Treffen mit der Ex

Alle ein bis zwei Jahre treffe ich meine Ex-Freundin, immer auf dem gleichen Geburtstagsfest. Wir haben nur noch diese eine unwahrscheinliche Freundin, die uns zusammenbringt. „Unwahrscheinlich“ deswegen, da es niemals absehbar war, dass wir uns gerade wegen dieser fröhlichen Person wiedersehen würden, die relativ spät mit ihrer freundlichen Art in unser Leben getreten ist. Die Zukunft ist nicht vorhersehbar, auch nicht planbar, auch wenn die sogenannte Ratio in uns uns glauben machen will, es sei so (die Ratio  muss an sich selbst glauben um zu funktionieren, was lustiger weise ein großer Selbstbetrug ist, jedoch auch der Grund für all unsere Handlungen, die irrationale Totalität in unserem lächerlichen Streben nach planbarer Rationalität, nach der wir unsere Zukunft ausrichten).

Ja.

Nein.

Damals, als ich noch mit meiner „Ex“ zusammen war, hätte ich nie gedacht, dass wir uns auf solchen Partys, die im Stuhlkreis auf 20 Quadratmetern Fläche, so absolut ignorieren würden. Hin und wieder nur ein kleiner entlarvender Blick, so wie man – auch wenn man fest davon überzeugt ist es nicht zu tun – einen kurzen Augenblick dann doch auf der Autobahn zum bereits geschehenen Unfall hinüber blickt, obwohl man sich selbst noch eine Sekunde vorher eingeredet hat, nicht einer von „diesen Gaffern“ zu sein. In diesen kurzen, Sekundenschalen Blicken rüber zur Ex, sieht man dann den Unfall der man einmal war, diese Massenkarambolage auf Zeit, in der Schritt für Schritt, Tag für Tag und ja, auch Kuss für Kuss, Alles das schlimmste, jedoch auch logischste Ende nahm. Und als dann das Elend der Beziehung, dieses viel zu lange Aneinanderklammern endlich beendet war, wurde es schmutzig und böse, noch schmutziger, als es ohnehin schon war. In all der Jahren der Krankheit und Fehler – auf beiden Seiten.

Einfach hat sie mir es am Ende gemacht, da sie schon mit ihrem neuen Freund zusammen war, als sie noch „meine Freundin“ hieß, was ich erst sehr viel später entschlüsselte. Es wollte mir wohl keiner meiner Freunde sagen, ebenso wie ich die gleichen Freunde jahrelang anflehte und anherrschte, ihr nichts über meine Drogenkrankheit zu erzählen. Da zeigte sich, dass man sich gegenseitig verdient hatte.

 

„Liebe ist kälter als der Tod“, so hat Rainer Werner Fassbinder seinen ersten Langfilm genannt. Und wenn man dann diesen fremden, früher ach so vertrauten Menschen einen betrunkenen Abend lang trifft und dermaßen gewollt übersieht, kann man ihm nur Recht geben. Da ist nichts mehr da. Und das ist so unglaublich schade, so Lars-von-Trier-Film-traurig. Nicht weil ich irgendwas zurückhaben wollen würde. Nein. Überhaupt gar nicht. Nur deswegen, weil ja nie immer alles nur schlimm gewesen ist, ganz im Gegenteil. Man wollte halt immer doch was Besonderes sein. Sei es in der Beziehung und wie man im Nachhinein damit umgeht. In diesen Punkten bin ich und war ich immer schon sehr naiv. Und am Ende sind wir, all den Schwüren und Versprechungen zum Trotz, das Ex-Paar auf Partys geworden, das den schlechtesten und schwersten Umgang miteinander pflegt. Das hätte nicht so kommen sollen. Wahrscheinlich aber so kommen müssen.

Zerstörte Liebe ist wie ein kalter Fleck im Herz. Er schmerzt nicht. Er stört nicht. Er fühlt sich nur sehr fremd und leblos an.

 

Dabei hilft es natürlich wenn man in solchen Situationen seine neue, und natürlich aus der Situation heraus, auf alle Fälle BESSERE Liebe dabei hat, mit der man scherzt lacht, sich freut, liebt, lebt und fühlt, ohne aber auch nur eine Sekunde lang darüber nachzudenken, wo auch das einmal enden könnte. Das ist die andere Liebe. Die LiebeLiebe. Die unsere Welt in den Angeln hält.

Ich sah den damals neuen Freund meiner Ex neben ihr. Sie sind immer noch zusammen. Und weil dieser „neue Freund“ auch einmal ein sehr guter, und ich dachte auch lieber, Freund von mir gewesen war, tut es mir leid was aus ihm geworden. Wo ist all seine Lebenslust hin? Und weil ich natürlich ein Idiot bin gebe ich einfach der Ex die Schuld an seinem Verhalten, habe Mitleid mit ihm, weil ich plötzlich so viel von mir in ihm sehe… Aber in Wahrheit habe ich keine Ahnung von den Beiden und kann mir einreden was ich will, nur um mich selbst besser zu fühlen. Ich weiß ja wie dumm es ist einen Abend in dem man jemand sieht auf ein ganzes Leben hinauf zu rechnen. Ebenso dämlich ist es eine Beziehung nur nach den Aussagen eines Partners zu beurteilen – da gehört immer noch ein wenig mehr dazu.

 

Über diese ganze Szene hätte ich so wahrscheinlich niemals nachgedacht, hätte ich nicht gerade einfach ein wenig tippen wollen… Das Gestern belastet mich nicht. Im Gegenteil. Es waren zwei schöne Geburtstagspartys auf denen ich war, die unterschiedlicher nicht hätten sein können, mit Menschengruppen, die auf den ersten Blick sehr unterschiedlich sind, in Wahrheit aber nur das wollen, was jeder will: Geliebt zu werden.

Und ich genieße es unermesslich in einer guten, funktionierenden Beziehung zu sein, in der man der sein darf, der man ist, und der man auch sein muss, um Liebe zu geben und zu erhalten.

 

Danke für Gestern also. Alles Gute zum Geburtstag meinen beiden Geburtstagskindern.

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