AnnenMayKantereit in Neu-Ulm. Es war der 23.02.2020. Konzert-Erfahrung

Die auch noch? Ja. Die auch noch… Mit ihrem Debüt-Album gingen mir die vier Lappen ordentlich auf die Nerven. Dämliche Abiturienten-Band. Damit. Verband mich nun wirklich überhaupt nichts. Pocahontas überall. In der Arbeit nennen sie AnnenMayKantereit nur „der Pocahontas“. Soweit, so egal. Dann kam natürlich das unvermeidliche Lied mit KIZ. Und ja. Das war richtig gut. Jeder fand es gut. Und es war TROTZDEM gut. Obwohl sich jeder darauf einigen konnte. Dann schiss mich Youtube Monatelange mit „Ich geh heut nicht mehr tanzen zu“ aus ihrem zweiten Album zu. Ständig war es in den Vorschlägen. Und irgendwie blieb ich und dann auch meine Frau total auf dem zweiten Album „Schlagschatten“ hängen. „Das du so was hörst…“, wunderte sich meine Frau. Und dann sangen wir es zusammen. Und. Es wurde so etwas wie ein Schicksals-Album für meine Frau und mich. Nicht nur weil „Schlagschatten“ die ganze Zeit hoch und runterlief als wir letztes Jahr umgezogen sind. Es markierte auch den Punkt, als alles richtig scheiße wurde letzten Sommer. Als unser Leben abgrundtief in Scherben lag. Nachdem unser Kind gestorben war. Da wurde dann kein leichtes „Vielleicht Vielleicht“ mehr von AMK gehört. Es war Ende mit AMK. Das Album wurde unhörbar. Aber. Natürlich. Wollten wir mit den Monaten, mit der Zeit wieder zurückkehren in die eigentliche Normalität des Lebens. Und damit auch wieder zurück zu AMK. Es ist ehrlich gesagt einfacher als man es glauben mag äußerlich in sein normales Leben zurückzukehren. Innerlich bleibt man trotzdem… Nicht gleich tot. Aber. Es geht ein Teil von dir selbst verloren, mit so einem Schicksalsschlag. Das Lachen wird verlernt. Und wenn man lacht. Klingt es für dich selbst verlogen. Auch heute noch. Nun. Egal.

Das Konzert von AMK war unser erstes als so geplantes Sitzplatzkonzert. Und es wurde ein gutes Konzert. Ich war noch nie in der „Ratiopharm“-Arena in Neu-Ulm. Dafür aber ordentlich erkältet. Die Erkältung hatte ich mir vermutlich bei Deichkind geholt. Vielen Dank dafür. Deichkind und AnnenMayKantereit kann man selbstverständlich gar nicht vergleichen. Schließlich man macht es halt doch. Bei zwei Konzerten in der gleichen Woche liegt das nahe. Das Ergebnis des Vergleichs ist ein: Sind beides gute Bands, die einen ordentlichen Spirit erzeugen können. Von ihrer Art her halt total unterschiedlich. Leider. Und da hätte ich mich nach Deichkind gut dran gewöhnen können. Gab es eine Vorband bei AMK. Die wirklich kein Mensch gebraucht hat. Fürchterlich unwichtig. Dann AMK. Erst mit kleiner Bühnen. Bis dann die Vorhänge gefallen sind. Das kleine, karge Bühnenbild zu Beginn war ein wenig anbiedern an die alten Zeiten, als die Band noch Club-Konzerte oder gleich auf der Straße spielte. Wir sind ja so mega down-to-earth. Nun. Mir egal wieviel Peseten die Band auf der langen Bank haben. Das Image passt. Und jedem muss klar sein, dass so eine Band ordentlich Geld verdient. Sollen sie doch.

Los ging es mit „Marie“ und dann kam „Wegen dir“ (heißt das so?). Also original die ersten Lieder vom zweiten Album in Reihenfolge. Okay. Ich war doch ziemlich angeschlagen und saß dann tatsächlich fast die ganze Zeit. Meine Frau hopste daneben so rum. Sehr gut. Ansonsten war das Publikum schlechter als die Band. Anders als erwartet war das Konzert gar nicht so ein Kinderkonzert. Klar. Vor uns hüpften zwei so 16 jährige Mädels rum, die sich wie Bolle freuten, als wäre es eine Mega-Überraschung, das alle Hits gespielt wurden – süß.  Insgesamt waren die Leute in Neu-Ulm so eher Mitte 20. Und den Tanzschuh hatten die nicht an. Egal. Die Band spielte ihre Mitsing-Hits und dann leider viel zu viel neues Material. Neue Songs zu spielen (gerade zum ersten Mal), macht so ein Konzert immer außerordentlich authentisch. Es klingt halt nicht so wie vom Band runter. Und sich dann auf eine zweite Mini-Bühne mitten im Publikum zu stellen, kommt ja seit Kraftklub eh immer gut an. Wobei man da auch wieder an die Straßenmusiker zurückdenken soll und kann. Nur. Um wieder darauf zurückzukommen. Zogen die neuen Songs nicht besonders. Das klang einfach zu einfach. Da fehlte die Dichte in der Erzählung und der Sog der Arrangements. Machte Spaß. Okay. Nett. Aber nett ist halt auch nur…

Später dann natürlich „Pocahontas“ und „Barfuss am Klavier“. Und „Ich geh heut nicht mehr tanzen“. Gute Band-Performance. Sympathisches Auftreten. Eigentlich auch mit genug Druck von der Bühne, wenn denn dann doch mal Lieder gespielt wurden, die nicht gerade einer ausm Urlaub mitgebracht hatte. „Ausgehen“, der letzte Song des Abends gehört für mich eindeutig zu dieser Kategorie. Da könnte ihr auch gleich Schlager machen.

Trotzdem. Ich würde eindeutig wieder zu AMK gehen. War schon irgendwie geil. Dann aber gesund, bitteschön. Und Leute aus Ulm und Neu-Ulm. Wacht doch mal auf. Wenn man schon mal tanzen kann.

Lieblingsband: LCD Soundsystem live

Es gibt beste Bands, und Lieblingsbands 😉

Und auch wenn die Combo um James Murphy und Nanxy Whang nicht mehr ganz so taufrisch sind, egal. Sie sind die perfekte Band zum TANZEN und zum MITSINGEN

(Habe ich hier im „neuen“ Blog eigentlich schon das Video gepostet wo ich auf dem Southside fast eine Ein-Mann-Party zu LCD Soundsystem gemacht habe? Nein? Hier klicken – der Depp mit Brille und schwarzem Longsleeve in der Mitte)