Boykott der FIFA-Fußball-WM und des Konföderationen-Pokal in Russland

Ich komme aus einer bayrischen Kleinstadt. Das betone ich um meinen Background zu verdeutlichen. Hier, in diesem Kaff kenne ich keinen einzige/n Homosexuelle/n, deswegen habe ich nur Berührungspunkte mit dieser Bevölkerungsgruppe, wenn ich in die Großstadt fahre. Für mich ist es immer noch ein merkwürdiger Anblick wenn ein gleichgeschlechtliches Pärchen sich in der Öffentlichkeit küsst. Genauso merkwürdig ist es für mich, eine Frau in der Öffentlichkeit beim Stillen zu sehen. Na ja. Ich gehe auch nicht viel in Restaurants…

Hier komme ich also her. Bin liberal und ganz egal was ich behaupte und wie ich mich gebe, eher konservativ. Natürlich kenne ich ein paar Homosexuelle Leute, denke aber an niemand konkreten, dessen Rechte ich unterstützen will wenn ich sage, dass Menschen diejenigen lieben sollen, die sie lieben müssen und wollen. Ich finde das einfach richtig. Und ich gebe zu (und mache mich damit auch ein wenig zum Kleinstadttrottel –  na und?) dass mich offen homosexuelle Menschen in meiner direkten Umgebung erst einmal irritieren würden; doch das würde nur meinen Kopf irritieren, nicht mein Herz. Und der Kopf ist ein Erfahrungsbiest. Der braucht nur Gewohnheiten. Das Herz dagegen muss von Natur aus verstehen was richtig und was falsch ist.  Das sollten auch die Russen wissen. Auch wenn sie in einer anderen Kultur leben als wir hier in Europa. Meiner Meinung nach gibt es für den Hass den sie schwulen und lesbischen Menschen (und Transgender) entgegen bringen, keine Rechtfertigung. Seit 2013 wird dort Homosexualität sogar mit Pädophilie gleichgesetzt, weshalb jede öffentliche Zurschaustellung von Homosexualität verboten ist, da die Gefahr besteht dass sich Kinder beeinflusst fühlen und deswegen zu Schwulen gemacht werden – aha.

 

Weiterhin ist es mein Standpunkt, dass „die Russen“ aus den von ihnen völkerrechtswidrig besetzten Gebieten in der Ukraine abziehen müssen, um damit den dort von ihnen verursachten Krieg zu beenden. Dass ich mich mit diesem Thema auseinandersetze und diese Haltung vertrete, hat persönliche Gründe. Dazu stehe ich. Dennoch folgt es der gleichen Logik, die der Toleranz gegen über LGBT-Menschen folgt: Es fühlt sich einfach richtig an. Die Ukraine ist ein selbstständiger Staat, in der eine fremde Besatzungsmacht – egal ob sie sich als „Großer Bruder“ fühlt oder nicht – nichts verloren hat. Und wer damit argumentiert, dass doch viele Menschen im ukrainischen Grenzgebiet zu Russland leben und Russland näherstehen als der Regierung in Kiew, dem kann ich nur erwidern, dass es sicherlich viele Menschen in Ost-Deutschland gab die den Russen nahestanden, dass dies aber keine Rechtfertigung dafür ist, dass Russland Ost-Deutschland besetzt. Der Vergleich ist anschaulich. Hinkt natürlich ein wenig – denn die Ukraine ist nicht Ost-Deutschland. Der Grundgedanke von selbstbestimmten freien Ländern ist jedoch der Gleiche.

 

Schon vor ein paar Wochen fragte mich meine Freundin, ob ich es nach all meiner Maulhelderei überhaupt hinbekommen würde, die anstehende Fußball-Weltmeisterschaft in Russland zu boykottieren. Das machte mich nachdenklich. Ehrlich gesagt kann ich mich nicht einmal daran erinnern, ob ich die Olympischen Spiele in Sotschi gesehen habe. Bestimmt habe ich irgendwas davon im TV nebenher laufen lassen. Daran sieht man aber, dass ein Boykott der Olympischen Spiele in Sotschi für mich viel zu leicht gewesen wäre, denn dann könnte man gleich behaupten dass jedes Desinteresse einem Boykott gleichkommt. Fußball dagegen, mag ich.  Nicht gerade diesen Nationalfußball, den Jogi-Ball, für den sich die Massen interessieren. Mein Verein ist der BVB und die Liga finde ich spannend. Dennoch sitzt man halt doch gerne im Sommer zu Turnier-Zeiten mit Freunden zusammen und hat dieses Kollektiverlebnis, welches es ansonsten kaum mehr gibt in unserer freien Gesellschaft: Wann sitzt man schon noch mit Freunden zusammen und erbost oder erfreut sich über das gemeinschaftliche Gleiche? Das macht Spaß. Zusammen unterhält man sich halt doch am Besten. Und sich zusammen zu Freuen ist am Schönsten. Wann freut man sich denn noch zusammen?

