Worakls in der Kantine Augsburg, es war der 9.11.2018

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Beim Feiern bin ich der emotionale Typ. Ich buhe auch mal einen „Künstler“ aus, wenn mir seine Performance nicht passt. Das empfinde ich nicht als „böse“ oder „gemein“. Es ist legitim. Erstens ist es im Theater gängiger Brauch nach der Vorstellung seine Meinung kundzutun. Zweitens ist es für mich ein Unding, dass Künstler immer nur durch Klatschen belohnt werden, nie getadelt. Der Tadel in der westlichen Hemisphäre besteht ausschließlich darin, nicht zu Applaudieren. Doch gerade im Feier-Performance-Bereich gilt: Irgendein druffer Trottel klatscht immer. Auch. Wenn man oft nur den einen Künstler von und den folgend auf die Bühne jubeln will. Meine Frau schämt sich dann natürlich regelmäßig immer wieder schrecklich, wenn ich aus der Masse heraus DJs ausbuhe, die nach ihrem Set immer (wirklich: Immer) selbstverliebt auf dem Podest stehen und sich für die/den Geilste/n halten. Da gibt es nie auch nur den Zweifel einer Unsicherheit über die eigene Performance. Klar. Man muss sich ja nicht gleich entschuldigen nach seinem Auftritt. Das ist natürlich auch Quatsch. Doch ein wenig sollte die Einsicht dann doch durchblitzen, dass man gerade am Publikum vorbeigespielt hat. Leider.

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Wir waren wegen „Worakls“ in die Kantine nach Augsburg gekommen (ja, ja, schon wieder die Kantine…) und der hat mit seinem Live-Act (also Live-Auftritt) erst um halb 3 angefangen. Die Uhrzeit geht in Ordnung, schließlich war es ein Event mit elektronischer Musik und keine Rockmusik, zu der man sich schnell besaufen muss, als wäre man in einem englischen Pub von vor 10 Jahren (nein, ich werde diesen Spruch nicht erklären). Wichtig ist: Wenn man den Künstler, dessen Name auf den Karten steht (auch wenn man ihn falsch darauf gedruckt hatte…) so spät spielen lässt, braucht man ein tüchtig gutes Vorprogramm, welches (wir erinnern uns an den ersten Absatz) leider nicht vorhanden war. Der erste DJ, ein junger schwarzer Typ, machte seine Sache noch ziemlich gut. Er versuchte sich wenigstens dem Sound der spät live und in Echt aus den Boxen dröhnen wurde, ein wenig gerecht zu werden. Der zweite Typ, ein junger weißer Kerl, spielte nicht nur einen unbedeutenden, langweiligen und austauschbaren Sound herunter, nein, er hatte auch nichts mit Worakls zu tun. Da lief ewig austauschbarer Techno/Minimal, der alles andere als relevant war. Keine Hits von Niemanden, dabei hat der gute Worakls nen guten großen Freund, N´To, dessen Platten sich super als Warm-Up geeignet hätten. Man muss ja nicht gleich nur N´to spielen, ein wenig Spirit hätte auch gereicht.

Ich ziehe hier mal das Zitat meiner Frau heran, die wie wir inzwischen wissen, gnädiger mit Künstlern umgeht als ich, welche am Tag nach dieser Nacht meinte: „Mir schmerzen richtig die Füße vom vielen Herumstehen.“ Das sagt doch alles.

Es war ohnehin brechend voll in der Kantine, da oben im zweiten Floor kaum Besucher waren: Alle wollten Worakls hören, von dem natürlich keiner wusste, wann der anfangen würde; woher auch? Ein gewöhnliches Übel solcher Veranstaltungen, bei denen keine Uhrzeiten promotet werden, damit viele Leute früh kommen und möglichst lange Geld in die Kassen saufen. Schließlich war es dann so voll, dass an Tanzen schon lange nicht mehr zu denken war. Klar, der gesamte obere Floor war in den unteren gerutscht. Das mag brandschutztechnisch legitim sein, für den Kunden ist das aber scheiße. Wir mussten uns also unseren Platz an der Seite sichern, damit wir später überhaupt ein wenig Raum zum Tanzen zu hatten (Randbemerkung: Ich habe erste ein Video von Marika Rossa aus der Kantine gesehen, wo der Tenor in den Kommentaren lautete: „Tolles Set, aber wenig Stimmung in dem Laden! Was ist nur mit den Leuten los?!“ Hier die Antwort: Die hatten einfach keinen Platz für Stimmung.)

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Irgendwann, nach gefühlten Jahren, endete unter Selbstherrlichem Grinsen das Set von dem Typen vor Worakls. Sollten mich doch die Leute blöd ansehen während ich betrunken den Trottel ausbuhte. Drogendruffe Augen. Wie die Schafe blickten sie mich an, als sie sich nach mir Deppen umdrehten, der da krakelte.

