„The kills“ live in München, es war der 26.10.2016

Jedes Jahr um meinen Geburtstag herum gehen meine Freundin und ich zum Konzert einer Band, die wir entweder kaum oder gar nicht kennen. Bisher waren wir bei „Cäthe“, „The/Das“ und bei „Star Sailor“. Das waren sehr übersichtlich besuchte Konzerte, bei denen wir mehr herum blödelten als uns mit der Musik zu beschäftigen. Das macht sehr viel Vergnügen und ist einfach nicht so ernst und andächtig wie bei Konzerten von Bands, die man „verehrt“.

„The kills“ dagegen, sind eine Band aus der letzten Kategorie, die kannten und mochten wir schon vorher, was, in diesem Zusammenhang, eher problematisch ist, denn die verdammten „Kills“ sind nicht nur eine mehr oder weniger populäre Band: Die sind sogar richtig gut und werden auch so besucht.

Deswegen war auf dem Konzert schon von Beginn an viel zu viel los um in unsere Blödelkategorie zu fallen. Nun. Es gibt schlimmeres oder? Schließlich hat man eine Weltklasse Band auf der Bühne. Das ist doch auch was Tolles.

Mit dieser Motivation standen wir mitten in der Menge, eingeklemmt, und meiner eher kleineren Freundin wurde ziemlich schnell schlecht. Ärgerlich, kann aber passieren. So war das nur nicht geplant.

Wir verdrückten uns auf die Tribüne und sahen uns die Show von hinten, nicht aus der Menge heraus. Hier. Kann man aber wenigstens Tanzen. Und Atmen.

Und an alle Rollstuhlfahrenden Kollegen: Warum nutzt ihr nicht solche Tribünen um euch ein Konzert anzusehen? Mitten in der Menge stehend seid ihr einfach im Weg – klar: Ihr habt das gleiche Recht dort zu sein wie jeder andere Mensch auch, nur ist eine Konzertmenge fast wie ein eigenständiges Lebewesen, denn die Körper bewegen sich, wie Wasserpflanzen, wie Algen, die sich in der Strömung des Wassers fügen; oder wie in einem Verkehrsstau: Auch der Verkehr hat eine Erinnerung… Egal 😉 Sicher ist, dass wenn in einer Menschenmenge die wenig sieht und nur in eine Richtung schaut, ein befestigter, nicht leicht zu sehender Fremdkörper in der Mitte einer Menschenansammlung verborgen ist (können ja auch Taschen auf dem Boden oder sitzende Leute sein), dass zu Unfällen führen kann; drüber stolpern und fallen ist vorprogrammiert.  Also geht doch bitte auf die Tribüne, wenn schon mal eine vorhanden ist. Ihr seht ja auch was.

(Zum Foto: Verlegt mal eure Kabel besser)

Von der Tribüne aus konnte man ein sehr gutes Konzert einer guten Band verfolgen. Das war super, machte richtig Laune. Nur. Sah man leider auch, dass das Publikum in München ganz furchtbar lethargisch war. Da ging. Gar nichts.

Schon im Vorfeld musste man einfach wahrnehmen, wie hoch die Hipster-Dichte heute Abend war, was gar nicht so schlimm ist, nur sahen viele Stilo-Männer so aus, als würden sie den Look von Jamie Hince kopieren, seines Zeichen Gitarrist der Band (die Band besteht im Prinzip nur aus zwei Leuten, ihm und der Sängerin Alison Mosshart) und baldiger Ex-Mann von  Kate Moss, der weiß also wie man sich gut anzieht. Gut dastehen ist eine Sache, die die Münchner klasse beherrschten. Gut Stimmung machen aber überhaupt nicht, deswegen verleihe ich heute den Preis für das schlechteste Publikum 2016 an diese Lahmärsche in München: Ihr habt nichts getan und gerade deshalb habt ihr ihn verdient! Das goldene… Ähm nein, der Preis für das schlechteste Publikum geht an euch!

Von oben herab  konnten wir uns über diese Leute kaputt lachen, tanzend, mit Bier und Jägermeister in der Hand (zumindest ich). Da waren wir auch wieder bei meinen furchtbaren Geburtstagskonzerten. Das Publikum riss es in diese Richtung. Diese Heringe in der Dose.

Und die „Kills“ selbst?

