Das Südufer-Festival 2017 in Friedberg – Rückblick

Was im Jahr 2017 vollkommen normal ist, war in meiner Jugend unmöglich: Heute kann man jedes Wochenende im Sommer auf ein anderes Festival gehen. Ja. Es gibt inzwischen sogar Festivals, auf die man auf zwei Wochenenden hintereinander gehen kann. Schließlich war man eh die ganze Woche da. Diese Vergnügungssucht der Europäer ist eine ziemlich einzigartige Entwicklung, wo man jetzt leicht den Moralischen spielen kann. Belassen wir es bei der Erkenntnis, dass es „früher“ nur zwei, drei Festivals in Deutschland gab, die den Namen auch verdienten (gerade was das Organisatorische angeht), heute ist das komplett anders. Dass dabei die Exklusivität verloren geht und man sich nicht mehr besonders besonders fühlen muss wenn auf ein Festival geht, ist eh klar. Aber. Ich halte das auch für etwas Gutes. Dieses Elitending ist ja auch immer ein wenig seltsam und baut auch ganz strange Strukturen auf, so wie der Irrglaube, wie man sich auf einem Festival verhalten muss.

Da muss dann unbedingt gesoffen und gekifft werden wie ein Loch. Da muss dann Flunkyball und was weiß ich gespielt werden. Da muss Dosenbier getrunken, billige Wurst gegrillt und Körperlich derbe gestunken werden; wie auch immer: Festivals gelten mit ihren Verhaltensregeln denen sich die Besucher dort auferlegen, fast schon wie wirede Sekten. Und weil ich mich schon immer für etwas Besseres hielt, bin ich froh dass die Proletisierung auf den kleinen Festivals noch nicht so weit fortgeschritten ist. Der Trend geht zur Nachhaltigkeit und weg von den Träumen des Prekariats, in seinem eigenen Müll ungeschützt aber anonym zu vögeln. Und wenn man richtig Bock hat es sich mal außerordentlich würdelos zu geben, geht das auch auf so einem Festival wie am Friedberger Südufer. Denn wenn man will, geht das überall. Der saublöde Gruppenzwang ist dann aber weg.

Das „Südufer Festival“ ist nicht nur ein kleines Festival. Im ersten Jahr  würde ich es sogar als ein „Familien-Festival“ bezeichnen. Alles sehr gesittet und auf einem vernünftigen, freundlichen Spaß-Niveau.

Ich war nur am Samstag und das Publikum bestand vornehmlich aus Jugendlichen und deren Onkeln und Tanten, die ohne Bedenken ihre kleinen Kinder mitbringen konnten, die dann selig im Kinderspielplatz Sandburgen bauten. Ich gebe ja zu: Das klingt jetzt schon Hardcore-Konservativ. So schlimm war es dann aber auch nicht. Es war einfach ein schöner Tag am Badesee, an dem sich keiner die Hände schmutzig machte. Okay. Das klingt immer noch ziemlich schlimm. Ist es aber nicht. Die Frage ist halt was man will. Und wie wir so da saßen. Das kalte Bier in unseren Henkelbechern. Und sahen. Wie sich die frischen Jugendlichen ohne Zorn amüsierten, badeten, chillten. Während die ersten Älteren am Techno-Floor zu Tanzen begannen (heute würde man wohl Electro-Floor sagen). Im spirituell schönen Sommer-Licht. Da. Da war die Welt schon ziemlich in Ordnung.

Diese Wahrheit ist dabei rein aus der Retroperspektive gewonnen. Weil. Ich mag das tatsächlich gar nicht so. Diese verdammte Hitze. Und dieses Leute-Kennenlernen. Selbst bin ich ja auch ein ziemlicher Idiot. Am Ende des Tages jedoch war alles gut. Man gab neuen Bekannten gerne die Hand und versprach sich ein Wiedersehen. Und nickte im Nachhause-Gehen den Tag freundschaftlich hinterher. Das hat Spaß gemacht. Wo lernt man auch sonst Leute kennen, die einen bereitwillig in ihrem angrenzenden Schrebergarten mit Gartenhäuschen zum Grillen aufnehmen, die einem einen Dübel von dem von  uns selbst mitgebrachten Gras anbieten, die ihr Bier an uns verschenken, uns dabei erzählen wie toll und einzigartig es war bei den Anfängen von Techno mit dabei gewesen zu sein, und können dann, nachdem man diese Menschen und ihre Post-Hippie-Attitüde schon komplett super gefunden hat, auf die Frage was sie arbeiten antworten können: Ich baue Panzer. Hä? 😀 Leopard 2. Wie geil ist das denn? So sind wir Bayern.

Die Bands? Wie die Bands eigentlich waren? Sorry Leute. Bin noch total verpennt. Habe sehr viel Schlaf nachholen müssen. Die Bands  (vornehmlich eine) waren besser als erwartet. Die „Nihils“ mit ihrer Pop-Electro-Art gefielen mir sehr gut. Erinnerten mich an die „Foals“. Und das ist nicht allzu schlecht. Wenn die Nihil-Jungs mal einen Hit schreiben, ist das restliche Programm von ihnen ein gutes Rahmen-Programm dafür.

Schluss machte „Lola Marsh“ an der Hauptbühne. Die vielleicht gar nicht schlecht waren. Mit ihrer Super-Sau-Blöden-Attitüde jedoch komplett albern und unerträglich auftraten. Bei so einer Band ist es sogar ein Fehler so viele Klicks auf You-Tube zu haben. Selbst wenn sie vom Sound her sicherlich sehr gut in die heile Kinder-Welt des „Südufer-Festivals“ passten.

