Wenn Angela Merkel Kinder hätte, gäbe es in Deutschland auch keine Flüchtlinge

So was bekomme ich original in der Arbeit zu hören. Einer dieser berühmten Sätze, bei denen man nicht weiß ob man Lachen oder Weinen soll. Wirklich? Glaubt ihr das tatsächlich? Hätte Angela Merkel also Kinder, hätte sie die Grenzen dicht gemacht (die nicht sie aufgemacht hat, sondern die Welt eines vereinten Europas ständig offen hielt) und alle Flüchtlinge im Winter erfrieren oder sie gleich erschießen lassen. Um ihre eigenen Kinder zu schützen. Vor Leuten, die niemanden etwas getan haben. Machen das Leute die Kinder haben? Verachten und hassen sie Fremde, weil sie eine potentielle Gefahr darstellen?

Ohne Zweifel ist jedes Verbrechen, dass hier in Deutschland begangen wird, eins zu viel. Es ist erst einmal egal von wem es begangen wird. Aber wenn es von Geflüchteten verübt wurde, dann erst Recht. Das ist auch meine Meinung. Es ist weder mir noch anderen zu erklären, wie man sich einem Land, dass sich gütig und gnädig gezeigt hat, undankbar, also strafbar gegenüber zu verhalten. Es muss konsequenter abgeschoben worden – da sind wir uns alle einig. Nur blöd das der Rechtsstaat sich da oft selbst im Weg steht; Fluch und Segen zu gleich. Vergewaltigungen und Mord können nicht geduldet oder schöngeredet werden, ganz gleich wie traumatisiert oder Gesellschaftsfremd ein Mensch auch sein mag. Es gibt keinen Grund diese Leute auch noch in Schutz zu nehmen. Erst recht nicht bei der politischen Lage. Tatsache ist aber auch, das sehr wenige Straftaten begangen werden, rein statistisch gesehen. Wenn eine Millionen Menschen in ein Land kommen und innerhalb von 3 Jahren „nur“ 30 Menschen von ihnen ermordet werden, ist und bleibt natürlich jeder Tote einer zu viel (und das wird sich auch nicht ändern, selbst wenn es ein einziger Ermordeter oder 500 wären), statistisch betrachtet ist das aber eine gar nicht mal so üble Quote. Und so hoch ist der Anteil an Frauen daran überraschenderweise nicht einmal (ich persönlich nahm an, dass das „schwache Geschlecht“ viel stärker betroffen sei).

Zurück zum Thema…

Ich habe das in meiner Umgebung häufiger gehört, dass wenn ich Kinder hätte, ich nicht so LINKS sein würde. Ehrlich gesagt bin ich gar nicht LINKS. Ich bin ein treuer Fan des Grundgesetzes. Das ist echt ein gutes Buch. Und ja, ich mag Europa, so wie den europäischen Gedanken, dass wir für unsere Rechte und Freiheiten eintreten, und die nicht gleich über Bord werfen, nur weil die „AFD“ oder „die Linke“ es gern so hätten. Vor ein paar Jahren war man da noch Mitte der Gesellschaft, heute ist man links. Aha. Auf jeden Fall beschäftige ich mich seit einiger Zeit damit „Kind“ zu haben und was für eine Welt ich ihm hinterlassen will. Entweder eine Welt in der es Gefahren gibt (die es übrigens immer geben wird), in der es auch irre oder einfach nur desillusionierte Zuwanderer gibt (die sind nicht weg zu diskutieren, auch wenn 99 Prozent dieser Leute friedlich sind und die Schnauze voll haben von Mord, Krieg und Armut) oder eine bereinigte Welt, in der alles wegkommt und niedergemacht wird was fremd ist: Eine sichere Welt, die von Angst beherrscht wird, sobald ich einem Fremden begegne, der anders ist als ich. Klar will ich nicht, dass meinem potentiellen Kind Gewalt angetan wird. Wer will das schon? Aber rein statistisch gesehen wird meinem Kind von einem Familienmitglied mehr Gewalt angetan, als von einem Kerl, der einen ganzen Kontinent und ein Meer überquert hat. So gesehen müsste ich meine Familie aussperren. Nicht den Fremden. (Okay, ein wenig albern formuliert. Der Punkt sollte aber ankommen). Nein. Ich will nicht, dass mein Kind in Angst vor der Welt leben muss. Ich will nicht, dass es Fremde hasst und erst Recht nicht, es sich für besser als andere Menschen hält. Ich halte es auch für Unsinn zu glauben, dass ich die Welt dadurch Gefahrenloser für meinen Nachkömmling machen kann, in dem ich das was fremd ist, von unserem Leben ausschließe. Denn in die Menschen, in die kann man nie hineinsehen. Egal ob er schon seit 30 Jahren der Nachbar meines Vaters ist. Oder frisch vom Boot kommt.