Die waren ehrlich gesagt richtig super. Alison Mosshart kann richtig singen, genauso wie auf Platte, und live krachte die Gitarre von Jamie Hince viel mehr rein – ein echt schweineguter Gitarrist. Am Besten gefielen mir „Future starts slow“ und „Sibirian Nights“, obwohl ich das vorher gar nicht sooo toll fand. Am Meisten freute ich mich über „U.R.A. Fever“, das erste Lied was ich von ihnen kennen lernen durfte. Da war sogar mal auf ner Spex-CD ein gutes Lied drauf 😉

 

Für uns war es – auch wenn der Start ein wenig holprig war – ein gelungener Abend. Geile Musik, viel Platz, auch wenn man dieses Mal nicht so nah an der Band war, dass man sie anfassen konnte. Na und? Ich verstehe einfach nicht wie die Leute sich zu cool dafür finden, um auf einem Konzert mehr zu machen als mit dem Kopf zu nicken und nebenher auf Facebook zu verlinken, was man gerade für eine Megacoole Band hört (was die „Kills“ sind) und wie geil man selbst ist, die zu kennen und auch noch hier zu sein…

 

Sei es drum. Tolle Band. Tolle Musik. Viel Spaß. Und wie immer bei dieser alljährlichen Konzertreihe bei mir: Zu viel Alkohol. Ich habe später noch besoffen den Roadies geholfen ihr Zeug zu verladen. Nun ja… Räusper.. 😉

Bin gespannt wo  und bei welcher Band wir nächstes Jahr aufschlagen. In Dortmund, Essen, Bochum und München waren wir jetzt ja schon an diesem komischen Jahrestag…

 

(Und: Die Vorband war „Georgia“. Die war auch gut. Was man von Vorbands selten behaupten kann. Hat ganz schön viel Power diese Frau)

Die Betäubungsmittel-Revolution

Ich bin nicht dafür und werde es niemals sein, dass Drogen jeglicher Art so legalisiert werden wie die Volksdroge Alkohol, die ich selbst viel zu oft und aus Gewohnheit in mich hinein schütte. Irgendwann einmal im „Text zur Nacht“ habe ich mal geschrieben, dass jedes Ereignis im Leben besser ist, wenn man ein Bier in der Hand hat; und dieser Irrglaube ist für mich eine Tatsache.

 

Niemals werde ich dafür sein, dass die Leute Cannabis so kaufen können wir Alkohol, z.B. Päckchenweise beim Rewe. Ein Verkauf sollte, selbst wenn er legal ist, reguliert ablaufen: Auch bei Alkohol. Ich werde es nie für gut heißen wenn ein 13, 14 oder 17 Jähriger irgendwo legal kiffen kann, selbst wenn es in der Gegenwart viele Bereiche in Deutschland gibt, wo das Gang und Gäbe ist. Auch Erwachsene sollten nicht überall Drogen konsumieren, jedoch mitführen dürfen. Kriminalisierung hat uns weder gerettet noch weiter gebracht.

Für mich persönlich  ist es ein großer Schritt zu sagen, dass man im Prinzip alle Drogen legalisieren sollte, denn dagegen war ich immer. Das hat auch viel damit zu tun, dass irgendwelche Vollidioten, die gerne kiffen, sagen, wie geil das doch ist und jeder Mensch dadurch besser wäre und die Gesellschaft supertippitopi würde, wäre Kiffen legal. Nein. Deswegen bin ich nicht dafür. Ich bin dafür, da der Krieg gegen die Drogen so nicht funktioniert.

 

Als langjähriger Drogensüchtiger bin ich für sauberen Stoff und dagegen, dass Leute wegen Eigenkonsum-Mengen eingesperrt werden. Von den zigtausenden die in Lateinamerika wegen des Drogenhandels und denjenigen, ganz egal wo auf dem Planeten, die ob des Konsums leiden oder gar daran zugrunde gehen ganz zu schweigen.

Die oben erwähnte Argumentation der Cannabis-Legalisierer hat ein Problem: Man nimmt Drogen nur bis zu einem gewissen Punkt freiwillig und zum Spaß. Irgendwann kommt meistens der Punkt wo die Sucht den Lebensrhythmus vorgibt, was von den Legalisierungsbefürwortern gerne übersehen wird: Ja, es gibt auch die Drogensucht. Man kann die Menschen leider nicht nur der Selbstverantwortung überlassen, denn aus persönlichen Erfahrungen weiß ich, dass die Sache irgendwann und dafür sehr schnell ins Rutschen kommen kann. Wie kann man also überhaupt für eine Legalisierung eintreten, wenn das Beispiel Alkohol zeigt, wie schlimm die Geschichte werden kann, mit Tausenden von Toten  jedes Jahr auf der Seite der Konsumenten? (oder Tausende Hirntote-Kiffer? Oder Blödgefeierten – Unwort – Ravern?)