Dann doch lieber wieder rüber zu den Druffis. Denn ohne Druffis geht es wohl nicht. Muss das denn jetzt? Was soll das denn hier? Mach doch mal langsam. Man muss doch nicht überall… Und jetzt halt doch bitte mal mein Bier. Ich will ein Foto machen.

 

Die See-Stage lag wortwörtlich im See. Der Sound war okay. Nicht wichtig. Im Moment gerade richtig. Durchdrehen wollte ja eh keiner. Sei es beim Set von Aril Brikha. Oder bei den Jungs von Auto.Matic-Music. Die so sehr ihr Label geworden sind. Dass sie schon gar keine Namen mehr auf den Time-Table drucken. Obwohl die für Auto.Matic überraschend gut auflegten. Der Aril gefiel mir sogar noch besser. Da schmofte man dann herum. Mit den Alten und jenen, die es gerne wären. Erzählte sich Geschichten. Lachte sich an. Und ließ die Vergangenheit einen netten Onkel sein, an dem sich die Gegenwart zum Glück nicht mehr messen musste. Wie das ganze „Südufer-Festival“, gerade weil es das erste Mal überhaupt veranstaltet wurde, keinen Maßstab hatte. Es war einfach ein chilliger Tag mit Freunden. Nichts Legendäres. Nichts Unvergessliches. Doch wenn man in ein paar Wochen oder einem Jahr daran zurück denkt, erinnert man sich an einen schönen Tag. Was will man mehr?

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Stehplatz in Augsburg

Freunde muss man haben. Es geht zwar auch ohne, gut aber, wenn man sie hat. Gerade wenn man sehr unterschiedlich ist und sich trotzdem mag. Sehr entgegen kommt es da, wenn man sich erst „im Alter“ kennen lernt und einem die Unterschiede in Ansichten und Hobby als Charaktereigenschaft gewahr werden, während es bei alten Kinder- und Jugendfreunden ein wenig komplizierter ist, denn entweder  verändern die Freunde sich gar nicht, weshalb man sie als totalst langweilig empfindet, oder aber sie verändern sich so sehr, dass man irgendwie enttäuscht ist und kann mit ihnen nichts mehr anfangen. Nicht auserzählte, neue Freunde haben also oft einen gewissen Bonus was die eigene Toleranz angeht. Wenigstens bei mir.

Eine meiner neueren Freunde (Freundin) ist ein großer Fan des Fc Augsburg. An dieser Stelle darf gerne gelacht werden. Und ich finde Fans von Mannschaft die so gut wie immer gegen den Abstieg spielen, auch irgendwie lächerlich, halte sie aber auch für bewundernswert: Es gehört schon einiges dazu jedes Wochenende in ein Stadion zu gehe, wo die Mannschaft regelmäßig verprügelt wird. „Erfolgsfan“ wird man leicht und kann es dann auch ebenso bleiben. Fan einer Bananen-Mannschaft muss man erst mal werden und bleiben können.

Dabei bin ich keiner dieser eingefleischten Traditionalisten. Obwohl es genau darum in dem Freitagsspiel an diesem Wochenende ging: „RB Leipzig“ gegen den „FC Augsburg“ ist ein Spiel eines großen durch Geld gepushten Newcomers gegen einen traditionell „kleinen Verein“, was in Fußballsprache bedeutet, dass der FC A nur einen sehr kleines Budget zu Verfügung hat. Solche „kleinen Vereine“ sehen sich durch die Leipzigs und Hoffenheims schwer unter Druck gesetzt vor, da diese einen Esel besitzen der goldene… Ihr wisst schon. Ich wusste also im Vorfeld das eine aufgeheizte Stimmung in der WWK Arena sein würde. Dazu ist meine Freundin Jahreskarten-Besitzer weswegen sie mir einen guten und billigen Stehplatz an ihrer Seite besorgen konnte. Bisher. Bin ich im Stadion immer nur gesessen.

 

„Sitzen“/“Stehen“ gibt es da einen großen Unterschied? Den gibt es.

 

„Vor dem Spiel ist an der schwarzen Kiste“. Macht man so in Augsburg wenn man 25 Plus ist. Das ist so eine Art Winter-Biergarten, wo man draußen in der Kälte aber sehr gesellig zusammen sitzt und vortrinkt. Nehmen wir es den Augsburgern nicht übel. Bei ihrer Mannschaft muss man vortrinken. Das ist aber richtig schön gemacht an der schwarzen Kiste, Haltestelle Haunstetterstraße. Es ist nicht nur „gemütlich“ oder „urig“, es hat auch ein gewisses Niveau, Schankwagen und Toiletten-Container hin oder her. Das war mir fast schon zu cool für Augsburg. Schön das es hier auch solche Ecken gibt.

Hier waren dann auch. Die Menschen.

Mit großem „Hallo“ kannten sich hier jeder, ich natürlich keinen. Zum Glück wurde eine gewisse Form von Geselligkeit vorausgesetzt, auch wenn mein Gesicht selbst dafür nicht steht. Alle nett und freundlich an der Kiste, keine Berührungsängste, auch wenn ich als BVBler nicht einmal zum Fan-Team gehöre. Dass man mich jetzt nicht gleich verprügelt war mir auch klar, die warme Herzlichkeit die ich erleben durfte war dennoch was Schönes und sollte den ganzen Abend erhalten bleiben.

