Fight Club 2 – Kritik

Das ist kein Witz. „Fight Club 2“ gibt es wirklich. Zwar (noch) nicht als Film, auch nicht als Roman (auf dem übrigens der Film basiert) sondern als Grafic Novel, bei der der Autor und Erfinder von Tyler Durden und Fight Club im allgemeinen – Chuck Palahniuk (dessen Namen ich immer falsch schreibe) – selbst für die Geschichte verantwortlich ist.

„Fight Club 2“ ist eine Meta-Bestie geworden, die sich sowohl auf den Film, als auch auf dem Roman stützt, die (was für manche überraschend sein mag) verschiedene Endszenen haben.

 

Der namenlose Protagonist (nein, der hieß nie „Jack“) nennt sich jetzt „Sebastian“ und ist in der Mittelmäßigkeit einer Kleinfamilien-Idylle angekommen. Verheiratet ist er mit Marla Singer, mit der er einen Sohn hat. Neben Marla tauchen im Laufe der 10 Kapitel auch noch verschiedene andere Charakter aus den Vorwerken auf. Bei manchen von ihnen hätte man auch nicht damit gerechnet sie in einer Fortsetzung zu sehen.

Auch so, ich war ja bei der Story.

Sebastian hält Tyler durch Medikamente unter Kontrolle, bis sich  sein altes Leben dank sexueller Unzufriedenheit wieder in seine Gegenwart drängt und diese (und die gesamte Gesellschaft) aus den Fugen bringt.

Ich bin einer der Blöden mit Fight Club Verätzung auf der Hand (fast nicht mehr zu erkennen, zwischen Daumen und Zeigefinger) und deswegen bin verdammt kritisch an das Werk herangegangen. Zum Glück habe ich meine stumpfe Erwartungshaltung sehr schnell aufgegeben.

Der erste Band erschien letztes Jahr auf Deutsch, seit ein paar Tagen gibt es das gesamte Ding in unserer Landessprache (in Amerika war das anders, wir durften insgesamt länger warten und mehr zahlen). Die erste Hälfte war ganz okay, ein wenig verrückt und durchgedreht, mehr auf dem Stand der übrigen Romane von Chuck Palahniuk, die meistens eher grotesk und vor allem schwer zu durschauen sind. Der Mann hat seinen ganz eigenen Erzähl-Stil mit immer sehr verschroben Figuren und davon bekommt man viel mehr zu spüren als in dem Film von David Fincher, weswegen viele Leser sicherlich enttäuscht sind, die nur wieder Edward Norton und Brad Pitt in Aktion sehen wollen.

Ich. Bin nicht enttäuscht.

Der zweite Band hat es in sich und macht aus der Geschichte einen passenden Schuh, sogar zwei davon,  für zwei Füße, auch wenn die erzählerische Revolution schon lange vorbei ist. Da hilft es auch kaum das  sich Fight-Club-Chuck hier sogar selbst in die Grafic Novel hineingeschrieben hat. Die Novel ist eine Fortsetzung, wie man sie mit einer Serie zum Film vergleichen könnte (jetzt nicht wie bei „Fargo“, wo die Serie sogar noch viel besser als der Film ist). Alles ganz nett und aufgewärmt.

Fight Club macht Spass, will unterhalten und macht das auch. Dabei darf man sich ein wenig Melancholisch fühlen ob der Zeit die seit der Jugend vergangen ist.

Es gibt weniger One-Liner, weniger Gesellschaftskritik, treibt eher mehr mit den Figuren Schabernack und schießt die Drehzahl der verrückten, gesellschaftskrischen Ideen teilweise sogar ins Lächerliche und ich bin mir nicht sicher, ob das jedem Leser gefällt – sogar das hat Chuck auf der Meta-Ebene (MetaMeta) sehr lustig verarbeitet.

 

Diese Fortsetzung ist nicht wichtig; welche Fortsetzung ist das schon? Sie ist viel näher dran am Roman und bei weitem nicht so cool wie der Film.

Also.

Wer sich auf eine augenzwinkernde Comic-Fortsetzung im (sehr) amerikanischen Zeichenstil zu einem der wichtigsten Filme der 90ger Jahre einlassen kann, der wird an dem Ding Freude haben, so wunderbar absurd ist das Ganze. Für Fight-Club Puristen dagegen wird hier eine heilige Kuh geschlachtet und der Unmut wird groß sein.

Wem es aber gefällt, dem lege ich die Romane von Chuch Palahniuk ans Herz, denn das was diese Comic kann, können die Romane besser. Viel besser.