Und was ist, wenn ein Geflüchteter kommt und mein Kind tötet und vergewaltigt? Würde ich dann nicht diese Menschen hassen? Seien wir ehrlich: Natürlich würde ich das. Es gibt Menschen, die können in dieser Situation abstrahieren und sagen: „Nicht alle Geflüchteten sind so. Es war nur einer von Millionen.  Was wäre dann, wenn ein URDEUTSCHER mein Kind misshandelt und getötet hätte? Würde ich dann alle Deutschen hassen? Ergibt es Sinn eine Bevölkerungsgruppe zu hasse, nur weil ich sie kategorisieren kann?“ Wie gesagt, es gibt Menschen, die so logisch denken können: Ich könnte es nicht. Selbstverständlich würde ich DIE hassen. Aber. Ich wäre auch so weltfremd und würde alle mir fremden deutschen Männer hassen, wenn sie meinem Kind oder meiner Frau etwas antun. Es ist nicht logisch. Trotzdem würde es sich RICHTIG anfühlen. Auch wenn die eine Millionen Geflüchteten nichts dafürkönnen. Oder im anderen Fall 40 Millionen deutsche Männer. Wer Angehöriger von Gewaltopfern ist oder wem selbst Gewalt angetan wurde, muss sich nicht logisch verhalten. Wer das aber nicht ist, der sollte abstrahieren können. Denn er muss logisch und vernünftig denken können. Ja er MUSS. Sonst ist er einfach ein Depp.

 

Diesen Ausgangssatz: „Wir hätten keine Flüchtlinge in Deutschland, wenn Angela Merkel Kinder hätte“, habe ich in der Arbeit gehört. Von einem eigentlich vernünftigen, wenn auch nicht gerade hellen Kerl. Für mein Befinden machen die unzähligen Whatsapp-Gruppen die Leute immer dümmer. Da wird viel zu viel in der eigenen Bubble gelebt und argumentiert. Geschlossene Gruppe sind einfach bescheuert.

Meine Antwort auf den Satz war (auch, wenn es sich darum nicht einmal um eine Frage gehandelt hat): „Okay. Ich weiß, dass ist jetzt ein wilder Vergleich, aber ich kann es nicht anders formulieren. Obwohl ich sicherlich nicht finde, dass die Merkel alles richtigmacht. Aber. Glaubst du, dass Jesus Christus ein anderer gewesen wäre, wenn er Kinder gehabt hätte? Glaubst du ehrlich, dass er seinen Nächsten gehasst hätte, um seine Kinder zu schützen?“

„Willst du jetzt Angela Merkel mit Jesus Christus vergleichen?“

„Irgendwie, na ja. Klingt fast so. Die eigentliche Frage ist aber, ob du ein Christ bist, oder dich das Elternsein zum Egoisten macht. Christ sein und nur an seine eigene Familie zu denken, ist leicht. Nur ist es leider nicht das, was einen Christen ausmacht. Für welche Werte stehst du? Sonst bist du witziger weise der Scharia näher als dem Christentum.“

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Merkel muss weg – Teil 2 und die drei Dolchstosslegenden.

So dala. Jetzt geht es wieder gut. Migräne vorbei. Wo waren wir? Ach genau. Nachdem Merkel weg gemobbt wurde, kommen die Ausländer weg. Und dann die „falschen Religionen“. Die psychisch Kranken. Und wer sonst halt irgendwie anders ist. Damit Deutschland wieder rein ist. Denn viele Leute leiden schwer an der Unreinheit des Volkes. Wirklich.

Gerade ist bei mir in der Arbeit ein Computer-Techniker, den ich eigentlich schon seit vielen Jahre kenne. Von seiner Einstellung wusste ich jedoch nichst. Vor einer knappen Woche war die deutsche Nationalmannschaft auf dem Cover unseres örtlichen Käseblatts und der Techniker (nennen wir ihn „Stecker“) begann daraufhin darüber zu schimpfen, dass in unserem Nationalteam ja gar keine Deutschen seien. Die sind doch alle viel zu dunkel. Und ich so: „Na ja. Wenn die hier geboren wurden und nen deutschen Pass haben…“ „Unsinn! Das sind doch keine Deutschen!“ Und ich so: „Aha.“

Der erzählte mir dann gleich von dem Reservisten-Treffen von dem er gerade käme. Da sind noch aufrechte Leute. Ob ich denn beim Bund war? Tatsächlich habe ich meinem Land gedient. Bin da jetzt aber nicht sonderlich stolz drauf. Wir haben da auch nichts gemacht oder gelernt was mich jetzt zu Über- oder auch nur zum besseren Menschen erheben würde. Eher im Gegenteil. Das sagte ich dann auch so, sinngemäß Arthuer Schopenhauer zitierend, der dieses tolle Statement abgeliefert hat, dass derjenige (Schopenhauer hat das natürlich mir viel mehr Schnörkel und Blumen am Wegesrand gesagt), der nicht stolz auf sich selbst sein kann, stolz auf sein Land ist. Mit der Religion sei es ähnlich, meinte ich. Um den alten Wehrdienstverehrer etwas zu beschwichtigen. Man kann ja Leute die auf die 60 zugehen bei dem Thema nicht mehr einfangen. Die leben in ihrem eigenen Wahn. Dass donnerte er mir dann auch so rüber, dass man auf Deutschland und die Bundeswehr SEHR WOHL stolz sein könne. Sogar noch auf die Wehrmacht, damals im Krieg. Ihr kennt die Geschichte, diesen verdrehten Irrsinn:

Im zweiten Weltkrieg gab es ja die Nazis. UND die Wehrmacht. Die Nazis waren die ganz, ganz Bösen (nun gut, das stimmt auch) und die guten Soldaten dagegen war die deutsche Wehrmacht. Die tapferen Wehrmachtskrieger, die unter höchsten moralischen Konflikten dass tun mussten, was die bösen Nazis ihnen aufzwangen. Denn eigentlich wollten sie gar nicht kämpfen. Wehrmacht-Soldaten haben niemals irgendwelche Kriegsverbrechen begangen. Haben niemals Frauen vergewaltigt. Sinnlos Zivilisten getötet und auch keine Juden umgebracht. Die haben nur den Feind besiegt… Diese Mär von der guten Wehrmacht ist so was wie die zweite Dolchstoßlegende (wenn auch keine echte). Der ersten Dolchstoßlegende folgend, hätten die tapferen deutschen Soldaten den ersten Weltkrieg eigentlich gewinnen können. Wären sie nicht von der eigenen Heimat durch Defätismus verraten worden – quasi Dolchstoß von hinten aus den eigenen Reihen. Im gleichen trüben Wasser fischen auch diejenigen, die nach dem zweiten Weltkrieg behaupten, dass die Wehrmacht-Soldaten nur gut waren. Während die Nazis für alles verantwortlich sind. Es ist zwar bewiesen, dass auch die Wehrmacht ihren Teil dazu beitrug (siehe Partisanen-Kämpfe), dass sogar polnische Kollaborateure an Massenerschießungen und Lynch-Aktionen beteiligt waren, aber irgendwie muss man ja (wenn man es denn unbedingt will) auf deutsche Soldaten im zweiten Weltkrieg stolz sein. Die waren nicht so wie die Nazis und die Polaken. Und so geht das dann in den Köpfen weiter.

Bis hin zur Dolchstoßlegende Teil 3. Die Geschichte, die sich nicht nur um den Verrat an den deutschen Soldaten dreht, sondern gleich um die Deutschen als Ganzes: Angela Merkel will das Volk austauschen!

Sie will die Deutschen vernichten! Die Volksverräterin! Sie hasst die Deutschen die sie gewählt haben so sehr, dass sie sie mir Arabern ersetzt! Weil! Ja warum eigentlich?

Na ja wenigstens ist Merkel schuld wenn Ausländer hier Verbrechen begehen! DIE hat sie reingelassen! Dass ist wie wenn ein Freund von mir einen Freund zu mir nachhause mitbringt. Worauf der Freund vom Freund dann meine Schwester tötet. Dass ist dann auch meine Schuld! Ganz sicher sogar. Oder?

Merkel muss weg

Was bedeutet dieser Slogan „Merkel muss weg“? Dumme Frage. Er steht als Synonym für „Ausländer raus“. Denn welches Problem haben manche Leute mit unserer Bundeskanzlerin (die fast gar nicht mehr so genannt wird außer: Merkel. Was so klingt, als wäre die Frau ein Gegenstand)? Dass sie die Energiewende verbockt hat? Dass sie die Automobil-Industrie nicht im Griff hat die uns belügt und vergiftet? Dass die Industrie an sich sie schon längst in der Tasche hat wegen dem Todschlagargument gegen jeglichen Politik, genannt „Arbeitsplätze“? Dass sie Trump nicht in den Griff bekommt? Ne. Es geht einzig und alleine um die Asylanten-Frage.

Selbstverständlich hat Frau Doktor Merkel bei dem Thema weiß Gott nicht alles richtig gemacht. Aber auch nicht alles falsch. Denn für mein Befinden war es durchaus richtig und menschlich zu einem bestimmten Zeitpunkt die Grenzen zu öffnen. Danach hätte sie ihre Politik konsequent umsetzen müssen und nicht mal in die eine und dann in die andere Richtung rudern dürfen.

