Deutschtürken

Rund 3 Millionen Türken leben in Deutschland. Davon sind 1,3 Millionen wahlberechtigt Und davon haben 63 Prozent Erdogan gewählt: Stand heute Vormittag. Alle Zahlen sind wie immer ohne Gewähr.

Wie sich das jetzt nun genau zusammensetzt, wann ein Türke eine doppelte Staatsbürgerschaft hat, warum diese Türken in der Türkei nicht als Deutschtürken angesehen werden, weshalb die da nur als Türken gelten (deshalb können sie dort den Journalisten „Deniz Yücel“ einfach so wegsperren, ohne dass die Bundesregierung irgendetwas dagegen unternehmen kann) und was da überhaupt und so genau los in der Türkei; dazu kann ich herzlich wenig sagen. Ich bin wie die wahrscheinlich meisten von euch auch nur halbinformiert durch unsere Medien, die natürlich selbst eine gewisse Position vertreten, wobei ich mich auch nicht wirklich mit dem Thema auseinander gesetzt habe.

Heute Morgen nach dem Referendum habe ich Artikel gelesen, so wie man heutzutage Bücher liest. Locker wischte ich die Informationen beiseite, manche vielen mir ins Gedächtnis. Erdogan kann also nun so gut wie alles machen was er will. Das Parlament hat keine großartigen Kontrollfunktionen und damit  keine Macht mehr, außer sich selbst aufzulösen – was sehr ironisch klingt.  Los wird man den Erdogan auch nicht mehr so schnell, irgendwas mit mindestens 15 Jahre bis lebenslänglich bleibt der „an der Macht“, dabei gilt in anderen Ländern 15 Jahre ohnehin schon als lebenslänglich. So sieht es wohl aus. Das ist ein Ding der Türken in der Türkei. Ihr Scheiß.

 

Mir bleiben als Deutscher nur die oben genannten Zahl zu interpretieren: Warum wählen so viele Deutschtürken bei uns Erdogan? Auch das kommt mir wie eine sehr ironische Sache vor, denn die Väter und Vorväter die aus der Türkei nach Deutschland gekommen sind um mit uns dieses Land wieder erfolgreich aufzubauen, scheinen nicht ganz verstanden zu haben WARUM dieses Land aufgebaut werden musste. Ja, ja. Da scheint es so einen Despoten gegeben zu haben, der hat da Krieg gemacht, diese dummen Deutschen. Und 50 bis 60 Jahre später halten die gleichen Leute (nicht alle) und Teile ihrer Nachfahren einen Despoten mit „Präsidialsystem“ für eine geeignet Lösung für ihr Land um es Zukunftstauglich zu machen. Da. Muss einiges schief gegangen sein. Bei den Deutschtürken. Und bei den Deutschen selbst natürlich auch.

Man muss sich ja auch nicht wundern wenn man immer von „Gastarbeitern“ sprach und Parallelgesellschaften hochzog, dass sich die Leute in diesem Land nicht besonders gut integrierten. Klar muss man sich auch integrieren lassen wollen, „Willkommenskultur“ sah aber anders aus. Irgendwann, als die Bezeichnung „Gastarbeiter“ gescheitert war und die Nachkommen der Türken plötzlich Deutschtürken waren und hier nicht mehr weg wollten, sprach man dann von „Multikulti“, was so viel bedeutete, dass man die Parallelgesellschaften akzeptierte und man wenigstens den Versuch einer Integration startete – und als dass nicht innerhalb von ein paar  Jahren geklappt hat, sprach man sofort davon, dass „Multikulti“ gescheitert war. Gescheitert war man aber meiner singulären Meinung nach schon am Anfang, als man die Menschen hier wie Menschen zweiter Klasse behandelte. Eigentlich kein Wunder. Schließlich sind wir die Nachfahren der Nazis…

Natürlich sind die Deutschen nicht alleine an der Geschichte schuld, auch wenn sie sich plötzlich von „Kanaken“ umzingelt sahen. Die ganze deutsch/türkische Geschichte ist kompliziert und von Vorurteilen behaftet.

