Heimat Sharing- Ein Augsburger Bürger Bühnen Stück

 

Das Gegenteil von gut ist eben nicht immer nur gutgemeint.

In diesem (ich nenne es einmal: ) „integrativen“ Theaterstück traten 14 Laiendarsteller auf.  Diese brachten ihre einzelnen Lebenswege aus verschiedenen Bereichen der BRD, der Türkei, der Mongolei, dem Senegal, Rumänen und Russland   in die Stadt Augsburg. Die Grundfrage war: Was ist Heimat? Was bedeutet sie für mich? Kann man mehrere davon haben? Kann man Heimat teilen?

 

Jeder Selbstdarsteller (im positiven Sinn) erzählte ein wenig von seiner Lebensgeschichte und trat nicht nur als Einwanderer oder Zugezogener auf, sondern – viel wichtiger – als Mensch. Ja. Das Prinzip des Stückes war den Menschen hinter dem Etikett „Ausländer“ (besser: Nicht-Augsburger) erkennbar zu machen. Und es wurde auch der Frage nachgegangen, wie das so ist mit Augsburg und seinen Ausländern. Dabei wurde auch nicht an Kritik am provinziellen Augsburger gespart, aber auch nicht am Lob der ansässigen Bürger. Ein versöhnlicher Abend sollte es sein, bei dem Fehler eingestanden und benannt wurden.

 

Alleine schon die Form war sehr ansprechend erdacht: Durch ein Zufallslos wurde man verschiedenen Gruppen zugeteilt, durch die der Besucher in drei verschiedene Bereiche des Kultur-Theaters Abraxas geleitet wurde, in der die Leute aus den verschiedensten Regionen der Welt im kleinem Rahmen von ihren Erlebnissen mit Augsburg, Bayern und Deutschland berichteten, von ihren Erfahrungen mit dem öffentlichen Verkehrsnetz, der medizinischen Versorgungen bis hin zur unterschiedlichen Ernährung; der besondere Fokus lag selbstverständlich auf die Behandlung des Einzelnen durch andere Einzelne. Das war hart und nah dran am Menschen und es war so gut wie unmöglich sich den Sympathien zu entziehen, die in einem aufkommen mussten, wenn es so sehr menschelt. Das ist etwas sehr Gutes. Und das Symbol mit dem gemeinsamen Essen welches während jeder Episode gekocht und geschnitten wurde – welches man nach dem Stück zusammen mit den Darstellern verspeißen konnte – war ein so herzerweichend simples, klares und durchaus positiv naives Symbol, dass es nur funktionieren konnte. Ja. Man verstand die Leute, die hier in erster, zweiter oder dritter Generation in Augsburg waren, ein wenig besser und auch wenn man sich ihnen nicht krass verbunden vorkam, verstand man deren Zweifel und Probleme, denn recht schnell war der innere moralische Zeiger auf dem Empathie-Manometer ganz weit oben angekommen.

Doch was sagt so ein Stück über unsere Zeit aus? Das war unsere Frage.

Natürlich braucht es Offenheit um zwischenmenschliche Grenzen zu überwinden. Und ebenso ist es wichtig zu erfahren, was für Schicksale hinter den Hunderttausenden, hinter den Millionen Menschen stehen, die jetzt nach Deutschland kommen.

Das Thema hier war die gelungene Integration und sparte dabei die zentrale Frage aus, die uns seit Monaten umtreibt: Ist diese gelungene, gegenseitige Integration auch noch dann möglich, wenn eine Millionen Menschen, vielleicht sogar zwei Millionen Menschen innerhalb von ein, zwei Jahren unkontrolliert nach Deutschland kommen? Das ist doch die Frage um die es geht. Auch wenn es selbstverständlich sehr wichtig zu erkennen ist, das Integration in den meisten Fällen sehr gut funktioniert. Denn ein Mensch ist ein Mensch ist ein Mensch. Aber Menschen brauchen Zeit um sich aneinander zu gewöhnen (was auch eine Grundaussage des Abends war) – und   meine Begleitung und mich trieb natürlich die Frage um, ob das in der gegenwärtigen Debatte, ja, in der gerade geschehenden Krise noch möglich ist? Bisher ist es geglückt und selbst hier war es nicht leicht:  Wird es auch in Zukunft funktionieren? Und zu welchem Preis? Wie weit werden wir voneinander wegtreiben, bis wir beieinander ankommen? Wie viel Opfer und Verstümmelungen müssen wir dafür in Kauf nehmen? Nicht nur moralische und ethische. Denn so manches Subjekt wird konkret psychisch und physisch davon betroffen sein.

