Junge Leute und Techno im „Terminal 7“ in Paris – ein Erlebnisbericht

Eine Reise ins Ausland kann einem den Glauben an die Menschen zurückgeben. Sicherlich, das sind große Töne. Für ein paar Tage fühlte es sich trotzdem danach an. Ich wollte nie nach Frankreich. Meine Freundin dagegen schwärmte davon. Und als ich das Interview im Spiegel zur großen Macron-Grundsatzrede zu Europa gelassen hatte, dachte ich mir: Okay. Dieses Frankreich von Macron würde ich gerne sehen.

Manchmal bekommt man das wonach man sich sehnt.

Unser erster Eindruck von „Macrons Frankreich“ war der Bahn-Streik. Fährt unser Zug? Fährt er nicht? Und falls doch, wie lange würden wir von Stuttgart tatsächlich brauchen? Das Einzige was wir schließlich von der ganzen Sache mitbekamen, war eine Flasche Wasser, die uns die streikenden Bahner nach der Ankunft in Paris schenkten. Wegen den Unannehmlichkeiten. Welche Unannehmlichkeiten?

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Macron sprach in dem Interview auch und viel davon, dass es gerade die jungen Menschen gewesen wären, die ihn gewählt hätten und sie seien es, die sich ein starkes Europa mit einer großen Zukunft wünschten. „Geschwätz“ dachte ich. Typisches Politiker Blahblah. Umso überraschter war ich, Tausende junge Franzosen im ersten Bezirk zu sehen, die friedlich und außerordentlich gesittet vor dem Louvre auf den Grünflächen saßen und quatschten. Nicht nur dort. Überall am Uferverlauf der Seine saßen junge Leute wie Perlenschnüre aufgereiht und zeigten friedliche Präsenz. Das beeindruckte mich mehr, viel mehr als die schwer bewaffneten Soldaten, die durch die Innenstadt patroulierten und ebenfalls Präsenz demonstrierten. Frankreich ist immer noch im Ausnahmezustand. Na und? Die jungen Leute zeigten, dass sie keine Angst haben.

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Am letzten Tag ging es dann in das „Terminal 7“. Ein In-Club am Rande des ersten Bezirks. Google Navi wollte uns durch das Messegelände schicken, doch das war geschlossen. Weswegen wir durch die warme Pariser Nacht irrten. Dann trafen wir wieder junge Leute. Ja. Sie würden auch den Club suchen. Hier sei mal wohl nicht richtig. Ob wir mit ihnen mitfahren wollten? Ihr Auto stehe dort drüben. Man verständigte sich in diesem Wust aus Französisch und Englisch, der alle Vorbehalte aufhob und das Lachen wie Interpunktion benutzte. Gern fuhren wir mit. Wir hätten den Eingang zum Terminal 7 ohne sie nie gefunden. Es lag oben an der Straße. Ein Eingang ohne Schild. Da waren nur ein paar unscheinbare Metallgitter und Security-Leute. Neben einem gigantischen Billboard. Hier verloren wir kurz unsere neuen Freunde. Folgten dann aber hinab über die Autozufahrt, die extra für die Clubfahrt gesperrt wurde – wahnsinnig schön urban war das, ich liebe das ja, diese Annexionen, die das Nachtleben manchmal vornimmt – dem Strom der Menschen. Rings herum um das Gebäude, hinauf, hinauf, über die Dächer von Paris. Ah. Da. Dort. Der beleuchtete Eiffelturm. Den konnten wir auch durch das Panorama-Fenster des Clubs sehen. Das Terminal 7 ist nicht der schönste Club der Welt. Doch mit Panorama-Fenster ist ja jede Klitsche geil. Siehe Berghain.

