Israel – ein sicheres Urlaubsland? Ein Erlebnisbericht

Diesen Urlaub zusammenzufassen wird verknappt nicht möglich sein. Sie können also ruhig die Sicherheitsgurte öffnen, die Sitze verstellen und diese Reise auf mehreren Etappen angehen. Das zieht sich jetzt. Ich werde dabei nicht nur einen, sondern zwei Einträge zu unserem Israel-Urlaub schreiben. Jetzt zum Thema „Angst und Sicherheit“. Und das andere Mal über „Party und das schöne Leben“.

 

„Sicherheit“ war vor grob einem Jahr auch das Thema, warum ich begann mich für Israel zu interessieren. Es war die Zeit der ungezügelten Zuwanderung (keine Anführungszeichen) und niemand in Deutschland konnte wirklich sagen, was in den nächsten Monaten geschehen würde und was in den Jahren noch auf uns zukommt, welche Herausforderung die sogenannte „Flüchtlingskrise“ uns noch bringen würde und wird (nebenbei: Krisen sind normalerweise kurzzeitige Ereignisse die enden. „Krise“ ist hier „Neusprech“ und in diesem Fall sind schnelle Lösung  wohl nicht zu erwarten).

Wir wissen das „Köln“ passiert ist und wir wissen auch, dass der Begriff „Köln“ keiner weiteren Erklärung bedarf, wenn man mit den Geschehnissen des Jahres 2016 vertraut ist. Ich fragte mich damals, wie unser Land auf solche Ereignisse reagieren würde und die folgenden Anschläge und Terrorakte der letzten Monate, die in ein befestigtes Oktoberfest mündeten, bestätigten mich in unserem längst gefassten und gebuchten Entschluss, nach Israel zu reisen. Dabei ist es ganz gleich wie man nun zum Staate Israel steht: Jeder muss zu geben, dass dieses Land die meisten Erfahrung mit dem Umgang mit Terror im Alltag und dessen Bewältigung besitzt.

Kann oder muss unser Land, unser Europa auch so werden wie Israel?

Das war meine Fragestellung. Und weiter: Ist dieses sogenannte „Heilige Land“ überhaupt so, wie es uns die Tagesschau unser ganzes Leben lang eingeredet hat?

Einen Urlaub in Israel zu machen kam und kommt für viele Leute in meiner Umgebung mit Wahnsinn gleich, denn seit wir denken können steht Israel für Terror, Mord und Schrecken. Eine No-Go-Area. In der es keine wirkliche Sicherheit gibt. Egal ob in Jerusalem – der heiligsten Stadt der Welt, an der vier Weltreligionen auf einem Quadratkilometer aufeinander kollidiere -, oder auch ein paar Stunden entfernt in diesem winzigen Land, sei es in Tel Aviv, Betlehem oder in Hebron. Oder was weiß ich wo. Treffen kann es dich überall. (Wessen Schuld das ist und die politischen Fragen lasse ich zuerst einmal außen vor. Hier geht es nur um die Tatsache, dass dieses Land so ist, wie es ist). Die Statistik zeigt aber auch: Erwischen kann es dich auch in einem Einkaufszentrum in München.

 

Nichtsdestotrotz waren wir davon überrascht, dass das Gate-F am Terminal 1 nach Israel am Münchner Flughafen nicht nur von Polizisten mit Automatischen Gewehren gesichert wird, sondern auch, dass das „Gate F“ weit, weit abseits vom normalen Flughafenbetrieb liegt und allen Anschein nach nur dafür erdacht und erbaut wurde, um potentielle und wirkliche Gefährder (tolles Neusprech) vom normalen Münchener Alltag fernzuhalten; es fühlte sich so an, als wäre der Plan das hier abseits des normalen Betriebes ruhig was passieren kann, ohne dass es noch mehr Opfer (Kollataralschäden) gibt, die dann gar nichts mit Israel zu tun hätten. Das war der erste Eindruck. Und es machte einen großen.

Die Einlasskontrollen  dabei waren normal. Gründlich. Aber normal.