Da bekam man zum Fußball-Abend die Europa-League-Geschichten der Fans zu hören, die dem FC A das letzte Jahr hinterher gereist waren. Teilweise ein wenig arrogant vorgetragen, was ich aber mit einem amüsierten Zwinkern quittieren konnte; ich selbst kenne es ja zur Genüge, dass wenn man von einer Sache absolut überzeugt ist, Themenfremde Menschen erst einmal belächelt und sie trotzdem beeindrucken will. Insgesamt ein sehr geerdeter Haufen den man da traf.

Massen-Fan-Veranstaltungen haben ja immer etwas besonders für mich. Sei es bei den Nerd-Veranstaltungen meiner Freundin (Stichwort: Hochbegabt) oder die christliche Sekte die ich auch zwei Mal besucht habe. Egal ob es um Religion, Sport oder sonst etwas geht: Es gibt immer diesen einen bestimmten Menschenschlag, der zwar aus sehr unterschiedlichen Individuen besteht, es aber immer diese gemeinsame Sache gibt, diesen kleinsten gemeinsamen Nenner. Offen feindlich wurde ich nirgendwo aufgenommen. Warum auch? Schließlich nimmt man an der Sache der Anderen Teil und zeigt Interesse. Das Lustige an solchen Ausflügen ist wirklich das unterbewusste Gerede der Menschen, wie sie über ihre Leidenschaft sprechen, ohne sich dessen bewusst zu sein. Denn egal ob es um „Gott“ oder „die schönste Nebensächlichkeit der Welt“ geht, alle sprechen aus dem Herzen heraus und das ist so ein nacktes und offenes zur Schau stellen der eigenen Herzlichkeit, dass man gar nicht weiß ob man darüber Lachen oder Weinen kann oder sollte.

So ging es  dann auch weiter. In der Straßenbahn. Vor dem Stadion. Darin.

Diese Steh-Atmo mit Schlacht- und Fan-Hymnen kenne ich ja schon längst aus meinen „Böhse Onkelz“-Zeiten, deren Fans sehr nahe am Fußball-Fan gebaut sind. Und ich habe das durchaus (auch wenn es nie ganz meine Welt war und es jetzt auch sicherlich nicht mehr wird) immer sehr genossen. Dieses rohe, in sich abgeschlossene „Wir-gegen-Die“. Auch wenn es halt immer sehr prollig rüberkommt (der Prolet ist nun einmal der „kleinste gemeinsame Nenner“ auch wenn dort nicht alle Proleten sind, ach was, das ist die Minderheiten). Den Gewalt-Fußball-Depp, den Hool suchte ich am Freitag erst gar nicht und es wäre bis auf ein paar Ausnahmeerscheinungen auch gar nicht möglich gewesen. Hier steht und schreit der Mittelstand, der sich in diesem Moment gar keine Zeit für Selbstreflektionen hat. Denn es geht gar nicht darum was du sonst machst, sondern wen du hier, heute und das nächste Wochenende vertreten willst.

 

Vor dem Spiel die Fan-Choreografie gegen Red Bull und ihren Mainstream-Fußball. Hier zeigten die Fans Haltung, wobei dem Einzelnen gar nicht klar war, wogegen:

„Wieso sollen wir jetzt schwarze Pappen hochhalten? Ist das gegen Leipzig oder gegen Red Bull?“

„Ja gegen Beides!“

„Ich will aber nicht bei so einer Gewalt-Scheiße mitmachen! Weiß jemand was da am Ende für ein Bild daraus wird?“

„Wahrscheinlich ein Sarg.“

„Witzbold.“

„Ne, Ne. Das wird nur zur Hintergrund-Untermalung benötigt. Wissenschaftliche Studien haben erwiesen, dass man mit schwarzem Hintergrund die Message besser sehen kann.“

„Aber ich will nichts GEGEN Leipzig unterstützen. Nur gegen Red Bull. Die Leipziger können doch nichts dafür…“

„Jetzt halt einfach die verdammte Pappe hoch.“

Und das machte man dann auch. Kritiklos und doch mit analytischen Hintergedanken.

Das Spiel war dann richtig gut. Okay, die zweite Hälfte der ersten Halbzeit war ein wüstes Getreten und Geschupse auf dem Platz. Ansonsten war es schön anzusehen. Ein 2 zu 2. Hat für Alle was. Und es war richtig „Musik“ im Stadion. Was ich von den blöden Sitzplätzen gar nicht kannte. Aber. Vom Spiel und seinen Nuancen bekommt man auf der Stehplatz-Tribüne überhaupt nichts mit. Ganz egal wie sehr da gehasst und geschrien wird: Aus der Perspektive siehst du eh keine knappen Entscheidungen. Dafür bekommst du aber mal ordentlich stimmungsvoll nach einem Tor einen jubelnden Plastikbecher voll Bier auf die Rübe. Man kann halt nicht Alles haben.

Als das Lachen starb: Andy Sauerwein

Eigentlich wollte ich nicht jeden Tag im Urlaub darüber schreiben, wo ich jetzt schon wieder war; ich wollte lieber eine Kurzgeschichte aus dem erlebten Material basteln. Nur. Der gestrige Abend in der Kresslesmühle (ja, ich war schon wieder da, eine gute Freundin hatte Karten gewonnen und meinte es gut mit mir) war so schlimm, dass ich die Menschheit vor Andy Sauerwein WARNEN muss.