Was ist eigentlich mit mir selbst? Tja, wie allseits bekannt ist komme ich aus einer Kleinstadt und bin in den 80ger aufgewachsen, was alleine schon selbsterklärend dafür steht, dass ich kaum Türken kenne und kaum welche zu meinen Freunden zählen. Die gibt es hier schon auch, ich habe auch 3 in meiner Facebook-Freundesliste und bin mit einem wirklich echt befreundet, doch hier gibt es einfach keinen Platz um mit den Leuten zusammen zu kommen – und sind wir ehrlich: Wer will das eigentlich? Zwar gibt es immer ein paar Ausreißer die zwischen den Klischees leben (und inzwischen neue gebildet haben) die man dann ja auch kennenlernt und mag, aber wer hat schon Lust sich mit den Großeltern und Eltern solcher Leute auseinander zu setzen?

Jetzt aber die Hände über dem Kopf zusammen zu schlagen und fragen: Wie kann das nur sein, ist auch lächerlich. Irgendwo ist es sogar sehr verständlich, dass es so ist. Ist es sehr erklärbar, warum Leute hier gegen die Demokratie stimme: Weil sie bei ihnen nicht angekommen ist. Weil Demokratie Mitsprache-Recht ist. Auch wenn das oft mit Wohlstand vertauscht wird. Da ist es doch ganz logisch wie man sich verhält, wenn man von Beidem abgeschnitten fühlt.

Ohnehin scheint kaum einer mehr zu wählen weil er für etwas ist oder um was zu unterstützen. Wir leben in einer globalen  DAGEGEN-Kultur. Warum ist das so?

Lieber rechts als arm

Es ist schon verblüffend wie schnell der Rassismus-Zug im letzten Monat Dampf aufgenommen hat. Vollkommen normale, vernünftige Leute werfen mit Argumenten und (unironischen) Bezeichnungen um sich, dass man nicht nur den Kopf darüber schütteln kann oder dagegen argumentieren, nein, man bekommt eine richtige Wut und Kopfschmerzen von der ganzen Scheiße.

Zuerst: Ich verstehe jede Frau, jeden Mann mit Frau und selbstverständlich auch jeden Mann, der/die hier aufgewachsen sind, die hier leben und es sich schön kuschelig warm in ihrem Leben gemacht haben, dass dieser nichtenden wollende Flüchtlingszustrom ihr/ihnen/ihm Angst macht. Natürlich. Da kommen ja nicht nur die Guten und erst Recht nicht nur die Gebildeten.

 

Nachdem den Medien vorgeworfen wurde, dass sie zu spät berichtet hätten, wird jetzt viel zu vieles zu früh „berichtet“, was sich im Nachhinein als Ente herausstellt (siehe Freiburg, siehe vergewaltigtes Mädchen in Berlin, siehe verhungertes – oder erfrorenes – Kind usw. usf.); die Hysterie ist nun schon so groß, dass es fast kaum mehr eine Rolle spielt was wirklich geschehen ist, es geht nur noch darum, was DENKBAR wäre. Was man der anderen Fraktion zutrauen würde.

Also ja, da kommen nicht nur die Guten und nein, es sind nicht alle böse, und nein, den Medien kann man nicht trauen, wenn man selbst nur das Hören will, was einem in sein Weltbild passt.

 

Ich bin jetzt 35 Jahre alt und mir ist nicht erst seit der Aktion von Stephan Weidner im Jahr 2007 klar – in der er für den SPIEGEL ein eigenes Interview über sich erfunden hat, was die dann abgedruckt haben, als er nicht mit dem zufrieden war, dass er dem Reporter gab – dass man so gut wie jede Nachricht a) zuerst einmal kritisch betrachten sollte, da sie b) aus verschiedenen Medien-Häuser kommen, die verschiedene politische Einstellungen in die Perspektive hineinbringen, wie man eine Tatsache betrachten kann und c) dass Nachrichten schon immer geschönt werden. Das hat mit dem Kalten Krieg nicht aufgehört, in der mir in meiner Kindheit ständig erzählt wurde, dass die Amerikaner doch die total Guten sind – und wenn man erwachsen wird versteht man, dass die ebensolche Dreckschweine waren und sind wie die Russen. Wie es in Twin Peaks so schön heißt: Die Eulen sind nicht das was sie scheinen – mit Meldungen ist es ebenso.

