht, man selbst nur leider ebenso blind ist für die dunklen Flecken der anderen Mitmenschen ist und deswegen entblöd und brutal all jene verurteilt und auslacht, die gerade ihre Schwäche zur Schau tragen, und wir sie über dieses „Abnorme Verhalten“ kategorisieren.

Das Dilemma: Die Menschheit hat zwar eine Möglichkeit gefunden um miteinander oberflächlich zu kommunizieren, nur leider ist Kommunikation ein äußerst begrenzte Möglichkeit um das Gegenüber begreifen. Dafür braucht es Jahre der intensiven gegenseitigen Studie. Und dennoch sehen wir Kommunikation als die eindeutigste Form des gegenseitigen Verständnisses an. Obwohl wir kontinuierlich aneinander vorbei reden – und leben.

 

Man sollte einfach nachsichtiger sein. Um Nachsicht zu erhalten. Nur leider. Weicht keiner. Auch nur einen Schritt zurück.

Der Text zur Nacht (223) Ich will nachhause.

Vielleicht sind es auch nur die Drogen.

„Zuhause“. Dieses Wort trage ich oft in meinem Herzen, es stolpert regelmäßig aus meiner Seele, nicht aber weil ich „Zuhause“ angekommen bin, nein, es ist die Sehnsucht nach einer Heimat, die ich längst verloren habe und bewusst gar nicht mehr kenne.

Selbst als ich noch bei meinem Vater wohnte, oder jetzt, wenn ich in meinen gemietet vier Wänden sitze, kommt oft und unvermittelt dieser Satz daher, manchmal denke ich ihn nur unbewusst aus meinem Ich heraus. Manchmal spreche ich ihn auch in die Stille meiner Einsamkeit: „Ich will nachhause.“

Dabei weiß ich gar nicht. Wo das sein soll. Wo ist das? Dieses Zuhause?

Heimat ist für mich ein verlorener, ein zerstörter Begriff. Wie ein Vertriebener aus einem Garten Eden, ohne Möglichkeit zurückzukehren. Wie ein Flüchtling, der in Wahrheit ein Vertriebener ist, und nur nachhause will, zu seiner damals noch intakten Familie; nachhause in die Vergangenheit. Bevor der Krieg des Erwachsenwerdens mich für immer entstellte.

(Denn die Menschen erlangen durch das Erwachsenwerden keinen Charakter wie man fälschlicherweise glaubt; „Charakter“, „Erwachsen“, das sind nur Begriff für die Vernarbungen unseres inneren Kindes, für die Entstellungen unserer Reinheit).

Ich weiß nicht wo ich daheim bin. Vielleicht nehme ich deswegen Drogen. Obwohl… Ja… Nein… Ich weiß es nicht. Sicher ist nur, dass ich keines dieser Opfer sein will, deren Psychologie so einfach gestrickt und damit erklärbar wäre: Ja klar, die Kindheit ist daran schuld.

Das Trotz-Ich in mir lässt ein Kausales Nachdenken über mich selbst nicht zu.

„Heimat“ war für mich schon immer ein anderes Wort für „Erlösung“ gewesen…

Leider gibt es keine Erlösung mehr.

Ich will nachhause…

„Doch Bommerland ist abgebrannt“…

Ich will nachhause… In das Tal meiner Erinnerungen. Wo Maikäfer fliegen und blühen.

Wie oft flüchtete ich schon von sonst wo (aus der Schule, der Arbeit, von Freunden, Feinden und Gliebten) zu dem Ort an dem ich lebte, mein Jugendzimmer, eine meiner Single-Wohnungen, nur um dort schreckliche Einsamkeit unter Menschen oder alleine vorzufinden, doch keine Ruhe vor den Stürmen der Seele, vor dem unbewussten Bewusstsein am falschen Ort, in der falschen Zeit zu sein.

Das Herz und seine Seele sind die einzigen Koordinaten, nach denen wir in  der Raumzeit manövrieren können.

Heimat. Erlösung… Ich weiß nicht. Vielleicht geht es auch nur um Vergebung…

Ich will nachhause.

Zurück in die Kindheit. Wo man bedingungslos lieben und geliebt werden kann. Nachhause in die Unschuld…

Denn wisst ihr? (Seufzen) Es fällt mir nicht leicht es euch so zu sagen: Aber ich habe viele schlimme Dinge getan… Wirklich schlimme Dinge… Gegen Menschen die ich liebte. Auch wenn ich es nicht wollte. Gar nicht… Doch ich habe es getan… Es ist meine Schuld. Nicht die von jemand anderem.

Es war immer meine eigene Schuld.

Der Finger zeigt auf mich: „Durch meine Schuld. Durch meine Schuld. Durch meine große Schuld…“

Hier schließt sich die Türe.

Ich entwinde mich aus Alex Umarmung.