Die Lügen der Wissenschaftler

„Die Diktatur der Angepassten“ ist ein Lied von Blumfeld. Der Text ist bei so einem Titel selbsterklärend und kann bei Interesse gegoogelt werden. Zusammengefasst geht es darum, dass die, ich sage mal, Durchschnittsmenschen, die mit dem System schwimmen, es aufrechterhalten und damit Millionen Menschen töten und den Planten gleich mit. Stimmt natürlich soweit. Oder? Ich bin jetzt kein Fan von Blumfeld. Ich hab die gar nicht auf dem Radar. Sie schwirren mir nur im Kopf herum. In dieser Zeit der Corona-Verschwörungstheorien (gelten Theorien nicht solange, bis sie widerlegt wurden?) klingt das gleich ganz anders: „Die Angepassten“ sind die, die sich für „dummverkaufen lassen“. Die Unangepassten müssen dann also die Klugen sein. Die Weitsichtigen. Die Alles in Frage stellen und auf die RICHTIGEN Ergebnisse kommen. Stimmt nur leider auch nicht. Freidenken und eigene Schlüsse ziehen ist eine tolle Sache. Ich bin großer Befürworter der dialektischen Denkmethode. Verschwörungstheoretiker (ich mag das Wort irgendwie nicht, klingt wie ein Oxymoron) behaupten immer, sie würden sich an Fakten halten. Dabei verdrehen sie, sie in den meisten Fällen nur, bis sie in ihr Weltbild passen. Oder sie glauben gleich irgendeinen Unsinn, den sie auf Whatsapp von „Manne“, „Frauke“ oder „Udo“ geschickt bekommen. Und das wird dann geglaubt. Da wird nicht einmal googelt, ob es im großen, schier unendlichen Internet eine andere Erklärung für diese kruden Videos gibt, die man sich so gerne ansieht. Ja. Videos. Die aber auch bitte sehr kurz. Zu lange ist langweilig. Und bitte auch nicht zu kompliziert. Und bitte bloß keinen längeren Text. Sonst steigt man eh gedanklich aus und wischt die Message weg. „Memes“ sind noch die beste Form von Verschwörungsbildung. Kurz. Knackig. Einfach. Ich will damit nicht einmal sagen, dass die Leute zu dumm sind um komplizierte Zusammenhängen zu verstehen. Sie sind nur zu faul. Zudem wissen sie nicht, wie wissenschaftlich gearbeitet wird. Was für Anforderung an eine Aussage geknüpft werden müssen, um sie fundiert (also wissenschaftlich) zu treffen. Es geht nicht um Gefühle. Dabei ist es so einfach:

Ich bin Bierbrauer. Und ein Bierbrauer ist ein Bierbrauer. Ich kenne nen Typen, der mag solche Whatsapp-Sachen sehr. Er liebt sie. Und der ist Schweißer. Und ein Schweißer ist ein Schweißer. Eine andere Bekannte von mir die gerne die bescheuerte „Bill-Gates-Corona“-Geschichte unterstützt arbeitet im Supermarkt. Und die ist… Nennt man das heute Kassierer? Nun. Sie räumt Regale ein und so. Ihr wisst schon. Und auch wenn ich das nicht schlecht reden will, macht sie halt unter anderem das. Und das ist in Ordnung. Es ist in Ordnung Bierbrauer zu sein. Es ist vollkommen in Ordnung Schweißer zu sein. Und es ist auch vollkommen okay, Regale einzuräumen oder sie über den Kassen-Scanner zu ziehen (auch wenn es diese Tätigkeit in Zukunft vlt so nicht mehr geben wird – siehe: Systemrelevanz… Egal). Es ist legitim diese oder andere Jobs zu haben. Würde die Gesellschaft diese Jobs nicht benötigen, gäbe es sie nicht mehr. Aber ein Schweißer ist halt kein Wissenschaftler. Ebenso wenig wie ein Bierbrauer Wissenschaftler ist. Ich lasse mir auch von einem Astrophysiker nicht erzählen, wie und unter welchen hygienischen Umständen ich Bier in Fässer abzufüllen habe. Ebenso wenig erkläre ich ihm, was auch immer ein Astrophysiker im Konkreten so treibt. Und das ist vollkommen in Ordnung. Das ist sogar logisch. Heute. In Zeiten der Überinformation denkt bloß jeder Bierbrauer oder Schweißer, er wäre ein Wissenschaftler/in. Wieso? Weil er einen Artikel auf Spiegel Online (hier in alter Schreibweise) gelesen oder KenFM ihm was erzählt hat? Das bedeutet doch nichts. Das sind nur verknappte und verdichtete Teilinformationen (bei KenFM eher nicht), die jedem verständlichen sein und eine breite Masse eine Ahnung von dem geben sollte, was Wissenschaftler/innen erforscht haben. Und ja. Auch die Wissenschaft kommt nie zu Ende. Es ist ein stetiger Prozess des Umwerfens, Forschens und Neubewertens. Wie bei allen Dingen gibt es Erkenntnisse, die mehr oder weniger feststehen, auf die sich eine ganze Berufsgruppe einigen kann. In hundert Jahren sieht es damit vielleicht wieder ganz anders aus. Aber dennoch gibt es evaluierte Fakten, mit denen man arbeiten kann. Wissenschaftlich.

