Großvaters Vermächtnis

Tommy braucht Hilfe, denn Tommy zieht mit seiner Freundin in das Haus seines Großvaters. Sein Großvater, der Alois, hatte das Haus in den 50ger Jahren, nach der Kriegs-Gefangenschaft, mit seinen eigenen Händen gebaut. Er hatte es nicht nur mit dem Architekten GEPLANT wie das heute der Fall ist, den Bau dann ÜBERWACHT, wie es einem der Gastgeber im frisch errichteten Eigenheim in unseren Tagen mit Whiskey-Glas in der Hand so stolz erzählt, als hätte er selbst die Ziegel geschlagen und nicht nur ausgesucht. Nein. Der Alois hat das mit seinen Brüdern und Freunden alles selbst gemacht, vom Ausheben des Kellers bis zum Legen der Ziegel auf dem Dach. Mit jenen Brüdern und Freunden, die der Krieg ihm gelassen hatte.

„Scheiß alter Dreck“, flucht Steve draußen im Gang, wie er da versucht neue Kabel in die Wände zu ziehen, „alle Schächte sind total überladen mit diesen Schrottkabeln!“ „Vor 60 Jahren hat man halt noch anders gearbeitet als heute. Und es hat ja bis heute gut gehalten“, meint Tommy dazu, ein wenig trotzig, ein wenig peinlich berührt und doch ebenso ein kleines bisschen stolz auf seinen Großvater. Durch seiner Hände Arbeit.

 

Ich bekomme davon gar nichts mit. Drinnen im Haus zerlege ich mit weitausholenden Schlägen die Küche. Vor jedem Hieb überlege ich mir die Mathematisch richtige Schlagrichtung um die Nägel und den Leim zu überlisten, dann KRACH! und die Küche geht ein klein wenig mehr ihrem Ende im Bauschutt entgegen.

Im Esszimmer hängen noch schwarzweiß Bilder von einem wüst schnauzbärtigen Mann im Nietzsche-Stil und einer hübschen, Bäuerlichen Frau in Schürze und Kopftuch. Den Ur-Großeltern von Tommy. Die den Krieg nicht überlebt haben. Tommy weiß nicht einmal mehr, welchen Krieg.

 

Der Alois, Tommys Opa, war nie mehr wirklich aus der Gefangenschaft, aus dem zweiten Weltkrieg zurückgekehrt. Ja. Er hat dieses Haus gebaut. Hat seinen Sohn bekommen. Den Bruno, den Vater von Thomas, der für uns der der „Tommy“ ist. Und dennoch war der sogenannte „Lois“, wenn auch körperlich unversehrt, geistig extrem kriegsversehrt, ständig betrunken durch dieses alte Haus  gelaufen. Die Geschichten und Erinnerungen von Tod und Angst in seinem Kopf. Eingebrannt wie eine Prägesignatur bei einem Zuchtrind; er würde immer dem Krieg gehören. Tommy hat mir so einiges über seinen Großvater erzählt. Und. Es hatte mich sehr an meinen eigenen Opa erinnert. Hieb! KRACH! Geht die Vergangenheit und all ihre Schmerzen zugrunde.

Es staubt in der Küche. Noch mehr im Bad. Wo der Metin die Fließen von den Wänden meißelt. Und wir Alle atmen den Staub der Vergangenheit ein. Räuspern uns. Und spucken aus.

 

Als die Küche verschlagen ist und wir deren Überreste draußen in den großen, anonymen, alten Metall-Container geworfen haben (ich habe noch nie einen NEUEN Bauschuttcontainer gesehen), gehe ich in die Küche und nehme mir den großen Eichenholzschrank vor. Tommy hilft mir ihn so in den Raum zu legen, dass ich ihn am Leichtesten in seine Einzelteile zerschlagen kann. Plötzlich.

Als ich die Rückwand zertrümmere. Fällt eine große Schatulle heraus. Der Holzwandschrank hatte eine verstecke Zwischenwand. Tommy und ich machen „Oho!“ Gesten und Gesichter.

