Fußball kann wie Formel 1 sein

Stimmungslage:

Die diesjährige EM beobachtet mancher so, wie er sonst Formel 1 schaut: Man sieht eigentlich nur in der Erwartung an Unfälle, Katastrophen und Tod hin…

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Die neuesten Attentate auf die Freiheit

Ich glaube nicht dass ich etwas unglaublich Wichtiges oder gar Neues zu den Geschehnissen gestern in Paris beitragen kann. Und dennoch ist es wichtig in diesen Zeiten seine Meinung zu sagen, auch wenn man nicht derjenige ist, der die Debatte auf ein neues Level heben kann.

Das Spiel habe ich gestern live im Fernsehen mit verfolgt, sowie die betroffene Berichterstattung zu den Anschlägen von dem ziemlich hilflosen Sportreporter Matthias Opdenhövel und einem am Boden zerstörten Mehmet Scholl. Heute habe ich viel auf Facebook zu dem Thema gelesen, Phoenix gesehen und nach all dem ist mir klar, dass ich nichts mehr sagen kann, was nicht schon ein anderer vor mir gesagt hat – und ich finde gerade das bemerkenswert, dass die meisten von uns ziemlich gleich ticken, wir solche Taten (egal wo auf der Welt) verurteilen und echte Pazifisten sind, was bedeutet dass wir nie eine Waffe in die Hand nehmen würden um unsere Ansichten durchzusetzen, wobei wir sicherlich auch in der komfortablen Lage sind, dies nicht tun zu müssen. Dennoch: Fast jeder in unserer Gesellschaft lehnt die Gewalt ab und ich finde, dass das ein gutes Zeichen von uns ist, ganz egal wie das von Außen auch wahrgenommen wird.

„Die großen Terroranschläge“ und Katastrophen seit dem 11.09.2001 nehme ich wie die meisten Leute immer auf dieselbe Art und Weise wahr, nämlich vor dem Fernseher oder dem PC (egal in welchen Ausführungen, Hosentaschenpassend oder nicht), gebannt, scrollend und zappend. Leider ist da auch schon eine gewisse Abstumpfung und Gewohnheit mit dazugekommen. Denn es handeln sich im Prinzip immer um die gleichen, überflüssigen Bilder von grundlos traumatisierten Menschen und Politiker mit ernstem Blick; grundlos deswegen, weil diese Anschläge den Attentätern nichts gebracht haben, außer dass die Gesellschaft immer mehr zusammensteht, wie es bisher der Fall war.

Auf der anderen Seite habe ich mehr Sorge vor dem was jetzt kommen wird, als dass ich über diese Mordtat betroffen wäre, vor allem ob nun wieder die „Sicherheitsvorkehrungen verstärkt werden“ und  wie wird die Gesellschaft reagieren, gerade in diesen Zeiten in denen wir viele Flüchtlinge aufnehmen? Denn. Ich kann sehr gut verstehen wer jetzt Angst davor hat sich den Terror ins eigene Haus zu holen. Dazu habe ich diesen Banner auf Facebook gesehen, der das Dilemma gut zusammenfasst:

(Die Rechte für das Bild liegen nicht bei mir. Sie sind aber auf ihm abgedruckt)

Die Vernunft wird in dieser Debatte nicht immer die Oberhand behalten und es liegt an uns die Debatte richtig zu führen (und ja, ich bin mir der Ironie bewusst, dass ich hier „gegenvernunft“ heiße, das bedeutet jedoch nicht unvernünftig oder dumm zu handeln/zudenken, nein, es bedeutet gegen die Vernunft, die man nicht mehr hinterfragt und der man blind folgt).

Die größte Anzahl von Todesopfern sind in der Nacht bei dem Konzert der amerikanischen Band „Eagles of death metal“ zu beklagen, die meiner Einschätzung nach einfach als Symbol für Amerika (da es sich um eine amerikanische Rockband handelt) und deren Lebensstil herhalten mussten; sollte es dabei tiefere Zusammenhänge geben, bin ich gespannt.

Es ist sicherlich nicht das erste Mal das ein Rockkonzert in einer Halle oder ein DJ-Gig in einem Club von fanatischen Mordkommandos angegriffen wurden, und viele Todesopfer und Schwerstverwundete zu beklagen sind, wenn auch ansonsten nicht direkt im Herzen Europas.