Früher gab es einen gesellschaftlichen Konsens. Du machst mir z.B. ein Bier, ich erforsche Viren. Und man hat gesagt ja, das passt schon so. Was weiß ich vom Viren? sagt der eine. Was ich von Bier? Dann war es in Ordnung. Prost! Heute denkt jeder, er würde a) betrogen werden oder b) es besser wissen als Leute, deren Beruf es ist, es anders zu wissen. Was soll das? Man ist nicht dumm wenn man Leute vertraut, die etwas gelernt haben. Du kannst nun mal nicht alles wissen, auch wenn dein Smartphone dir vorspielt, du könntest es. Der Sinn einer Gesellschaft. Der Menschheit. Der Sinn deines eigenen Lebens. Das kannst du alles nicht googeln. Du kannst das Internet nach hilfreiche Teilaspekten durchforsten. Wie funktioniert ein Auto-Motor? Was ist eigentlich die Sonne? Warum können Fische unter Wasser atmen? Das kann man alles im Internet nachlesen. Gib „sag mir den Sinn des Lebens“ ein, wirst du keine befriedigende Antwort bekommen. Es ist zu komplex. Und es ist zu subjektiv. Und das ist in Ordnung. Denn es gibt keine leichten Antworten für komplexe Zusammenhänge. Und in den Tagen in der wir heute leben, ist es plötzlich zu einem Anzeichen von Schwäche geworden, Dinge nicht zu wissen oder zu verstehen. Warum? Es ist unmöglich alles zu wissen und zu verstehen. Es ist nicht einmal gesund zu allem eine Meinung zu haben. Deswegen gibt es den Konsens. Ich mache dir Bier. Du machst mir Viren weg. Prost! Und jetzt heißt es plötzlich: „Wie? Du glaubst Wissenschaftlern?“ Ja wem denn sonst? Du glaubst doch auch, dass das Bier das zu gerade trinkst mit bestem Wissen und Gewissen hergestellt wurde! Aber Wissenschaft lässt sich missbrauchen! Ja sicher lässt die sich missbrauchen! Ich kann dir auch ein vergiftetes Bier hinstellen. Geht ganz einfach (Räusper). Man muss halt auch Vertrauen haben. Vertrauen in die Gesellschaft. Und Vertrauen in die Kontrollmechanismen. Und plötzlich wird man als „Mitläufer“ oder eben (wieder bei Blumfeld) als der mit der „angepassten Meinung“ abgestempelt. Warum? Weil ich kein Wissenschaftler/in bin und bestimmte Dinge annehmen muss? Weil es vernünftig ist, an gewisse Klischees des Zusammenlebens zu glauben? Das nimmt krude Formen an. Plötzlich stehe ich da und muss in der Arbeit die Politik von Angela Merkel verteidigen – hätte ich so jetzt auch nie gedacht…  Ich! Wozu mich diese Verschwörungsbesessenen treiben! Aber es ist halt auch vernünftig zuhause zubleiben wenn es eine Krankheit gibt, für die es kein Gegenmittel gibt… Und jetzt haben die Menschen schon Angst vor einer Impfung, die noch gar nicht entwickelt wurde. Das ist echt das allergeilste…

