„the xx“ live in München, es war der 24.02.2017

„The xx“ ist eine der wichtigsten Bands einer ganzen Generation. Nicht meiner Generation. Für die bin ich im Prinzip ein wenig zu alt und ich habe vor ein paar Jahren nur einmal bei ihnen hineingehört, weil sie so ultra angesagt waren. Das Konzept war damals ganz klar: Minimalistische Rock/Indie-Musik über die Liebe, die sich auf den Wechselgesang zwischen Mann und Frau stützt. Er (Simon) mit einer coolen, kalten Stimme (rauchig ohne rauchig zu sein) und sie (Romy), mit einer  reduzierten und doch umwerfend Stadion füllenden Stimme. Das erste Album: Welterfolg. Nach dem zweiten, dass fast schon zu sehr nach dem ersten klang, hätte man sie auch schon wieder in ihrer Schublade vergessen können. Wäre dann nicht das Solo-Album ihres Drummers/Keyboarders erschienen (Jamie), auf dem er mehr als geschickt, richtig bahnbrechend Musik sampelte und loopte, obwohl die gesamte elektronische Musik der letzten Jahren aus nichts anderem bestand: Jamie machte das auf seine Art einfach besser als andere, machte es zu einem ungewohnten und doch catchy Musikerlebnis. Nun also, beim dritten Album und bei der Tour dazu, haben sich diese musikalischen Ebenen vermischt und aus dem melancholischen, hingehauchten Indie-Trio ist eine Indie-Pop-Band geworden. Mit ganz viel Soul.

Da stand ich dann also, noch übelst erkältet, vollgestopft mit chemischen Hilfsmitteln. Hätte meine Freundin nicht Geburtstag gehabt, wäre ich vernünftigerweise lieber im Bett geblieben. Dann hätte ich aber auch was verpasst.

ERWARTET hatten wir eine Bühnen-Show, so wie „the xx“ auf Platte klingen. Lethargische Performance ohne große Gesten, ein Dahinblubbern der Melancholie. Und obwohl die Band natürlich ihre zu erwartenden Lieder spielte, klangen sie ganz anders.

Das hat zum einen mit dem Schall zu tun. Musik beschleunigt immer ein paar Umdrehungen, wenn man ihr live ausgesetzt wird. Die Boxen sind so etwas wie Brandbeschleuniger. Zum anderen will und wollte die Band auch poppiger klingen, weswegen die Beats sehr geschickt eingesetzt wurden und die Samples zu Überleitungen wurden; das war wirklich sehr geschickt gemacht; den „Jamie xx“, den muss man sich auch mal solo anhören. Und ganz wichtig: Romys Stimme klingt live einfach nur phantastisch. Ich würde jetzt gerne ein Video hier anhängen, doch der Live-Effekt geht in der Konserve leider absolut verloren. Am besten finde ich noch den Vergleich, wenn man seine eigene Stimme auf Tonband aufnimmt und sich sie dann anhört:  Es klingt ungewohnt, ein wenig metallisch. Und so ist es auch mit Romys Stimme auf Band, denn live und in echt ist sie einfach nur: Hammer. Und dass im Münchner Zenith, dass nicht gerade für seine besonders gute Klang-Akustik bekannt ist.

 

„The xx“ gelten als sehr schüchterne, introvertierte Band. Doch ich weiß nicht was dabei alles Show ist.  Schließlich treten sie bei ihrer Tour jeden Abend vor 6000 Leuten auf. Und kommen trotzdem noch total süß und eingeschüchtert rüber, richtig zum Knuddeln. Wobei es schon ein wenig seltsam ist wenn ein Mensch mit einer Hammerstimme die Menge umhaut und dann kaum ein Wort herausbringt, wenn es darum geht drei Sätze zu sagen… Sei es darum. Es war irgendwie ein sehr intimer Abend bei welchem man der Band ihr Image voll abkaufte.

 

Bühnenshow technisch war ich beeindruckt. Zwar war es jetzt kein absolutes Big-Player-Aufgebot was die Lichtfraktion dort oben bot, doch der geschickte Einsatz der Spiegel und der Disco-mäßig drehenden Säulen machte schon ein angenehm geiles Top-of-the-pops-Erlebnis daraus, ohne kitschig oder zu gewollt zu erscheinen. Und gerade als der große Deckenspiegel herunterfuhr und man mal sehen konnte was Jamie oben alles für Maschinen und Drums stehen hatte, aus denen er seinen Sound heraus arbeitete – anders konnte man das konzentrierte Treiben dort oben nicht deuten – machte das einiges her.