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Das Tollste hier drin war: Die Franzosen tanzten. Es war gerade einmal 10 Uhr abends. Ame war der Erste  von der Innervision-Posse den wir in dieser Nacht hörten – und er war richtig stark. Endlich konnten wir einmal wieder MIT den Leuten tanzen, nicht GEGEN sie. Denn ganz anders als im verhassten Berlin, wo man sich für zu cool zum verschwitzten Tanzen hält und sich eigentlich nur darüber freut, HINEIN GEKOMMEN ZU SEIN, lachten und tanzten die Franzosen, als gäbe es keinen Morgen. Die Getränkepreise waren auch so. 10 Euro für ein Bier. Für Paris normal. Also gib mir doch bitte gleich einen Cocktail, junge Dame. Ich. War einer der wenigen die überhaupt noch mit Bargeld bezahlten. Ganz anders als bei uns.

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Draußen fanden wir dann auch unsere neuen Freunde wieder. Denen man gefälschte, weil bereits entwertete Tickets verkauft hatte. Bei einer Zigarette wurde über Techno schwadroniert; im „Concrete“ sei es viel geiler. Dorthin gehen die hippen Pariser. Während die Mädels sich umarmten, lachten und Facebook-Freundschaft bestätigten. Zeit für das Gruppenbild. Dann alle wieder rein auf die Tanze. Lachen, schwitzen und abgehen. Freundlich. Nett. Schön. Und als i-Tüpfelchen noch die Frage, ob wir Teile wollen würden? Ich: Ich würde ja gerne, aber… Und so hatten wir von den wildfremden Leuten jede Aufmerksamkeit bekommen, die man als Fremder so gerne hat: Sie haben uns mit ihrem Auto mitgenommen, haben uns Zigaretten geben, Kontakt-Daten ausgetauscht und gleich auch noch Drogen angeboten – das geschah innerhalb von 2 Stunden.

Später legte dann noch Dixon auf. Genau. Der Dixon. Bekannt von den resident advisor Wahlen.

Es war also eine sehr geile Nacht. Und ja. Wenn man das Geld hat. Und die Lust. Und das Herz am richtigen Fleck. Dem kann ich Paris nur empfehlen.

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Absolution – 17 – Die Jagd

Ihre Augen und Ohren sind Messerklingen. Sie wissen: Im Dschungel ist man nie nur Jäger oder Gejagter. In der Natur ist man immer Beides zu gleichen Teilen. Dein Jagdgebiet ist auch immer das Jagdgebiet einer anderen Art. Denn selbst wenn du nicht der natürliche Feind eines Tieres bist, können die Umstände dich zur Bedrohung werden lassen, auf die reagiert werden muss. Tiere in Freiheit sind immer auf der Hut. Sie leben kein entspanntes Leben wie eingesperrte Tiere, deren Gefangenschaft von vielen Menschen als „Entartung“ verteufelt wird. Dieser Gedankengang hat seine Berechtigung. Doch im Umkehrschluss muss verstanden werden, dass „freie“ Tiere im ständigen Stress des Überlebenskampfes gefangen sind. Die Sicherheiten die gefangene Wildtiere buchstäblich zu Tode langweilen, kennen sie nicht. Jeder. Moment. Könnte ihr letzter sein. Ebenso für Paco und Paul. Ihnen ist bewusst dass man seine Augen nicht nur auf sein Ziel richten darf. Es ist wie beim Segeln: Eine Hand für das Boot – und eine Hand für dich.

Vor einigen Minuten hatten sie eine kleine Familie von Dschungelschweinen entdeckt. „Pekaris“ oder „Nabelschweine“ wie sie auch bezeichnet werden. Pauls Unterbewusstsein hatte keine Ahnung, woher er diese Tiere kannte. Dennoch gab es keine Debatte darüber, dass Paco und er wussten, dass diese Tiere nicht nur außerordentlich wohlschmeckend waren, nein, die Beiden waren auch auf das Fell der Pekaris scharf, dass sie zu einem wunderschönen Leder verarbeiten konnten. Aber noch. Hatten sie die Beute nicht erlegt. In Gegenden wie diesen war es besonders schwer Tiere wie diese zu erlegen. Denn die Nabelschweine die in solchen Gegenden leben, die so unwegsam und unübersichtlich waren, neigten zu einer gesunden Form der Nervosität. Fast alles konnte hier zu ihrem Schicksal werden.

