Die Lagerhalle des Lebens

Bei Magendarm-Problemen besucht man nicht nur ständig die Toilette, man muss auch irgendwie sonst das Leben selbst mit all seinen Bedürfnissen voranbringen. Man frisst also Knäckebrot, trinkt Kamillen-Tee und säuft Brühen (die man als pulvrige Bouillons von einem Subunternehmen (Maggi) eines der bösesten Unternehmen der Welt überhaupt ersteht, dessen Hauptbestandteile  Jodsalz und Geschmacksverstärker beinhalten), versucht etwas am Rechner zu machen oder ein vor Wochen begonnenes Buch zu lesen, aber nach der ersten halben Seite David Foster Wallace stellt man fest, dass man dem Mann überhaupt nicht folgen kann, da seine Sätze länger sind als mein gebündeltes, hochkonzentriertes Aufmerksamkeitsvermögen, und auch mein liebstes Familienmitglied (der PC) erweist sich in diesen Zeiten als anstrengender Freund.

Als einzig logische Lösung für Probleme dieser Art, hat der Herr schon vor Urzeiten die linearen Unterhaltungsmedien auf den Weg gebracht, weswegen ich mich auf mein Kanapee fallen ließ und mir die leichteste aller leichtesten Unterhaltungsshows im Fernsehen ansah: „Storage Wars“ auf Sport 1; was auch immer das mit Sport zu tun hat.

In dieser Show werden verlassene Lagerstätten (Garagen, wie man sie aus Filmen oder „Breaking Bad“ kennt) an den Meistbietenden versteigert, ohne dass die Leute wirklich wissen was darin ist. Jede Sendung ist irgendwo auch ein Spiegelbild der Gesellschaft und wenn das wahr ist, ist die USA ein furchtbarer Ort voller stumpfer Wesen, die glauben dass alles was alt ist, auch viel Gewinn einbringt, da sie dem Glauben verfallen sind, dass man nicht richtig arbeiten muss, sondern es braucht nur den richtigen Riecher und Glück, um somit – american way of life – einen höchstmöglichen Gewinn für ein wenig Wagnis zu bekommen. Denn. In fast jedem Lager ist (Überraschung, Überraschung) irgendwas Verstaubtes versteckt, dass unter großen „Ahs“ und „Ohs“ hervorgekramt wird und den Tag rettet, da irgendein blöder (aber sehr kultiviert und handwerklich erfahren wirkender) Sammler oder Verkäufer damit einen „Haufen Geld“ machen kann. Furchtbar bescheuert das Ganze. Und damit sind wir noch nicht einmal bei den abstoßenden Protagonisten selbst angekommen, die dort mehr breit als hoch durch das Bild wanken, nur um sich besonders toll zu fühlen wenn sie ein Lager erstanden haben oder aber weil sie  gerade dem anderen Mitbieter den Preis hochgetrieben haben, was dann wiederum in echten (also eher inszenierten) Handgreiflichkeiten endet. Und das gucken dann so Leute wie ich, die halbdebil von Krankheit gezeichnet sind, oder halbdebil vom Arbeiten nachhause kommen um einmal „abzuschalten“ oder aber in Wahrheit wirklich eher ganz debil sind und so was gerne sehen, während sich ihr Leben selbst nicht abspielt…

Da man sich sowas ja nicht am Stück ansehen kann, scrollte ich an meinem Handy hilflos (fast schon apathisch) auf Facebook herum und sah mir die Posts von irgendwelchen Laras und Lulus an, die ich in Wahrheit kaum kenne (aber doch zu meinen sozialen „Freunden“ zähle), von denen ich nur weiß, dass sie früher gerne auf „normale“ Sachen feiern gingen und jetzt dem großen Techno-Electro-Bum-Bum verfallen sind, wie ich früher auch.

Wir leben in einer Zeit der Selfie-Kultur und da wundert es mich gar nicht, dass die Gesichter dieser einstmals jungen und nicht unattraktiven Frauen durch ein oder zwei Jahre Feierei immer dünner, kantiger und ausgezehrter werden – und die das scheinbar nicht einmal bemerken, auch nicht all die anderen „Liker“ dieser Bilder, diese abstoßend geilen Typen, die keine Frau abbekommen oder nicht an sich binden können, und solche Selfies für mehr benutzen als nur dem blanken Ansehen und gut-finden; die Kommentare unter solchen Bilder haben ja selten was mit einer objektiven Wahrheit zu tun. Und ich denke mir „Mhm.“ Denn ich kann das ja verstehen, diesen Spaß am sich zugrunde richten. Aber mit der Erfahrung des Alters denke ich mir auch: „Schade“.