 

Die Antwort hier lautete: Wenn wir zusammen – und doch jeder für sich – aneinander arbeiten. Dann schaffen wir das. Dennoch ist eine gewisse Skepsis bei diesem Europa ohne Grenzen mehr als angebracht. Besonders, wenn man in München am Bahnhof arbeitet, und jeden Tag die Flüchtlinge ankommen sah. Wie viel Zeit wird es brauchen bis diese Leute, bis diese Menschen integriert sind? Und ist es nicht auch berechtigt Angst zu haben, ob man selbst unter die Räder der Zeit gelangt bei dem Prozess des sich aneinander anpassen?

Ich kann auch jede Frau verstehen, die sich in diesen Tagen Tränengas kauft um sich zu schützen. Nicht weil man allen anderen nicht traut. Nein, weil man eben nicht JEDEM trauen kann. Hier erzeugt die Berichterstattung und ihr reales Fundament Ängste.

 

Der Abend war – bis auf den Herren aus Senegal – eine Zelebration des gelungenen Miteinanders. Dafür muss und sollte Zeit sein, gerade in diesen Tagen der Vorbehalten und der Sorgen unter den Deutschen. Es ist ein Abend der Versöhnung gewesen, der Hoffnung macht. Der an die Menschlichkeit in jedem von uns appelliert hat. Es war aber auch ein Abend, in dem liberale Besucher auf ein liberales Konzept getroffen sind; wieder einmal wurden weit offene Türen eingerannt.

Man sollte solche Stücke für Schulen machen. Für Arbeiter. Für die, mit den härtesten Vorurteilen. Nicht für ein Theaterpublikum.

 

Es hat Spaß und Freude gemacht den Laiendarstellern zuzusehen, zuhören und ein wenig an ihrer Biografie u schnuppern. Es hat durchaus ein wenig in mir verändert. Dennoch fühlte es sich an wie ein kleiner Anachronismus.

Doch selten an so einem so guten, gutgemeinten Kunststück teilgenommen.

 

 

 

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Mediziner-Abschluss-Party

Uni ist halt doch wie Schule, wenigstens wenn es um die Abschlussfeiern geht. Eine heiter quirlige Energie allerorts, die fast schon pubertär anmutet, und das viele ihre Eltern mitgebracht haben, verstärkt den Eindruck noch; neben den Alten sehen die Jungen gleich noch viel jünger aus.

 

Es ist ein fettes „600 plus X“-Leute-Event, in einer festlich ausgeleuchteten Mensa, nur leider hilft das neue schummrige  Licht dem Essen selbst wenig… Wie man sich Mensa-Mahlzeiten halt so vorstellt. Doch der Sekt ist umsonst und die Getränke billig (was immerhin für mich von Vorteil war) und alle Studenten, die man jetzt zu den „Ehemaligen“ zählen kann, sind happy und gut drauf, „schön sich noch einmal zu sehen“, während sie sich selbst abfeiern. Das haben sie sich verdient. Dennoch sehen die grauen Mäuschen und Pseudo-Coolen-Typen in ihrem schicken Outfit ein wenig überstylt aus, ein harter Backflash zu all den inszenierten Abschlusspartys, die man aus US-Amerikanischen Filmchen kennt. Die Erkenntnis reift heran, dass man dem (so sagte man früher, heute würde es Scham hervorrufen) „großen Bruder“ doch ähnlicher ist als man dachte.  Trotz der teilweise sehr tief ausgeschnittenen Kleider und anderen Blickfängern (man denke an den Titel der Band von „ Joe Caputo“ in „Orange is the new black“) bleibt es eine mehr als biedere Veranstaltung, die niemals ihre angenehm infantile und dennoch akademische Würde verliert. Schließlich sind heute Mediziner am Start und keine High-School-Proleten. Hier ist die Verpackung nicht der Inhalt.

Es werden unzählige Fotos geschossen. In jeder möglichen Konstellation.

„Verdammt wir sind jetzt Ärzte!“ Nur das hier keiner VERDAMMT sagen oder herumschreien würde… Das wäre peinlich.