 

Paco ist ein Jäger von Weltformat. Er wusste aus welcher Windrichtung man sich solchen Fluchttieren nähert, wie sie im Falle eines unbedachten Geräusches der Jäger reagieren würden. Wie man die Eigenarten solcher Tiere am Geeignetsten gegen sie ausspielen konnte. Zu jeder Jagd gehört Glück. Pacos Fähigkeiten minimierten den Bedarf dieser Ressource auf ein Mindestmaß. Seine Bewegungen sind so formvollendet, dass sie kaum zu erkennen sind, sei es in seiner Geschwindigkeit, sei es in seiner Finesse. Zu oft hatte er Tiere verscheucht, um nicht zu wissen, wann man sich nicht bewegen darf. Zu oft war ihm die Beute entkommen, um nicht gelernt zu haben, wann er schnell sein musste.

Paul fühlt sich mit ihm auf Augenmaß. Hier. In ihrer natürlichen Umgebung  waren die beiden Jungen eine tödliche Symbiose. Sie waren nicht wie die europäischen Jungs in ihrem Alter. Ihr Körper kannte kein Fett. Ihr Blut keinen raffinierten Zucker. Videospiele wären in dieser Welt nicht weniger als Hexenwerk.  Diese Jagdmomente waren ihr „fun“. Dies hier. War ihre Feirerei. Und ein Tier zu erlegen war ihr Ecstasy.

Die Mutter der Nabelschweine hat sie noch nicht bemerkt. Jedoch war sie unruhig. Sie weiß in ihrer Seele, dass Gefahr im Anmarsch ist. So wie sie ein aufziehendes Unwetter spüren kann. Langsam. Noch langsamer als langsam. Nähern sich die befreundeten Jäger dem Muttertier und ihren drei Jungen. Ihre Füße gleiten durch den feuchten Dschungelboden. Immun gegen die Bisse der Insekten um sie herum. Ihre Arme mit den erhobenen Speeren kennen keine Schwäche. Ein wenig. Nur noch ein paar Meter. Dann würden die beiden Freunde als Helden in ihr Dorf zurückkehren. Pekaris gelten zwar nicht als die ehrenvollste Beute die ein tapferer Jäger erlegen konnte, doch ihr wohlschmeckendes Fleisch  würde über jeden Zweifel erhaben sein. Nur noch ein paar Minuten. Ein paar kleine Meter… Der Stoß ihrer Speere musste nur stark genug sein. Es war fast unmöglich mit einem Wurf ein Tier so sehr zu verletzten, dass es an Ort und Stelle verenden würde. Doch ein starker Stoß an die richtige Stelle, konnte ihnen die mühsame Verfolgung ersparen. Es gelang. Als das Muttertier erlegt ist, ist es ein leichtes die zwei sehr jungen Tiere zu erbeuten; ein Jungtier verloren sie aus den Augen und es war nicht mehr zu finden. Die beiden Jungs sind zufrieden. Sie brauchen keine vielen Worte. Ihr lachender Blick ist genug der Feier. Da hebt Paco seine Hand: Da ist noch etwas. Da ist noch ein Geräusch.

 

Kokain beendet zuverlässig jeden LSD-Trip

1: Du magst echt keinen der Marvel Filme? Da gibt´s aber echt Qualitätsunterschiede.

2: Am Anfang fand ich das auch ganz nett. Aber es ist halt Unterhaltung für Teenager.

1: Hm. Na ja. Ich fühl mich mit 44 auch durchaus noch angesprochen.