Die nächste Auffälligkeit zum Thema Sicherheit war, dass wir eine dreiviertel Stunde (oder war es eine halbe?) vor Ankunft in Tel Aviv angegurtet auf unseren Sitzen bleiben mussten. Nicht das sonst noch jemand auf der Toilette eine Bombe baut.

Dann waren wir da.

Bei unserem ersten, abendlichen Spaziergang lernten wir sofort, dass Israel vor allem eines ist, nämlich teuer. Nicht alles, doch die meisten Waren dort sind selbst für mich als Deutschen nicht gerade billig. Mit Dienstleistungen sieht es dann wieder anders aus. Warum erwähne ich das noch unter dem Oberbegriff „Sicherheit“? Das liegt für mich auf der Hand: Wenn du in einem Land lebst das von Feinden umgeben ist, steigt selbstverständlich auch der Aufwand, um Waren sicher ein und aus zu transportieren, das kostet einfach.

 

Ansonsten merkt man in Tel Aviv nicht allzu viel von den unglaublichen Problemen, die dieses Land hat. Bis auf Kleinigkeiten (das war vom Feeling her so ähnlich wie bei unserem letztjährigen Besuch in Kiew. Wo wir vom Krieg auch so gut wie nichts merkten). Okay. In Tel Aviv wird vor manchen Einkaufszentren  von einer selbst bezahlten Security  in alle Taschen geschaut. Ebenso bei öffentlichen Einrichtungen wie Museen, wo die Besucher auch noch kurz wie am Flughafen durchleuchtet werden. Mehr ist mir jetzt nicht aufgefallen.

Die Menschen gehen dort mit einer geschäftsmäßigen Gelassenheit um. Es gehört zu ihrem Alltag, das ist halt so. Keiner macht großes Aufsehen und es herrscht der gelebte Konsens, dass wenn es der Sicherheit dient auch in Ordnung ist. Und das ist die israelische Antwort auf meine Frage, wie sie gelernt haben mit dem Terror umzugehen: Gelassenheit. Es ist schwer zu glauben dass „der Deutsche“ damit ähnlich umgehen könnte. Eines Tages hat aber auch jedes Volk dieses Denken in ihre DNA übernommen.

Der Israeli an sich ist ohnehin ein unglaublich netter und gechillter Kollege. Die quatschen dich freundlich an und sind sofort außerordentlich hilfsbereit, wenn du als Touri Probleme hast (da reicht es auch schon nur nen Stadtplan in der Hand zu haben und schon will dir jemand helfen). Gesprochen wird dort zwar hebräisch, doch bis auf die meisten Busfahrer 😉 sprechen so gut wie alle dort ein sehr gutes Englisch.

Befremdlicher weise lässt sich aber auch sagen, dass der Israeli ein sehr stressiger Zeitgenosse ist, gerade im Straßenverkehr. Kaum sitzt er in oder auf etwas das Räder hat, ist es vorbei mit der Chilligkeit und die Hupe gilt als einziges doch dafür dauerpräsentes Kommunikationsmittel (da wird wirklich an einer roten Ampel gehupt, damit der vor einem weiß, dass es gleich Grün wird und man dann bitte zügig weiterfährt…).

In Jerusalem sieht die Lage dann doch ein wenig anders aus. Nicht nur, da wir in einer Feiertagswoche dort waren, und an einem der 3 wichtigsten Feiertage der Judentums überhaupt. Am Busbahnhof (in Israel fährt man fast überall mit dem Bus hin) wird natürlich zu allererst der Rucksack durchleuchtet, dann darf man rein. Drinnen ist – und von diesem Klischee hat sicherlich schon jeder gehört – alles voller Soldaten und Soldatinnen.