Worakls machte gute 1,5 Stunden. Und das ist eine sehr gute Länge für ein Live-Set. Wirklich. Wenn ein DJ nur 2 Stunden seine Platten spielt, gehört er ordentlich verprügelt, wenn mit seinem Name geworben wird: Zwei Stunden sind NICHTS. Eine unglaubliche Frechheit, dass die Jugend von heute ihr teures Geld für 2 Stunden zum Fenster hinauswirft; einfach unbegreiflich. Bei Live-Auftritten wurde man jahrelang mit einer Stunde abgespeist. Was noch okay war. Aber anderthalb Stunden sind schon sehr viel angebrachter und Kundenfreundlicher. Worakls spielte dann seinen Filmmusik-Electro herunter. Viele Flächen. Viele Melodien. Große Gesten. War ganz okay. Was man erwarten konnte. Nur auch nicht mehr. Während er den immer gleichen Wechsel zwischen einem Basslastigen Song und einem Geklimper-Hit machte. Man merkt schon, dass das Vorprogramm für mich auch Auswirkungen auf Worakls selbst hatte. Insgesamt hätte der Veranstalter doch einiges besser machen können.

Schade.

 

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Launchpad MK2 von Novation – und der Frust

„Ableton live“ soll die einfachste Software sein um damit Musik zu machen. Ich habe mir dazu ein Launchpad MK2 von Novation gekauft (was dafür nicht erforderlich ist, das Launchpad ist nur dazu da, um Töne/Loops darauf zu laden um sie dann wieder zu geben; wofür es die Software braucht ist es Musik auf das Pad zu bekommen), die größere Version von dem hier aus dem Video. Und ich finde. Als absoluter Computer-Steinzeit-Mensch, dass es gar nicht so einfach ist, die Software zu bedienen. Besonders wenn man eher der unruhige Typ ist und schnell gefrustet ist. Das Problem ist ironischerweise, dass man ZU VIEL damit machen kann…

Ohne solche Videos wie folgende wäre ich komplett aufgeschmissen. Zum Glück sind die Meisten auf Englisch…

Aber jeden Tag lerne ich was Neues 😉 Nur nicht aufgeben.

Ich schlafe wenn ich tot bin

So heißt auch die Gleichnamige Dokumentation über Steve Aoki. Den fand ich früher ziemlich cool, damals, als er  „Warp“ mit „the bloody beetroots“ gemacht hat und die damals frische Elelctro-Szene richtig kickte. Heute ist er ein Welt-Star. Nicht mehr als Electro-DJ, nein, heute legt er EDM auf, im Übermenschen-, Überlebensgroßen Guetta-Stil, eine Version und Ausgeburt der elektronischen Musik, die ich durch und durch ablehne.

EDM ist der blanke Ausverkauf der Werte, die die elektronische Musik einmal hatte. „Underground“ oder eine „Aussage“ gibt es dort nicht, soll es dort aber auch nicht geben. Es geht nur noch um den Spaß für Alle, der im Prinzip natürlich eine schöne Utopie ist,  doch dieses ultimative, multikulturelle Vergnügen ist und bleibt der möglichst kleinste gemeinsame Nenner, der sich nicht und niemals in einer Avantgarde manifestiert, es richtet sich immer an genau das gleiche Publikum, dass sich auf den selben Nenner  einigen kann: Die hohle Masse der oberflächlichen und durch sexualisierten Ja-Sagern.

Die elektronische Musik hat ein amüsantes Problem mit der Zeit-Verortung. Denn elektronische Musik spielt sich so gut wie nur in der Gegenwart ab. Selbstverständlich gibt es den Werdegang für die Geschichtsbücher (Detroit, Chicago, Manchester, Berlin usw. usf.) doch das hat nichts mit der Totalität der Wahrheit zu tun, wie diese Musik (egal welcher Spielart) in den Clubs oder auf den Festivals erlebt wird: Dort geht es immer um die Gegenwart. Nur um dass, was gerade geschieht. Es geht nur um die Musik, die gerade jetzt aus den Boxen hämmert (oder trällert) und es spielt keine Rolle ob es zuerst Disco, dann House, dann Acid, dann Techno, dann Drum & Bass, Dubstep, Electro, EDM oder im Jetzt abgekommen Deep House gab: An jedem Punkt dieser Evolutionsgeraden geht es nur um das Jetzt; wer man wo ist und mit wem. Gestern ist schon wieder old school.