 

Die Reden sind teilweise trocken und peinlich – das macht aber nichts. Denn der Dekan reißt durch eine ernste Aussage seine bis dahin  so dermaßen furchtbar gewollt lustige  Rede ins Plus des Gedächtnisses, in dem er die versammelten jungen Ärzte daran erinnert, dass sie nun gleich den „Hippokratischen Eid“ ablegen werden. Diesem zufolge  verpflichten sie sich JEDEM Menschen zu helfen, ganz egal ob er Deutscher oder Flüchtling ist, schließlich ist es immer ein Mensch der vor einem steht. Immer ein Mensch der Hilfe braucht. Was das für ein Mensch ist, ist zweitrangig. Mensch ist Mensch. Und auch wenn der Herr Dekan mit dem Angela Merkel Zitat „Wir schaffen das!“ für meinen Geschmack dann doch ein wenig mit seiner Rede überpaced hat, fand ich den Gedankengang einfach nur richtig, wahr, klar und verständlich. Und auch mir, der ich hier nur Besucher und Zaungast war, gab diese in Wahrheit sehr simple Erkenntnis neuen Mut und Kraft.

So einfach ist das mit der Wahrheit.

Köln hin und eingewanderter Verbrecher her.

Mensch bleibt Mensch. Ganz egal ob er dir fremd ist oder du ihm. Und auch wenn der Fremde Verbrechen begeht und du ihn aus verständlichen Gründen hasst, so ist er nur ein einzelner Mensch, der weder mit seinen Taten, noch mit seinen Worten für alle sprechen darf oder kann. Das hat nichts mit „Gutmenschentum“ zu tun. Das ist simple Logik:

Ich bin nicht du. Ich bin wie du.

 

Natürlich kam einem diese ganze Problematik, die jeden in Deutschland seit Wochen umtreibt, auf diesem Akademiker-Treffen sehr weit entfernt vor.  Die „Anderen“ sind nicht hier. Können nicht bekehrt und belehrt werden. Für sie ist der Zugang zu dieser hohen, höchsten Form der Bildung verwehrt. Und gerade ihr Mangel an Bildung lässt sie Dinge tun, die sie in unserer Gesellschaft „unmöglich“ machen; das stimmt aber nicht. Aus dem „Unmöglichen“ muss hier ein „Zusammen“ gemacht werden. Sonst funktioniert das Miteinander nicht. Kann es denn funktionieren?

 

Da stand ich dann also mit der Kamera in der Hand und wartete darauf, dass meine Freundin auf die Bühne gerufen wurde; jeder Absolvent wurde einzelnen auf die Bühne gerufen und geehrt. Ihr Nachname kommt nur leider sehr spät im Alphabet, weswegen ich/wir sehr lange warten mussten. Viele Männer und junge Frauen kamen breitgrinsend auf die Bühne, „Wuuuhooo! Endlich Arzt!“ sagten ihr innere Sonnen, die über ihre Augen nach außen strahlten. Wirklich sehr viele neue Ärztinnen waren dabei, mehr als ihre männlichen Kollegen. Darunter sehr viele mit Migrationshintergrund. Da fragte ich mich: Für wie viele war es vor einigen Jahren  noch „unmöglich“  Arzt in Deutschland zu werden? Es war eine Aneinanderreihung von integrativen Erfolgsgeschichten. Und seit wie lange dürfen Frauen in Deutschland überhaupt Medizin studieren?

Was ich da sah, war eine einzige emanzipatorische Erfolgsgeschichte. Wer hätte das vor ein paar Jahrzehnten noch gedacht? Also…. Funktioniert es, oder?…

Ich weiß, das ist sehr patethisch. Es klingt ziemlich idealistisch. Fast schon verblendet…

Und doch entspricht es der Wahrheit.

 

Zum Schluss kam der peinlichste Auftritt der Abends: Die Finale musikalische Einlage der Professoren-Band, die furchtbar  gezwungen eingedeutschte Lieder zum Thema „Medizin“ zum Besten gaben. Wirklich ganz furchtbar. Die Schul-Klischees wurden vollkommen erfüllt. Aber was soll´s? Da gibt es Schlimmeres.

 

Es war der Abend meiner Freundin und ich freute mich sehr für sie. Ich war (und bin) stolz auf sie. Freute mich daran wie sie mit ihren Freundinnen feierte und lachte. Auch wenn ich mir teilweise schwer vorstellen konnte, dass diese aufgedonnerten Weiber einmal meine Ärztinnen seien könnten (da kam mein persönlicher Sexismus durch: Die waren teilweise viel zu hübsch! Die kann ich doch gar nicht ernst nehmen…).

 

Dann gingen wir nachhause. Einfach so. Und die Studienzeit war ein für allemal vorbei.