Dennoch „entsage“ ich nicht den großen Medienhäusern und muss mir nicht meine „politische Bildung“ bei Ken FM abholen. Man sieht sich Alles ein wenig an und sortiert das aus, bis man sich selbstständig eine Meinung gebildet hat.

In der Youtube-Generation dagegen kann man so lange durch die Video-Blogs klicken, bis man schließlich genau die Meinung erzählt bekommt, die man hören will: „Der hat sowas von Recht! Musst du dir ansehen!“

Niemand hat NUR Recht. Das muss man verstehen.

Man muss dialektisch Denken, um zu seiner Meinung zu kommen, anders wird es nichts und niemand wird dir vorkauen, was richtig und was falsch ist – außer du stehst auf Meinungsmache.

Die, die jetzt von den Massenmedien enttäuscht sind, sind glaube ich aber auch die, die Klaus Kleber immer alles geglaubt haben. Kein Wunder das man sich betrogen vorkommt. Wie? Ach? Der nette Fernseh-Onkel ist ja gar nicht DIE Wahrheit…

 

Und das sind genau die Typen (Youtube ole ole) die immer gesagt haben: „Ach, in der Welt geht es so ungerecht zu. Da gehört einmal was gemacht!“ In Umfragen wurde dann gesagt, dass man gerne ein wenig von seinem Reichtum abgeben würde, damit es auch ärmeren Leuten in Entwicklungsländer besser gehen könnte.

Und jetzt, wo „der Rest der Welt“ nicht nur arm und dumm ist, sondern AUCH Internet hat und dadurch erkennen kann, dass es den Reichen (das sind übrigens wir) viel besser geht als ihnen, denken sie: Wir kommen jetzt mal rüber und werden auch ein wenig reich.  Finde ich jetzt nicht prickelnd (dabei habe ich mich mit meiner Patenschaft für das schwarze Kind in Afrika so wohlig und gnädig gefühlt – ich mache was!), besonders wenn Alle auf einmal kommen. Verdenken kann ich es aber niemanden, der lieber hierher kommt und ein klein wenig mehr so ist wie du und ich, als irgendwo für einen Hungerlohn in Afrika nichts zu verdienen oder in Syrien erschossen zu werden.

Was habt ihr denn gedacht? Das die Welt immer weiter dabei zusieht, wie wir immer fetter und fauler werden und wir ihnen ein paar Brotkrumen hinwerfen und alles gut? Und nein, ich habe im Prinzip auch keinen Bock meinen Wohlstand aufzugeben (schließlich arbeite ich doch hart!), doch ich kann auf jeden Fall auch nicht behaupten, dass ich mich groß darüber wundere, dass es so kommt, wie es kommt; nur dass es auf einen Schlag eine Millionen Menschen in einem Jahr sein würden die nach Deutschland drängen, hätte ich nicht gedacht. Aber es sind MENSCHEN. Keine Heuschrecken, keine Monster, und nicht ausschließlich Verbrecher. Menschen die so gut wie möglich ihr einziges Leben leben wollen, wie sie können. Dass das jetzt bei uns sein soll finde ich jetzt auch nicht so toll, aber ich kann es verstehen.

 

Komischerweise bin ich mit der Einstellung bald schon alleine. Wie gesagt: Der Rassismus nimmt zu. Und komischerweise geht es jetzt, einen Monat nach dem Silvester-Schock, immer weniger um Frauen-Rechte und/oder Sozialisationsproblemen; es geht um das Geld. Der Kapitalismus schlägt wieder knallhart zu. Leute, die als es noch „keine Probleme“ gab, sehr gönnerhaft daherredeten, sind jetzt lieber Menschenhasser, als ärmer.

Ich stehe dazu: Ich habe auch Sorgen vor Überfremdung. Habe davor Angst, dass  die Werte die wir hier leben, langsam aber stetig über Bord geworfen werden.  An denen müssen wir festhalten. Und dafür braucht es INTEGRATION derer, die da sind. Und nicht Ausgrenzung. Die, die da sind und nicht mehr weggeschickt werden, die muss man integrieren und zwar um unserer selbst willen. Denn jene die uns heute verstehen, sind nicht die Parallelgesellschaft von morgen. Und das kostet. Es kostet Geld und Nerven. Dabei werden wir leider nicht nur Dankbarkeit zu spüren bekommen.