Wenn ich mich jetzt also hinstelle und sage, dass ich das was Steve Aoki aus dem einstmals frischen Electro mitgemacht habe einmal derbe abgefeiert habe, würde ein ähnlicher Hohlkopf wie ich, der sich im Jahre 2016 verortet, sagen, dass der Aoki doch wohl EDM macht und immer gemacht hätte und ich die Schnauze halten soll wenn ich keinen Plan habe…  Das klingt wie ein Scherz, so tickt „DIE“ Szene aber. Sie ist absolut Zeit- und Argumentationsresistent Das ist sehr lustig. Wohl aber auch sehr anstrengend.

 

Steve Aoki ist – und das wusste ich nicht – der Sohn von Rocky Aoki, welcher tatsächlich eine lebende Legende war, schließlich erfand er die Restaurant-Kette Benihana (die ihn zum Multimillionär machte) und war zudem auch noch ein weltbekannter Ringer, Wrestler und Speed-Boot-Fahrer (und dabei auch noch Rekordhalter). Steve wollte seinem Vater immer beweisen, dass er seiner würdig sei und versuchte mit aller Kraft und Wut immer erfolgreicher zu werden bei dem was er tat; hier wird die Geschichte interessant. Nicht diese Nico Rossberg Geschichte, die vom reichen Sohn eines überpräsenten Vaters handelt der einem (theoretisch) alle Last schon vor der Geburt von den Schultern genommen hat, im Bezug darauf, seinen Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten zu müssen. Ein Umstand, der die Nachgeborenen nicht gerade sympathisch wirken lässt. Normalen Leuten ist es verständlicherweise egal wie viele Komplexe so ein Kind eines Multimillionärs hat, schließlich ist es trotz derer immer in einer besseren Ausgangslage als die Meisten von uns (komm mal klar!). Nein, interessant ist das in Hinblick auf Steve Aokis künstlerische Entwicklung, denn wenn es nur um ein „Höher, schneller, weiter“ geht, dann kann seine Geschichte keine künstlerische, sie MUSS kommerzieller Natur sein. Es kann gar  nicht  dauerhaft um Inhalte oder einer Politik, eines Sozialismus des Tanzens gehen. Wichtiger sind die MASSE, die MENGE (sei es die Stückmenge der verkauften Lieder oder der Menge an Tickets die für einen Gig verkauft werden) und der damit verbundene RUHM. Das mit Qualität aufzuwiegen ist so gut wie unmöglich. Die Frage muss sogar erlaubt sein, ob es überhaupt einen Willen gab die Qualität von der künstlerischen Seite aus erreichen zu wollen.

 

Zwar halte ich von solchen Homestorys nicht viel, in dem Fall war sie doch ziemlich erhellend, denn hinter der Kunst (besser: der Künstlichkeit) die Menschen produzieren, stehen immer Geschichten. Und so wie sich Steve Aoki an das Kamerateam verkauft hat, bietet das sinnvolle Einblicke in das Leben eines Mannes, der von seinem Umfeld anders gesehen wurde, als er es in seinem Innersten war. Es taugt nun mal nicht jeder als Gallionsfigur einer Bewegung auch wenn die Leute einen gern dazu stilisieren. Da kann man jetzt sagen: „Macht korrumpiert“ doch es ist mehr als dass, denn wie entscheidet die Masse überhaupt richtig, wem sie diese Macht gibt? Kennt die Masse überhaupt die Menschen, die sie idealisiert und von denen sie großes erwartet? Können Menschen Erwartungen dadurch enttäuschen, einfach nur dadurch, dass sie nicht so sind wie wir sie gerne hätten?

 

Eine Tatsache bleibt es, dass die meisten die ein Genre einmal geprägt haben künstlerisch weiterziehen und sich neue Herausforderungen suchen, während andere, nachfolgende eine Strömung tot kapitalisieren. Und auch noch stolz darauf sind. Ironischer weise: Zu Recht.

Und der lustigste Fakt zum Schluss: Kein einziges Lied von Steve Aoki wird in der Dokumentation in den Vordergrund gestellt. Da ist einfach nichts.

Außer ihm selbst, einem scheinbar netten Kerl.

Justice – ALAKAZAM !

Jetzt auch schon ein wenig älter ( 2 Wochen alt), der Sound hat mich jedoch überzeugt – und auch wie das Musik-Video gemacht ist. Dass man ganze Konzerte nahtlos mit Youtube-Videos zusammenschneiden kann ist spätestens seit dem Hype um die Daft Punk Tour 2007 bekannt – das als professionelles Band-Video zu machen, hat aber auch einen ganz eigenen Reiz.

Gefällt mir 🙂 Hoffentlich klingt das Album insgesamt auch so.

Und in guter Ton-Qualität klingt das so: