4 tote Kinder

Meine Nachbarin ist ein Idiot. Kein schlechter Mensch. Nur ziemlich dumm. Die Wohnung unter uns ist ihre erste Wohnung eigene und die Monate haben gezeigt, dass sie alleine fast nicht überlebensfähig ist. Sie trifft ständig die falschen Entscheidungen und hängt mit den falschen Leuten herum. Schon komisch: Früher war ich einer der „falschen Leute“. Heute treffe ich ein Urteil über sie.

Sie genießt es augenscheinlich nicht mehr unter dem wachsamen Auge ihre Mutter leiden zu müssen. Sie hat ständig verschiedene Typen. Drogenleute. Auch nicht von der hellsten Sorte. Was mir natürlich vollkommen egal ist. Hauptsache. Es ist nach 10 Uhr abends ruhig und mir parkt keiner die Einfahrt zu. So bin ich geworden.

Die Typen kommen und gehen. Und sie ist nun wirklich nicht die Schönste. Aber so ist das bei einer Frau, wenn zwischen ihren Beinen Tag der offenen Tür ist. Klar tut sie mir irgendwo leid dafür, dass sie sich ständig ausnutzen lässt und von den Typen nur verarscht wird. Das hat sie mir selbst erzählt. Doch jeder trifft seine eigenen Entscheidungen.

Vor etwa einem Jahr klopfe es an unserer Haustüre. Die Nachbarin. Sie wollte mit meinem Lebensgefährten sprechen. Er ist raus und dann wurde laut an der Türe geredet. Eine halbe Stunde lang. Und am Ende sagte sie, mein Freund solle mir davon nichts, was ich die ganze Zeit im Zimmer nebenan mit dem Kindl auf dem Schoß schon mitgehört hatte: Sie war schwanger. Und mein geliebter Freund, seines Zeichen Doktor der Medizin, gab ihr ein paar Ratschläge. Zwei Wochen später war sie nicht mehr schwanger. Und mit den Tipps zur Empfängnisverhütung sollte es auch so bleiben.

Ein halbes Jahr später klopfte es wieder an der Türe. „Es ist schon wieder passiert.“ „Wie es ist SCHON WIEDER passiert?!!“ Mein Freund war außer sich. Was für ne Assi-Braut. Sie wusste nicht einmal, von wem das nächste Kind war. Zweifelhaft ob sie es beim ersten wusste. Mein Freund führte ein sehr ernstes, weniger empathisches Gespräch mit ihr, als beim ersten Mal. Und zwei Wochen später war sie nicht mehr „in froher Hoffnung“. Es war für alle Beteiligten der beste Weg. Wie sollte eine Frau wie sie auch noch für ein weiteres Leben Verantwortungen übernehmen, wenn sie es nicht einmal für sich selbst kann?

Vor ein paar Jahren stellte mir ein Freund eine Bekannte von ihm vor. Ich freundete mich mit ihr an. Ein Jahr und 5 Monate vor dem heutigen Tag, stellte sie mir ihren neuen Freund vor. Ein Pfundskerl. Wenn auch ein wenig klein an Wuchs. Sie wollte immer Kinder bekommen. Doch wegen einer Operation in ihrer Vorgeschichte war die Wahrscheinlichkeit gering. Sie wurde trotzdem schwanger. Wir freuten uns alle sehr für sie. Und dann auch noch Zwillinge. Doppeltes Glück. Die Wochen, ein paar Monate gingen ins Land, bis die Herztöne der Zwillinge verstummten. Nicht nur der Himmel weinte. Das Wehklagen wimmerte stumm aus unseren Telefonen, als unsere Daumen die Kurznachrichten verschickten. Ich hätte nicht gewusst, was mein Mund an direkter Sprache hervor gebracht hätte. Was kann es schlimmeres für eine Frau geben, als ihre toten Lieblinge gebären zu müssen?

4 tote Kinder.

2 die unbedingt gewollt wurden, aber nicht lebensfähig waren.

2 die wahrscheinlich lebensfähig waren, aber von keinem gewollt wurden.

Nur in Märchen ist das Leben fair.

Und die ganze Welt schaut auf die Fußball-WM.