Die Wehrdienstzeit in Israel beträgt (so wurde mir es gesagt und ich glaube das jetzt mal) 3 Jahre und betrifft beide Geschlechter gleichermaßen. Da sitzen dann also Teenager neben dir im koscheren Mc Donalds mit ihren Automatischen und Halbautomatischen Gewehren auf dem Schoß und schieben sich ihr Fast-Food-Essen rein. Die Flinte am Mann (oder bei der Frau), immer Einsatzbereit. Das Magazin dafür steckt nicht darin. Das liegt wie ein Spielzeug neben dem Smartphone.  Wie ein Mode-Accessoire. Da sitzt man dann also mit fast normalen Teenagern zusammen. Nur dass sie Armee-Kleidung tragen und bewaffnet sind. Komische Situation, doch auch daran gewöhnt man sich überraschend schnell. Man kennt es ja. Aus dem Fernsehen.

In der Altstadt von Jerusalem, dort wo die Weltreligionen aufeinander treffen, sieht man noch mehr Militär und Polizei, gerade wenn man an einem der wichtigen Feiertage des Judentums aufschlägt, so wie es bei uns zufällig der Fall war (und nein, das wussten wir vorher nicht). Wir kamen mit dem Taxi nicht einmal bis zum Eingang der heiligen Stadt und mussten uns erst mal den Weg suchen, da die Zufahrtsstraßen gesperrt waren. Sicherheit wohin man sah.

Wir. Die wir noch nie da waren, und wahrlich keine Helden sind, nein, im Gegenteil, die sich über alles Mögliche und manchmal auch Unmögliche Sorgen machen, wussten jetzt vorher auch gar nicht, ob man in der heiligen Stadt überhaupt so herumlaufen kann. Ohne Touri-Führer. Schließlich kannten wir fast nur Bilder von Blut und Mord aus Jerusalem und es war schon ein wenig mulmig dort hinzufahren. Es gab keine Warnung des Auswärtigen Amtes und von neuerlichen Messerattacken und Schießereien hatten wir auch nichts mitbekommen, dann würde doch auch nichts schiefgehen, oder?

Tat es auch nicht. An normalen Tagen kann man auch ohne Profi durch die Altstadt von Jerusalem flanieren. Dir geschieht als Tourist rein gar nichts. An normalen Tagen… Die Frage ist nur, welcher Tag ist normal und welcher nicht?

Wir hatten einen professionellen Guide dabei, der leider nur russisch sprach (dessen ich nicht fähig bin und ich auf eine Übersetzung angewiesen war) und so wurde das auf einer anderen Ebene für mich kompliziert, nicht auf der Gewaltebene. Aber ich muss zugeben, dass ich mich schon sicherer mit Jemanden fühlte, der auch im ERNSTFALL weiß was zu tun ist.

Viele Backpacker und Israelis mögen mich mit meinen deutschen Sorgen, mit meiner German Angst vielleicht auslachen: Macht nur. Ich wurde wie bereits oben erwähnt Jahrzehnte lang von Fernsehbildern zum Thema Jerusalem und Israel konditioniert, da hat man nun einmal gewisse Bedenken und Bilder im Kopf. Dagegen wollte ich mich nie wehren, denn das ist ja auch durchaus die Wahrheit die man da präsentiert bekommt, nur halt nicht die Ganze. Wenn man jedoch wissen will, wie es wirklich ist, muss sich halt selbst ein Bild machen. Deswegen würde ich unser Mütchen zu dem Thema zwar auch nicht zu hoch hängen, aber ich finde schon das eine gewissen unlogische Selbstüberwindung dazugehört, auf der Suche nach Erkenntnis in ein Land zu fahren, von dem man eingeredet bekommt, man kommt dort im besten Fall nur mit Kratzern raus. Die Wahrheit sieht ganz anders aus. Und die muss man erst finden. Wenn man sie denn finden will (uns geht es so gut in Deutschland, warum sich also den Stress machen?)

Wir hatten einen wunderschönen Tag in Jerusalem. Erfuhren viel über die Stadt. Ich habe an der Klagemauer zu  Gott gesprochen (im Gegensatz zum Islam darf im Judentum jeder zu den wichtigen Stätten ihrer Religion). War an dem Ort an dem Jesus Christus gekreuzigt und begraben wurde. Da fühlt man als Christ und als Mensch schon einen ganz besonderen Vibe. Das möchte ich nicht verpasst haben. Auch wenn gerade an einem Feiertag die Möglichkeit einer Eskalation der Gewalt potentiell höher war als gewöhnlich.