Die Band selbst kannte ich gestern noch gar nicht, obwohl sie schon auf mindestens einem Festival spielten, dass ich besucht habe (das war damals das Southside im Jahre 2012). Im Zuge der Vorgänge habe ich heute einmal dort hinein gehört und fand die Band gar nicht mal so übel, was somit folgerichtig für mich und mein Umfeld bedeutet würde, das ich/wir dort auch einmal hingehen könnten oder würden. Nicht gleich nach Paris. Aber wenn sie einmal in München oder in Bochum/Köln gespielt hätten, wäre ein Besuch im Bereich des Möglichen gewesen. Die Band an sich wird jetzt nichts für die Tat können, ich will nur darauf hinaus, dass diese Ereignisse ein direkter Anschlag auf meinen Lebensstil sind. Es ist nicht einfach nur ein willkürliches Attentat auf einen Zug oder einen Bus in dem die Mörder möglichst viele Todesopfer erreichen wollten: In diesem Fall geht es eindeutig um unseren westlichen, freiheitlichen Lebensstil.

Ich kann mich noch gut an die Stimmung nach dem 11.September erinnern  und wie wir das Wochenende danach trotzdem zu Sven Väth ins Heizkraftwerk gefahren sind und eine wirklich krasse und unvergessliche Party abfeierten. Und auch wenn ich jetzt nicht mehr 21 bin, so würde ich ein solches Party-Trotzverhalten als die richtige Reaktion auf das Massaker in Paris ansehen.

Man darf jetzt keine Angst bekommen und sich nicht dieses Weltbild der Unterdrückung und Angst aufdrängen lassen. Natürlich sind Konzerte und Partys oberflächliche Welt- und Kulturbilder, ebenso wie Mode, Musik und die Kunst an sich; nichts davon braucht man für das nackte Überleben. Aber es geht darum was wir mit diesen Begriffen verbinden, unseren freiheitlichen und vor allem toleranten Lebensstil, miteinander zu feiern, zu tanzen und zu lachen, auch wenn das nicht immer als Speerspitze des intelligenten Verhaltens herhalten kann und darf. Ich bin sicherlich der Letzte der den Hedonismus der Nacht unreflektiert über alles andere stellt, bin keiner der jeglichen Anstand und Würde an der Garderobe abgibt. Nichtsdestotrotz bleibt die Möglichkeit es zu tun, eine Basis unserer Gesellschaft. Das ist die Freiheit des Individuums sich ausleben zu können. Das ist die Freiheit der Kunst. Nicht zu vergessen die Gleichstellung der Frau und sexuell Andersorientierter.

Ich hoffe nicht dass diese verklemmten Mörder uns soweit bringen, dass wir Angst haben müssen auf Großveranstaltungen zu gehen, die dafür gedacht sind, uns Freude zu bereiten; ja, ich hoffe sie können uns nicht unsere Freude selbst nehmen. Leider leben wir in einer Welt, in der unsere Werte immer wieder auf die Probe gestellt werden und jetzt heißt es, solche Situationen auszuhalten. Und daran zu wachsen.

Von solchen Durchhalteparolen kann man heute bestimmt so einige im Netz finden, sei es darum. Wir sind keine Schweigende Masse. Und was ist richtiger, als wenn viele das Gleiche sagen?

Josephine Baker

Das wird dann wohl mein letztes T-Shirt in meiner Feminismus-Reihe werden (nach Sasha Grey und den Femen), die fabelhafte und einzigartige Josephine Baker

Einer der ersten und vielleicht unwahrscheinlichsten Pop-Stars überhaupt, die ich, im Gegensatz zu Thomas Meineke, in ihrer Wirkung und ihrer Pop-Historischen-Rolle sehr kritisch sehe (im Hinblick auf den durch sie forcierten Hedonismus der Gesellschaft, den ich nicht in jeder Form einfach nur mit „Freiheit“ gleichsetzen kann und will); über sie als Mensch ist aber jedes Urteil erhaben.

Was bleibt, ist Bewunderung über ihr Leben.