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AfD-Parteitag in Augsburg

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Am Morgen beim Frühstück hatten wir es im Fernsehen gesehen: AfD-Parteitag in Augsburg. Quasi Fußläufig von uns. Und da wir eh in die Stadt wollten, sind wir dann noch hin. Sauer war ich am Morgen schon. Da muss man sich von diesen rechten Deppen erzählen lassen, SIE seien das Volk und es würde IHR Land kaputt gemacht. Und bei mir im Kopf so. Momentchen Mal. Ich bin doch auch das Volk. Das ist doch auch mein Land. Da sollte man doch – normal – auch jeder Zeit so Höcke Talkshow mäßig eine kleine Deutschlandfahne bei sich tragen um die den Deutschtümlern bei Bedarf ins Gesicht zu halten; dass ist auch mein Land. Mein liberales Deutschland. Ein buntes Land. Ein Land der Freiheit. Nicht euer CSU/AfD-Nazi-Scheiß. Vor diesem ganzen Krisending gingen mir ja schon die Konservativen auf die Nerven. Jetzt. Nach und im Rechtsruck des Landes halte ich mich selbst fast schon eher für konservativ als für alles andere. Eher links als rechts. Na klar. Mann ist bei Verstand. Aber eine geregelte Zuwanderung wird auch von mir erwünscht. Bin ja nicht blöd.

So gesehen haben Pegida und die AfD natürlich ihren Beitrag geleistet. Denn es wäre sicherlich auch ein Wahn wenn man sagen würde, der Urkern des Problems sei nicht vorhanden. ABER. (Ganz großes ABER). Warum müssen diese Bewegungen und Parteien die ganze Zeit lügen? Nehmt die Sorgen der Mensch ernst. Ja. Aber was soll das mit der Propaganda? Warum muss dauernd übertrieben und den Menschen Angst eingejagt werden? Ebenso ist es irre zu sagen, es kommen nur „gute Menschen“ nach Europa geflohen (warum auch immer), wobei „gut“ eigentlich auch nur „gut ausgebildet“ bedeutet. Deswegen können die Menschen trotzdem Mörder und Bombenbauer sein. Ebenso wie Ingenieure und Ärzte in der zündelnden AfD sind. Nein. Doch. Die Probleme müssen benannt werden. Klar. Aber daraus gleich einen Untergang des Abendlandes zu machen, ist wieder was ganz anderes. Angst wird uns nicht retten. Nur der Mut kann es.

Und ruhig auch mal aggressiv werden. Nicht gleich draufhauen auf den Demos. Sich aber auch nicht immer alles bieten lassen von Leuten, die dieses Land nicht retten, sondern es im Gegenteil kaputt machen wollen. Es gibt Millionen Deutschrussen hier. Millionen Geflüchtete aus dem ehemaligen Jugoslawien. Und die haben auch nicht nur große Europäische Werte nach Deutschland gebracht. Aber. Die sind halt fast alle sehr schön weiß auf der Haut. Dann ist das nicht so schlimm. Die Russen und Serben waren uns in unseren Menschenbild vielleicht auch schon immer einen Schritt voraus. Nicht. Selbstverständlich wird es Jahrzehnte dauern, bis sich die Gesellschaft so sehr verändert und aneinander angepasst hat, dass man die Folgen absehen kann. Aber. Jetzt gegen die Menschen zu sein, die eh schon da sind, schafft nur Gesellschaftliche Probleme in der Zukunft. Siehe Frankreich. Siehe Parallelgesellschaften. Und dass ist das was die AfD über kurz oder lang aufbaut: Sie verhindert nicht die Veränderung des Landes und führt es auch nicht zurück in die wohlige Zeit der grünen Auen, der Volksfeste und pünktlichen Züge. Nein. Sie betreibt eine Spaltung im Land die sie selbst nie wieder auflösen kann. Selbst wenn sie irgendwann mal Regierungspartei wäre. Außer. Diese Regierungspartei würde nach einer Endlösung streben. Denn nur die Endlösung kann die Zukunft stoppen.