In der großen Schatulle – ich weiß gar nicht ob das Wort SCHA-Tulle passend ist, es ist nur das einzige Wort was mir dazu einfällt – sind alte Fotos. NACKTBILDER, vergilbt. Amateur-Aufnahmen. Und Tommy lacht mich peinlich berührt an: „Das ist meine Großmutter!“

„Der Lois, der alte Schelm“, lache ich. „Das braucht dir nicht peinlich sein…“ Ich überlege, dann weiter: „Du Tommy. Du musst mir einen Gefallen tun wenn ich mal sterbe.“

„Hm?“ Geistesabwesend:  „Tun ist schlechtes Deutsch.“

„Wenn ich mal tot bin, dann geh durch die Wohnung, Haus, wie auch immer und vernichte den ganzen Porno-Kram der bei mir herumliegt.“

„Echt? Du hast noch Porno-Kram?“

„Ähm. Ich meine. Lösche meine Festplatte.“

„Versprochen Großer.“

Unter den Fotos von Oma, in der sie vielleicht Mitte 20 gewesen sein muss, sind noch andere Fotos. Sie sind alt, dabei aber erkennbar neuer als die von der nackten Großmutter. Sie haben einen Rot-Stich. Vielleicht aus den 60gern? Siebzigern? Darauf sind eine junge Frau. Sie sieht nicht sehr glücklich aus. Da so an den Stuhl gefesselt. Irgendwer hat sie geschlagen. Eine schöne junge Frau. Toller, wirklich geiler Körper, gutes Gesicht. Komische, veraltete Frisur.

„What the fuck?…“ Tommy schaut mich an. Und darunter sind noch mehr Fotos. Polaroids. Die noch AKTUELLER sind. Wieder eine junge, hübsche Frau. Eher. Ein Mädchen. Wieder wurde sie an den gleichen Stuhl gefesselt. Wieder wurde sie geschlagen.

Als ich den Hintergrund sehe, murmle ich, nicht erschrocken, abwesend: „Das ist doch hier im Keller oder?“

Tommy und ich sehen uns an. Ganz unten in der Box ist: „Hanf?“ Tommy ist verwirrt, hält mir das hin, was er für Hanf-Fasern hält. Nicht der zum Rauchen. Sondern so einer, mit dem man Dampf-Leitungen isoliert.

Ich: „Tommy. Das ist kein Hanf.“

Und er: „Das sind Haare!“

Er lässt sie fallen. Auch die Schatulle. Und wir stehen da. Sprachlos. Während Metin drüben die Fließen von der Wand meißelt das es nur so staubt.

Ich bin es, der als erstes die Sprache wiederfindet: „Ich glaube, dein Opa hat dir nicht JEDE Geschichte über den Krieg erzählt.“

Und Tommy meint nur Kreidebleich: „Wir sollten uns den Garten mal genauer ansehen.“

Die verschiedenen Gesichter der deutschen Weltmeister

Und wenn schon? Wen interessiert es denn nun wirklich ob die Weltmeisterschaft 2006 gekauft wurde? Korruption ist ein Weltweites Problem und Deutschland war  sicherlich nicht so viele Jahre Exportweltmeister, ohne dass dazu die eine oder andere Mark „spendiert“ wurde.

Korruption ist ne blöde und schlimme Sache, die für viel Ungerechtigkeit auf der Welt sorgt, das ist keine Debatte wert, die Verwunderung darüber das es wohl gesehen ist,  teile ich nur nicht.

Ich habe mich einmal vor vielen Jahren über den Wandel des Kleidungsstils hier im Blog echauffiert (siehe damals die fetten Kerle in ihren „Wir sind Opel“-Shirts, kontra die dürren Arbeitslosen im Anzug! während der Weltwirtschaftskrise), jetzt ist mir, im Zusammenhang mit der gegenwärtigen Beckenbauer-Affäre und den dazu gezeigten Bildern, aufgefallen, wie sehr sich die Art des Feierns der deutschen Nationalmannschaften beim WM-Pokal- Gewinn verändert hat:

1954  

1974

1990

2014

Wenn man den Links folgt sieht man nicht nur 11 Männer die sich freuen. Bei genauerer Betrachtung ist zu sehen, wie die Freude immer erst kindischer, dann viehischer, würdeloser wird.