Die Feierei mit all seinem Spaß ist nämlich auch so eine Art Lagerverkauf. Man verkauft sich selbst an das Vergnügen, an die geilen Erlebnisse auf und neben der Tanzfläche, mit und ohne Drogen, meistens dann aber doch mit viel Alkohol. Feiern ist eine ganz eigene Kultur, die man wie die Menschenopfer zwecks göttlicher Verehrung, zum Beispiel zur Zeiten der Mayas in Lateinamerika, als reinen Wahnsinn abzutun kann, oder aber, man ist Maya, lebt 2000 vor Christus und hat einfach Spaß und Freude an dem Kulturellen Ding, weil es genau den Nerv trifft, den man liebt und mag, denn ja, es ist zerstörerisch, ja, wir werden ein paar Freunde dabei verlieren, aber verdammt noch mal versteht denn keiner was für ein unglaublicher Spaß das Ganze ist?

So wird nach und nach dein ganzes Lager deiner Persönlichkeit leer geräumt. An den Höchstbietenden, wobei man oft nicht weiß ob der Höchstbietende, die treibende Kraft, der anderen oder man selbst ist. Erst kommen die großen, alten, teuren, wichtigen Sachen weg (nicht zuletzt, das ist ein Irrglaube), wofür man sich andere Dinge kauft, die nur auf den ersten Blick etwas schäbiger aussehen. Und nach und nach wird das gesamte Lager leer geräumt bis nicht mehr viel übrig bleibt, außer den Mist den man selbst nicht besonders an sich mag und ein Haufen Make-Up an Lügen, um sich selbst noch ertragen zu können; in den ganz krassen Fällen.

Das ist jetzt gar nicht so schlimm oder fatalistisch gedacht. Normale Leute mit ein wenig Power fangen sich davon auch wieder. Man muss nur aufpassen, dass man das Lager immer wieder schön auffüllt mit anderen schönen Sachen. Und das man es sich nicht von den letzten Vollpfosten und Idioten leermachen lässt, jene, die beim Bieten statt „Hier“, „Boom!“ rufen; das sind die gleichen Deppen, die auf Facebook einen Link für eine Party posten und ebenfalls „Boom!“ drunter schreiben.

Ja, nein. Manchmal muss man das Lager leerräumen, entrümpeln. Sich völlig neu aufstellen. Nur geht es immer um die Art und Weise wie man das macht. Nachhaltigkeit und Qualität ist wichtig. Also lasst euch nicht mit zu vielen Deppen ein. Die von Kultur, Kunst und Liebe keine Ahnung haben, sondern nur einen  möglichst hohen Gewinn daraus ziehen wollen. Die wollen euch einfach nur Ficken (Gewinnmachen) und weiterziehen. Aber das hat mit dem Kern des Lebens nichts zu tun. Und auch nicht mit der Aussage der Feierei.

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Ritournelle in Bochum – mit Caribou, The Notwist, Pantha Du Prince und Roman Flügel, es war der 15.8.2015

„Ritournelle“ ist für Deutsche nicht gerade ein Partyname der rockt. Er bedeutet „der Refrain“, was zugegen schon wieder ein guter Titel für eine Party/Kultur-Veranstaltung ist, und in Wahrheit von der Emotionalität des Titels her schön zu dieser Nacht passte, dennoch ist es einfach ein Etikett, unter dem ich mir keinen Massenevent vorstellte. Falsch gedacht. Denn es wurde ganz schön voll in der Jahrhunderthalle. Diese Nacht letzten Samstag, war die Eröffnung der Ruhrtriennale, in der über einen längeren Zeitraum nicht nur die Musik, sondern auch andere Künste in das platte, verstaubte Bochum gebracht werden.

