AfD-Parteitag in Augsburg

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Am Morgen beim Frühstück hatten wir es im Fernsehen gesehen: AfD-Parteitag in Augsburg. Quasi Fußläufig von uns. Und da wir eh in die Stadt wollten, sind wir dann noch hin. Sauer war ich am Morgen schon. Da muss man sich von diesen rechten Deppen erzählen lassen, SIE seien das Volk und es würde IHR Land kaputt gemacht. Und bei mir im Kopf so. Momentchen Mal. Ich bin doch auch das Volk. Das ist doch auch mein Land. Da sollte man doch – normal – auch jeder Zeit so Höcke Talkshow mäßig eine kleine Deutschlandfahne bei sich tragen um die den Deutschtümlern bei Bedarf ins Gesicht zu halten; dass ist auch mein Land. Mein liberales Deutschland. Ein buntes Land. Ein Land der Freiheit. Nicht euer CSU/AfD-Nazi-Scheiß. Vor diesem ganzen Krisending gingen mir ja schon die Konservativen auf die Nerven. Jetzt. Nach und im Rechtsruck des Landes halte ich mich selbst fast schon eher für konservativ als für alles andere. Eher links als rechts. Na klar. Mann ist bei Verstand. Aber eine geregelte Zuwanderung wird auch von mir erwünscht. Bin ja nicht blöd.

So gesehen haben Pegida und die AfD natürlich ihren Beitrag geleistet. Denn es wäre sicherlich auch ein Wahn wenn man sagen würde, der Urkern des Problems sei nicht vorhanden. ABER. (Ganz großes ABER). Warum müssen diese Bewegungen und Parteien die ganze Zeit lügen? Nehmt die Sorgen der Mensch ernst. Ja. Aber was soll das mit der Propaganda? Warum muss dauernd übertrieben und den Menschen Angst eingejagt werden? Ebenso ist es irre zu sagen, es kommen nur „gute Menschen“ nach Europa geflohen (warum auch immer), wobei „gut“ eigentlich auch nur „gut ausgebildet“ bedeutet. Deswegen können die Menschen trotzdem Mörder und Bombenbauer sein. Ebenso wie Ingenieure und Ärzte in der zündelnden AfD sind. Nein. Doch. Die Probleme müssen benannt werden. Klar. Aber daraus gleich einen Untergang des Abendlandes zu machen, ist wieder was ganz anderes. Angst wird uns nicht retten. Nur der Mut kann es.

Und ruhig auch mal aggressiv werden. Nicht gleich draufhauen auf den Demos. Sich aber auch nicht immer alles bieten lassen von Leuten, die dieses Land nicht retten, sondern es im Gegenteil kaputt machen wollen. Es gibt Millionen Deutschrussen hier. Millionen Geflüchtete aus dem ehemaligen Jugoslawien. Und die haben auch nicht nur große Europäische Werte nach Deutschland gebracht. Aber. Die sind halt fast alle sehr schön weiß auf der Haut. Dann ist das nicht so schlimm. Die Russen und Serben waren uns in unseren Menschenbild vielleicht auch schon immer einen Schritt voraus. Nicht. Selbstverständlich wird es Jahrzehnte dauern, bis sich die Gesellschaft so sehr verändert und aneinander angepasst hat, dass man die Folgen absehen kann. Aber. Jetzt gegen die Menschen zu sein, die eh schon da sind, schafft nur Gesellschaftliche Probleme in der Zukunft. Siehe Frankreich. Siehe Parallelgesellschaften. Und dass ist das was die AfD über kurz oder lang aufbaut: Sie verhindert nicht die Veränderung des Landes und führt es auch nicht zurück in die wohlige Zeit der grünen Auen, der Volksfeste und pünktlichen Züge. Nein. Sie betreibt eine Spaltung im Land die sie selbst nie wieder auflösen kann. Selbst wenn sie irgendwann mal Regierungspartei wäre. Außer. Diese Regierungspartei würde nach einer Endlösung streben. Denn nur die Endlösung kann die Zukunft stoppen.

Die Angst ist es, die uns genau dahin bringt, wovon die AfD fabuliert. Ich weiß nicht was die Zukunft bringen wird. Ich weiß nur, was ich mir von ihr erhoffe. Was sich all die Leute erhoffen und erträumen, die gestern in Augsburg marschiert und demonstriert sind. Und 5000 sind kein Pappenstiel. Wir träumen nicht von einer Welt des „Friede, Freude, Eierkuchen“. Sondern von einer menschlichen Zukunft. Die wir uns weder von Islamisten. Noch von Rassisten wegnehmen lassen. Wir haben ein Plan für unser Deutschland. Und ja. Es ist verflixt schwer den umzusetzen. Doch noch einmal: Die Angst wird uns nicht retten. Denn Angst ist ein Gift, dass alles und jeden langsam von innen her zersetzt.

Es war eine schöne Demo gestern in Augsburg. Die Leute waren friedlich, aber laut. Sie sangen in der Sonne. Hielten ihre Transparente hoch. Die Jungen. Wie die alten Leute.