 

Nicht das er ein schlechter Musiker wäre, nein, überhaupt nicht, auf der Ebene kann er wirklich überzeugen – deswegen empfehle ich ihm eine Karriere als Kneipen-Pianist. In solch einer Funktion darf er sein Talent ausspielen und möglichst wenig Schaden anrichten. Zwischen den Stücken kann der den Besoffski seine Sprüchleins erzählen und bekommt dann sicherlich eine viel direkteres Feedback (oder besser gesagt: „Feet-Back“ – der Spruch hat Sauerwein-Niveau) als von einer Bühne herunter, von der er dem Publikum gegenüber in einer stärkeren Position ist und Kritik (die vom Publikum durch Enthaltsamkeit vorhanden war – ICH BIN STOLZ AUF EUCH!) niederbrüllen kann.

 

Als Kabarettist (kann man ihn wirklich so nennen?) ist er ein blanker Reinfall. Unglaublich überspielt und affektiert Jahrhunderte alte Witze zu verkloppen, die teilweise auch noch von diversen – dort auch schon nicht lustigen – Facebook-Seiten gestohlen wurden, ist nun wirklich keine Kunst. Überhaupt. Gar nicht. Und auch die Themen-Auswahl: Zum Davonlaufen.

Ein Kabarett-Programm muss keine rote Line besitzen, wünschenswert wäre es. Gestern bekam man leider nur auf der dünnsten und dümmsten Art möchtegern linksliberales Gedankengut serviert (schließlich soll es Kabarett sein), dem zwar sicherlich jeder mehr oder weniger zustimmen kann (an guten Tagen), die Präsentation jedoch ist so dermaßen unpointiert und unter aller Kanone, dass man schon sehr wohlwollend und/oder 50 plus sein muss, um darüber Lachen oder (in den ein, zwei stilleren Momenten) betroffen sein zu können. Dazu ein paar Klischees und „persönliche Erlebnisse“, fertig ist der Sauerwein.

Ehrlich: Ich. Habe. Vielleicht. Zweimal. Geschmunzelt.

Auch meiner Begleitung ging es so.

Und nicht einmal die Niveaulosen Witze waren wirklich böse… Hätte er das Elend doch nur besser erzählen können… Andy ist halt einfach kein Bühnenmensch. Was nicht schlimm ist, ich bin das ja auch nicht, nur weiß ich wo meine Grenzen liegen. Es bedarf halt weniger Kunstfertigkeit um sich selbst als Künstler zu bezeichnen, als solche wirklich produzieren zu können.

 

Die Menschen die dafür Geld ausgegeben haben, die tun mir leid. Noch viel mehr Mitleid (siehe Nietzsche: Mitleid würdigt die Menschen herab) habe ich allerdings mit den Intelligenzwüsten, die über diese Scherze auch noch Lachen konnten: Leute, was ist denn los mit euch?

Dabei. Eine Erklärung hätte ich:

Die Gegenwärtigkeit in so einer Kabarett-Situation entspricht der in einem Tanz-Club (mal wieder…). Denn genauso wie man in einem Tanz-Club aus purer Langeweile zu Musik tanzt, die scheiße ist, weil der DJ nichts kann, man aber halt trotzdem nun einmal da ist und hofft, dass es später vielleicht noch besser wird, lacht man halt im Kabarett notgedrungen zu Witzen, die nicht witzig sind, weil man den Drang verspürt sich zu amüsieren. Verständlich. Ihr habt ja auch Geld ausgeben. Lasst es aber bitte trotzdem. Dadurch werden nämlich vollkommen irrwitzige Leute gezüchtet, die glauben auch nur entfernt eine künstlerische Ader zu besitzen (Kabarettisten, DJs, ist wisst schon), während sie in Wahrheit einfach nur durch ihre Unfähigkeit nerven. Denn in Wahrheit ist es doch so:

Solange dumme und wohlmeinende Leute zu den Scherzchen von Andy Sauerwein lachen, wird er viele intelligente Menschen unglücklich machen.

 

Mit dem hätte ich nicht einmal Mitgefühl, wenn er als Penner in der Fußgängerzone mit seiner Musik um Geld betteln würde. Obwohl ich ein sehr empathischer Mensch bin. Tut mir leid Sauerwein, doch dank dir ist gestern in mir etwas zerbrochen, was ich in den nächsten Monaten wieder mühsam zusammensetzen muss; gib mir meine verschwendete Lebenszeit zurück!

 

Ich füge jetzt einmal ein Video von ihm mit ein. Lasst euch nicht von dem Gelächter des Publikums mitreißen: Das ist das absolute Gegacker geistiger Leere, armes Deutschland… Da wünscht man sich sogar Mario Barth auf die Bühne… Wo ist Josef Hader wenn man ihn braucht?

Hatten wir ein Glück. Neulich, bei Jess Jochimsen..