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Es muss ja nicht immer gerockt werden. Da hätten wir auch auf das zeitgleiche Utopia-Island bei München gehen können. Nein. „Anspruchsvolle elektronische Musik“. So hatte ich mir das vorgestellt. Und in Bochum wo jetzt auch nicht jedes Wochenende was los ist, war das wirklich ein Publikumsmagnet.
Die Jahrhunderthalle war zu zweidrittel gefüllt und da passen ja schon ein paar tausend Leute rein – und – man sollte dabei nicht vergessen zu erwähnen, dass sehr viel künstlerisch angehauchtes Indie/Hippster-Volk (ja, der Hippster ist bei solchen Anlässen auch in Bochum angekommen) neben dem auch älteren Studienrats-Publikum gekommen war, dass sich vor allem durch stumpfes, gedrängtes Dastehen auszeichnet, wo man dann total stoisch aber scheinbar innerlich beseelt starrt was das Zeug herhält. Ja. Da wird so viel gestarrt und sich verdichtet, dass einem beim Daneben in der Enge stehen auch gleich die Luft wegblieb. Ich musste da raus. Da war es schon weit nach 22 Uhr. Bei The Notwist.
Die sind live – wie fast jede Live-Band – viel energetischer als von der Platte herunter, wo sie natürlich auch schon sehr gut klingen. Ein Großteil des Publikums schien ohnehin nur für sie gekommen zu sein und die Band lieferte gut ab. Indie-Sound ist schon lange nicht mehr meine Richtung (auch wenn ich es hin und wieder gerne höre) und trotzdem empfand ich den Auftritt als ziemlich gut, wenn auch nicht gerade fesselnd.

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Wir sahen uns die Open-Air-Stage an, die vor allem schön ausgeleuchtet war, wenn auch nicht dramatisch besucht. Fast die ganze Besucherschaft drängte sich drinnen vor der Bühne (obwohl es dort genug Platz gab und nicht viel zu Sehen – die Musiker starrten auf den Boden als eine große Show abzuziehen und ließen ihre Instrumente sprechen) und so konnten wir locker ganz vor bis zum DJ laufen, den man ansonsten gar nicht sehen konnte; hohe Bühnen waren an dem Abend nicht gerade angesagt. Weder in- noch outdoor. Daraus könnte man jetzt eine schöne Metapher über die Bodenständigkeit der Bochumer basteln. Oder sich darüber aufregen, dass man einen schlechten Blick auf die Künstler hatte… Ich verzichte auf Beides denn Pantha Du Prince der dort gerade sehr enthusiastisch an seinen Gerätschaften drehte, hatte ein ganz anderes Problem: Der Sound aus der Anlage war zu leise zum Tanzen. Keine Ahnung ob er das selbst überhaupt mitbekam, denn die einzige Musik die er hören konnte – und wir ganz vorne leider auch – war die aus seinen eigenen, wenn auch nicht gerade kleinen Monitor-Boxen (wenigstens habe ich nicht mehr Boxen sehen oder heraushören können).

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Pantha Du Prince ist niemand, der in seinen Produktionen durch abgehenden Partysound auffällt, sondern darin für künstlerische, forschende elektronische Musik steht. In der Musik die ich von ihm kenne, geht es langsam vor sich, fast schon andächtig, verträumt. Hier vor Publikum versuchte er – wie die Live-Band drinnen – mehr für ein anwesendes Publikum zu spielen und machte das nicht ganz unknackig. Es lud nicht nur zum Tanzen ein: Es war tanzbar. Nur leider auch sehr leise. Vollkommen unabhängig davon, wie viel er da auch an Knöpfen drehte und darüber fast schon ins Schwitzen geriet. Der konnte einem echt nur leidtun.

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Zwischen The Notwist und Caribou war drinnen Pause und das Volk strömte und schwappte wie ausgeschüttetes Wasser umher. Angenehm ruhig und unaufgeregt, wie man es bei einer Kulturveranstaltung erwarten kann, auf der jedoch auch nicht wenig Bier getrunken wird. Menschliche Ausfälle irgendwelcher Art gab es dadurch scheinbar keine. Und das ist doch auch schön. Wenn auch im Gegenzug schon absehbar war, dass keine ultimative Stimmung mehr aufkommen würde. Zum Glück aber gibt es eine Feierweisheit, die immer gilt: Du bekommst was du erschaffst. Oder platter: Du bist die Party.