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Szenen eines wüsten Lebens

Nach den Show-Kämpfen der aufgepumpten Wrestling-Monster ging es dann doch nicht mit dem Taxi, sondern ganz gesittet mit der Bahn zurück nach Augsburg. Gefühlt hatten wir unsere Cocktail-Kunststoffbecher noch in der Hand, als wir in das Abteil stiegen. Dann wurde geredet. Wobei wir nie aufgehört hatten zu reden. Sei es während der Wrestling-Show, dem Kaufen der Getränke und Würste, nicht einmal beim Essen. Schon gar nicht mit dem Becher im Mund. Ständig wurde was erzählt. Wohl wissend, dass bis morgen, spätestens bis Augsburg, eh schon wieder alles vergessen sein würde, was der andere da palavert hatte. Auch schon Wurscht. Irgendwann würde man das schon noch einmal hören, in diesen Kreislaufen an ständigem Gerede. Also zwei bis drei Mal würde man die Themen sicherlich noch erwähnen. Warum dann zuhören? Es ging irgendwie um Drogen und Frauen, was selbstverständlich und bei genauerer Betrachtung das Gleiche ist und immer war. Wobei es wie immer mit den Drogen ein ernsteres Ding ist, als mit den Frauen. Drogen sind einfach eine sicherere Sache. Denn bei denen geht es immer um einen selbst. Teilweise wurde dann auch so offen und laut daher geredet, gerade weil man sich in diesem öffentlichen Raum befand. Die Zunge ist immer lockerer, wenn es jemand gibt, der zuhören muss, dir gegenüber sitzt, und dich nicht schon 20 Jahre kennt. Jemanden, den du jetzt und dann nie wieder siehst. Der eigentlich gar nichts von dir hören will. Und dann doch die Ohren spitzt. Wenn du Kokain sagst. Blowjob. Oder „Geld ist nicht das Problem“. Wir redeten also wie pseudocoole Proleten daher, während wir tatsächlich unsere Handwarmen, gestohlenen Cocktail-Gläser einander zu schwenkten. Die restlichen Passagiere Geisel nehmend.

In Augsburg angekommen ging es dann per Taxi zur Partymeile, in die Maxstraße. Die Straße in Augsburg, in der man sich für ein betuchtes Taschengeld ordentlich betrinken kann. Bitte noch einmal in fett: Betucht und ordentlich. Vor dem Club stand keiner aus den Türstehern. Und wir zwei Gesichter würden gleich mal gar nicht rein kommen. Richtig. Wir hatten ja noch die Wrestling-Kleidung an. Eine Minute später waren wir drin. Man muss nur wissen was man sagen darf.

Unten im Keller war schwer der Chartssound an. Und außer uns keiner. Pfingstsonntag. Nicht gerade DER Tag für die Location. Cocktail-Zeit. Da kam dann auch schon unser Mann aus der Seitentüre. Großes Hallo! Wie geht’s und war´s denn so? Ganz gut. Hände wurden geschüttelt. Floskeln und Wahrheiten getauscht. Der Besitzer freute sich sichtlich uns zu sehen. Schon komisch wie sich manche Menschen entwickeln. Schon seit der frühen Jugend kennen wir drei uns. Von der Schule. Vom Ticken. Dann hat er Underground-Techno aufgelegt und Partys organisiert. Bis die Sache mit dem Metal-Label kam. Voll Hardcore. Und jetzt betreibt er hier diesen Charts-Club, in dem die Moet-Flasche zu jedem guten Gespräch dazugehört. Man muss machen was geht. Sonst winkt das Armenhaus. Mit Ende dreißig verstehen wir das.

Einen Handzeig später sind wir hinten im weniger glamourösen Teil des Ladens, in den uns die Türstehers vorhin gar nicht rein lassen wollten. So kann es gehen. Wir stehen zwischen vollen und leeren Cola- und Bierkisten. Aschen in offenstehende Bierhälse. Von drinnen dröhnt der Bass. Wir reden über die Gegenwart und die Vergangenheit. Netflix und was das alles noch wird. Die Großunternehmer. Und ich. Und ich komme mir ganz klein vor. Als einziger Angesteller hier. Während die ihren Traum leben. Und trotzdem sind wir auf dem gleichen Level.

Wichtig ist: Die Leute mögen. Nichts von ihnen wollen.

Ein paar Wochen vorher waren mein Wrestling-Freund und ich in ner Techno-Kneipe gewesen. Wo sich die dichten Boys an meinen Kumpel anbiederten. Nur um irgendwann einmal das doppelte oder fünffache von meinem Freund mit den Connections zurückzubekommen. Pure Berechnung. Beschissene Scheinheiligkeit. Rückblende in die Zukunft: Ich kann von meinen beiden Jungs hier fast alles bekommen. Von einem sogar mit Sicherheit. Seien es Umsonstdrinks. Gästelistenplätze oder was für die Nase. Nicht weil ich so toll wäre. Sondern weil ich die Jungs einfach mag. Und sie es von mir auch bekommen würden. Es muss Ehrlichkeit dabei sein wenn man sagt: „Ich finde es toll was du da machst.“ Ohne dabei zu meinen: „Ich finde es toll, was du für mich machen kannst.“

„Bilderbuch“ in Augsburg, es war der 7.4.2018

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Sind Bilderbuch eigentlich eine „coole Band“? Irgendwie ist das eine gute Frage. Sie nehmen sich halt nicht ernst in ihrer affektierten Ernsthaftigkeit. Nichts ist wichtig, alles ist ein Spaß. Alles was Spaß macht, ist irgendwie auch wichtig, so gesellschaftlich gesehen. Alles ein guter Schmäh, oder? Wie das Leben ein guter Witz ist. Auf eigene oder die Kosten anderer, wer weiß das schon? Spaß soll es machen. Dann schaun wir weiter.