Kritisch sein. Natürlich. Seid kritisch! Immer und überall. Wenn ihr unbedingt glauben wollt, der Virus sei irgendwo ausgebrochen: Okay! Das ist eure Meinung. Wenn ihr glaubt der 11.9 war ein Komplott, glaubt das auch. Wie ihr wollt. Meinung soll jeder haben und sie auch vertreten dürfen. Aber es ist ein Unterschied ob ihr euch und andere durch eure Meinung gefährdet.

„Man darf ja nichts mehr sagen“. Das regt mich auch so was von auf. Wenn du in einem Land lebst, in dem man nichts mehr sagen darfst, dann darfst du es WIRKLICH nicht. Die sperren dich ein. Die bringen dich um. Da hast du keine 2 Millionen Follower. (schöner Sidekick: „Der hat 2 Millionen Follower! Der muss Recht haben!“ „80 Millionen glauben aber was Anderes.“ „Du wirst doch nicht dem glauben, der in der Mehrheit ist!!!“ „Momentmal, hast du nicht gerade genau andersherum argumentiert?“).

Hab mich ein wenig verrannt… Sorry.

Zurück zu Blumfeld. Mich würde mal interessieren was diese ganzen „Anti-Künstler“ jetzt zu ihren Texten sagen. Die „Revolution“ die sie immer besungen haben. Das „Dagegensein“ gegen die Angepasstheit. Und jetzt seht ihr wer euch folgt. Nicht einmal Menschen mit Zweifel. Nein. Die Deppen. Die Deppen, die glauben, mehr zu sein als sie sind. Ungebildete Narzissten.

Also ja. Ich oute mich jetzt: „Ich weiß nicht alles. Ich bin nicht Gott.“ Bist du es?

Ach ich hab keinen Bock mehr.

Das Prinzip Himmel

„Wie kann man denn nur diese knochigen Frauen erotisch finden? Die sind doch Alle ganz furchtbar. Diese Hungerhaken! Und wie widernatürlich die sind! Die sind doch Alle krank! Von den Indoktrinationsmedien aufgescheuchte, kontrollierte Sklaven der Schönheitsindustrie! Pfui! Diese bescheuerten Weiber sind so dekadent und unfrei!“

„Na ja…“

„Wie? Na ja?! Habe ich nicht Recht?“

„Irgendwie schon… Doch… Sieht man sich Höhlenmalereien an. Oder diese, diese… Statuen von den Griechen. Oder Römern oder so… Dann sind das natürlich schon eher… Wie soll ich sagen… WEIBLICHE Frauen. (Ich mache dazu offene, beidhändige Handzeichen). Fette Frauen wie du wurden da auch nicht gerade idealisiert. Ich meine. Das ist doch auch krank was du da darstellst, nur weil du keine Selbstdisziplin hast und Dauer-Abonnent bei „Mars“ und „Nestle“ bist…“

Sie kocht. Dieses Mal keine Sahnesauce, sondern vor Wut.

Ich fahre fort:

„Selbstverständlich gibt es Frauen bei denen es nicht mehr schön ist mit der Dünnheit… Und ich als Mann muss mich über mich selbst wundern, wie ich plötzlich sehr dünne Frauen mit kleinen… BRÜSTCHEN und ohne Arsch geil finde… Da hat die Schönheitsindustrie wirklich ganze Arbeit geleistet. Da muss ich mich selbst wundern… Aber du!“

Ich zeige auf meine fette Gesprächspartnerin, meine beste Freundin Elke.