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Wir suchten uns dann weiter hinten bei Caribou ein schönes Plätzchen von dem man auch was Sehen konnte und taten genau das, was man dort in der Jahrhunderthalle in dieser Nacht eher nicht tat: Tanzen. Einfach Tanzen. Und das war schön. Nicht wild. Genug, um sich berauscht und lebendig zu fühlen. Ein Gefühl, dass ich mir in dieser Nacht auch nicht ertrinken konnte.
Caribou spielte seinen soften, elektronisch housigen Sound (der heute in den Medien als „Electro“ beschrieben wird, da die dort eh ALLES Electro heißen) nach dem Soulwax-Prinzip, sprich mit Live-Band (Schlagzeug, Gitarre, Gesang) und der Unterstützung seiner elektrischen Gerätschaften. Der Kanadier steht für einen sehr warmen Sound, wie man ihn selten findet, auch wenn die elektronische Musik im letzten Jahrzehnt selbst sehr gefühlvoll geworden ist; Dank von hier an die neuen Möglichkeiten der Produktionsweisen.

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Hin und wieder schraubte sich sein Sound zwar wirklich Electrotechno mäßig hoch, bei anderen Stücken kam man sich eher an EBM oder Pop aus den französischen 80gern erinnert („La Boum, die Fete“ lässt grüßen), so dass man seine Musik schon sehr mögen muss, um alles toll zu finden. Spaß hat das trotzdem gemacht. Natürlich besonders zu „Can´t do without you“, wo der Tänzer nicht weiß ob er tanzen, oder doch lieber mit seiner Freundin rumknutschen soll.
„Sun“ schenkten wir uns dann doch. Und gingen raus zu Roman Flügel.
(Das Set in Bochum ist das Gleiche wie hier)

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Der Roman, unser „halber Ego“, durfte zwar ein wenig lauter machen, zu leise war es draußen aber immer noch, was besonders komisch war, da man von der Bar drüben hinter der Halle noch lauteren Sound hören konnte. Wahrscheinlich war das Ganze irgendwie ein Missverständnis. Egal. Bei der obligatorischen Currywurst hörten wir uns noch ein wenig seinen Minimal-Sound an. Dann reichte es uns ohnehin.
Hat Spaß gemacht. Beim Tanzen, mit ohne Party

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Utopia Isloand 2014 – der Festival Samstag