So oder so fällt irgendwann in jedem Gespräch über die Burschen aus Österreich der alles wieder gut machende, größte wie kleinste gemeinsame Nenner auf den man sich einigen kann: Einfach „sympathisch“.

Sie spielten dann so 20 Minuten, ne Halbe Stunde vor Ende ihr bekanntestes Lied. „Maschin“. Wirklich super und toll. Das Publikum voll dabei. Und ich dachte mir so, dass man auch nicht schlecht selbstbewusst sein muss, um seinen Smasher so früh vor Konzertende zu geben. „Augsburg“ war voll am Start und die Band hätte zu diesem Zeitpunkt auf der Bühne eh fast machen können was sie wollte und die Leute hätten sie trotzdem gefeiert. Mein Bewusstsein haben sie nach „Maschin“ trotzdem verloren. Seit ich meinen Roman gekürzt habe, kommt mir alles zu lange vor. Kürzer. Kompakter. Schneller. Straight to the point. Bitte schön. Weniger Blahblah. Doch Konzertbesucher wollen das. Immer mehr und mehr von „ihrer Band“. Am geilsten gleich noch mal 2 Stunden hintendran hängen. Mehr fürs Geld. Wir sind ja in Schwaben. Und wie meine Freundin da mit unseren neuen Freundinnen aus Regenburg herumtanzte (mit der Mutter, die ihre entsetzte 17 Jährige Tochter zuhause zurückließ und ohne  sie zum Konzert fuhr, wo sie die ganze Zeit nur lachte: Ich bin total betrunken! Redet einfach nicht mehr mit mir wenn ich euch nerve! Haha!“), schien das auch nicht wenig Spaß zu machen. Ich mag die Bilderbuchler ja. Wahrscheinlich lag es an mir. Denn im Gegensatz zu dem Entertainer Maurice auf der Bühne muss ich nicht jeden Abend gut drauf sein. Ich stand da mit 37 Jännern auf meinem vielleicht 300sten (400sten?) Konzert und sehnte mich am falschen Ende der Raumes, viel zu nah an der Bühne und mega weit weg von der Bar, nach einem Jacky-Cola und einer Zigarette. Moscow Mule. Auf jeden Fall irgendwas gegen zu viel Nüchternheit. Frinks! Ja. Ich wollte heute mehr Trinken  als Konzert. Das Konzert mehr als Beiwerk zum guten Schluck. Hätte ich aber beim 300sten Konzert besser wissen sollen, dass das nicht funktioniert, wenn Bilderbuch am Start sind. Denn dann ausverkauft. Denn dann Laden brechend voll.

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War ein gutes Konzert. Alles gespielt was man hören will. Und später mit Moscow Mule und Kippe im Maul (gleichzeitig selbstverständlich) kam ich mir ein wenig doof war. Dass ich vorher so unentspannt war. Muss doch nicht alles gleichzeitig sein.

Beste Frage einer Freundin heute Morgen: „Und? Wie war es gestern auf der Lesung?“ Original genialer  Bilderbuch-Witz.

Ein Video habe ich auch gemacht:

Das Südufer-Festival 2017 in Friedberg – Rückblick

Was im Jahr 2017 vollkommen normal ist, war in meiner Jugend unmöglich: Heute kann man jedes Wochenende im Sommer auf ein anderes Festival gehen. Ja. Es gibt inzwischen sogar Festivals, auf die man auf zwei Wochenenden hintereinander gehen kann. Schließlich war man eh die ganze Woche da. Diese Vergnügungssucht der Europäer ist eine ziemlich einzigartige Entwicklung, wo man jetzt leicht den Moralischen spielen kann. Belassen wir es bei der Erkenntnis, dass es „früher“ nur zwei, drei Festivals in Deutschland gab, die den Namen auch verdienten (gerade was das Organisatorische angeht), heute ist das komplett anders. Dass dabei die Exklusivität verloren geht und man sich nicht mehr besonders besonders fühlen muss wenn auf ein Festival geht, ist eh klar. Aber. Ich halte das auch für etwas Gutes. Dieses Elitending ist ja auch immer ein wenig seltsam und baut auch ganz strange Strukturen auf, so wie der Irrglaube, wie man sich auf einem Festival verhalten muss.

Da muss dann unbedingt gesoffen und gekifft werden wie ein Loch. Da muss dann Flunkyball und was weiß ich gespielt werden. Da muss Dosenbier getrunken, billige Wurst gegrillt und Körperlich derbe gestunken werden; wie auch immer: Festivals gelten mit ihren Verhaltensregeln denen sich die Besucher dort auferlegen, fast schon wie wirede Sekten. Und weil ich mich schon immer für etwas Besseres hielt, bin ich froh dass die Proletisierung auf den kleinen Festivals noch nicht so weit fortgeschritten ist. Der Trend geht zur Nachhaltigkeit und weg von den Träumen des Prekariats, in seinem eigenen Müll ungeschützt aber anonym zu vögeln. Und wenn man richtig Bock hat es sich mal außerordentlich würdelos zu geben, geht das auch auf so einem Festival wie am Friedberger Südufer. Denn wenn man will, geht das überall. Der saublöde Gruppenzwang ist dann aber weg.

Das „Südufer Festival“ ist nicht nur ein kleines Festival. Im ersten Jahr  würde ich es sogar als ein „Familien-Festival“ bezeichnen. Alles sehr gesittet und auf einem vernünftigen, freundlichen Spaß-Niveau.

Ich war nur am Samstag und das Publikum bestand vornehmlich aus Jugendlichen und deren Onkeln und Tanten, die ohne Bedenken ihre kleinen Kinder mitbringen konnten, die dann selig im Kinderspielplatz Sandburgen bauten. Ich gebe ja zu: Das klingt jetzt schon Hardcore-Konservativ. So schlimm war es dann aber auch nicht. Es war einfach ein schöner Tag am Badesee, an dem sich keiner die Hände schmutzig machte. Okay. Das klingt immer noch ziemlich schlimm. Ist es aber nicht. Die Frage ist halt was man will. Und wie wir so da saßen. Das kalte Bier in unseren Henkelbechern. Und sahen. Wie sich die frischen Jugendlichen ohne Zorn amüsierten, badeten, chillten. Während die ersten Älteren am Techno-Floor zu Tanzen begannen (heute würde man wohl Electro-Floor sagen). Im spirituell schönen Sommer-Licht. Da. Da war die Welt schon ziemlich in Ordnung.

Diese Wahrheit ist dabei rein aus der Retroperspektive gewonnen. Weil. Ich mag das tatsächlich gar nicht so. Diese verdammte Hitze. Und dieses Leute-Kennenlernen. Selbst bin ich ja auch ein ziemlicher Idiot. Am Ende des Tages jedoch war alles gut. Man gab neuen Bekannten gerne die Hand und versprach sich ein Wiedersehen. Und nickte im Nachhause-Gehen den Tag freundschaftlich hinterher. Das hat Spaß gemacht. Wo lernt man auch sonst Leute kennen, die einen bereitwillig in ihrem angrenzenden Schrebergarten mit Gartenhäuschen zum Grillen aufnehmen, die einem einen Dübel von dem von  uns selbst mitgebrachten Gras anbieten, die ihr Bier an uns verschenken, uns dabei erzählen wie toll und einzigartig es war bei den Anfängen von Techno mit dabei gewesen zu sein, und können dann, nachdem man diese Menschen und ihre Post-Hippie-Attitüde schon komplett super gefunden hat, auf die Frage was sie arbeiten antworten können: Ich baue Panzer. Hä? 😀 Leopard 2. Wie geil ist das denn? So sind wir Bayern.

Die Bands? Wie die Bands eigentlich waren? Sorry Leute. Bin noch total verpennt. Habe sehr viel Schlaf nachholen müssen. Die Bands  (vornehmlich eine) waren besser als erwartet. Die „Nihils“ mit ihrer Pop-Electro-Art gefielen mir sehr gut. Erinnerten mich an die „Foals“. Und das ist nicht allzu schlecht. Wenn die Nihil-Jungs mal einen Hit schreiben, ist das restliche Programm von ihnen ein gutes Rahmen-Programm dafür.

Schluss machte „Lola Marsh“ an der Hauptbühne. Die vielleicht gar nicht schlecht waren. Mit ihrer Super-Sau-Blöden-Attitüde jedoch komplett albern und unerträglich auftraten. Bei so einer Band ist es sogar ein Fehler so viele Klicks auf You-Tube zu haben. Selbst wenn sie vom Sound her sicherlich sehr gut in die heile Kinder-Welt des „Südufer-Festivals“ passten.

Dann doch lieber wieder rüber zu den Druffis. Denn ohne Druffis geht es wohl nicht. Muss das denn jetzt? Was soll das denn hier? Mach doch mal langsam. Man muss doch nicht überall… Und jetzt halt doch bitte mal mein Bier. Ich will ein Foto machen.

 

Die See-Stage lag wortwörtlich im See. Der Sound war okay. Nicht wichtig. Im Moment gerade richtig. Durchdrehen wollte ja eh keiner. Sei es beim Set von Aril Brikha. Oder bei den Jungs von Auto.Matic-Music. Die so sehr ihr Label geworden sind. Dass sie schon gar keine Namen mehr auf den Time-Table drucken. Obwohl die für Auto.Matic überraschend gut auflegten. Der Aril gefiel mir sogar noch besser. Da schmofte man dann herum. Mit den Alten und jenen, die es gerne wären. Erzählte sich Geschichten. Lachte sich an. Und ließ die Vergangenheit einen netten Onkel sein, an dem sich die Gegenwart zum Glück nicht mehr messen musste. Wie das ganze „Südufer-Festival“, gerade weil es das erste Mal überhaupt veranstaltet wurde, keinen Maßstab hatte. Es war einfach ein chilliger Tag mit Freunden. Nichts Legendäres. Nichts Unvergessliches. Doch wenn man in ein paar Wochen oder einem Jahr daran zurück denkt, erinnert man sich an einen schönen Tag. Was will man mehr?