Angela Merkel und ihre Regierungsparteien sind inzwischen Getriebene der AFD, deren einziges Motto ohnehin nur ist: Merkel muss weg. Also Ausländer raus. Und davon lassen sich alle Parteien treiben, weil sie einfach kein Mittel finden gegen den Fremdenhass und die Angst der „kleinen Leute“ gegen Überfremdung. Argumente ziehen da schon lange nicht mehr. Und selbst Erfolgsmeldung bei der Integration werden von ihren Gegnern sarkastisch weg gelächelt. Das Merkelsche „Wir schaffen das“ wird nur mit Hohn übergossen. Selbst wenn wir dabei sind es zu schaffen. Jede Meldung über Verbrechen von Ausländern (am Besten von Asylanten) wird mehr gefeiert als verurteilt. Es gilt als Bestätigung für den eigenen Fremdenhass, der durch die Verbrechen legitimiert wird. Selbstverständlich ist es schlimm und verachtenswert wenn Frauen und Kinder vergewaltigt werden. Dem kann man nichts entgegensetzen. Denn als Normaldenker und -fühlender kann man sich ja schlecht hinstellen wenn Deutsche junge Mädchen und Frauen vergewaltigten und dann sagen: „Siehste mal. In der Statistik sind die Deutschen natürlich führend. Denn viel mehr Deutsche misshandeln und töten Frauen in Deutschland. Viel, viel mehr.“ Der moralisch Überlegene kann so nicht argumentieren. Er kann den Einzelfall nicht nehmen und auf das große Ganze ummünzen. Denn ein einzelnes Verbrechen ist nicht Aussagekräftig für eine Menschengruppe. Und die Frage ob der Asylant das gleiche Verbrechen auch in seiner Heimat verübt hätte, spielt keine Rolle. Denn das Opfer im Ausland wird nicht wie das deutsche Opfer als Mensch gesehen. Was Ausländern Ausländern antun, dient in der AFD-Welt nur dazu, DEN Ausländer an sich zu verurteilen.

Was ist also wenn „Merkel weg wäre“? Die Bundeskanzlerin und ihr Handeln sind soweit nach rechts gerutscht, dass sich im Prinzip nicht mehr viel ändern würde. Nur im Detail. Host Seehofer hin oder her. Nein. Der wichtigste Punkt bei einer Absetzung der Bundeskanzlerin wäre, dass die AFD gewonnen hätte. Und was kommt danach? Ganz einfach. Die Merkel-Kollaboratuere müssen weg. D.h. Alle die jetzt regieren und die Merkelsche Politik mittragen. Und dann kommen die Ausländer weg. Ganz egal ob sie hier geboren wurden oder nicht. Denn der Ausländer ist eine Hautfarbe und eine Religion. Ahnenforschung wird wieder sehr populär werden.

 

Den Text setze ich irgendwann mal fort. Leide sehr unter Migräne…

Yolocaust

Ich mag Shahak Shapiras künstlerische Arbeit, auch wenn er kein großartiger Redner ist. Seit einer Weile folge ich ihm bei Facebook und sein Yolocaust-Projekt sollte wirklich einer großeren Menge an Leute zugänglich sein.

Vielleicht habt ihr schon davon gehört, es geht um Selfies am Holocaust-Mahnmal in Berlin. Einfach hier klicken 

(Ich habe das auf dem Handy erst gar nicht verstanden – man muss mit dem Curser über die Bilder fahren)

Dabei will ich nicht einfach nur mit dem Finger auf andere zeigen. Auch ich war vor Jahren mit Freunden dort und wir haben dort Fotos von uns gemacht, einfach weil das Mahnmal selbst ein imposanter Bau ist; deswegen wollten wir nicht Pietätlos sein. Wenn man ehrlich ist denkt man dort kaum an das wofür es eigentlich steht. Das ist der Nachteil der einzigartigen Architektur.

Fühlbar als Mahnmal wurde es mir damals erst, als ich richtig tief hinein ging und der Lärm Berlins durch die Architektur abgeschottet wurde. Das hat etwas bewegt.

Recht muss man Shapira dennoch bei seinem Foto-Projekt geben, der mit seiner Fotomontage daran erinnert was es eigentlich darstellt.

Brief an den Chef

Sie haben mir heute die Monatszahlen unserer Gesamtproduktion vorgeführt, um auf das Gespräch von gestern zu reagieren, in dem ich darauf hingewiesen habe, dass ich kurz vor einem Burnout stehe und, wenn sich nichts an der Produktion und deren Tempo ändert, über kurz oder lange Gesundheitliche Schäden davon tragen werde, dich mich unfähig machen werden für eine kürzere oder sogar längere Zeit an der Arbeit und am sozialen Leben selbst teilzuhaben.

 

Mit ihren Monatszahlen wollte sie mich motivieren, denn laut diesen Zahlen produzieren wir gerade einmal die Hälfte von dem, was vor drei Jahren vom Hof gefahren wurde. Ich glaube ihnen, dass diese Zahlen stimmen. Sie sind exakt in SAP eingetragen worden und stehen für das was sie sind: Ausstoßzahlen unserer Firma. Doch so wahr diese Zahlen auch sind, so falsch sid sie auch im Bezug auf meine körperliche und geistige Gesundheit. Denn diese (wie sie von mir ihnen gegenüber genannte wurden) „nackten Zahlen“ sagen nichts aus, bis auf die Tatsächlichkeit der Existenz des hergestellten Produkts im Bezug auf vor drei Jahren.