 

Die letzten Absätze habe ich vor ein paar Tagen geschrieben und schon bin ich nicht mehr so sehr überzeugt von meiner Idee die WM zu boykottieren – aus purer Bequemlichkeit. Aber wenn man für eine Meinung steht, dann muss es auch „wehtun“ sie umzusetzen. Jetzt schauen wir mal was für eine Form von Schwätzer ich bin. Oder auch nicht. Los geht es in einer Woche mit dem Confederations-Cup. Der ist nicht nur für Russland ein Probelauf.

Woody Allen und Guardiola

In den Simpsons sagt Ned Flanders einmal, dass er die Filme von Woody Allen möge, nur nicht den hektischen Typen der das jedes Mal mitspielt.

 

Nach gestern könnte man das Gleiche über den FC Bayern und Pep Guardiola in den letzten Jahren sagen: Man mochte die Spielweise des FC Bayern, nur nicht den dauerpräsenten, hektischen Typen der da an der Seitenlinien herum sprang 😉

 

Ich bin aber nicht die nationale Presse, die nach einem schlechten und verlorenem Spiel der Bayern gleich die Hände über den Kopf zusammen schlägt. Für eine Krise gehört mehr als ein verlorenes Spiel – oder drei Unentschieden in Folge wie bei Real Madrid. Schon schlimm was man sich von den Medien für einen Blödsinn anhören muss, wenn man nur Fussball schauen will.

Der Niveauvolle Absturz

„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Den Satz habe ich noch nie begriffen, bedenkt man, dass man immer und überall aufgefordert wird, unter seiner Würde behandelt zu werden. Siehe „Subways“, „Ikea“ usw. diese Orte, an denen man aufs härteste Gedutzt wird, total lässig und Amerikanisch soll das sein. Ich. Finde. Das gar nicht lässig. Es ist unhöflich auch wenn man hier noch nicht vom totalen Verlust der Würde sprechen kann.

Als Fußball-Fan (von Eishockey ganz zu schweigen) ist es auf eine andere Art schwer seine Würde zu behalten, da der von der Gesellschaft vorgeschriebene Fan-Code, dieses Wie-ein-Fan-auszusehen-und-sich-zu-verhalten-hat, ultrabrutal und unwürdig ist. Ohne Ballermann-Auftreten und Gegröle scheint es nicht zu gehen. Noch schlimmer dieses grauenhafte (noch einmal: grauenhafte) Merchandise in Schwarz/Rot/Geld (von wegen GOOOLD): Nichts gegen Schals… Doch was sollen diese Maler/Fischer-Cappys, Pickelhauben oder Perücken in den Nationalfarben? Diese eingefärbten Sonnenbrillen, die angemalten Gesichter und die Fähnchen-Mützen? Die Speedsuits, die Schwarzrotgelben Blümchenketten, Cowboy-Hüte, Zylinder oder altgriechischen Kampfhelme? Und nun mal ehrlich: Welcher Bierbäuchige Fan sollte ein Trikot tragen, in das eigentlich ein Mario Götze oder Schweinsteiger passen sollte?

Weshalb ist das Fan-Verhalten oft so Stil- und ja, Würdelos? Weshalb brauchen die Massen überhaupt diesen Herdentrieb, dessen Vorbild der irische Dorfsäufer aus dem 18ten Jahrhundert ist? Da würde sich sogar James Joyce im Grabe umdrehen…

Man muss diese Gesellschaftsspiele nicht mitspielen und am Ende greift einen doch der Gruppenzwang am Schlawickel und zieht einen mehr oder weniger hinein…

Weshalb verfallen unsere Sitten so derart, schon im Kleinen? Es ist ja nicht „der Einzelne“, es ist das große Ganze. Das „Öööööööööiiiiiii!!!“ der Betrunkenen ist zu dem Schlachtruf ganzer Generationen geworden. Und bedenke: Heute wird weniger gesoffen als früher. Und die Gesellschaft ist sehr viel freier als noch vor 40, 30 oder sogar vor 20 Jahren; wovon müssen sich die Leute denn heute noch freifeiern und trinken, als vor der eigenen Langeweile? Nimmt uns der Wohlstand die Würde? Steht die Dystopie von „Idiocracy“ nicht schon längst in den Startlöchern?