„Bei deinem Anblick denke ich nur an Persönlichkeitsschwächen, Bluthochdruck und Einsamkeit… Es ist doch eher abartig und dekadent Frauen wie dich geil zu finden, als eine Frau die ein wenig zu dünn ist und dafür auf sich achtet. Ich meine… Das hat jetzt nichts mit Feminismus zu tun. Frauen können ja so sein wie sie wollen, Männer ja auch. Aber Du kannst doch nicht ehrlich zufrieden sein mit deinen Fettlappen. Und deswegen (triumphierend) setzt du dünne, sportliche Frauen herab. Um dich besser zu fühlen.“

Jetzt reicht es ihr. Und tja was soll ich sagen? Eine gewisse Reaktion war zu erwarten. Nicht erwartet hätte ich, dass sie mich schnappt (ein kleiner Kerl der ich in dieser Geschichte bin, sagen wir, vlt einen Meter 60 groß, schmächtig) auf den Boden drückt und sich lachend mit ihrem gigantischen Arsch auf mein Gesicht setzt.

Wütend schreit sie mich nieder während ich gegen dieses… DING ankämpfe, das man schon nicht mehr „Gesäß“ nennen kann.

 

Während ich da also erst angeekelt, dann hilflos erstickend unter ihren Massen eingeklemmt bin wie mein Großvater damals unter dem LKW, als jene Tonnen auch von der Straße abgekommen waren, ihn in seinem Auto einquetschten und die auch sein Ende bedeuteten, merke ich wie mir unter all dem Ekel die Luft ausgeht. „Das zieht die nicht durch“, denke ich mir, „das ist nur Spaß und gleich lässt sich mich erniedrigt zurück in die Freiheit.“ Und unter normalen Umständen (wenn man von dieser Situation von einem „normalen Umstand“ sprechen kann) wäre das auch geschehen. Elke aber, die ich so herabwürdigend, jedoch auch treffen beschrieben habe, bekommt just in diesem Moment einen Herzinfarkt, klappt richtig zusammen und klemmt meinen Kopf und sämtliche Atemwege so dermaßen ein, dass es für mich kein Entkommen gibt. Was für eine unwürdige Art zu sterben. Ich schlage gegen ihren Wal-Körper um mich zu befreien; es hilft nichts. Im Endeffekt ist es auch egal, wie man stirbt. Tot ist tot. Das kam allerdings sehr überraschend. Und meiner Meinung nach auch sehr ungerechtfertigt.

 

Als die Panik sich langsam legt und meine hilflosen Versuche das Speckmonster von mir herunter zu bekommen immer kraftloser werden, akzeptiere ich meinen Tod. Das wars dann wohl. Jetzt ist es vorbei. Und die Leute werden sagen, dass ich bei einem Sex-Spielchen mit meiner fetten besten Freunden gestorben sei – die Leute hätte es sich ja schon immer gedacht, dass bei denen…

 

Ich akzeptiere den Tod. Akzeptiere, dass mein kurzlanges Leben ENDLICH vorbei ist. Dass dies der Moment ist, in dem jeglicher Stress endet. Ich muss mich endlich an keine Vorschriften mehr halten, muss nicht mehr reagieren, muss mich nicht mehr mit Menschen auseinandersetzen, muss niemanden mehr zuhören, muss nicht mehr in die Arbeit, muss nicht mehr meine Steuererklärung machen,  muss nicht mehr schon einen Monat zu spät zum TÜV, muss nicht mehr zum Essen mit meinen Eltern, muss kein Update mehr für irgendein bescheuertes elektronisches Gerät machen. Muss nicht mehr schnell einschlafen damit ich am nächsten Tag fit bin, muss mich nicht mehr bei Freunden melden, muss nicht mehr mit den Kindern meiner Schwestern spielen, muss mich nicht mehr an irgendwelche abstrusen Gesetze halten, muss nicht mehr tolerant sein, objektiv oder liberal, muss für nichts mehr einstehen, muss keine Meinung mehr haben und muss auch nicht mehr so tun, als würde ich meine Eltern lieben. Kurz gesagt: Ich bin endlich frei.