 

In der Zahl ist nicht aufgeführt, dass wir inzwischen 2 Leute weniger in der Produktion sind, dazu kommt ein Landzeitkranker, der in den letzten 3 Jahren nur insgesamt 2 Monate gearbeitet hat. Es ist nicht enthalten, dass die Maschinen inzwischen noch veralteter sind und dass teilweise zwar neue angeschafft wurden, diese aber noch nicht so eingestellt sind – schließlich sind sie gebraucht von den beiden Partnerfirma geliefert worden – wie wir es benötigen, da wir nun ein Mischmasch von drei (!) Firmen in unserer Halle stehen haben, deren Maschinen aus unterschiedlichen Baujahren und damit Fähigkeit sind. Auch ist nicht aufgeführt, dass wir die alten Maschinen selbst (teilweise an Wochenenden) selbst abbauen und darauf folglich auch mit dafür verantwortlich waren, die Neuen mit aufzubauen. Es ist nicht enthalten, dass unsere Kompressoren nur noch auf halber Energie arbeiten, und wir deswegen manche Arbeitsbereiche nicht gleichzeitig fahren können.

 

In den Zahlen ist  zwar enthalten, dass wir  nicht mehr so viele Stückzahlen produzieren, doch immer mehr kleiner Margen in höherer Anzahl, was ein ständiges Umrüsten und Überprüfen zur Folge hat.

Weiterhin ist in diesen Zahlen nicht aufgeführt, dass wir kurz vor dem Zeitpunkt einer Zertifizierung stehen und wir deshalb Arbeitsschritte verändern müssen und mussten, und deswegen einen höheren Sicherheitsstandard erfüllen, was mehr Probenahmen und Überprüfungen zur Folge hat – mit immer weniger Leuten. Dies verlängert die Arbeitszeit erheblich.

In den verglichenen Monatszahlen steht nicht, dass Arbeitskollegen in Rente gegangen sind und nun als Teilzeitkräfte am Produktionsprozess teilnehmen, aber eben nur in Teilzeit. Überhaupt ist der menschliche Faktor gar nicht berücksichtigt.

 

Überstunden, Dauererkrankungen im Vergleich zu damals sind überhaupt nicht aufgeführt, so wie die Persönlichkeit und der Background der Belegschaft im Speziellen. Es ist nicht darin enthalten, dass mancher Kollege Nachwuchs bekommen hat und deswegen a) Elternteilzeit genießt (was jeder Manns und Fraus Recht ist, verstehen sie mich richtig) oder b) durch den Schlafentzug den ein Säugling hervorrufen kann nicht volle Leistung bringt und nicht mehr universell einsetzbar ist.

Körperliche wie geistige Komponenten sind in den Zahlen überhaupt nicht enthalten. Denn, guter Herr Chef, auch wenn früher sicherlich nicht alles besser war und es sich nicht alles zum Schlechten gewandelt und sich natürlich auch einiges gebessert hat, muss man auch die Menschen von damals zu heute vergleichen. Niemand von uns ist jünger geworden. Hunderte Überstunden für jeden, die niemals abgefeiert werden können, obwohl dies Vertraglich so vereinbart ist, wurden angehäuft, manche Arbeitskollegen haben im September  noch den Urlaub von letztem Jahr, während andere schlicht und ergreifend gar keinen zusammenhängenden Urlaub nehmen können, da es keine Zweitbesetzung für ihren Arbeitsplatz gibt.

 

In den Zahlen ist auch nicht das Geschäftsklima erfasst, der Teamgeist oder dass jeder Mensch verschieden ist; der eine arbeitet mehr, der andere weniger; einer macht in der gleichen Zeit das Doppelte, während der andere lieber Überstunden macht um das Selbe zu erreichen. Es steht nichts über die individuelle Belastung in den Ziffern und wie der Mensch damit umgeht. Außerdem muss ich anmerken, dass die Belegschaft nie danach gefragt wurde, ob die Margen in Unterbesetzung überhaupt auf längere Zeit eingehalten werden können.

Nach der Privatperson und seinen Problem wird ohnehin nicht gefragt, jedoch, es ist ein Faktor.

 

Sie, mein Chef, sagen, dass bei jener Anzahl von Menschen eine gewisse Anzahl von Gütern hergestellt werden muss, da dies bei Firma A auch der Fall ist. Doch ob Firma B überhaupt mit Firma A gleich gesetzt werden kann, diese Frage wird offensichtlich nicht abschließend geklärt, obwohl klar ist dass es keine Firma eins zu eins im anderen geben kann – das ist unmöglich, selbst wenn eine Firma ein planerischer Klon der anderen wäre; denken sie an den menschlichen Faktor.