Los ging es mit „Say something loving“ und danach kam sofort ihr größter Hit und Durchbruch: „Crystalised“. Bei der 90 Minütigen Show wurde fast das komplette neue Album gespielt, auch viele alte Sachen, wobei von denen einige unter den Tisch fielen (z.B. „heart skipped a beat“), was mich überhaupt nicht störte. Das Set war einfach so dermaßen rund und gut, das mir nichts fehlte… Damit hatte ich nicht gerechnet. Und dass die Band so mega nett und familiär auftrat… Da die verletzliche Romy, oben der Handwerker Jamie. Und auf der anderen Seite der Bühne Simon, der Ruderer, der mit seinem Bass versuchte das Selbstbewusstsein der Band aufzurühren.

Natürlich wurde auch das bekannteste Intro aller Zeiten gespielt:

Schluss war dann mit „Angels“, dass gerade eben nicht perfekt auf die Bühne gebracht wurde; ein kurzer, überhaupt gar nicht peinlicher, doch intimer Moment  des Verspielens, der zu einer kurzen Unterbrechung und einer lächelnden Improvisation führte, brachte Band und Publikum endgültig zusammen. Schön.

Gar nicht schön war dagegen die Vorband. Irgendein Frickler der elektronischen Musik, der da oben sehr gekonnt an seinen Geräten herum schraubte aber nur urlangweilige „Musik“ seinen Geräten entlockte, die vom Langeweilefaktor zu einigen SPEX-CDs gepasst hätte. Das vergessen wir ganz schnell…

 

Nicht so schnell vergessen werden wir den Auftritt der Band „the xx“. Am bezeichnenden ist wohl, dass wir uns am Tag danach Musik von der Band anhörten, was nach den meisten Konzerten für mich nicht möglich ist. Normal ist man zu gesättigt mit Musik. „the xx“ haben Hunger gemacht.

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Modular Festival 2016 – Festival-Rückblick

Bei so einem Umzug zeigt sich zwangsläufig, dass ich kein besonders begabter Handwerker bin. Wobei das Dinge sind, die man lernen kann, zeigt man die Bereitschaft dazu. Die Erfahrungen macht es aus. Festival-Erfahrung dagegen habe ich in meinem Leben sehr viel gemacht. Und. Kurioserweise würde ich weder das Eine noch das Andere als weniger wichtig betrachten.

 

Zum dritten Mal also auf dem Modular-Festival, welches ich im ersten Jahr eher belächelt habe. Typischer Augsburger Kinderkram… Mann kam ich mir früher lächerlich cool vor… Heute, im gesetzteren Feieralter finde ich es dort viel entspannter als auf den gigantomanischen Festivals, auf dem sich die Leute tottreten und zusammenzwängen. Foo Fighters oder Chemical Brothers gibt es hier natürlich keine, dafür eine kleine aber feine Musikauswahl. Ja. Das Modular hat gerade die richtige Größe um ein angenehm Minimassenevent zu sein.

 

Bereits also das dritte Mal sitzt man auf der Wiese, trifft Freunde und Bekannte aus Augsburg, die man nur zwei oder drei Mal im Jahr außerhalb von Facebook zu Gesicht bekommt, gibt sich Lebensupdates, während man in die Sonne blinzelt, das Bier im Plastikbecher in der Hand.

 

Die große Bühne haben die Veranstalter so belassen wie die letzten Jahre, die kleinere, zweite Bühne (siehe Foto oben) wurde klugerweise ein wenig nach hinten verschoben, so dass mehr Räum zwischen den Klangräumen entstand. Es hat auch nicht gepasst, wenn die Musikgewalten aus den verschiedenen Horizonten im Wettkampf standen.

Irgendwann wurde auch vermeldet, der Donnerstag sei ausverkauft, was das Alles noch viel angenehmer machte, denn obwohl wirklich Massen von Parade-Hippstern gekommen waren (so Berlin 2010 mäßig) hatte man immer Raum um sich wohl zu fühlen, Raum um sich zu bewegen, zu liegen und zu stehen. Das ist wichtig, denn es baut Stress ab. Und Stress verdammt noch mal haben wir im Alltag doch mehr als genug oder?