Aber es wollen immer weniger Leute hier Zugeständnisse machen. Sie wollen dass Alles so bleibt wie es ist; dafür haben sie ja auch die Merkel gewählt. Aber man kann die Zeit nicht festhalten. Man kann nicht immer Jugendlich sein. Man kann nicht immer nur größere Fernseher kaufen. Und man kann nicht hunderte von Jahren diejenige Gesellschaft sein, der es am Besten geht. Das Leben ist ein einziger  Wandel. Aber das wollen viele nicht erkennen. Sie wollen sich lieber aus- oder besser: abgrenzen.

Realität bleib draußen.

Das geht nun einmal schwer mit einem Flüchtlingsheim vor der Nase. Mit der Fremde in der eigenen Nachbarschaft. Aber die Probleme der Welt gehen nicht weg nur weil man Leistungen kürzt oder eine Brandbombe auf ein Dach wirft.

Santas Schoß

All dieser Firlefanz, die Lichter, Bäume, Kerzen, Rentiere, Krippen, die Musik… All das bräuchte es gar nicht. Doch es hilft. Da der Mensch von den jeweiligen Eltern dazu konditioniert wurde, dadurch in eine besinnliche Stimmung versetzt zu werden. Worauf besinnen sich die Menschen aber zur Weihnachtszeit? Auf sich? Auf andere? Auf das große Miteinander? Für ihn besann man sich seit jeher auf die Wahrheit. Eine echte Wahrheit, eine von jenen also, die man das ganze Jahr über, mehr als 11 Monate lang, abstreitet und vor sich geheim hält; diese unbesonnene Zeit ist die wahre „Närrische Zeit“. Die Zeit des Selbstbetrugs. In der man jeden Tag eine unsichtbare Narrenkappe trägt. Der selbstgezimmerte Balken vor den Augen, den wir freiwillig tragen, um mit der Gesellschaft und was sie von uns hält, klarzukommen.

 

Das ist die Geschichte von Klaus. Klaus ist in meinem Alter. Er hat eine ehemals hübsche Frau, die „immer noch hübsch für ihr Alter“ genannt wird, und zwei engelsgleiche Kinder. Klaus arbeitet als Bierfahrer für eine der größten Brauereien Deutschlands. Er macht seinen Job gerne, auch wenn er Abitur gemacht hat. Irgendwie kamen Frau und Kinder dazwischen. Doch Klaus gehört nicht zu den Menschen, die sich über verpasste Chancen grämen. Klaus ist umgänglich. Ein Pfundskerl. Ein Typ zum Pferdestehlen. Und Klaus ist pädophil. Wobei Klaus gar nicht weiß, ob diese Bezeichnung die Richtige für seine sexuelle Orientierung ist.

Ja. Klaus wird von Kindern sexuell aufs Äußerste erregt. Aber nein. Klaus hat noch niemals ein Kind betatscht, bedrängt oder ihm Gewalt angetan, damit er seine sexuellen Träume ausleben könnte. Klaus hat Klaus unter Kontrolle. Immer. Ohne wenn und aber. Und ganz gleich wie sehr ihn Kinder auch durch ihre bloße Präsenz aufgeilen, hat er niemals dieser Lust nachgegeben, die jeder von uns schon verspürt hat, wenn er endlich die/den Außerwählten des Herzens ins Bett bekommen hat.

Man muss verstehen, dass das was für uns natürlich ist, für Klaus unmöglich ist.

Wer diesen Schmerz versteht, der versteht auch die ungeheure Selbstbeherrschung mit der Klaus durch das Leben streift. Denn Klaus ist seit jeher vollkommen bewusst, dass ein Kind niemals seine Form von Liebe, seine Triebe verstehen würde. Kinder. Haben keine sexuellen Bedürfnisse. Und ihm ist klar, dass sich das auch niemals ändern wird. Kein Kind dieser Welt würde ihm seine Wünsche erfüllen können. Und Klaus hat das akzeptiert. Denn Klaus ist ein sehr starker Mensch; Klaus ist der stärkste Mensch den ich kenne. Klaus. Ist mein Held.