Helfen als Investition für die Zukunft

Vielleicht wird es eines Tages so sein wie damals, als wir unsere Großeltern fragten, wie sie zu ihrer Zeit zum Nationalsozialismus standen: Waren sie Täter, Opfer oder Helden?

Was werden wir unseren Kindern und Enkelkindern erzählen? Waren wir diejenigen die, die Vertriebenen unterstützt haben? Oder waren wir jene, die wegsahen?

So hätte ich den Text vor ein paar Wochen angefangen. Seitdem haben sich die Ereignisse überschlagen und die Deutschen stehen als großes solidarisches Retter-Volk da. Es scheint gar nicht mehr um uns Einzelne zu gehen, was falsch ist, denn es sind gerade die vielen Einzelnen, die den Unterschied ausmachen.

Dadurch verändern sich auch die hypothetischen Fragen und die potentiellen Anliegen, die unsere Kinder einmal an uns herantragen werden: War es richtig diese Horde von Asylsuchenden Menschen aufzunehmen?

Aus der Gegenwart betrachtet kann man diese Frage nur mit „Ja“ beantworten. Es sind Menschen die Hilfe brauchen, Existenzen auf der Flucht, und wenn man wirklich für freiheitliche, christliche Werte stehen will, muss man helfen. Irgendwie. Zumindest Mitgefühl haben und seine öffentlichen Sätze so führen, dass man dem Miteinander in der Gesellschaft Kraft und Ausdauer gibt.

In der Retroperspektive fällt die Bewertung der Gegenwart oft ganz anders aus. Niemand weiß was kommen wird. Was aus der Dankbarkeit der „Geretteten“ wachsen kann. Denn die Menschen sind vergesslich. Und Dankbarkeit kann man zwar Kindern und Nachgeborenen lehren, sie werden jedoch in einer anderen Welt, in einer anderen Perspektive leben. Der Krieg der sie vertrieben hat, wird längst zu Ende zu sein und sie werden sich wie vor einem Konflikt gerettet fühlen, den sie nicht kennen lernen und auch nie fürchten mussten…

Nachgeborene können sich in zweiter Generation fremder in ihrer neuen Heimat fühlen, als es ihre Väter, Mütter, Schwestern und Brüder jemals verstehen könnten, die hier Zuflucht vor Mord und Verfolgung bekommen haben, denn auch das Verständnis der Kinder der jetzt helfenden Deutschen wird auf einem anderen Fundament errichtet werden; die Zukunft ist spannender als jemals zuvor. Es handelt sich um ein soziales Experiment, bei dem niemand aussterben will: Weder die Identität der Deutschen, noch die der hier angekommenen Flüchtlingen.

Unsere Gesellschaft wird sich verändern. So oder so. Ob nun Flüchtlinge gekommen wären oder nicht. Die Zeit bleibt nicht stehen. Es ist an uns was wir daraus machen.

Heute ist der Tag an dem meine Landeshauptstadt München um Hilfe ruft. Sie kann alleine nicht mehr für alle Flüchtlinge aufkommen, den zehntausenden, die jetzt schon seit ein, zwei Wochen täglich dort ankommen. Man soll spenden. Schlafsäcke, Isomatten. Und irgendwas würde ich auch gerne tun, nur wegen einem Schlafsack und ner Isomatte fahre ich jetzt auch nicht einfach 100 Kilometer bis nach München.

Ich werde Geld spenden.

Für die Flüchtlinge.

Aber auch für mich selbst. Da ich will dass diese Menschen gut integriert werden und mit uns eine gute Zukunftsperspektive bekommen. Denn bei diesen Menschenmassen ist ihr Schicksal, auch unser Schicksal. Wer in sie investiert, der investiert auch in uns.

Geld schicken fühlt sich immer ein wenig faul, wenn auch nobel an. Als würde man sich nicht die Hände schmutzig machen wollen… Nun. Besser saubere Hände und Geld gegeben, als gar nichts getan haben.

50 Euro müssen es schon sein. Ein Betrag den ich im alltäglichen Leben spüren werde, der mich jedoch noch nicht schmerzt…

Wir sollten nicht nur geben was wir übrig haben. Man sollte aktiv auf etwas verzichten um zu helfen – und keine kleinen Almosen geben.

Spendenkonto für Flüchtlinge:

Kontoinhaberin: Landeshauptstadt München

HypoVereinsbank München
Kto. 81300
BLZ 70020270
IBAN: DE34700202700000081300
BIC: HYVEDEMMXXX

Verwendungszweck: 93254151830057

Beim Verwendungszweck müssen die o.g. Nummern unbedingt angegeben werden!

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