Stehplatz in Augsburg

Freunde muss man haben. Es geht zwar auch ohne, gut aber, wenn man sie hat. Gerade wenn man sehr unterschiedlich ist und sich trotzdem mag. Sehr entgegen kommt es da, wenn man sich erst „im Alter“ kennen lernt und einem die Unterschiede in Ansichten und Hobby als Charaktereigenschaft gewahr werden, während es bei alten Kinder- und Jugendfreunden ein wenig komplizierter ist, denn entweder  verändern die Freunde sich gar nicht, weshalb man sie als totalst langweilig empfindet, oder aber sie verändern sich so sehr, dass man irgendwie enttäuscht ist und kann mit ihnen nichts mehr anfangen. Nicht auserzählte, neue Freunde haben also oft einen gewissen Bonus was die eigene Toleranz angeht. Wenigstens bei mir.

Eine meiner neueren Freunde (Freundin) ist ein großer Fan des Fc Augsburg. An dieser Stelle darf gerne gelacht werden. Und ich finde Fans von Mannschaft die so gut wie immer gegen den Abstieg spielen, auch irgendwie lächerlich, halte sie aber auch für bewundernswert: Es gehört schon einiges dazu jedes Wochenende in ein Stadion zu gehe, wo die Mannschaft regelmäßig verprügelt wird. „Erfolgsfan“ wird man leicht und kann es dann auch ebenso bleiben. Fan einer Bananen-Mannschaft muss man erst mal werden und bleiben können.

Dabei bin ich keiner dieser eingefleischten Traditionalisten. Obwohl es genau darum in dem Freitagsspiel an diesem Wochenende ging: „RB Leipzig“ gegen den „FC Augsburg“ ist ein Spiel eines großen durch Geld gepushten Newcomers gegen einen traditionell „kleinen Verein“, was in Fußballsprache bedeutet, dass der FC A nur einen sehr kleines Budget zu Verfügung hat. Solche „kleinen Vereine“ sehen sich durch die Leipzigs und Hoffenheims schwer unter Druck gesetzt vor, da diese einen Esel besitzen der goldene… Ihr wisst schon. Ich wusste also im Vorfeld das eine aufgeheizte Stimmung in der WWK Arena sein würde. Dazu ist meine Freundin Jahreskarten-Besitzer weswegen sie mir einen guten und billigen Stehplatz an ihrer Seite besorgen konnte. Bisher. Bin ich im Stadion immer nur gesessen.

 

„Sitzen“/“Stehen“ gibt es da einen großen Unterschied? Den gibt es.

 

„Vor dem Spiel ist an der schwarzen Kiste“. Macht man so in Augsburg wenn man 25 Plus ist. Das ist so eine Art Winter-Biergarten, wo man draußen in der Kälte aber sehr gesellig zusammen sitzt und vortrinkt. Nehmen wir es den Augsburgern nicht übel. Bei ihrer Mannschaft muss man vortrinken. Das ist aber richtig schön gemacht an der schwarzen Kiste, Haltestelle Haunstetterstraße. Es ist nicht nur „gemütlich“ oder „urig“, es hat auch ein gewisses Niveau, Schankwagen und Toiletten-Container hin oder her. Das war mir fast schon zu cool für Augsburg. Schön das es hier auch solche Ecken gibt.

Hier waren dann auch. Die Menschen.

Mit großem „Hallo“ kannten sich hier jeder, ich natürlich keinen. Zum Glück wurde eine gewisse Form von Geselligkeit vorausgesetzt, auch wenn mein Gesicht selbst dafür nicht steht. Alle nett und freundlich an der Kiste, keine Berührungsängste, auch wenn ich als BVBler nicht einmal zum Fan-Team gehöre. Dass man mich jetzt nicht gleich verprügelt war mir auch klar, die warme Herzlichkeit die ich erleben durfte war dennoch was Schönes und sollte den ganzen Abend erhalten bleiben.

Da bekam man zum Fußball-Abend die Europa-League-Geschichten der Fans zu hören, die dem FC A das letzte Jahr hinterher gereist waren. Teilweise ein wenig arrogant vorgetragen, was ich aber mit einem amüsierten Zwinkern quittieren konnte; ich selbst kenne es ja zur Genüge, dass wenn man von einer Sache absolut überzeugt ist, Themenfremde Menschen erst einmal belächelt und sie trotzdem beeindrucken will. Insgesamt ein sehr geerdeter Haufen den man da traf.

Massen-Fan-Veranstaltungen haben ja immer etwas besonders für mich. Sei es bei den Nerd-Veranstaltungen meiner Freundin (Stichwort: Hochbegabt) oder die christliche Sekte die ich auch zwei Mal besucht habe. Egal ob es um Religion, Sport oder sonst etwas geht: Es gibt immer diesen einen bestimmten Menschenschlag, der zwar aus sehr unterschiedlichen Individuen besteht, es aber immer diese gemeinsame Sache gibt, diesen kleinsten gemeinsamen Nenner. Offen feindlich wurde ich nirgendwo aufgenommen. Warum auch? Schließlich nimmt man an der Sache der Anderen Teil und zeigt Interesse. Das Lustige an solchen Ausflügen ist wirklich das unterbewusste Gerede der Menschen, wie sie über ihre Leidenschaft sprechen, ohne sich dessen bewusst zu sein. Denn egal ob es um „Gott“ oder „die schönste Nebensächlichkeit der Welt“ geht, alle sprechen aus dem Herzen heraus und das ist so ein nacktes und offenes zur Schau stellen der eigenen Herzlichkeit, dass man gar nicht weiß ob man darüber Lachen oder Weinen kann oder sollte.

So ging es  dann auch weiter. In der Straßenbahn. Vor dem Stadion. Darin.