 

Alkohol ist ein gutes Beispiel, da es ein schlechtes Beispiel ist. Hier hat sich gezeigt, wie eine Legalisierung nicht funktioniert. Aber. Aus diesem Beispiel kann man lernen. Ich finde, wenn man Substanzen erlaubt, muss das nicht heißen, dass man sie auf einen Standard erlaubt, wie Alkohol. Ganz im Gegenteil. Man muss bei einer XTC- oder Cannabis-Legalisierung den Alkoholkonsum, also den Verkauf eindämmen. Jeder bekommt von mir aus einen bestimmten Monatsbedarf zugesprochen, den er über die Krankenkasse abrechnen kann, Schimpfwörter wie RFID-Chips könnten  da weiterhelfen. Lacht nicht. Was fürs Kiffen ein Modell ist, muss Zwangsläufig auch ein Modell für Alkohol werden. Kontrollierte Abgabe, anders geht es nicht.  Natürlich lässt sich auch so ein System umgehen (Kumpel kauf mir mal was auf deinen Vorrat), das wird aber immer so sein.

 

Der Weltstaat müsste keinen Krieg gegen die Drogen inszenieren, der ohnehin mehr Leben kostet als rettet. Millionen, ach was Milliardengeldsummen könnten gespart werden und ich würde sie in Prävention und Aufklärung stecken. Während ich hier sitze wird in meiner Landeshauptstadt das Oktoberfest abgehalten, und warum nicht dort große Kampagnen gegen den Alkoholkonsum starten? Bringt nichts? Stimmt nicht. Mit dem Rauchen ist es doch genauso. Vor 50 Jahren hätte man mich auch ausgelacht wenn ich Raucher vor die Tür geschickt hätte: Heute ist es Normalität. Der stete Tropfen… Ihr wisst schon. Und die Quote derer die zu Rauchen anfangen sinkt auch immer weiter, Anti-Drogen-Kampangen funktionieren also, wenn man sie zielgerichtet und auf hohem Niveau führt.

 

Ich gönne jedem seinen Drogenrausch, solange es ein RAUSCH ist und keine Gewohnheit, wenn es also schon gar nicht mehr kickt und man es trotzdem macht. Deswegen soll jeder das Recht haben einmal oder zwei Mal im Monat sich mit LSD oder was weiß ich abzuschießen. Doch nicht im Verborgenen, nein, an Orten wo er auch Hilfe bekommt, wenn es mal nicht so gut läuft mit dem Draufsein. Das Stigma des Drogenkonsums muss weg und schon erreicht man wieder viel mehr Menschen, die man heute als verloren  ansieht.

Drogenkonsum an sich soll nichts Gewöhnliches werden, nicht so wie: Mir ist langweilig und ich gehe jetzt mal zur Tanke und hole mir nen Wodka Gorbatschow aus der Dose. Drogen sollten Event-Charakter haben und dann auch toleriert werden.

Dabei wird es immer einen Schwarzmarkt und menschliches Elend geben. Immer. Nur muss man die Möglichkeit einer humanen Gesellschaft erhalten. Und warum soll ÜBERWACHUNG in jedem Fall etwas Schlechtes sein?

 

Das Ganze ist natürlich ein Hirngespinst, ein wenig von Utopia darf man aber wohl auch noch träumen, oder? Und vielleicht sollte man den Staat nicht immer auf allen Ebenen verteufeln und Regulierung nicht gleich als die Zerstörung der persönlichen Freiheit begreifen. Manchmal wissen doch andere was besser für dich ist. Mutti hatte ja auch nie ganz Unrecht.

 

Legalisiert wird werden. Früher oder später. Auf die eine oder andere Art. Und ich bin gespannt  was dieser anstehende Tabu-Bruch für eine Gesellschaft generiert. Denn mit der Drogenlegalisierung ist es wie mit dem Etablieren der freien und offenen Sexualität im letzten Jahrhundert.

Heute leben wir in ein durch sexualisierten Gesellschaft. Ich kann mir überall Sex kaufen, ansehen und selbst für umsonst ins Internet stellen. Vor Jahrzehnten war noch eine Nacktszene im Kino ein Skandal – wie wird es dann erst mit der legalen Massenverbreitung von Drogen sein? Ich. Bin ja kein Freund der übermäßigen Sexualisierung, die bei uns allerorts anzutreffen ist. Ich finde, diese Form von Sex fehlt es an Würde und Anstand, was sich auch mit dem Respekt auf meinen (schlimm/schönes Wort) Nächsten überträgt. Denn das ist doch die Frage liebe Regulierungsfreien Legalisierungsbefürwörter: Was wird mit der Gesellschaft geschehen, wenn ihr alles frei nehmen dürft? Seid ihr wirklich so naiv zu glauben, dass dann alles besser wird?

Meiner Meinung nach hat der Respekt dem anderen gegenüber mit einem höheren Maß an (Sexueller)Freiheit nicht gerade zugenommen. Im Gegenteil. Was wird nach der sexuellen Revolution, die Drogenrevolution hervorrufen? Werden wir noch unverantwortlicher werden? Und wird das Wort „Freiheit“ nur noch mit „Marktfreiheit“ gleichgesetzt?

Der Stoff aus dem die Helden sind

Mama… Es tut mir leid… Ich weiß gar nicht wie ich diesen Brief beginnen soll, wie ich dir schonend diese Nachricht beibringen soll… Wie ich es könnte… Dir… Meiner Mutter. Meiner Mama. Die ich immer nur stolz machen wollte… Vielleicht sollte ich es dir sofort sagen… Einfach so… Doch ich traue mich nicht… Es ist so viel passiert in so kurzer Zeit… Wieso hat man unendlich viel Zeit wenn man sie nicht benötigt?… Und dann… Wenn…

Mama. Ich habe einen Mann getötet.

 

Ich wollte es nicht und tat es doch… Weil… Irgendwie wollte ich es schon, in diesem einzelnen einzigen Moment… Von meiner Wut her wollte ich schon oft jemanden erschlagen… Aber… Das war nur Wut gewesen. Das war nur Spinnerei… Doch jetzt… Es ging alles so schnell… Ich habe sein Leben zerstört… Meins auch… Und ich hoffe einfach nur… Dass du… Irgendwie… Und Lena… Davon verschont bleibt… Das ihr ohne mich weiterleben könnt. Das ihr mich vergessen könnt… Denn Vergessen ist doch auch eine Form von Verzeihen…

 

Mama. Ich war nie ein mutiger Mann. Vielleicht dachte ich es manchmal. Doch das war Unsinn. Nicht einmal als ich diesen… Scheißdreck gemacht habe, war ich mutig. Mein Leben lang war ich ein Maulheld. Ein Schwätzer. Ein kleiner Junge in dem Körper eines Mannes, der zu viele Filme gesehen hat. Der glaubte was über das Leben zu wissen. Nichts habe ich gewusst… Immer nur… Geglaubt…

 

Ich war betrunken gewesen… Mama… Und der Alkohol hat mir die Dummheit eingeflößt. Die Dummheit mutig zu sein. Ich glaube… Ein zivilisierter Mann kann nur noch betrunken mutig sein… Wahrscheinlich ist das der Grund warum wir Männer uns betrunken immer streiten und schlagen müssen. Weil da etwas hochkommt. Dass wir unterdrücken. Dass wir niederkämpfen. Für dass wir längst blind geworden sind. Und das ist etwas Gutes! Mama… Der verdammte Alkohol… Warum habe ich schon immer so viele Probleme mit dem? Wieso gibt es den immer und überall? Bei jeder Feier. Zudem Anlass. Und auch zu jedem Zeitpunkt, zu dem es keinen Anlass gibt?

Und ich fühlte mich so tapfer durch die Sauferei. So enthemmt. Ich hab mit Frauen gesprochen. Hab Eine geküsst… Vielleicht war ich mein ganzes Leben lang gehemmt… Weil ich Angst hatte… Und mit jedem Glas von diesem verdammten Stoff wurde es… BESSER… Es tut mir leid. Ich wusste mir nicht anders zu helfen… Und es war doch auch so einfach… Ich meine… Man kann sich den ganzen Tag bei uns besaufen. Wieso sollte man es denn nicht tun? Der Alkohol machte mich genau das was ich ansonsten nicht bin: Lustig und mutig. Auch… Wenn Beides vielleicht gar nicht wahr ist. Wenigstens fühlte ich mich so… Von Glas zu Glas.