Die kultivierte Dummheit, die man mit der kultivierten Niveaulosigkeit gleichsetzen kann, ist allgegenwärtig. Auch. Und gerade weil diese Niveaulosigkeit anfangs sicherlich – und davon bin ich überzeugt – aus der Ironie geboren wurde, bis aus dieser Ironie eine Lebenshaltung geworden ist; das ist in etwa so wie es Leute gibt, die die Ironie von K.I.Z. oder eines Mc Fitti als ernste Überzeugungen auffassen. Solche Trottel gibt es. Und sie bestimmen, nach und nach unsere Würde.

Es geht nicht nur um die Verrohung der Sitten. Es geht viel mehr um die Einstellung dazu, wie man sich einen Traumgeisteszustand imagisiert und dann auch durchlebt.

Ich weiß, dass ist jetzt mal wieder sehr schwarz in schwarz geschrieben und das Thema kommt immer wieder bei mir. Doch ich werde nicht wanken. Und immer wieder für den Niveauvollen Absturz eintreten. Den es gibt. Und der jedem zusteht.  So wahr mir Gott helfe.

 

Das Selbstverständnis von FIFA, DFB, dem FC Bayern, und von Beckenbauer und Rummenigge

An Herren Rummenigge, der hoffentlich noch ganz besoffen von den glänzenden Quartalszahlen des FC Bayern ist:

 

Es spielt keine Rolle wie viele Titel Franz Beckenbauer für den DFB oder auch für den FC Bayern geholt hat, denn dadurch steht man nicht über dem Gesetz. Das ist typische FC Bayern-Arroganz überhaupt auf so einen Gedanken zu kommen – und das sage ich als Bayer und Fußball-Fan (wenn auch nicht von FC Bayern).

Niemand darf über dem Gesetz stehen, auch kein ehemaliger Bundeskanzler.

 

Sind wir froh über die WM 2006? Natürlich. War eine geile Zeit. Aber hätten wir die WM ausrichten dürfen, ohne  dazu in krumme und zwielichtige Geschäfte einzustimmen? Ich weiß nicht, bei einem durch und durch korrupten Verein wie bei der FIFA ist das zumindest fraglich.

Und nein,  ich denke auch nicht das die deutsche Wirtschaft ständig Exportweltmeister wird und sich dabei nie die Konten schmutzig macht, obwohl man in sehr viel Länder verkauft, in denen die Korruption Gang und Gäbe ist. Macht es das aber besser? Heiligt der Zweck die Mittel? Und gibt der Erfolg Recht? Wenn man nämlich dieser Form von Erfolg ständig Recht gibt, dann wird sich nie etwas ändern.

Desweiteren muss man auch mal sehen was dieses System der Bestechung mit Ländern anrichtet, die eben nicht so reich wie wir sind. Da sind wir schon wieder bei dem am meist gebrauchtesten, gängisten Argument überhaupt: Unser Reichtum ist auf dem Leid anderer Menschen aufgebaut. Oder glaubt irgendjemand wirklich, dass Entwicklungsländer und deren Wirtschaft mit Deutschland konkurrieren können, sei es auch nur im Bestechungsgeld-Ranking? Wie soll dort eine Wirtschaft entstehen, die ihr eigenes Volk würdevoll ernähren kann?

 

Rummenigge und all die anderen, die Beckenbauer oder Ulrich Hoeneß zur Seite springen und sprangen, spielen positive Emotionen gegen Recht aus. Das ist Populismus in Reinkultur. Was nicht besonders überrascht, wenn man ein Geschäft betreibt – Fußball – das zu 100 Prozent aus Emotionen besteht.

Da sieht man dann auch keine Sklaven mehr…

Borussia Dortmund gegen Paderborn – krank im Stadion

Ich würde gerne davon erzählen wie maßlos viel Spaß so ein 7 zu 1 Sieg sich im Stadion anfühlt, nur war ich leider erkältet und deswegen fast schon genervt bei jedem der 7 Tore aufstehen und jubeln zu müssen.

Es war bei mir wirklich vorhersehbar das ich nach all dem Arbeitsstress im Urlaub krank werden würde – besonders wenn man 5 Stunden in nem ICE verbringen muss, in dem jeder und jedem die Nase läuft.

Also wieder ab ins Bett, „orange is the new black“ und Kram über gestern gucken 😉

Wobei. Das Gegentor ja wirklich einzigartig furchtbar war 😀 Da konnte man echt vom Glauben abfallen 😉

In den Signal Iduna Park werde ich natürlich auch in Zukunft noch gerne gehen, um diese ganz besondere Atmosphäre zu spüren, auch wenn im DFB-Pokal nicht ganz so der Busch brennt wie in der Liga; GEIL war es trotzdem