Was will man darauf antworten? Bei solchen Themen nagt so viel an mir. Wieso mögen wir es wie Teenager abgespeist und behandelt zu werden? Weshalb werden das „Erwachsenwerden“ und die damit verbundene Zeit so überschätzt? Ich will mich selbst nicht wie einen Teenager behandeln.

Jetzt aber mal langsam Fleming. Gerade du. Der große Manga-Leser und Keine-Kinder-Haber. Der ehemalige Drogen-Typ mit dem Peter-Pan-Roman. Was weißt du schon über das Erwachsen sein? Das ist ein Punkt. Aber ich will mich halt auch nicht füllen als sei ich für dumm verkauft worden. Und Marvel-Filme sind für mich genau das. Das sind nur Achterbahnfahrten. Zirkus-Attraktionen. Kleinste gemeinsame Nenner. Bei denen jeder ohne große Mühe „mit kann“. Waren die nicht immer das Schlimmste gewesen? Diese Dinge, auf die sich alle einigen konnten? Das ist wie „Deichkind“. „Die Ärzte“. Oder „Herr der Ringe“. Niederste Instinkte werden befriedigt. Banalste Triebabfuhr. Degeneration der Ansprüche. Von 9 bis 99. Die nie versiegende Lust auf Nutella auf dem Brot…

Irgendwo habe ich in den letzten Wochen einen Text darüber gelesen, dass es ein Irrtum sei dass es Routine geworden ist das jede Generation von Jugendlichen gegen ihre Eltern rebelliert. Die einzig wirkliche Generation der Revolution war die der 68ger gegen ihre Eltern. Das muss man ihnen zugestehen. Auch wenn diese Revolution grandios scheiterte. Was danach kam waren nur kleine rebellische Phase: Punk. Metal. Techno. Das waren nur Pop-Zitate des Urgedankens. Und wenn der Jugendliche dann doch nicht mit dem Leben klar kam, hat man lieber schnell Mama und Papa um Rat gefragt, was man am besten tun soll um diese und jene Situation zu meistern. Die Eltern als Vermögensberater der eigenen Möglichkeiten. Nur die Träume werden immer weiter geträumt. Der Traum von der ewigen Jugend. Den Papa, Mama und Tochter/Sohn kollektiv und Händchenhaltend bis an ihr Lebensende träumen und glorifizieren: Ja, wir sind die Macht, wir sind die Jugend… Wir sind das Beste aus beiden Welten: Jung und alt in einem Körper vereint…

Und glauben weiter an die Supermänner. Und glauben dass es schon eine Form von Fortschritt ist, wenn wir nun auch Superfrauen glauben dürfen. Die uns Alle retten… Während die Überbevölkerung und der Klimawindel uns langsam ausrotten. Wie eine Lawine. Die sich verzagt und müßig in Bewegung setzt. Um am Ende alles unter sich zu be….

Letzte Woche war ich bei meinem Freund. Wir nahmen LSD. Lagen total breit auf seinem Kanapee herum und sahen uns Filme an. Irgendwann dachte ich, ich müsse nachhause. Ich begann Cola zu Trinken. Zuckerhaltige Getränke helfen es einem den LSD-Film zu beenden. Der Grund dafür war, dass ich keine Lust darauf hatte alleine daheim verplant in der Gegend herum zu denken. Mein Freund bot mit eine Line Kokain an. „Koks beendet zuverlässig jeden LSD-Trip“, erklärte er mir. Und er hatte Recht. Ich war sofort runter von der psychedelischen Droge. Koks schlägt LSD. Was sagt das über die Hippies aus? Über die Träume? Über Mama. Papa. Über deine Tochter. Über uns?