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Ich hatte nur einen Grund um auf das Utopia-Island zu gehen: 2manydjs. Alles andere war mir im Prinzip egal, oder besser gesagt: Ich hatte noch die Schnauze voll vom letzten Jahr. Da ich also wegen den beiden belgischen Brüdern vor Ort war (auf der Insel, die es den Namen nach niemals geben wird), fange ich (unorthodox, unorthodox) mit dem Headliner an und nicht mit dem üblichen ?wir kamen an ? und dann und dann?. Denn die Geschichte von 2manydjs und Utopia-Island ist die Geschichte eines Missverständnisses, welches sich am Eindeutigsten dadurch auszeichnete, dass nach ?Frittenbude? fast die gesammelte Feiermannschaft vor der Hauptbühne ging, und nur wenige Leute nach kamen, Tröpfchenweise füllte sich dann die Tanzfläche wieder.
Bei Folgendem könnte ich mich täuschen, doch es gab auch nur bei 2manydjs eine Ansagerin, die die Electro-Pioniere vorstellen? Musste. Echt traurig. Und wir reden hier vom Headliner. Selbst wenn ich nicht in die Dewaele-Brüder verliebt wäre (a.k.a. 2manydjs), würde ich bei einem Festival doch wenigsten mal kurz reinhören, was die so zu bieten haben; meiner Meinung nach war das Set das Beste was ich in diesem Jahr gehört habe.
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Wieso also hatten diese Giganten der elektronischen Musik vom Utopia-Pöbel die kalte Schulter gezeigt bekommen. Hier nun der Versuch einer Erklärung:
Erstens sind die Dewaele-Brüder unter dem Namen ?2manydjs? auf Youtube nicht gerade überrepräsentiert und es findet sich mehr unter dem Suchbegriff ?Soulwax?, der Band der beiden DJs, zudem werden auch oft 2manydjs-Gigs einfach unter Soulwax gepostet. Youtube ist wichtig, gerade wenn man irgendwo hinter München lebt und an einem Weiher feiert (und dort in der Nähe mehr oder weniger lebt 😛 ) ? ja, ist ein schöner See, ich mache doch nur Spaß.
Zweitens sind die Beiden dafür bekannt den Electroclash erfunden zu haben, gemeinsam mit ihrem Kumpel James Murphy, sprich LCD-Soundsystem. Kennt ihr nicht? Ist eigentlich auch eine Schande weil die meiste Musik die die Leute hier und auf ähnlichen Festival hören, von diesem Leuten den Kickstart bekommen haben, nämlich die Verbindung von elektronischer Tanzmusik: Mit ALLEM. Scheißegal ob Hip-Hop oder Heavy Metal usw. usf. Doch halt! Wenn sie das erfunden haben, müssen sie doch berühmt sein! Nein. Das ist meistens nicht der Fall. Berühmt werden eher die Leute damit, die das Ganze klauen und kommerzialisieren, auch und gerade weil der Underground sich in eine andere Richtung bewegt hat, Name-Dropping gefällig? Skrillex, Avicii, Daivd Guetta, Steve Aoki ? blah, blah, blah. Bis auf Feuerlöscher, größere DJ-Pulte, vorgefertigte Mixe vom USB-Stick und astronomische Gagen haben diese Herren wenig bis nichts dazu bei gesteuert Musik zu entwickeln, sie neu zu erfinden. Einfach die alte Sachen Massentauglich aufgewärmt (okay, muss man auch können, doch meine Meinung dazu dürfte jetzt bekannt sein). Und diese Kommerzialisierung haben die Dewaele-Brüder einfach nicht mitgemacht, auch wenn sie inzwischen so berühmt sind dass sie ständig auf Tour sind und die ganze Welt rocken ? und wenn ich ?rocken? sage, meine ich das auch.
Drittens ist die Musik bei all ihrer Massentauglichkeit (wärt ihr einfach mal dageblieben?) auch sehr nerdig. Da wurde einige Techno-Klassiker gespielt (wie La Rock von Vitalic) oder auch nur ganz kurz angespielt (wie ?How´s your evening so far?? von Josh Wink) und er Wiedererkennungswert hat mich oft echt gekickt, auch wenn man das nicht unbedingt raus hören muss. Wahrscheinlich. Habe ich selbst sehr viel überhört.
Ich war ja auch betrunken. Und glücklich. Weil der Sound so megatanzbar war (nach dem Set war ich wieder halbwegs nüchtern) und ich die Frau an meiner Seite hatte, mit der ich ÜBERALL hingehen kann. Zudem war es für uns auch geil so mega viel Platz zum Tanzen zu haben. Und wir haben ihn auch genutzt.

Ein bisschen leid taten mir meine Heroen da oben schon, denn da oben schien es sehr viel kälter zu sein als unten und außerdem hatten die schon lange Gesichter, dass die Menge vor ihnen flüchtete. Klar. Die sind es gewohnt vor ausverkauften Hallen zu spielen, doch das machte für ihre Performance keinen Unterschied. Sie erspielten sich nach und nach das Publikum und für mich hatte sich das Utopia da schon voll und ganz gelohnt. Etwas peinlich (und unfreiwillig komisch) war der Moment, als die Herren Künstler so taten, als hätten sie keinen Ton/Strom mehr an ihren Geräten. Dass sorgt normal für Tumulte auf den Dance-Floors, was ein purer Show-Effekt ist um der Menge einzuheizen. Hier sah es eher so aus, als hätten sie ihr Zeug nicht richtig angeschlossen?

Letztes Jahr habe ich (berechtigterweise) sehr viel auf das Utopia im Blog eingeprügelt, doch dieses Jahr fällt meine Bilanz fast durchwegs positiv aus. Die zwei Hauptprobleme wurde behoben, nämlich a) dass man nicht am Festival-Gelände parken konnte und seinen ganzen Scheiß hin shutteln musste und b) es keinen tanzbaren Boden sondern nur Schlamm an der Main-Stage gab. Also Lob von mir: Habt ihr gut gelöst. D.h. Boden vorhanden und Parken konnte man Camping nah (wenn nächstes Jahr die Drei-Felder-Wirtschaf zuschlägt kann es das aber auch schon wieder gewesen sein.