Heute schreien sich die „Herren“ weg wie die Tiere, während – siehe Beckenbauer 1974 – Jahrzehnte vorher noch, ich würde aus heutiger Sicht sagen, mit verhaltener und doch sichtlicher Freude der Pokal emporgereckt wird (1954 sogar gar nicht, da wurde noch der TRAINER gefeiert, nicht die eigene Leistung…). Heute reißen alle Dämme.

Frage: Wie sieht das beim nächsten WM-Gewinn aus? Reißen sich die Männer dann gleich wie die Tiere die Trikots vom Leib? Pinkeln sie sich dann Jahrzehnte später auch gleich noch ins Gesicht? Klar: Übertreibung. Die Frage bleibt offen: Was wird uns, wenn man diese Entwicklung ernst nimmt und sie auf die gesamte Gesellschaft auslegt, für die diese Fußball-Millionäre eine Metapher bedeuten?

Ich finde es sehr bemerkenswert, wie der deutsche Mann sich über die Jahrzehnte selbst entfesselt hat. Es gibt sicherlich viele Leute die rundum und ohne Vorbehalt sagen würden, dass das eine gute Entwicklung sei; ich bin mir dabei nicht so sicher.

Wo ist die Würde? Wo ist die Größe?

Umgekehrt ist (und das habe ich schon oft festgestellt) es sogar noch erbärmlicher zu sehen, wenn Männer mit Körpern aus Stahl nach einem verlorenen Fußball-Spiel auf dem Boden liegen und weinen wie kleine Mädchen… Sie haben es sich doch so sehr gewünscht zu gewinnen…  

Was soll das? Was wird aus uns? Aus unseren Gefühlen? Wo hat das ein Ende? Wird das Verhalten des Pöbels einem das perfekte Ideal? Werden wir eines Tages zu vollendeten Kindern werden?

Das sind Anzeichen für unseren Ausverkauf an den Jugendwahn.

Mit 30 schon gestorben, mit 70 erst begraben

Wir sitzen an einem langen Tisch. Die Zeiger der Uhr an der Wand sagen: Es ist nicht mehr früh, auch noch nicht spät nachts. Genauer: Kurz nach Geisterstunde. Und doch schweben die Geister der Vergangenheit noch über uns. Sie haben es verpasst zu gehen.

Es ist Geburtstag und der Gefeierte geht auf die 40.

Auf dem langen Tisch liegen die Zeichen des Tages, Brösel von Salz-Zeug („Sticks“, „Chips“ „Goldfischli“), getrocknete Flecken, vergessene Servietten, leere Flaschen, halb volle Gläser. Das Tischtuch ist an mehreren Stellen aufgequollen, an manchen Stellen zerschnitten.

Alle sprechen durcheinander und ich erzähle meinem Nachbarn, einem langjährigen besten Freund (von dem es in der persönlichen Wahrnehmung so viele gibt), von dem neuem Video der Sofa Surfers.

Er: „Sofa Surfers?“

Ich: „Die machen auch den Soundtrack für diese Brenner-Filme. Josef Hader.“

„Kenne ich nicht.“

„Hab ich dir mal die DVD gegeben. Dieses Österreichische Krimi-Zeug.“

„Habe ich nicht gesehen.“

„Egal. In dem neuen Video haben die so ne Table-Dancerin. Das Lied an sich ist nicht sooo überragend. Doch wie die tanzt: Voll gut! Musst du dir ansehen.“

„Sieht die toll aus?“

„Hat schon nen tollen Körper. Darum geht es aber nicht. Es hat wirklich so einen künstlerischen Touch. So ästhetisch.“

„Ja zeig mal.“

„Jetzt?“

„Warum nicht?“

Ich ziehe mein I-Pad heraus und zeige ihm das Video.

Ich: „Siehst du was ich meine? Diese Schwerelosigkeit? So ein großer Körperlicher Aufwand und es sieht so mühelos aus. Als würde sie schweben.“

Er: „Geile Sau!“

Ich: „Hm?“

Seine Frau dreht sich zu uns um.

Sie: „Was seht ihr da für einen Schwein-Kram? Muss der Porno-Fleming jetzt auch schon hier sein Zeug auspacken?“

Ich: „Was? Wie hast du mich genannt?“

Wir sehen uns irritiert an.

Ich: Fassungslos.