Juicy Beats Festival im Dortmunder Westfalenpark – Rückblick 2017

Was sind die Dortmunder nur für Proleten? Auf der Hinfahrt im RE hatte ich ehrlich das Gefühl, dass die Proletisierung des Abendlandes im Ruhrgebiet vor ihrer Vollendung steht. So eine Aussage ist vor allem eines: Ziemlich unfair. Besonders wenn man wie ich ein Fan des BVBs ist und es (fast) die gleichen Leute sind, die den Verein mit ihrer Verve nach vorne peitschen. Wie hätte es der Herr denn nun gerne? Es war aber auch wirklich furchtbar mit diesen ganzen Jugendlichen und ihren Mischgetränken nach Dortmund rein zu fahren. Lauter dicke Frauen mit Blumen in den Haaren. Und die üblichen Dortmunder Discopumper. Nicht dass ich was gegen beleibtere Frauen und ihre Assis hätte. Nur so komprimiert in einem engen Raum. Mit Boxen an und volle Röhre Chart-Musik: Anstrengend.

Auf dem Festival selbst gab es nur an der Hauptbühne eine große Proletendichte. Dort. Wo der moderne Hip-Hop graust. Ja ja. Ich bin ein alter Mann. Doch das ändert nichts daran, dass die Herren von RAF Camora keinen Flow haben. Das konnte man sich ja gar nicht anhören. Obwohl ich mit deutsch oder anderssprachigem Hip-Hop nichts anfangen kann, war ich schon auf einigen Hip-Hop-Konzerten. Und deswegen mute ich mir auch das Urteil zu, dass die Jungs zwar nicht rappen können, die Menge aber ganz gut bespaßt haben.

Wir waren eh nur wegen Bilderbuch da. Die kamen da gleich am Anschluss. Zwar wollte ich auch Sinkane hören, leider sagten die ein paar Wochen vorher alle Auftritte in Europa ab, ohne einen Grund zu nennen. Also musste Bilderbuch es richten. Und sie waren ziemlich gut. Die Combo hat eh ihren ganz eigenen Stil, so irgendwo zwischen Pop, Hip-Hop und Disco, der zur Zeit ziemlich einzigartig ist. Nicht zu vergessen diesen besonderen Charme den die Österreicher nicht nur auf Platte versprühen, sondern auch bei ihren Live-Auftritten. Eine Stunde Bilderbuch hat Spaß gemacht – gleich Karten für die nächste Club-Tour gekauft. Sie spielten alle ihre Hits. Wir schmoften und tanzten da so herum. Auf dem Hügel. Abseits der Meute. Lachten. Stießen an. „Frinks!“ Maurice ist einfach ein super Frontmann. Und diese Gitarre dazu: Weltklasse.

Das „Juicy Beats“ wird im Westfalenpark in Dortmund abgehalten. Ich war da auch schon mal so, absolut geniale Location. Mit fast schon unzähligen Bühnen auf den tausenden Quadratmetern. Dutzenden Fressbuden und Bars. Ein absolutes Big-Event. Wenn nur. Leider leider leider. Das typischste aller Festival-Probleme nicht gewesen wäre: Zu wenig Toiletten. Als Mann konnte man natürlich an jeden Busch gehen. Als Frau hatte man da richtig ein Problem. Eine halbe Stunde (!) für einen Toiletten-Besuch anstehen geht halt leider gar nicht. Und ich habe und hatte noch nie ein Problem wenn die Damen auch die Männer-Häuserl benutzen. Nur wenn die besoffen Tussis einem bei der Gelegenheit auf den pissenden Schwanz starren und sich dann mit ihren Freundinnen darüber unterhalten, ist das einfach nur – siehe oben – absolut asozial.

Ansonsten war es ein schöner Festival-Tag. Auf der Second-Stage spielten die Mights Oaks ihren Indie-Kram. Ich ging dann aber doch lieber zum Kitt-Ball-Floor. Da legte nämlich Dirty Doering auf. Und dass sehr gut. Der Kater-Mukke-Betreiber haute ein sehr tanzbares, kickendes Set raus. Schön mit House so zwischen drin. Nicht zu hart. Aber auch nicht zu egal. Das hat mir seit langer Zeit wieder Spaß beim Tanzen bereitet. Und dort in der Nähe gab es auch Jägermeister. Sehr schön.