Die Angst ist es, die uns genau dahin bringt, wovon die AfD fabuliert. Ich weiß nicht was die Zukunft bringen wird. Ich weiß nur, was ich mir von ihr erhoffe. Was sich all die Leute erhoffen und erträumen, die gestern in Augsburg marschiert und demonstriert sind. Und 5000 sind kein Pappenstiel. Wir träumen nicht von einer Welt des „Friede, Freude, Eierkuchen“. Sondern von einer menschlichen Zukunft. Die wir uns weder von Islamisten. Noch von Rassisten wegnehmen lassen. Wir haben ein Plan für unser Deutschland. Und ja. Es ist verflixt schwer den umzusetzen. Doch noch einmal: Die Angst wird uns nicht retten. Denn Angst ist ein Gift, dass alles und jeden langsam von innen her zersetzt.

Es war eine schöne Demo gestern in Augsburg. Die Leute waren friedlich, aber laut. Sie sangen in der Sonne. Hielten ihre Transparente hoch. Die Jungen. Wie die alten Leute.

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Roseanne

By the way und ganz knapp:  Obwohl alle deutschen Medien den Fernsehsender ABC dafür loben die Serie von Roseanne Barr gecancelt zu haben, nachdem diese einen rassistischen Tweet abgesetzt hat, wäre eine kreative Lösung vielleicht die bessere gewesen. Für meinen Geschmack hätte sich die Schauspielerin in ihrer Rolle als Serienmutter in jeder Folge gegen Rassismus positionieren müssen – bis hin zur Erniedrigung und Selbstaufgabe. Damit wären nicht gleich alle Schauspieler abgestraft worden und sie wäre wirklich an einem öffentlichen Pranger gestanden. Anstatt immer gleich alle zu entlassen.

„Bilderbuch“ in Augsburg, es war der 7.4.2018

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Sind Bilderbuch eigentlich eine „coole Band“? Irgendwie ist das eine gute Frage. Sie nehmen sich halt nicht ernst in ihrer affektierten Ernsthaftigkeit. Nichts ist wichtig, alles ist ein Spaß. Alles was Spaß macht, ist irgendwie auch wichtig, so gesellschaftlich gesehen. Alles ein guter Schmäh, oder? Wie das Leben ein guter Witz ist. Auf eigene oder die Kosten anderer, wer weiß das schon? Spaß soll es machen. Dann schaun wir weiter.

So oder so fällt irgendwann in jedem Gespräch über die Burschen aus Österreich der alles wieder gut machende, größte wie kleinste gemeinsame Nenner auf den man sich einigen kann: Einfach „sympathisch“.

Sie spielten dann so 20 Minuten, ne Halbe Stunde vor Ende ihr bekanntestes Lied. „Maschin“. Wirklich super und toll. Das Publikum voll dabei. Und ich dachte mir so, dass man auch nicht schlecht selbstbewusst sein muss, um seinen Smasher so früh vor Konzertende zu geben. „Augsburg“ war voll am Start und die Band hätte zu diesem Zeitpunkt auf der Bühne eh fast machen können was sie wollte und die Leute hätten sie trotzdem gefeiert. Mein Bewusstsein haben sie nach „Maschin“ trotzdem verloren. Seit ich meinen Roman gekürzt habe, kommt mir alles zu lange vor. Kürzer. Kompakter. Schneller. Straight to the point. Bitte schön. Weniger Blahblah. Doch Konzertbesucher wollen das. Immer mehr und mehr von „ihrer Band“. Am geilsten gleich noch mal 2 Stunden hintendran hängen. Mehr fürs Geld. Wir sind ja in Schwaben. Und wie meine Freundin da mit unseren neuen Freundinnen aus Regenburg herumtanzte (mit der Mutter, die ihre entsetzte 17 Jährige Tochter zuhause zurückließ und ohne  sie zum Konzert fuhr, wo sie die ganze Zeit nur lachte: Ich bin total betrunken! Redet einfach nicht mehr mit mir wenn ich euch nerve! Haha!“), schien das auch nicht wenig Spaß zu machen. Ich mag die Bilderbuchler ja. Wahrscheinlich lag es an mir. Denn im Gegensatz zu dem Entertainer Maurice auf der Bühne muss ich nicht jeden Abend gut drauf sein. Ich stand da mit 37 Jännern auf meinem vielleicht 300sten (400sten?) Konzert und sehnte mich am falschen Ende der Raumes, viel zu nah an der Bühne und mega weit weg von der Bar, nach einem Jacky-Cola und einer Zigarette. Moscow Mule. Auf jeden Fall irgendwas gegen zu viel Nüchternheit. Frinks! Ja. Ich wollte heute mehr Trinken  als Konzert. Das Konzert mehr als Beiwerk zum guten Schluck. Hätte ich aber beim 300sten Konzert besser wissen sollen, dass das nicht funktioniert, wenn Bilderbuch am Start sind. Denn dann ausverkauft. Denn dann Laden brechend voll.

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War ein gutes Konzert. Alles gespielt was man hören will. Und später mit Moscow Mule und Kippe im Maul (gleichzeitig selbstverständlich) kam ich mir ein wenig doof war. Dass ich vorher so unentspannt war. Muss doch nicht alles gleichzeitig sein.

Beste Frage einer Freundin heute Morgen: „Und? Wie war es gestern auf der Lesung?“ Original genialer  Bilderbuch-Witz.

Ein Video habe ich auch gemacht:

Warum sind homosexuelle Menschen homosexuell?

Ich hab mir ein Kindle gekauft. Um es auszuprobieren habe ich mir „die dreizehn Jahre des Rainer Werner Fassbinders“ runtergeladen. Liest sich gut.

Es gibt in dem Buch die Stelle (ziemlich am Anfang) in der es um Fassbinders Homosexualität geht. Dort wird dann ganz 60ger Jahre like behauptet, dass man zu dieser Zeit dachte, dass Homosexualität etwas war, was von außen kam. Durch äußere Einflüsse. Vorbilder und so weiter (ich würde die Stelle heraus suchen, nur ist mein Kindle neu und ich weiß noch nicht ganz wie ich nach einer Stelle suche und wieder an den Punkt zurückgelange, an dem ich gerade bin). Bei uns heute würde man sagen: Was´n Unsinn. Homosexuell wird man nicht gemacht. Man wird so geboren. Das ist die heutige Meinung. Schön und gut. Nur. Ich würde trotzdem gerne wissen warum manche Menschen homosexuell und andere hetero sind. Da darf man doch kein Denkverbot aussprechen, nur weil man Stand Heute sagt, dass Schwule einfach schwul sind und das gut so ist. Das hat nichts mit der Akzeptenz des Umstandes an sich zu tun: Ich akzeptiere dass Lesben lesbisch sind und mir ist es auch vollkommen egal, wer lesbisch und wer nicht. Aber das löst nicht die Frage nach dem Warum?

Was ist denn da der Stand der Forschung? Und gibt es in dem Bereich überhaupt Forschung?

Und wenn man schon schwul geboren wird, ist das dann eine genetische Sache? Unsere Gene machen uns aus… Aber da muss man gleich wieder aufpassen um nicht in Nazi-Rhetorik abzudriften. Dieses, die Gene sind bei manchen Leuten anders, also sind sie krank, somit schlechter als andere… Deswegen müssen sie weg.

Das sind die Fehler die in der Vergangenheit gemacht wurden und davon distanziert sich selbstverständlich mein Wissensdrang. Wenn es aber nicht die Gene sind, was dann? Ist es die Seele? Ist es die Ur-Liebe die jeder in sich trägt?

Selbst wenn Schwulsein etwas Abnormes wäre, im Blick auf die Evolution der Menschheit (da kommen die Religiösen mit ihrem Argument um die Ecke, dass sich gleichgeschlechtliche Paare nicht weiterproduzieren können, sie also nicht „natürlich“ sein können – worauf ich mit dem Blick auf die anstehende Überbevölkerung nur sagen kann: Lieber mehr Homosexuelle Menschen als noch mehr Kinder! Was bringt es denn CO2-Werte senken zu wollen, wenn man den ganzen Planeten mit scheißenden und atmenden Menschen vollstopft? Das ist nichts Gutes! Und das ist auch nicht natürlich!), sehe ich vom Standpunkt der Toleranz kein Problem damit: Ich toleriere ja auch kranke Menschen. Sollen die Kranken krank sein und die Schwulen schwul. Genauso wie ich blond bin und andere dunkle Haare haben. Daran ist nichts Falsches. Es ist einfach eine Tatsache: Ich bin blond und das ist auch gut so.  Krank sein ist in den meisten Fällen nichts Gutes, doch was krank ist, bestimmt eine Gesellschaft selbst. Charles Darwins Theorie zur Folge wäre Homosexualität etwas widernatürliches. Aber nichts was die Evolution schädigt. Deswegen muss es auch noch lange nichts Schlechtes sein. Es bleibt eine Tatsache. Und wie mit jeder Tatsache geht es darum, was die Gesellschaft mit ihr anstellt. Denn das Andere muss nicht zum Abartigen werden, sondern es kann auch das BESONDERE sein. Etwas. Das man ob seiner Besonderheit bewundert.