Grüne Sonne Indoor Festival 2016

„First world problems“ wurden uns vom Veranstalter diagnostiziert, da wir uns auf Facebook darüber mokierten, als der Headliner der Nacht – DJ Hell, schon wieder –  relativ kurzfristig absagte. Na ja. Partys und sich darüber aufzuregen ist natürlich schon ein „erste Welt-Problem“, als zahlender Kunde will man jedoch auch darüber informiert werden „Warum“ und „Weshalb“ der Knilch nicht zum Arbeiten kommen wollte, für den wir da schließlich schon bezahlt hatten – und dafür durfte man sich  vom Social-Media-Typen der Grünen Sonne auch noch blöd anquatschen lassen. Gute Öffentlichkeitsarbeit gibt es halt nicht bei den „Grüne Sonne“-Leuten und so wurde man dann zwar später nach mehrmaligen Nachstochern über die Umstände aufgeklärt (Der DJ Helmut hatte am selben Tag zwei Veranstaltungsorten zugesagt, die dummerweise beide „Kantine“ heißen, da gab es einen Fehler im Booking), doch zur Erklärung  gab es dann noch einen Seitenhieb hinterher, so in die Richtung, dass man als Kunde ein Depp ist wenn man auch noch nachfragt, weshalb man eine gewissen Leistung nicht erhält. So was geht gar nicht. Techno-Jünger sind aber auch sonst nicht die kritischsten Kunden, sondern willenlose Schafe und gnädige Opfer der allmächtigen Veranstalter und der DJs, die immer noch wie Übermenschen betrachtet oder gar verehrt werden… „Wir sind derer unwürdig“, ist die Denke. „Dann ist das halt so.“

 

Warum eigentlich? Was ist aus dem Gleichstellungsgedanken geworden, sei es im Techno- oder im Kapitalgewerbe? (Was dasselbe geworden ist). „Firmenkunden bevorzugt“ = 2 Klassengesellschaft. Der kleine Einzelne, der Lobbylose, zählt nichts mehr. Nur als Flashmob, als Mulitude, tritt man vielleicht noch kurz als Einzelner im Großen in Erscheinung, auf Facebook oder per Petition; bis dato und derweilen ist Ehrerbietung angesagt. Dass die Halbgötter und Wichtigtuer ohne unser Kommen und unser Geld nichts sind, daran denkt niemand mehr. „Qualität lässt sich booken“ ist die Devise. Wenn man denn richtig booken kann… Ne Leute, dann doch lieber auf die Nerven und Barrikaden gehen wenn man sich unfair behandelt fühlt, denn reicht es denn nicht schon wenn das System Verarsche ist? Oder muss man sich von dem System auch noch verarschen lassen?

Der Werbe-Slogan: „Be part of the party“. So ein Unsinn. Als ob es die Party ohne uns auch so stattfinden würde und man sich glücklich schätzen müsste, wenn die dann für uns was organisieren und dicke Gagen abgreifen…

 

Dass aber nicht jedes „große Namen“-Booking automatisch funktioniert, zeigte gestern das Grüne-Sonne-Festival in der Indoor-Edition. Denn der große Headliner-Floor in der Kantine Augsburg, unten, im Flammensaal, war der eindeutig schlechter besuchte. Oben im Schwimmbad drängelten sich die Leute, wo neue Gesichter auflegten und keine DJs der Generation 40 plus. Da war die wilde Stimmung, auch wenn der Sound selbst nicht viel moderner war. Techno wurde überall gespielt. Da ein bisschen fresher als dort. Oben ein wenig knackiger, jünger, unverbrauchter. Namentlich benannt: Ferdinand Dreyssig.

 

Da wir alte Verbrauchte sind, trieben wir uns mehr unten rum, auch weil wir Platz zum Tanzen brauchten und dort auch hatten. Mehr als genug. Ohne Drängelei.

Um halb 12 legte der Mann aus unser Nachbarschaft los, Lützenkirchen, der schon auf Facebook angekündigt hatte, mehr seinen „alten Stil“ zu spielen. Und so war das Set wieder mehr Beat orientiert, dunkler, rauer und weniger housig. Ich fands ganz gut. Marke: Das kann man sich immerhin schön trinken.

 

Das Fabelhafte an der Kantine ist meistens nicht das Drinnen mit den Soundgewalten, ach geh: Draußen ums Lagerfeuer herum, wo es keine Musik gibt und Erholung und Konversation angesagt ist, ist es dann schnell und oft viel geiler. Dort werden Freunde mit Freunden bekanntgemacht und schnell das erzählt was uns zwangsläufig verbindet, die alten Schlachtgeschichten der Feierei aus Augsburg (Pleasure Dome, Sound Factory), total faszinierend im Rückspiegel, wie wir so wirklich ehrlich und in Echt klischeevoll ums Lagerfeuer herum saßen, die alten Weisen, die lächelnd und mit großen Augen sprachen, zum Kind in einem und in dem im Gegenüber: „Wisst ihr noch? Damals? Wie schön das war…“ Und dann geht man wieder hinein, 10 oder 15 Jahre zu alt für den Scheiß und erlebt den ganzen Mist noch einmal, nur anders halt, mit mehr Erfahrung. Das Süßsaure  ist nur: Das Themenfeld „Party“ und „Feiern“ ist der einzige Themenbereich, in der Erfahrung etwas eher Schlechtes und Runterziehendes sein kann.  Da kann man sich selbst schnell im Weg stehen. Weil man doch weiß wie es war. Jung zu sein. Und über die Sonne schreiten zu können…

Ein paar Jägermeister später, geht das dann aber auch wieder. Geblieben sind ja nicht nur die Erinnerungen, nein, auch die Freunde. Und das Jetzt. Das Leben endet schließlich nicht zwangsläufig mit 30, 60 oder was weiß ich mit wie viel Jahren. Das Dasein endet dann, wenn es den Sinn verliert.

Währenddessen hatte Anthony Rother zu Arbeiten angefangen. Und wie der da so sein paar Dutzend Leutchens von seinem DJ-Pult bespielte, dachte der sicherlich auch ein wenig darüber nach, was er wohl in 10 Jahren arbeitstechnisch so macht, wenn denn nicht bald wieder ein Hit aus seinen Maschinen stottert. Die Altersarmut könnte bei dieser DJ-Generation vorprogrammiert sein. Eigenes Plattenfirmchen hin oder her.

Der Anthony startete sehr gut, ging dann aber leider nicht in die Westbam-Falle und spielte seine Megahits („Father“, „Break down the wall“) nicht einfach so runter. Er verpackte das gut als SET, mit klassischem Spannungsbogen, nur war das den Jungen zu klassisch und deshalb waren die lieber woanders. Sollte uns Recht sein. Wir lachten uns gegenseitig an. Und taten das einzig Richtige: Tanzen.

 

Zum Abschluss gönnte ich mir dann noch in der „Weltbar“ (dem dritten Floor) eine Pizza. Und wie ich da so wartete, im Geschepper der Boxen, im Beat der Maschinen, fand ich diesen Platz, diese Club-Situation, als den natürlichsten Ort für einen wie mich, eine Pizza zu essen. Nicht leise am Nachmittag, draußen in der freien Natur bei milden Lüftchen und weißen Wein, nein: Nacht musste es sein, scheppern, blitzen und johlen. Während man von betrunkenen Leuten angetanzt und von Druffis angelacht wird: So muss Pizza sein. So und nicht anders.

 

Es war 3 Uhr 30. Und drinnen übernahm Pascal FEOS die Turntables. Der nächste Held der Nacht, der nur noch von seinem Mythos lebt…

Am nächsten Morgen dann das Nachgespräch. Und Weißwürste zum Frühstück.

Das stehlende Pferd?

Nach dem Kabarett war vor dem Konzert. Und was macht man zwischen Kabarett und Konzert? Eben, man geht essen. Beim Essen im Abraxas ging irgendwie alles schief. Wir bekamen die falschen Getränke, keine Salate und als der dann nachgereicht wurde auch kein dazugehöriges Baguette, was nervte. Nur meine drei Jägermeister klappten verdammt gut.

Mieser Service. Dabei hatte natürlich ich das Restaurant vorgeschlagen. Ich beschwerte mich und dann bekamen wir das genaue Gegenteil: Die Verantwortliche fiel aus allen Wolken, als sie von dem Drama hörte, dass wir kein Baguette bekommen hatten! Vor Entsetzen berührte sie mich gleich am Ellenbogen und sah mich so entgeistert an, wie mich die Leute nicht mehr angesehen hatten, seit der Zeit als publik wurde, dass meine Mutter gestorben war: „Sie haben kein Baguette bekommen?…“ Als wollte sie sagen: „Woran ist sie denn gestorben?“

Aus dem schlechten Service wurde ein extrem guter. Viele Entschuldigungen ihrerseits und  dazu eine köstliche Nachspeise, von der wir natürlich wissen wollten, was das denn nun auf dem Teller sei? Der Kellner: „Na da fragt ihr mich jetzt was…“
Kurz: Unsere Stimmung war überraschend gut als wir in den Vorführraum des Abraxas schlichen.

 

Das Konzert hatte schon begonnen. Eigentlich sollte dort irgendwer anderer spielen, der Gig wurde aber krankheitsbedingt abgesagt. Dafür traten Rainer Gruber & the stealing horse auf. Das Ersatzkonzert war für umsonst und wir dachten uns: Umsonst ist gut; war es nur nicht. Es war mit das schlimmste Konzert auf dem wir je waren.

Es lag nicht einmal an der Musik, auch wenn dieses Folk/Blues-Zeug nur in bestimmten Stimmungslagen was für mich ist. Die Band war gar nicht so schlecht und Rainer Gruber schien als einziger von ihnen ein etwas routinierter Unterhalter zu sein, der mit seiner Erfahrung  und ein wenig Unterstützung den Gig auch allein hätte stemmen können. Das war nicht so schlimm. Mir gefielen sogar die E-Gitarren-Solos von dem Kerl, der aussah wie das Tier von der Muppet-Show; wann hört man in unserer Indie-Musik verseuchten Zeit noch ein brauchbares Gitarren-Soli? Eben.

Trotzdem schien die Band insgesamt einen herben Bad-Day zu haben.

 

Der Bassist zog ein Gesicht, als hätte ihn kurz vor dem Gig seine gesamte Familie verlassen (und seine Haare ihn gleich mit) was er augenscheinlich gerade jetzt in diesem Moment realisierte  und innerlich verarbeitete. Ebenso die Unterstützungssängerin war total apathisch und schien sich weit weg zu träumen, weg, weg, nur nicht hier… Auch die Damen am Keyboard und am Streichgerät waren irgendwie peinlich berührt, fahrig, nicht ganz konzentriert. Immerhin der Kerl am Schlagzeug versuchte mit dem Anführer dieses deprimierten Haufens – Rainer Gruber – ein wenig Spaß zu haben. Ein wenig. Hilfloses Lächeln. Nur das Tier war eine Bank. So ein Kerl, mit dem man beim Opel-Treffen fast eine Schlägerei anfängt und schließlich doch noch im Guten auseinander geht. Der war unerschütterlich.

Trotzdem.

Im Grunde konnte man dabei zusehen wie sich ein Haufen Musiker ordentlich schämte. Was war geschehen?