Diese Steh-Atmo mit Schlacht- und Fan-Hymnen kenne ich ja schon längst aus meinen „Böhse Onkelz“-Zeiten, deren Fans sehr nahe am Fußball-Fan gebaut sind. Und ich habe das durchaus (auch wenn es nie ganz meine Welt war und es jetzt auch sicherlich nicht mehr wird) immer sehr genossen. Dieses rohe, in sich abgeschlossene „Wir-gegen-Die“. Auch wenn es halt immer sehr prollig rüberkommt (der Prolet ist nun einmal der „kleinste gemeinsame Nenner“ auch wenn dort nicht alle Proleten sind, ach was, das ist die Minderheiten). Den Gewalt-Fußball-Depp, den Hool suchte ich am Freitag erst gar nicht und es wäre bis auf ein paar Ausnahmeerscheinungen auch gar nicht möglich gewesen. Hier steht und schreit der Mittelstand, der sich in diesem Moment gar keine Zeit für Selbstreflektionen hat. Denn es geht gar nicht darum was du sonst machst, sondern wen du hier, heute und das nächste Wochenende vertreten willst.

 

Vor dem Spiel die Fan-Choreografie gegen Red Bull und ihren Mainstream-Fußball. Hier zeigten die Fans Haltung, wobei dem Einzelnen gar nicht klar war, wogegen:

„Wieso sollen wir jetzt schwarze Pappen hochhalten? Ist das gegen Leipzig oder gegen Red Bull?“

„Ja gegen Beides!“

„Ich will aber nicht bei so einer Gewalt-Scheiße mitmachen! Weiß jemand was da am Ende für ein Bild daraus wird?“

„Wahrscheinlich ein Sarg.“

„Witzbold.“

„Ne, Ne. Das wird nur zur Hintergrund-Untermalung benötigt. Wissenschaftliche Studien haben erwiesen, dass man mit schwarzem Hintergrund die Message besser sehen kann.“

„Aber ich will nichts GEGEN Leipzig unterstützen. Nur gegen Red Bull. Die Leipziger können doch nichts dafür…“

„Jetzt halt einfach die verdammte Pappe hoch.“

Und das machte man dann auch. Kritiklos und doch mit analytischen Hintergedanken.

Das Spiel war dann richtig gut. Okay, die zweite Hälfte der ersten Halbzeit war ein wüstes Getreten und Geschupse auf dem Platz. Ansonsten war es schön anzusehen. Ein 2 zu 2. Hat für Alle was. Und es war richtig „Musik“ im Stadion. Was ich von den blöden Sitzplätzen gar nicht kannte. Aber. Vom Spiel und seinen Nuancen bekommt man auf der Stehplatz-Tribüne überhaupt nichts mit. Ganz egal wie sehr da gehasst und geschrien wird: Aus der Perspektive siehst du eh keine knappen Entscheidungen. Dafür bekommst du aber mal ordentlich stimmungsvoll nach einem Tor einen jubelnden Plastikbecher voll Bier auf die Rübe. Man kann halt nicht Alles haben.

Als das Lachen starb: Andy Sauerwein

Eigentlich wollte ich nicht jeden Tag im Urlaub darüber schreiben, wo ich jetzt schon wieder war; ich wollte lieber eine Kurzgeschichte aus dem erlebten Material basteln. Nur. Der gestrige Abend in der Kresslesmühle (ja, ich war schon wieder da, eine gute Freundin hatte Karten gewonnen und meinte es gut mit mir) war so schlimm, dass ich die Menschheit vor Andy Sauerwein WARNEN muss.

 

Nicht das er ein schlechter Musiker wäre, nein, überhaupt nicht, auf der Ebene kann er wirklich überzeugen – deswegen empfehle ich ihm eine Karriere als Kneipen-Pianist. In solch einer Funktion darf er sein Talent ausspielen und möglichst wenig Schaden anrichten. Zwischen den Stücken kann der den Besoffski seine Sprüchleins erzählen und bekommt dann sicherlich eine viel direkteres Feedback (oder besser gesagt: „Feet-Back“ – der Spruch hat Sauerwein-Niveau) als von einer Bühne herunter, von der er dem Publikum gegenüber in einer stärkeren Position ist und Kritik (die vom Publikum durch Enthaltsamkeit vorhanden war – ICH BIN STOLZ AUF EUCH!) niederbrüllen kann.

 

Als Kabarettist (kann man ihn wirklich so nennen?) ist er ein blanker Reinfall. Unglaublich überspielt und affektiert Jahrhunderte alte Witze zu verkloppen, die teilweise auch noch von diversen – dort auch schon nicht lustigen – Facebook-Seiten gestohlen wurden, ist nun wirklich keine Kunst. Überhaupt. Gar nicht. Und auch die Themen-Auswahl: Zum Davonlaufen.

Ein Kabarett-Programm muss keine rote Line besitzen, wünschenswert wäre es. Gestern bekam man leider nur auf der dünnsten und dümmsten Art möchtegern linksliberales Gedankengut serviert (schließlich soll es Kabarett sein), dem zwar sicherlich jeder mehr oder weniger zustimmen kann (an guten Tagen), die Präsentation jedoch ist so dermaßen unpointiert und unter aller Kanone, dass man schon sehr wohlwollend und/oder 50 plus sein muss, um darüber Lachen oder (in den ein, zwei stilleren Momenten) betroffen sein zu können. Dazu ein paar Klischees und „persönliche Erlebnisse“, fertig ist der Sauerwein.

