Helfen als Investition für die Zukunft

Vielleicht wird es eines Tages so sein wie damals, als wir unsere Großeltern fragten, wie sie zu ihrer Zeit zum Nationalsozialismus standen: Waren sie Täter, Opfer oder Helden?

Was werden wir unseren Kindern und Enkelkindern erzählen? Waren wir diejenigen die, die Vertriebenen unterstützt haben? Oder waren wir jene, die wegsahen?

So hätte ich den Text vor ein paar Wochen angefangen. Seitdem haben sich die Ereignisse überschlagen und die Deutschen stehen als großes solidarisches Retter-Volk da. Es scheint gar nicht mehr um uns Einzelne zu gehen, was falsch ist, denn es sind gerade die vielen Einzelnen, die den Unterschied ausmachen.

Dadurch verändern sich auch die hypothetischen Fragen und die potentiellen Anliegen, die unsere Kinder einmal an uns herantragen werden: War es richtig diese Horde von Asylsuchenden Menschen aufzunehmen?

Aus der Gegenwart betrachtet kann man diese Frage nur mit „Ja“ beantworten. Es sind Menschen die Hilfe brauchen, Existenzen auf der Flucht, und wenn man wirklich für freiheitliche, christliche Werte stehen will, muss man helfen. Irgendwie. Zumindest Mitgefühl haben und seine öffentlichen Sätze so führen, dass man dem Miteinander in der Gesellschaft Kraft und Ausdauer gibt.

In der Retroperspektive fällt die Bewertung der Gegenwart oft ganz anders aus. Niemand weiß was kommen wird. Was aus der Dankbarkeit der „Geretteten“ wachsen kann. Denn die Menschen sind vergesslich. Und Dankbarkeit kann man zwar Kindern und Nachgeborenen lehren, sie werden jedoch in einer anderen Welt, in einer anderen Perspektive leben. Der Krieg der sie vertrieben hat, wird längst zu Ende zu sein und sie werden sich wie vor einem Konflikt gerettet fühlen, den sie nicht kennen lernen und auch nie fürchten mussten…

Nachgeborene können sich in zweiter Generation fremder in ihrer neuen Heimat fühlen, als es ihre Väter, Mütter, Schwestern und Brüder jemals verstehen könnten, die hier Zuflucht vor Mord und Verfolgung bekommen haben, denn auch das Verständnis der Kinder der jetzt helfenden Deutschen wird auf einem anderen Fundament errichtet werden; die Zukunft ist spannender als jemals zuvor. Es handelt sich um ein soziales Experiment, bei dem niemand aussterben will: Weder die Identität der Deutschen, noch die der hier angekommenen Flüchtlingen.

Unsere Gesellschaft wird sich verändern. So oder so. Ob nun Flüchtlinge gekommen wären oder nicht. Die Zeit bleibt nicht stehen. Es ist an uns was wir daraus machen.

Heute ist der Tag an dem meine Landeshauptstadt München um Hilfe ruft. Sie kann alleine nicht mehr für alle Flüchtlinge aufkommen, den zehntausenden, die jetzt schon seit ein, zwei Wochen täglich dort ankommen. Man soll spenden. Schlafsäcke, Isomatten. Und irgendwas würde ich auch gerne tun, nur wegen einem Schlafsack und ner Isomatte fahre ich jetzt auch nicht einfach 100 Kilometer bis nach München.

Ich werde Geld spenden.

Für die Flüchtlinge.

Aber auch für mich selbst. Da ich will dass diese Menschen gut integriert werden und mit uns eine gute Zukunftsperspektive bekommen. Denn bei diesen Menschenmassen ist ihr Schicksal, auch unser Schicksal. Wer in sie investiert, der investiert auch in uns.

Geld schicken fühlt sich immer ein wenig faul, wenn auch nobel an. Als würde man sich nicht die Hände schmutzig machen wollen… Nun. Besser saubere Hände und Geld gegeben, als gar nichts getan haben.