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Sehr gut gefallen hat mir der kleine Dance-Floor im Camping-Gelände mit Fressbuden (auch das Bier war billiger) und Sitzschaukel, so etwas hat im Jahr davor gefehlt und es war einfach nur öde gewesen (es hatte ja eh durchgeregnet.
Auf das Camping-Gelände kam man auch so, ohne Camping-Bändchen, wir waren ja nur am Samstag da. Ich zelte ja nicht mehr seit dem letzten SonneMondSterne. Also wird hier nichts über Mr Oizo, Crookers oder Kerstin Eden vom Freitag stehen ? die haben eh alle gleichzeitig gearbeitet.

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(furchtbar diese Müllproduktion jedes Jahr…)

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Musiktechnisch los ging es bei uns mit den Drunken Masters, die für meine Leute ja alte Bekannte sind. Die kochten das große Zelt aber auch ziemlich und waren bestimmt spaßig.

Wetter ?Festival? sagt, meint immer auch ?Wetter? und in diesem Sommer ist das immer so eine Glücksache. Ja, es hat geregnet, aber nein, es hat uns das Festival nicht verregnet. Wir haben uns wegen dem Regen aber TAI und das DJ-Set von den Crystal Fighters im großen Zelt angehört; an Tai erinnere ich mich nicht mehr, doch die Crystal Fighters (eh nur ein Bonus-Act weil sonstwer nicht konnte) fand ich wirklich bodenlos schlecht. Mieser Electro mit: Nichts.

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Draußen spielten OK Kid die zwar nicht schlecht waren, mit ihrer Art von der Musik auf dem Festival doch eher ein Fremdkörper war. Doch den Leuten gefiel es ? und ich trank munter weiter.
Das ist so ein Ding bei Utopia-Island: Der Sound ist nicht durchgängig erstklassig. Da werden zwei oder drei große Namen gebucht, ein paar Modeerscheinung die bald vergessen sind (wie Monkey Safari) und ansonsten eher auf kleinere Namen gesetzt. Finde ich von der Idee her nicht schlecht, da man selbst aber ein verwöhntes Arschloch ist, ist man mehr Unterhaltung für so viel Geld gewohnt.

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Dann sind wir auch schon bei Frittenbude angelangt. Ich fand Frittenbude nie so schlecht wie sie von manchen geredet wurden, noch so gut wie andere rum tun. Fakt ist: Sie haben gute Texte und nehmen die Leute gerade bei Live-Konzerten total mit. Für mich ist aber auch Fakt, dass mich die Stimme des Sängers nervt. Wurscht. Den Leuten hat es Spaß gemacht und mir hat es gefallen, mich zum Rumhopsen animiert, auch wenn ein ganzes Frittenbude-Konzert mir schon zu nervig wäre.

Nach dem fulminanten 2manydjs-Gig sind wir noch mal runter ins große Zelt und haben gerade noch den Schluss von Kid Simius mitbekommen, der mit einem Live-Gitarren-Solo zu seinem DJ-Set auf im Prinzip recht simple Weise (auf die Idee hätte wirklich auch schon vor Jahrzehnten mal ein anderer kommen können) mächtig Eindruck schindete.
Zu guter Letzt Flux Pavilion. Da sind wir im Bereich des Dubstep und das ist nicht so meine Art von Theater. Aber. Selbst mich kickte es und ich hätte da auch noch herumgetanzt, wenn meine alten Knochen nicht so müde vom Auftritt davon gewesen wären. Ging aber eindeutig gut ab, wurde viel bejubelt ? auch wenn man der Menge anmerkte, dass die Uhrzeit der letzten Sets war ? obwohl ? das Utopia mit 3 Uhr nachts doch schon ziemlich früh zu macht.

Sonst noch was? Nö. War gut. Viel besser als letztes Jahr und ja, man muss auch dazu sagen, dass der Wettergott dieses Mal viel, viel gnädiger war. Und die Menschen? Ach so, ja. Letztes Jahr hatten mich die Kinder mit ihren aufgeklebten Bärten genervt (weil Steve Aoki da war?), dieses Jahr war es eher ein anderes Publikum, welches sich in den Vordergrund pöbelte: Fußball-Parolen die von (wer hätte es gedacht) besoffenen Proleten skandiert wurden. Na ja. Was soll man machen? Ansonsten würde ich d