Frei von all den Zwängen die mir erst die Außenwelt aufgedrückt hat und die mir dann so sehr und so unglaublich lächerlich in Fleisch und Blut übergegangen sind, dass ich nur noch ein Sklave meiner und ihrer Zwänge gewesen bin, vom ersten Augenaufschlag in der Früh, bis zum letzten Kopfschütteln bevor ich einschlief.

Endlich frei sein. Endlich. Endlich frei sein.

Niemand mehr der etwas von mir will. Keine Gesetze, Aufgaben, Wünsche. Endlich die große dunkle Leere in die ich hinab sinke; Sterben, das ist doch nichts anders als schlussendlich einzuschlafen und nie wieder aufwachen zu müssen. Wie erholsam das sein muss. Wie gnädig. Wie erfüllend. Ach komm süßer Tod…

 

An Gott und Teufel denke ich nicht. Himmel und Hölle gibt es eh nicht. Ammenmärchen für Ammen, nicht für die Kinder, denen sie sie erzählen. Ich atme nie wieder ein. Und doch fühlt es sich an wie ein unendliches Ausatmen. Ommmm…. Und dann bin ich frei vom Leben. Und ganz tot.

 

Ich erwache in der Hölle. Und auch wenn der Typ am Tresen mir sagt, dass ich nun in den Himmel kommen würde und mir ein Klemmbrett über seinen echt geilen Tresen schiebt, bin ich mir darüber sicher, dass ganz egal was jetzt kommt, die Hölle sein muss. Egal, wie sie es nennen. Ganz Wurst was das Leben nach dem Tod ist – wenn es kein Nichts ist, dann ist es die Hölle für mich. Denn ich wollte nur entschlafen. Wegsein. Und frei sein. Nicht wieder zurück ins Hamsterrad. Keine neuen Regeln, kein neuer Tag. Auch keine neuen (so genannten) Freiheiten.

Deprimiert erzähle ich das dem ebenfalls toten Inder neben mir, der wie ich da sitzt und die AGBs des Himmels durchliest. Und der lacht nur, der Hindu, und meint, dass es schon wahr war als Camus meinte, dass man sich Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen müsse… Und ich schlage nur die Hände über den Kopf zusammen, fange zu weinen wie ich da begreife, dass ich NIEMALS meine Ruhe bekommen würde. Niemals! Ruhe und Frieden ist nicht zu erreichen. Von wegen „Ruhe in Frieden“… Was für eine bittersüße, gemeine Lüge! Das Elend geht immer weiter und weiter und weiter. Und durch das Fenster winkt mir die fette Elke zu, die ja ebenfalls tot ist und im Himmel so viel fressen kann wie sie will, ohne beurteilt zu werden. Wenigstens glaubt sie das – so funktioniert das Prinzip Himmel. Und vielleicht werde auch ich dort endlich meinen Frieden finden… Wenn ich mich nur selbst gut genug belüge…

Religion

Die meisten Religionen sind für mich wie eine Umgehungsstraße, die um das Leben herumführen, durch ihren ständigen Zwang dieses einzige Leben welches wir kennen, auf eine Art Prüfung oder Bonuslevel zu reduzieren.

Die Umgehungsstraße führt zum gleichen Ziel, als wenn du durch die Stadt hindurch fährst, nur ist das Einzige was du dort sehen kannst, andere Teilnehmer, Verkehrsarchitektur und ein wenig Natur.

Fährst du durch die Stadt oder auf das Land, hast du alle Möglichkeiten das Leben in seinen verschiedenen Nuancen kennen zu lernen, du musst aber nicht jedes Geschäft (sei es ein Discounter oder eine Edel-Boutique), jede Veranstaltung (vom  Catchen, übers Bordell bis zur Philharmonie) oder jede Hütte (sei es an einem Ozean oder in einem Hochgebirge) besuchen; du kannst es aber.