Firmen sind organische Einzelwesen, wie der Mensch selbst, die sich ähneln und in Medizinischer Hinsicht das gleiche Grundkonzept verfolgen, doch so wie jeder Mensch am Ende unterschiedlich zu seinem Gegenüber ist – obwohl jeder über ein Herz, eine Lunge usw. verfügt (in den meisten Fällen) – ist auch jede Firma ein ganz eigener Mikrokosmos, der durch keine Zahl mit einer anderen Firma identisch gemacht werden könnte; Vergleiche können angestellt werden und um beim Beispiel der Medizin zu bleiben: Diagnosen müssen gemacht werden und dafür gibt es Lehrbücher und die Wissenschaft. Und selbstverständlich benötigt man dafür auch die Mathematik. Aber die falsche Diagnose beim falschen Patienten kann eine Katastrophe bewirken.

 

Ich weiß, mein Herr, dass sie ein gebildeter Mann sind. Und ich weiß auch, dass sie um all das was ich gerade aufgezählt habe – und bei dem noch viele Komponenten fehlen – selbst wissen. Ihnen ist das bewusst, dass diese Zahlen viel, und doch gar nichts aussagen.

Ich nehme an, dass sie mir die Zahlen gezeigt haben, um mich zu motivieren, denn andernfalls wäre es ein Scherz über meine geistige Intelligenz, wenn sie glauben würden, ich würde darauf denken: „Aha, heute ist alles besser als früher. Zahlen lügen nicht. Ich muss mir meine körperlich/geistige Schwäche nur einbilden.“

„Zahlen lügen nicht“, das ist richtig. Man muss die Zahlen aber auch in das richtige Verhältnis stellen. Und vor allem muss man sie in das richtige Verhältnis stellen wollen.

 

So schließe ich mein Schreiben an sie, wohlwissend, dass sich daraus nichts ändern wird, denn unser Wissen um die Falschheit dieser richtigen Zahlen, wird niemals die Befehlskette nach oben kriechen, da ihr Chef, mein guter, lieber und tüchtiger Chef, zu ignorant ist um die Zahlen richtig zu lesen, obwohl selbst er weiß, da auch er intelligent ist, was diese Zahlen wirklich bedeuten und deswegen Unsinn behauptet, wie zum Beispiel das wir genug Leute sind, diese aber nur falsch eingeteilt seien. Dies haben sie mir vor meinem Eintritt ins Wochenende erklärt worauf ich lachend meinte: „Blöd, dass der Chef keine Ahnung hat“, worauf sie meinten: „Woher soll er auch eine Ahnung haben? Er ist im Mutterkonzern und nie da.“ Umgekehrt hätten sie auch keinen Überblick wie es im Mutterkonzern zuginge. Und ich konnte mich nur wundern, wie ein Chef ein logistischer Vorstand einer Firma sein kann, wenn er gar keinen Überblick über die Firma hat, für die er die Verantwortung trägt. Das ist kafkaesk, ebenso wie es kafkaesk ist zu glauben, Produktionszahlen sind tatsächliche Zahlen.

Hiermit verabschiede ich mich ins Wochenende, lieber, gütiger und geliebter Chef. Und ich entschuldige mich dafür, dass man in meiner Jugend noch Geld in die Bildung investiert hat, die einem reibungslosen Arbeitsverlauf manchmal im Weg stehen.

 

Dienerhaft ihr

Paul Fleming.

Lieber rechts als arm

Es ist schon verblüffend wie schnell der Rassismus-Zug im letzten Monat Dampf aufgenommen hat. Vollkommen normale, vernünftige Leute werfen mit Argumenten und (unironischen) Bezeichnungen um sich, dass man nicht nur den Kopf darüber schütteln kann oder dagegen argumentieren, nein, man bekommt eine richtige Wut und Kopfschmerzen von der ganzen Scheiße.

Zuerst: Ich verstehe jede Frau, jeden Mann mit Frau und selbstverständlich auch jeden Mann, der/die hier aufgewachsen sind, die hier leben und es sich schön kuschelig warm in ihrem Leben gemacht haben, dass dieser nichtenden wollende Flüchtlingszustrom ihr/ihnen/ihm Angst macht. Natürlich. Da kommen ja nicht nur die Guten und erst Recht nicht nur die Gebildeten.

 

Nachdem den Medien vorgeworfen wurde, dass sie zu spät berichtet hätten, wird jetzt viel zu vieles zu früh „berichtet“, was sich im Nachhinein als Ente herausstellt (siehe Freiburg, siehe vergewaltigtes Mädchen in Berlin, siehe verhungertes – oder erfrorenes – Kind usw. usf.); die Hysterie ist nun schon so groß, dass es fast kaum mehr eine Rolle spielt was wirklich geschehen ist, es geht nur noch darum, was DENKBAR wäre. Was man der anderen Fraktion zutrauen würde.

Also ja, da kommen nicht nur die Guten und nein, es sind nicht alle böse, und nein, den Medien kann man nicht trauen, wenn man selbst nur das Hören will, was einem in sein Weltbild passt.