So oder so. Die Frage nach dem Warum finde ich extrem spannend.

Es spielt eine Rolle, von wem wir sexuell belästigt werden

Die schlimm dümmsten Beiträge zu einem Thema, welches gesellschaftlich kontrovers diskutiert wird, haben diesen Ton, von wegen: „Ich will nichts beschönigen, aber…“ Dennoch wird mein kleiner Text genau in jene Sparte rutschen. Dabei will ich gar nichts falsch machen – was die schlimmsten Kommentare zu einem Thema überhaupt sind. Wir sind hier aber bei „Strategien gegen Vernunft“, da muss man auch einmal im Halbjahr auf gängige weise unvernünftig sein.

„Sexuelle Belästigung“ ist das Thema 2017. Es ist eine große und ebenso wichtige Debatte, die da geführt wird. Diese Debatte läuft nun auch schon so lange, dass ich gar nicht mehr darauf eingehen will, wie und durch was sie in Gang gesetzt wurde. Das ist bekannt. Die Frage die mich und alle Männer und Frauen damit am Meisten beschäftigt ist (oder sie sollte es sein) was mein Part in diesem Spiel ist, also wie habe ich mich verhalten? Was habe ich getan? Was nicht? Und wenn dann, was habe ich daraus gelernt?

Ich war nie ein Heiliger, dachte jedoch, mich bei dem Thema auf die Seite „der guten Männer“ stellen zu können. Frauen habe ich immer respektiert und habe sie seit jeher als gleichwertig zu Männern gesehen. Sie waren für mich nie Freiwild, auch wenn ich sie natürlich objektifiziert habe. Ich glaube, dass es in Gedanken auch gar nicht möglich ist, dass nicht zu tun. Gerade in der Jugend, wenn die Hormone der Verstand nahezu überwältigen. Die Frage ist dann nur, was man herauslässt. Wie man damit umgeht. Es ist ja und sollte nie ein Verbrechen sein, wenn man durch einen Mitmenschen geil wird. Das gehört zum Menschsein dazu. Gedanken, Wünsche und Triebe sind frei. Und auch jetzt fallen mir sofort einige Frauen ein, deren Körper und Aussehen nicht anders als in meine geistige Kategorie „Gerät“ passen. Das hatte bei mir nur immer auch mit einer gewissen Form von Anbetung zu tun, als in dem Wunsch Frauen zu erniedrigen, d.h. auf mein Niveau herunterzuholen. Etwas, was die Machtmenschen mit Minderwertigkeitskomplex in Hollywood und sonst wo getan haben. Ja. Ich glaube dass die falsche Ausübung von Macht so gut wie immer mit einem Minderwertigkeitskomplex zu tun haben, von dem keiner von uns frei ist. Wir kommen nicht als fertige Menschen auf die Welt sondern machen uns zu denen, die wir sind; in diesem Zusammenhang vermeide ich die Formulierung: „Wir werden zu etwas gemacht.“ Das mit den äußeren Einflüssen die uns formen ist natürlich richtig. Hier will ich aber diese Ausrede nicht gelten lassen. Denn selbst wenn wir von außen beeinflusst und geformt werden, liegt es doch an uns was wir daraus machen. „Ich konnte nicht anders“ ist beim Charakter keine Ausrede. Denn wenn wir dachten wir konnten nicht anders, liegt es auch daran, dass wir den leichteren Weg in unserer Entwicklung gewählt haben. Man muss nicht alternativlos ein Verbrecher oder Drogensüchtiger werden, nur weil man in solchen Kreisen aufgewachsen ist. Jeder hat die Wahl. Doch ganz gleich was diese Wahl am Ende mit uns gemacht hat, ist in uns dieser kleine Punkt, dieser kleine oder große Haufen an Erfahrungen, an Komplexen, die unser späteres Verhalten in Machtpositionen erklärt. Es ist keine Rechtfertigung zu sagen, dass weil wir in der Jugend ausgelacht oder nicht gefickt wurden, wir im späteren Leben genau deswegen Frauen erniedrigt oder misshandelt haben. Oder Männer. Es ist keine Rechtfertigung. Aber eine Erklärung. Menschen sind nie von Grund auf Böse. Sie haben Gründe für das was sie tun. Auch wenn im seltensten Fall die Gründe schlimmer sind als das folgende Resultat daraus. Ich glaube diese Gründe, diese Komplexe, häufen sich über die Jahre, über die Jahrzehnte an, werden immer größer und größer, da wir sie nie verarbeiten wollen, da es zu peinlich ist, darüber zu sprechen, und irgendwann ist der Berg aus der Wut der Jugend oder der Kindheit groß genug, um ein ihm angemessenes Verbrechen zu begehen. Und wie es so ist mit Verbrechen für die man nicht bestraft oder belangt wird (das ist ja schon so als Kind wenn man zum ersten Mal lügt), handelt man wieder so. Okay. Das ist jetzt mal wieder ganz schöne Küchenpsychologie. So aber. Erkläre ich es mir. Ich, der gar keine Ahnung davon hat in einer Machtposition  anderen Menschen gegenüber zu sein.