Wir blieben nicht allzu lange auf dem Festival (es war der letzte Urlaubstag) und so hörten wir uns auf der Second Stage noch „Alle Farben“ an. Als altes Techno-Urgestein hatte ich gleich gar keine Probleme mit seinem „Electro“-Set (wenn man es denn so nennen will. Oder Deep House… Das war einfach nur House). Kommerziell. Okay. Aber doch nicht mit zu viel Törööö oder sich aneinander reihenden Drops. Hat mich an den Sound von Low Spirit aus den Nuller Jahren erinnert. Mir doch egal wie viel Milliarden Klicks der mit seinem Radiogedudel der „Alle Farben“ auf Youtube hat. Uns. Hat es Spaß gemacht. Ganz ohne Kulturkampf.

Uns entging dann noch Lari Luke a.k.a. Larissa Rieß. Die hätte ich mir gerne auf dem Silent-Floor angehört. So mit Kopfhörern. Das wäre sicherlich lustig gewesen, wenn der alte Herr nicht schon viel zu platt gewesen wäre.

War eine okayne Party mit wirklich viel zu vielen überall verstreuten Bühnen. Mit zu viel Proleten auf und an der Hauptbühne. Aber was soll es? War ein guter Tag. Heja BVB.

Und ich fand es lustig dass es nur Schwarze waren die dort mit Rucksack Bier verkauften. Da wurden endlich mal neue Klischees geboren. Nette Jungs.

Wenn die Tiere aufhören zu sprechen

Was machen Kindern wenn sie spielen? Sie trainieren es erwachsen zu sein. Zwar macht ihnen ihr Spiel Spaß und es unterhält sie, doch sie loten auch die Realität aus. Noch können Tiere sprechen. Noch können Menschen fliegen. Noch sind Männer stärker als Frauen. Aber nach und nach drängt sich immer mehr der erlebte Alltag, immer mehr Wirklichkeit in ihr Spiel. Die Traumwelt wird realistisch.

Sind die Kinder dann alt genug, hören sie auf zu spielen. Auch ihr Umfeld sagt: Jetzt ist Schluss mit der Spielerei. Dafür bist du zu alt. Jetzt kommt der Ernst des Lebens. Genug trainiert also. Schluss mit den Träumen. Und setz das um was du gelernt hast: Ein Mensch der Gegenwart zu sein. Und das bedeutet  nur noch Spiele zu spielen, die unterhalten, die aber jegliche Form von Traum verbieten. Träume lernen nicht fliegen. Im Gegenteil.

Wir müssen aufhören die Kindheit und die Jugend zu idealisieren.

Das ewige Leben

Ich habe mir gestern den Film „Das ewige Leben“ mit Josef Hader angesehen, ganz, obwohl ich nur die Anfangssequenz sehen wollte. Der vierte Film um Simon Brenner (gespielt von Josef Hader) beginnt damit, dass der Brenner am Bodensatz der Gesellschaft angekommen ist. Er ist seit Jahren arbeitslos, ist nicht mehr sozialversichert, hat kaum Anspruch auf Rente und ist selbstverständlich finanziell total abgebrannt. Familie hat er auch keine die sich um ihn kümmern könnte, doch beim Thema „Familie“ erinnert er sich an ein altes Haus welches er geerbt hat, in Graz, zu welchem er in der erwähnten Eröffnungsszene mit dem Zug fährt.

Es schüttet wie aus Kübeln und als der bis auf die Knochen durchnässte Brenner das Häuschen erreicht, hat dieses ein Loch im Dach (durch das es natürlich hineinregnet) und keinen Strom. Er setzt sich an den dunklen Küchentisch, blickt ins Nirgendwo, und setzt dann, um im Haus wenigstens etwas gegen die Kälte zu unternehmen, seine Wintermütze auf. Dann wird der Titel des Filmes eingeblendet, quasi als Kommentar zur Szene: „Das ewige Leben“.