Sie: Irgendwie enttäuscht und doch… Herausfordernd.

„Mir geht es dabei um die Ästhetik. Nicht um die Alte.“

Sie: „Ja. Klar. Mhm. Wenn du es sagst.“

Ich seufze.

Der Unterschied ist, dass die meisten hier am Tisch mindestens schon 6 bis 10 Jahre verheiratet sind. Ich dagegen nicht. Überhaupt nicht. Unsere Leben unterscheiden sich komplett. Ich, der ewig Junggebliebene, der sich noch mit Mitte 30 für Dinge interessiert, für die sie sich kurz in der Jugend Zeit nahmen. Sie, die totalen Eltern, die ihr Leben glücklich für ihre Kinder hingeben und  durch diese SELBSTLOSIGKEIT glauben, sich jedes Urteil über mich erlauben  können dürfen. Neidisch sind beide Positionen aufeinander, was keiner zugeben würde. Akut lächerlich finden sich beide Lager aber auch.

Die in Wahrheit gar nicht mal so superjunge Frau in dem Video sieht eindeutig NICHT so aus wie die Frau meines Freundes.

Mich erinnern die Beine und der Arsch der Künstlerin an eine Dame, die ich einmal näher kennen lernen durfte. Ich bin gar nicht so stolz auf diesen Fakt wie die hier am Tisch Versammelten vielleicht meinen könnten.  Und ich sehe in Wahrheit überhaupt nicht auf meine hier zusammen gefundenen Kollegen und Freunde herab, die wilden Sex nur noch als Geburtstagsgeschenk von ihren Frauen bekommen (wenn überhaupt).

Unsere Leben sind einfach anders verlaufen.

Doch. Nein. Es geht mir nicht um Sex oder irgendwelches Dominanzverhalten, nein, es geht mir um die Gegenwärtigkeiten unseres Daseins; hier an diesem Ort, in diesem Vakuum der Geburtstagsfeierei, dreht sich der ganze Akt des Beisammenseins um früher, damals, „weißt du noch?“ Die Zukunft muss draußen bleiben.

An Geburtstagen ist das schon okay, nur geht es bei diesen Treffen die ganze Zeit nur darum, immer, stetig und doch ohne Bewegung, um die Vergangenheit.

Die Zukunft ist ziemlich egal, außer es hat etwas mit ihren Kindern zu tun, denn die Zukunft „gehört den Kindern“, hier am Tisch kann man das wirklich spüren. Die Vergangenheit gehört uns und damit sollen wir uns doch (bitteschön) zufrieden geben. Dafür kann sie uns niemand nehmen.

Niemals können wir sie loslassen, uns von ihr erholen –  und wir sind noch nicht einmal 40.

Der andere Junggebliebene am Tisch ist noch immer drauf, immer noch auf Speed, und dafür wird er von den Blicken der anderen als ewiger Idioten abgekanzelt; man ey, bekomm doch mal dein Leben auf die Reihe! Und später dann. Beim Rauchen. Fragen sie bei ihm an. So in nem Nebensatz. Ob er für sie was dabei hat. So als Ausnahme. Weil man doch auch gern ein wenig Lebensqualität hätte. Auch wenn er mit seinem Dauerkonsum jedes Gefühl dafür verloren habe.

Irgendwie tut er mir leid. Irgendwie. Doch „jeder ist seines eigenen Schicksals Schmied“; das ist aus „Terminator 2“ und was ist die Zeit anderes, als ein Zerstörer?

Eine andere Bekannte erzählt mir total euphorisch, wie toll der neue Minions-Film sei, dass man sich das auch als Erwachsener supergut mit seinen Kindern ansehen könne. Diese Filme seien für jede Generation gemacht. Wie Kätzchen-Videos. 

Und ich muss dabei an gestern denken, als ich mir im Kino das Bergsteigerdrama „Everest“ angesehen habe, in der die Gruppe von Berg-Touristen auf die Frage des Journalisten, WARUM sie unbedingt auf den Berg wollen keine klare Antwort parat haben, nur irgendwas mit Freiheit, Mystifikationen… Und das Erwachsen werden ist dieser Berg, den einige besteigen und von ihm stolz und aufrecht zurückkommen um ihr Leben lang davon zu erzählen, während andere dabei zugrunde gehen oder gleich in einem Lebenssturm elendig verrecken; das Clou ist die Perspektive: Jeder urteilt anders über den anderen, ob er den Berg gemeistert und nun gesund und prächtig im Leben steht. Und keiner steht dem anderen seine eigene, persönliche Sicht der Dinge zu.