Ehrlich: Ich. Habe. Vielleicht. Zweimal. Geschmunzelt.

Auch meiner Begleitung ging es so.

Und nicht einmal die Niveaulosen Witze waren wirklich böse… Hätte er das Elend doch nur besser erzählen können… Andy ist halt einfach kein Bühnenmensch. Was nicht schlimm ist, ich bin das ja auch nicht, nur weiß ich wo meine Grenzen liegen. Es bedarf halt weniger Kunstfertigkeit um sich selbst als Künstler zu bezeichnen, als solche wirklich produzieren zu können.

 

Die Menschen die dafür Geld ausgegeben haben, die tun mir leid. Noch viel mehr Mitleid (siehe Nietzsche: Mitleid würdigt die Menschen herab) habe ich allerdings mit den Intelligenzwüsten, die über diese Scherze auch noch Lachen konnten: Leute, was ist denn los mit euch?

Dabei. Eine Erklärung hätte ich:

Die Gegenwärtigkeit in so einer Kabarett-Situation entspricht der in einem Tanz-Club (mal wieder…). Denn genauso wie man in einem Tanz-Club aus purer Langeweile zu Musik tanzt, die scheiße ist, weil der DJ nichts kann, man aber halt trotzdem nun einmal da ist und hofft, dass es später vielleicht noch besser wird, lacht man halt im Kabarett notgedrungen zu Witzen, die nicht witzig sind, weil man den Drang verspürt sich zu amüsieren. Verständlich. Ihr habt ja auch Geld ausgeben. Lasst es aber bitte trotzdem. Dadurch werden nämlich vollkommen irrwitzige Leute gezüchtet, die glauben auch nur entfernt eine künstlerische Ader zu besitzen (Kabarettisten, DJs, ist wisst schon), während sie in Wahrheit einfach nur durch ihre Unfähigkeit nerven. Denn in Wahrheit ist es doch so:

Solange dumme und wohlmeinende Leute zu den Scherzchen von Andy Sauerwein lachen, wird er viele intelligente Menschen unglücklich machen.

 

Mit dem hätte ich nicht einmal Mitgefühl, wenn er als Penner in der Fußgängerzone mit seiner Musik um Geld betteln würde. Obwohl ich ein sehr empathischer Mensch bin. Tut mir leid Sauerwein, doch dank dir ist gestern in mir etwas zerbrochen, was ich in den nächsten Monaten wieder mühsam zusammensetzen muss; gib mir meine verschwendete Lebenszeit zurück!

 

Ich füge jetzt einmal ein Video von ihm mit ein. Lasst euch nicht von dem Gelächter des Publikums mitreißen: Das ist das absolute Gegacker geistiger Leere, armes Deutschland… Da wünscht man sich sogar Mario Barth auf die Bühne… Wo ist Josef Hader wenn man ihn braucht?

Hatten wir ein Glück. Neulich, bei Jess Jochimsen..

Grüne Sonne Indoor Festival 2016

„First world problems“ wurden uns vom Veranstalter diagnostiziert, da wir uns auf Facebook darüber mokierten, als der Headliner der Nacht – DJ Hell, schon wieder –  relativ kurzfristig absagte. Na ja. Partys und sich darüber aufzuregen ist natürlich schon ein „erste Welt-Problem“, als zahlender Kunde will man jedoch auch darüber informiert werden „Warum“ und „Weshalb“ der Knilch nicht zum Arbeiten kommen wollte, für den wir da schließlich schon bezahlt hatten – und dafür durfte man sich  vom Social-Media-Typen der Grünen Sonne auch noch blöd anquatschen lassen. Gute Öffentlichkeitsarbeit gibt es halt nicht bei den „Grüne Sonne“-Leuten und so wurde man dann zwar später nach mehrmaligen Nachstochern über die Umstände aufgeklärt (Der DJ Helmut hatte am selben Tag zwei Veranstaltungsorten zugesagt, die dummerweise beide „Kantine“ heißen, da gab es einen Fehler im Booking), doch zur Erklärung  gab es dann noch einen Seitenhieb hinterher, so in die Richtung, dass man als Kunde ein Depp ist wenn man auch noch nachfragt, weshalb man eine gewissen Leistung nicht erhält. So was geht gar nicht. Techno-Jünger sind aber auch sonst nicht die kritischsten Kunden, sondern willenlose Schafe und gnädige Opfer der allmächtigen Veranstalter und der DJs, die immer noch wie Übermenschen betrachtet oder gar verehrt werden… „Wir sind derer unwürdig“, ist die Denke. „Dann ist das halt so.“

 

Warum eigentlich? Was ist aus dem Gleichstellungsgedanken geworden, sei es im Techno- oder im Kapitalgewerbe? (Was dasselbe geworden ist). „Firmenkunden bevorzugt“ = 2 Klassengesellschaft. Der kleine Einzelne, der Lobbylose, zählt nichts mehr. Nur als Flashmob, als Mulitude, tritt man vielleicht noch kurz als Einzelner im Großen in Erscheinung, auf Facebook oder per Petition; bis dato und derweilen ist Ehrerbietung angesagt. Dass die Halbgötter und Wichtigtuer ohne unser Kommen und unser Geld nichts sind, daran denkt niemand mehr. „Qualität lässt sich booken“ ist die Devise. Wenn man denn richtig booken kann… Ne Leute, dann doch lieber auf die Nerven und Barrikaden gehen wenn man sich unfair behandelt fühlt, denn reicht es denn nicht schon wenn das System Verarsche ist? Oder muss man sich von dem System auch noch verarschen lassen?