Dieses Bild fand ich schon damals im Kino ungeheuer traurig und stark.

Gestern fragte ich mich, wieso wir das überhaupt wollen: Ewig Leben. Denn unterbewusst leben wir so, als würden wir es ewig können, dieses leben,  auch wenn wir es vielleicht gar nicht bewusst wollen. Alle wollen krampfhaft lange leben, ganz egal wie lebenswert dieses Hiersein überhaupt ist. Oder ob es. Sich dabei nicht eher um einen Fluch handelt. Dieses scheinbar ewige Leben.

Wenn man jung ist hält man sich für unsterblich. Man denkt nicht allzu viel über die Zukunft nach und geht an seine Körperlichen und Physischen Grenzen, ohne Gnade und Rücksicht auf sich selbst; man nimmt die Verluste gerne in Kauf. Wenigstens war das in meiner Jugend so. Vielleicht war das noch eine andere Generation. Keine Ahnung. Oberflächlich wird heute auf jeden Fall viel mehr vernünftelt.

Die Zukunft und die mit ihr verbundenen Probleme sind weit entfernt und man denkt recht wenig an die unterschwelligen Ergebnisse seines Handelns. Zwar habe ich immer gewusst, dass mein Tun Konsequenzen haben würde, richtig geglaubt habe ich es aber nie. Wer wollte schon ernsthaft 50 werden?

Am liebsten wäre ich einfach mit 27 tot umgefallen. Ein finaler Schlag gegen mich Selbst, oder anders ausgedrückt: Die Erlösung.

Dieses Feeling von damals hing damit zusammen, dass ich mit mir und meinem Leben unglücklich war und ich es mir schwer mit allen möglichen Mitteln „besorgte“, um die Trauer und den Schmerz zu überspielen, nicht das Leben zu leben, das ich gerne hätte. Unterbewusst wollte ich vielleicht gar nicht mehr leben, auf jeden Fall (und ganz sicher) nicht ewig. Das Leben läuft in Wellen ab, in Phasen, und das ist kein Geheimnis. Irgendwie weiß das jeder, dass es gute und schlechte Tage gibt, sehen und verstehen will das dann aber auch irgendwie kaum jemand. Bist du in einer schlechten Phase, glaubst du, dass es nie wieder besser werden kann, und auch in guten Zeiten bist du blind für das Unglück, welches vielleicht schon vor deiner Türe steht. Ich wusste nie wo ich in 5 Jahren bin.

Die Freunde um mich herum bekamen Kinder, finanzierten Häuser, bauten sich ein bürgerliches Leben auf, und ich blieb immer 20 Jahre alt und goss die Kübel meines Daseins achtlos ins Nichts. Was für eine überschwänglich gute und sorglose Zeit, und doch: Was für eine Verschwendung.

Jetzt sitze ich da, mit meinem abgenutzten Körper und schon jetzt mit den Folgen meines Tuns (kaputter Rücken, meine nervöse, unausgeglichene Art) und will mich gar nicht mehr verschwenden, sondern im Gegenteil, alles festhalten und gutmachen, was ich verschwendet habe, nur leider kann man ausgeschüttetes Wasser nicht mehr mit den Händen zurück in den Eimer kratzen.

Mir tut es nicht leid was ich 13 Jahre meines Lebens getan habe, ich würde es aber gerne anders gemacht haben, schonender, angenehmer, für mich und für die Menschen, die mich heute ertragen müssen. Die Zeit kann man aber nicht umkehren. Wohl aber kann man daran arbeiten.

Ich sehne mich nach der bürgerlichen (wenn auch nicht gleich konservativen) Ruhe die ich so lange so sehr abgelehnt habe und freue mich auf ein besseres, geordneteres Leben. Ironie, Ironie. Nun wo ich schon lange, aber immer noch glücklich, verliebt bin, will ich plötzlich ewig leben. Und spüre doch jeden Tag auf eine andere Weise, dass das nicht der Fall sein wird.