Fight Club im Fussball-Stadion

„Ist ein Fußballturnier, ist dem Pöbel alles egal.“

„Wer sagt denn das?“

„Na die Medien.“
„Hm. Stimmt ja jetzt auch nicht. Man sollte nicht vergessen, dass die Medien nur noch über Fußball berichten… Es wird einem normalen Menschen fast schon erschwert an normale Infos zu kommen.“

„Vor ein paar Jahren haben die im Bundestag in der Zeit unbeliebte Gesetze durchgedrückt. Hat ja keiner gemerkt.“

„Welche UNBELIEBTEN Gesetze denn?“

„Ja keine Ahnung.“

„Mhm…“
„Auf jeden Fall wird so getan, als hätten wir nur noch Fußball im Kopf während so ner EM.“
„Weil wir der Pöbel sind?“

„Na ja… Vielleicht sind wir schon eher das Pack.“

„Immerhin sind wir in der Gewerkschaft.“

„Pack ist dann auch ein wenig übertrieben. Und als Bildungsferne Schicht würde ich nur die Jungs in der Nachtschicht bezeichnen.“

„Sehr witzig.“

„Aber es ist doch eh Quatsch. Als würden wir uns ansonsten nur über die Flüchtlingskrise, Griechenland oder unsere Renten unterhalten. Der Normalo ist ein Depp. Der redet da kaum drüber. EM hin oder her. Soma gibt es immer…“

„Soma… Weißt du, das Wort „Flüchtlingskrise ist furchtbar. Weißt du warum?“

„Tja…“

„Krisen enden.“

„Genauso wie Kriege… Das hast du aus the wire, stimmts? Krieg gegen die Drogen…“

„Jo.“

„Vielleicht geht es auch darum, dass wir bei so einer WM unsere Leute rumlaufen sehen. Fussballer sind doch in Wahrheit auch eher Pöbel, so denken doch die Anderen. Die Gebildeten.“

„Die Anderen… Hm…“

„Ja du weißt doch. Gut aussehen dürfen Fußballer. Am Besten sind sie noch lustig. Mehr wird denen aber auch nicht zugestanden. Die sind doch für DIE ANDEREN auch nur ein Haufen Hauptschüler. Und das ist noch milde ausgedrückt. So wie wir. Ein Fußball-Spieler ist quasi das Idealbild, der König und zugleich  Prototyp der Proleten. Muskulös. Gut aussehend. Eher selten in ner Bibliothek anzutreffen.“

„Ein Fußballer muss ja nicht klug sein.“
„Kann er aber! Und das wird von den Anderen gerne absichtlich übersehen.“

„Dann noch der richtige Abschaum. Das totale Pack. Die Nazi-Schläger.“

„Die Hooligans… Hm. Weißt du was mich wundert? Du und ich, wir würden niemals Karten für so ein Spiel bekommen. Die Schläger schaffen das aber cool easy. Wo bekommen die die Tickets eigentlich her?“

„Hooligans müssen nicht im Stadion sein um Prügeln zu können.“
„Manche aber schon. Meine Theorie ist ja, dass das gar nicht das Pack ist, dass da zum Schlagen auf die Straße geht.“

„Die mit den Reichsfahnen sind kein Abschaum?…“

„Ich sag nicht das sie kein Abschaum sind, ich sage nur, dass das keine Hartzer oder Geringverdiener sein müssen; woher sollen die eigentlich das Geld für so ne Karte haben?“
„Das unterstellt man recht schnell.“

„Ja. Die Medien suggerieren das nur. Weil. Alle gleich sind. Die Zuschlagen. Zuschlagen ist gleich dumm.“

„Und das stimmt nicht?“

„Ein Bekannter von nem Freund von mir ist Manager bei BMW und der macht bei so was gerne mit. Dafür nimmt der sich extra Urlaub.“

„So ein Filial-Leiter?“
„Ne. So richtig Manager. Der geht gerne zu solchen Kloppereien. So richtig aufs Maul. Der findet das gut. Das reinigt die Seele: Irgend nem Fußball-Ausländer aufs Maul zu hauen.“
„Und das Hotel zahlt bestimmt auch noch die Firma.“

„Würde mich nicht wundern.“

„Schon eine krasse Vorstellung. Manager die normale Fußball-Fans zusammenschlagen.“

„Eigentlich passt das doch voll ins Klischee-Bild.“

„Ist das nicht etwas zu… Fight Club?…“

„Ja und? Glaubst du die Leute gehen nur aus den RICHTIGEN Gründen in den Fight Club? Glaubst du so eine Selbsterlösung ist per se etwas Gutes?“