Das ist grausam.

Und deswegen sage ich nur: „Den Minions-Film werde ich mir nicht ansehen.“

Einstmals haben wir als Gruppe begonnen diesen Berg zu besteigen, zurückgekommen sind wir als ein Häufchen Individuen, von denen jede und jeder etwas anderes gelernt hat. Ich weiß gar nicht was uns mehr geprägt hat, die Schrecken oder das erfahrene Glück?

Wir hören alte Musik, teilweise wippt und sing man mit. Es sind die gleichen CDs (ja, echte CDs), die in ihren Autos rauf und runter laufen. Natürlich nicht nur alte Musik. Die Musik klingt nur so. Nach ihren Charakteren.

Die Gläser klirren beim Zuprosten aneinander.

Es wird gelacht. Hauptsache gute Laune. Das ist der Konsens. Den ich auch und noch nie ganz verstanden habe. Diesen zwingenden Faschismus der guten Laune…

Irgendwann kommt der Punkt, an dem über die Asylanten gelästert wird und man hört aus den Männerkehlen mehr Verbitterung und Angst, als den dominanten Hass, den sie absondern wollen. Die Frauen sponsern dazu ihre beruhigenden, schlichtenden Sätze, die dabei doch von der Furcht geprägt sind, ob ihre Kinder es einmal gut haben werden (werden sie Fremde im eigenen Klassenzimmer sein?) – und ob sie sich als Frauen noch sicher über die Straße trauen können. Man hört doch so viel.

Die Stimmung ist ängstlich aufgeladen, bei all der Wucht der Phrasen und Parolen. Ich kann es ihnen nicht übelnehmen. Abstoßen tut es mich doch. Jetzt ist keine Zeit für Argumente. Das habe ich gelernt. Sonst werde ich nur wieder als „Judendrecksau“ beschimpft. Und es wäre wie nach dem letzten Disput dieser Art: Nach meinem Abtritt geht alles seinen gewohnten Weg. Die stolzen und aufrichtigen Beteuerungen spielen dann schnell keine Rolle mehr. Schließlich habe man mit XY schon so viel erlebt, dem kann man doch nicht dauerhaft böse sein; wieder die Vergangenheit, wieder das Gestern.

Ich höre mir das an. Trinke meinen Jägermeister. Und denke über das Damals nach. Und an das nicht vorhanden sein der Zukunft in diesem Raum. Ja. Nein. Wenn man so sehr in der Vergangenheit feststeckt, ist es normal feindlich und ängstlich zu gleich zu sein. Weil man ja nichts hat außer der Erinnerung, die man festhalten will.

Und doch ist das keine gute Rechtfertigung.

Man kann seinen Kindern nicht den Frieden seiner eigenen Jugend schenken.

Draußen beim Rauchen entschließe ich mich bald zu gehen. Und in diesem stillen Moment fragt mich meine alte Freundin, ob ich mich noch erinnern kann, an früher, als wir zusammen intim geworden sind. Sie lächelt mich dabei so komisch an. So Schulmädchenhaft. Irgendwie süß. Und ich kann nur die Wahrheit aussprechen, die alles unter sich begräbt: „Das ist doch schon so dermaßen lange her. Das ist doch schon gar nicht mehr wahr. Da waren wir noch ganz andere Menschen.“

Ihre Reaktion zeigt mir: Für sie nicht.

Kurz gehe ich dann noch einmal hinein. Verabschiede mich von diesen Menschen, die an diesem Ort, die in dieser Zeitkapsel, gefangen sind und das richtig abfeiern.

Es ist nicht immer was Gutes, wenn man sich schon so lange kennt. Manchmal kennt man sich einfach zu lange und plant die einzige Form der Zukunft dadurch, dass man sich ewig gemeinsam an Früher erinnert. An die gute, alte Zeit…

Das ist aber nicht meine Vision von der Zukunft…