 

Andi und ich waren auf Karneval gewesen. Erst in der Bar und dann in der Zeche. Waren gut dabei. Flaschen am Anschlag. Haben den Jägermeister weggelitert. Dann noch das Bier hinter her. Klar. Das war für uns so klar wie Wodka… Und dann sind wir auf den Umzug. Und da habe ich mit so ner Ische.. Nicht schlimm. Nur so ein wenig rumgemacht. Woher sollte ich denn wissen dass die nen Freund hat? Und der kam natürlich daher… Scheiße… Das hätte ich auch gemacht!  Fängt nen Streit mit mir an, schlägt zu, bricht mir die Nase… Ja… Ich habe jetzt auch ne gebrochene Nase. Hab die volle Schlägervisage… Aber das ist ja vollkommen egal und unbedeutend… Und ich so: Das lasse ich mir nicht bieten! Absolut schrecklich wütend, betrunken und mutig. Und da habe ich dem voll eine mitgegeben. So von der Seite. Und dann noch eine und noch eine. Und er fällt dann vor den verdammten Karnevalswagen und wurde da von so einem Traktor überrollt. Das ging dann ganz langsam und doch zu schnell, als das irgendjemand… Klar habe ich das nicht gewollt. Aber mit einem „Unfall“ komme ich wohl nicht davon. Weil… Der konnte mich nicht sehen als ich zuschlug und der Bulle hat später gemeint… Ach… Ich weiß auch nicht…

 

Es tut mir leid Mama. Ich war nicht ich selbst. Obwohl… Ja klar war ich… Ich… Aber ich war auch NICHT ich selbst. Ich war einfach nur… Ich weiß auch nicht. Eine betrunkene Bestie… Irgendwas Entfesseltes… So ein Ur-Ding… Vielleicht war ich auch mehr ich selbst als jemals zuvor? Keine Ahnung…

Es tut mir so leid um den blöden Hund… Die arme Sau… Der hatte keine Chance…

Ich muss jetzt mit der Schuld leben. Ganz egal was kommt. Und weißt du? Ich habe das auch verdient. Dass ich damit leben muss. Aber du. Und die Familie von dem Kerl. Und die Freundin von dem… Die haben das nicht verdient. Dass sie darunter leiden müssen. Dass ich mein Leben lang ein Feigling war. Und glaubte, der Stoff würde mich heilen…

 

Das finstere Mittelalter der elektronischen Musik

Es gibt Dinge über die ich mich den ganzen Tag aufregen könnte. Das Schlimme ist: Es sind meistens die gleichen Dinge. Aus meiner Wut lerne ich quasi überhaupt nichts und am Ende werde ich nur als das wahrgenommen, was ich ausstrahle, nicht das, was ich meine – als verbitterter Mitte Dreißiger mit einer lächerlichen Wut….
Zum heutigen Thema gehe ich in eine Zeit zurück, in der ich sehr selten wildere, (besser) AUFRÄUME, und schon gar nicht im öffentlichen Blog-Kontext. Es war eine Zeit, in der ich mich selbst nicht mochte und noch nicht in der Welt zurecht fand, und alleine durch diese Erklärung ist schon offensichtlich, dass ich von meiner Pubertät spreche.
Geboren wurde ich 1980, wodurch die 90ger die Zeit meiner Bewusstwerdung waren, ja, sie mussten es sogar sein.

Lebte man in den 90gern in Süden Deutschlands in einer Kleinstadt, hatte man nicht viele Möglichkeiten sich selbst zu entdecken. Natürlich gab es wie in all den Jahrhunderten davor das Buch und ihren neumodischen Ableger (dem „Magazin“), zudem seit einigen Jahrzehnten das Fernsehen, welches in dieser Zeit (heute kann man sich das schwer vorstellen) Stil- und Meinungsbildend war. Das Internet gab es noch nicht für alle (erst Recht nicht für uns fern der Großstadt) und so konnten wir im Prinzip nur auf die Kultur zurückgreifen, die ohnehin schon da war, die Disco- und Pop-Kultur, durch welche schon unsere großen Brüder und unsere Väter gingen , ja, meistens besuchten die sogar die SELBEN Discos, in die wir eines Tages gingen; es gab ja nichts, außer diese damals schon 20 Jahre alten Schuppen.
Entweder mochtest du die Disco mit ihrem besoffenen Charts-DJs und derem Gefolge, zu deren Musik man sich mehr betrunken als einfallsreich einem furchtbar grässlichem Paarungsritual hinzugeben hatte (dem man zustimmte, sobald man den feuchten Stempel am Eingang aufgedrückt bekam), deren Inhaltslosigkeit und Banalität durch die Untermalung mit „DJ Bobo“, „2Unlimeted“, „Doctor Alban“ oder „Ace of Base“ den perfekten Soundtrack erhielt, oder aber du standest wie ich vollkommen deplatziert NEBEN der Tanze, einen halben Liter Wodka-Energy in der Hand, für den du 5 Mark zahlen musstest, und sahst dir mehr schockiert als involviert dieses komische, ja, in deiner Gefühlswelt viehische Treiben an.
Ohne den Wodka wäre ich schreiend davon gerannt.