Und doch…

 

An Weihnachten gibt Klaus gerne den Weihnachtsmann. Das ist der Moment, in dem für ein paar Stunden seine Fassade bröckelt. Nicht nach außen. Niemand sieht was IN Klaus los ist. Nicht nur wegen des roten Anzugs und des dichten struppigen Bartes. Klaus lässt auch seinen Körper nicht auf die Kinder reagieren, die auf seinen Beinen und manchmal unbeherrscht auf seinem Schoß herumrutschen. Nur innerlich, da bröckelt die Fassade ein wenig. Es wird ihm warm ums Herz, und er fühlt sich glücklich und frei, wie ein Knabe, der in seine beste Freundin verliebt ist und mit ihr in einem Bett liegt – auch wenn gar nichts passiert. Klaus. Ist einfach glücklich in diesen Moment. Seine Wangen sind so rot, dass es keiner Schminke bedarf.

 

Er weiß, dass er keine Linie überschreiten darf. Er weiß, dass es nur ein flüchtiger Moment der Besinnlichkeit ist. Aber er glaubt auch, dass einmal im Jahr, vielleicht nur, weil es Weihnachten ist, Klaus ein klein wenig auch Klaus sein darf. Zumindest im Herzen.

 

Nachdem er den Anzug und den Bart abgegeben, und allen freundlich und lachend ein frohes Weihnachten gewünscht hat, steigt Klaus in sein Auto. Auf seinem Schlüsselanhänger, den er von seinem Arbeitgeber geschenkt bekam, steht: „Das Beste WIR der Welt.“ Und Klaus seufzt wie er das liest, im beschlagenen Auto, er ist von niemand draußen zu sehen. Ein kurzer Moment der Freiheit… Ja. Auch wenn seine Wünsche als Einzelner nicht zählen, so fühlt er sich doch als Teil eines größeren Ganzen. Eines WIRs. Eines UNS…

Klaus, der Pädophile, der noch niemals einem Menschen etwas Böses tat, startet sein Auto und fährt mit seinem Geheimnis nachhause und feiert mit seiner Familie Weihnachten. Die Narrenkappe sitzt wieder fest auf seinem Kopf. Sie war ohnehin nur verrutscht.

Grenzen

Wir sahen uns diese Woche  die Daily-Soap GZSZ an, in welcher der böse Joe Gerner scheinbar ein Grundstück vergiften ließ, auf dem ein Aktionsbündnis ein Flüchtlingsheim errichten wollte; Gerner wollte das Grundstück für seine Firma und wendete eine Finte an. Aber natürlich sind die guten Aktivisten schon dabei die Lunte zu riechen.

 

Ich (Ironie an): „Bestimmt haben die bösen Flüchtlinge selbst das Gelände versucht, um Gerner eins auszuwischen.“

Bekannte/Freundin: „Erinnerst du dich noch als ich in der Gärtnerei gearbeitet habe?“

„Klaro.“
„Dort habe ich auch mit Flüchtlingen zusammengearbeitet. Aus Afrika. Wo will man denn auch Leute einsetzen, die die Sprache nichts sprechen und nichts können?“

„Auf dem Feld.“

„Das haben die sich vom Amt wohl auch gedacht. Deswegen schicken sie immer wieder welche zu meinem Chef.“

„Immer wieder?“

„Ja. Der muss sie die ganze Zeit wieder loswerden. Weil die nicht zur Arbeit kommen. Und wenn dann, wann sie wollen. Die kennen das nicht aufstehen zu müssen wenn es Zeit ist. Die sind es gewohnt aufzustehen wenn sie aufwachen. Genau (es fällt ihr wieder ein), aus Eritrea waren die.“

„Dann müssen die das gelernt bekommen.“

„Ja. Das stimmt schon. Wenn man aber auf Feldern arbeitet kann sich die Arbeit nicht um die Arbeiter drehen, die Pflanzen stehen im Mittelpunkt. Mein Chef konnte mit diesen Leuten nichts anfangen, denen seine Pflanzen egal waren und sich nicht um sie kümmerten. Deutschland ist von Natur her kein besonders fruchtbares Land.“
„Hm… Das ist ja echt scheiße.“
„Außerdem waren die, wenn sie denn kamen, faul. Die hatten keine Lust zu arbeiten. Und von mir ließen die sich sowieso nichts sagen…“

„Weil du eine Frau bist.“

„…Weil ich eine Frau bin ja. Weißt du wie sich das anfühlt wie Luft behandelt zu werden und wenn man dann – zwangsläufig – lauter wird, mit abschätzigem Blick angesehen zu werden als ob du nichts wert bist? Und dann geht der einfach und lässt dich die Arbeit machen?“

„Das ist natürlich hart… Aber Eritrea ist eines der ärmsten Länder der Welt. Die sind einfach ungebildet. Und auf dem Feld arbeiten da sicherlich nur Frauen.“

„Das stimmt wahrscheinlich. Das hilft mir und meinem Chef nur sehr wenig. Er würde gerne mehr von denen nehmen. Die taugen aber nichts. Die Meisten verstehen nicht, dass wir hier nicht einfach so im Wohlstand leben, dass wir dafür hart arbeiten.“

„Aber es sind nicht Alle so.“

„Ne. Natürlich nicht.“

Pause. Irgendetwas bescheuertes, doch irgendwie Wichtiges geschieht in der falschen Welt von „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ auf RTL, dann fügte sie noch hinzu:
„Ganz bestimmt nicht Alle. Aber die, die ich kennen gelernt habe.“

Erklärung:

Ich habe jetzt lange überlegt ob ich so einen Eintrag schreibe, da er eine gewisse Stimmung generiert. Aber. Die Geschichte wurde mir von ihr so erzählt und ich glaube ihr – was würde es bedeuten sie absichtlich zu verheimlichen?

Die neuesten Attentate auf die Freiheit

Ich glaube nicht dass ich etwas unglaublich Wichtiges oder gar Neues zu den Geschehnissen gestern in Paris beitragen kann. Und dennoch ist es wichtig in diesen Zeiten seine Meinung zu sagen, auch wenn man nicht derjenige ist, der die Debatte auf ein neues Level heben kann.

Das Spiel habe ich gestern live im Fernsehen mit verfolgt, sowie die betroffene Berichterstattung zu den Anschlägen von dem ziemlich hilflosen Sportreporter Matthias Opdenhövel und einem am Boden zerstörten Mehmet Scholl. Heute habe ich viel auf Facebook zu dem Thema gelesen, Phoenix gesehen und nach all dem ist mir klar, dass ich nichts mehr sagen kann, was nicht schon ein anderer vor mir gesagt hat – und ich finde gerade das bemerkenswert, dass die meisten von uns ziemlich gleich ticken, wir solche Taten (egal wo auf der Welt) verurteilen und echte Pazifisten sind, was bedeutet dass wir nie eine Waffe in die Hand nehmen würden um unsere Ansichten durchzusetzen, wobei wir sicherlich auch in der komfortablen Lage sind, dies nicht tun zu müssen. Dennoch: Fast jeder in unserer Gesellschaft lehnt die Gewalt ab und ich finde, dass das ein gutes Zeichen von uns ist, ganz egal wie das von Außen auch wahrgenommen wird.

„Die großen Terroranschläge“ und Katastrophen seit dem 11.09.2001 nehme ich wie die meisten Leute immer auf dieselbe Art und Weise wahr, nämlich vor dem Fernseher oder dem PC (egal in welchen Ausführungen, Hosentaschenpassend oder nicht), gebannt, scrollend und zappend. Leider ist da auch schon eine gewisse Abstumpfung und Gewohnheit mit dazugekommen. Denn es handeln sich im Prinzip immer um die gleichen, überflüssigen Bilder von grundlos traumatisierten Menschen und Politiker mit ernstem Blick; grundlos deswegen, weil diese Anschläge den Attentätern nichts gebracht haben, außer dass die Gesellschaft immer mehr zusammensteht, wie es bisher der Fall war.

Auf der anderen Seite habe ich mehr Sorge vor dem was jetzt kommen wird, als dass ich über diese Mordtat betroffen wäre, vor allem ob nun wieder die „Sicherheitsvorkehrungen verstärkt werden“ und  wie wird die Gesellschaft reagieren, gerade in diesen Zeiten in denen wir viele Flüchtlinge aufnehmen? Denn. Ich kann sehr gut verstehen wer jetzt Angst davor hat sich den Terror ins eigene Haus zu holen. Dazu habe ich diesen Banner auf Facebook gesehen, der das Dilemma gut zusammenfasst:

(Die Rechte für das Bild liegen nicht bei mir. Sie sind aber auf ihm abgedruckt)

Die Vernunft wird in dieser Debatte nicht immer die Oberhand behalten und es liegt an uns die Debatte richtig zu führen (und ja, ich bin mir der Ironie bewusst, dass ich hier „gegenvernunft“ heiße, das bedeutet jedoch nicht unvernünftig oder dumm zu handeln/zudenken, nein, es bedeutet gegen die Vernunft, die man nicht mehr hinterfragt und der man blind folgt).

Die größte Anzahl von Todesopfern sind in der Nacht bei dem Konzert der amerikanischen Band „Eagles of death metal“ zu beklagen, die meiner Einschätzung nach einfach als Symbol für Amerika (da es sich um eine amerikanische Rockband handelt) und deren Lebensstil herhalten mussten; sollte es dabei tiefere Zusammenhänge geben, bin ich gespannt.

Es ist sicherlich nicht das erste Mal das ein Rockkonzert in einer Halle oder ein DJ-Gig in einem Club von fanatischen Mordkommandos angegriffen wurden, und viele Todesopfer und Schwerstverwundete zu beklagen sind, wenn auch ansonsten nicht direkt im Herzen Europas.

Die Band selbst kannte ich gestern noch gar nicht, obwohl sie schon auf mindestens einem Festival spielten, dass ich besucht habe (das war damals das Southside im Jahre 2012). Im Zuge der Vorgänge habe ich heute einmal dort hinein gehört und fand die Band gar nicht mal so übel, was somit folgerichtig für mich und mein Umfeld bedeutet würde, das ich/wir dort auch einmal hingehen könnten oder würden. Nicht gleich nach Paris. Aber wenn sie einmal in München oder in Bochum/Köln gespielt hätten, wäre ein Besuch im Bereich des Möglichen gewesen. Die Band an sich wird jetzt nichts für die Tat können, ich will nur darauf hinaus, dass diese Ereignisse ein direkter Anschlag auf meinen Lebensstil sind. Es ist nicht einfach nur ein willkürliches Attentat auf einen Zug oder einen Bus in dem die Mörder möglichst viele Todesopfer erreichen wollten: In diesem Fall geht es eindeutig um unseren westlichen, freiheitlichen Lebensstil.

Ich kann mich noch gut an die Stimmung nach dem 11.September erinnern  und wie wir das Wochenende danach trotzdem zu Sven Väth ins Heizkraftwerk gefahren sind und eine wirklich krasse und unvergessliche Party abfeierten. Und auch wenn ich jetzt nicht mehr 21 bin, so würde ich ein solches Party-Trotzverhalten als die richtige Reaktion auf das Massaker in Paris ansehen.

Man darf jetzt keine Angst bekommen und sich nicht dieses Weltbild der Unterdrückung und Angst aufdrängen lassen. Natürlich sind Konzerte und Partys oberflächliche Welt- und Kulturbilder, ebenso wie Mode, Musik und die Kunst an sich; nichts davon braucht man für das nackte Überleben. Aber es geht darum was wir mit diesen Begriffen verbinden, unseren freiheitlichen und vor allem toleranten Lebensstil, miteinander zu feiern, zu tanzen und zu lachen, auch wenn das nicht immer als Speerspitze des intelligenten Verhaltens herhalten kann und darf. Ich bin sicherlich der Letzte der den Hedonismus der Nacht unreflektiert über alles andere stellt, bin keiner der jeglichen Anstand und Würde an der Garderobe abgibt. Nichtsdestotrotz bleibt die Möglichkeit es zu tun, eine Basis unserer Gesellschaft. Das ist die Freiheit des Individuums sich ausleben zu können. Das ist die Freiheit der Kunst. Nicht zu vergessen die Gleichstellung der Frau und sexuell Andersorientierter.

