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Ich bin ein Latzhosen-Typ. Das heißt, ich trage in der Arbeit eine Latzhose. In der Brusttasche dieser Hose steckt den ganzen Tag mein Handy, mit welchen ich in der Gegend herumrenne. Die meiste Zeit komme ich nicht dazu darauf zu sehen, manchmal fahre ich aber mit dem Aufzug in eine andere Etage, oder ich warte vor dem PC bis irgendein Arbeitsschritt beendet ist, bevor ich weiter renne. Zu diesen Gelegenheiten ziehe ich schon absolut automatisch und unterbewusst mein Smartphone heraus und wische mich durch „Facebook“ oder schreibe meinen „Freunden“, was bedeutet, dass ich mir die meiste Zeit die neuesten Meldungen auf Facebook ansehe. Und heute traf es mich wie ein Faustschlag.

 

Wieder war ich im Aufzug unterwegs, wieder zog ich mechanisch mein Handy hervor und wischte so durch Facebook, vorbei an Meldungen dass die neue Platte von „Alt-J“ bald erscheint, dass „Bloody Beetroots“ endlich mal wieder live auftritt oder dass die gesamten deutschen Medien den „Ghost in the shell“-Film ziemlich verrissen haben, obwohl ich den sehr mag. Und da traf es mich: „Was mache ich hier überhaupt?“

 

Ich scrolle durch meine Facebook-News.

Okay, was siehst du dabei?

Na Dinge die meine Abonnements posten.

Und was ist das?

Oh… Scheiße… Das ist zu 90 Prozent Werbung… Für eine Tour. Für eine Platte. Für einen Film. Für eine Zeitschrift die den Film bewertet. Wo wieder Werbung kommt…

 

Klar, wir haben auch echte Freunde bei Facebook oder lesen richtige Nachrichten. Aber den meisten Content macht Werbung aus, auch wenn man glaubt nur den neuesten Scheiß von Jan Böhmermann zu erfahren – der auch nur wieder Werbung für sich und seine blöde Show macht (okay, in erster Linie für sich).

Das ist das Phänomen Facebook:

Während wir zuhause vor der Glotze sitzen und jeden Werbeblock genervt weg zappen, nutze ich jede Sekunde die mir meine Horrorarbeit zum Entspannen lässt um: Mir Werbung anzusehen. Und ich mache das gerne und fühle mich dadurch sogar entspannt, unterhalten und „informiert“

Wie blöd ist das eigentlich?

Und wie sehr verblöden habe ich mich lassen?

Heldin Dunja Hayali?

Die Rede hat mich sehr berührt. Dunja Hayali ist sicherlich genau die Art von Journalist, von denen man sich mehr wünscht. Sie zeigt hohen persönlichen Einsatz und bleibt dabei doch menschlich.

Das Traurige dabei ist leider, dass man für ein an sich normales Verhalten Preise verleihen muss. Wieso können nicht einfach die Vielzahl der Journalisten so sein, so authentisch, so offen, so differenziert – so menschlich? Sie sollte nichts besonderes sein. Gerade deswegen taugt sie so sehr als Vorbild

 

Daumen hoch für Dunja Hayali. Wir brauchen mehr von ihrer Art.

Die Lagerhalle des Lebens

Bei Magendarm-Problemen besucht man nicht nur ständig die Toilette, man muss auch irgendwie sonst das Leben selbst mit all seinen Bedürfnissen voranbringen. Man frisst also Knäckebrot, trinkt Kamillen-Tee und säuft Brühen (die man als pulvrige Bouillons von einem Subunternehmen (Maggi) eines der bösesten Unternehmen der Welt überhaupt ersteht, dessen Hauptbestandteile  Jodsalz und Geschmacksverstärker beinhalten), versucht etwas am Rechner zu machen oder ein vor Wochen begonnenes Buch zu lesen, aber nach der ersten halben Seite David Foster Wallace stellt man fest, dass man dem Mann überhaupt nicht folgen kann, da seine Sätze länger sind als mein gebündeltes, hochkonzentriertes Aufmerksamkeitsvermögen, und auch mein liebstes Familienmitglied (der PC) erweist sich in diesen Zeiten als anstrengender Freund.

Als einzig logische Lösung für Probleme dieser Art, hat der Herr schon vor Urzeiten die linearen Unterhaltungsmedien auf den Weg gebracht, weswegen ich mich auf mein Kanapee fallen ließ und mir die leichteste aller leichtesten Unterhaltungsshows im Fernsehen ansah: „Storage Wars“ auf Sport 1; was auch immer das mit Sport zu tun hat.