50 Euro müssen es schon sein. Ein Betrag den ich im alltäglichen Leben spüren werde, der mich jedoch noch nicht schmerzt…

Wir sollten nicht nur geben was wir übrig haben. Man sollte aktiv auf etwas verzichten um zu helfen – und keine kleinen Almosen geben.

Spendenkonto für Flüchtlinge:

Kontoinhaberin: Landeshauptstadt München

HypoVereinsbank München
Kto. 81300
BLZ 70020270
IBAN: DE34700202700000081300
BIC: HYVEDEMMXXX

Verwendungszweck: 93254151830057

Beim Verwendungszweck müssen die o.g. Nummern unbedingt angegeben werden!

  • Eine alleinige Zuordnung wie z.B. allein durch das Stichwort „Flüchtlinge“ oder „Münchner Flüchtlinge“ etc. ist leider nicht möglich.
  • Nach dem Verwendungszweck 93254151830057 kann gerne ZUSÄTZLICH ein Stichwort angegeben werden. So fällt ggf. die Zuordnung leichter, falls beim Tippen ein Zahlendreher reinkommt.

Wie die Bild-Zeitung aus schlechter Presse vermeintlich gute macht

Die Bild-Zeitung ist ein Propaganda-Organ – weiß jeder, ist nichts Neues und doch ist es immer wieder einen Blog-Eintrag wert, solange Springer gegen Menschen hetzt.

Vorgestern erschien also die „Bild-Zeitung“ ohne Bilder, als Reaktion der Redaktion auf die Kritik über das Abdrucken des Fotos über das tote Flüchtlingskind am Strand – jeder kennt das Foto inzwischen.

Ich selbst fand das Bild nicht so wild. Klar, es ist hat Symbol-Wirkung und steht für vieles was falsch läuft in dieser Welt (nicht nur die Flüchtlingspolitik Europas, da kommen auch noch andere Faktoren dazu), nur passieren leider überall auf der Welt weitgrausamere Dinge, nicht nur gegen viele wehrlose Kinder, sondern gegen noch mehr wehrlose Menschen an sich.

BILD hat das ganze Propaganda-mäßig ausgenutzt und sich in der Debatte zum Opfer stilisiert – das muss man auch erst einmal hinbekommen. Jetzt wirklich. Aus einem toten Kind eine verdrehte Image-Kampagne für sich selbst zu deichseln: Muss man a) erst einmal können und b) auch die Unverschämtheit dazu haben.

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Einen Tag später druckte die Bild-Zeitung in ihrer nächsten Ausgabe die Ausgabe vom Vortag noch einmal mit Bildern ab, im Mini-Format, mit tollen und stets pro-Bild Kommentaren von vermeintlichen Lesern dazu, dass man doch BILDER braucht für so eine BILD-Zeitung; da wird einem gleich richtig schlecht wenn man die Leute da sieht und hört, die sich für Bilder in einer Zeitung aussprechen, wobei jedem (ich wiederhole JEDEM) klar ist, dass es nicht um Fotos an sich geht, sondern um den Rücksichtsvollen Umgang damit.

(Meiner Meinung nach sollten viel mehr schockierende Bilder abgedruckt werden, das nur so nebenbei)

BILD hat also mal wieder die Bedeutung auf den Kopf gestellt und macht sich damit über die Intelligenz ihrer Leser lustig. Es verspottet sie sogar, denn so blöd ist nun hoffentlich keiner um darauf hereinzufallen.

Noch schlimmer wird es, wenn man sich das Foto von mir genau ansieht: Die Bild-Zeitung ohne Bilder, ist nämlich nicht ohne Bilder. Die Werbung haben die Herrenmenschen schön abgedruckt. Was zeigt: Am Ende geht es nicht um Pressefreiheit, um vorgetäuschte Demokratie oder der Anwalt des kleinen Mannes zu sein. Ums Geld geht´s. Natürlich. Und das spucken sie den Leuten auch noch ins Gesicht.

Soweit nur ganz kurz, das hat mich jetzt richtig geärgert. Wie dreist das ist. Ich muss weiter