 

Ich bin jetzt 35 Jahre alt und mir ist nicht erst seit der Aktion von Stephan Weidner im Jahr 2007 klar – in der er für den SPIEGEL ein eigenes Interview über sich erfunden hat, was die dann abgedruckt haben, als er nicht mit dem zufrieden war, dass er dem Reporter gab – dass man so gut wie jede Nachricht a) zuerst einmal kritisch betrachten sollte, da sie b) aus verschiedenen Medien-Häuser kommen, die verschiedene politische Einstellungen in die Perspektive hineinbringen, wie man eine Tatsache betrachten kann und c) dass Nachrichten schon immer geschönt werden. Das hat mit dem Kalten Krieg nicht aufgehört, in der mir in meiner Kindheit ständig erzählt wurde, dass die Amerikaner doch die total Guten sind – und wenn man erwachsen wird versteht man, dass die ebensolche Dreckschweine waren und sind wie die Russen. Wie es in Twin Peaks so schön heißt: Die Eulen sind nicht das was sie scheinen – mit Meldungen ist es ebenso.

Dennoch „entsage“ ich nicht den großen Medienhäusern und muss mir nicht meine „politische Bildung“ bei Ken FM abholen. Man sieht sich Alles ein wenig an und sortiert das aus, bis man sich selbstständig eine Meinung gebildet hat.

In der Youtube-Generation dagegen kann man so lange durch die Video-Blogs klicken, bis man schließlich genau die Meinung erzählt bekommt, die man hören will: „Der hat sowas von Recht! Musst du dir ansehen!“

Niemand hat NUR Recht. Das muss man verstehen.

Man muss dialektisch Denken, um zu seiner Meinung zu kommen, anders wird es nichts und niemand wird dir vorkauen, was richtig und was falsch ist – außer du stehst auf Meinungsmache.

Die, die jetzt von den Massenmedien enttäuscht sind, sind glaube ich aber auch die, die Klaus Kleber immer alles geglaubt haben. Kein Wunder das man sich betrogen vorkommt. Wie? Ach? Der nette Fernseh-Onkel ist ja gar nicht DIE Wahrheit…

 

Und das sind genau die Typen (Youtube ole ole) die immer gesagt haben: „Ach, in der Welt geht es so ungerecht zu. Da gehört einmal was gemacht!“ In Umfragen wurde dann gesagt, dass man gerne ein wenig von seinem Reichtum abgeben würde, damit es auch ärmeren Leuten in Entwicklungsländer besser gehen könnte.

Und jetzt, wo „der Rest der Welt“ nicht nur arm und dumm ist, sondern AUCH Internet hat und dadurch erkennen kann, dass es den Reichen (das sind übrigens wir) viel besser geht als ihnen, denken sie: Wir kommen jetzt mal rüber und werden auch ein wenig reich.  Finde ich jetzt nicht prickelnd (dabei habe ich mich mit meiner Patenschaft für das schwarze Kind in Afrika so wohlig und gnädig gefühlt – ich mache was!), besonders wenn Alle auf einmal kommen. Verdenken kann ich es aber niemanden, der lieber hierher kommt und ein klein wenig mehr so ist wie du und ich, als irgendwo für einen Hungerlohn in Afrika nichts zu verdienen oder in Syrien erschossen zu werden.

Was habt ihr denn gedacht? Das die Welt immer weiter dabei zusieht, wie wir immer fetter und fauler werden und wir ihnen ein paar Brotkrumen hinwerfen und alles gut? Und nein, ich habe im Prinzip auch keinen Bock meinen Wohlstand aufzugeben (schließlich arbeite ich doch hart!), doch ich kann auf jeden Fall auch nicht behaupten, dass ich mich groß darüber wundere, dass es so kommt, wie es kommt; nur dass es auf einen Schlag eine Millionen Menschen in einem Jahr sein würden die nach Deutschland drängen, hätte ich nicht gedacht. Aber es sind MENSCHEN. Keine Heuschrecken, keine Monster, und nicht ausschließlich Verbrecher. Menschen die so gut wie möglich ihr einziges Leben leben wollen, wie sie können. Dass das jetzt bei uns sein soll finde ich jetzt auch nicht so toll, aber ich kann es verstehen.

 

Komischerweise bin ich mit der Einstellung bald schon alleine. Wie gesagt: Der Rassismus nimmt zu. Und komischerweise geht es jetzt, einen Monat nach dem Silvester-Schock, immer weniger um Frauen-Rechte und/oder Sozialisationsproblemen; es geht um das Geld. Der Kapitalismus schlägt wieder knallhart zu. Leute, die als es noch „keine Probleme“ gab, sehr gönnerhaft daherredeten, sind jetzt lieber Menschenhasser, als ärmer.

Ich stehe dazu: Ich habe auch Sorgen vor Überfremdung. Habe davor Angst, dass  die Werte die wir hier leben, langsam aber stetig über Bord geworfen werden.  An denen müssen wir festhalten. Und dafür braucht es INTEGRATION derer, die da sind. Und nicht Ausgrenzung. Die, die da sind und nicht mehr weggeschickt werden, die muss man integrieren und zwar um unserer selbst willen. Denn jene die uns heute verstehen, sind nicht die Parallelgesellschaft von morgen. Und das kostet. Es kostet Geld und Nerven. Dabei werden wir leider nicht nur Dankbarkeit zu spüren bekommen.