Der Werbe-Slogan: „Be part of the party“. So ein Unsinn. Als ob es die Party ohne uns auch so stattfinden würde und man sich glücklich schätzen müsste, wenn die dann für uns was organisieren und dicke Gagen abgreifen…

 

Dass aber nicht jedes „große Namen“-Booking automatisch funktioniert, zeigte gestern das Grüne-Sonne-Festival in der Indoor-Edition. Denn der große Headliner-Floor in der Kantine Augsburg, unten, im Flammensaal, war der eindeutig schlechter besuchte. Oben im Schwimmbad drängelten sich die Leute, wo neue Gesichter auflegten und keine DJs der Generation 40 plus. Da war die wilde Stimmung, auch wenn der Sound selbst nicht viel moderner war. Techno wurde überall gespielt. Da ein bisschen fresher als dort. Oben ein wenig knackiger, jünger, unverbrauchter. Namentlich benannt: Ferdinand Dreyssig.

 

Da wir alte Verbrauchte sind, trieben wir uns mehr unten rum, auch weil wir Platz zum Tanzen brauchten und dort auch hatten. Mehr als genug. Ohne Drängelei.

Um halb 12 legte der Mann aus unser Nachbarschaft los, Lützenkirchen, der schon auf Facebook angekündigt hatte, mehr seinen „alten Stil“ zu spielen. Und so war das Set wieder mehr Beat orientiert, dunkler, rauer und weniger housig. Ich fands ganz gut. Marke: Das kann man sich immerhin schön trinken.

 

Das Fabelhafte an der Kantine ist meistens nicht das Drinnen mit den Soundgewalten, ach geh: Draußen ums Lagerfeuer herum, wo es keine Musik gibt und Erholung und Konversation angesagt ist, ist es dann schnell und oft viel geiler. Dort werden Freunde mit Freunden bekanntgemacht und schnell das erzählt was uns zwangsläufig verbindet, die alten Schlachtgeschichten der Feierei aus Augsburg (Pleasure Dome, Sound Factory), total faszinierend im Rückspiegel, wie wir so wirklich ehrlich und in Echt klischeevoll ums Lagerfeuer herum saßen, die alten Weisen, die lächelnd und mit großen Augen sprachen, zum Kind in einem und in dem im Gegenüber: „Wisst ihr noch? Damals? Wie schön das war…“ Und dann geht man wieder hinein, 10 oder 15 Jahre zu alt für den Scheiß und erlebt den ganzen Mist noch einmal, nur anders halt, mit mehr Erfahrung. Das Süßsaure  ist nur: Das Themenfeld „Party“ und „Feiern“ ist der einzige Themenbereich, in der Erfahrung etwas eher Schlechtes und Runterziehendes sein kann.  Da kann man sich selbst schnell im Weg stehen. Weil man doch weiß wie es war. Jung zu sein. Und über die Sonne schreiten zu können…

Ein paar Jägermeister später, geht das dann aber auch wieder. Geblieben sind ja nicht nur die Erinnerungen, nein, auch die Freunde. Und das Jetzt. Das Leben endet schließlich nicht zwangsläufig mit 30, 60 oder was weiß ich mit wie viel Jahren. Das Dasein endet dann, wenn es den Sinn verliert.

Währenddessen hatte Anthony Rother zu Arbeiten angefangen. Und wie der da so sein paar Dutzend Leutchens von seinem DJ-Pult bespielte, dachte der sicherlich auch ein wenig darüber nach, was er wohl in 10 Jahren arbeitstechnisch so macht, wenn denn nicht bald wieder ein Hit aus seinen Maschinen stottert. Die Altersarmut könnte bei dieser DJ-Generation vorprogrammiert sein. Eigenes Plattenfirmchen hin oder her.

Der Anthony startete sehr gut, ging dann aber leider nicht in die Westbam-Falle und spielte seine Megahits („Father“, „Break down the wall“) nicht einfach so runter. Er verpackte das gut als SET, mit klassischem Spannungsbogen, nur war das den Jungen zu klassisch und deshalb waren die lieber woanders. Sollte uns Recht sein. Wir lachten uns gegenseitig an. Und taten das einzig Richtige: Tanzen.

 

Zum Abschluss gönnte ich mir dann noch in der „Weltbar“ (dem dritten Floor) eine Pizza. Und wie ich da so wartete, im Geschepper der Boxen, im Beat der Maschinen, fand ich diesen Platz, diese Club-Situation, als den natürlichsten Ort für einen wie mich, eine Pizza zu essen. Nicht leise am Nachmittag, draußen in der freien Natur bei milden Lüftchen und weißen Wein, nein: Nacht musste es sein, scheppern, blitzen und johlen. Während man von betrunkenen Leuten angetanzt und von Druffis angelacht wird: So muss Pizza sein. So und nicht anders.

 

Es war 3 Uhr 30. Und drinnen übernahm Pascal FEOS die Turntables. Der nächste Held der Nacht, der nur noch von seinem Mythos lebt…

Am nächsten Morgen dann das Nachgespräch. Und Weißwürste zum Frühstück.