 

Und selbst das ist eine Lüge. Sicherlich war auch ich schon in Machtpositionen Leuten gegenüber, habe es so aber nicht wahr genommen. Und ich weiß auch, dass ich mich nicht immer korrekt verhalten habe. Sei es Freunden gegenüber, die ich Alpha-Männer mäßig dominieren musste. Oder Frauen gegenüber, die ich nicht immer korrekt behandelt habe. Ich glaube nicht, dass ich ein TÄTER bin. Aber wahrscheinlich ist es auch so, dass ich selbst das gar nicht einschätzen kann. Keiner kann von sich selbst sagen, ob er Täter ist. Das müssen die anderen entscheiden. Ich selbst kann nur sagen, ob ich nicht doch einige Dinge im Leben hätte anders machen sollen.

Sex ist ein schwieriges Thema. Denn zuerst dreht sich alles um Sex. Und dann um Macht. Über diese beiden Themen kann man natürlich den Hauptbegriff LIEBE schreiben, doch die Liebe ist so ein heiliger, also ein schwammiger, Begriff, dass er alles und nichts aussagt…

Über mich selbst würde ich sagen, dass ich Fehler gemacht habe. Auch wissentlich. Ich daraus aber die richtigen Schlüsse gezogen habe. Ich war in meiner Schulzeit ja auch dass, was ich heute einen „Bully“ nennen würde. In meiner Jugend war ich schon ein ziemlicher Prolet und Alpha-Depp, der andere gemobbt hat. Das tut mir im Rückblick sehr leid. Aber ich musste das auch tun, um heute der zu werden, der ich bin. Das ist keine Entschuldigung. Doch es war leider ein Weg, den ich gehen musste. Wie gesagt. Niemand kommt fertig auf die Welt. Und wahrscheinlich ist dies die Erklärung dafür, warum wir Menschen keine Heiligen sind. Wir alle tragen die Narben der Vergangenheit an uns. Wir alle sind Täter und Opfer zu gleich. Auch und im besonderen in sexuellen Dingen. Daran müssen wir arbeiten. Und deswegen ist diese Debatte auch so wichtig.

Die eigentliche Sache, auf die ich mit dem ersten Absatz einleiten wollte, ist eine andere. Ich sah mir vorhin auf Bild (jaja) ein Textchen über die Prominenten aus Hollywood an, denen sexuelle Gewalt oder Übergriffe nachgesagt wurden. Und mir fiel auf, dass diese Machtmenschen entweder a) nicht gerade schön gewachsen waren, oder aber  b)  sie haben gleichgeschlechtliche Grenzen überschritten haben, also Homosexuelle Männer haben Heterosexuelle begrabscht. Auffällig ist doch – ohne das Thema bagatellisieren zu wollen – dass sich keine Frauen melden, die von den Brad Pitts dieser Welt sexuell belästigt wurden…