Aber es wollen immer weniger Leute hier Zugeständnisse machen. Sie wollen dass Alles so bleibt wie es ist; dafür haben sie ja auch die Merkel gewählt. Aber man kann die Zeit nicht festhalten. Man kann nicht immer Jugendlich sein. Man kann nicht immer nur größere Fernseher kaufen. Und man kann nicht hunderte von Jahren diejenige Gesellschaft sein, der es am Besten geht. Das Leben ist ein einziger  Wandel. Aber das wollen viele nicht erkennen. Sie wollen sich lieber aus- oder besser: abgrenzen.

Realität bleib draußen.

Das geht nun einmal schwer mit einem Flüchtlingsheim vor der Nase. Mit der Fremde in der eigenen Nachbarschaft. Aber die Probleme der Welt gehen nicht weg nur weil man Leistungen kürzt oder eine Brandbombe auf ein Dach wirft.

Urlaub im Grenzgebiet

„Freilassing“ ist ein seltsamer Name für ein Erstaufnahmelager.

 

Den einzigen Fall vom Rassismus in unserem Urlaub im Grenzgebiet Deutschland/Österreich, erlebte ich in Salzburg. Ein Bettler kniete nahe des Weihnachtsmarktes beim Dom am Boden, die Hände wie eine Muschel vor sich bittend geöffnet, und eine Gruppe von Mittvierzigern passierte den Mann, der allem Anschein und Vermutungen nach ein Flüchtling war. Eine Frau aus der Gruppe gab dem Bettler ein paar Münzen, worauf die andere Dame aus der Entourage lauthals auf sie ein brüllte: „Schämts euch dem was zum gebn! Schämts euch! Wenns wenigstens a Weißer wär!“ Und wütend schnaubend und dann – ich habe das nicht mehr vernehmen können weshalb – lachend, stürmten sie weiter. Triumphierend. Es war ungefähr 14 Uhr 30. An „Heilig Abend“.

Das war also der berühmte Österreichische Rassismus von dem David Schalko so voll erzählt hatte.

 

Es war der letzte Tag unseres Kurzurlaubes, den wir in Bad Reichenhall, im Grenzgebiet verbracht hatten. Mit dem Zug kamen wir  während unseres Tagestrips nach Salzburg durch Freilassing und sahen vom Fenster aus nur ein normales bayrisches Städtchen. Ruhig, aufgeräumt, einladend, schön. Keine Ausnahmesituationen. Nur im Zug selbst eine Schaffnerin, die freundlich zu ausländisch anmutenden Bahnreisenden meinte: „Ah, ihr habt´s bestimmt die Schülerkarte“. Worauf diese lachten. Ja, ja. Haha. Schülerkarte. Mehr war da nicht.

Und wir wunderten uns gestern, als wir in den „Nachrichten“ auf Pro 7 Bilder aus der Erstaufnahmeeinrichtung Freilassing sahen; irgendwie geht dieses ganze Vertriebenending total an uns vorbei, es hat keinerlei Auswirkungen auf uns.

Denn. Wir sind in den letzten Monaten weder belästigt worden. Noch wurden wir ärmer. Noch fühlten wir uns in der Unterzahl. Nur. Ein beschaulicher Urlaub im Grenzgebiet. Der jegliche Propaganda die das Internet und die –idas (Pegida, Legida, usw.) verbreitete, ad absurdum führte.

 

Es war so schön, dass wir sogar noch eine Übernachtung drangehängt hatten, in diesem viel zu warmen und dadurch herrlichen Winter. Wir erklommen unter Schweiß und Wehklagen einen vereisten Berg, auf dem man an den ungesicherten Stellen 1500 Meter die  Steilwänden hinabstürzen konnte, genossen oben die sagenhafte Aussicht und vertrödelten einen ganzen Tag in der größten und besten Therme, in der wir jemals waren. Der perfekte Kurzurlaub in einem perfekten Hotel mit perfektem Wetter. Und kurz. Für ein paar Tage. Waren die Sorgen des Alltags vergessen. Darauf trank man auf dem kleinen Christkindlesmarkt noch einen warmen Pflaumenschnaps.

 

Ein wenig fühlte ich mich in meiner Kleinstadt die letzten Monate, als der Fernseher dröhnte und das Internet tobte, wie in einer künstlichen Blase, die von dem „Aslyanten-Strom“ verschont blieb. Alles schien an einem vorbeizugehen. Wieso zum Geier war es möglich, dass das auch hier im Grenzgebiet der Fall war? Ganz einfach, weil in Wahrheit weder mein Heimatkaff von den kriegsinduzierten weltpolitischen Umwälzungen ausgeschlossen blieb, noch Bad Reichenhall oder Freilassing. Es zeigt sich nur jetzt schon, dass die Apokalypse der Vorstellung wie immer überzeichneter ist, als die Tatsachen der Gegenwart.