In dieser Show werden verlassene Lagerstätten (Garagen, wie man sie aus Filmen oder „Breaking Bad“ kennt) an den Meistbietenden versteigert, ohne dass die Leute wirklich wissen was darin ist. Jede Sendung ist irgendwo auch ein Spiegelbild der Gesellschaft und wenn das wahr ist, ist die USA ein furchtbarer Ort voller stumpfer Wesen, die glauben dass alles was alt ist, auch viel Gewinn einbringt, da sie dem Glauben verfallen sind, dass man nicht richtig arbeiten muss, sondern es braucht nur den richtigen Riecher und Glück, um somit – american way of life – einen höchstmöglichen Gewinn für ein wenig Wagnis zu bekommen. Denn. In fast jedem Lager ist (Überraschung, Überraschung) irgendwas Verstaubtes versteckt, dass unter großen „Ahs“ und „Ohs“ hervorgekramt wird und den Tag rettet, da irgendein blöder (aber sehr kultiviert und handwerklich erfahren wirkender) Sammler oder Verkäufer damit einen „Haufen Geld“ machen kann. Furchtbar bescheuert das Ganze. Und damit sind wir noch nicht einmal bei den abstoßenden Protagonisten selbst angekommen, die dort mehr breit als hoch durch das Bild wanken, nur um sich besonders toll zu fühlen wenn sie ein Lager erstanden haben oder aber weil sie  gerade dem anderen Mitbieter den Preis hochgetrieben haben, was dann wiederum in echten (also eher inszenierten) Handgreiflichkeiten endet. Und das gucken dann so Leute wie ich, die halbdebil von Krankheit gezeichnet sind, oder halbdebil vom Arbeiten nachhause kommen um einmal „abzuschalten“ oder aber in Wahrheit wirklich eher ganz debil sind und so was gerne sehen, während sich ihr Leben selbst nicht abspielt…

Da man sich sowas ja nicht am Stück ansehen kann, scrollte ich an meinem Handy hilflos (fast schon apathisch) auf Facebook herum und sah mir die Posts von irgendwelchen Laras und Lulus an, die ich in Wahrheit kaum kenne (aber doch zu meinen sozialen „Freunden“ zähle), von denen ich nur weiß, dass sie früher gerne auf „normale“ Sachen feiern gingen und jetzt dem großen Techno-Electro-Bum-Bum verfallen sind, wie ich früher auch.

Wir leben in einer Zeit der Selfie-Kultur und da wundert es mich gar nicht, dass die Gesichter dieser einstmals jungen und nicht unattraktiven Frauen durch ein oder zwei Jahre Feierei immer dünner, kantiger und ausgezehrter werden – und die das scheinbar nicht einmal bemerken, auch nicht all die anderen „Liker“ dieser Bilder, diese abstoßend geilen Typen, die keine Frau abbekommen oder nicht an sich binden können, und solche Selfies für mehr benutzen als nur dem blanken Ansehen und gut-finden; die Kommentare unter solchen Bilder haben ja selten was mit einer objektiven Wahrheit zu tun. Und ich denke mir „Mhm.“ Denn ich kann das ja verstehen, diesen Spaß am sich zugrunde richten. Aber mit der Erfahrung des Alters denke ich mir auch: „Schade“.

Die Feierei mit all seinem Spaß ist nämlich auch so eine Art Lagerverkauf. Man verkauft sich selbst an das Vergnügen, an die geilen Erlebnisse auf und neben der Tanzfläche, mit und ohne Drogen, meistens dann aber doch mit viel Alkohol. Feiern ist eine ganz eigene Kultur, die man wie die Menschenopfer zwecks göttlicher Verehrung, zum Beispiel zur Zeiten der Mayas in Lateinamerika, als reinen Wahnsinn abzutun kann, oder aber, man ist Maya, lebt 2000 vor Christus und hat einfach Spaß und Freude an dem Kulturellen Ding, weil es genau den Nerv trifft, den man liebt und mag, denn ja, es ist zerstörerisch, ja, wir werden ein paar Freunde dabei verlieren, aber verdammt noch mal versteht denn keiner was für ein unglaublicher Spaß das Ganze ist?

So wird nach und nach dein ganzes Lager deiner Persönlichkeit leer geräumt. An den Höchstbietenden, wobei man oft nicht weiß ob der Höchstbietende, die treibende Kraft, der anderen oder man selbst ist. Erst kommen die großen, alten, teuren, wichtigen Sachen weg (nicht zuletzt, das ist ein Irrglaube), wofür man sich andere Dinge kauft, die nur auf den ersten Blick etwas schäbiger aussehen. Und nach und nach wird das gesamte Lager leer geräumt bis nicht mehr viel übrig bleibt, außer den Mist den man selbst nicht besonders an sich mag und ein Haufen Make-Up an Lügen, um sich selbst noch ertragen zu können; in den ganz krassen Fällen.

Das ist jetzt gar nicht so schlimm oder fatalistisch gedacht. Normale Leute mit ein wenig Power fangen sich davon auch wieder. Man muss nur aufpassen, dass man das Lager immer wieder schön auffüllt mit anderen schönen Sachen. Und das man es sich nicht von den letzten Vollpfosten und Idioten leermachen lässt, jene, die beim Bieten statt „Hier“, „Boom!“ rufen; das sind die gleichen Deppen, die auf Facebook einen Link für eine Party posten und ebenfalls „Boom!“ drunter schreiben.

Ja, nein. Manchmal muss man das Lager leerräumen, entrümpeln. Sich völlig neu aufstellen. Nur geht es immer um die Art und Weise wie man das macht. Nachhaltigkeit und Qualität ist wichtig. Also lasst euch nicht mit zu vielen Deppen ein. Die von Kultur, Kunst und Liebe keine Ahnung haben, sondern nur einen  möglichst hohen Gewinn daraus ziehen wollen. Die wollen euch einfach nur Ficken (Gewinnmachen) und weiterziehen. Aber das hat mit dem Kern des Lebens nichts zu tun. Und auch nicht mit der Aussage der Feierei.