 

Gute Frage. Meine Vermutung ist, dass das Abraxas in Augsburg keine Konzert-, sondern eine Theaterbühne hat. Bei dieser Bühne sitzen die Zuschauer nicht davor, sie sitzen wie bei einem Miniatur-Stadion-Konzert in einem U dreiviertel rund herum – und die Band wie auf dem Präsentierteller. Verstecken: Unmöglich. Das ist meine Theorie.

Wer aber weiß was diesen armen Leuten wirklich widerfahren ist? Gar ein Szenario aus einem Horrorfilm? Wer wurde entführt und wen erpresst man damit, dieses Konzert zu geben? Kam es im Vorfeld zu peinlichen sexuellen Spannungen? Das GZ-SZ-Prinzip? Kannte sich die Band vlt überhaupt gar nicht (schließlich sind in dem Youtube-Video ganz andere Leute zu sehen?) und waren da nur Zufallsleute auf der Bühne? Waren Wetten verloren worden? Wir werden es wohl nie erfahren, weshalb alle so betreten auf den Boden starten, bis auf Rainer Gruber… Der Mann, den sie auch „stehlendes Pferd“ nannten…

 

Moment mal… Hieß so nicht der BÖSE in „Stirb langsam?“ 😀

Jess Jochimsen – Kabarett in Augsburg

Vorab einen schönen Tag der deutschen Einheit.

 

Vor diesem Tag, der eigentlich ein freudiges Ereignis sein sollte und von lauter Miesmuffeln „ironisch“ schlecht geredet wird, sind wir spontan ins Kabarett gegangen. Genauer, in die Kresslesmühle in Augsburg. Die Kresslesmühle sieht ein wenig so aus als hätte der bayrische Rundfunk die Innenausstattung spendiert, was durch das natürlich sehr klassisch anmutende  Kabarett-Publikum (Richtung Rentenalter mit hoher Tendenz zu Herz-Kreislauf-Beschwerden) exponentiell verstärkt wurde. Das passt alles so sehr wie die Faust aufs Auge, wie der alte VW-Bus auf nem Hippie-Festival. Das hat dann wohl so zu sein.

 

Jess Jochimsen (ja, das ist ein Tipp-Fehler auf der Karte, kann ja einmal vorkommen), kannten wir vor diesen Tag gar nicht. Morgens wischten wir in unserem Tablet herum und sahen uns ein Video von dem Mann an – wirklich, nur eines. Dieses:

Das genügte für uns um mit typischen Äußerungen ausgestattet („Scheiß die Wand an. Den schauen wir uns jetzt an.“) nach Augsburg hineinzufahren.

Kabarett ist ja immer so eine spezielle Sache für mich. Das letzte Mal war ich bei Hagen Rether in diesem Umfeld und dortmals sind ein Freund und ich bei der Halbzeit-Pause gegangen. Ganz furchtbar war dieser Auftritt. Dieses unglaublich nervige, arrogante, superlinke, von oben herab dozierende Veganer-„Ich-habe-Recht“-Gelaber, verbunden mit dem typischen Vibe der zahlenden, anwesenden Kundschaft, der beinhaltete dass bei den „Maßregelungen“ alle gemeint sind, nur nicht die an diesem Ort Anwesenden; grauenhaft Bildungsbürgerlich stumpf, das können wir alle doch besser. Doch die Leute gehen nun einmal nicht ins Kabarett um sich schlecht zu fühlen oder etwas zu LERNEN, nein, sie gehen dorthin um zu Lachen und ihre Intelligenz bestätigt zu wissen: „Aha, da habe ich wieder genau das gehört was ich eh schon meine – nur lebe ich halt nicht so. Blöd. Aber lustig.“ Irgendwo muss es auch eine enttäuschende Daseinsform sein, dieser Kabarett-Beruf.

 

Jochimsen arbeitete sich in und neben seiner Lesung auch an den typischen Kabarett-Problemen an: Politik. Erziehung, Flüchtlinge und die Angst vor ihnen, die Tretmühle des Kapitalismus und die Vorherrschaft der Denke der alten weißen Männern in unseren Köpfen, die nicht wollen das sich ihr Leben ändert, was selbstverfreilich absoluter Unsinn ist, denn das Leben ändert sich doch die ganze Zeit, das IST doch das Leben…

 

Schelmenhaft hat der Jess das gemacht. Pointiert, lustig und natürlich auch entblößend. Mit seinem Akkordeon hat er dabei das Kabarett auch nicht neu erfunden. Dennoch war es besser als „nett“. Es war gut.

Ich selbst befinde mich – hier schon nun wirklich viel zu oft erzählt – in einer blöden Arbeitspsychischen Lage und da sprach mich der Auftritt mehr an, als vielleicht noch vor zwei Jahren. Gerade die Fragen nach der Zukunft die er stellte machten Eindruck: Wie stellt sich jeder von uns seine Zukunft vor? Und, was würde er gerne noch erreichen?

In einer Medienwelt in der die Nachrichten laut Bild-Online gar nicht mehr getippt sondern durch den Geschwindigkeitswahn und –druck nur mehr als Live-Videos gepostet werden sollen und man als Konsument ständig dem Druck der Gegenwärtigkeit ausgeliefert ist (sich ausliefern lässt), denkt man ja auch wirklich gar nicht mehr weiter als bis zum Feierabend oder bis ans nächste Wochenende. Oder den nächsten Urlaub. Auf die Frage: „Wo siehst du dich in 10 Jahren?“ Haben wir die Antwort eingeredet bekommen, dass das unmöglich geworden sei zu beantworten. Wir leben doch in so einer schnelllebigen Zeit! Ist doch eh bald alles wieder ganz anders… Nur… Stimmt das überhaupt? Und ist das eine gute Ausrede für mich und für dich keine Vision von der Zukunft zu haben?  Denn: Ich habe wirklich keine…

Das gab mir schon zu grübeln.