Techno kannte ich damals nur aus dem Fernsehen, und wäre er hier gelaufen, hätte ich ihn auch nicht verstanden. Nein. Dafür war ich einfach weder alt, noch reif genug. Ich wusste nur, während ich da stand und den hübschen Mädchen dabei zu sah wie sie von rotköpfigen Bauern mit halb leeren Wodka-Energy-Gläsern betatscht oder (noch schlimmer) ANGETANZT wurden (was mit Tanzen selbstverständlich sehr wenig zu tun hatte), und sie sich über diese Aufmerksamkeit nicht schämten oder ärgerten, nein, es gefiel ihnen sogar. Und das war das Würdeloseste an der ganzen Geschichte: Nicht die Musik. Die der Alkohol. Nicht die Deppen auf der Tanzfläche die man eh schon nicht leiden konnte. Nein. Es war auch dieses aufdringliche Paarungsding, auf das alle gerne hereinfallen wollten.
Da dachte ich mir: Es muss doch noch mehr im Leben geben.

Später im Techno fand ich genau das, was mir hier fehlte: Die Würde… Da mag jetzt der eine oder andere schlucken oder meine Überlegung belächeln: „Würde? Was hat dieses Drogenverballerte im Nebel Getanze denn bitte mit WÜRDE zu tun?“
Die Würde lag in der unaufdringlichen Freiheit. Klar gab es auch hier schon Codes wie sich jemand so ein Nachtleben vorstellte, nur war es einfach nicht so wichtig. Wichtig war die (Achtung Opa-Raver-Begriff) Entgrenzung. Wenigstens war das für mich so.
„Begrenzung“ war für mich dieses Disco-Ding, wo es nur um Saufen und Abschleppen ging. Nicht um diese Gemeinschaftssache, die im Techno der 90ger Jahre stilschweigend seine Runde in den großen Augen der Menschen machte. Das Besondere an dieser Gemeinschaftssache war auch, dass sie im Prinzip ein Geheiminis war. Die Ekstase des Tanzes erschloss und erschließt sich niemanden durch das bloße Ansehen. Man muss mitmachen um es zu verstehen – und schon bist du Teil der Gruppe. Du musstest nicht schön sein, toll tanzen können, nicht reich oder jung sein, nicht einmal viele Freunde habe: Du kamst einfach dorthin und im Nebelwald des Techno-Sounds (und der Drogen, natürlich) verschmolz das Ganze zu einem großen, lebensbejahenden „Ja!“, dass über die Nacht verteilt hin und wieder in Form eines gemeinschaftlichen Geschreies bewusst aus den erschöpften Kehle geschrien wurde, zuerst nach dem Break (dem kurzen Moment der konzipierten Stille einer Techno-Platte) später (weil besser hörbar) IM Break. Doch das war egal. Es ging einfach nicht um dich und dein kleines Leben. Es gab nur das hier und jetzt. Niemand musste abgeschleppt werden. Keiner stand an der Seite, auch wenn er gerade nicht tanzte.
Diese Zeiten sind lange her.

Ich habe schon sehr viele Stunden damit verbracht diesem Lebensgefühl hinterher zu reden, dass es so und in dieser Form nicht mehr geben wird; es wird sogar vergessen werden. In der Pop-History wird Techno eine Fußnote bleiben, nicht weil Techno so unwichtig war oder ist, sondern weil es eben (wie oben erwähnt) nicht abfilmbar ist. Abfilmbar und damit kommerziell sind und waren die Hits der 90ger und jetzt die EDM-Kultur, mit ihren David Guetta und Hardwells oder was weiß ich – für mich sind die Szenen komplett identisch, ja, EDM klingt nicht nur wie die grauenvolle Charts-Musik aus den 90gern, sie ist einfach nur eine neuaufgewärmte Wiederholung davon. Und was ich damals schon für Dreck hielt, ist es in meinen Ohren auch heute noch.
Das wäre halb so wild, würde die Menge vor dem DJ-Pult nicht ebenso degeneriert sein, wie die Musik die sie abfeiern. Es geht wieder mehr um Schein als um Sein. Mehr um vermarktbare Bilder als um ein Geheimnis. Ich weiß, darüber ärger ich mich auch alle paar Monate, es tut nur so verdammt weh das Ganze so sehen zu müssen.
Den Techno hat es dabei nicht minder schlimm erwischt, auch dort geht es nur noch um Oberfläche, nicht um Attitüde. Klar, Ausnahmen gibt es überall. Ich sage es aber jetzt auch zum 100 Mal: Drogenfressen alleine hat nichts mit einem teilbaren Geheimnis zu tun.
Meinem Gefühl nach befinden wir uns im finsteren Mittelalter der elektronischen Musik, und durch so eine Aussage schwingt die Hoffnung mit, dass es eines Tages einmal wieder besser wird.