Wie gesagt. Ich schreibe noch einen zweiten Blog-Eintrag über Israel und da werde ich darauf eingehen, wofür das Land auch steht: Nette Menschen, Freundlichkeit, wunderschöner Strand und Lebensfreude.

 

Für jetzt und zum Thema Angst und Sicherheit verlassen wir das Land gleich mal wieder mit dem Rat, möglichst früh vor der Abreise den Flughafen von Tel Aviv aufzusuchen, denn die Sicherheitsvorkehrungen beim sichersten Flughafen der Welt benötigen natürlich Zeit, sie beginnen sogar auch schon auf der Autobahnzufahrt dorthin.

Zum normalen Check-In und der Passkontrolle kommen noch ein, zwei Stationen, bei denen du persönliche Fragen über dich ergehen lassen musst (Wer deinen Koffer gepackt hat. Ob du alleine reist. Wie lange du deinen Partner kennst. Und in unserem Fall sogar, ob wir zusammenleben. Ob man Waffen dabei hat). Man bekommt eine Karte mit einem Code für eine Sicherheitsschranke, und dann hat man es auch schon geschafft. Und ehrlich gesagt ist man nach einer Woche in Israel auch schon absolut daran gewöhnt, durchleuchtet und befragt zu werden. Nur die Vorstellung das unser Kofferschloss geknackt werden würde falls man beim Durchleuchten etwas VERDÄCHTIGES findet, sagte uns nicht zu.

Über die Politik Israels und ihr Verhalten zu den Palästinensern will ich mich eigentlich gar nicht auslassen, auch wenn ich zwangsläufig als denkender Mensch eine Meinung dazu habe. Wahr ist auf jedem Fall, dass wir in diesem Urlaub nur eine Seite der Medaille gesehen haben, und zwar die schön strahlende und leuchtende, die einen auch durchaus blenden kann.

Meine Freundin hat einen schönen Gedanken angestoßen, als sie meinte, dass Israel im Gegensatz zu uns die Probleme direkt vor der Haustür hat, während sie bei uns schön weit weg sind. Und da gebe ich ihr vollkommen recht. Man kann und muss vieles verurteilen was dieser Staat macht (Gaza-Streifen und/oder Siedlungspolitik – was da geschieht geht zum Beispiel gar nicht), man sollte jedoch auch ehrlich sein und begreifen, dass wir hier im Prinzip nichts anderes machen. Nur sind durch die Globalisierung das Leid und Elend das wir mit unserer Lebensweise und unserem Konsumverhalten verursachen weit weg. Ich will damit nichts relativieren oder schönreden. Dennoch ist es doch so, dass Israel auch eine Metapher für die erste Welt ist, die die restliche Welt beherrscht, kleinhält und ihre Lebensart aufzwingt. Aber wie würde ich bei uns wählen, wenn in Köln meine Freundin angegangen oder gar vergewaltigt worden wäre? Sicherlich ebenso rechts wie das die Israelis momentan machen, die durch ihren Scheißlangen Militärdienst und was sie dort erleben natürlich in eine poltische Richtung geleitet werden, aber auch unter der ständigen Bedrohung und echten Terror leben müssen.  Das Alles ist nicht so einfach. Man kann nicht einfach nur sagen, die sind die Bösen und machen alles falsch. Wir müssen wirklich den Balken im eigenen Auge erkennen, bevor wir den Splitter in den Augen der anderen bekritteln. Das ist nur leider viel zu leicht daher geschwätzt. Denn Gutmenschentum funktioniert halt manchmal leider nicht. Denn man darf nicht vergessen, dass Jerusalem eben auch ein Synonym dafür ist, dass verschiedene Religionen seit Jahrzehnten dort zusammenleben, und eben kein Multikulti daraus wird, sondern Generationen währender Hass…

Soweit für jetzt. Der Partyteil kommt demnächst.

(Dieser Beitrag enthält Fotos aus dem „TLV Museum of Arts“, zu denen ich keine Recht besitze)