 

Lustig war es natürlich auch, viel Haha. Der Erzählstrang hielt sich aber auch gut im Gleichgewicht. Gutes Kabarett ist halt, wenn nicht nur Geschimpft oder Gelobt wird. Wenn man etwas mitnimmt und sich dennoch gut unterhalten fühlt. So gesehen hat der Jess alles richtig gemacht. Auch wenn ich selbstverständlich nicht alles unterschrieben hätte was er sagt. Angenehm war es halt.

 

Besonders gut war der letzte Satz: „Die beste Rache ist ein gutes Leben.“ Das mag zwar nicht neu sein (Marcus Wiebisch z.B. hat den Spruch auch schon gebracht), es ist aber auch einfach wahr. Man sollte sich nicht so sehr gefangen nehmen und sich einspannen lassen. Dadurch. Könnte man sich viel freier fühlen. Die ganze Zeit. Und nicht nur bei 2 Stunden im Kabarett – unterbrochen von einer viel zu langen Pause.

SIAS Open-Air 2016

Was erzählt man über eine Party, auf der man nur eine Stunde war? Nicht viel wahrscheinlich.

Das SIAS-Open-Air wird (gerade in diesem Moment während ich hier sitze) vor den Toren der „Kantine“ in Augsburg abgehalten. Die „Kantine“ selbst ist ein Teil einer alter US-Amerikanischen Militär-Einrichtung und der Parkplatz dazu heißt deswegen nicht umsonst „Exerzierplatz“, jener Platz, um den die SIAS-Veranstalter einen Zaun gezogen haben um hier eine Party abzufeiern. Der Eintritt beläuft sich auf Spendenbasis – so sieht es dann da drinnen im eingezäunten Bereich dann auch aus.

Komisch.

Während der Eine mit dem wir ins Gespräch kamen von der „Kommerzialisierung der SIAS-Party“ sprach, ist im Gelände nur eine einzige schnöde, kleine Bar. Und eine Burgerbude. Keine Werbeplakate an den Wänden. Nichts. Kommerziell sieht anders. Anziehend übrigens auch.

Da eh keiner da war konnten wir uns zu Bekannten auf die Sofas setzen und dem DJ-Team zuhören: Sound war okay. Dabei. War es nur zu früh für Alles. Diese Party geht (wenn überhaupt) erst in ein paar Stunden los. Der Headliner sind die „Bunten Bummler“. Kein Hammer-Act, aber okayne Jungs die okaynen Sound machen. Die Promis sind heute alle eh auf der Nature One oder sonst wo.

Mehr kann ich zu der Party eigentlich gar nicht sagen. Ich bin zu früh gekommen. Und zu früh gegangen.

Deswegen ist das auch eine kurze Notiz und Verbeugung an all jene Partys, die man verlassen hat bevor sie angefangen haben. Aus irgendwelchen Gründen musste  man wieder weg und die Party erfüllt nicht den Zweck, was sie eigentlich sein soll: Es ist keine Party. Noch nicht. Und wird es für uns auch nicht mehr. Sie bleibt eine Veranstaltung mit einem gewissen Potential. Nicht mehr und nicht weniger. Das ist ein wenig wie Karaoke, dass übersetzt „leere Orchester“ bedeutet. Und das sind solche Veranstaltungen manchmal: Leere Partys. Bei denen muss man zwar nicht selbst singen, es tanzt aber auch keiner zu den Hilflosen Bemühungen der Warm-Up-DJs – arme Kerle.

 

Natürlich ist es nett dort Bekannte zu treffen, die von ihrem Partylevel schon ein Stück weiter sind. Man kuckt die da so an, freut sich zwar, doch irgendwas steht zwischen einem.  Von Glas zu Glas, Line zu Line und/oder Pille zu Pille kommt man sich näher, wenn man denn die Zeit dazu hat und die braucht jeder gute Veranstaltungen: Der Punkt an dem die Energien der Menschen zusammen kommen, sich treffen, für ein paar Stunden, die Momente, an denen der kollektive Rausch am Stärksten ist. Geschieht dies nicht, war es nur ein netter Nachmittagsevent, wie eine Grillparty, deren Veranstalter man nicht kennt und wo kaum Freunde da waren.

Ja. Ich stehe dazu. Mir machen Partys nüchtern kaum Spaß. „Mittel“ gehören dazu. Aber ich bin auch der Typ der gerne Riesenrad fährt wegen der Höhe oder auch einmal das Gaspedal beim Auto durchtritt um die Geschwindigkeit zu spüren oder um früher sonst wo zu sein. Manche Dinge gehören zusammen, was auch keine Schande ist. Es ist eher merkwürdig wenn man sich dafür rechtfertigen muss. Wer es nicht mag darf gerne zuhause bleiben. Im Wasser wird man ja auch nass.

 

Party ohne Party ist halt wie Kaffee ohne Koffein. Und Bier ohne Alkohol. Es ist das einfache Leben. Alltag. Trist. „Komm lass uns nachhause gehen.“