 

Das einzige „Problem“ war das Indie-Line-Up dieses Jahr, auch wenn Namenhafte Bands geladen wurden. Der Sound der Marke „Im Zweifel eher schlecht gelaunt bis melancholisch“ ist für meinem Geschmack nicht sehr Open-Air tauglich, ganz gleich ob die Bands aus Aichach oder wie „Blaue Blume“ aus Dänemark kommen. Das hörte man sich so an, war jedoch viel zu gut drauf um sich  von dem speziellen Vibe dieser Musik einsaugen zu lassen.

Da wandelte man doch lieber umher. Aß etwas veganes. Oder kaufte sich Steine bei „Wildling“. Oder sah sich das Vinyl-Cap bei „Degree“ an…

 

 

Bei „Get Well Soon“ standen wir ganz, ganz vorne, im Regen, und sahen der Gruppe um Konstantin Gropper zu, wie sie selbst ihre Anlage einstellten. So etwas ist immer sympathisch. Ich mag „Get Well Soon“ seit vielen Jahren, hab sie auch ein paar Mal schon live gehört, nur krankt ihre Musik an dem oben erwähnten Problem: Dass, wofür Festivals heute stehen, dieses „Kraftklub/David Guetta-Mitmachen-Ding“, bei dem die Musik quasi in die Interaktionen der Crowd ge-embed werden, fehlt hier vollkommen. Ganz im Gegenteil: Take it or leave. Dabei war  es wirklich sehr amüsanten Bandleader Konstantin seinen absolut trockenen Humor um die Ohren geschlagen zu bekommen (Stil-Blüten? Statt „Wir sind Get Well Soon“, kündigte er die Band nach dem zweiten Lied als „Wir sind De Pres Sion an.“ Was noch getoppt wurde durch seine ironische, von sich selbst belachte Frage an die Menge: „Seid ihr auch alle gut drauf?“). Der Konstantin tritt eh jedes Mal so abgeschrubbt künstlerisch verbrämt auf, dass es immer eine Freude ist. Seine Schwester Verena neben ihm bringt dagegen die geerdeten Gefühle rüber. Einfach immer wieder nett anzusehen.

 

Obwohl ich die ersten drei „Get Well Soon“ Alben besitze, wundere ich mich jedes Mal wie wenig ich als Kulturbanause da mitsingen kann und wie wenig der catchigen Lieder von ihnen auf Festival-Shows intoniert werden. Nun. Es war auf jeden Fall ein musikalisch tolles Konzert, das den Leuten die zuhören können auch viel mitgab.

 

Danach sind wir rüber zu den Wurzeln. Zum House/Minimal-Floor, wo alte Hits ausgegraben und beschankt, teilweise sogar betanzt wurden. Der elektronische Chill-Out-Floor, warum nicht?

Einen Cuba Libre bitte. Danke. Den Rest kannst du behalten.

Nach einer geschlagenen Stunde Umbaupause spielt der Headliner dieses Abends, Dillon. Auch nicht gerade die Partymucke. Das Problem mit Dillon in diesem Fall ist nicht das sie nicht singen könnte oder schlechte Musik schreibt: Wie sie sich live präsentiert geht einfach gar nicht. Sie am Keyboard, noch ein Typ links von ihr an… Maschinen. Dahinter je ein Scheinwerfer… Und dafür bauen die ne ganze Stunde auf…

Das soll natürlich eine gewisse Stimmung vermitteln, passt jedoch besser in eine Kellerkneipe als auf ein Open-Air-Festival. Und was auch gar nicht ging waren ihre Mitsing-Instruktionen ans Publikum: Bitte nicht zu laut und zu überspannt singen! Nicht aus dem Rhythmus fallen! Dazu wertende, abwertende Handbewegungen, die sehr arrogant herüber kamen (siehe als Vergleich das Ende der Depeche Mode Live DVD „Devotional“, bei dem Dave Gahan am Ende seinem Publikum auch so was vor den Latz knallt). Das sind nun einmal nicht die Wiener Sängerknaben sondern Normalverbraucher dort zu deinen Füßen, Gör.

Die Musik war okay, elektronisch poppig, ganz nett, für meinen Geschmack nur nicht besonders relevant oder innovativ. Nichts. Was man in ähnlichen Nuancen nicht schon woanders gehört hat.

 

Danach sind wir ziemlich bald, sehr gut gelaunt nachhause.