Ich hoffe nicht dass diese verklemmten Mörder uns soweit bringen, dass wir Angst haben müssen auf Großveranstaltungen zu gehen, die dafür gedacht sind, uns Freude zu bereiten; ja, ich hoffe sie können uns nicht unsere Freude selbst nehmen. Leider leben wir in einer Welt, in der unsere Werte immer wieder auf die Probe gestellt werden und jetzt heißt es, solche Situationen auszuhalten. Und daran zu wachsen.

Von solchen Durchhalteparolen kann man heute bestimmt so einige im Netz finden, sei es darum. Wir sind keine Schweigende Masse. Und was ist richtiger, als wenn viele das Gleiche sagen?

Die verschiedenen Gesichter der deutschen Weltmeister

Und wenn schon? Wen interessiert es denn nun wirklich ob die Weltmeisterschaft 2006 gekauft wurde? Korruption ist ein Weltweites Problem und Deutschland war  sicherlich nicht so viele Jahre Exportweltmeister, ohne dass dazu die eine oder andere Mark „spendiert“ wurde.

Korruption ist ne blöde und schlimme Sache, die für viel Ungerechtigkeit auf der Welt sorgt, das ist keine Debatte wert, die Verwunderung darüber das es wohl gesehen ist,  teile ich nur nicht.

Ich habe mich einmal vor vielen Jahren über den Wandel des Kleidungsstils hier im Blog echauffiert (siehe damals die fetten Kerle in ihren „Wir sind Opel“-Shirts, kontra die dürren Arbeitslosen im Anzug! während der Weltwirtschaftskrise), jetzt ist mir, im Zusammenhang mit der gegenwärtigen Beckenbauer-Affäre und den dazu gezeigten Bildern, aufgefallen, wie sehr sich die Art des Feierns der deutschen Nationalmannschaften beim WM-Pokal- Gewinn verändert hat:

1954  

1974

1990

2014

Wenn man den Links folgt sieht man nicht nur 11 Männer die sich freuen. Bei genauerer Betrachtung ist zu sehen, wie die Freude immer erst kindischer, dann viehischer, würdeloser wird.

Heute schreien sich die „Herren“ weg wie die Tiere, während – siehe Beckenbauer 1974 – Jahrzehnte vorher noch, ich würde aus heutiger Sicht sagen, mit verhaltener und doch sichtlicher Freude der Pokal emporgereckt wird (1954 sogar gar nicht, da wurde noch der TRAINER gefeiert, nicht die eigene Leistung…). Heute reißen alle Dämme.

Frage: Wie sieht das beim nächsten WM-Gewinn aus? Reißen sich die Männer dann gleich wie die Tiere die Trikots vom Leib? Pinkeln sie sich dann Jahrzehnte später auch gleich noch ins Gesicht? Klar: Übertreibung. Die Frage bleibt offen: Was wird uns, wenn man diese Entwicklung ernst nimmt und sie auf die gesamte Gesellschaft auslegt, für die diese Fußball-Millionäre eine Metapher bedeuten?

Ich finde es sehr bemerkenswert, wie der deutsche Mann sich über die Jahrzehnte selbst entfesselt hat. Es gibt sicherlich viele Leute die rundum und ohne Vorbehalt sagen würden, dass das eine gute Entwicklung sei; ich bin mir dabei nicht so sicher.

Wo ist die Würde? Wo ist die Größe?

Umgekehrt ist (und das habe ich schon oft festgestellt) es sogar noch erbärmlicher zu sehen, wenn Männer mit Körpern aus Stahl nach einem verlorenen Fußball-Spiel auf dem Boden liegen und weinen wie kleine Mädchen… Sie haben es sich doch so sehr gewünscht zu gewinnen…  

Was soll das? Was wird aus uns? Aus unseren Gefühlen? Wo hat das ein Ende? Wird das Verhalten des Pöbels einem das perfekte Ideal? Werden wir eines Tages zu vollendeten Kindern werden?

Das sind Anzeichen für unseren Ausverkauf an den Jugendwahn.