Das Leben ist Fluch und Glück zugleich. Und man braucht jemanden im Leben, um das eigene Dasein in den koordinationslosen Gewässern der Möglichkeiten auf Kurs zu halten. Das Leben braucht einen konstanten Sinn. Denn egal was für überbordende Erfahrungen du einmal gemacht hast. Du kannst sie doch nicht mitnehmen. In das Später. Wenn du alt, greise und wund an deinem Küchentisch sitzt und das scheinbar ewige Leben als Last, oder aber als schöne Offenbarung erlebst. Denn auch in Zukunft zählt nur das JETZT, und ob es lebenswert ist. Genauso wie mit und vor 20 Jahren. Nur gab es damals eine Gegenwart ohne Vergangenheit. Heute und in Zukunft wird es nur eine Gegenwart durch Vergangenheit geben. Und ich freue mich darauf. Und bin dankbar, dass der Zug noch nicht abgefahren.

Und zum Glück.

Will ich immer noch nicht so sein, wie die anderen.

Discopumper

Sieht man sich die heutigen männlichen Jugendlichen auf einem „Rave“ (Unwort) an, sehen sie aus wie aufpumpte, überstylte, homosexuelle Proleten-Langweiler aus den 90gern.

Es ist fast so, als hätten sich die Stylisten der Gegenwart, die Gogo-Tänzer aus alten Love Parade Umzügen als Vorbild genommen, um der Jugend von heute ein Idealbild von Männlichkeit vorzugaukeln, um zu sagen: So hat man auszusehen. Leider wurden diese „Parade-Menschen“ in den 90gern vom Fernsehen dafür bezahlt um so auszusehen, und so sehen die Jungen heute aus: Wie vom Fernsehen gekauft. Von RTL 2.
Und wie es so will hat die Jugend für sich selbst einen ironischen Begriff parat: Discopumper. (sprich Jugendliche/Männer, die nur ins Fitness-Studio gehen um ihre Muskeln für die Disco aufzupumpen)

Homosexualität ist nichts Besonderes mehr, gut so! Die Rechte wurden hart erkämpft und schwer verdient. Und kaum jemand würde heute noch den heilsamen und kreativen Einfluss von queerer Mode und Lebens-Stil auf unsere Gesellschaft leugnen. Wieso aber muss man als Hetero sämtliche männliche Attribute über Bord werfen und diesem queeren Chick huldigen? Wieso will man überhaupt wie ein „Berlin – Tag & Nacht“-Prolet aussehen?
Oder anders gefragt: Wenn man schon Vorbilder braucht um sein Ego zu definieren (haha), wieso sucht man sich keine richtigen?

Es geht nicht darum als Mann wieder mehr Macho zu sein. Das ist zu kurz gedacht. Männer sind mehr als nur Weicheier oder Machos, ganz egal was dir dein Testosteron einflüstert.
Männer sollten komplett sein.

Das Problem mit den Discopumpern ist leider, dass sie sich stylen wie Homosexuelle, und sich dabei fühlen wie Machos, ja, Homosexuelle nicht einmal als Menschen zweiter Klasse durchgehen lassen und verspotten, wenn auch nicht mehr so krass wie ihre großen Brüder davor… Die Verpackung ist mal wieder nicht der Inhalt.

Der Look von Männer und Frauen wird sich immer ähnlicher. Das finde ich im Prinzip sehr gut. Wieso aber muss das Mittelding zwischen Mann und Frau die gestylte Schlampe sein – und nicht ein Hybrid mit Stil und Klasse?
Ihr tragt Esprit – habt aber keinen…

Fitness ist ne gute Sache. Man sollte aber nicht nur Gewichte stemmen, sondern auch ein paar Bücher. Hört doch mal ein paar Hörbücher auf dem Stepper…