Selbstverständlich bleibt dir, egal ob du durch die Stadt des Lebens oder außen herumfährst, jederzeit die Möglichkeit auf die Umgehungsstraße zu wechseln wenn dir das Chaos der Stadt zu viel wird, oder umgekehrt. Eine Vielzahl der Leute trauen sich das nur nicht, meistens nur nicht deswegen, weil sie von ihrer Lebensweise überzeugt wären, sondern einfach nur da sie Angst haben, ihre gewohnte Strecke zu verlassen um etwas Neues auszuprobieren. Sicherheit ist immer ein wichtiges Thema, selbst wenn wir sie gar nicht hinterfragen.

 

Wer weiß welche die richtige Strecke ist? Und natürlich stehen in den Büchern, auf die die meisten hier gemeinten Religionen sich berufen, sehr viele Wahrheiten und Errungenschaften, die das Leben verbessern können. Das Problem mit Büchern ist nur, dass das mit vielen anderen Büchern genauso ist. Und jedes Buch von Menschen geschrieben wurde.

Plötzlich sind wir wieder alle Christen?

Kaum auszuhalten sind diese Religionsdebatten, die einem jetzt von überall aufs Auge gedrückt werden. Die Menschen haben Angst vor Überfremdung, das kann man verstehen, vor anderen Kulturen auch, ja. Doch ebenso wenig wie ich als Europäer Angst vor dem Islam haben muss, muss ich mich jetzt auch nicht von den Christen vollquatschen lassen, dass wir doch alle hier Christen sind und man jetzt im Glauben zusammenhalten muss: Gegen die Anderen die da kommen.

Ne.

In dieser lächerlichen Debatte wird gerne vergessen, dass seit Jahren die Leute massenweise aus den christlichen Kirchen austreten und jetzt über die Flüchtlingshysterie versucht wird, durch die Angst vor den Moslems sie da wieder hineinzubekommen.

Demokrat oder Europäer zu sein heißt aber nicht zwangsläufig Christ sein zu müssen, es kann auch heißen diesen ganzen Religionsquatsch überwunden zu haben und davon einfach nur gelangweilt, sowie  im besten Fall tolerant gegenüber den Gläubigen, zu sein. Warum wir keine Angst vor dem Islam haben? Weil wir das Christentum als Staatsreligion überwunden haben, wieso sollten wir nicht den Islam ebenso überwinden und als das tolerieren was er ist? Nämlich jedem seine eigene Entscheidung was er denkt, glaubt, fühlt oder macht, solange es nicht gegen unsere freiheitlichen Werte verstößt.

Da stellt es einem wirklich die Zehennägel auf wenn so Originale wie Margot Käßmann daherkommen und behaupten, dass der beste Schutz vor Angst über die Islamisierung ein regelmäßiger Kirchenbesuch ist. Das würde ich vielleicht auch sagen wenn ich für den Verein arbeite.

Wenn dann aber auch noch die Kanzlerin zu christlichen Werten rät (derselbe Artikel oben im Link) ist das schon ziemlich heikel. Denn die ruft hoffentlich nicht vorher im Vatikan an, bevor sie wichtige Entscheidungen für „ihr Volk“ trifft (okay, wichtige Entscheidungen trifft die Merkel eh erst wenn alles fast zu spät ist, ihr wisst schon was ich meine).

Es reicht schon ein guter Mensch zu sein, der auch so handelt. Kirchensteuer und anderen  Firlefanz bedarf es dazu nicht.

Es geht nicht um CHRISTLICHE WERTE. Obwohl ich gegen die gar nichts habe. Es geht darum, was sich die Menschen aus dieser Leitreligion aufgebaut haben, dieses gilt es zu leben und zu verteidigen. Und europäische Werte zu verteidigen heißt in diesem Fall auch, fremde Menschen ganz gleich welcher Religion die Hilfe brauchen nicht einfach ihrem Schicksal zu überlassen, wenn sie vor unserer Haustüre stehen. Damit verteidigen wir unsere Werte: In dem wir sie rein lassen. Klingt ironisch. Ist aber so. Denn das ist es was uns ausmacht. Und dazu muss ich nicht sonntags in die Kirche gehen, sondern mein Herz öffnen.