Spass sollen die Leute haben, sei es bei Hardwell oder bei einem zu einer Karikatur seiner selbst verkommenden Sven Väth. Es spricht nichts gegen Spass. Spass und Vergnügungen sind die Triebfedern unseres Daseins. Nur. Das kann doch noch nicht alles sein, oder?

Und es tut mir leid dass ich die Menschen „degeneriert“ genannt habe. Ich meinte damit nur. Dass ihr euch mit viel zu wenig zufrieden gebt.
Mit viel zu wenig.

Ich möchte mal wissen

wann ich alt genug bin, um mich am nächsten Tag nach einer feuchtfröhlichen (und vor allem lustigen) Party mich nicht mehr für mein betrunken dichtes Ich schämen zu müssen.

Wann hört das endlich auf? Ab welchem Punkt akzeptiert man sich vollkommen selbst, so wie man ist?

Hm…

Wenn ich dabei so darüber nachdenke, will ich das in Wahrheit gar nicht, ganz gleich wie blöd dieses Gefühl nach dem Aufwachen auch sein mag. Ja. Nein. Ich will mich noch lange für mich selbst schämen können. Denn aalglatter Perfektionismus ist auch nur ein anderes Wort für „Tod“.

Gestern bei uns

Alkohol ist die Lösung

Es ist ein guter Brauch jeder Augsburger Profimannschaft, zu verlieren wenn ich ihm Stadion bin. Keine Ahnung warum das so ist, denn trotz allem sind die Vereine auf dem Papier immer erstklassig. Gestern war die Ausnahme von der Regel. Die Augsburger Panther fegten die Hamburger Freezers mit 4 zu 1 vom Platz. Ihr erster Auswärtssieg.

Nicht das ich, nicht das wir, große Eishockey-Fans wären; wie so oft sollte es einfach mal wieder was „anderes“ sein.

Ansonsten denkt man gar nicht darüber nach, wie viele tausende, wie viel Millionen Menschen auf der ganzen Welt sich an Wochenenden oder in der Arbeitswoche,  ihren nicht Mainstream-Hobbys hingeben, sich in irgendwelchen Sport-Kathedralen einen hinter die Binde gießen, sich in Wäldern verkleidet mit Schwertimitaten verprügeln, zu für andere seltsamer Musik noch merkwürdiger zu bewegen, in „ihren“ Swinger-Club gehen oder nur mit den Kumpels von der Freiwilligen Feuerwehr abhängen; Menschen machen diese für anderen komischen Dinge die ganze Zeit und sehen darin, wenn nicht gleich ihren Lebensinhalt, ihren Ausgleich zum ganzen Wahn der Arbeits- und Familienwelt.

Da muss ich gleich an den Ulrich Seidl Film „Im Keller“ denken.

Wir haben nicht unser Ding. Sind nirgendswo hängen geblieben. Heute also: Eishockey.

Ich war vor ein paar Jahren schon einmal im Augsburger Panther Stadtion gewesen – dem Curt-Frenzel-Stadion – und hatte es zwar ein Dach, nur leider keine Wände. Und so eine Wintersportart ist gerade im Dezember sehr, sehr kalt, was auch ein Grund dafür sein kann, weshalb die Stimmung dort immer sehr gut war.

– Gegen die Kälte.

Im Jahr 2015 haben sogar die Augsburger ein schönes Stadion (mit Wänden), mit allem möglichen Schnickschnack. Das Spiel war gut. Die Leute okay. Auch wenn man sich selbst natürlich immer ziemlich fremd fühlt gegen die hierherkommenden Gewohnheitstäter und Ultras. Dazu gehören wir bei so Veranstaltungen nie, wie auch?

Und da sind wir jetzt beim Punkt der Geschichte angelangt.

Nüchtern kann ich solche Massenevents kaum ertragen.

Ich.

Bin dann auch schwer zu ertragen.

