Juli Zeh lügt

Gerade lesen wir – in diesem Fall wirklich WIR – Bücher von Juli Zeh. Meine Freundin liest „Spieltrieb“, dass sie aus meinem Bücherregal genommen hat, ich bin an Zehs neuem Roman „Unterleuten“, welches bald irgendwo im gleichen Regal stehen wird.

Ich mochte „Spieltrieb“ nicht wirklich, auch wenn ich es nicht ganz furchtbar fand. Danach hatte ich aber auch keine Lust weitere Werke der Autorin zu lesen. Ein paar Jahre später sah ich sie auf Kulturzeit und da kam sie zwar nicht gerade sympathisch doch sehr „authentisch“ 😉 herüber. Also warum der Autorin die einen klaren, fast schon wuchtigen Charakter ausstrahlt (nicht von der Optik, liebe Sexisten) nicht noch einmal eine Chance geben?

Meine Freundin findet „Spieltrieb“ auch nicht so toll. Es is gut. Es ist lesenswert. Es ist jedoch auch viel zu konstruiert. So spricht kein Jugendlicher mit einem anderen, auch kein Hochbegabter mit einem anderen – und meine Freundin muss es wissen, denn sie ist und war hochbegabt und geht jedes Jahr zu deren Big Jahresevents, die dann auch gleich ein ganzes Pfingstwochenende andauern. Für mein Befinden ist es nicht einmal ein Problem das die Bücher so konstruiert wirken – jedes Buch ist eine Konstruktion – es ist viel mehr das Gefühl das man auf jeder Seite (nicht gleich in jedem Satz) das Gefühl vermittelt bekommt, dass sich die Autorin für ach so klug hält.

Das merkt man auch in ihrem neuen Roman über das Dörfchen „Unterleuten“, in welchem sie verschiedene Parteien einer Dorfgemeinschaft als quasi reduzierten (oder doch aufgeblähten) Gesellschaftsroman darstellt. Sie paktiert mit ihm, der mit dem. Und die einen und die anderen haben schon seit Jahrzehnten Streit weil sich kein Mensch die Zeit gibt nach der wahren Kausalität der Menschen zu fragen: Warum bist du wie du bist und warum machst du daraus aus mir der, der ich bin?

Das macht sie gut. Wirklich. Das ist auch lesenswert und unterhaltsam – aber es liest sich insgesamt wie eine große Lüge, die aus kleinen Wahrheiten aufgebaut ist. Juli Zeh lügt und ich denke nicht, dass sie das aus böser Absicht macht. Es sind Notlügen um ein großes Konstrukt darzustellen, dass man bei einem groben Blick auf die Situation so deuten mag, nur entspricht es nicht der Wahrheit. Die Menschen sind zwar auch so, sie sind es nur nicht.

Ich weiß gar nicht warum mir das immer bei der Frau Zeh so übel aufstößt. Wahrscheinlich liegt es daran, wie groß sie doch im Kleinen scheitert.

Fairerweise muss ich sagen, dass ich erst zweidrittel des Buches gelesen habe und falls sie mich noch überzeugen sollte, werde ich mich gerne entschuldigen und meine Meinung ändern. Denn ebenso wenig wie man ein Buch nach seinem Umschlag beurteilen sollte, darf man ein Buch nicht nach seinem Anfang beurteilen. Nur. Der Ton der Erzählung ist jedes Mal so überlegen, so strukturiert, dass es mich wundern würde wenn es noch zu echten Überraschungen kommen kann.

Deswegen lesen „die Leute“ diese Bücher. Diese Bildungsbürgerbücher. Weil sie sich und ihre Intelligenz bestätigt fühlen. Sie mögen diese Klischees, so wie andere Kunden wegen ähnlicher Figurenzeichnungen „Fantasy“-Romane verschlingen; man fühlt sich und sein Weltbild bestätigt. Ich weiß nicht einmal ob das schlimm ist. Ich könnte nicht einmal sagen, ob das bei anderen Autoren überhaupt anders ist, geschweige denn anders sein kann. Nur bei Zeh fühlt es sich so offensichtlich an. So Kopfgeboren. Notlügen eben.

Bei den Amazon-Bewertung zu „Unterleuten“ habe ich gerade beim Überflug den Satz gesehen: „So hätte es seien können.“ Ja. So ist es. So war es nur nicht. So ist es mit der Meinung zu „Unterleuten“ genauso, wie es sich mit den Figuren und der Handlung in dem Roman verhält.

 

Nachtrag:

In Wahrheit ist es nicht mehr als eine schnöde Kopie von Stephan Kings „Needful things“ nur ohne Teufel u auf pseudo intellektuell gebürstet…