Nüchtern sein langweilt dann einfach. Natürlich habe ich in meinem Leben mehr als genug Drogen genommen aber das ist jetzt auch schon ne Weile her. Trotzdem muss ich, wie Millionen Deutsche und sicherlich Milliarden Menschen auf diesem Erdenrund, ein Bier in der Hand und eines in der Kehle haben um mich entspannen zu können. Und. Um in solchen Veranstaltungen aufgehen zu können.

„Für mittendrin statt nur dabei“ bedarf es für mich des Angeschickertseins. Keiner Volltrunkenheit, es genügt der berühmte gewisse Level.

Darüber denkt man mit Mitte dreißig gar nicht groß nach, wenn man vor einigen Jahren noch eine Flasche Wodka mit einem Gram Speed innerhalb einer Stunde plattmachen konnte. Alkohol gehört dazu. Er ist Lebensgefühl. Und früher war eh alles schlimmer, hefiger, totaler (ehemalige Drogensüchtige haben immer ihren eigene NSDAP-Mitgliedschaft und ihren persönlichen zweiten Weltkrieg hinter sich).

Meine Freundin hält mir natürlich immer vor, dass man auch ohne Alkohol Spaß haben kann. Da gebe ich ihr Recht. Nur warum sollte ich versuchen ohne Alkohol Spaß zu haben, wenn ich ihn garantiert MIT haben kann? Seien wir doch mal ehrlich: Jede Sportveranstaltung, egal im Stadion oder vor der Glotze, ist besser wenn man ein Bier, Wein oder was weiß ich in der Hand hat.

Alkohol hilft uns los zu lassen.

Ich weiß nicht in welcher Welt ihr lebt. In meiner Welt muss man schuften wie ein Irrer, um durch den Tag zu kommen. Und hin und wieder ein wenig Alkohol zum Entspannen zu trinken, ist für mich Normalität. Er hilft zu vergessen. Loszulassen. Und in dem Punkt kann ich auch jeden Kiffer verstehen, wenn er es einfach zum Entspannen. Braucht. Jeder klardenkende Kiffer oder Alkohol-Trinker sollte dabei auch die Einstellung haben, dass er froh wäre, den Alkohol NICHT zu brauchen. Es ist nur die Welt, die einen dazu treibt.

Das klingt nach einer Ausrede. IST eine Ausrede. Und doch auch die Wahrheit.

Selbstverständlich will ich nicht dauernd breit sein. Ich will nicht damit vor meinen Problemen davonrennen. In gewissen Situationen MUSS und will man auch nüchtern sein. Zum Beispiel würde ich nie hier auf Droge an dieser Tastatur sitzen, weil ich einfach nichts lesbares produzieren könnte. Auch kann ich nicht einmal nach einem Bier ein Buch lesen. Nein. Alkohol und Drogen machen NICHT Alles besser. Es hilft nur den Lebensdruck zu senken, gerade in Situationen wie gestern. Denn ich kann mich nicht sofort supernüchtern in ein Stadion stellen wie gestern, und mich dort nicht erst einmal deplatziert fühlen. Ich brauche mindestens zwei Bier, um meine eigenen Kritiker-Radar herunterzufahren um die Menschen um mich herum in ihrem Fetisch zu akzeptieren und um ein Teil von ihnen zu werden.

Nüchtern bin ich eher ein zurückhaltender Charakter, angeschickert nicht. Wahrscheinlich liegt mein Denk-, mein Emotionsfehler darin, dass man sich in jede Situation hinein fühlen muss, um daran Teil haben zu müssen. Wenn ich aber NICHT Teil habe, werde ich als ein unmöglicher Charakter beschrieben, der einem alles schlecht macht…

Das letzte Drittel des Eishockey-Spiels war das Beste. Die Fans gerieten außer Rand und Band. Die donnernden Gesänge wurden noch einmal unfassbar lauter, einnehmender… Aus der Menge auf den Rängen wurde eine kraftvolle Singularität, die wie ein Mann agierte. Keiner krakelte aus der Reihe.  Die Hände hoben sich nach dem Vorbild und Diktat des großen, unsichtbaren Choreographen, der überall seine Fäden zieht. Alle hüpften im Einklang umher. Frauen. Männer. Kinder. Alt und jung. Und auch wenn die Kinder nicht betrunken waren, so eiferten sie doch dem betrunkenen Vorbild ihrer Erziehungsberechtigten nach, denn im letzten Drittel eines Eishockey-Spiels (welches mit Unterbrechungen ziemlich lange dauern kann) sind die meisten Fans eh nicht mehr nüchtern. Wieso auch? Denn entweder haben sie gerade gewonnen, verloren… Oder Alles stellt sich als ein unglückliches Unentschieden heraus.